Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres/Am 1. Sonntag nach Epiphanias 1836

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« Am Mittwoch, den 28. Januar 1835 Wilhelm Löhe
Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres
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Am 2. Sonntag nach Epiphanias 1836 »
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Am 1. Sonntag nach Epiphanias.
(Altdorf 1836.)


Luk. 7, 16. Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat Sein Volk heimgesucht.

Den großen Propheten JEsus Christus soll man hören!

 Drei Ämter, das königliche, priesterliche und prophetische, heißen Ämter der Salbung, weil das Zeichen ihrer Übertragung eine Salbung war. Jeder, der eines dieser drei Ämter bekleidet, heißt daher ein Gesalbter, auf griechisch Christus, auf hebräisch Messias. Prophet und König, Prophet und Priester zugleich zu sein, also zwei Ämter der Salbung in einer Person, eine doppelte Salbung zu vereinen, war erlaubt, – wie denn David Prophet und König, Samuel Prophet und Priester war. Aber König und Priester zugleich zu sein, war keinem Menschen erlaubt, und da Usia, der König, es wagte, wurde er mit Aussatz bestraft; viel weniger durfte man die drei Ämter der Salbung zugleich tragen und haben. Dies war einem einzigen aufgehoben, welcher darum auch im Psalm heißt: gesalbt mit dem Öl der Freuden über alle Seine Genossen, nämlich dem, welchen wir vorzugsweise einen Christus und Messias nennen, dem eingeborenen Sohn des Vaters, der Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria, des heiliger Name von dem Engel genannt ist JEsus. Dieser ist Prophet, Priester und König in einer Person.

 Von diesem unserm HErrn und Heiland JEsu Christo und Seinen drei Ämtern möchte ich euch nun noch einige| Predigten halten, falls anders es mit dem Willen des barmherzigen Gottes übereinstimmt, – anfangend heute
von dem Prophetenamt Christi.

 Mein dazu gewählter Text findet sich Luk. 7, 16: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat Sein Volk heimgesucht!

 Christus hatte den Jüngling von Nain vom Tode erweckt und ihn seiner Mutter wiedergegeben; ER hatte es in kleiner Zeit, mit einem Worte vollbracht, da kam alle Juden, welche mit zugesehen hatten, eine Furcht an, sie preiseten Gott und sprachen: „Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat Sein Volk heimgesucht!“

 Nach diesem schönen, zu dem Thema unserer Betrachtung vortrefflich passenden Text wollen wir heute die Vermahnung uns nachdrücklich zu machen suchen:

 Weil Christus der größte Prophet ist, so höret Ihn!

 Und zwar wollen wir zuerst

1. beweisen, daß ER ein Prophet, ja, daß ER der größte Prophet ist,

dann

2. uns ermuntern, Ihn in den verschiedenen Teilen Seiner Lehre zu hören.

 Gott segne unsern Vortrag um Christi willen! Amen.




I.
 Ein Prophet ist ein Mann, welcher von Gott unmittelbar einen Auftrag an die Menschen empfangen hat, welcher deshalb auch oft mit der Gabe der Weissagung oder der, Wunder zu thun, oder auch wohl mit beiden ausgerüstet ist, um sich vor der Welt samt seiner Botschaft beweisen zu können. – Es fragt sich nun, ob Christus die obengenannten Eigenschaften eines Propheten auch wirklich hat, und ob ER demnach ein Prophet ist. Antwort darauf ist: Allerdings hat ER diese Eigenschaften, und zwar in einem viel höheren| Maße, als alle andern Propheten, und ER ist darum auch ein Prophet über alle Propheten.
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 ER hat einen Auftrag von Gott empfangen, wie niemand. ER war bei Gott von Ewigkeit, aus Seiner nächsten Nähe, aus Seinem Schoße kam Gottes Sohn. Welcher Gesinnung Gott gegen uns arme, in Sünden auf Erden irrende Menschen wäre, wußte zuvor niemand; denn niemand hat Gott je gesehen. Aber der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoße sitzt, der hat es uns verkündigt, daß es vor Gott nicht der Wille sei, daß jemand, daß irgend ein Mensch verloren gehe, sondern daß sie das ewige Leben haben. Dies sollte der Sohn verkündigen. Aber diese Verkündigung war nicht die volle Botschaft, welche ER auszurichten hatte. ER sollte auch die Wege verkündigen, durch welche Gott Seinen heiligen Ratschluß hinausführen wollte, – das heißt, Christus sollte von sich selbst predigen, daß ER gekommen sei, nicht, daß ER sich dienen lasse, sondern daß ER diene und gebe Sein Leben zu einer Erlösung für viele. ER sollte predigen, daß Sein heiliger Leib für uns gegeben, Sein heiliges Blut für uns vergossen werden sollte zur Vergebung der Sünden. Diese Vergebung der Sünden mit aller Ruhe, welche in ihr ist, mit aller himmlischen Freude, welche sie verbirgt, sollte ER nicht einigen wenigen verkündigen, sondern allen Menschen. Denn so sprach ER in der Mitte Seiner Menschen: „Kommet her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!“ so sprach ER und versicherte dazu: „Ich will keinen hinausstoßen, der zu Mir kommt!“ – Ja, mehr noch! ER predigte das nicht nur von sich, sondern ER bewies es auch mit der That und Wahrheit, daß ER der gute Hirte ist, welcher Sein Leben für die Schafe ließ. ER richtete Seinen Auftrag und den Willen des himmlischen Vaters nicht bloß halb aus, ER weissagte nicht bloß von sich selber, sondern ER erfüllte Seine Weissagung standhaft, ganz, unverweilt, ER brachte es dahin, daß ER sprechen konnte: „Es ist vollbracht!“ ER nahm alle Schuld und Strafe auf sich, welche wir gehäuft haben und mit uns die Welt vor und nach uns, ER trug sie still, als ein Lämmlein Gottes, standhaft,| als Gottes Leu, ER erkaufte uns völlig mit Seinem heiligen und teuren Blute, mit Hingabe Seines unvergleichlichen Lebens, mit Seinem letzten Hauche. Wo hat je ein Prophet einen Auftrag gehabt, wie der am Kreuze? Welcher hätte ihn erfüllen mögen? welcher die Kraft dazu gehabt? Wo ist ein Prophet, wie dieser, welcher, schon Seiner Person nach, als Gott und Mensch erhöhet über alles, auch Seinem Verdienste nach über alles erhaben ist und den Preis, die Lobgesänge aller Engel errungen hat? ER ist also ein Prophet, aber mehr, als ein Prophet und darum über alle!

 Was ferner das anlangt, daß Propheten, um ihre Sendung vor Menschen beweisen zu können, von Gott mit der Gabe der Weissagung und der Wunder ausgerüstet wurden, so ist auch in dieser Rücksicht Christus der größte Prophet.

 Sein Leiden, Sein Sterben, Sein Auferstehen, Seine Himmelfahrt, Sein Sitzen zur Rechten der Kraft, Seine Wiederkunft zum Gericht hat ER geweissagt, alle Seine Gleichnisse haben einen welthistorischen Sinn, Seine Befehle erstrecken sich auf alle Zeiten der Welt, sind zu allen Zeiten gültig und beweisen damit, daß sie mit Voraussehung aller Zeiten gegeben worden sind. Ja, nicht das allein, sondern ER sagte dem heiligen Johannes in der Offenbarung alles vorher, was bis ans Ende der Tage geschehen wird, und ließ es ihn in wunderbaren, majestätischen Bildern schauen. Wo ist ein Prophet, der so viel geweissagt hätte, dessen Worte wie Christi Worte auf alle Zeiten berechnet, Weissagungen, Drohungen für alle Zeiten sind, geschweige einer, dessen ganzes Leben, so wie Christi Leben, Leiden, Sterben Vorbild und Weissagung des Lebens aller Gläubigen gewesen wäre? Sein Leiden weissagt den Gläubigen Leiden um Seinetwillen, den Ungläubigen ewige Leiden um ihrer Sünden willen, – Sein Sterben weissagt den Gläubigen den Tod des alten Adams, den Ungläubigen den andern, ewigen Tod, Seine Auferstehung weissagt unsere Auferstehung Leibes und der Seele, Seine Himmelfahrt weissagt unsere Himmelfahrt, Sein Sitzen zur Rechten unser dereinstiges Sitzen zu der rechten Hand, Sein unsterbliches Wesen unsere Unsterblichkeit,| denn wir werden sein wie ER, – in Seiner Erhöhung sehen wir als in einem Spiegel unsere Erhöhung. Wo ist also ein Prophet wie der Heiland Christus!
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 So ist ER auch durch Seine Wunder über alle erhaben. ER hat mehr gethan, als alle Propheten zusammengenommen; wo ER stand und ging, gingen Kräfte von Ihm aus, wurden die Kranken gesund, die Seelen genasen, die Teufel fuhren aus, die Toten standen auf, die Elemente hemmten ihre Kraft und änderten sie nach Seinem Willen, in Seine Nähe konnte nichts kommen, was Hülfe suchte, ohne zu erfahren, daß Gott in Ihm, daß ER Immanuel war. Desgleichen sind sie auch größer gewesen, als der Propheten Wunder, denn alle Propheten konnten nur Wunder thun durch Seinen Geist, und ohne Ihn vermochten sie nichts; Seine Wunder waren es, die sie thaten, so daß die heiligen Propheten gegen Ihn verschwinden, und nur ER ein Wunderthäter ist, ER allein! ER war in den Propheten thätig, und sie waren thätig in Seinem Namen; aber ER that alles in Seinem und Seines Vaters Namen, mit dem ER eins war, und in Seiner Kraft. Dazu waren alle Seine Wunder Gnadenwunder – und keines, mit Ausnahme des am Feigenbaum vollbrachten, war ein Strafwunder; überall suchte ER nur der Menschen Heil und Frieden! Keines Seiner Wunder that ER, sich zu schonen, obschon ER die größten und heilsamsten an sich selber that. Denn welches Wunder ist größer, als ER, als Seine heilige Person, vom Propheten Jesaias Wunderbar genannt, weil in Ihr das Unglaubliche geschehen, Gott und Mensch eins geworden war, und welches ist größer, als daß ER, da ER tot war, Sein Leben selber wieder nahm, ER, der Macht hatte, Sein Leben zu lassen und wieder zu nehmen! Ja, eine solche wunderbare Gottesfülle war in Ihm, daß ER nicht bloß Wunder that, sondern auch Menschen wunderbar zu Wunderthätern in Seinem Namen machte, also daß nach Seinem Abscheiden statt Seiner, des einen Wunderthäters, ein ganzer Haufen Wunderthäter da waren und Seinen wunderbaren Namen der Welt verkündeten. – Alle Menschen, alle Propheten| müssen vor Seinem Glanze dunkel werden; auch der größte Prophet des Alten Bundes, Moses, waltete nur als ein Knecht im Hause Gottes, aber Christus als Sohn und Erbe. (Hebr. 3, 5. 6). Von Ihm sagte daher das Volk (Joh. 6, 14) mit Recht: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll!“ und in unserm Text jauchzt es froh des erschienenen Messias: „Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat Sein Volk heimgesucht!“


II.

 Dieser große Prophet, meine Geliebten, lebt auch jetzt noch, und alle Prophezeiung, alle Lehre eurer Prediger kommt von Ihm, aus Seiner Fülle nehmen wir, was wir sagen, aus Seiner Wahrheit schöpfen wir auch, wenn wir euch predigen. Unmittelbar predigt, weissagt, verheißt, droht ER nicht mehr, aber mittelbar, durch uns; von Ihm lernen wir, von Ihm gelehrt sind wir, Seine Worte bringen wir zu euch, ER vermahnet, lehret durch uns, und es ist ebensogut, als stände ER vor euch. Denn wir sind nichts, aber ER spricht zu uns, Seinen Dienern: „Wer euch hört, der hört Mich!“

 Darum, Brüder, höret Seine Stimme, gehorchet uns, wenn wir an Seiner Statt reden; denn nicht uns verachtet ihr, die wir freilich mehr nicht wert sind, als verachtet zu werden, sondern Ihn verachtet ihr. Wer aber Ihn verachtet, der hat des keinen Lohn, wohl aber eine schlimme Strafe. Zu dreien Malen hat Gott der Vater Seinem Sohn auf Erden Ehre gegeben und Preis, und gepredigt vom Himmel her: „Dies ist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!“ Bei Seiner Ordination und Salbung zum Prophetenamt im Jordan hat ER den Himmel aufgethan überdies und Glanz und Herrlichkeit samt dem heiligen Geist nicht nach Maß über Ihn ausgegossen. Darum würde der Höchste im Himmel beleidigt werden, Sein Zorn gereizt, wenn die Stimme des großen Propheten nicht gehört werden würde! Moses (5. Mos. 18,| 15 ff.) im Alten Testament und Petrus im Neuen Testament (Apg. 3, 22. 23) versichern im Namen des Gottes, welcher bei aller Gütigkeit dennoch ein Gott ist, der täglich drohet: „Es wird geschehen, welche Seele denselbigen Propheten nicht hören wird, die soll vertilgt werden aus dem Volk!“ und: „Gott ist nicht ein Mensch, daß ER löge, noch ein Menschenkind, daß Ihn etwas gereuen könnte!“ – Dagegen aber hat es eine große Verheißung, so jemand Seine Rede hört. Denn es steht geschrieben: „Selig ist, wer Gottes Wort hört und bewahrt in einem feinen und guten Herzen!“ ER selbst aber spricht: „Meine Schafe hören Meine Stimme und sie folgen Mir, und Ich gebe ihnen das ewige Leben!“ Ja, ER spricht: „Ich bin das Licht der Welt, wer Mir nachfolget, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!“ Wie kann es auch anders sein! Wer Ihn hört, der lernt Ihn kennen, und zwar nicht allein als einen Redner, sondern als einen Thäter! Wer Ihn hört, der bekommt zu hören von dem, was Christus mußte leiden für die Menschheit, der Prophet Christus macht ihn bekannt mit dem Lamm Gottes, das Christus heißt und der Welt Sünde trägt, der Prophet Christus predigt von unserer Versöhnung, die Christus heißt, ER wird durch den ewigen Redner vorbereitet, eingeführt in das Geheimnis der erlösenden Liebe und durch Ihn befriedigt, erfreut, ja selig gemacht. Denn was ist größere Freude, als wenn man erkennt, daß alles für die Ewigkeit bereits gethan ist durch JEsum Christum, daß man vor Tod, Grab und Gericht nicht mehr zagen, noch erschrecken darf? Was ist größere Freude, als vom Tode zum Leben hindurchzudringen; und was heißt’s anders, als vom Tode zum Leben hindurchdringen, wenn man an Ihn gläubig wird, wie geschrieben steht: „Wer an Ihn glaubt, der ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen!“ Ja, was ist eine größere Seligkeit, als das, wenn man Ihn hat, Ihn hält im Glauben, den ewigen Schatz, das höchste Gut, in welchem alles zusammengefaßt ist, was dem Menschen fehlt zur Vollkommenheit, bei welchem alles fehlt, was unser Glück hier stört? Ihn, von welchem ein Seliger spricht:| „Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde“ (Ps. 73, 23).

 Weil denn so große Strafe darauf gesetzt ist, Ihn nicht zu hören, und Ihn hören so großer Gewinn ist, so rät euch allen himmlische Weisheit und Klugheit: Höret, höret den, welcher der größte Prophet, die Liebe selbst und der einzige Weg zum Himmel ist! Höret Ihn aber nicht allein mit euren Ohren des Fleisches; denn solche Hörer sind vergeßliche Hörer! Seid aber nicht vergeßliche Hörer, sondern auch Thäter des Worts; denn wer hört, ohne zu thun, der betrügt sich selbst und spottet des, von dem Sein heiliges Wort spricht: „Irret euch nicht, ER läßt sich nicht spotten!“

 Darum höret Ihn, wenn ER lehrt, und sprecht zu allen Seinen Lehren und Worten ein gläubiges Amen. Höret Ihn, wenn ER eure Sünden euch entdeckt, die ihr zuvor nicht sahet, noch erkanntet, wenn ER Buße predigt, wenn ER straft, wenn Sein Wort rücksichtslos, schonungslos in eure Seelen dringt, höret Ihn, beugt euch vor Seinem heiligen Zorn, demütigt euch, erkennt eure Sünde und bekennt sie! Höret Ihn, wenn ER euren müden, von Sünden schwer beladenen, von Leiden und Kummer betroffenen Seelen tröstend zuspricht, wenn ER in Sündenschmerzen Seine Nägelmale, Seine Seitenwunde euch zeigt und spricht: „Fürchte dich nicht, Ich habe dich erlöset, Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist Mein!“ (Jes. 43, 1) – wenn ER in Lebens-, in Läuterungsschmerzen euch Seine Herrlichkeit zeigt, und Sein Geist euch an Sein Gebet erinnert: „Vater, Ich will, daß, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast“ (Joh. 17, 24). Höret Ihn, den frommen Tröster, und glaubet und hoffet, daß ihr nicht dahinsinket, daß ihr stark werdet und getreu sein könnt bis in den Tod! – Höret Ihn, wenn ER euch Seine heiligen Gebote vorlegt; denn Seine Gebote sind eitel Leben denen, die Ihn lieben, Seine Gebote sind den Seinen nicht schwer, Sein Joch ist sanft, und Seine Last ist leicht, Sein Kreuz ist gut, und alles, was ER auflegt, führt aufwärts, hinauf zu Ihm und zu der Heiligung, ohne welche wird niemand Gott| schauen! Höret Ihn in Seinen Geboten, denn ER ist würdig, gehört zu werden, weil ER den Weg Seiner Gebote selbst vorangegangen ist, weil ER nicht bloß ein Lehrer, sondern auch ein Thäter war des Willens Seines Vaters! ER hat uns wahrlich ein Vorbild gelassen, daß wir Seinen Fußstapfen nachwandeln können.

 O geliebte Brüder! Wo ihr das thut, werdet ihr an euch selbst inne werden, daß, der euch durch Seine Lehrer lehrt, ein großer Prophet ist, und daß in Ihm Gott euch heimgesucht hat in Gnaden. Noch hat es niemand gereut, den Propheten Christus gehört, Ihn mit Andacht gehört und Ihm Folge geleistet zu haben. Aber bittere Reue nagt ewiglich in der Hölle alle die, welche Seine Worte verschmäht und nach eigenem Dünken gelebt haben; denn nur Seine Worte sind Geist und Leben, aber Tod und Verderben, weil Lüge, sind alle eitlen Menschenworte! – Vor dem Elend der Verfluchten bewahre uns alle der fromme Gott, ER führe uns aber durch die Leuchte des Wortes, welches der ewige Prophet gesprochen, zum Licht der ewigen Seligkeit! O JEsu! Amen.




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