Melpomene/Band 2/050 Bei dem Grabe der alten Jungfrau Afra Schwarz, die durch einen Unglücksfall ihr Leben verlohr

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 141–143
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[141]

50. Bei dem Grabe der alten Jungfrau Afra Schwarz, die durch einen Unglücksfall ihr Leben verlohr.

Melod. III.

1. O welche unverhoffte Leiche,
Die dieses neue Grab verschliesst,
Wobei der Arme, wie der Reiche,
In einen Thränenstrom zerfliesst;
Denn die Person, die wir begraben,
War vor drei Tagen noch gesund,
Und eh wir es vermuthet haben
Schlug schon für sie die Todesstund.

2. Sie both aus Dankbarkeit beim Bauen[1]
Voll Diensteseifer ihre Hand,
Doch sie vergaß dabei, zu schauen:
Ob wohl ihr Fuß auch sicher stand;
Als unvermuthet ihren Füssen
Die Unterlage sich entzog,
Und sie, das Leben einzubüssen,
Ganz umgestürtzt hinunter flog.
[142]
3. So fiel sie mit des Halses Knochen
Auf einen harten Gegenstand,
Und hatte das Genick gebrochen,
Wo sie den höchsten Schmerz empfand;
Zwar war sie noch bei vollen Sinnen,
Und kannte deutlich die Gefahr,
Worin, ihr Leben abzuspinnen,
Des Todeshand begriffen war.

4. Sie prüffte also ihr Gewissen;
Bekannte ihre Sündenschuld,
Und bath, von Reu und Schmerz zerrissen,
Gott um Verzeihung Gnad und Huld,
Empfieng mit wahrer Vorbereitung
Der heil’gen Sakramente Gnad,
Und übergab sich Gottes Leitung,
Und wandelte den Todespfad.

5. So nahte ihre letzte Stunde,
Sie fiel in Zuckungen und Krampf,
Und mit erblasstem kaltem Munde
Erlag ihr Herz im Todeskampf,
Die Wärme wich aus allen Gliedern,
Das Blut im Herzen blieb zurück,
Und bei geschlossnen Augenliedern
Verblich im Tod ihr Thränenblick.

6. Doch immer war sie vorbereitet
Auf einen solchen gähen Tod,
Und höchste Zuversicht begleitet
Hinüber ihren Geist zu Gott;
[143] Und nicht umsonst war ihr Bemühen
Um einen frommen Lebenslauf;
Und sicher fuhr sie mit Marien
Heut in das Reich des Himmels auf.

15. August 1833.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. im Original wohl Druckfehler „Bauben“