Olympische Grüsse (1899)
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Hoch in des Olympus Höhen,
In Kronions altem Haus
Sitzen ernst die alten Götter
Festlich beim Ambrosiaschmaus.
Und es leert mit tiefem Zuge
Zeus die Schale Nektarwein,
Wischt den Mund und fragt mit Würde:
„Was mag heut in Chemnitz sein?“
Hermes da, der Götterbote,
Blankgeputzt das Flügelpaar,
Stellt sich völlig reisefertig
Jetzt dem Göttervater dar:
„O Kronide, spende heute
Deinen hellsten Sonnenschein,
Denn sein Jubiläum feiert
Dort ein würdiger Verein.“
„Schon verflossen vier Decaden
Seit er wirkt mit sichrer Kraft
In dem Dienst des Idealen
Und zum Ruhm der Wissenschaft.
Darum sendet auch Athene,
Als der Weisheit Hüterin,
Dem Vereine Glück zu wünschen,
Mich jetzt zu der Erde hin.“
Doch der Göttervater schüttelt
Seine Locken wild wie nie.
„Ha! Das ist mir lieb zu hören,
Denn zerschmettern will ich sie.
Kein Geheimnis ist mehr sicher
Im Gebiete der Natur,
Jede Faser wird durchleuchtet,
Allem ist man auf der Spur.
In die weit’sten Himmelsfernen
Spähen sie mit langem Rohr,
Holen aus der Erde Tiefen
Gold und Edelstein hervor;
Selbst den Blitz, den Himmelsfunken,
Sperren sie in Gläser ein,
Und die Luft des hehren Weltalls
Wird verflüssigt – wie gemein!“
Und an ihres Vaters Seite
Tritt Athene lächelnd hin:
„O Kronide“, spricht sie freundlich,
Streichelnd zärtlich ihm das Kinn,
„Lass die wack’ren Männer pflegen
Ungestört ihr Forschertum,
Denn je mehr sie noch ergründen,
Desto höher steigt Dein Ruhm.“
Da spricht schmunzelnd drauf der Alte:
„Recht hast Du, mein kluges Kind,
Darum Hermes bringe ihnen
Uns’re Grüsse jetzt geschwind!
Doch damit bei ihrem Treiben
Sie nicht allzu siegsgewiss
Und sie recht bescheiden bleiben,
Sorg’ für manches Hindernis.“
„Blitz und Hagel soll sich mehren
Wie der Draht für’s Telefon,
Wind und Welle soll sich wehren
Gegen Schiff und Luftballon!
Manche Röhre soll noch springen,
Stinken soll’s in der Chemie,
Und es soll nicht leicht gelingen,
Dass zum Pole dringen sie.“
„Nun so bring auch meine Wünsche,“
Spricht die kluge Göttin drauf,
„Dass nicht Blitz und Wind und Wetter
Hemmt der Wissenschaften Lauf,
Und wie schon seit vierzig Jahren
Wirket unser Jubilar,
Mög’ er wachsen und gedeihen,
Fröhlich blühen immerdar.“
Schr.