RE:Χειρίς

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 2217
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Χειρίς, von χείρ gebildet, wie κνημίς von κνήμη. Da χείρ fast durchweg Hand bedeutet und nur in verhältnismässig seltenen Fällen Arm (sehr häufig bei Homer; s. Stephanus Thesaurus s. v.; auch Herodot. II 121), so wäre zu erwarten, dass χ. in der Regel Bedeckung der Hand oder Handschuh bedeute und ausnahmsweise Ärmel. In Wirklichkeit ist es jedoch umgekehrt. Sicher bedeutet χ. nur einmal Handschuh, ein andermal wahrscheinlich; in einem dritten Fall können wir schwanken, wie das Wort zu erklären sei. Bei weitem am häufigsten indes bezeichnet es Ärmel.

Das einzige zweifellos sichere Beispiel für die Bedeutung Handschuh findet sich in der späten mediciniscben Litteratur. Galen (VI 187) und Oreibasios (ed. Matth. 288) geben beide die Vorschrift, die προγυμνασταί sollten zum Einreiben womöglich χερῖδας ἐξ ὀθονίων ῥαπτάς anziehen, ψς ὡμαλωτέραν γενέσθαι τὴν ἐνέργειαν. Der Fall, in dem χ. wahrscheinlich mit Handschuh zu übersetzen ist, findet sich in einer Erzählung des Herodot (VI 72), nach der bei dem spartanischen König Leutychides als verräterisches Zeichen seiner Bestechlichkeit eine χ. πλέη ἀργυρίου gefunden wurde. Das setzt doch wohl einen kleineren beutelartigen Gegenstand voraus, klein auch deswegen, weil Leutychides dabei ertappt wird, wie er auf der χ. sitzt. Da nun die Scene in Thessalien spielt, erinnern wir uns, dass den Bewohnern dieses Landes wegen seines rauhen Klimas besonders reichliche Kleidung und Übereinstimmung der Tracht mit der der Perser zugeschrieben [2218] wird (Strab. XI 530. Athen. XII 527 b. XIV 663 a); bei den Persern aber wurden Handschuhe, wenigstens im Hofceremoniell, getragen (Xenoph. Cyrop. VIII 8, 17 δακτυλήθρα; man beachte die sehr bezeichnende Rolle, die dieser Gegenstand Athen. I 6 d spielt, die einzige Stelle, in der er an der Hand eines Griechen guter Zeit erwähnt wird). Schwanken können wir bei der Erklärung folgender Stelle. Od. XXIV 226ff. wird die Ausrüstung beschrieben, die Laertes zum Umgraben des Bodens angelegt hat: ausser dem χιτών κνημῖδες an den Unterschenkeln, Gamaschen, die gegen Dornen schützen sollen, und ihnen entsprechend zu demselben Zweck χειρῖδες ἐπὶ χερσί (ausserdem die κυνέη αἰγείη). Die Commentare des Eustathios helfen nicht viel weiter. Sie erklären χ. mit τὰ τῶν χειρῶν καλύμματα ἐκ δερμάτων und fügen hinzu, dass dieselben auch von Bogenschützen (χ. χρῶνται εἰ καὶ μὴ δακτυλωταῖς) und beim Waschen und Brotsäuern benutzt worden seien. Diese Behauptung beruht, soweit sie die beiden letztgenannten Thätigkeiten angeht, auf einem argen Missverstehen einer Überlieferung, wie wir sie bei Pollux X 181f. finden und die mit χ. nicht das Geringste zu thun hat (es handelt sich vielmehr um die ᾤα). Für die Benutzung von χειρῖδες beim Brodbacken s. auch Athen. XII 548 b = FHG II 308, wo es sich aber erstens um keine allgemeine Sitte, sondern um die luxuriöse Laune des Philosophen Anaxarchos handelt, und wo zweitens nur eine Umwicklung der Arme oder geradezu Ärmel gemeint sein können, da nur solche das Herabrinnen des Schweisses in den Teig verhindern konnten, nicht aber Handschuhe, die ja übrigens beim Brodbacken von vornherein ausgeschlossen sind. Die antiken Bogenschützen haben als typische Tracht stets enganliegende Ärmel, aber niemals Handschuhe oder ähnliches, was ja auch bei der Handhabung ihrer Waffe nur hinderlich hätte sein können. Auch bedarf der Bogenschütze keines Schutzes seiner Hände, wie etwa der zum Nahkampf bestimmte Krieger. Dennoch scheint Eustathios etwas derartiges zu meinen (etwa Halbhandschuhe?), wie aus seinem Zusatz (εἰ καὶ μὴ δακτυλωταῖς) hervorgeht. Halten wir uns an die Schilderung Homers selbst. Wie oben bemerkt wurde, bedeutet χείρ bei Homer besonders häufig Arm. Bei der Arbeit des Umgrabens konnten die Arme eher durch Dornen verletzt werden als die dicht am Spaten oder an der Hacke liegenden Hände, deren Beweglichkeit zudem durch eine allseitige Umhüllung behindert worden wäre.

Endlich ist es für unsere Frage nicht unwichtig, dass uns eine Umhüllung der Arme, entsprechend der der Unterschenkel durch die κνημῖδες, schon auf zwei mykenischen Monumenten begegnet, auf der bekannten Kriegervase von Mykenai (Furtwängler u. Löschcke Myken. Vasen 69 Taf. XLII/XLIII) und dem Hauptstreifen einer bemalten Stele ebendaher (Ἐφημ. αρχ. 1896, 8f. πιν. 1). Die Arme der sämtlichen hier dargestellten Krieger sind in derselben Weise gemalt, wie die Unterschenkel, die ohne Zweifel mit κνημῖδες umhüllt gedacht sind (vgl. Reichel Homer. Waffen 74ff.); auf dem einen Bild (Taf. XLIII) sind dicht an der Schulter und am Handgelenk, ebenso wie am Knie und am Fussgelenk, Riemenumschnürungen [2219] angedeutet. Wir haben uns also die Arme ganz analog den Unterschenkeln umhüllt zu denken. Unklar ist, ob die Umhüllung mit der Bedeckung des Oberkörpers zusammenhängend gedacht ist oder nicht (Ἐφημ. a. a. O. 9; über die Ärmel der weiblichen Gestalt auf Taf. XLII s. unter Χειριδωτὸς χιτών oben S. 2206).

Die Schilderung des Gedichtes und die Darstellungen dürften sich gegenseitig ergänzen. Die erstere giebt uns den Namen, die letzteren zeigen uns die Form eines Teiles alter Tracht, der bei der Ausrüstung zum Kriege oder zu harter Landarbeit hie und da Verwendung fand. In beiden Fällen hatte er den Zweck, die Arme zu schützen. Im Kriege hat die χ., nach dem Ende der mykenischen Periode augenscheinlich keine und innerhalb derselben nur ausnahmsweise Verwendung gefunden. In dem Epos findet sich keine weitere Erwähnung von ihr. Auch ihre Verwendung bei der Landarbeit können wir mit keinem weiteren Beispiel aus der schriftlichen oder monumentalen Überlieferung belegen (mit Handschuh übersetzen an jener Stelle χ. Hermann-Blümner Privataltertümer 183. J. Müller Handbuch IV 1 S. 405 und Düntzer Erläuternde Schulausg. d. Odyssee; mit Ärmel Ameis Schulausgabe der Odyssee). In allen übrigen Fällen bedeutet χ. zweifellos Ärmel. Pollux (VII 62) giebt sie als Bestandteil der Tracht an zunächst den πτερύγες, τὸ ἥμιςυ τοῦ χιτωνίσκου, worunter er nach VII 55 nur Vorder- und Rückseite des Frauenchiton verstehen kann. Er erklärt χ. mit τὰ περὶ ταῖς χερσίν. In dem Catalogus vestium in Brauronio dedicatarum (CIA II 751ff.) wird 758 B Col. II Z. 7ff. (vgl. 759 Col. II Z. 2f.) aufgezählt: κατάστκτος ἐν κιβωτίῳ χειρῖδας ἔχων ξυστίδωτος.. Dazu ist nach Analogie der übrigen Weihungen χιτών oder χιτωνίσκος zu ergänzen; χ. also ist mit Ärmel zu übersetzen. Sonst kommt das Wort in Schilderungen von Trachten vor, bei denen nachweislich Ärmel üblich waren; Xenophon (Cyrop. VIII 3, 13. 8, 17; hell. II 1, 8) giebt sie als Bestandteile der persischen Tracht an, Lukian (Ζεὺς τραγ. 41) als zur Bühnentracht gehörig, Plutarch (Otho 6) als Charakteristica einer barbarisierenden Tracht neben den ἀναξυρίδες (über diese Trachten s. Näheres unter Χειριδωτὸς χιτών. Xenophon giebt ausserdem in der zweiten der genannten Stellen neben χ. als unverkennbare Bezeichnung für Handschuh δακτυλήθρα. Endlich erklärt sich nur bei der Bedeutung Ärmel für χ. die weitere Bildung χειριδωτός (Suid.). Das Wort ist factisch oder ideell stets mit χιτών oder χιτωνίσκος verbunden, und kann in dieser Verbindung natürlich nur ,mit Ärmeln versehen‘ bedeuten.

Über die Form der χ. geben uns die Monumente Aufschluss, die unter Χειριδωτὸς χιτών aufgezählt sind. Wir finden durchweg röhrenförmige Ärmel, die mehr oder weniger eng anliegen und bis zur Handwurzel reichen. Ausnahmen sind folgende: Xenophon (hell. ΙΙ 1, 8; Cyrop. VΙΙΙ 3, 10) berichtet von persischen Ärmeln – es waren die Ärmel des κάνδυς –, die so lang waren, dass sie auch die Hände bedecken konnten, und giebt als ihren speciellen Namen κόρη an. Die persischen Grossen mussten darin ihre Hände vor dem [2220] Grosskönig verbergen. Philostratos mai. (imag. 334, 4 K.) beschreibt den χειριδωτὸς χιτών eines Jägers: ἐς ἥμισου τοῦ μηροῦ καὶ ἴσα τοῦ ἀγκῶνος; hier also muss ein kürzerer Ärmel gemeint sein. Vgl. zu allem Χειριδωτὸς χιτών.

Eine besondere Ärmeltracht sei hier erwähnt. Wir finden sie auf zwei späten Bildwerken: einem alexandrinischen Reliefbild (Schreiber Hellenistische Reliefbilder LXVI) und einem pompeianischen Wandbild (Helbig Wandg. nr. 1369). Dort sehen wir bei einer Alten, die vor einem Altare steht, hier bei einem Priap, der der Schmückung des Hermaphroditen zuschaut, Ärmel, die augenscheinlich nur unter der Achsel mit dem übrigen Gewand zusammenhängen und deshalb die Schulter freilassen.

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Χειρίς, von χείρ gebildet, wie κνημίς von κνήμη. Da χείρ fast durchweg Hand bedeutet und nur in verhältnismässig seltenen Fällen Arm (sehr häufig bei Homer; s. Stephanus Thesaurus s. v.; auch Herodot. II 121), so wäre zu erwarten, dass χ. in der Regel Bedeckung der Hand oder Handschuh bedeute und ausnahmsweise Ärmel. In Wirklichkeit ist es jedoch umgekehrt. Sicher bedeutet χ. nur einmal Handschuh, ein andermal wahrscheinlich; in einem dritten Fall können wir schwanken, wie das Wort zu erklären sei. Bei weitem am häufigsten indes bezeichnet es Ärmel.

Das einzige zweifellos sichere Beispiel für die Bedeutung Handschuh findet sich in der späten mediciniscben Litteratur. Galen (VI 187) und Oreibasios (ed. Matth. 288) geben beide die Vorschrift, die προγυμνασταί sollten zum Einreiben womöglich χερῖδας ἐξ ὀθονίων ῥαπτάς anziehen, ψς ὡμαλωτέραν γενέσθαι τὴν ἐνέργειαν. Der Fall, in dem χ. wahrscheinlich mit Handschuh zu übersetzen ist, findet sich in einer Erzählung des Herodot (VI 72), nach der bei dem spartanischen König Leutychides als verräterisches Zeichen seiner Bestechlichkeit eine χ. πλέη ἀργυρίου gefunden wurde. Das setzt doch wohl einen kleineren beutelartigen Gegenstand voraus, klein auch deswegen, weil Leutychides dabei ertappt wird, wie er auf der χ. sitzt. Da nun die Scene in Thessalien spielt, erinnern wir uns, dass den Bewohnern dieses Landes wegen seines rauhen Klimas besonders reichliche Kleidung und Übereinstimmung der Tracht mit der der Perser zugeschrieben [2218] wird (Strab. XI 530. Athen. XII 527 b. XIV 663 a); bei den Persern aber wurden Handschuhe, wenigstens im Hofceremoniell, getragen (Xenoph. Cyrop. VIII 8, 17 δακτυλήθρα; man beachte die sehr bezeichnende Rolle, die dieser Gegenstand Athen. I 6 d spielt, die einzige Stelle, in der er an der Hand eines Griechen guter Zeit erwähnt wird). Schwanken können wir bei der Erklärung folgender Stelle. Od. XXIV 226ff. wird die Ausrüstung beschrieben, die Laertes zum Umgraben des Bodens angelegt hat: ausser dem χιτών κνημῖδες an den Unterschenkeln, Gamaschen, die gegen Dornen schützen sollen, und ihnen entsprechend zu demselben Zweck χειρῖδες ἐπὶ χερσί (ausserdem die κυνέη αἰγείη). Die Commentare des Eustathios helfen nicht viel weiter. Sie erklären χ. mit τὰ τῶν χειρῶν καλύμματα ἐκ δερμάτων und fügen hinzu, dass dieselben auch von Bogenschützen (χ. χρῶνται εἰ καὶ μὴ δακτυλωταῖς) und beim Waschen und Brotsäuern benutzt worden seien. Diese Behauptung beruht, soweit sie die beiden letztgenannten Thätigkeiten angeht, auf einem argen Missverstehen einer Überlieferung, wie wir sie bei Pollux X 181f. finden und die mit χ. nicht das Geringste zu thun hat (es handelt sich vielmehr um die ᾤα). Für die Benutzung von χειρῖδες beim Brodbacken s. auch Athen. XII 548 b = FHG II 308, wo es sich aber erstens um keine allgemeine Sitte, sondern um die luxuriöse Laune des Philosophen Anaxarchos handelt, und wo zweitens nur eine Umwicklung der Arme oder geradezu Ärmel gemeint sein können, da nur solche das Herabrinnen des Schweisses in den Teig verhindern konnten, nicht aber Handschuhe, die ja übrigens beim Brodbacken von vornherein ausgeschlossen sind. Die antiken Bogenschützen haben als typische Tracht stets enganliegende Ärmel, aber niemals Handschuhe oder ähnliches, was ja auch bei der Handhabung ihrer Waffe nur hinderlich hätte sein können. Auch bedarf der Bogenschütze keines Schutzes seiner Hände, wie etwa der zum Nahkampf bestimmte Krieger. Dennoch scheint Eustathios etwas derartiges zu meinen (etwa Halbhandschuhe?), wie aus seinem Zusatz (εἰ καὶ μὴ δακτυλωταῖς) hervorgeht. Halten wir uns an die Schilderung Homers selbst. Wie oben bemerkt wurde, bedeutet χείρ bei Homer besonders häufig Arm. Bei der Arbeit des Umgrabens konnten die Arme eher durch Dornen verletzt werden als die dicht am Spaten oder an der Hacke liegenden Hände, deren Beweglichkeit zudem durch eine allseitige Umhüllung behindert worden wäre.

Endlich ist es für unsere Frage nicht unwichtig, dass uns eine Umhüllung der Arme, entsprechend der der Unterschenkel durch die κνημῖδες, schon auf zwei mykenischen Monumenten begegnet, auf der bekannten Kriegervase von Mykenai (Furtwängler u. Löschcke Myken. Vasen 69 Taf. XLII/XLIII) und dem Hauptstreifen einer bemalten Stele ebendaher (Ἐφημ. αρχ. 1896, 8f. πιν. 1). Die Arme der sämtlichen hier dargestellten Krieger sind in derselben Weise gemalt, wie die Unterschenkel, die ohne Zweifel mit κνημῖδες umhüllt gedacht sind (vgl. Reichel Homer. Waffen 74ff.); auf dem einen Bild (Taf. XLIII) sind dicht an der Schulter und am Handgelenk, ebenso wie am Knie und am Fussgelenk, Riemenumschnürungen [2219] angedeutet. Wir haben uns also die Arme ganz analog den Unterschenkeln umhüllt zu denken. Unklar ist, ob die Umhüllung mit der Bedeckung des Oberkörpers zusammenhängend gedacht ist oder nicht (Ἐφημ. a. a. O. 9; über die Ärmel der weiblichen Gestalt auf Taf. XLII s. unter Χειριδωτὸς χιτών oben S. 2206).

Die Schilderung des Gedichtes und die Darstellungen dürften sich gegenseitig ergänzen. Die erstere giebt uns den Namen, die letzteren zeigen uns die Form eines Teiles alter Tracht, der bei der Ausrüstung zum Kriege oder zu harter Landarbeit hie und da Verwendung fand. In beiden Fällen hatte er den Zweck, die Arme zu schützen. Im Kriege hat die χ., nach dem Ende der mykenischen Periode augenscheinlich keine und innerhalb derselben nur ausnahmsweise Verwendung gefunden. In dem Epos findet sich keine weitere Erwähnung von ihr. Auch ihre Verwendung bei der Landarbeit können wir mit keinem weiteren Beispiel aus der schriftlichen oder monumentalen Überlieferung belegen (mit Handschuh übersetzen an jener Stelle χ. Hermann-Blümner Privataltertümer 183. J. Müller Handbuch IV 1 S. 405 und Düntzer Erläuternde Schulausg. d. Odyssee; mit Ärmel Ameis Schulausgabe der Odyssee). In allen übrigen Fällen bedeutet χ. zweifellos Ärmel. Pollux (VII 62) giebt sie als Bestandteil der Tracht an zunächst den πτερύγες, τὸ ἥμιςυ τοῦ χιτωνίσκου, worunter er nach VII 55 nur Vorder- und Rückseite des Frauenchiton verstehen kann. Er erklärt χ. mit τὰ περὶ ταῖς χερσίν. In dem Catalogus vestium in Brauronio dedicatarum (CIA II 751ff.) wird 758 B Col. II Z. 7ff. (vgl. 759 Col. II Z. 2f.) aufgezählt: κατάστκτος ἐν κιβωτίῳ χειρῖδας ἔχων ξυστίδωτος.. Dazu ist nach Analogie der übrigen Weihungen χιτών oder χιτωνίσκος zu ergänzen; χ. also ist mit Ärmel zu übersetzen. Sonst kommt das Wort in Schilderungen von Trachten vor, bei denen nachweislich Ärmel üblich waren; Xenophon (Cyrop. VIII 3, 13. 8, 17; hell. II 1, 8) giebt sie als Bestandteile der persischen Tracht an, Lukian (Ζεὺς τραγ. 41) als zur Bühnentracht gehörig, Plutarch (Otho 6) als Charakteristica einer barbarisierenden Tracht neben den ἀναξυρίδες (über diese Trachten s. Näheres unter Χειριδωτὸς χιτών. Xenophon giebt ausserdem in der zweiten der genannten Stellen neben χ. als unverkennbare Bezeichnung für Handschuh δακτυλήθρα. Endlich erklärt sich nur bei der Bedeutung Ärmel für χ. die weitere Bildung χειριδωτός (Suid.). Das Wort ist factisch oder ideell stets mit χιτών oder χιτωνίσκος verbunden, und kann in dieser Verbindung natürlich nur ,mit Ärmeln versehen‘ bedeuten.

Über die Form der χ. geben uns die Monumente Aufschluss, die unter Χειριδωτὸς χιτών aufgezählt sind. Wir finden durchweg röhrenförmige Ärmel, die mehr oder weniger eng anliegen und bis zur Handwurzel reichen. Ausnahmen sind folgende: Xenophon (hell. ΙΙ 1, 8; Cyrop. VΙΙΙ 3, 10) berichtet von persischen Ärmeln – es waren die Ärmel des κάνδυς –, die so lang waren, dass sie auch die Hände bedecken konnten, und giebt als ihren speciellen Namen κόρη an. Die persischen Grossen mussten darin ihre Hände vor dem [2220] Grosskönig verbergen. Philostratos mai. (imag. 334, 4 K.) beschreibt den χειριδωτὸς χιτών eines Jägers: ἐς ἥμισου τοῦ μηροῦ καὶ ἴσα τοῦ ἀγκῶνος; hier also muss ein kürzerer Ärmel gemeint sein. Vgl. zu allem Χειριδωτὸς χιτών.

Eine besondere Ärmeltracht sei hier erwähnt. Wir finden sie auf zwei späten Bildwerken: einem alexandrinischen Reliefbild (Schreiber Hellenistische Reliefbilder LXVI) und einem pompeianischen Wandbild (Helbig Wandg. nr. 1369). Dort sehen wir bei einer Alten, die vor einem Altare steht, hier bei einem Priap, der der Schmückung des Hermaphroditen zuschaut, Ärmel, die augenscheinlich nur unter der Achsel mit dem übrigen Gewand zusammenhängen und deshalb die Schulter freilassen.

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Band S I (1903), Sp. 286287
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[Abschnitt korrekturlesen]
S. 2217, 36 zum Art. Χειρίς:
Zu S. 2218, 19ff.: v. Luschan hat in einem Vortrag der archäologischen Gesellschaft in Berlin (Berl. philol. Wochenschr. 1899, 412) die Ansicht zu belegen gesucht, die antiken Bogenschützen hätten drei lederne Hüllen für die mittleren Finger gebraucht (besonders deutlich auf einem in der Festschrift für Benndorf Taf. X publicierten Relief [287] aus Sendschirli), ganz gleich den ledernen Fingerlingen, die noch heute in England, Belgien und, wo sonst noch in Europa Bogenschiessen als Sport betrieben werde, im Gebrauch seien. Dadurch könnte sich wieder ein Teil der Notiz des Eustathios erklären: die Bogenschützen hätten χ. benutzt; was folgt — εἰ καὶ μὴ δακτυλωταίς würde nun allerdings gerade das Gegenteil von dem besagen, was v. Luschan annimmt und könnte sich nur dadurch erklären, dass Eustathios von dem Brauche selber nichts mehr kannte. In Anbetracht der Verwirrung, die auch sonst an dieser Stelle seines Commentars herrscht, und der Unwahrscheinlichkeit dessen, was er berichtet, liegt allerdings diese Erklärung nahe genug.
Zu S. 2220, 6ff.: Die gleiche Ärmeltracht findet sich auf einem hellenistischen Relieffragment im vaticanischen Museum bei Silen (Museo Pio-Clementino IV Taf. XXVIII), auf einem Terracottarelief beim Dionysoskind (Campana Opere plasiche LII), ferner an zwei in Etrurien gefundenen, zu architektonischer Decoration bestimmten Reliefs, das eine aus Telamon — Oidipus zwischen seinen sterbenden Söhnen — (Milani Museo topografico dell’ Etruria 100), das andere aus Vetulonia (Not. d. scavi 1895, 297), beide jetzt im archäologischen Museum zu Florenz. Endlich lässt sich diese Tracht auch im Leben und zwar bei dacischen Frauen (Cichorius Die Reliefs der Traianssäule: XXX. XLV und sonst; vgl. v. Bieńkowski De simulacris barb. gent. 30ff. nr. 5) und den Frauen eines mit Sarmaten verbündeten Stammes (Petersen-Domaszewski-Calderini Marcussäule CXIII) nachweisen.