Melpomene/Band 2/076 Bei dem Grabe des Anton Göppel, der an einer Entzündung starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 198–200
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[198]

76. Bei dem Grabe des Anton Göppel, der an einer Entzündung starb.

Melod. XV.

1. O welche unverhoffte Leiche
Die dieses neue Grab verschliesst,
Wobei der Arme wie der Reiche
In einem Thränenstrom zerfliesst!
Denn ach! der Mann, den wir begraben
War vor acht Tagen noch gesund,
Und eh wir es vermuthet haben,
Schlug schon für ihn die Todesstund.

2. Ein ungewöhnlich heisses Fieber
Entstand im Innern seiner Brust,
Ging plötzlich in Entzündung über
Und nahm ihm alle Lebenslust;
Allein er wollte sich nicht geben,
Und traute blindlings der Gefahr,
In die doch offenbar sein Leben
Durch diesen Schmerz gekommen war.

3. So wühlte, ohne daß ers kannte,
In seiner Brust des Todes Hand;
Und ach! die Schmerzenwuth entbrannte
Und bracht ihn an den Grabesrand;
Da bath zur Rettung seines Lebens
Er zwar den Arzt um seinen Rath;
Allein da war es schon vergebens,
Und ach! die Hülfe kam zu spat.

[199] 4. Im Todesröcheln sank er nieder,
Und in des Sohnes Arm zurück,
Und streckte seine starren Glieder,
Und stellte seinen feur'gen Blick;
Es brach in ihm die morsche Lunge,
Ganz ausgetrocknet war der Schlund,
Und seine schwarzgebrannte Zunge
Erstarrte kalt im offnen Mund.

5. So schlief, umringt von Weib und Kindern,
Er ein in Todes kalter Hand,
Und nichts vermag den Schmerz zu lindern,
Den liebend ihre Brust empfand;
Denn jammernd ringen sie die Hände,
Und weinen sich die Augen roth,
Gerührt von seinem Lebensende,
Und tief gebeugt durch seinen Tod.

6. Doch nichts ist ohne Gottes Leitung,
Und nichts geschieht von ohngefehr,
Er starb nicht ohne Vorbereitung,
Und nicht an Trost und Hoffnung leer:
Denn kurz vor seinem Lebensende
Empfieng, sich seiner ganz bewußt,
Er noch die heil'gen Sakramente
Mit lieb- und reudurchglüter Brust.

7. Dieß soll uns mit der Hoffnung trösten:
Daß dort im ew'gen Vaterland
Sein Geist, gezählt zu den Erlössten,
Beim Richterstuhle Gnade fand.
Uns aber soll sein Sterben lehren,
[200] Zum Tode stets bereit zu seyn,
Daß wir bei Zeiten uns bekehren
Und gänzlich uns der Tugend weihn.