Pomologische Monatshefte:1. Band:1. Heft:Aus dem Jahresbericht des Vereins für Gartenbau und Feldwirthschaft in Coburg für 1853

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 1, Seite 39–40,
unter: Notizen und Mittheilungen aus Zeitschriften
Eduard Lucas
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Bericht über die Ausstellung von Obst, Wein und Gemüse zu Naumburg
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Aus dem Leben der pomologischen Gesellschaft in Altenburg

[39] Aus dem Jahresbericht des Vereins für Gartenbau und Feldwirthschaft in Coburg für 1853, von dessen Sekretär, Hrn. Lieutenant Donauer.

Sowohl durch den außerordentlich späten Eintritt der Wärme, als durch die Entblätterung der Bäume durch Raupen des Frostnachtschmetterlings wurde die Vegetation der Obstbäume in den meisten Gärten sehr wesentlich gestört, und nur in einzelnen Lagen, und besonders da, wo man sich schon im vorigen Herbste gegen jenes Insekt geschützt hatte, gewährten die Gärten in Kern- und Stein-Obst einigen Ertrag, der aber kaum jenen einer geringen Mittel-Ernte erreichte, und der äußerst heftige Sturm am 26. September schlug nicht nur Tausende von Früchten kurz vor deren völliger Reife herab, sondern beschädigte auch viele Bäume durch Zerbrechen der Aeste. Obschon in früherer Zeit bereits die Mittel zum Schutze gegen die Phalaena brumata durch Druckschriften bekannt gemacht worden waren, so blieben selbige doch fast ganz unbeachtet, daher sich auch Herzogliche Landesregierung bereit erklärte, säumige Gartenbesitzer künftig auf gesetzlichem Wege zur Vertilgung der Raupen anzuhalten, im Falle sich selbige beharrlich weigern sollten, die nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Es ist nicht abzustreiten, daß die im vorigen Herbste in einzelnen Gärten gebrauchten Schutzbänder vom besten Erfolge waren; doch läßt sich auch nicht abläugnen, daß es Lagen mit vielem Obste gab, woselbst nicht der geringste Schutz gewährt worden war; auch war durch die sehr späte Entwicklung des Laubes nach allzu mildem Winter die Vegetation allzusehr verzögert – und gerade dadurch den Raupen viele Zeit gegeben worden, um nachtheilig einzuwirken. – Gleichwohl hielt es der Verein für Pflicht, Alles aufzubieten, um der weiteren Verbreitung der so schädlichen Insektenbrut mit möglichster Kraft entgegenzutreten. Es wurden daher die Gartenbesitzer nicht nur durch besondere Anleitungen in öffentlichen Blättern [40] über die zu gebrauchenden Mittel belehrt, sondern es wurden auch viele Gartenarbeiter durch Mitglieder des Vereins in der Art und Weise unterrichtet, wie die fraglichen Schutzbänder vorzubereiten und schließlich anzulegen seyen, wenn selbige dem beabsichtigten Zwecke entsprechen sollen. Zwar fanden sich einzelne Besitzer vorläufig noch nicht bewogen, auf fragliche Schutzbänder einzugehen, aber im Allgemeinen hatte ein wahrer Raupenkrieg begonen und Millionen der schädlichen Insekten wurden nicht nur durch die klebrige Salbe an den Schutzbändern verhindert in die Krone zu steigen und dort die Eier abzulegen, sondern es ist kaum glaublich, wie viele derselben oft an einem einzigen Bande bei stärkeren Obststämmen vernichtet worden sind.

Unter den Schritten, welche zur Begünstigung der Obstcultur in Deutschland überhaupt geschehen sind, muß die von dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den königl. preuß. Staaten zu Naumburg für heuer veranstaltete Fruchtausstellung nicht nur als ein bedeutsames, sondern zugleich als ein höchst dankenswerthes Unternehmen begrüßt werden, da selbige in vielfachen Beziehungen die gehegten Erwartungen bei Weitem übertraf, und noch weitere ersprießliche Nachwirkungen zuverlässig gewärtigen läßt.