Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band
Ich bin älter und matter geworden; Ihr müßt mit mir Geduld haben. Beständiges Siechthum ist mein Genosse, mit dem ich umgehe, wie der arme Mann mit einem hohen Gönner: – das Mützchen in der Hand und den „gnädigen Herrn“ bei jeder Rede im Munde.
Das abgerechnet bleibt’s beim Alten. Ihr wißt, welcher Fahne ich geschworen habe. Dem Kampfe für sie sind Leib und Seele gelobt bis an’s Ende. Mein Beistand gehört den Schwachen gegen den Starken, mein Haß den Unterdrückern, und die letzte Kraft meiner Hand dem Zerreißen der verrotteten Legenden, welche das Menschengeschlecht so lange betrogen haben.
Wer einen stahlharten, scharfeckigen, ernsten Geist, wie er in meiner morschen Hülle gefangen liegt, nicht ertragen und nicht leiden mag, der scheide aus dem Kreise meiner Leser. Ich kann kein Wetterhahn seyn, der heute so steht und morgen anders, wie’s eben weht. Ich glaube an die Ewigkeit des Rechts und an seine Allgegenwart; ich folge der Stimme der Allmacht: „Auf und Vorwärts für einander!“ Aber ich folge ihr mit zurückgewandten Augen; denn auch die Vergangenheit hat Heiligthümer, welche der Gegenwart zu retten sind und ich fahre nicht mit dem Sturme. –
Fühlt der Leser jedoch eine sympathetische Regung bei diesem Bekenntniß, so bitte ich, daß er sich nicht von meinem Buche lossage: eine Trennung von ihm wäre mir so leid, wie das Scheiden eines Freundes.
[4] Denen aber, die im Kreise bleiben, oder neu hinzutreten, wünsche ich mildes Wetter für meine Saat, Raum für ihre Wurzeln, Sonnenschein für ihre Blüthen, Wärme zur Zeitigung und guten Wind, die Körner weiter zu tragen zur neuen Aussaat.
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