Morsche Fäden

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Textdaten
Autor: Joachim Ringelnatz
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Titel: Morsche Fäden
Untertitel:
aus: Flugzeuggedanken
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1929
Verlag: Ernst Rowohlt Verlag
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 148
Kurzbeschreibung:
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[148] MORSCHE FÄDEN

Zu einem Trödler
Kam ein Greis mit einer sauern
Gurke,
Sprach: „Ich bin ein Gnadenbrötler

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Bei einem Bauern.

Der ist ein Schurke.

Diese Gurke bringe ich aus Not.
Kleine Knöpfe möchte ich dafür.
Denn man kann sich nicht mit Gnadenbrot

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Knöpfe kaufen für die Hosentür.“


Und der Trödlersmann verschmähte
Nicht die Gurke noch des Greises Wort,
Denn der kam ihm sehr bedürftig vor,
Sondern bückte sich und nähte

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Hundert goldne Knöpfe ihm sofort

Eigenhändig an das Hosentor.

Und der Greis sprach: „Danke“ und verneigte
Sich und ging mit offnem Hosenlatz
Selig durch die Straßen, und er zeigte

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Allen Menschen seinen goldnen Schatz.


Bis ihn schließlich ein gewisses
Schicksal in ein Irrenhaus berief,
Ob Erregung öffentlichen Ärgernisses.
Bis er Knöpfe schluckte und entschlief.