Pomologische Monatshefte:1. Band:5. Heft:Ueber mehrere Kirschen aus einem aus Belgien neu bezogenen Sortimente

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Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 5, Seite 156–163
Franz Jahn
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Ueber den Werth mehrerer Obstfrüchte
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Ueber die Bezeichnung der von Hrn. Professor van Mons erhaltenen Obstsorten
[156]
Ueber mehrere Kirschen aus einem aus Belgien neu bezogenen Sortimente.
Vom Herrn Medizinalassessor Franz Jahn in Meiningen.
(Fortsetzung und Schluß.)
D. Bunte Knorpelkirschen.

Bigarreau d’Esperen. (Sie stimmt mit den Angaben in Papeleu’s und Augustin Wilhelm’s Verzeichnissen, wo, namentlich im letzteren, die Frucht als große bunte Knorpelkirsche bezeichnet wird, doch will sie nicht mit der Abbildung in Bivort’s Album de Pomologie treffen, wo sie als eine die Holländische Prinzeß in der Größe noch weit übertreffende ziemlich dunkel-gefärbte Frucht, aus deren Colorit man übrigens nicht recht klug wird, abgebildet ist. Mit Bivort’s Beschreibung stimmt sie jedoch schon mehr). Der Stiel der von mir erzogenen Kirschen ist 1½ Zoll lang, nicht sehr dick, grün und sitzt in einer kleinen, nicht engen Einsenkung und auch der vorhandene Stempelpunkt ist nur wenig vertieft. Die Kirsche ist groß, doch nicht so groß, als die Holländische Prinzeß oder die Lauermann[1], sondern nur etwa 2/3 so groß, ungefähr von der Größe der Gottorper [157] oder der Blutherzkirsche. Die Form ist stumpfherzförmig, oben und unten abgeplattet, auf den Seiten etwas gedrückt, am meisten auf der Furchenseite, auf welcher letzteren nur eine dunkelgefärbte Linie zu bemerken ist. Die Grundfarbe der Haut ist etwas röthlich-chamois (wie solche in Bivort’s Album auch bezeichnet ist), doch ist dies Gelb stark mit Roth marmorirt, auf der Sonnenseite dabei noch sehr fein carmoisin gestrichelt und die Kirsche sieht hiernach ziemlich lebhaft gefärbt aus, aber doch immer noch lichter roth als die Blutherzkirsche. Der Geschmack des nicht allzuharten gelblich-weißen und saftigen Fleisches ist sehr angenehm, erhaben süß. Der Stein ist verhältnißmäßig klein, länglich herzförmig. Reif waren die Kirschen zu Ende des Juni. Es ist übrigens eine recht schöne neue Sorte, die werth ist, in jede Kirschensammlung aufgenommen zu werden, doch ist z. B. die Gottorper eben so groß und schön.

Guigne de Fer. (In Papeleu’s Verzeichniß ist sie uns dem Namen nach angezeigt, nach Herr Augustin Wilhelm würde diese Sorte einerlei mit Guigne a fruit rouge tardif, im Septbr. und Octbr. zeitigend, seyn.) Nach den in diesem Jahre daran erhaltenen zwei Früchten war sie zu Ende des Juli reif und konnte ich sie von der Lauermann’s Kirsche nicht unterscheiden.

E. Süßweichseln.

Eigentliche Süßweichseln lernte ich z. Z. nicht in diesem Sortimente kennen.

F. Glaskirschen.

Folgende drei Sorten, nämlich:

1) Guindoux de la Rochelle (in Papeleu’s Verzeichniß nur dem Namen nach genannt).
2) Cerise Donna Maria (ebendaselbst als große Frucht erster Qualität, Ende Juli zeitig, bezeichnet).
3) Cerise de Stavelot (ebenso und zwar als eine neue sehr große Frucht geschildert).
4) Reine Hortense (als Frucht erster Qualität, lebhaft roth, Anfangs Juli zeitig, angeführt),

haben in der Vegetation des Baums und in den Früchten selbst, unter sich und mit Belle Hortense (die von Paris und auch von Oberdieck ebenso hieher kam), ferner mit der besprochenen Hybride von Laken (die ich auch als Monstreuse de Bavay von Herrn Dr. Liegel erhielt) so viel Aehnlichkeit, daß diese Sorten sämmtlich für gleich zu halten sind. – Es bestätigt sich hiermit, daß schöne und gute Obstfrüchte, wie wir dieses namentlich an vielen Sorten von Kernobst vielfach erlebt haben, sehr bald weite Verbreitung finden und unter den verschiedensten Namen den Kreislauf des Handels durchmachen. – Der ursprüngliche Namen dieser schönen großen, sich bei uns auch noch tragbarer, als viele andere Glaskirschen erweisenden Frucht wird Cerise de la Reine Hortense und ihr Erzieher der Gärtner Larose im Garten zu Neuilly seyn, wie dies in Dittrich’s Handbuch Bd. 3. S. 267. (nach den Annal. de la Société Royal d’Hortic. de Paris. Jul. 1838.) auseinandergesetzt ist. Sie ist deshalb auch als Cerise Larose bekannt, unter welchem letzteren Namen aber zugleich noch eine andere, jedoch weit weniger gute Glaskirsche geht.

Cerise Dauphine (von Papeleu nur dem Namen nach genannt). Der lange starke, mit einem Absatze versehene Stiel ist [158] grün und sitzt in einer kleinen schüsselförmigen Vertiefung. Die Kirsche ist recht schön groß, rundlich, unten (am Stielende) etwas abgeplattet, auf der Furchenseite etwas gedrückt, doch ohne daß die Furche oder vielmehr die Naht anders, als durch einen dunkler roth gefärbten Strich bemerklich wäre. Der kleine gelblich-weiße Stempelpunkt sitzt auf der Mitte der Frucht. Die Farbe der Haut ist röthlich-gelb, im recht reifen Zustande lichtroth, den Glaskirschen ähnlich, doch schattirt durch dunklere, kleinere und größere Punkte und auch die blasser gefärbten Kirschen sind auf der Sonnenseite fein dunkler roth marmorirt und punktirt. Die Haut ist glänzend, dünn, und so durchscheinend, daß man, gegen das Licht gehalten, das Zellgewebe des Fleisches und den Stein der Frucht erkennen kann. Das Fleisch ist gelblich-weiß und durchscheinend, sehr saftig, der Saft nicht färbend und von lieblich säuerlich-süßen, den Weinbeeren ähnlichem Geschmack. Der Stein ist länglich-rund, nicht groß, er hängt selbst im überreifen Zustande (ausnahmsweise gegen viele andere Kirschen) noch ziemlich fest mit dem Stiele zusammen und es bleibt gewöhnlich auch ein wenig Fleisch an demselben haften. Die Frucht und auch ihr Baum mit seinen großen breiten Blättern und aufrechtstehenden Zweigen hat große Aehnlichkeit mit denen der Kirsche Larose aus Paris (von welcher ich in den Verhandlungen unseres Vereins Heft 5. S. 49. Nachricht gegeben habe), doch finde ich in der Form der Kirsche noch einige Abweichung, indem Larose nach oben (dem Stempelpunkte) hin mehr zugespitzt ist, wogegen die Dauphine durchaus rund ist und der Geschmack der letzteren ist nicht so sauer, sondern pikant säuerlich-süß und sie ist früher reif, zu Anfang des August, während Larose, die ich auch in diesem Sortimente unter dem folgenden Namen wiederfand, erst zu Ende des Monats oder Anfangs September zur Zeitigung gelangte.

Cerise de Saxe. (Sie ist als Frucht erster Qualität, groß, im Juli zeitigend, aufgeführt). Dieselbe ist nun aber wirklich nicht von der ebengenannten Larose verschieden. Obgleich mit der vorhin erwähnten unter gleichen Verhältnissen erzogen, wurde sie doch erst zu Ende des August reif, allein einzelne Exemplare waren auch da noch ungenießbar. Der Geschmack der zuletzt unter einem Glasfenster gezeitigten nahezu dunkelrothen Kirschen, an welchen sich bei der fast eingetretenen Ueberreife der Stiel vom Steine ziemlich gut löste, war zwar etwas weniger hervorstechend sauer, der Mangel an Gewürz wurde aber auch an diesen Früchten verspürt und es ist deshalb diese Sorte nicht zur Weiterpflanzung zu empfehlen.

Cerise Montmorency-Bourgeuil. (Große Frucht von erster Qualität, im Juli zeitigend, nach P.). Sie gehört ebenfalls nach ihren starken aufrechtstehenden Zweigen in die Klasse der Glaskirschen und ist eine von mir im von Truchseß’schen Sortimente z. Z. noch nicht gesehene Frucht; Der Stiel ist kurz (5/4″ lang), ziemlich dick und stark und grün, und sitzt in einer ziemlich tief eingesenkten Höhlung. Die Frucht ist groß oder doch ziemlich groß, rundlich, doch oben und unten plattgedrückt, und auch auf der Furchenseite gedrückt, dagegen auf der gegenüberstehenden Seite gewölbt. Die Naht ist nur durch eine dunklere Linie angedeutet. Der gelbliche Stempelpunkt steht in einer sehr kleinen Vertiefung. Die Haut ist weniger dunkelroth als an andern Lichtkirschen, die Farbe ist ein gleichsam [159] Jaspis-artiges Roth. Dabei ist die Haut sehr durchsichtig und man erkennt die gelblich gefärbten Fleischfasern unter derselben. Der Geschmack ist weinartig süß-säuerlich. Der Stein ist verhältnißmäßig klein, etwas breitgedrückt-rundlich, er hängt fest mit dem Stiele zusammen und es bleiben Fleischfasern an ihm hängen. Ihre Reife ist zu Ende Juli. – Vielleicht ist es die Bleichrothe Glaskirsche des Freiherrn von Truthseß, mit deren Beschreibung sie ziemlich stimmt, allein deren Früchte sollen nur mittelgroß und der Stiel 1½–2″ lang seyn. Wegen ihres kurzen Stieles steht sie dem Großen Gobet sehr nahe, auch treibt der Baum dessen sitzende Blüthendolden mit kurzgestielten breitblättrigen, ziemlich großen Blüthen und er hat wie der Große Gobet in der Jugend ziemlich aufrechtstehende Zweige, allein der Große Gobet wird viel intensiver roth und seine Blattstiele sind etwas röthlich gefärbt, was ich an der Bourgeuil-Montmorency nicht bemerken kann.

Angleterre hative (als Frucht vom allerersten Range, im Juni zeitig, von dunkelrother Farbe im Kataloge bezeichnet) hat sich als eine im August zeitige ziemlich große Glaskirsche von recht gutem Geschmacke erwiesen, doch will sie noch weiter beobachtet und verglichen seyn.

Cerise de Planchoury (von Pap. nur dem Namen nach genannt) ist nach der Vegetation des Baums und nach einer einzigen davon erhaltenen Frucht jedenfalls auch eine Glaskirsche.

E. Weichseln.

Griotte du Nord (im Verzeichniß von Pap. bezeichnet als Frucht erster Qualität, groß, schwarz-braun, im September und Oktober reifend, der Baum zur nördlichen Exposition und die Frucht zur Branntweinbereitung geeignet. – In Augustin Wilhelm’s Katalog erscheint die Griotte du Nord als synonym mit „Morello“ und „September- und Oktoberweichsel“). Die erhaltene Sorte entspricht weder den Angaben im Verzeichniß des Versenders noch denen im weiter genannten Kataloge, denn sie wurde schon Ende Juli reif. Ich hielt sie Anfangs für die Ostheimer Weichsel und besonders die Bäume beider haben mit einander viel Aehnlichkeit, auch sahen sich die Früchte bis zu einem gewissen Punkte ähnlich, die Farbe der in Frage stehenden Kirschen ist aber weniger braunroth und ihr Stiel dicker und kürzer, auch sind die Blätter des Baums etwas stärker dunkelgrün gefärbt, als die der Ostheimer Kirsche. Sie stimmt mit keiner der mir bekannten Truchseß’schen Weichselsorten überein, auch nicht mit der später zeitigenden Büttner’s September- und Oktoberweichsel, am meisten noch mit der Beschreibung der Braunen Soodkirsche (die ich zur Zeit nicht selbst kenne), allein im Deutschen Obstgärtner Bd. 10. ist letztere mit einem sehr langen Stiele abgebildet.

Der Stiel der Griotte du Nord dagegen ist kurz, kaum 1½ Mal so lang, als die Kirsche hoch ist, er ist dick und stark, grün, auf der Sonnenseite jedoch etwas bräunlich gefärbt. Die Kirsche ist groß, wenigstens so groß, als die Ostheimer Kirschen und von Form dieser auch sehr ähnlich, nur etwas mehr hochgebaut, sonst rundlich, auf den Seiten etwas breitgedrückt, die Naht ist nur als eine lichtere, bei manchen Exemplaren auch als eine dunklere Linie sichtbar. Der Stempelpunkt sitzt in einem kleinen Grübchen. Die Farbe ist lichtbraun-röthlich, aber stets dunkler, als die Farbe der Glaskirschen, die Haut ist dünne und fast durchscheinend, so daß man [160] die Fleischfasern ein wenig erkennen kann. Das recht saftige weiche Fleisch ist lichtpurpurroth, der Saft nicht stark färbend. Der Stein ist länglich-rund, nicht zu groß, er löst sich gut vom Fleische und vom Stiele. Der Geschmack ist pikant süß-säuerlich, ohne zu viel Säure. Sie färbt sich lange vor der Zeitigung, wirklich reif war sie gegen das Ende des Juli, die Kirschen hielten sich aber noch 14 Tage gut am Baume und nach seinem Volltragen scheint letzterer auch recht tragbar zu seyn.

Diese Kirsche, welche der hier gegebenen Schilderung nach gewiß weniger den Glaskirschen (Griotten), als den Weichseln zugezählt werden muß, hat auch Aehnlichkeit (doch etwas frühere Reife) mit einer anderen Sorte, deren ich als einer neuen Sorte hier erwähnen will, obgleich sie nicht zu dem hier abgehandelten Belgischen Sortimente gehört, nämlich mit der

Schattenmorelle, mit welcher mich Herr Kunstgärtner Möhring in Arnstadt bekannt gemacht hat, indem er 1852 im September einen Teller voll Früchte und 1853 mehrere junge Bäume sandte. Wie ich im fünften Hefte unserer Vereinsschrift S. 52. bemerklich gemacht habe, waren mehrere Mitglieder unseres Vereins nicht abgeneigt, die gesendeten Kirschen für schattig erzogene Ostheimer zu halten und dem Standorte des Baumes den gegen die Ostheimer beobachteten weniger edlen Geschmack und die längeren Stiele zuzuschreiben, allein schon das Holz der von Herrn Möhring später bezogenen Bäume gab merklichen Unterschied zu erkennen. Diese Schattenmorelle ist jedenfalls von Herrn Oberdieck’s Früher Schattenmorelle verschieden, welche mir gegen die Ostheimer Kirsche wenig Unterschied darzubieten scheint, wenigstens nach der Vegetation und einzelnen bis jetzt erhaltenen Früchten von dem Bäumchen, welches ich aus seinen Pfropfreisern erzogen habe – es müßte denn seyn, daß ich beim Aufsetzen des Edelreises einen Irrthnm begangen und einen Zweig von dem zur Umwandlung bestimmten Ostheimer Kirschenstämmchen wieder aufgesetzt hätte. – Die Früchte dieser Arnstädter Schattenmorelle sind nur etwa ¾ so groß, als die Ostheimer Kirschen, den letztern auch im Geschmack ähnlich, doch haben sie weniger Aroma und Süßigkeit und sie unterscheiden sich auch noch weiter durch einen längeren (1½–2″ langen) Stiel, der grün ist und keinen Absatz hat. Die Reifzeit dieser Kirsche war hier an einer östlichen Wand zu Anfang des August; in nördlicher, also wenig sonniger Exposition ist dieselbe später, wie die aus Arnstadt in der Mitte des September hiehergelangten Kirschen dies bewiesen haben. – Ob diese Sorte, welche übrigens, auch nach Herrn Möhring’s Angaben, besonders an einem östlichen Spaliere recht fruchtbar zu seyn scheint, sich im von Truchseß’schen Sortimente schon befindet, kann ich z. Z. nicht sagen. Mit den von ihm beschriebenen Arten von Morellen stimmt sie nicht, es sind dies lauter große Kirschen, von welchen ich selbst aber nur eine einzige, nämlich die Große Morelle besitze. Durch das Gedeihen dieser Kirsche an nördlichen und schattigen Wänden (woher ihr Name) wird dieselbe recht werthvoll und auch ihre späte Reife macht sie zu manchen Zwecken recht angenehm.

Griotte Seize à la livre. (Sie ist als sehr große Frucht von erster Qualität, im Juli reif, im Pap. Verzeichniß aufgeführt.) Nach den bereits erhaltenen Früchten und der Vegetation des Baumes ist es sicher die Große lange Lothkirsche des [161] Herrn von Truchseß, die sich auszeichnet durch ihren langen Stiel, auch durch Größe und Schönheit, doch besitzt sie sehr viel Säure und der Baum will immer geschnitten seyn, sonst macht er ein schlechtes Gewächs, indem blos die Endspitzen der Zweige wieder austreiben.

F. Amarellen.

Cerise de la Besnardière. (Im Verzeichniß nur dem Namen nach genannt). Der Baum hat zwar deutlich das kleine Sauerkirschenblatt und hängende Zweige, doch hat er etwas große Blätter und ich war geneigt, diese Sorte, deren Frucht als Lichtkirsche groß ist, für eine Glaskirsche zu halten. Doch kam ich auch wegen ihres süßen Geschmacks, bei der Vergleichung der im Kirschenwerke des Freiherrn von Truchseß beschriebenen Lichtkirschen auf Süße Amarelle (welche ich zwar von Jerusalem aus besitze, deren Bäumchen z. Z. aber noch nicht getragen hat) und fand deren Beschreibung so trefflich auf die vorliegende Frucht passend, daß ich, zumal nach dem Vergleiche der beiderseitigen Vegetation, nicht zweifeln kann, den dieser Kirsche im von Truchseß’schen Systeme zukommenden Namen gefunden zu haben. – Sie zeichnet sich außer ihrem süß-sauren nicht bitteren Geschmack vor allen anderen Amarellen aus, wie dies Truchseß angibt, durch ihre fast viereckige (auf den beiden Seiten und unten und oben gedrückte) Form und durch ihren kurzen etwa 5/4 Zoll langen Stiel. Ihre lichte Farbe wird in der gehörigen Zeitigung dunkles Lichtroth. Die Haut ist dünn, aber doch so zähe, daß sie sich abziehen läßt und so durchsichtig, daß man die das Fleisch durchziehenden Gewebe darunter erkennen kann. Der Stein ist verhältnißmäßig, nicht gerade groß, rundlich und gänzlich ablöslich. Sie zeitigte zu Ende Juli. Schon v. Truchseß empfiehlt, diese Sorte wegen ihres Wohlgeschmacks fleißiger zu pflanzen, allein Herr Gärtner Egers, der sie längere Jahre hindurch beobachtete, hat mir darüber mitgetheilt, daß er immer nur wenig Früchte an ihren Bäumen erlebt habe und ich habe sie deßhalb auch spät erst in meinem Garten aufgenommen. Sie wird deßhalb immer nur für den Sortensammler Werth haben.

Cerise admirable de Soissons (im Verzeichniß als sehr große Frucht, erster Qualität, Ende Juli zeitig, angegeben) ist nach den nun schon zwei Jahre lang beobachteten Früchten und nach der Vegetation des Baumes in keiner Weise von des Hrn. v. Truchseß Königlicher Amarelle verschieden, die unter allen Lichtkirschen die tragbarste und auch sonst eine recht gute, auf nahrhaftem Boden keineswegs kleine Kirsche ist und aus diesen Gründen schon von Egers unter den Lichtkirschen am meisten zur Anpflanzung empfohlen wurde. Die von Papeleu ausgegebene Sorte stimmt demnach nicht mit der von Dittrich (gestützt auf den Hohenheimer Katalog) geschilderten Kirsche von Soissons überein, denn die Hautfarbe der letztgenannten soll dunkelroth und die Sorte selbst dem Baum nach eine Süßweichsel seyn.


Nach obiger Auseinandersetzung stellen sich nur etwa folgende Kirschen aus dem besprochenen Sortimente, so weit ich bis jetzt Früchte erhalten habe, als wahrscheinlich neue Sorten heraus:

1) Guigne Sauvigny als eine röthlich-schwarze, ansehnlich große Knorpelkirsche.

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2) Bigarreau d’Esperen, als eine gute und große bunte Knorpelkirsche.
3) Cerise Dauphine, als schöne und gute große Glaskirsche.
4) Cerise Montmorency Bourgeuil, als eine dergl.‚ Ende Juli reif.
5) Angleterre hative, als eine dergl.‚ im August reif.
6) Cerise de Planchoury, als eine dergl. – (Doch müssen die genannten vier Sorten immer noch länger beobachtet und mit den v. Truchseßschen Glaskirschen, unter welchen mehrere wenig tragbar sind, verglichen werden.)
7) Griotte du Nord, als eine gute und wie es scheint tragbare Sauerweichsel (wahrscheinlich von gleichem Werthe wie die Arnstädter Schattenmorelle und die Ostheimer Kirsche.)

Dagegen ergeben sich, verglichen mit den von Truchseß’schen Kirschen und mit anderen schon bekannten Sorten:

1) Guigne Tabascon, als wahrscheinlich identisch mit der Bettenburger schwarzen Herkirsche.
2) Cerise belle de Ribeaucourt, als der Purpurrothen Knorpelkirsche sehr ähnlich.
3) Bigarreau d’Elton‚ als der Flamentiner sehr ähnlich.
4) Cerise Mazard blanc, wird die Dankelmann’s weiße Herzkirsche seyn.
5) Bigarreau Lemercier, ist jedenfalls die Winklerische weiße Herzkirsche.
6) Guigne de Fer, ist die Holländische große Prinzeß.
7) Guindoux de la Rochelle.
8) Cerise Donna Maria.
9) Cerise de Stavelot.
10) Reine Hortense, als übereinstimmend mit der aus Brüssel hiehergekommenen Hybride von Laeken. und mit der Monstreuse de Bavay des Herrn Dr. Liegel, die auch von anderer Seite schon als Reine Hortense und als Belle Hortense zu uns kam.
11) Cerise de Saxe, als die schon bekannte Glaskirsche Larose aus Paris.
12) Griotte Seize à la livre, als die Große lange Lothkirsche.
13) Cerise de la Besnardière, als die Süße Amarelle.
14) Cerise admirable de Soissons, als die Königliche Amarelle.

Jedenfalls falsch hat sich bewiesen:

Bigarreau Napoleon, unter welchem Namen von Anderen die Lauermann’s Kirsche verbreitet wird und welche in diesem Sortimente eine kleine, späte, schwarze Knorpelkirsche ist.

Anm. d. Red. Möchte dieser gehaltreiche Aufsatz uns doch eine neue Warnung seyn, über dem Haschen nach den so oft sehr angepriesenen neuen oder durch den Namen neu erscheinenden Früchten in Baumschulen des Auslandes, wo im Ganzen eigentliche Obstkunde noch nicht einmal zu der Reife der Vollkommenheit gelangt ist, die sie in Deutschland doch schon hat, nicht das von unsern classischen Pomologen mit so vieler Mühe uns herausgesuchte Gute, das wir schon haben, zu vernachläßigen, sondern dies festzuhalten und allgemein anzubauen. Mit den vielen neuen, von Diel noch nicht beschriebenen Aepfeln, die ich besitze, wird es wohl ziemlich eben so stehen, als hier mit den Kirschen. Es trugen davon, namentlich 1853, doch wohl schon 100 Sorten, worunter kaum ein paar sich fanden, die neben unsern bekannten besten Aepfeln noch Verbreitung verdienen möchten (worunter z. B. Bachamwell’s Sämling); die Mehrzahl war schlechter, oder mit bekannten Sorten identisch. Die vielgerühmte Bigarreau d’Esperen hat sich auch in Nienburg nicht besser gezeigt, als vorstehend angegeben ist und war die Holländische
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Prinzessin-Kirsche größer und besser. Die obgedachte Bigarreau Napoleon wird wohl ein von einem zur Krone ächt gemachten Baume geschnittenes wildes Reis seyn, wie ich es öfter auch erhielt. Bigarreau d’Elton, als der Flamentiner ähnlich, wird unächt seyn, indem ich durch Urbanek die Kirsche von Elton aus der Sammlung der Gartenbau-Gesellschaft zu London anders habe, die mehr der Süßen Spanischen gleicht und später reift. Die treffliche Lemercier, die ich aus Meiningen habe, erhielt bei längerem Hängen so dunkle Farbe und färbenden Saft, daß ich sie fast für eine Süßweichsel halten möchte. Sie verdient alle Verbreitung. Die von mir verbreitete Frühe Schattenmorelle wird die Ostheimer Kirsche nicht seyn, da die Triebe stärker gefleckt sind und unter allen Kirschen fast am frühesten austreiben.
Oberdieck.

  1. Zwischen diesen beiden Sorten kann ich mit Oberdieck keinen wesentlichen Unterschied finden. Die Holländische Prinzessin-Kirsche schien mir etwas feiner im Geschmack und auch ihr Baum mehr zärtlich, doch kann dies auch am Standort und an den Bodenverhältnissen liegen. In Größe, Form und Farbe und in der Dichtigkeit des Fleisches sind beide gleich.
    J.