Pomologische Monatshefte:1. Band:5. Heft:Ueber die Bezeichnung der von Hrn. Professor van Mons erhaltenen Obstsorten

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 5, Seite 163–166
Johann Georg Conrad Oberdieck
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Ueber mehrere Kirschen aus einem aus Belgien neu bezogenen Sortimente
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Beschreibung amerikanischer Aepfel
[163]
Ueber die Bezeichnung der von Hrn. Professor van Mons erhaltenen Obstsorten.
Vom Superintendenten Oberdieck.

In dem Kataloge des Herrn De Jonghe zu Brüssel, dessen Etablissement als besonders accurat in Lieferung richtig benannter Obstsorten gerühmt wird, und der die Freundlichkeit gehabt hat, sich als Mitarbeiter an unserem Journale zu melden, findet sich p. 32. eine Bemerkung des Inhalts: Herr Prof. van Mons habe in den Jahren 1820–1830 Pfropfreiser seiner Birnsorten aus dieser Epoche, ohne Namen und blos mit Nummern bezeichnet, an den Superintendenten Oberdieck zu Nienburg an der Weser gesandt. Dieser habe Pfropfreiser davon seinen Freunden mitgetheilt, worauf in einem Werke, betitelt: Beschreibung neuer Früchte, Regensburg 1851. Herr Dr. Liegel mehrere davon bekannt gemacht habe, und so hätten in Deutschland mehrere Früchte einen von den in Belgien ihnen beigelegten Benennungen verschiedenen Namen erhalten. Diese neue Konfusion würde haben vermieden werden können, wenn der Herausgeber die Nummern, unter welchen diese Früchte von Hrn. van Mons gekommen seyen, an Bivort in Belgien gesandt hätte, der sich im Besitze der Baumschulen und der Annotationen des Herrn van Mons befinde. – Ich will nun nicht entgegnen, daß auch Herr De Jonghe seinerseits bei Nennung einer Anzahl der von Herrn Dr. Liegel bekannt gemachten Früchte Anlaß zu ein paar neuen Obstnamen dadurch gegeben habe, daß er Beurré Bödiker als Beurré Badich (vielleicht nur ein Druckfehler), und St. August als St. Augustin aufführt, auch die nach dem Dichter Theodor Körner benannte Birn unrichtig übersetzt hat, sondern gestehe, daß, wenn die Sache sich so verhielte, wie Herr De Jonghe sie ansieht, der ausgesprochene Tadel allerdings, aber nicht sowohl Herr Dr. Liegel, als vielmehr mich treffen würde, der ich die neuen Namen den nur unter Nummern erhaltenen Früchten zuerst beilegte, und in meiner vor zwei Jahren erschienenen Schrift: Anleitung zur Kenntniß und Anpflanzung des besten Obstes für das nördliche Deutschland noch weit mehrere ohne Namen von Herrn van Mons erhaltene Früchte bekannt gemacht habe, als in Liegel’s Werke sich finden. Es muß aber als Urheber dieser Konfusion lediglich Herr Professor van Mons betrachtet werden (dessen große pomologische Verdienste durch diese Bemerkung nicht verkleinert werden sollen), der, in der Erwartung, durch Kernzuchten es zuletzt dahin zu bringen, daß an allen Orten Jeder durch Kernsaaten nur Ausgezeichnetes erhalten würde, zu wenig Gewicht darauf legte, seine guten Früchte unter rechtem [164] Namen zu verbreiten, und so auch an Herrn Lieutenant Donauer zu Koburg, an Burchardt in Landsberg, Herr v. Hartwiß in Nikita und Andere, und namentlich auch an Herrn Poiteau in Paris Reiser ohne Namen versandte, und dadurch in Deutschland, wie in Frankreich doppelte Benennungen veranlaßt hat. Es ist erst vor noch nicht zwei Jahren zu meiner Kenntniß gekommen, und bei uns länger unbekannt gewesen, daß Herr Bivort die Baumschulen des Herrn van Mons angekauft habe, und hörte man nur, daß Herr Professor Scheidtweiler die zerstreuten Obstsorten des Herrn van Mons wieder zu sammeln suche. Hätte ich aber auch von dem Ankaufe der Baumschule des Herrn van Mons durch Herrn Bivort früher gewußt, und versucht, demselben die Nummern, unter welchen ich die neu benannten Obstsorten erhielt, zuzusenden, so zweifle ich doch, daß dadurch die rechten Namen hätten aufgefunden werden können, die diese Früchte etwa in Belgien tragen, und wird sich über deren etwa in Belgien schon gangbarem Namen, der, sobald er bekannt wird, die einstweilen hier gegebenen Benennungen verdrängen muß, erst urtheilen lassen, wenn mir noch recht viele der neueren Belgischen Birnsorten bekannt geworden sind. Herr van Mons sandte mir, wie ich bereits früher in der Brochüre über Probebäume erwähnt habe, zuerst 1832 circa 50 Birnreiser, nur mit fortlaufenden Nummern (mit kleinen Unterbrechungen) von 1–56, ohne Bemerkung der Serie seines Cataloque déscriptif abrégé, wozu die Nummern etwa gehörten, auch fünf Nummern doppelt, während die Reiser, und später auch die Früchte ergaben, daß ganz verschiedene Früchte mit denselben Nummern bezeichnet waren. Ich bat später um noch 100 bis 150 Sorten, legte ihm, alphabetisch geordnet, unter den von ihm gegebenen französischen Namen, die Früchte vor, die ich aus seinem Kataloge bereits besäße, und bat recht dringend, unter Erbietung jeder Zahlung, die Herr Konsul Lüning in Antwerpen, der den Brief besorgte, leisten würde, mir die Namen zu den Reisern mitzusenden, an denen mir Alles liege, und unter denen ich die Früchte, die er mir zukommen lassen wolle, sorgfältig ächt zu erhalten suchen würde. Er schickte 1837 mit großer Freundlichkeit etwa 290 verschiedene Birnreiser, und versprach selbst auf nächstes Jahr deren noch mehrere von seiner letzten Generation, auch Birnkerne, die ich sorgfältig säen möchte, da nur ausgezeichnet Gutes daraus fallen würde, aber die Reiser erhielt ich abermals nur mit, unter geringen Lücken, fortlaufenden Nummern von 1–329 bezeichnet, auch abermals eine größere Anzahl Nummern doppelt, und während er im Briefe schrieb: „Sie erhalten anliegend die Namen, auf welche die Nummern an den Reisern sich beziehen“, erhielt ich diese doch nicht, auch dann nicht, als ich sofort ihm schrieb, und den Mangel bemerklich machend, nochmals inständig um Nachsendung der Namen bat. Nur bei einzelnen wenigen Reisern enthielt der umwickelte Papierzettel einen Namen, als: Beurré Diel, Capiaumont, Spreeuw etc. Ich will indeß zur Aufbewahrung einer Nachricht, und da ich hoffe, daß diese Zeilen auch den Belgischen Pomologen zugehen werden, hier die Nummern anmerken, unter denen ich theils ältere, mir schon bekannte, theils unbekannte Früchte von Herrn van Mons erhielt.

1. Sendung Nr. 6. und 2. Sendung 92 und 313 Beurré Hardenpont; 2. Sendung 11, 19, 251 Beurré Capiaumont; [165] 18 Beurré Beauchamps; 55, 56 Oncle Pierre; 71 Merveille de Charneu; 76, 85, 127, 184, 235, 315 Nelis d’hiver, die ich auch mit Namen als Spreeuw erhielt; 110 und 111 Diel’s Hardenponts Frühzeitige Colmar (Colmar d’été?); 142, 153, 317 Coloma d’Automme; 1. Sendung 33 und 2. Sendung 83 Prinzessin Marianne; 1. Sendung 18 und 2. Sendung 10, 96, 275, 314 Fondante des Bois; 2. Sendung 262, 270 Rameau etc.

Die von mir benannten Früchte, von denen Manche vielleicht selbst in Belgien nicht mehr existiren, da Herr van Mons schrieb, daß fast alles was er sende, von seinen neuesten Kernzuchten sey, und ich dieselbe Vegetation unter meinen übrigen Belgischen Früchten nicht bemerke, erhielt ich unter folgenden Nummern in der 2. Sendung:

Angeline 201 und 203.
Arabella 180.
Bettina 100 und 38.
Bödiker’s Butterbirn 264.
Blumenbach’s Butterbirn 245.
Liegel’s Herbst-Butterbirn 311.
Landdrost von Dachenhausens Butterbirn 108.
Oberdieck’s Butterbirn 246.
Schmidtberger’s Butterbirn 312.
von Flotow’s Butterbirn 192.
von Humboldt’s Butterbirn (höchst wahrscheinlich die Marie Louise) 81, 274, 324, 329, auch 1. Sendung Nr. 10.
Urbaneck’s Butterbirn 240.
von Flotow’s Colmar 154.
Hildegard 295.
Mathilde 174.
van Mons Frühzeitige Pommeranzenbirn 12.
Salis 291.
Susanne 79.
Theodor Körner 189.
Walter Scott 90, 96 und 117.
Heyer’s Zuckerbirn 213.
Remdes Butterbirn kam mit einem Namenzettel, auf dem ich jedoch nur imode double lesen konnte; der Anfang des Namens war abgerissen.

Die bei weitem größere Zahl der mir unbekannten Früchte zeigte sich zu gering von Güte, um sie zu benennen und zu verbreiten, während die vorstehenden jedoch ausgesucht waren, und benannte ich nur noch wegen besonders großer Fruchtbarkeit van Mons Sommer-Schmalzbirn, Herbst-Klöppelbirn, Volltragende Kochbirn und Volltragende Würgebirn, welche zwei letztere sich zum Feldbau behufs Gewinnung von Futter für’s Vieh eignen würden. Ich bitte die sehr verehrten Mitarbeiter auf Pomonens Gebiete in Belgien, sich mit zu bemühen, zu den gedachten schätzbaren Birnsorten die rechten Namen aufzufinden, wozu ich gerne Reiser sende, und ihnen darunter, so wie unter den Früchten des Herrn van Mons, die ich von Diel erhielt, vielleicht noch Manches für die Société van Mons werde senden können, was in den Belgischen Obst-Katalogen sich jetzt nicht mehr findet. Herr De Jonghe wolle auch, wenn diese Zeilen ihm zu Gesichte kommen sollten, in obiger Notiz wegen unrichtiger Uebersetzung des Namens Theodor Körner nicht etwa einen Tadel erblicken. Ich weiß nicht nur, wie es der französischen Sprache weit schwerer fällt, sich in die deutsche zu finden, als umgekehrt, sondern verkenne nicht, wie leicht unrichtige Uebersetzungen entstehen, wenn man den Ursprung und die Bedeutung eines Obstnamens nicht kennt. So hat auch unser Dittrich Beurré Rance durch Ranzige Butterbirn übersetzt (wiewohl man in Belgien selbst, nach Bivorts Album, einzeln den Namen so gedeutet [166] hat), während es hätte heißen müssen Butterbirn von Rance, indem die Frucht nach einem Orte benannt ist. Bivort sagt im 2. Bd. des Album der Pomologie bezüglich der Synonymik, daß die eigentlichen Synonyme sind: Hardenpont de printemps und Beurré de Noirchain, die andern rühren nur von der abweichenden Schreibart Rance oder Rans her. Ich möchte die obige Bemerkung daher nur benützen, um an die Herren Pomologen in Belgien die Bitte zu richten, uns Deutschen entweder in ihren Katalogen, wie es theilweise schon im Vilvorder Kataloge geschehen ist, der durch die angeführten Synonymen schätzbare Nachrichten enthält, oder lieber in irgend einem besondern Aufsatze für unsere Monatsschrift, nähere Nachrichten über den Ursprung und den Namen so mancher neueren Belgischen Obstsorten zu geben. Nach wiederholten Bemerkungen in Diel’s Schriften muß man glauben, daß er Notizen, wie die hier beregten, brieflich von Herrn Professor van Mons nicht zu erhalten vermochte. Wir unserer Seits wollen eben so gern Auskunft über Sinn und Ursprung deutscher Obstbenennungen geben, die nicht durch sich selbst klar sind, um die Uebertragung deutscher Obstnamen in’s Französische zu erleichtern, wodurch, wie ich glaube, den vielen trefflichen Aepfel-, Pflaumen- und Kirschensorten, die man in Deutschland hat, und die sich in Belgischen Obstverzeichnissen nicht finden, erst der Weg zu mehrerer Verbreitung in Belgien und Frankreich gebahnt werden würde. Einen im Allgemeinen gelungenen Versuch der Uebertragung deutscher Obstnamen in’s Französische hat Herr Augustin Wilhelm in Luxemburg in seinem reichhaltigen Kataloge von 1854 gemacht, wo indeß auch noch mancher Name, weil sein Ursprung nicht bekannt war, nicht völlig richtig übertragen ist.