Melpomene/Band 2/067 Bei dem Grabe des Kaspar Faklers, der an einem fressenden Geschwür starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 180–182
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[180]

67. Bei dem Grabe des Kaspar Faklers, der an einem fressenden Geschwür starb.

Melod. IX.

1. Nun fand er, der Dulder, im Grabe
Die sehnlich erwartete Ruh;
Er wallte, gebeuget am Stabe
Dem Ziele der Ewigkeit zu:
Er hat vier und siebenzig Jahre
Beinahe hienieden gelebt,
Doch fand er nur hier in der Bahre
Den Frieden, nach dem er gestrebt.

2. Er wurde von heftigen Schmerzen
Des kränklichen Alters gequält,
Wobei es dem leidenden Herzen
An gründlicher Hoffnung gefehlt;
Denn ach! zu des Alters Beschwerden
[181] Kam noch ein sehr böses Geschwür,
Und leider! noch giebt es auf Erden
Kein gründliches Mittel dafür.

3. Man hätte so gerne durch Schneiden
Dem Laufe des Übels gewehrt,
Doch aber, man hätte sein Leiden
In täuschender Hoffnung vermehrt;
Er mußte sich also ergeben
Mit standhaft erhabner Geduld,
Und weihte sein schmerzliches Leben,
Zu tilgen die Strafe der Schuld.

4. Mit bange beklommenem Herzen
Betreut er die sündige Schuld,
Und suchte, geduldig im Herzen,
Des Richters erbarmende Huld;
Zwar wollt es ihm öfter bedünken
Als wäre die Reue zu klein;
Doch ließ er die Hoffnung nicht sinken:
Gott werde barmherzig ihm seyn.

5. So harrte er aus bis zum Ende,
Erleuchtet von gnädigem Strahl,
Bis er seinen Geist in die Hände
Des himmlischen Vaters empfahl;
Noch rief er vor seinem Verscheiden:
Barmherzig ist Gott, und gerecht,
Und hoffte die himmlischen Freuden
Als reuedurchdrungener Knecht.

6. Nun wollet ihr einst beim Gerichte,
Ihr Sünder! in Gnaden bestehn,
[182] So bringet auch würdige Früchte
Der Buße mit kindlichem Flehn:
Gott woll euch die Sünden vergeben
Mit all ihren Strafen und Schuld;
Dann findet ihr ewiges Leben
In göttlicher Gnade und Huld.