RE:Anaitis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 20302031
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Anaitis (Ἀναῖτις). Vielleicht ursprünglich eine babylonische Göttin (Anāt, Lenormant Commentaire de Bérose 1872, 157ff. Hoffmann Acten pers. Märtyrer, Anm. 1162), welche jedenfalls frühzeitig von den Persern aufgenommen wurde und schon in den Keilinschriften von Persepolis unter dem Namen Anahîta erwähnt wird. Im Avesta wird sie oft als die Göttin des befruchtenden Himmelswassers angerufen (De Harlez Avesta 1881, Introd. CVI. CXIII). Schon unter der persischen Herrschaft (Clem. Alex. Protrept. 1, 5. Strab. XI 512. Tacit. ann. III 62) verbreitete sich ihr Kultus in Armenien (Akisilene, Strab. XI 532. Agathang. in Langlois Hist. de l’Arménie I 126ff. 167ff. etc.), Syrien (Damascus, Clem. Alex. a. a. O.) und Kleinasien. Nach Strabon wurde sie im Pontos (Zela, XI 512. XII 559) und in Kappadokien verehrt (Strab. XV 733; die Artemis Περασία von Kastabala bei Strabon XII 537 ist wohl keine andere als die persische Göttin). Vorzüglich in Lydien waren ihre Tempel zahlreich: in Hierocaesarea (Paus. V 27, 5. VII 6, 6. Tacit. ann. III 62. Bull. hell. XI 95. Eckhel III 104), Hypaipa (Paus. a. a. O.; vgl. Rev. archéol. 1885 II 114 nr. 14. Athen. Mitt. 1889, 93 nr. 35), Sardes (Clem. Alex. Protrept. 1, 5. Rev. archéol. a. a. O. 105), Philadelphia (Bull. hell. 1884, 376. Athen. Mitt. a. O. 106. Waddington Inscr. Asie Min. 655 = CIG 3424), Koloe (Rev. archéol. a. a. O. 107. Classical Rev. 1889, 69), Maeonia (Leemans Verhandelingen der k. Akad. Amsterdam XVII 1886, 3ff.) und in den heutigen Dörfern von Mermereh (Bull. hell. XI 448) und Sari Tsam (ebd. 82) sind Inschriften der A. entdeckt worden. Vgl. Reinach Chron. d’Orient 157ff. 215ff. Der Kultus scheint sich nach den verschiedenen Ländern verschieden gestaltet zu haben. In Armenien war er mit heiligen Prostitutionen verbunden (Strab. XI 532), in Kappadokien und im Pontos wurde A. wie die einheimische Göttin von Komana, welche ihr wohl gleichgestellt wurde (Māh heisst auch im Avesta die Mondgöttin), in heiligen Städten von zahlreichen männlichen und weiblichen Hierodulen verehrt (Strab. XII 559. XV 733). In Lydien dagegen blieb der Ritus den altpersischen Gebräuchen treu (Paus. V 27, 5; vgl. De Harlez a. a. O. CLIV). Es wurden allerdings in Philadelphia (Ἀναείτεια Waddington a. a. O.) und Hypaipa (Ἀρτεμισία Rev. archéol. a. a. O. 114. Athen. Mitt. a. a. O.) Spiele nach griechischer Art mit ihrem Kult verbunden. Diesem wechselnden Charakter entsprechend wurde A. verschieden genannt. In Lydien wurde sie der Magna Mater gleichgestellt und neben dem einheimischen Gotte Men angerufen (Rev. archéol. a. a. O. 107. Bull. hell. [2031] 1884, 376. Leemans a. a. O. nr. 3. 4. 5). Daher der Beiname Ἀζιοττηνή, der ihr in Maeonia gegeben wird (Leemans nr. 7, s. auch Ἀζιοττηνός). Die Griechen haben sie zuweilen mit Athena (Plut. Artax. 3; vgl. Hoffmann a. a. O. 136), zuweilen mit Aphrodite identifiziert (Herodot. I 131: ἐπιμεμαθήκασι δὲ καὶ τῇ Οὐρανίῃ θύειν, παρά τε Ἀσσυρίων μαθόντες καὶ Ἀραβίων· καλέουσι δὲ Ἀσσύριοι τὴν Ἀφροδίτην Μύλιττα, Ἀράβιοι δὲ Ἀλιλάτ, Πέρσαι δὲ Μίτραν, dazu Ed. Meyer in Roschers Lexik. I 332. Berosos bei Clem. Alex. a. a. O. Agathias II 24. Iamblich bei Photius Bibl. 94 p. 75 b; vgl. Hesych. Περσιθέα· ἡ Ἀφροδίτη), gewöhnlich aber als eine Artemis angesehen: Ἄρτεμις Περσική (Paus. VII 6, 6. Eckhel III 104. Bull. hell. XI 95; vgl. Tacit. ann. III 62) oder Περσία (Diod. V 77. Plut. Lucull. 24). Da der Stier ihr gewidmet wurde (Plut. a. O.), wurde sie der Artemis Tauropolos oder Ταυρική gleichgestellt, sowohl in Lydien (Paus. III 16, 8; vgl. CIG 3127, 60. 70. 104ff., wo eine persische Besatzung bei ἡ Ταυροπόλος schwört), als in Kappadokien (Kastabala, Strab. XII 537) und in Armenien (Strab. XI 512. Procop. bell. Pers. I 17 p. 83f.; bell. Goth. IV 5 p. 480). Selbst ihr Name wurde in Ταναΐς umgestaltet (Strab. XI 532. Clem. Alex. a. O. Dio Cass. XXXVI 48. 53), um sie mit dem gleichnamigen Flusse in Verbindung zu bringen (Iamblich. a. a. O.; vgl. Hoffmann a. a. O. 135). Ohne Zweifel ist aus diesem Kultus das Taurobolium (ursprünglich Tauropolium) ins Abendland gelangt (vgl. Hesych. Ταυροπόλια· ἃ εἰς ἑορτὴν ἄγουσιν Ἀρτέμιδι). Die seltenen Darstellungen der A. zeigen uns dieselbe teils neben dem Sonnengotte, mit der Mondsichel hinter dem Kopfe, einen Hirsch auf jeder Seite und den Oberkörper mit Brüsten bedeckt, wie die asiatische Artemis (Leemans a. a. O. nr. 1), teils ohne Attribute als eine stehende, mit langem Gewand bekleidete Frau, welche die rechte Hand mit nach aussen gekehrter Innenfläche erhebt (als Schutzgöttin? ebd. 2. 3. 5. 7). Die sog. persische Artemis der schwarzfigurigen Vasen hat mit A. und Persien überhaupt nichts zu thun (vgl. neuerdings Studniczka Kyrene 1890, 154ff.). Windischmann Die persische Anahita (Abh. der bayr. Akad. VIII) 1856. Ed. Meyer in Roschers Lexik. I 330ff. Über die Beziehungen zum Taurobolium Rev. archéol. 1888 II 132ff. Rev. phil. 1893, 195. Vgl. Boreitene, Nana.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 76
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S. 2030, 13 zum Art. Anaitis:

Charax 3 (Geogr. gr. min. I 247) erwähnt ein Ἀρτέμιδος ἱερὸν Δαρείου κτίσμα in Mesopotamien, wohl einen alten A.-Tempel. Eine Stele mit einer angeblichen Darstellung der persischen Artemis haben Radet und Ouvré in Dorylaion entdeckt (Bull. hell 1894, 128ff. pl. IV). Diese Göttin hat aber wohl mit A. nichts zu thun (A. Körte Athen. Mitt. XX 1895, 8. Reinach Chroniques d’Orient II 385. 567). Eine andere ebenso zweifelhafte Darstellung befindet sich auf einer Silberschale in Paris (Babelon Guide cabinet Médailles nr. 2281). Dagegen hat Buresch in Lydien eine interessante Inschrift der Wassergöttin gefunden {Ἀναεῖτιν τὴν ἀπὸ ἱεροῦ ὕδατος, Buresch Aus Lydien 118, vgl. 28) und hat auf ihre frühe Verschmelzung mit der Magna mater hingewiesen (a. a. O. 66ff.). Eine andere Inschrift Rev. étud. grecques 1899, 385 nr. 8, vgl. auch Wright Harvard studies in class. Philol. VI 1895, 55ff. A. ist vielleicht ursprünglich mit der semitischen Göttin Anat (s. d. in diesem Suppl.) identisch.