Pflügender Araber

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Pflügender Araber
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 801, 802
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[796] [801] Pflügender Araber. (Zu dem Bilde S. 796.) Neidischen Blickes schauten viele Völker des Alterthums nach Aegypten hinüber - aber nicht die stolzen Bauten und nicht das in den Archiven des Reiches gesammelte [802] Wissen erregten damals den Neid, sondern das goldene Korn, das am heiligen Nil so reichlich gedieh. Sahen doch die Sohne Israels mit staunenden Blicken das Getreide an, welches Joseph vor ihnen ausbreitete, „über die Maßen viel, wie Sand am Meere"! Später war Aegypten eine der Kornkammern der Weltbeherrscherin Rom, und unter den drei Getreideflotten, welche die Stadt versorgten, der sicilischen, ägyptischen und pontischen, war die ägyptische die reichste und wichtigste.

Zwei Jahrtausende sind seit jenen Zeiten dahingerauscht, das Volk der alten Aegypter ist in der Flut anderer Volker untergegangen, die Götter, die Sitten und die Sprache der Vorväter sind den heutigen Aegyptern fremd, aber sie hängen wie diese an der Scholle und machen sie urbar just wie die fleißigen Ahnen vor fünftausend Jahren.

Wir stehen in der Ebene von Unterägypten in dem Ueberschwemmungsgebiet des Nils; scharf heben sich die Palmen von dem blauen Himmel ab und vor ihnen sehen wir den ägyptischen Bauer im Schweiße seines Angesichts das Feld bestellen. Ein Kamel und ein Ochse ziehen im Joche den Pflug, ein trauriges Gerät, das kaum drei bis vier Zoll tief in die Erde greift. Und doch ist ihm schon vor vielen tausend Jahren die Ehre der Abbildung zu theil geworden! Wir finden ihn schon unter den ägyptischen Hieroglyphen wo zwei Ochsen im Joch ihn wie heute noch an einer Deichsel bewegen. Er besteht aus zwei im spitzen Winkel vereinigten, einen Haken bildenden Hölzern. Das untere ist an der Spitze mit Eisen vorgeschuht und bildet die dürftige Pflugschar.

Wir würden jedoch irren, wenn wir annehmen wollten, daß alle Ackerbauer Aegyptens den Boden so bestellen wie der schlichte Bauer aus unserem Bilde. Aegypten giebt zwar noch heute Korn an andere Völker ab und viele Engländer leben von Brot, das aus ägyptischem Mehl gebacken wurde, aber seine Hauptausfuhr besteht heute in Spinnstoffen, in Baumwolle, und auf den Pflanzungen der Regierung und der großen Besitzer wühlt bereits seit Jahrzehnten der Dampfpflug den alten, vom Nil stets neu befruchteten Boden aus.

Der schlichte Mann Aegyptens aber geht noch jetzt hinter dem selben einfachen Pfluge wie die Erbauer der Pyramiden und seufzt vielleicht noch mehr unter Fron und Lasten als die Unterthanen der Pharaonen.