Nachher (Tucholsky)

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Autor: Kurt Tucholsky
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Titel: Nachher
Untertitel:
aus: Mit 5 PS Seite 287-313
Herausgeber:
Auflage: 10. – 14. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Ernst Rowohlt
Drucker: Herrosé & Ziemsen
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Aus dem Zyklus: KIRCHHOFSMAUER
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[287]
Nachher

Wir schaukelten uns auf den Wellen – kurze und lange umhauchten uns, die Sendestationen der Planetenkugeln versorgten uns damit, uns, im jenseitigen Herrenbad. Aus den Familienkabinen drang leises Kreischen.

„Welches war eigentlich Ihr schlimmster Eindruck hier bei uns?“ fragte er. Ich sagte:

„Der erste Tag im Empfangssaal – das war gräßlich. Daran mag ich gar nicht zurückdenken. Gräßlich war das.“

„Warum?“ fragte er. Ich sagte: „Zweiundsiebzig Jahre auf der Erde, das bedeutet: neunundsechzig Jahre lang gelogen, Empfindungen versteckt, geheuchelt; gegrinst, statt zu beißen; geschimpft, wo man geliebt hat … Manchmal dämmert eine Ahnung auf, das vielleicht lieber doch zu unterlassen. ‚Gewissen‘ sagen die Kultusbeamten. Es ist aber nur das matte Versickern des Gefühls, daß die, die vor uns gestorben sind, uns durchschauen, von oben her. Denken Sie doch: die ganze Lüge offenbar! Wenn ich das gewußt hätte! Ich kam in den Empfangssaal“ – aber jetzt schienen sie drüben im Familienbad geradezu auf den Köpfen zu gehen –, „und ich glaubte vor Scham in die Erde sinken zu müssen. Es war aber keine da. Schrecklich – nie in meinem ganzen Leben habe ich mich so geschämt, so schrecklich geschämt. Und das allerschlimmste war: sie sahen mich nur an. Sie sahen mich alle nur an. Niemand kam auf die peinlichen Dinge zurück – aber ich wußte das doch, daß sie alles wußten! Ich war klein wie eine Maus – so jämmerlich. Ich würde nie mehr lügen.“

„Der alte Mann,“ sagte er, „der das arrangiert, hätte diese Zeremonie des Empfangssaals vorher legen sollen, vor unser Leben. Vielleicht …“

[288] „Ja“, sagte ich.

„Aber dann wäre es nicht so schön gewesen“, sagte er.

„Nein“, sagte ich.

Jetzt kam eine große Welle, eine von den langen, starken, und warf uns mit den Beinen aneinander, daß wir lachen mußten.


Wir saßen auf der Wolke und ließen die Beine baumeln.

„Am liebsten“, sagte ich zu ihm, „waren mir zeitlebens die Betriebe, die ein wenig verfault waren. Da arbeitete ich so gern. Der Chef schon etwas gaga, wie die Franzosen das nennen, mümmlig, nicht mehr ganz auf dem Trab, vielleicht Alkoholiker; sein Stellvertreter ein gutmütiger Mann, der nicht allzu viel zu sagen hatte. Niemand hatte überhaupt viel zu sagen – der Begriff des Vorgesetzten war eingeschlafen. Auch Vorschriften nahm man nicht so genau – sie waren da, aber sie bedrückten keinen. Diese Läden hatten immer so etwas von Morbidität, es ging zu Ende mit ihnen, ein leiser Verfall. Wissen Sie: man arbeitete, man faulenzte nicht, hatte Beschäftigung – aber es war im großen ganzen doch nur die Geste der Arbeit. Haben Sie mal in einer Posse eine Choristin die Möbel abpuscheln sehen? So etwas Ähnliches war es. Schrecklich, wenn der Betrieb etwa aufgefrischt werden sollte, wenn ein neuer Mann kam, der gleich am ersten Tag erklärte: ‚Die Schweinerei hört jetzt auf!‘ Wie lange es immer dauerte, bis sich auch der neue eingewöhnt hatte! Denn Verfall steckt an – unweigerlich. Ich bin zweiundsiebzig Jahre alt geworden: mir ist kein Fall bekannt, wo er nicht angesteckt hätte. Ja. Es gab viele Stätten solcher Art. Beim Militär habe ich sie gefunden, in der Industrie; auf dem Lande lagen solche Güter – Operettenbetriebe. Hübsch, da zu arbeiten. Sehr nett. Und [289] immer so eine leise kitzelnde Angst vor dem Ende, denn einmal mußte es ja kommen, das Ende – immer konnte es nicht so weitergehen.“

„Nein,“ antwortete er, „immer konnte es natürlich nicht so weitergehen. Kommen Sie übrigens heute nachmittag zum lieben Gott?“ „Wer wird da sein –?“ sagte ich. Er antwortete: „Gandhi, Alfred Polgar, einer von den unbekannten Soldaten und dann irgendein Neuer.“

„Ich mag die Neuen nicht“, sagte ich. „Sie kommen sich so feierlich vor. Wie finden Sie übrigens den lieben Gott?“

„Sehr sympathisch“, sagte er. „Er erinnert ein wenig an das, wovon Sie eben sprachen.“ „Ja“, sagte ich.

Dann ließen wir wieder die Beine baumeln.


„Haben Sie schwimmen gelernt, damals, als Sie lebten?“ fragte ich ihn. Wir ruderten durch den endlosen Raum, in farblosem Licht, es hatte eigentlich keinen Sinn, sich zu bewegen, weil jeder Maßstab fehlte, wohin die Fahrt ging. Planeten waren nicht zu sehen – sie rollten fern dahin.

„Nein“, sagte er. „Ich kann nicht schwimmen. Ich hatte einen Bruch. Mein Leib hatte einen Bruch.“

„Ich habe es auch nicht gelernt“, sagte ich. „Ich wollte es immer lernen – ich habe drei-, viermal angefangen –; aber dann ist es immer nichts geworden. Nein, schwimmen nicht. Englisch auch nicht – damit war es ganz dasselbe. Haben Sie alles erreicht, was Sie sich einmal vorgenommen hatten? Ich auch nicht. Und dann, an stillen Abenden, wenn man einmal aufatmen konnte und das ganze Brimborium des täglichen Klapperwerks verrauscht war, dann kamen die nachdenklichen Stunden und die guten Vorsätze. Kannten Sie das –?“

[290] „Wie oft!“ sagte er. „Wie oft!“

„Ja, ich auch…“, sagte ich. „Man nahm sich so vieles vor an solchen Abenden. Da lag denn klar zutage, daß man sich eigentlich, im Grunde genommen, mit einem Haufen Unfug abgab, der keinem Menschen etwas nützte, und sich selbst nützte man damit am allerwenigsten. Diese kindischen Einladungen! Diese vollkommen nutzlosen Zusammenkünfte, auf denen zum hundertsten Male wiedergekäut wurde, was man ja schon wußte, diese ewigen Predigten vor bereits Überzeugten… Das sinnlose Gehaste in der Stadt mit den lächerlichen Besorgungen, die keinem anderen Zweck dienten, als daß man am nächsten Tage wieder neue machen konnte… Wieviel Plackerei an jedem einzelnen Ding hing, wieviel Arbeit, wieviel Qual… Der Zweck der Sachen war vollständig vergessen, sie hatten sich selbständig gemacht und beherrschten uns… Und wenn es dann einmal ausnahmsweise ganz still um uns wurde, ganz still, daß man die Stille in den Ohren sausen hörte: dann schwor man sich, ein neues Leben anzufangen.“

„Man glaubt sogar daran“, sagte er wehmütig.

„Und wie man es glaubt!“ fuhr ich eifrig fort. „Man geht ins Bett, ganz voll von dem schönen Vorsatz, nun aber wirklich mit diesem ganzen Unfug aufzuräumen und sich zu leben – sich ganz allein. Und zu lernen. Alles zu lernen, was man versäumt hat, nachzuholen, die alte Faulheit und Willensschwäche zu überwinden. Englisch und Schwimmen und das Ganze… Morgens klingelt dann der Rechtsanwalt an, Tante Jenny und der Geschäftsführer des Vereins, und dann hat es einen wieder. Dann ist es aus.“

„Haben Sie das Leben geführt, das Sie führen wollten?“ fragte er und wartete die Antwort nicht ab. „Natürlich nicht. Sie haben das Leben geführt, das man von ihnen verlangt [291] hat – stillschweigend, durch Übereinkunft. Sie hätten alle Welt vor den Kopf gestoßen, wenn Sie es nicht getan hätten, Freunde verloren, sich isoliert, als lächerlicher Einsiedler dagestanden. ‚Er kapselt sich ein‘, hätte es geheißen. Ein Schimpfwort. Nun, das ist vorbei. Und wenn Sie jetzt zur Welt kämen: wie würden Sie es machen?“ Er hielt mit seinen Schwimmbewegungen inne und sah mich gespannt an.

„Genau noch einmal so“, sagte ich. „Genau so.“


„Warum haben Sie gelacht –?“ fragte ich ihn.

Er hatte dagesessen, seine Hand hatte mit den verrosteten Knöpfen einer nicht mehr benutzten Blitzkammer gespielt – und plötzlich hatte er gelacht. Es war ein recht eigentümliches Lachen gewesen, so ein Schluchzer, Station auf der Reise zwischen Lachen und Weinen… „Warum haben Sie gelacht –?“ fragte ich ihn.

„Ich habe gelacht,“ sagte er, „weil ich an da unten denken mußte. An etwas ganz Bestimmtes; es ist sehr dumm. Wissen Sie, heute ist mein Todestag – nein, gratulieren Sie mir nicht… nicht der Rede wert. Zum fünfzigsten, bester Herr, zum fünfzigsten… Und heute vor acht Jahren – wissen Sie, warum Lebende keine Angst vor den Toten haben, die gerade gestorben sind?“

„Ich kann es mir denken“, sagte ich. „Weil – weil wir ja die erste Zeit gebunden sind, noch nicht hier oben… nun, Sie kennen das. Es ist, als ob sie es ahnten.“

„Ganz richtig!“ sagte er und ließ die Hand über die Klaviatur spielen; hätte das Werk funktioniert, so wären die Erde, der Mond und einige andere Etablissements in Rauch aufgegangen. „Ja, das ist so. Wir sind nicht sofort disponibel – sie sind vor uns sicher, kurz nachher. Nun gut, und Sie [292] wissen doch auch, was mit unsern Sachen geschieht – nachher?“

„Natürlich“, sagte ich. „Da wird ein Inventar aufgenommen, da kommen die Erben gelaufen, die Kinder, die unbezahlten Rechnungen…“

„An das Inventar dachte ich eben“, sagte er. „Das heißt: nicht gerade an das Inventar. Sondern daran, wie sie in unsern Sachen herumstochern. Es ist komisch und rührend zugleich. Kennen Sie das?“

„Nun…“, sagte ich.

„Es ist nämlich so“, sagte er. „Sie kramen die Schubladen aus, kratzen an den Schrankschlössern herum, packen alles aus und packen es wieder ein… Und jeder Hosenknopf hat auf einmal eine Bedeutung, jedes Federmesser ist mit Sentimentalität geladen, alte Briefmarken machen ein Kummergesicht und trauern mit…“ Wieder ließ er diesen mittlern Schluchzer hören. „Sie finden alte Couverts mit Recepten und Tabakasche; Chininpillen und fein säuberlich aufbewahrte Theaterprogramme, mit denen wir einmal irgend etwas anfangen wollten, natürlich haben wir es vergessen, und nun liegt dieser ganze Kram in den Fächern – ein Viertel aller menschlichen Habe pflegt ja aus solchem Unfug zu bestehen. Und sie fassen das alles mit zitternden Fingern an, ihre Tränen lassen sie darauf fallen, und während sie Kontenbücher auf- und wieder zuschlagen und an Glasstöpseln riechen, sagen sie: ‚Das hat er sich noch aufbewahrt!‘ und: ‚Achatsteine hat er immer so gern gehabt!‘ – und auf einmal ist unser Wesen auf tausend Dinge verteilt, es sieht sie an – wir sehen sie an, mit tausend Augen… Alles kommt ihnen wieder zur Erinnerung, wird lebendig… so haben sie uns nie geliebt.“

„Nein“, sagte ich. „So haben sie uns nie geliebt.“

„Woran liegt das?“ fragte er vorsichtig.

[293] „Man muß wohl nicht mehr da sein, um geliebt zu werden“, sagte ich. „Noch nicht oder nicht mehr: man muß wünschen, um zu lieben. Zu unsern Lebzeiten kümmert sich keiner um unsern Nachlaß.“

„Aber da ist es ja auch kein Nachlaß“, sagte er.

Eine Leitung schien versehentlich noch angeschlossen zu sein – denn nun fuhr ein Blitz aus dem Gehäuse, daß es zischte, und wir machten uns eiligst davon, auf daß er es nicht erführe, der Allwissende.


„Er ist ein Pedant, ein ganz lächerlicher Pedant!“ sagte er.

„Weißt du, wieviel Sternlein stehen …?“ sagte ich. „Gott der Herr hat sie gezählet …“

„Er hat alles gezählet!“ schimpfte er. „Gezählet – das feierliche e, das schon Liliencron nicht leiden konnte, genau so lächerlich wie dieser ganze alte Mann. Alles hat er gezählet … Haben Sie einmal in unser Lebensbuch hineingesehen –?“

„Es war die größte Überraschung, die ich jemals erlebt – nein, die ich jemals gehabt habe“, sagte ich. „Das ist denn doch die Höhe.“

„Nicht wahr? Aufzuschreiben, wie oft man jede einzelne Handlung begangen hat: es ist ja – geisteskrank ist das, das ist ja … das übersteigt denn doch alles an Greisenhaftigkeit, was je …“

„Sie lästern“, sagte ich. „Sie müssen ihn nicht lästern, dann kann dieses Buch nicht erscheinen. Gott ist groß.“

„Gott ist …“

„Nicht, nicht. Natürlich ist es lächerlich. Denken Sie sich: ich habe neulich einmal einen ganzen Nachmittag auf der Bibliothek verbracht und meinen Band durchgeblättert. Er [294] ist sehr exakt geführt, das muß man schon sagen. Manches hätte ich nicht für möglich gehalten – summiert sieht es doch anders aus als damals, als man es tat.

Schlüssel gesucht: 393mal. Zigaretten geraucht: 11876. Zigarren: 1078. Geflucht: 454mal. (Bei uns ist erlaubt, zu fluchen – daher kann ich es nicht so gut. Ich bin kein Engländer.) An Bettler gegeben: 205mal. Nicht viel. Nugat gegessen – ist ein Mensch je auf den Gedanken gekommen, derartiges aufzuschreiben …! Nugat: 3mal. Ich habe keine Ahnung, was Nugat ist. Die Handschrift des Buchhalters ist aber so ordentlich, daß es schon stimmen wird. Übrigens: die letzten tausend Seiten sind mit einer Buchhaltungsmaschine geschrieben. Man modernisiert sich.“

„Er zählt alles“, grollte er. „Er zählt Verrichtungen, die ein anständiger Mensch …“

„… non sunt turpia“, sagte ich. „Ich habe demnach, sah ich an jenem Nachmittag, recht mäßig gelebt, in Baccho et in Venere … recht mäßig. Ich mag Ihnen die Zahl nicht nennen – aber es grenzt schon an Heiligkeit. Jetzt tut es mir eigentlich leid … Das merkwürdigste ist –“

„Was?“ fragte er.

„Das merkwürdigste ist,“ sagte ich, „zu denken, daß man dies oder jenes zum letztenmal in seinem Leben getan hat. Einmal muß es doch das letztemal gewesen sein. Am vierzehnten Februar eines Jahres hat man zum letztenmal ein Automobil bestiegen … Und man ahnt das natürlich nicht. Finales gibt es ja doch nur in den Opern. Man steigt ganz gemütlich in ein Automobil, fährt, steigt aus – und weiß nicht, daß es das letztemal gewesen sein soll. Denn dann kam vielleicht die Krankheit, die lange Bettlägerigkeit … nie wieder ein Automobil. Zum letztenmal in seinem Leben Sauerkraut gegessen. Zum letztenmal: telephoniert. Zum [295] letztenmal: geliebt. Zum letztenmal: Goethe gelesen. Vielleicht lange Jahre vor dem Tode. Und man weiß es nicht.“

„Aber es ist gut, daß man es nicht weiß“, sagte er; „wie?“

„Vielleicht“, sagte ich. „Man sollte aber bei jeder Verrichtung denken: Tu sie gut. Gib dich ihr ganz hin. Vielleicht ist es das letztemal.“

„Aber er ist doch ein gottverdammter Pedant …!“ fuhr er auf.

„Nennen Sie nicht seinen Namen!“ sagte ich. „Er ist ein göttlicher Pedant.“


Das mittlere Feld war gesperrt, weil ein Meteorregen niedergehen sollte – obgleich uns der gar nichts antun konnte, hatte der alte Herr mit vertatterten Händen die Sperrung angeordnet. Wir krochen vier Zeitlosigkeiten hindurch am Rande des Feldes entlang, dann setzten wir uns, um den Regen mitanzusehen, wenn er zu regnen anhübe. Mir paßte die Absperrung nicht, und ich fluchte leise vor mich hin.

„Haben Sie einmal einen Märtyrer gesehen?“ sagte er. Mir blieb ein ellenlanger und herrlicher Fluch, den mich einst ein Matrose in Dänemark gelehrt hatte, im Halse stecken. „Einen Märtyrer?“ sagte ich. „Einen, der seine unbefriedigte Eitelkeit hinter eine Sache steckt und nun plötzlich dasteht, lichtumflossen – ja, ich kenne das.“ „Wenn Sie das kennen,“ sagte er, „dann wissen Sie auch, was man mit so einem macht?“ „Sie … man gibt ihm wenig zu essen, die Kinder auf der Straße und die Professoren rufen hinter ihm her, er sei unfruchtbar und hätte keinen Kontakt mit der Wirklichkeit.“ „Das auch“, sagte er. „Aber ich habe einmal etwas gesehen, lange nach meinem Tode, etwas viel Merkwürdigeres.

[296] Da kriecht in der zweiten Hyperbel ein Ding herum, es ist noch kein rechter Planet, es will erst einer werden. Dort habe ich einmal zur Frühstückszeit geangelt. Und da hatten sie einen Kerl gefangen, der wollte ihnen den ganzen Ball umkrempeln, ein Heiliger, ein Vorwärtsrufer – in die Einzelheiten habe ich mich nicht gemischt, es ging mich ja auch nichts an. Den hatten sie also beim Kragen, und da haben sie ihn dann beendigt.“

„Nun ja“, sagte ich. „Das kommt vor. Das ist doch nichts Außergewöhnliches. Einer opfert sich auf, weil er muß; er brächte ein Opfer, wenn ers nicht täte; er horcht, wie es in den andern weint, dann wühlt er sich durch, bis er zu dieser Stimme gelangt, quält sich und wird gequält, und dann kommt er zu uns. Gewiß, ja.“

„Das war es nicht“, sagte er. „Wie sie es taten … Welch ein Hohn! Sie berieten lange, wie es zu tun wäre. Nun muß da eine Infektion stattgefunden haben – einer schlug vor, ihn zu kreuzigen.“ Ich sah jetzt aufmerksam auf das Meteorfeld – es war nicht gerade neu, daß einer gekreuzigt werden sollte. Er fuhr ruhig fort.

„Sie führten ihn also zur Kreuzigung hinaus, vor die große Stadt, auf ein Feld. Der Zug näherte sich dem Hinrichtungsplatz – der Heiland, ein gedrungener, dunkler Mann, sah sich ungeängstigt, aber erschreckt um. Da war kein Kreuz.“ Ich sah auf. „Was heißt das: da war kein Kreuz?“ sagte ich.

„Da war kein Kreuz“, sagte er. „Eine lange, hohe Stange stand da, wo das Kreuz zu stehen hatte. Und der Anführer der Rotte trat vor und sagte zum dortigen Heiland: ‚Du bist nicht einmal wert, daß man dich kreuzigt. Du bist nicht einmal ein Kreuz wert. Zwei Balken sind zu viel für dich, du Beglücker. Hier ist eine Stange, die genügt.‘ Und dann kreuzigten sie ihn.“

[297] „Sie konnten ihn doch gar nicht kreuzigen“, sagte ich. „Sie hatten kein Kreuz.“

„Sie nagelten ihn an die Stange“, sagte er. „Sie war breit genug … Sie nagelten ihn so: den einen Arm, den linken, senkrecht hoch erhoben, am linken Ohr vorbei, und den rechten glatt herunterhängend, an der rechten Hüfte. Da hing er, ein blutender Strich. Er schrie nicht.“

„Das – Sie haben das selbst gesehen?“ sagte ich.

„Ich habe das gesehen“, sagte er. „Wie ein Finger ragte er in den Himmel. Er lebte achtzehn Stunden, davon nur eine halbe ohne Bewußtsein. Es war ein Christus ohne Kreuz. Er sah so unbedingt aus – kein Querbalken strich wieder durch, was das lange Holz einmal ausgesagt hatte. Es starrte nach oben wie ein schneidendes Ausrufungszeichen, den Blitz herausfordernd. Aber es kam kein Blitz. Und ich sage Ihnen: die Leute haben recht getan. Wieviel Holz braucht der Mensch? Zwei Balken? Einer genügt. Sie sind ihren Weg zu Ende gegangen, wie der seinen zu Ende gegangen ist. Man soll bis ans Ende gehen. Die himmlische Güte …“

„Der Meteorregen –!“ rief ich. Wir sahen angestrengt zum angekündigten Ereignis hinüber; es verlief matt und etwas eindruckslos, wie alles, wovon er sich so viel verspricht.


„Was haben wir gelacht!“ sagte er. „Wir haben so gelacht!“ Er wischte sich ein wasserhelles Sekret aus den Augen, und ich tat desgleichen: denn was er da erzählt hatte, war nicht ohne gewesen. Er sprach sonst wenig von solchen Dingen – aber es waren zwei vorübergeglitten, ineinandergekrampft, mit zugeküßten Lidern, zwei, die aus ihrem Liebeshimmel heruntergefallen waren in die Hölle der Erfüllung. Übrigens wußten sie das nicht. Das hatte ihn auf den Gedanken gebracht, [298] mir die Geschichte eines Ehepaares zu erzählen, das sich nach dem Buch liebte, nach dem vollkommnen Ehebuch, mit einer Art Notenständer am Bett. Wir atmeten tief.

„Sie haben so gelacht –“, sagte ich. „War noch genug Gelächter da –?“ Er sah mich verständnislos an. „Ob genug Gelächter – wie meinen Sie das?“ „Sie wissen,“ sagte ich, „woher das Gelächter kommt?“ „Aus der Brust!“ sagte er und lachte tief. „Nein“, sagte ich. „Nicht aus der Brust. Wollen Sie sehen, woher es kommt, das Gelächter?“ Er wollte das. Und ich zeigte es ihm.

– – – – – – – – – –

Es war schon finster, als wir vor dem gigantischen Berg standen. „Was ist das? Wohin führen Sie mich?“ sagte er leise. „Was das ist?“ sagte ich. „Es ist der Berg des Gelächters.“ „Kommen Sie ein Stückchen hinauf – hier hinauf. Hören Sie –!“ Wir lauschten.

Kaskaden von Lachen kamen heruntergebraust, Wogen von Gelächter, Kicherbäche, ganze Tonleitern klapperten herab, es schritt auf großen Füßen Treppenstufen herunter, auf uns zu, und wenn es unten ankam, verebbte es in Atemlosigkeit zu kleinen Tönen … Leise bewegte sich der Boden unter unsern Füßen. Dumpf dröhnend lachten die Bässe, Triller von Frauenlachen stiegen auf und fielen melodisch ab, Koloraturgelächter und silberne Schellen … Fettes, schadenfrohes Lachen wälzte sich ölig dahin, breit klatschte es an die Ufer; Lachgemecker und fröhliches Gelächter von Kindern, spitze Lachstimmen, die sich überlachten, eine kletterte über die andere, dann fiel alles in sich zusammen. Und wieder stieg oben ein Chor von Gelächtern auf, dumpf überdröhnt von einer dicken, alten, akkompagniert von einer süßen Weibsstimme. Stille. Ein Rinnsal von Lachtränen tropfte an uns vorbei.

[299] „Das ist der Vulkan des Gelächters“, sagte ich. „Sie kannten es nicht? Sie haben mir hier oben so viel gezeigt und kannten ihn nicht? Er versorgt die da unten mit Lachen, von oben kommt es herunter, aus dem Vulkankrater rollt es heraus, alle Sorten. Alle Gelächter, die gebraucht werden: Sie haben sie gehört? Grinsen und pfeifende Peitschen mit kleinen Knoten in der Schnur, die brennen so schön … dummes Lachen und befreiendes Lachen und Lachbonbons, mit Tränen gefüllt – alles kommt von da oben. Man kann nicht hinauf.“

„Was ist oben?“ sagte er. „Ich habe es mir sagen lassen“, sagte ich. „Ein riesiges, tiefes Loch wie im Ätna, da quillt es heraus.“ „Aber woher kommt es?“ sagte er. „Wer versorgt die Erde mit Gelächter – woher diese Quantität, die Unerschöpflichkeit, die immerwährende Bereitschaft, zu geben und zu geben –?“

„Es gibt ein Ding,“ sagte ich, „das hat begriffen, warum Er das geschaffen hat, da unten. Es hat den Witz der Welt begriffen. Seitdem –“ „Seitdem?“ sagte er. „Seitdem lacht das Ding“, sagte ich.

Wir wandten uns ab. Weit unten sahen wir die beiden fallen, ihrer Privathölle zu. „Ein seltsames Geschäft“, sagte ich. Er wollte lachen, setzte plötzlich ab. Im Dunkel glitt eine Tierseele scheu an uns vorüber. „Hat das nie aus dem Lachtränenbach getrunken?“ sagte er. „Tiere lachen nicht“, sagte ich. „Sie sind die Natur selbst, die ist ernst, unerbittlich vielleicht heiter – aber lachen? Er läßt sie nicht lachen.“ „Und warum nicht –?“ sagte er. „Weil er Furcht hat“, sagte ich. „Er hat Furcht[WS 1], man könnte ihn auslachen. Dabei tut es keiner. Sie gehen an den Berg des Gelächters und lachen zwar aus, aber nur einander. Hören Sie, wie es heruntergluckert!“

Jetzt war der ganze Berg überrieselt mit Gelächter, fallendem [300] und steigendem; erst hatten wir ein wenig mitgelacht, dann lächelten wir nur noch, und nun stimmte es ganz traurig. „Lachen ist eine Konzession des Herrn“, sagte ich. „Sie ist auch danach“, sagte er. Dann glitten wir davon.


„Wieviel Uhr …“ – aber schon sank die Hand schlaff herunter. „Ach so –“, sagte er. Ich lächelte doch. Als ich den Ausdruck seiner Augen bemerkte, stelle ich die Lachfalten wieder gerade. „Keine Zeit“, flüsterte er. „Sich daran zu gewöhnen, daß es keine Zeit mehr gibt. Ja, die guten Aprioristiker …“ Ich bog ab. „Haben Sie sich da unten die Zeit auch geometrisch vorgestellt?“ sagte ich. „Nein, wie …“, sagte er. „Als lebe man im Raum vorwärts“, sagte ich. „Als könne man im Raum der Zeit auf- und abrutschen, vorwärts und rückwärts, mit allen Spielen im Raum: wer da hinten auftaucht, ist noch klein, er kommt auf uns zu, wird immer größer, dann nimmt seine Gestalt ab, verschwindet, wissen Sie?“ „Das kenne ich nicht“, sagte er. „Nicht?“ sagte ich. „Es ist so:

Das kleine Haus, in dem ich einmal gewohnt habe, steht unbeweglich. Nun setzt es sich in Bewegung; nachts, wenn wir nicht einschlafen können, hört man, was es macht. Es fährt durch die Zeit. Vorn, am Bug schäumt das Zeitwasser hoch auf, mit solcher Geschwindigkeit geht es vorwärts, es zerteilt die Zeit, sie gleitet rechts und links am Haus vorbei, da rauscht sie auf, überall, und wir liegen in der kleinen Bettschublade und werden davongetragen, wehrlos, machtlos, weiter und immer weiter. Manchmal streckt sich eine Hand aus solch einem Bett, sie hängt laß herunter und bewegt sich – zurück? Da gibt es kein Zurück. Manchmal schaudert der Schlafende vor dem, was nun kommt – aber sie fahren mit [301] ihm. Ahnungen helfen nicht. Morgens früh, wenn du aufwachst, hält das Haus schon anderswo.“

„Ja – etwas Ähnliches habe ich doch wohl schon empfunden“, sagte er. „Man ist übrigens nicht sehr glücklich dabei.“

„Nein“, sagte ich. „Man ist nicht sehr glücklich dabei. Zum Schluß bleibt die etwas trübe Empfindung von einer Masse Eindrücke; es wäre ein herzhafter Spaß, wenn man den Zeitraffer anbringen könnte und das ganze Leben, das man zu führen verurteilt ist, donnerte mit einem Male herunter. Aber das war nicht zu machen.“

„Haben Sie sich sehr gesehnt, zu … hierher zu kommen?“ sagte er.

„Oft“, sagte ich. „Hunger habe ich alle meine Lebtage gehabt. Hunger nach Geld, dann: Hunger nach Frauen, dann, als das vorbei war: Hunger nach Stille. Oh, solchen Hunger nach Ruhe. Mehr: Hunger nach Vollendung. Nicht mehr müssen – nicht mehr durch die Zeit fahren müssen –.“

„Man geht spurlos dahin –“, sagte er. „Nein“, sagte ich. „Man geht nicht spurlos dahin. Ach, denken Sie nicht an Denkmäler – das ist ja lächerlich. Und ich weiß schon, was Sie jetzt sagen wollen: unsterbliche Werke. Ich bitte Sie … Nein, etwas anderes. Ich habe etwas dort gelassen, ja, ich habe etwas dort gelassen.“ „Was?“ sagte er, ein wenig ironisch.

„Ich habe den Dingen etwas gelassen“, sagte ich. „Seit jenem Tage, wo ich den greisen Klavierspieler in Paris wiedersah, den mein Vater zwanzig Jahre vorher in Köln gesehen hatte. Er spielte noch dieselben Stücke, der Wandervirtuose – noch genau dieselben. Und da war mir, als grüßte durch ihn mein toter Vater. Auch ich habe den Dingen etwas gesagt. Ich habe an vieles, was längere Dauer hat als ich und [302] Sie, Grüße befestigt. Ich habe hier einen Gruß angeheftet und da einen Kranz, hier einen Fluch und da ein abwehrendes Schweigen … und als ich das tat, da merkte ich, daß die Dinge schon voll waren von solchen Grüßen Verstorbener. Fast alle hatten sich an die Materie gehalten, hatten Spuren hinterlassen; wenn man vorüberstrich, bat, flehte, beschwor, fluchte und segnete es von diesen Sachen herunter, die die Menschen tot nennen. Ich bin nicht spurlos dahingegangen. Nur –“

„Nur –?“ sagte er.

„Nur –“, sagte ich. „Die Menschen sind Analphabeten. Sie können es nicht lesen.“

Er sah mich an und tastete an die Stelle, wo einmal seine Uhr gesteckt hatte. „Kommen Sie!“, sagte er. „Wir wollen zum Nachmittagskaffee.“


Wir saßen auf der goldenen Abendwolke und ließen die Beine baumeln – er ruckelte ungeduldig hin und her, weil sich die Wolke nicht abkühlen wollte, man fühlte sich sanft geröstet. „Noch ein kleines“, tröstete ich ihn. „Gleich wird sie fahl und grau, dann sitzen wir angenehmer. Wir wollen nicht wegschwimmen.“ Da blieb er. Als es kühler wurde, sagte er: „Sie müssen doch eigentlich ein schönes Dasein gehabt haben, damals. Wenn ich so denke, wie agil Sie sind, wie flink, wie anpassungsfähig …“ Ich sah ihn von der Seite an und wickelte mich fester in das Gewölk. „Ich?“, sagte ich. „Ich …“

„Wenn man Sie sprechen hört,“ sagte er, „hat man den Eindruck, als seien Sie mit den Mitbrüdern fertig geworden, nicht immer siegreich, aber immerhin. Ich meine das nicht böse. Sie sagen gar nichts. Warum lachen Sie –?“

[303] „Es ist ja jetzt alles vorbei“, sagte ich. „Es war so:

Am Anfang ging es an. Mit dem Elan der Potenz ritt ich über viele Bodenseen, ich hatte keine Schwierigkeiten zu überwinden, weil ich sie gar nicht sah. Nachher, als das nachließ, zog der Schimmel doch langsamer, und ich hatte Muße, mir ein bißchen die Landschaft anzusehen, durch die wir fuhren.“

Er hatte ein Stück Wolke auseinandergezogen und malte mit ihr ein Gesicht an den Himmel, einen ausdruckslosen Pausback. Dann wischte er ihn wieder weg. „Und was sahen Sie?“ sagte er.

„Was ich sah?“ sagte ich. „Ich sah – aber ich verstand nicht. Ich verstand immer weniger. Wissen Sie, daß es eine bestimmte Sorte Geisteskranker gibt, die Furcht hat vor allem, und die ratlos ist. Sie frösteln ständig, ziehen sich zusammen, wenn sie mit der Welt in Berührung kommen, immer enger, dann sterben sie; sie sind ins Negative hinübergekippt. Jahrelang, besonders in der Mitte meines Lebens, hatte ich das Gefühl, ausgestoßen zu sein, als Kind unter Erwachsenen zu leben, Verhandlungen der Großen beizuwohnen, deren Sinn mir ewig verborgen bleiben würde. Sie sprachen miteinander – und ich hörte verständnislos zu. Sie fochten Ehrgeizschlachten aus – ich stand daneben und machte runde Augen. Sie schlossen Geschäfte ab – ich hatte gewissermaßen den Eindruck zu stören. Und das allerschlimmste war: Alle verstanden sich, sprachen ihre Sprache, sie hatten sofort die Ellbogenfühlung, sie waren verwandt. Ich stand da, allein, auf einem weiten Hof mit meiner Kappe in der Hand, und ich drehte sie, wie es die Schauspieler machen, wenn sie Verlegenheit ausdrücken … Mittags saß ich mit ihnen zusammen, sie schwatzten, ich schwatzte auch – aber mir fehlte irgend etwas, ein Code-Schlüssel, eine Auflösung, ich wußte nicht … und abends ging ich traurig nach Hause.“

[304] Jetzt bröselte er langsam die Wolke auf, die immer kleiner wurde. Wir hatten kaum noch Platz zum Sitzen. „Aber da waren doch noch andre“, sagte er. „Auch: Einsame. Auch: Enttäuschte. Auch: Weltfurchtsame. Weshalb gingen Sie nicht zu diesen –?“

„Um einen Klub der Einsamen zu gründen?“ sagte ich. „Ich verachtete sie maßlos, ich haßte sie nahezu. Ich fand sie lebensschwach, anspruchsvoll, uninteressant verrückt. Ihnen gegenüber mimte ich das Leben, das pralle Leben. Außerdem kochten sie eine andre Art Melancholie, und so verstanden wir uns nicht. Blieben sie allein, waren sie mir widerwärtig. Fanden sie den Anschluß, dann fühlte ich mich erhaben über so viel gemeinen irdischen Sinn.“

„Also was blieb Ihnen zum Schluß?“ sagte er, ein klein wenig spitzer, als mir lieb war. Ich konnte ihm nicht mehr antworten, denn nun hatte er glücklich die ganze Wolke aufgebröselt, wir rutschten ab und fielen, fielen –


Er pfiff – das tat er so selten. „Sie sind sehr vergnügt –?“ fragte ich. „Sie müssen hingehn!“ sagte er. „Sie müssen auf alle Fälle hingehn! Es ist ganz großartig. Ganz großartig ist es!“ „Was?“ fragte ich. „Einweihung eines neuen Planeten? Schlußfest auf einem Trabantenmond? Maskenball in der Milchstraße?“ Er wehrte mit einer Handbewegung ab. „Nicht doch!“ sagte er. „Das O hat mir das Erdkino gezeigt! Sie müssen hingehn!“

Wer das O war, wußte ich – aber was war ein Erdkino? Ich fragte ihn. Er nahm einen Meteorstein in die Hand und schickte ihn auf die Reise, nach unten. „Das Erdkino?“ sagte er.

„Das O hat die Erde aufgenommen – nun, das ist nichts [305] Neues. Aber es hat die Bilder aneinandergesetzt, flächig aneinandergepappt, verkleinert, wieder vergrößert, ich bin kein Techniker und habe seine Erklärung kaum verstanden. Es sagt etwas von Zeitraffer … Es kann die Menschen auf den Filmen löschen – man sieht nur die Sachen.“ „Was für Sachen?“ sagte ich. „Sachen!“ sagte er. „Kleider, Anzüge, Hutnadeln, Schränke, Bücher, Dampfer, Laternen, Papier, Antennen, was Sie wollen. Das sieht man. Nun setzt es sich in den Fabriken zusammen, die Menschen sind nicht zu sehen, verstehen Sie? Es setzt sich allein zusammen, wächst, aus dem Boden, in Werkstätten, in Ateliers, lackiert sich, prangt und spreizt sich in Neuheit … Dann wird es benutzt, die Schranktüren klappen auf und zu, Papier wendet sich, Hutnadeln hängen in der Luft, Bilder leuchten, Anzüge wandeln, drehen sich, liegen über Stühlen … wie sind die Sachen fleißig! Wie dienen sie! Wie sind sie tätig! Wie leben sie mit! Welch ein Leben!“ Seine Augen leuchteten. „Und dann?“ fragte ich. „Und dann werden die Sachen müde, immer seltener stülpt sich der Hut auf eine unsichtbare Form, immer wackliger fällt der Vorhang, immer bröckliger klappt die Zauntür … Und dann gibt es einen Ruck, Holz wird zerschlagen – man sieht nicht, von wem –, alte Kissen fliegen durch den Raum, Schnur schnurrt zusammen und rollt sich ab – und dann sinken die Sachen auf die Erde. Ganz langsam sinken sie nieder, da liegen sie. Und dann werden sie immer unkenntlicher, sie werden wohl zu neuen Klumpen gekocht, zusammengeschweißt, ich verstehe mich nicht so darauf. Und viele werden wieder Erde. Und dann fängt es wieder von vorn an.“

„Und das gibt es da alles zu sehen?“ sagte ich. „Das und noch viel mehr“, stimmte er begeistert zu. „Noch mehr?“ fragte ich. „Was tun denn die Sachen noch?“ „Die Sachen [306] tun nichts!“ sagte er. „Es gibt einen andern Film; da hat das O die Sachen ausgelöscht, man sieht nur die Menschen – und es hat auch einen Teil der Menschen ausgelöscht und nur diejenigen mit der gleichen Betätigung übriggelassen.“ Ich sagte: „Wie das …?“ Er sagte:

„Es hat Kontinente photographiert, auf denen man nur trinkende Menschen sieht. Hören Sie? Nur Trinkende. Geöffnete Münder, gespitzte Lippen, hastige Durstende und abschmeckende Genießende – Totschlaffe über Pfützen und spielende Kinder, die an Tröpfchen saugen, Kinder an der Mutterbrust und heimlich saufende Ammen … Und einmal: nur Lesende. Von allen Graden. Und einmal: nur Rauchende. Und einmal … Ja.“

„Was – und einmal?“ fragte ich.

„Und einmal nur Liebende“, sagte er leise. „Das war nicht schön. Hören Sie: das war ekelhaft. Welch ein Puppenspiel. Was treibt sie? Es ist, als bewegten sie sich nicht, als bewegte es sie. Das sind nicht mehr sie, die dieses Auf und Ab vollführen – das ist ein andres. Sie sehen es tausend und tausendmal beim O – schließlich scheint es eine zeremonielle Förmlichkeit, man möchte rufen: Aber so wechselt doch einmal! Tut doch einmal etwas andres! Nein – das Repertoire ist so klein … Sie nähern sich einander, gehen umeinander herum, lächelnd, und dann immer dasselbe, immer dasselbe … Sagen Sie: Haben wir uns auch so albern benommen, damals?“

„Sie wären sonst nicht hier“, sagte ich.

„Aber das ist ja … ich bitte Sie: so albern. Und immer wieder –?“

„Man muß wohl an das Einmalige glauben“, sagte ich. „Sonst kann man es nicht tun. Sähe man wirklich alles und alle – man könnte wohl nicht bleiben, da unten. Das O [307] soll weiter photographieren; sie werden es zum Glück nie zu sehen bekommen.“

„Doch. Nachher“, sagte er. Wir schwiegen und schämten uns.


„Kommen Sie mit ins Wasser-Sanatorium?“ sagte er. Ich sah ihn an. „Wird hier jemand geheilt?“ sagte ich. „Jemand … ja“, sagte er. „Sie verstehen nicht richtig: da wird nicht mit Wasser geheilt. Anders: denken Sie an Kinderkrankenhaus. Wird da mit Kindern geheilt? – Kinder werden geheilt.“ „Wollen Sie vielleicht sagen, daß hier Wasser geheilt wird?“ sagte ich. „Krankes Wasser … das habe ich noch nie gehört.“ „Sie sind nun schon so lange hier“, sagte er, „und kennen sich noch immer nicht aus. Kommen Sie mit.“

Es war hinter dem Wasserplaneten, einer dicken, gurgelnden und etwas lächerlichen Sache, die da wie rasend umherwirbelte. An den Rändern zischten die Spritzer in der Rotationsrichtung, der Himmelskörper speichelte sich durch den Raum. Den ließen wir turbulieren, dann kam der große Salzsee, darüber hinaus war ich noch nie gewesen. Dann kam es.

Weit, äonenweit: Wasser, eine stille Fläche. Sie lag in der Luft wie eine hauchige Scheibe, glasdünn, glasklar, wie mir schien. Ich sagte ihm das. „Es ist nicht klar“, sagte er. „Das ist es eben. Es ist hier zur Erholung, das Wasser. Es ist abgeguckt.“ „Was ist es –?“ sagte ich. „Es ist abgeguckt“, sagte er. „Sie haben da alle hineingesehn – setzen wir uns. Ich werde Ihnen das erklären.“ Wir setzten uns an den Rand der Wasserglasplatte. Man konnte die andern Wolken sehn, die unterhalb wimmelten.

„Was tun die, die Muße haben, wenn man ihnen Wasser [308] oder Feuer vorhält?“ sagte er. „Sie sehen hinein“, sagte ich. „Richtig“, sagte er. „Aber … sie sehen nicht nur hinein. Sie lassen sich hineinfallen. Die Augen werden glasig, das Gehirn arbeitet nicht, es ist ein Halbtraum. ‚Das Leben zog in den Flammen an ihr vorüber‘ – das steht in den Büchern. Es zieht gar nichts vorüber. Die da springen aus dem vorüberlaufenden Strom der Zeit ins Wasser, ins Kaminfeuer, wie auf eine kleine Insel; da stehen sie und blicken verwundert um sich. Jetzt strömt das andre, und sie selbst bleiben. Die Nerven lassen nach, alles läßt nach, ist entspannt – die Zügel hängen lässig über die Wagendecke, langsamer laufen die Zeitpferde … da senken sie sich ins Wasser.“ „In dieses Wasser hier?“ sagte ich. „Eben in dieses“, sagte er. „Sie haben so viel hineingetan, das Wasser ist voll davon, und jetzt ruht es sich aus. Mein Lieber, wer hat da alles Bröckchen des Lebens hineingeworfen! Bröselchen von Schmerz, Erinnerung, Wehleidigkeit, Faulheit, Tobsucht, zerbissene Wut, heruntergeschlucktes Begehren –! Das strengt an. Das arme Wasser liegt hier und ruht. Es muß wieder sauber werden. Es ist vermenscht.“

„Warum tun sie es?“ sagte ich. „Sie brauchen das“, sagte er. „Wenn die Flammen züngeln, werden sie nachdenklich – bei den Flammen geht es noch besser, sie verbrennen alles, was in sie hineinfällt. Wenn das Meer rauscht, werden sie nachdenklich – sie fühlen plötzlich Halbvergessnes, einer klopft an die Tür, an eine wenig beachtete, kleine Hintertür … Sie öffnen den Spalt – da kommt es herein. Und drängt sie halb aus dem Haus, mit einem Fuß stehn sie draußen; außer sich. Für Augenblicke sind sie Pflanze geworden, sie wachsen dumpf vor sich hin, auch dieses Wachstum ist manchmal angehalten. Dann steht die Zeit still, und die Urmelodie wird hörbar: das Leid. Haben Sie jemals einen [309] gesehn, der froh ins Wasser gesehn hätte, froh ins Feuer –?“ Ich sagte, daß ich es nie gesehn hätte. „Also, was ist es –?“ sagte ich. „Was empfinden sie, was bedeutet das?“ „Es ist eine Art Generalprobe“, sagte er. „Es ist ein süßschwacher Tod.“

Wir standen langsam auf und schoben uns von der Wasserplatte fort. Sie lag da, ruhig atmend, und als wir davonschwammen, sah es uns nach: aus hunderttausend Augen.


Er ist fort. Ich kann das noch gar nicht glauben.

Die ganze letzte Zeit hatte er schon immer so schwermütig gesprochen, hatte dunkle Andeutungen von sich gegeben, vom „männlichen Glück, vorhanden zu sein“, von einer „schönen Sinnlosigkeit der Existenz“ und andre beunruhigende Sätze. Ich hatte dem keine Bedeutung beigelegt, jeder hat schließlich seinen eigenen Cafard. Und auf einmal war er fort.

Am Morgen, als die Zentral-Sonne mit majestätischem Rollen durch den Raum gewitterte, war er zu mir gekommen, schleichender, merkwürdiger denn je. Er hatte geschluckt. „Wir … wir werden uns vielleicht …“ Dann hatte er sich abgewandt. Mir ahnte nichts Gutes. Nachmittags war er weg.

Ich fand ihn nicht. Beim Alpha war er nicht, beim Silbergreis nicht, auf seinem Angelplaneten nicht, nirgends, nirgends. Ich ging zum O, mir blieb gar nichts andres übrig. Ich hasse das O, es ist gelehrt, kalt, klug, scheußlich. Das O lächelte unmerklich, bastelte an seinen Apparaten, sah mich an, ließ mich heran …

Pfui Teufel. Ah, pfui Teufel.

Das O hatte den Zeitraffer gestellt, die alten Strahlen noch einmal zurückgeholt, ein fauler Witz, den es sich da macht. Und ich sah.

[310] Den dicken gerundeten Bauch der Mama; es war, als hätte sie sich zum Spaß ein Kissen vorgebunden. Sie ging langsam, vorgestreckten Leibes. Und dann sah ich ihn, oder doch das Ding, in das er gefahren war.

Er lag auf einem Anrichtetischchen und wurde gerade gepudert. Er zappelte mit den kleinen Beinchen und bewegte sich, blaurot vor Schreien. Sein Papa stand leichtgeniert daneben und machte ein dummes Gesicht. Die Kindswärterin hantierte mit ihm eilfertig und gewohnheitsmäßig, in routinierter, gespielter Zärtlichkeit. Ich sah alle Einzelheiten, seine unverhältnismäßig großen Nasenlöcher, den Badeschwamm …

Zwei Städte weiter saß ein kleines Mädchen auf dem Fußboden und warf Stoffpuppen gegeneinander, das war seine spätere Frau; ein rothaariger Bengel schaukelte unter alten Bäumen: das war sein bester Freund; in einer Hundehütte jaulte ein Köter, der Großvater dessen, der ihn einst beißen würde; ein Haustor glänzte: die Stätte seiner größten Niederlage. Er wußte von alledem nichts, brüllte und war sehr glücklich. Neben mir kicherte leise das O.

Da liegt er im Leben. Er fängt wieder von vorn an. Er will auf eine Reitschule gehen und sich die Beine brechen; er will den Erfolg schmecken, den in Geschäften und den in der Fortpflanzung; er wird den Kopf in die Hände stützen, oben, in einem vierten Stock, und über die Stadt mit den vielen schwarzen Schornsteinen sehen, auch in den Himmel … Dabei wird ihm etwas einfallen, eine Art Erinnerung, aber er wird nicht wissen, woran. Er wird seine Jugend verraten und das Alter ehren. Er wird Gallensteine haben und Sodbrennen, eine Geliebte und ein Konversationslexikon. Alles, alles noch einmal von vorn.

Und ich werde mich hier oben zu Tode langweilen, wenn das möglich wäre – ich werde mir einen neuen Freund suchen [311] müssen, mit dem ich auf den Wolken sitzen und mit den Beinen baumeln kann … Eine homöopathische Dosis von Neid ist in meinem Seelenragout zu schmecken, nicht eben viel, nur so, als sei jemand mit einer Neidbüchse vorbeigegangen … Was hat ihn nur gezogen? Was zieht sie nur alle, die wieder herunter müssen ins Dasein –? Schmerz? Hunger? Sehnsucht? Und vielleicht gerade die Sinnlosigkeit, der Satz vom unzureichenden Grunde, die Unvollkommenheit, die kleinen Hügelchen, die es zu überwinden gibt, und die man nachher so reizend leicht herunterfahren kann? Aber er kennt das doch alles, er kennt es doch, wir haben es uns oft genug erzählt … Und wie hat er sich darüber lustig gemacht!

Eidbruch. Fahnenflucht. Verrat! Ich komme mir schrecklich überlegen vor, ein Philosoph. Ich habe recht. Er hat unrecht.

Aber er lebt. Er atmet, mit jenem Minimum an Erkenntnis, das das Atmen erst möglich macht; er ersetzt beständig seine Zellen, schon morgen ist er nicht mehr derselbe wie gestern, und heute ist er glücklich, weil er nichts mehr von alledem weiß, was er hier gewußt hat; er verschwimmt nicht mehr im All, er ist ein einziges Ding, Grenzen sind die Merkmale seines Wesens, und gäbe es außer ihm keine andern, er wäre nicht. Seine Mutter liebt ihn, weil er ist; sein Vater wird ihn später einmal lieben, weil er so ist und nicht anders. Manchmal ist er glücklich, unglücklich sein zu können.

Er ist fort. Und ich bin ganz allein.


Er schämte sich über die Maßen, als er wieder da war. „Sie sind lange fortgewesen –“, sagte ich. „Wir wollen doch die Sache beim Namen nennen“, sagte er. „Ich habe Sie plötzlich allein gelassen; so, wie es da unten welche gibt, die [312] aus dem Leben scheiden, aus Sehnsucht nach dem Tode – so habe ich das Umgekehrte getan. Nun –“ Ich schwieg. Dann:

„Es hat Ihnen gefallen?“ sagte ich harmlos. Er sah mich aufmerksam an. „Ironie verkaufe ich allein“, sagte er. „Aber ich kann es ja ruhig sagen: Nein – es hat mir nicht gefallen.“ „Und warum nicht?“ sagte ich. „Weil –“, sagte er. „Ich will Ihnen etwas erzählen:

Oft habe ich Ihnen hier oben nicht geglaubt; Sie haben so niederdrückende Sachen über die da gesagt – Sie sind ein Dyskolos.“ Ich nickte freundlich. Namen treffen nie, besonders nicht, wenn man selbst gemeint ist. „Ein Dyskolos“, sagte er. „Sie essen die Trübsalsuppe mit großen Löffeln – Ihnen ist nicht wohl, wenn Ihnen wohl ist – Sie müssen so eine Art bösen Gewissens haben, wenns Ihnen gut geht. Es hat mir übrigens wirklich nicht gefallen.“ Oben links ging die Erde auf, o du mein holder Abendstern!

„Sehen Sie das?“ sagte er. „Sehen Sie das? Geht es da armselig zu! Welcher Reichtum an Armut! Welcher Überfluß an Nutzlosem! Welch Schema des Eigenartigen! Ich war entsetzt. Dieses Mal bin ich nicht alt geworden.“ „Aber Sie hatten doch Freude, wieder da zu sein …?“ sagte ich vorsichtig.

„Es wird alles in Serien hergestellt“, sagte er. „Ich hatte Freude – eine Minute: die erste. Aber ich hatte vergessen, meine Rückerinnerung bei Ihnen zu lassen – ich wußte alles. Herr, ich wußte alles, was kam. Mein erstes Kinderschuhchen, Elternfreude und Mutterliebe und die kleine Schulmappe … Und die ersten Pubertätspickel und die Gedichte, die junge Liebe und die vernünftige Heirat. Ja. Aber am schlimmsten –“ „Am schlimmsten –?“ sagte ich.

„Am schlimmsten war es später“, sagte er. „Die Abgenutztheit [313] des Originellen – die Tradition der Individualität – die Maschinerie des Außergewöhnlichen: es war nicht zum aushalten. Ah, ich bin nicht Phileas Pogg, der Exzentriks sucht – ich weiß, daß man nicht mit beiden Beinen auf einer Lampe sitzen kann – aber welche Armut! Welche Dürftigkeit in den Ausdrucksmöglichkeiten, in der Perversität noch, im Leiden selbst. Es ist immer dasselbe – es ist immer dasselbe. Und jeder tut so, als begegne einem das zum erstenmal, wenn es ihm zum erstenmal begegnet.“

„Sie sagten vorhin,“ sagte ich, „daß Sie so ins Leben hineingerutscht seien, wie manche herausgehen: aus Sehnsucht nach dem Tode. Gibt es das: Sehnsucht nach dem Tode –?“ „Nein“, sagte er. „Nein: nicht Sehnsucht nach dem Tode. Nur: Müdigkeit. Da liegen nun sechsunddreißig Kalender auf dem Tisch, jeder mit Neujahr, Hundstagen und Sylvester, und das muß alles noch gelebt werden – welche Aufgabe! Das mag man mitunter nicht. Wirst du ohne Hunger durchkommen? Ohne Syphilis? Ohne Kinderkatastrophen? Nur Blinde sind kräftig – Schwäche macht sehend. Die Chancen sind ungleich verteilt. Ich wußte zuviel. Und sehen Sie: da kleben sie und gehen nicht weg und gehen nicht weg. Was mag sie wohl halten –?“ Er sah auf die Erde.

Der kleine blitzende Punkt stand jetzt im Zenith, unter tausend andern, die leuchteten wie er.

Keiner leuchtete wie er.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Frucht

Erstdrucke unter dem Pseudonym Kaspar Hauser in: Weltbühne:

  • Wir schaukelten uns auf den Wellen –; 7. Juli 1925
  • Wir saßen auf der Wolke … („Am liebsten, sagte ich zu ihm …“); 25.August 1925
  • „Haben Sie schwimmen gelernt …“ 29. September 1925
  • „Er ist ein Pedant, …“; 20. Oktober 1925
  • „Warum haben Sie gelacht –?“; 17. November 1925
  • Er pfiff – das tat er so selten …; 8. Dezember 1925
  • „Wieviel Uhr …“; 19. Januar 1926
  • Wir saßen auf der goldenen Abendwolke…; 2. Februar 1926
  • Das mittlere Feld …; 26. Februar 1926
  • Er ist fort …; 13. April 1926
  • Er schämte sich Über die Maßen …; 23. November 1926
  • „Kommen Sie mit ins Wasser-Sanatorium?“; 28. Dezember 1926
  • „Was haben wir gelacht!“; 20. Februar 1927