Missionslehren

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Titel: Missionslehren
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aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 770
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[770] Missionslehren. Es dürfte dem größten Theile der Leser der „Gartenlaube“ nicht geringes Interesse bereiten, zu erfahren, in welcher Weise die frommen Sendboten der Norddeutschen Missionsgesellschaft an der Westküste Afrikas christliche Lehren verbreiten und wie frappant aus dem Vorliegenden sich ergiebt, daß selbst die geringe Dosis gesunder Vernunft bei dem rohen, unwissenden Negervolke sich aufbäumt gegen die beklagenswerthe religiöse Beschränktheit jener „erleuchteten“ Verkündiger des sogenannten wahren Heils.

Missionär Illg sagt in seinem Berichte von der Station Waya in dem „Monatsblatte der Norddeutschen Missionsgesellschaft“ (Redacteur Pastor Victor in Bremen) wörtlich:

„Eines Sonntags wurde über 2. Petri 3, 7–12 gepredigt und als Grund dafür, daß die Erde einst verbrennen müsse, unter Anderem angegeben, sie sei durch die Sünde der Menschen verderbt und verunreinigt, jeder Fleck Erde sei mit Blut befleckt etc. Abends kam ich in die Stadt und grüßte unter Anderen auch die alte Dorfmutter Vuleno. Ich sagte ihr, sie sei heute nicht im Gottesdienst gewesen und habe das Wort nicht gehört, das sie gewiß sehr interessirt haben würde. Sie brachte die gewöhnliche Entschuldigung vor, sie hätte wegen Arbeit nicht kommen können, doch ließ sie sich gern das nicht gehörte Wort jetzt erzählen. Als sie nicht verstehen und glauben wollte, daß die Erde, weil so verderbt, einst verbrennen müsse und Gott eine neue schaffen werde etc., war gleich ein Negermädchen bei der Hand, das ihr das Gesagte wiederholte und bestätigte; gerade so sei heute aus dem Worte Gottes vorgelesen und gepredigt worden.

Die Frau gab nun ihrer Verwunderung in ihrer naiven Weise Ausdruck und rief, ob denn auch ihr Haus und alle ihre Sachen verbrennen werden; das sei nicht gut, wir sollten zu Gott beten, daß dies nicht geschehen möge. Ich sagte ihr, dies wäre ganz unnütz, denn Gott könne die Sünde nicht ungestraft lassen und thue das, um für die guten Menschen eine neue Erde zu schaffen, aber dafür beten wir und sagen den Leuten das gute Wort, damit sie und alle Wayaer sich zu Jesu bekehren, Vergebung der Sünden suchen, sich ein neues Herz und einen neuen Geist schaffen lassen und neue Menschen werden, die da taugen, jene neue schöne Erde zu bewohnen. Darum stehe gleich auch in demselben Worte Gottes dabei: Gott will nicht, daß Jemand verloren werde, sondern daß Jedermann sich zur Buße kehre. Dies müsse sie thun, dann habe sie sich nicht vor jenem großen Brande zu fürchten und bekomme ein neues und viel schöneres Haus und schöne gute Sachen, auch Frieden und Freude in’s Herz, so daß sie an ihre jetzigen Sachen gar nicht mehr denke.

Unsere Unterredung hatte eine Anzahl Leute herbeigezogen, die das Vorgefallene den Ihrigen wiedererzählten.“