Melpomene/Band 2/070 Bei dem Grabe eines Jünglings, der zu tod fiel

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 186–188
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[186]

70. Bei dem Grabe eines Jünglings, der zu tod fiel.

Melod. XV.

1. Hier stehen zitternd wir, und beben
Vor diesem neuen Grab zurück,
Denn hier verschwand ein junges Leben
Durch fürchterliches Mißgeschick.
Der Jüngling, ach! den wir begraben,
War vor drei Tagen noch gesund,
Und eh wir es vermuthet haben,
Schlug plötzlich seine Todesstund.

2. Er hatte nemlich mit Getränken
Geschwächt Besinnung und Verstand,
Vergaß daher zu überdenken:
Wohin er ging, und wo er stand;
Er eilte hin zur steilen Stiege
Und stürtzte fürchterlich hinab,
Und fiel in seine letzten Züge,
Und auch zugleich ins frühe Grab.

3. Da lag er nun in Blut und Wunden,
Und des Bewußtseyns ganz beraubt,
Sein Sehn und Hören war verschwunden,
Und ganz erschüttert Brust und Haupt;
Es floß aus Nase Mund und Ohren
Des schwarzen Blutes edler Saft;
In tiefer Ohnmacht war verlohren
Des Leibes und der Seele Kraft.
 
[187] 4. Man eilte plötzlich einzuhollen
Des beßten Arztes weisen Rath;
Er kam, und hätte helfen sollen,
Allein die Hülfe kam zu spat:
Er hatte Rettung zwar versprochen,
Gestützt auf seinen Weisheit Plan,
Und bohrte die verletzten Knochen
Des ganz zerquetschten Hirnes an.

5. Man denke sich die Wuth der Schmerzen
Bei dieser Operation;
Wie schlug der Puls in seinem Herzen!
Man hörte seinen dumpfen Ton;
Es floß der ganze Körper über
In einem Strom von kaltem Schweiß,
Sein thränend Auge wurde trüber,
Und seine Lippe kalt und weiß.

6. So nahte seine Sterbestunde
In Krämpfen Zuckungen und Qual;
Der Hauch erstarb in seinem Munde,
Es schlug sein Herz zum letztenmal.
So schlief der Jüngling in den Armen
Des schaudervollsten Todes ein
Gott wolle seiner sich erbarmen,
Und seiner Seele gnädig seyn!

7. Denn sterbend gab er noch ein Zeichen
Von Reue über seine Schuld,
Der Sündenstrafe zu entweichen
In Gottes grenzenloser Huld,
Empfieng mit wahrer Vorbereitung
[188] Der letzten Oelung Sakrament,
Und übergab sich Gottes Leitung,
Die keine Gnadenschranken kennt.

8. Wir können nun die Hoffnung nähren
Daß Gott ihm seine Sünd verzeiht;
Sein Unglück aber soll uns lehren
Die Tugend steter Mässigkeit.
Seyt also nüchtern, wachet, bethet,
Und haltet euer Haus bestellt,
Damit ihr eure Seelen rettet,
Wenn gähling euch der Tod befällt.