Moloch Schein im Gewerbsleben

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Textdaten
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Autor: Th. Campe
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Titel: Moloch Schein im Gewerbsleben
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 363–366
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Moloch Schein im Gewerbsleben.

Der Schein begegnet uns häufig als gleißnerischer, arglistiger Schelm, noch häufiger als anspruchsvoller, nicht gerade unehrlicher Nichtsnutz, und endlich treffen wir ihn auch als Freund und Wohlthäter auf den Höhen geistiger Herrlichkeit. Es giebt überhaupt keinen dehnbareren Begriff in unserer Gesammtcultur, als derjenige ist, den wir in dem Wort „Schein“ zusammenfassen.

Im Völker- und Familienleben spielt er große, und leider oft blutige Romane, im Kunstleben schwingt er sich zu den Begriffen „Schön“ und „Erhaben“ auf, im Gewerbsleben dagegen sinkt er nur zu häufig zum Betrüger herab.

Doch überlassen wir ihn in diesen Erscheinungsformen dem Historiker und dem Poeten, dem Kunstrichter und dem Criminalrichter, und versuchen wir einige Streifzüge gegen ihn auf das von ihm beherrschte weite Gebiet, das zwischen Kunst- und Strafgesetz mitteninne liegt! Hier ist er kein Schelm mehr, aber auch kein Tugendheld; hier erfreut und kränkt er Niemanden, nützt nichts und schädigt auch nicht direct, und doch sündigt er schwer am Volkswohlstand schon dadurch, daß aller von ihm beanspruchte Aufwand an Zeit, Stoff und Kraft ein verlorenes, todtes Capital ist. Sein beliebtestes Operationsfeld ist das Gewerbsgebiet, und hier gründen sich seine bedenklichen Erfolge auf weiter Nichts, als auf die eminente Waarenunkenntniß des großen Haufens, der eben am Schein, statt am Sein, am gefälligen Aussehen, statt an Werth und Gehalt hängen bleibt.

[364] Die naivste Waarenunkenntniß der Menge, die nicht einmal in den allernächsten und täglichen Bedürfnißwaaren Bescheid weiß, hat diesen Moloch Schein groß gezogen und nährt ihn weiter. Nicht immer zwar trägt dabei das Publicum die Schuld, aber doch wohl in den meisten Fällen, wie ich beweisen werde. Schon der Umstand, daß die sogenannte Verkäuflichkeit oder Marktfähigkeit bei Herstellung einer ganzen Menge von Artikeln mehr als deren Gehalt und Werth berücksichtigt werden muß, spricht dafür, daß die Käufermasse getäuscht sein will.

Nur einige Beispiele! Jedermann weiß, daß die Rinder sich zur Winterszeit mit Rüben, Heu und Haferstroh begnügen müssen, und jede Hausfrau sollte davon unterrichtet sein, daß die maiblumengelbe Farbe der Butter nur vom Grünfutter herrührt und daß die blasse, strohgelbe Färbung zur Winterszeit eine ganz natürliche ist. Nichtsdestoweniger greifen aber die meisten Hausfrauen zu aller Zeit nach der dunkleren Waare und lassen die Bauernweiber mit der unscheinbaren, aber ehrlichen Butter vereinsamt sitzen.

„Ja, wir müssen nun einmal färben; die Leute glauben Einem nicht. sie kosten die Butter nicht einmal,“ hörte ich selbst eine mir genau bekannte Verkäuferin sagen, da sie mit schier vollem Butterkorb vom Markt heimkehrte. Sie war eine grundehrliche Haut; sie hatte lange gezögert, aber von dieser Zeit an wurde auch in ihrem Gütchen zur Winterszeit eine kleine Butterfärberei etablirt. Einen Gewinn hatte sie natürlich nicht davon, im Gegentheil: sie mußte Arbeit und Farbstoff (der ein harmloser ist) obenein zugeben, aber Moloch Schein hatte sie gezwungen, auf diese Weise das Product marktfähig und verkäuflich zu machen.

Im Fleischeinkaufe kann sich die gewiegteste Hausfrau täuschen, aber sie wird sich nicht wie Tausende ihrer sorglosen Colleginnen durch eine Manipulation hinters Licht führen lassen, die eine Unart sonder Gleichen ist. In sehr vielen Schlächtereien bläst man nämlich dem eben getödteten Kleinvieh mit fast übermenschlicher Anstrengung Luft unter das Felle dadurch gewinnen die häutigen Lagen über dem Fleisch das Ansehen von Fettpolstern, sodaß sich das ganze Schlachtstück gefälliger in’s Auge drängt. Abgesehen von der Verunreinigung durch Kohlensäure aus der menschlichen Lunge, welche Manipulation schon in vielen Städten polizeilich verboten ist, spielt auch der Aufputz geringer Schlachtstücke in das Gebiet der gesetzlich verbotenen Täuschung hinüber, aber der Schlächter muß doch gezwungen worden sein, auch die marktfähigste Waare noch marktfähiger zu machen; denn es ist Thatsache, daß auch an den besten Schlachtstücken die unsaubere Mühe vergeudet wird.

Wer hätte nicht schon Fettaugen auf dem Kaffee wahrgenommen, die ihm, da das Getränk noch nicht mit Sahne vermacht war, als räthselhafte Irrfahrer erscheinen mußten? Sie rühren davon her, daß man beim Kaffeebrennen den Bohnen, und namentlich den geringeren Sorten, eine fettige Substanz beigab, die ihnen ein glänzendes, marktfähiges Aussehen verlieh. Das natürliche Fett des Kaffees, das bis dreizehn Procent des Gewichts beträgt, ist gebunden und schwimmt nicht frei obenauf. Das geringe Aroma der ordinären Bohnen wird durch solche künstliche Zuthaten ganz gewiß nur noch geringer – aber Moloch Schein will’s; sonst hat Niemand etwas davon, auch der Kaffeebrenner nicht; dafür sorgt schon die ungeheure Concurrenz in diesem Artikel.

„Das Bier hat keinen Spiegel,“ hört man oft, besonders in Norddeutschland, den Kellnern zurufen, und mißmuthig hält der Gast das Glas gegen die Gasflamme. Der Brauer, der vielleicht nicht weit davon sitzt, hat nun nichts Eiligeres zu thun, als darüber nachzudenken, wie er die natürliche Klarheit seines redlichen Gebräues bis zu dem unnatürlichen Glanze steigere, den man eben mit dem Kunstausdrucke „Spiegel“ belegt.

Der Gährungsproceß hat nämlich seine natürlichen Grenzen, über die er ohne künstliche Nachhülfe nicht hinausgeht. Da aber der Glanz die Einbildung belebt und in der Einbildung sogar den Geschmack heben kann, so ist man auf eine ganze Reihe von Klärungsmitteln verfallen, die nicht immer unschuldiger Art sind. Der Kenner freilich wird sich lieber mit einer Klärung begnügen, die etwa dem lauteren, prunklosen Schein des Bergkrystalls zu vergleichen ist, während er den Glanz, der nahe an das Flimmern des bleiversetzten Krystallglases heranreicht, mit Recht stets verdächtig finden wird.

Bis jetzt habe ich blos von Bedürfnißwaaren gesprochen, die uns täglich und stündlich durch die Hand gehen, und doch, welche Unkenntniß documentirt sich schon hier, welche Sorglosigkeit muß die Masse beherrschen, daß sie blind ist für ihre nächsten Interessen und dem Scheine nachdrängt, wie eine Schafheerde nach der hellen Flamme! Bei weniger populären Waaren steigert sich die Sucht nach Marktfähigkeit aus der einen, und die Waarenunkenntniß auf der andern Seite oft bis in’s Lächerliche.

Man denke nur an die Anilinfärberei! Wie viel Hunderttausende von Frauen mögen schon verdrießlich in die lichtgeschützten Falten ihrer Roben hinein geblickt haben, die ihnen vor Kurzem erst auf dem Ladentische des Kaufmanns so verführerische, flimmernde Empfehlungscomplimente zuwarfen und nun von der vergänglichen Herrlichkeit erzählen! In der Anilinfärberei ist es in neuerer Zeit gelungen, einigen Nüancen etwas Dauer zu verleihen; es war aber auch die höchste Zeit; denn dieser ganze Industriezweig schien nur der Marktfähigkeit auf den Leib erfunden worden zu sein. Indeß steht noch heute die Dauer der meisten Anilinfarben in gar keinem Verhältnisse zur Dauer der Stoffe, die man damit färbte.

Die jetzt mehr und mehr polizeilich verdrängten Arsenfarben spielen sich ähnlich auf. Charakteristisch ist die Antwort eines Spielwaarendrechslers, der mit der schönen, hellgrünen Farbe Waldbäumchen färbte und den ich nicht nur wegen des Giftgehaltes, sondern auch wegen der absoluten Unnatürlichkeit der Nüance zur Rede gestellt hatte. Er meinte. „Die Leut' greifen aber doch nach derre Farb',“ und färbte ruhig weiter.

Beim Kinderspielzeug (vergl. „Gartenlaube“ 1879, Nr. 1!) hat der Schein, der noch gar nicht schön zu sein braucht, gewiß seine Berechtigung; leider sinkt er nur zu häufig zum puren Plunder herab.

In der Textilindustrie spielt neben den Farben die Appretur oft eine sehr fragwürdige Rolle. Die Grenze vom Erlaubten zum Unerlaubten vom marktfähigen Schein zum wirklich Erforderlichen ist hier schwer aufzufinden. Das berüchtigte Linnen, das sich nach der ersten Wäsche zur einen Hälfte in Appretursubstanz (Kleister etc.) und zur andern in grobe Gaze auflöst und das die Criminalgerichte schon mehrfach beschäftigte, ist hier natürlich nicht mit heranzuziehen. Jedenfalls kann ein Waarenstudium in dieser Branche für jeden Haushalt von ganz besonderem Vortheil werden, wie auch dem reellen Verkäufer die Waarenkenntniß seiner Kundschaft nur erwünscht sein kann.

Die mineralischen Zusätze zum Papier, wie Gyps, Barytweiß und Thon, können erlaubte, nutzlose, aber auch betrügerische sein. Ein Zusatz bis zu dreißig Procent, wie ihn z. B. das Zuckerpapier sich gefallen lassen muß, ist eine gröbliche Täuschung, die von den Zuckerfabrikanten der Gewichtsvermehrung wegen heraufbeschworen worden ist. In die Rubrik des nutzlosen Scheins fällt auch die erdige Belastung der solideren Papiere, soweit das Gewicht ohne Einfluß auf den Preis bleibt, und absolut ehrlich ist nur die Beimengung, die den dünneren Papiersorten die Durchsichtigkeit benehmen soll. Wenn wir nur die Frachtsätze dieser vielen Hunderttausende von Centnern der puren Ballaststoffe in Rechnung setzen, so kommen schon Millionen heraus, die das Volk bewußt und unbewußt dem Schein in den Rachen wirft.

In der Verpackung Hunderter von Artikeln giebt er sich in der aufdringlichsten Weise; in manchen Branchen namentlich der Kleinindustrie ist er so traditionell geworden, daß man gar nicht mehr weiß, wann man ihm im Schweiße seines Angesichts opfert und Kraft und Stoff an ihn vergeudet. Hierher gehört die lockere, schwammige Packung verschiedener Garn- und Zwirnsorten die oft mit vieler Kunst geübt wird, um den Schein einer größeren Waarenmenge zu veranlassen; auch wickelt man wohl einige Dutzend Yards auf ein unverhältnißmäßig großes Holzröllchen, sodaß der Werth der Emballage in gar keinem Verhältniß mehr zum Werth der Waare steht.

Der Tintenmacher gießt für einen Pfennig „Salontinte“ in ein Krystallfläschchen für zehn Pfennig, und der Verschleißer bietet sie für fünfundzwanzig Pfennig dem Publicum feil; der Seiler wickelt mit einer wahren Virtuosität seine Schnürfadenpakete auf einen möglichst luftigen Knäul, und er hat sich selbst dazu sinnreiche Maschinen construiren lassen. Die Folge davon ist, daß die Pakete bald nach dem Anbruch in ihr Nichts zusammenfallen und nun einen ärgerlichem Fitz bilden – sonst hat Niemand etwas davon, auch der Seiler nicht; denn er verkauft ja die luftigen Gebilde nach dem Gewicht.

In den Spielwaarenschachteln findet man häufig zwei Drittel des Raumes mit eingeknittertem Papier angefüllt, nur um den [365] Käufern Dinge vorzuspiegeln, die doch kein ehrlicher Fabrikant in Wirklichkeit erfüllen könnte; denn auch hier hat die Concurrenz die Preise geregelt. Auch die Flunkerei mit der brillanten Etiquettirung der Waaren, die wir von den Franzosen gelernt haben, fällt unter das Scepter des Scheins; sie hat keinen ästhetischen Werth, kostet ein schweres Geld, und Niemand kann sagen, daß er durch die bloße Marktfähigkeit einen reellen Nutzen habe. Besonders sind es die Posamentir-, Kurz- und Strumpfwaaren, die man nach dieser Richtung hin ganz unverhältnißmäßig ausstattet. Im Ganzen wird man wohlthun, einer prunkenden Etiquette stets mit einigem Mißtrauen zu begegnen – der wahre Werth giebt sichimmer am liebsten einfach, und jeder Fachmann wird bestätigen, daß die schweren guten englischen Waaren nur im schlichten Kleid auf dem Markt erscheinen.

Gehet hin und thut desgleichen!

In einer großen Anzahl von Fällen hat der Gewerbtreibende die löbliche Absicht, dem berechneten Schein, der Schönheit zu dienen das hat denn auch zu einer ganzen Reihe von glücklichen Nachahmungen geführt, die meist den unbemittelten Classen zu gute kommen. So kann jetzt die Frau des Arbeiters so gut wie die Frau Commerzienräthin ihren Tisch mit dem überaus freundlichen Meißener Zwiebelmuster (freilich nur in Steingut) decken; er wird genau denselben einladenden behaglichen Anblick gewähren; denn es besteht zwischen Stoff und Ausstattung durchaus kein Mißverhältniß. Unglücklicher ist die Ausschmückung von Häusern mit Cement-, Thon- und Gypsornamenten. Das Ornament muß nach einem Grundgesetz der Aesthetik organisch aus der Hauptmasse des Baues herauswachsen, jede Anklebung aber schlägt diesem Grundgesetz in's Antlitz. So lange ein Farbenüberzug den Schein, das heißt die Verbindung zwischen Masse und Ornament herstellt, gewähren diese imitirten Paläste gewiß einiges ästhetische Vergnügen, wehe aber, wenn die Witterung an den verschiedenen Stoffen sich verschieden geäußert hat und dadurch die scheinbare Verbindung aufgehoben ist! Die schönste Form giebt sich nun als eine ästhetische Verrenkung; Moloch Schein schneidet zuweilen ganz abscheuliche Fratzen und „das Grauen wohnt“ nicht in, sondern über „den Fensterhöhlen“, sobald eben die Lüge ihr Firnißgewand abgeworfen. Man wird diese Art der Ornamentirung nicht eher gut heißen können, bis nicht die Täuschung des ornamentalen Herausblühens aus der Masse für größere Zeiträume gesichert ist.

Die Holzmalerei streift auch herüber in das Gebiet der nutzlosen Imitation. Es wird Wenige geben, die so naiv sind, eine sogenannte „eichnisirte“ Thür für eine Thür aus Eichenholz anzusehen; ebenso ergeht es den nußbaum-, kirschbaum- und mahagoni- gemalten Möbelstücken mit denen sich der Kleinbürger und der Arbeiter die Wohnung ausstattet. Die berechtigte Täuschung, die jeder gelungenen Imitation zu Grunde liegt, ist also keineswegs erreicht, zumal schon der Tischler es dadurch unmöglich macht, daß er den meisten dieser Möbel leichte, windige Formen giebt, die sich mit so schweren Holzarten gar nicht vertagen. Um wie viel solider, [366] kerniger und behaglicher sieht eine Zimmerausstattung von gutgewachsenem Tannenholz oder Kiefernholz aus, dessen prächtige Maser durch eine einfache Abreibung mit ein wenig Firniß und Farbenerde hervorgehoben worden ist!

Ich könnte noch eine ganze Reihe von Beispielen aus dem weiten Gebiete anführen, das der Moloch Schein beherrscht. Das Oelen des Weizens, das Hopfenschwefeln, eine ganze Menge von Manipulationen, die man mit dem Wein vornimmt, selbst das gewaltsame Auftreiben von Zierpflanzen durch scharfe momentan wirkende Düngmittel in den Gärtnereien – das Alles dient mehr oder weniger nur der Marktfähigkeit, dem Moloch Schein, dem viele Tausende von Händen tributpflichtig sind, die Nützlicheres thun könnten.

Das Heilmittel für diese wirthschaftliche Krankheit ist sehr leicht gefunden; es heißt „Verbreitung von Waarenkenntniß“. In fünfundneunzig unter hundert Fällen würde man sich dadurch schützen können, aber die Menge giebt sich einer oft rührenden Sorglosigkeit hin; sie kümmert sich um „allen Quark“, nur um das Nächstliegende nicht, das so bedeutungsvoll für den Wohlstand ist. Ein Sprüchwort sagt zwar „durch Schaden wird man klug“, aber darauf läßt sich nicht bauen; denn dem Schaden nach müßte die Menge eminent klug und Moloch Schein sehr kleinlaut geworden sein. Wir sehen, es ist nicht so. Das Sprüchwort lügt zu Dreiviertel; eine Selbstlösung der Frage ist ausgeschlossen.

Die moderne Volksschule, die alles Mögliche in ihr Programm aufgenommen, könnte mindestens den alltäglichen Bedürfnißwaaren eine gleiche Aufmerksamkeit angedeihen lassen, wie sie dieselbe der Zoologie und der Botanik zuwendet. Es ist in der That wichtiger für das Leben, einen Baumwollenfaden von einem Flachsfaden unterscheiden zu können, als die Staubfäden zweier obscurer Pflanzen; auch die Lebensweise des Bibers ist zwar hochinteressant, aber doch nicht so wichtig für uns, wie sein Fell, von dem unsere Kinder in der Regel nicht mehr wissen, als daß es behaart ist. –

So lange wir in kindlicher Weise am Schein hangen und der Production und dem Zwischenhandel die Waarenkunde allein überlassen, wird der Consument absichtlich und unabsichtlich über das Ohr gehauen werden. Darum, ihr Männer, die ihr zu Volkswirthen berufen seid, sorgt, daß Waarenkenntniß unter das Volk komme! Auch ihr, wackere Geschäftsleute, die ihr vom Schein nichts wissen wollt, betheiligt euch nicht nur privatim in der Werkstatt und am Ladentisch, sondern auch öffentlich an dieser Aufklärungsarbeit! Die Lehrmittel hierzu bieten die fragwürdigen Waaren selbst, und diese sind in ungeheueren Mengen vorhanden.

Th. Gampe.