Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 5, 1)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Diverse
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Miscellaneen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 5, S. 111-127
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 5, 1).pdf
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


|
VII.
Miscellaneen.


1.
Aus Bamberg. 
Den 2ten und 3ten May waren in unserm Franciscaner Kloster Disputationen aus der Schriftauslegungskunde und dem Kirchenrechte. Der Fleiß der beyden H. Klosterlectoren Mauch und Zorn verdient bemerkt zu werden, indem es ihnen nicht genügte, trockne Streitsätze widerzukäuen, sondern mit Ausarbeitungen aufzutreten. Ersterer schrieb bey dieser Gelegenheit: Dissertatio critico-philologico-sacra super Psalm 21; und der andere: De Patriarchis commentatio historico-critico-canonica. Es wäre einmahl Zeit, daß Mönche Sinn für Wissenschaften empfängen, auch Zeit, daß grießgrämende Obern der wohlthätigen Mittagssonne den Eingang nicht ferner verschlössen. Dann| erst ließe sich über die Frage disputiren: können Mönche nützlich werden?


2.
Aus Bamberg. 

 Der in des IV. B. 5tem Hefte in einer Note von Herrn Repetitor Schneidawind rühmlichst erwähnte Herr Stadtvogt Günther zu Weißmain wurde von da auf das Richteramt Eggolsheim, und Herr Rechtspractikant Burkard, dessen Schrift über die Einrichtung des Armenwesens auf dem Lande den ersten Preis vom Fürsten erhalten hat, nach Weißmain versetzt.


3.
Aus Erlangen. 

 Herr Prof. Bayer ist zum ordentlichen Professor der Philosophie; der am Königl. Pädagogio zu Halle als Lehrer gestandene Herr Mehmel, und Herr M. Hirsching sind zu ausserordentlichen Lehrern der Philosophie ernennt worden.


4[.]
 Ich muß Sie auch mit einem Kunstgenie bekannt machen, das allerdings in der Reihe Fränkischer Künstler, die ihre Bildung sich allein verdanken, keinen der letzten Plätze verdient. Der Mann heißt Johann Andreas Hochrhein und ist aus Madenhausen, einem zum Gebiet der Reichsstadt Schweinfurt gehörigen Dorfe, gebürtig. Sein noch daselbst lebender Vater ist ein Bauer. Er genoß keinen andern Unterricht, als den der dasigen Dorfschule; und vor etlichen 40| Jahren – denn er sieht jetzt in seinem 44sten Jahre – war derselbige noch ziemlich nach dem allgemein herrschenden Fuße eingerichtet. Als er zu den Kräften und zu dem Alter gediehen war, einem Dienst vorstehen zu können, kam er in die Reichsstadt Schweinfurt als Bauernknecht. Hier diente er 6 Jahre und vecheyrathete sich. Seinen Broderwerb suchte er und sein Weib als Taglöhner, vorzüglich bey Gartenarbeiten. Bey dieser Beschäfftigung kamen, zumahl im Winter, oft mehrere Tage, wo Hochrhein und seine Frau nichts zu verdienen hatten. Mangel an Verdienst erzeugte bald Mangel an Nahrung, und Hochrhein war bisweilen in nicht geringer Verlegenheit, wie er sich und die Seinigen fortbringen wolle. Hier kam er auf den Einfall bey unserm geschickten Mahler und Zeichenmeister, Herrn Johann Philipp Rösel, von dem ich nächstens ausführlicher reden zu dürfen mir vorbehalte, das Zeichnen zu lernen. Das kostete wenig, denn Herr Rösel gibt mehreren jungen Handwerkern und Künstlern in Schweinfurt oft unentgeldlich darin Unterricht. Rösel bemerkte bald, was an Hochrhein war; und da er Rösels gutes Herz bey seinen geheimen Sorgen der Nahrung immer für sich offen fand, so entdeckte er sich ihm ganz. Dieser rieth ihm, sich auf das Uhrmachen zu legen, und zu sehen, wie er sich eine Drehbank anschaffen könne. Er folgte Rösels Rath und es dauerte nicht lange, so| machte Hochrhein hölzerne Uhren und Spinnräder, und zwar so gut, daß seine Spinnräder vorzüglich gesucht wurden. Merkwürdig ists dabey, daß er sich alle seine zum Drehen nöthigen Instrumente, und auch bey seinen weitern Fortschritten zur Messingdrechslerey selbst verfertiget. Das öftere Wechseln in den Wohnungen war diesem Manne bey seiner nun ergriffenen Handthierung oft sehr beschwerlich. Indessen erwuchs auch durch einen Zufall manches Gute für ihn daraus. Einstmahls wohnte er bey einem Schlosser zur Miethe. Dieser sollte etwas von Messing verfertigen. Er versuchts durch einen Guß und nimmt seinen Miethmann Hochrhein zu Hülfe; anfangs wollte es nicht gelingen, aber endlich siegte doch Muth und Unverdrossenheit. Dieser Versuch brachte Hochrhein auf den Gedanken, künftig das in Messing drechseln zu versuchen, was er seither in Holz gethan hatte. Sein Unternehmen hatte den glücklichsten Erfolg. Er rühmt hiebey besonders den Rath und die menschenfreundliche Unterstützung des K. K. Werbhauptmanns Herrn von Hoyer zu Schweinfurt und des Kurtrierischen Herrn Kammerherrn Baron von Bibra zu Schwebheim. Er verfertiget Storchschnäbel nach Petersburg, alle Sorten chirurgischer Instrumente, alle Sorten mechanischer Instrumente, Ventile, Stiefel, überhaupt was zu Brunnen gehört, verschiedene Sorten Sonnen- und Regenschirme, Commod-Beschläge von allerley Erfindung: überhaupt alles, was| nur in Messing gearbeitet werden kann, um die billigsten Preise.


5.

 Ich habe die Klagen über die Verwüstungen der schönen Waldungen in dem Limburgischen, mit betrübter Überzeugung gelesen. Ich bin einige Zeit ein Augenzeuge von diesen Unordnungen gewesen. Dem barbarischen Gebrauch, den Stämmen das Harz auszuziehen, habe ich selbst einmahl mit Erstaunen zugesehen, indem ich in einem Wald mitten unter einen Trupp sogenannter Harzer geriethe. Man muß aber diese Unordnung nicht auf Rechnung der Limburgischen Herrschaften allein schreiben. Das Eigenthum der Bauern bestehet an den meisten Orten mehr in Waldungen, als in Äckern und Wiesen. Man läßt den Bauern das Eigenthum seines Holzes benutzen, wie er selbst will. Es hat mir ein Limburger Bauer, dem ich das Harzen als eine holzverderbliche Sache zu Gemüth führen wollte, zur Antwort gegeben: „man muß doch auch Pech haben. Wo wollte ich Brod hernehmen, und meine übrigen Ausgaben bestreiten, wenn ich kein Pech verkaufen wollte oder könnte? Dieses kann ich nicht anders als durch das Harzen gewinnen.“

 Hierin liegt also die Hauptursache von jenen Holzverwüstungen; wiewohl die Entfernung und immerwährende Uneinigkeiten und Streitigkeiten der Limburgischen Herrschaften unter sich selbst, die sich auch auf die Besetzung| der Forstämter erstreckte, nicht wenig dazu beygetragen haben mag.


6.
 Unter den Scenen des Selbstmordes ist das Benehmen eines Einwohners von Grub am Forst, Besitzer der Amtsonnenfeldischen Lehns-Mühle, Namens von Berg merkwürdig. Derselbe hatte sich durch seinen bösartigen Charakter, Streit- und Zanksucht, bey vielen seiner Nachbarn, und besonders bey seiner Obrigkeit zu Coburg, durch ein ungehorsames und schmähsüchtiges Leben und Betragen, weshalb er auch schon verschiedenemahle war nach Verdienst gezüchtiget worden, verhaßt gemacht. Eben war er wieder wegen Meuterey nach Coburg citirt worden; seine Gattin, welche er oft übel behandelt und mit welcher er 9 noch lebende Kinder erzeugt hatte, war zu Coburg gewesen und hatte für ihn zu sollicitiren gesucht. Sie kam und brachte ihrem wilden Manne die traurige Botschaft, daß er sich nur auf eine derbe Züchtigung gefaßt machen sollte: denn er müßte den 18 Jan. dieses Jahres, als den folgenden Tag, zu Coburg einen Vorstand haben. „Sie sollen mich doch nicht, nein kriegen,“ antwortet der, wie man sagt, von Brantewein inspirirte Müller, geht in seine obere Stube, ruft seiner Frau, die aber aus Furcht sich nicht hinauf zu ihm getraute, und erschießt sich auf dem Bette; da aber die Pistole nur mit gehackten Bley und Vögeldunst geladen war, folglich das| Herz, nach welchen er gezielet, nicht recht, oder gar nicht getroffen; so mußte er noch einige Stunden, jedoch ohne Sprache und Bewußtseyn, jämmerlich seinen Selbstmord bereuen.

 Nach der Section, welche in Beyseyn des geschickten und erfahrnen Herrn Landphysikus Hornschuch von Coburg verrichtet worden, ist der Leichnam in einen Sarg gelegt, und von der Gräber-Gemeinde abwechselnd getragen, zu Grabe in dasigen Gottesacker befördert worden, wofür sie einen Trunk von den Hinterbliebenen »es Selbstmörders erhalten haben. Zugleich wurde auch von Obrigkeits wegen verlesen, daß niemand deshalb den Hinterbliebenen etwas vorwerfen etc. etc. noch sonst ungebührlich inskünftig gegen solche, die hie zum Begräbniß geholfen, bey Strafe sich bezeigen solle.

 Merkwürdig ist hiebey, daß, wann dieser von Berg sich einen Tag (den 18 Jan.) später erschossen hätte, es eben der Tag gewesen wäre, an welchem sich vor einem Jahre Grabitsckki, Mitnachbar und Einwohner zu Grub, erhängt, bey welcher Gelegenheit von Berg soll geäussert haben: nun wäre die Reihe an ihm!

 Noch ist zu bemerken, daß in diesem Orte nun seit wenig Jahren der dasige Schulz sich die Kehle abgeschnitten, Grabitschki sich erhängt, und nun der Müller von Berg (vermuthlich aus einem uralten adelichen Geschlechte, dessen wilden| Charakter er beybehalten) sich erschossen. Nun fehlt nur noch, daß einer auch ins Wasser daselbst springt; so renommirt sich dieses Dorf, trotz Eogland, im Heroismus des Selbstmordes.

 Himmel und Erde zu bewegen und alle Gründe der Wahrheit und christlichen Religion aufzusuchen, um gegen dieses die Menschheit empörende Laster zu eifern, überlasse ich dem dasigen geschickten, würdigen rechtschaffenen Geistlichen Herrn Martini, der schon oft ein Opfer von des letztgedachten Selbstmörders Schmähsucht geworden!


7.

 Der Rath und Secretair bey der Kais. Commission Herr Kümmelmann zu Hildburghausen ist in Rücksicht seines guten Charakters und treugeleisteten Dienste von Ihro Herzogl. Durchlaucht daselbst zum Kammerrath mit Sitz und Stimme ernannt worden.


8.
 An die Stelle des verdienstvollen Herrn Kreuchauf, Lehrers in der obern Teutschen Mädchenschule zu Hildburghausen ist Herr Candidat Schippel, von Königsberg gebürtig, gesetzt worden. Der im vorigen Jahr verstorbene Herr Kreuchauf war ein ganz besonderer Mann, der als Candidat von Eißfeld in die Hildburghäusische Schule war gesteckt worden; hier stiftete er zwar, dieß| müssen selbst seine Feinde eingestehen, unendlich viel Gutes und erkämpfte so die Märtyrerkrone im Schulstaube; aber er war auch zugleich ein sonderbarer Mensch. Beyspiele werden dieß bestättigen. Schon seine wunderliche Predigten, welche er als Candidat hielt, machten den Zuhörern, statt das Herz zu rühren, das Zwerchfell erschüttern: weshalb ihm auch das Predigen untersagt, und so dem wirklich nicht ungeschickten Manne auf immer die Aussicht besserer Zukunft verschlossen worden. Aber selbst als Schulmann machte er manche Streiche, wovon ausser andern, folgende Verse, – denn er gallopirte auch manchmahl mit seinem Pegasus einher – welche zum Besten seiner Schule unter dem Titel: Kurzer Begriff von Teutschland, aus seiner poetischen Ader geflossen, zeugen:

Der Kaiser ist der Oberherr in unserm ganzen Reiche,
Hat Einkünft wie ein kleiner Fürst. Wie lebt er denn? das zeige.
Sein Erbland trägt ihm großes Geld, viel Silber und Ducaten;
Und davon macht er seinen Staat und hält auch viel Soldaten.
Zu Frankfurth ist sein Krönungsort, da muß er treulich schwören,

Daß er Gott Vater Sohn und Geist sein Lebelang will ehren.
| Er muß auch schwören, daß er will die Protestanten schützen,

Den Catholicken wird er so als Catholick gern nützen.
Die Fürsten mit der Chur bekrönt erwählen diesen Kaiser,
Drey Erzbischöffe sind dabey, fünf weltlich hohe Häuser.
Wer aber sind die andern Herrn, die nicht den Kaiser wählen?
Viel Bischöff, Fürsten, Grafen auch Freystädt kanst du zehlen.
Es gibt auch Ritter in dem Reich die große Freyheit haben
Sie wohnen weit und breit am Rhein in Franken und in Schwaben.
Es gibt auch Dörfer in dem Reich, die haben keinen Herren
Als nur der Kaiser und der Voigt muß nur der Bosheit wehren.
Mainz, Trier, Cöln, auch Böhmen, Bayern, Sachs, Brandenburg, Hannover mit
Setz Östreich zu, das sind die Herrn die hab’n den ersten Ritt.
Wien das Haupt der deutschen Städte, Prag sehr groß, doch schlecht bewohnt.
München, Dreßden, Residenzen. Leipzig wo viel Gutes thront.

Schau Berlin sehr groß und schöne. Breßlau in der Handlung stark.
| Magdeburg sehr wohl befestigt; Hamburg täglich großen Mark.

Lübeck, jene Hansen Crone. Bremen fährt mit in die See.
Merk Hannover. Dummer Bauherr gehe hin und Mannheim seh.
Frankfurth krönt und hat die Messe. Nürnberg hat auch grossen Ruhm.
Regensburg hat Reichsversammlung gleichsam wie zum Eigenthum.
Ulm hat Land und Augsburg Künste. Cöln ist groß und Klöster voll.
Willst du Mainz und Trier sehen, ich beseh noch Wezlar wohl.


9.
 Zu Weickersrod, einem dem Prinzen Eugen von S. Hildburghausen gehörigen Dreyviertelstund von Hildburghausen entfernten ehemahligen Rittersitze, mit einem Kirchlein, einem alten steinernen Gebäude, Wirthshaus und etlichen Tropf- und andern Häusern, welches bis daher nach Bürden pfarrte, soll nach dem Willen seines Besitzers und weil es, laut der Sage, von dem Willen desselben abhängt, eine besondere Parochie errichtet werden. Ausser dem, was schon dem Pfarrer zu Bürden von da aus gereichet werden muß, will der gutdenkende fürstl. Besitzer, dessen Charakter nur Biedersinn und Edelmuth athmet, noch ein Capital anlegen, von dessen Zinsen der dasige Geistliche inskünftige leben soll. Sehr vortrefflich, und ein Beweis von| der Liebe zur wahren, nicht geheuchelten Gottes- und Christus-Verehrung! – Aber wie traurig sind gewöhnlich solche neu angelegte Predigerstellen nur zur Ernährung einer einzigen Person eingerichtet; und nun heyrathet meistentheils der junge Mann, bleibt öfters, wenn er nicht besondere Protection, Gönner oder Geld und Freundschaft hat, 8 – 10 – 12 – 16 Jahre, mit einer zahlreichen Familie auf einer solchen Stelle sitzen, stirbt wohl gar für Kummer über seine harmvolle Lage, und der Staat erhält nun einen Zuwachs von Bettelpfarrwittwen und Pfarrers-Waisen! Wie aufmerksam sollte hierbey nicht jedes Consistorium seyn, und reiflich überlegen, ob es gut und nützlich sey, die geistlichen Stellen zwar zu vermehren, aber auch dem einen Theil ein Stück seiner Besoldung zu entziehen. Aus diesen Gründen würde ichs, wenn ich nahe um diesen guten Prinzen wäre, ihm widerrathen.


10.
Aus Wirzburg. 
 An die Stelle des ehemahligen Lehrers am Julius-Spitalischen Studenten-Museum, nun Regierungs-Registrators, Herrn Schmidt, ist dessen Zögling, Herr Fech, befördert worden; ein Mann, der durch unermüdetes Studiren und wichtige Reisen, besonders durch seinen Aufenthalt bey Herrn Kanzler Betz in Bruchsal, sich mit vieler Gelehrsamkeit und Menschenkenntniß zu bereichern Gelegenheit hatte, und bey seinem guten moralischen Charakter| dem Institut als erster Lehrer unverkennbare Vortheile bringen kann.


11.
 Im J. 1783 starb in Wallhausen im Oberamt Crailsheim im Anspachischen ein Kleinhäusler oder Seldner, Namens Trump, der kein Kind hinterließ, und gegen seine schon etwas entfernten Anverwandten aus dem Grunde eine Art von Abneigung hatte, weil sie ihn von Zeit zu Zeit besuchten und ihm kleine Geschenke mitbrachten. Dieß legte er so aus, als wollten sie nachsehen, ob sie nicht bald durch seinen Tod in den Besitz seines Vermögens, das er sich durch seine Sparsamkeit in so langer Zeit leicht erwerben konnte, und das sich auf 3000. fl. rhn. belief, gesetzt würden. Er redete lange Zeit davon, einstens nach seinem Tod eine Glocke auf den Thurm in Wallhausen zu stiften; er errichtete auch ein halb Jahr vor seinem Tode ein Testament, und vermachte 1000 fl. rhn. zu einer Glocke, dabey er aber drey sonderbare Bedingungen gemacht: 1) für diese Glocke sollten, wenn sie bey Leichen oder Hochzeiten geläutet würde, allemahl nach den Umständen und 5em Vermögen der Personen 15 bis 30 kr. bezahlt werden. 2) sollte sie den Einwohnern dreyer Häuser im gedachten Wallhausen ewig nicht, weder bey Leichen noch Hochzeiten, geläutet werden, weil er sich in den Kopf gesetzet, die Vorfahren derselben hätten ihm einst bey Versteinung seiner Wiese Unrecht gethan. 3) Wenn in einer Beicht sich eine Mannsperson mit Stiefeln, oder eine Weibsperson mit Pantoffeln einfände, so sollte den darauf folgenden Sonntag diese Glocke trauern, d. i. nicht geläutet werden, wie er denn auch seiner Glocke den Namen Bußglocke beylegte, und nach seiner Verordnung der Vers darauf gegossen wurde: Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf etc. etc. – Seine erste Bedingung wurde dadurch| aufgehoben, weil die 1000 fl. zur Glocke nicht hinlänglich waren, so daß die Gemeinde einen Beytrag von einigen Carolins dazu gab. Die zweyte und dritte hob sich von selbst auf. Ausser diesem Vermächtniß legirte er auch 50 fl. in den Hengstfelder – und 50 fl. in den Hennberger-Heiligen, dem damahligen Kastner in Gerabronn, auch dem Pfarrer in Wallhausen, jedem 4 Carolins, dem Gegenschreiber in Gerabronn, auch dem Schulz und Schulmeister in Wallhausen, jedem 2 Carolins; wie er vermerken ließ, nicht so wohl aus Achtung und Liebe gegen gedachte Personen, sondern ihnen vielmehr die Versuchung und die Lust zu benehmen, ihre Hände an das zur Glocke bestimmte Geld zu legen. Doch aber hat er bey dem für den Pfarrer bestimmten Legat den Anhang gemacht, daß wenn dieser auch vor seinem Tode auf eine andere Pfarre würde befördert werden, ihm sein Legat bleiben sollte.


12.

 Der bisherige Herr Caplan Kretschmer in Lendsiedel und Pfarrer in Beinbach war vormahls Rector in Kirchberg im Hohenlohischen, und hatte damahls die älteste Prinzessin des Fürsten von Hohenlohe, welche an den Herrn Grafen von Reuß Heinrich XLII verheyrathet ist, im Unterricht. Vor ungefähr zwey Jahren hat dieser verehrungswürdige Herr Graf in einem sehr verbindlichen Schreiben, nebst Übersendung seines- und seiner würdigen Gemahlin Portraits, gedachten Herrn Caplan Kretschmer zu seinem Sohn zum Gevatter erbeten, und auch diesen Ausdruck gebraucht: „Er wüßte ihm seine Dankbarkeit aus Achtung dafür, daß er seiner Gemahlin so gute Principia bey seinem ehemahligen Unterricht beygebracht, nicht besser als auf diese Art zu erkennen zu geben.“


|
13.

 Bey der topographischen Beschreibung von Hopfferstadt S. 681. IV Bandes bemerke ich, daß die ökonomische Lebensart der Hopfferstädter sich auf alle Dörfer des Ochsenfurter Gaues erstrecke. Die übrigen Dörfer hatten vor Hopfferstadt, ehe in dem Wirzburgischen die vielen Feyertage abgeschaffet waren, noch vieles voraus.

 Wenn S. 689. gesaget wird: auf den zehendfreyen Gütern liegt eine jährliche Gült, die an Stift, Klöster, Spitäler, Pfarreyen etc. abgereichet werden muß; so scheint es, als ob der Herr Einsender die Getraidgülten bloß auf die zehendfreyen Güter einschränken wollte. Es haften aber die Gülten sowohl auf zehendbaren, als zehendfreyen Äckern. Man muß sich jedoch nicht vorstellen, als ob alle Äcker gültbar wären. Es sind im Gegentheil viele Äcker, sowohl zehndbare, als zehndfreye, von der Gült frey.

 Daß man keine Obstbäume auf dem Felde siehet, kommt daher, weil sie größern Schaben als Nutzen bringen. Ein einziger Baum kann dem Acker um etliche Garben Getraid schon an und für sich schaden. Zufälliger Weise wird der Schaden vermehret, indem das Getraid um des Obstes willen zertreten und verderbet wird. Wozu wäre demnach ein Dorfgesetz nöthig, das dem Bauern das Pflanzen der Bäume auf seinem eigenen Gute untersagte, da der Bauer von selbst unterläßt, was, seinem einträglichen Getraidbau nachtheilig ist? Ich erinnere mich noch gar wohl, vor 50 Jahren hie und da einzelne Baume auf den Äckern des Ochsenfurter Gaues gesehen zu haben, die aber nach und nach abgegangen sind. Der Herr Einsender sagt ganz richtig, daß die Gaubauern wegen des Holzmangels die Stuben mit Erbsenstroh, ich setze hinzu, auch Wickenstroh heizen. Mich nimmt Wunder, daß er dabey derjenigen Holzersparniß nicht gedenket, welche| sich beym Brodbacken zeigt, wodurch ein Bauer jährlich über eine Klafter Holz ersparet. Man heizet nämlich den Backofen mit langem Roggen- oder Waizenstroh, ohne daß nur ein einziger Stecken Holz dazu kommt. Diejenigen Weibspersonen, welche im Ochsenfurter Gau geboren oder erzogen sind, finden diese Art zu backen, so räthlich und gemächlich, daß sie selten davon ablassen, wenn sie in andere Gegenden heyrathen. Auch die Landgeistlichen bedienen sich dieser Art der Holzersparniß. Ich war einstens bey einem meiner Herren Amtsbrüder im Winter, und wunderte mich über die warmen Zimmer. Noch mehr mußte ich aber wundern, als ich hörte: man brauche jährlich nicht mehr als 3 Klafter Holz, und 200 Büschel Reißig, welche man hier zu Land Wellen nennet.


14.
Coburg den 28 Jun. 

 Den Tod des wahrhaft würdigen Abts Valerius im Kloster Banz haben Sie in einem ihrer vorigen Brücke des Journals angezeigt. Dieses wegen Disciplin und Gelehrsamkeit berühmte Stift und Kloster hat am 19 Jun. in der Person des zur Prälatenwürde erhobenen Herrn Canzleydirectors und Professors der Rechte Otto Roppelt einen neuen Vorsteher erhalten. Des über mein Lob erhabenen Fürstbischoffs von Bamberg und Wirzburg besonderes Augenmerk hat dieses von jeher berühmte Stift vorzüglich; es steht daher um so mehr zu erwarten, daß der neu erwählte Herr Prälat die ohnedem schon weislich eingerichtete Klosterverfassung immer mehr benützen werde, Künsten und Wissenschaften die Dienste zu leisten, die man von dem Benedictiner Orden zu erwarten berechtiget ist.


15.
 In der Grafschaft Limburg-Speckfeld werden auf Befehl des regierenden Herrn Grafen von| Rechteren-Limburg an mehreren Orten Leichenbehältnisse, oder sogenannte Todenbeschauhäuser, zur Verhütung des Lebendigbegrabens, angelegt. Der Anfang dazu ist bereits in Markt-Einersheim, dem gewöhnlichen Wohnsitze des Herrn Grafen, gemacht worden, wo die seit vielen Jahren unbrauchbare Gottsackerkirche aufs neue zu dieser Absicht sehr zweckmäßig nach Hufelandischen Grundsätzen eingerichtet worden ist. Auch werden schickliche Personen zu diesem Geschäfte besonders unterrichtet und verpflichtet. Die Kosten hierzu, so wie zu andern gemeinnützigen Anstalten, bestreitet der Herr Graf selbst.