RE:Δαφνοειδές

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 2147–2148
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Δαφνοειδές bei Dioskorides mat. med. IV 146 Name einer Pflanze (Theophrastos gebraucht δαφνοειδὴς nur als Adjectiv), die auch εὐπέταλον (petalon Cod. Mon. 337), χαμαιδάφνη und πέπλον (peplon) genannt wurde. Dieselbe wird beschrieben als ein ellenhoher Strauch mit vielen riemenartigen Zweigen, die von der halben Höhe an beblättert sind. Der Bast der Zweige ist sehr zäh, die Blätter gleichen denen des Lorbeers, sind aber weicher, schmäler und schwer zerbrechlich; genossen verursachen sie Beissen und Brennen in Mund und Speiseröhre. Die Blüten sind weiss, die ausgereiften Früchte schwarz. Sie wächst an gebirgigen Orten. Die Wurzel wird medicinisch nicht benützt, das Blatt dagegen wirkt frisch und getrocknet abführend, Erbrechen, Niesreiz und Monatsfluss erregend. Auch die Frucht wirkt abführend u. s. w. Plinius giebt n. h. XXIII 158 die medicinischen Wirkungen ziemlich gleich an, weicht dagegen XV 132 in den Namen (Pelasgum, euthalon und stephanon Alexandri) sowie in der Beschreibung etwas ab, insbesondere mit der Angabe: bacis e nigro rufis. Nun zeigt der Codex Constantinopolitanus zu Wien δ. als einen verästelten Strauch mit eiförmigen oder elliptischen an der Basis etwas keiligen Blättern und roten kurzgestielten oder sitzenden Früchten, der vielleicht gar keine Daphne ist. Man könnte also annehmen, Plinius beschreibe in näherem Anschlusse an Krateuas (vgl. M. Wellmann Abh. d. K. Gesellsch. d. Wissensch. zu Göttingen. Phil.-hist. Classe. N. F. II 1) eine andere Pflanze als Dioskorides. Doch weisen oben angeführte Namen möglicherweise auch auf eine [2148] Verwechslung mit Ruscusarten hin (vgl. Χαμαιδάφνη), die, bei Galen. XI 863. Paulus Aegineta VII fol. 107b Ald. angedeutet, ersichtlich vorliegt bei Ps.-Apuleius 59 und in den mittelalterlichen Glossarien (vgl. Thes. Gloss. emend. s. Victoriola). Von den Neueren erklärt δ. schon Simon Januensis für Laureola (Daphne Laureola L.), ihm folgen Matthioli, Dodonaeus, Lobelius, Anguillara und Caesalpinus (vgl. Sprengels Comm. 635). Da jedoch diese zwar schwarze Früchte, aber gelbliche oder grünliche Blüten hat, so spricht es Sprengel a. a. O. als D. alpina L. an und findet dabei den Beifall von Fraas (Synops. 224), der nur richtig bemerkt, dass diese nicht in Griechenland wachse. Doch das machte bei Dioskorides nichts aus, der ja immerhin die in Italien vorkommende Pflanze (Arcangeli Fl. it. 218) gekannt haben könnte (Abbild. u. a. in Reichenbach Icones flor. Germ. et Helv. XI 553. Atlas der Alpenflora herausgegeben vom deutschen u. österr. Alpenverein III 275). Allein sicher ist auch diese Deutung nicht, hat doch D. alpina rötliche Früchte (vgl. Schlechtendahl-Hallier Flora von Deutschland X⁵ Taf. 978); weisse Blüten und in ausgereiftem Zustande schwärzliche Früchte hat dagegen die gewöhnlich ohne zwingende Gründe für θυμέλεια (s. d.) erklärte Daphne Gnidium L. (vgl. Casia Nr. 2). Nun identificierten aber einige der Alten selbst schon θυμέλεια und χαμέλαια (Diosc. IV 170. Plin. n. h. XIII 114), und welcher Wirrwarr in den Namen später herrschte, lehrt ein Blick auf Bauhini Pinax theatri botaniciTheatrum botanicum 462. Nach so groben und wechselnden Merkmalen wie Blüten- und Fruchtfarbe, die obendrein bei Plinius anders angegeben werden als bei Dioskorides, lassen sich eben so ähnliche Pflanzen wie die Daphnearten nicht genau bestimmen. Auch die nicht übel beschriebenen medicinischen Wirkungen geben keinen Anhaltspunkt, da sie mehr oder weniger einer jeden zukommen.

Δαφνοιδὲς ist bei Dioskorides IV 7 auch noch Synonym der κληματίς (κληματῖτις) Cod. Const.), vgl. Plin. n. h. XXIV 141 (clematis Aegyptia, quae ab aliis daphnoides vocatur) und Galen. XII 31. Paul. Aeg. VII fol. 110b.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 338
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S. 2147, 35 zum Art. Δαφνοειδές:

Δαφνοειδές kommt als Pflanzenname bereits vor bei Hippocrat. nat. mul. 34 (VII 371 L.): δαφνοειδέος πόσιν . . . . τουτέῳ κλύσαι, von Littrè im Anschluss an die Väter der Botanik für Daphne Laureola L. erklärt.

S. 2148, 33 lies: Bauhini Pinax theatri botanici.