RE:Abrasax

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 109110
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Abrasax (Ἀβρασάξ, überwiegend über das eingebürgerte Ἀβράξας). Mit diesem Namen soll Basileides nach Eirenaios das höchste Wesen bezeichnet haben, als den Vorsteher der 360 Aione. Die Etymologie des Wortes ist noch nicht bekannt. Im Leydener Papyros W (182, 25 ed. Dieterich) wird es erklärt als ἀριθμὸς τοῦ ἐνιαυτοῦ. Mit dem Namen A.-gemmen bezeichnet man geschnittene Steine, auf denen neben mystisch-symbolischen Darstellungen dieses Wort, häufiger andere Götternamen und Ἐφέσια γράμματα erscheinen, und [110] die ausnahmslos als Amulette gedient haben. Ihre eingehende Sonderung und Erklärung ist öfter versucht, aber nicht befriedigend gelöst worden. Im besonderen hat Bellermann (Ein Versuch über die Gemmen u. s. w. Berlin 1817 bis 1819) mit dem Namen A. Gemmen benannt, die einen hahnenköpfigen Mann mit Schlangenbeinen, Geissel und Schild darstellen, und davon ausgehend in eigentliche Abraxas, Abraxoiden, Abraxaster u. s. w. geschieden. Matter (in Herzogs Realencyclopaedie der protest. Theologie s. A.) verwirft den Namen überhaupt als zu enge und bezeichnet unsere Steine als „gnostische Gemmen“. Aber sowohl dieser neue Name als seine complicierte Klasseneinteilung in gnostische, gnostisch-persische u. s. w. erschöpfen die Sache nicht. Wir haben in den A.-steinen Denkmäler jenes religiösen Synkretismus des ausgehenden Altertums, der besonders widerwärtig in Alexandria wucherte und uns in den „ägyptisch-griechischen Zauberpapyri“ so lebendig entgegentritt (vgl. über diese Dieterich Abraxas, Studien zur Religionsgeschichte des späteren Altertums, 1891). Eine neue Betrachtung muss, da die Publicationen äusserst mangelhaft sind, von den Originalen ausgehen. Zu beachten ist, dass diese Bilder und Worte anscheinend nur auf Steine geschnitten sind, die auch sonst im Aberglauben eine Rolle spielen (vgl. Damigeron).

Die ältere Litteratur nahezu vollständig bei Wessely Ἐφέσια γράμματα. Progr. d. Franz-Joseph-Gymn. Wien 1886; vgl. auch Baudissin Ztschr. f. hist. Theologie 1875; Studien z. semit. Rel.-Gesch. I 179ff. Kraus Chr. Inschr. d. Rh. L. 157 n. 6.