RE:Attalos 10

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 21682175
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10) Attalos II. Philadelphos, als zweitältester Sohn des Vorigen und der Apollonis von Kyzikos im J. 220 geboren. Während sein älterer Bruder Eumenes II. (197–159) König war, lebte A. rechtlich zwar als ein ἰδιώτης (das liegt in Strab. XIV 624), und in den Inschriften aus der Zeit des Eumenes II. erscheint er daher auch ohne jeden Titel (Inschr. v. Perg. nr. 64); thatsächlich aber hat er, von Eumenes zu Regierungsgeschäften der verschiedensten Art herangezogen sowie mit militärischen und diplomatischen Sendungen vielfach betraut, eine hervorragende Rolle gespielt. Zuerst tritt er im J. 192 hervor. Sein Bruder hatte ihn damals nach Rom geschickt, damit er dem Senat melde, dass Antiochos d. Gr. den Hellespont überschritten habe, und die Aitolier sich zu seinem Empfange rüsteten. A. sowohl wie der König Eumenes wurde von den Römern reich beschenkt (Liv. XXXV 23, 10ff.). Im J. 190 commandierte A. in Pergamon, als Seleukos, des Antiochos Sohn, in das pergamenische Gebiet einfiel, während Eumenes auf der Flotte war. Mit seinen unzureichenden Hülfskräften musste A. sich in die Stadt selbst zurückziehen, sich hier belagern lassen und es ruhig mit ansehen, dass Antiochos das Gebiet verwüsten liess. Als aber Diophanes mit den achaeischen Hülfstruppen an der Küste landete, gelang es A., ihn bei Nacht in die Stadt zu führen. Mit ihrer Hülfe wurde dann Seleukos gezwungen abzuziehen (Liv. XXXVII 18–21; vgl. Polyb. XXI 9. App. Syr. 26). An der Entscheidungsschlacht bei Magnesia (190) hat A. rühmlichen Anteil genommen. Durch seine entschlossene Digression auf den linken Flügel hat er Antiochos zur Flucht bewogen (Liv. XXXVII 43, 5ff.). Bei den achaeischen Bundestruppen aber hatte er sich solche [2169] Sympathien gewonnen, dass sie ihm in Pergamon eine Statue errichteten (die Weihinschrift bei Fränkel Inschr. v. Perg. 64). Im folgenden Jahre, 189, vertrat A., während Eumenes in Rom war, die Regierung in Pergamon. An ihn wendete sich daher Cn. Manlius mit der Aufforderung, sich an dem Kriege gegen die Galater zu beteiligen. A. ging bereitwillig darauf ein, da das Interesse Pergamons die Niederwerfung der unruhigen Nachbarn verlangte. Mit 1000 Mann Fusstruppen und 500 Reitern stiess er zum Manlius und liess auch seinen Bruder Athenaios mit weiteren Truppen nachfolgen (Liv. XXXVIII 12, 8ff.). A. zeichnete sich in diesem Feldzuge derartig aus, dass er nach Besiegung der Tolistoboier unter allgemeinem Beifall vor allen andern belobigt und geehrt wurde (Liv. XXXVIII 23, 11). Auf dem Zuge gegen die Tectosagen wurde A. von Manlius u. a. als Unterhändler verwendet (Polyb. XXI 39, 5ff. Liv. XXXVIII 23, 5ff.). Auch nach der Besiegung der Gallier blieb A. zunächst noch in der Umgebung des Manlius (Frühling 188, Polyb. XXI 43, 9). Auch an dem Kriege gegen Prusias von Bithynien hat A. Anteil genommen. Bei Lypedron in Bithynien brachte er dem Feinde eine Niederlage bei. Zum Dank dafür stiftete er dem Zeus und der Athena Nikephoros in Pergamon ein Siegesdenkmal (vgl. Inschr. v. Perg. nr. 65). Wohl bald nach dem Frieden mit Prusias (183?) war es, dass A. und seine Brüder ihre Mutter Apollonis in Kyzikos derartig ehrten, dass die Bewohner sie mit Kleobis und Biton verglichen (Polyb. XXII 20, 4ff.; vgl. die pergamenische Weihinschrift bei Fränkel nr. 169). In dem Feldzuge gegen Pharnakes von Pontos hat A., da Eumenes damals leidend war, zeitweise den Oberbefehl gehabt. A. kehrte, nachdem ein vorläufiger Vergleich mit Pharnakes zu stande gekommen war, nach Pergamon zurück, worauf ihn Eumenes mit den anderen Brüdern, Philetairos und Athenaios nach Rom schickte, um die Beendigung des Krieges zu erwirken. Hier wurde er aufs freundlichste empfangen (im J. 181, Polyb. XXIV 5. Diod. XXIX 22). Nach der Rückkehr aus Rom (181) begleitete A. den Eumenes bei dem weiteren Feldzug gegen Pharnakes (Polyb. XXIV 8, 4ff.). Als im J. 175 der syrische Thron erledigt war, bewirkte A. zusammen mit Eumenes die Rückführung des Antiochos IV. Epiphanes. Sie verdrängten den Mörder des Seleukos, Heliodoros, unterstützten Antiochos mit ihren Schätzen und setzten ihm das Diadem auf. Ein antiochenisches Decret ehrt neben Eumenes auch den A., weil er alles mit jenem zusammen ohne Zaudern und voller Mut gethan habe (Inschr. v. Perg. nr. 160. App. Syr. 45). Im J. 172 hat A. vorübergehend durch ein Missverständnis die Königswürde usurpiert. Sein Bruder Eumenes war, von Rom zurückkehrend, bei Kirrha von Räubern überfallen und derart zugerichtet worden, dass sich in Pergamon die Kunde verbreitete, er sei tot. A. hat ohne Zweifel dieses Gerücht als Thatsache betrachtet und hat daher als Thronfolger dem Burgcommandanten von Pergamon die Parole gegeben. Zugleich warb er um Stratonike, die Frau des Eumenes, da er sie als Witwe betrachtete. Während es nach Liv. XLII 16, 8ff. und Diod. XXIX 34 bei der Werbung blieb, wurde nach [1270] Plut. de frat. am. 18 die Ehe wirklich vollzogen. Namentlich mit Rücksicht auf Polyb. XXX 2, 6 kann es als gesichert gelten, dass letzterer recht hat, und weiter, dass dieser ephemeren Verbindung der spätere A. III. entsprungen ist (vgl. Köpp Rh. Mus. XLVIII 154ff.). Dennoch ist das Verhältnis des A. zu Eumenes, als dieser wider Erwarten gesund heimgekehrt war, dauernd hierdurch nicht getrübt worden (Liv. Diod. Plut a. O.). A. trat natürlich sofort wieder in die Stellung eines ἰδιώτης, sowie in die des Junggesellen zurück (anders Boeckh CIG II p. 658; dagegen schon M. H. E. Meier a. O. 395, 87). Im perseïschen Kriege war A. bei dem Heere, das zu den Römern stiess, und beteiligte sich mehrfach an den militärischen Operationen (Liv. XLII 55, 7. 58, 14. 65, 14. XLIV 4, 11). Als A. im Winter 170 in Elatea lag, gab er einen neuen Beweis seiner brüderlichen Liebe. Da er wusste, wie sehr Eumenes durch den achaeischen Bundesbeschluss gekränkt war, der die Abschaffung der ihm verliehenen Ehren bestimmt hatte, schickte er Gesandte an den Bund, um diesen Beschluss aufzuheben. Wiewohl ein Teil der Bundesversammlung widerstrebte, gelang es seinen Abgesandten, einen Beschluss herbeizuführen, der den früheren cassierte (Polyb. XXVII 18. XXVIII 7. 12, 7; vgl. Meischke Symbolae ad Eumen. II hist. 1892, 95ff.). A. hat während des ganzen Verlaufs des Krieges den Römern Treue bewiesen auch als gegen Eumenes Verdacht entstanden war (Liv. XLIV 13, 13. 20, 7). Bei Pydna kämpfte er im Gefolge des Aemilius Paulus (Liv. XLIV 36, 8. XLV 19, 3). Noch in demselben Jahre, 168, wurde er als Gesandter des Eumenes nach Rom geschickt, um den Römern zu dem Siege zu gratulieren und zugleich um wegen des Einfalls der Galater Klage zu führen. Hier wurde A. in schwere Versuchung geführt, indem man durch demonstrative Herzlichkeit sich bemühte, ihn gegen seinen Bruder aufzuhetzen. Ja sogar die Forderung eines eigenen Reiches wurde ihm nahe gelegt (Polyb. XXX 1. 8). A. liess sich vorübergehend blenden, kehrte aber schnell auf die vernünftigen Vorstellungen des Arztes Stratios hin, den Eumenes, von diesen Intriguen unterrichtet, nachgeschickt hatte, zur brüderlichen Treue zurück. Somit begnügte er sich damit, im Senat seinen Auftrag zu erledigen und kehrte heim (Polyb. XXX 1–3. Liv. XLV 19–20). Zugleich mit den römischen Commissaren traf er im Frühling 167 bei Synnada ein, wo die Galater sich gelagert hatten. Unter dem Vorwande, dass A.s Anblick die Feinde erregen werde, wurde er genötigt, den Verhandlungen fern zu bleiben, was die römischen Gesandten zum Schaden der Pergamener ausnutzten (Liv. XLV 34, 10–14). Bald darauf, etwa 163, wurde A. zusammen mit seinem Bruder Athenaios wiederum nach Rom gesandt, um die Verdächtigungen des Prusias zurückzuweisen. Auch diesmal fand er eine sehr freundliche Aufnahme (Polyb. XXXI 9), und nochmals ist er im J. 160 an den Tiber gereist, um sich gegen Prusias Ausstreuungen zu rechtfertigen. Die Ehren, mit denen man ihn hier überhäufte, wuchsen in demselben Grade, wie die Abneigung Roms gegen Eumenes stieg (Polyb. XXXII 5).

Als Eumenes im J. 159 starb, bot die Frage [2171] der Succession gewisse Schwierigkeiten. Der junge A., in dem wir mit Köpp (s. o.) einen Sohn des A. und der Stratonike erblicken, war zwar inzwischen (nach 168/7) von Eumenes adoptiert worden, war aber damals noch unmündig (etwa 12 Jahre alt) und daher zur Übernahme der Herrschaft zumal in einem politisch so schwierigen Augenblicke nicht geeignet. Auf der anderen Seite hatte A., der damals ein Mann von 61 Jahren war, sich jederzeit, sowohl auf militärischem als politischem Gebiet derartig bewährt, dass ein besserer Regent für das Land nicht gedacht werden konnte. Nach Strab. XIII 624 hätte Eumenes sein Reich dem jungen A. hinterlassen, den A. aber als seinen Vormund (ἐπίτροπος) und Verwalter des Reiches eingesetzt. Nach anderen Quellen herrscht aber kein Zweifel darüber, dass A. von 159 an mit dem Titel und der Würde eines βασιλεύς geherrscht hat, und zwar allein, was übrigens auch Strabon bestätigt, wenn er fortfährt: ἓν δὲ καὶ εἴκοσιν ἔτη (159–138) βασιλεύσας γέρων οὗτος τελευτᾷ. Es ist daher entweder anzunehmen, dass A. ursprünglich nur zum Vormund und Reichsverweser mit dem Titel eines βασιλεύς von Eumenes bestimmt, thatsächlich, auch nachdem der junge A. grossjährig geworden war, die Herrschaft durch Usurpation bis an sein Lebensende weitergeführt hat, eine Usurpation, die durch die obige Auffassung von der Abstammung des jungen A. ihre innere Erklärung fände. Oder aber es ist anzunehmen, dass Strabons Nachricht von der Reichsverweserschaft incorrect ist (nicht die von der Vormundschaft, die auf alle Fälle richtig sein wird), so dass Eumenes den A. direct zum König und Nachfolger eingesetzt hätte, vielleicht mit der Bestimmung, dass nach dessen Tode der junge A. folgen solle. Wenn so gegenüber den widerspruchsvollen Nachrichten Strabons und den nicht scharfen Worten des Polybios (XXXII 22, 8: ὅτι Ἄτταλος ὁ ἀδελφὸς Εὐμένους παραλαβὼν τὴν ἐξουσίαν) über die rechtliche Stellung des A. von 159–138 Zweifel bestehen können, so ist seine thatsächliche Stellung durch die Inschriften über allen Zweifel erhoben. Sie beweisen, dass A. in dieser Zeit den Königstitel geführt hat und zwar allein; vgl. Inschr. v. Perg. nr. 214ff. 224. 225. 248. Der Versuch M. H. E. Meiers (a. O. 411), aus CIG 2139 b und 3069 den Nachweis zu führen, dass auch der junge A. damals König genannt sei, ist verfehlt (vgl. Fränkel Inschr. v. Perg. S. 169). Von den vorher genannten Inschriften ist namentlich nr. 248 wichtig, in der der officiellen Version gemäss A. als θεῖος des jungen A., dieser aber von A. als ὁ τἀδελφοῦ υἱός bezeichnet wird. Es ergiebt sich ferner aus dieser Inschrift, dass während der Regierung des A. dieser allein den Königstitel geführt hat, auch noch in den letzten Jahren seiner Herrschaft (im J. 18 = 142/1 v. Chr.), also auch nach der Mündigkeit des jungen A. (vgl. auch des letzteren Worte in Z. 39: ἐν τῶ[ι] ιη’ ἔτει τῆς ἐκείνου βασιλείας). Andrerseits lehrt die Inschrift, dass A. dem jungen ,Neffen‘ und praesumptiven Thronnachfolger eine Mitwirkung bei der Ernennung von Priestern gestattet hat. Die Annahme liegt nahe, dass A. ihn auch an anderen Zweigen der Verwaltung hat teilnehmen lassen, um ihn zum Herrscherberuf vorzubereiten. Die früher verbreitete Ansicht (vgl. auch Mommsen [2172] R. G. II⁶ 52), dass Pharnakes von Pontos sich in die pergamenische Erbfolge einzuschieben versucht habe, fällt durch Jeeps Herstellung der bezüglichen Stelle (Iust. XXXVIII 6, 2; vgl. E. Meyer Königr. Pontos 81). Sobald A. den Thron bestiegen hatte (159), heiratete er die Witwe seines Bruders, Stratonike, die Tochter des Ariarathes IV. von Kappadokien, die ihm vorübergehend ja schon früher angehört hatte (s. o.); vgl. Plut. de fr. am. 18 fin., der Richtiges und Unrichtiges vermischt. Ehreninschriften ὑπὲρ βασιλέως Ἀττάλου Φιλαδέλφου καὶ βασιλίσσης Στρατονίκης bei Dittenberger Syll. 224. 225. Als König wurde A. im Hinweis auf seine Bruderliebe mit dem Beinamen Φιλάδελφος geehrt (Skymn. Perieg. 46. Strab. XIV 641. Lukian. makrob. 12. CIG 2139 b. 3070; vgl Fränkel Inschr. v. Perg. S. 130). Dass ihm schon bei Lebzeiten seines Bruders dieser Name beigelegt sei, wie v. Gutschmid Kl. Schr. IV 114f. anzunehmen scheint, ist bis jetzt nicht erwiesen und auch an sich wenig wahrscheinlich, da dies mit seiner Stellung als Privatmann kaum vereinbar wäre. Übrigens nannte er sich nicht selbst Philadelphos (v. Gutschmid), sondern wurde nur von anderen so genannt. Dasselbe gilt von den Beinamen der anderen Attaliden (vgl. Inschr. v. Perg.). Ausserdem wurde dem A. wie allen Attaliden auch der Beiname Εὐεργέτης verliehen (vgl. Fränkel a. O.). Durch die Heirat mit der kappadokischen Prinzessin wurde das nahe Verhältnis, in dem Pergamon schon unter dem Vorgänger zu Kappadokien gestanden hatte, auch für die Regierungszeit des A. befestigt, und diese Beziehungen, die dadurch noch eine innere Stütze fanden, dass beide Länder sich in ihrer Freundschaft mit Rom begegneten, haben mehrfach Einfluss auf seine Politik gehabt. So war die erste Handlung des neuen Königs, dass er seinen Schwager Ariarathes V. von Kappadokien, der mit Demetrios I. von Syrien verfeindet, durch dessen Schützling Orophernes aus dem Lande vertrieben war, wieder in sein Reich zurückführen half (Polyb. XXXII 22, 8; vgl. III 5, 3 mit Schweighäusers Conjectur). In welcher Weise dies geschah, wird nicht überliefert. Nach Diod. XXXI 32 b gewährte A. dem Ariarathes in Pergamon Zuflucht, als dieser auf seiner Rückreise aus Rom (157) von den Gesandten des Orophernes bei Korinth attakiert war. Nach Zonar. IX 24 scheint es, dass A. schliesslich mit den Waffen in Kappadokien intervenierte. Bald nach seinem Regierungsantritt hatte A. auch mit den pisidischen Selgensern Krieg geführt, mit denen auch schon Eumenes gekämpft hatte (Trog. Prol. 34). Genaueres ist darüber nicht bekannt. Bedeutender war sein Kampf gegen Prusias II. von Bithynien. Was die alte Feindschaft damals wieder entbrennen liess, ist nicht überliefert (vgl. App. Mithr. 3: Προυσίας – Ἀττάλῳ τι χαλεπήνας). Nach dem ersten Angriff des Prusias (ca. 156/5) schickte A. den Andronikos nach Rom, um Klage zu führen und um Schutz zu suchen gegen den Nachbarn. Nach einigem Zögern entsandte der Senat den L. Apuleius und C. Petronius zur Information (Polyb. XXXII 28). Wenn die pergamenische Inschrift nr. 224 sich überhaupt auf diesen Andronikos bezieht, wie wahrscheinlich ist, so kann sie [2173] sich nur auf diese seine erste Gesandtschaft, nicht auf seine zweite beziehen (wie Fränkel a. O. will), denn der Verfasser kennt nur eine Gesandtschaft; vgl. auch Z. 21: ἀμύνασθαι. Inzwischen hatte Prusias dem A. eine Niederlage beigebracht (Polyb. XXXII 27, 1: Προυσίας μετὰ τὸ νικῆσαι τὸν Ἄτταλον). Er rückte bis Pergamon vor, verwüstete die Umgegend, im besonderen das Nikephorion und den Asklepiostempel, die ausserhalb der eigentlichen Stadt lagen, zog dann über Elaia, wo er abgewiesen wurde, nach Thyateira und kehrte, nachdem er noch verschiedentliche Tempel geplündert hatte, in sein Land zurück (Polyb. XXXII 27. Diod. XXXI 35. App. Mithr. 3: τὴν γῆν ἐδῄου τὴν Ἀσιάδα). A. schickte nun seinen Bruder Athenaios nach Rom, der zusammen mit P. Lentulus die Reise antrat. Im Winter 155/4 wurde er vor dem Senat vorgelassen (Polyb. XXXII 28, 1. XXXIII 1). Die Folge war die Entsendung einer neuen Gesandtschaft (C. Claudius Cento, L. Hortensius, C. Aurunculeius) mit dem gemessenen Befehl an Prusias, den Krieg einzustellen (Polyb. XXXIII 1). Als die Gesandten dem Prusias den Befehl des Senates überbrachten, mit dem Hinweis darauf, dass A. ein Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes sei, überlistete Prusias die Gesandten wie den A., rückte unvermutet ins pergamenische Gebiet vor, verwüstete wiederum die Umgegend der Stadt und belagerte A. sowie die Gesandten auf der Burg (Polyb. XXXIII 9). Irrtümlich verlegt Appian a. O. hierhin die Zerstörung des Nikephorion, die nach Polybios in die frühere Expedition gehört, s. o. (dem Appian folgt M. H. E. Meier a. O. und diesem Fränkel Inschr. v. Perg. S. 131). Als die Gesandten, nach Rom zurückgekehrt, Bericht erstatteten, sandte der Senat, über diesen Völkerrechtsbruch entrüstet, eine Commission von zehn Männern aus, die den Prusias zwingen sollten, den Krieg zu beenden und dem A. Schadenersatz zu leisten. Inzwischen hatte auch A. sich von der Belagerung befreit und rüstete (,noch‘ im Winter 154/3, also Anfang 153) ein grosses Heer gegen Prusias, wobei er von Ariarathes von Kappadokien und Mithridates von Pontos unterstützt wurde (Polyb. XXXIII 12, 1; Appians Worte a. O.: ἐπολιόρκει, μέχρι – ἔπεμπον sind also wieder ungenau). Als dann die zehn Commissare ankamen, fanden sie bei Prusias Widerstand. Wiewohl er nachträglich Reue zeigte, warben sie in Asien aller Orten für ein Bündnis mit A. und für den Abfall von Prusias. Ersterem aber befahlen sie, sich auf die Defensive zu beschränken (Polyb. XXX 12). Die Bemühungen der Gesandten wurden von Athenaios an der Spitze der Flotte unterstützt, indem er in den Hellespont fuhr und die Prusias zugehörigen Ortschaften verwüstete (Polyb. XXXIII 13). Als der Senat von dem Ungehorsam des Prusias hörte, schickte er nochmals eine Gesandtschaft (Appius Claudius, L. Oppius, A. Postumius), der nun endlich die Beilegung der Feindseligkeiten auf den status quo ante gelang: Prusias gab an A. 20 Kriegsschiffe und übernahm die Zahlung von 500 Talenten an denselben binnen 20 Jahren. Ausserdem musste er auch den Bundesgenossen des A. Entschädigung zahlen. Darauf zog jeder seine Streitmächte zurück (Polyb. XXXIII 13. App. a. O.). Die hier gegebene Anordnung des [2174] bithynischen Krieges, die von M. H. E. Meier und Fränkel abweicht, geht davon aus, dass Appians Bericht unvollständig und oberflächlich ist. Der bithynische Krieg war von Trogus in seinem 34. Buch behandelt. – A. war noch nicht lange von seinem Nachbar befreit, als er sich in die inneren Angelegenheiten des syrischen Reiches zu mischen begann, und zwar war es wieder seine Freundschaft mit dem inzwischen von Demetrios I. bedrängten Ariarathes, die ihn in der Hauptsache dazu veranlasste. Im Einvernehmen mit diesem und Philometor von Ägypten stellte er dem verhassten Demetrios einen Praetendenten in Gestalt jenes Balas entgegen, der dann, von den genannten Königen weiter unterstützt, wirklich den syrischen Thron gewann und als Alexandros I. genannt Balas regiert hat (s. o. Bd. I S. 1437). Seine Landung in Syrien erfolgte noch im J. 153. Der Anteil, den A. an diesen Dingen nahm, war ein hervorragender. Er war es, der dem Balas zuerst in Pergamon das Diadem aufsetzte (Diod. XXXI 32 a). Desselben Kunstgriffes, sich des Feindes durch Aufstellung und Begünstigung eines Praetendenten zu erwehren, bediente sich A. auch wenige Jahre darauf dem Prusias gegenüber. Nachdem Nikomedes, der Sohn des letzteren, der mit seinem Vater in Zwist lebte, von Menas, dem Gesandten seines Vaters, und Andronikos (s. d. Nr. 16), dem Gesandten des A., aufgestachelt war, gegen seinen Vater, der durch unmenschliche Grausamkeit in seinem Volke verhasst war, als Praetendent aufzutreten, wurde er von A. in Pergamon aufs freundlichste empfangen. Nachdem A. bei Prusias Forderungen für den Nikomedes erhoben hatte, rückte er sofort in Bithynien ein. Diesmal war sein Vormarsch, da die Bithynier dem jungen Nikomedes anhingen, so erfolgreich, dass Prusias, lediglich von dem ihm verschwägerten thrakischen Fürsten Diegylis unterstützt, von seinem Volk aber verlassen, sich in die Burg von Nikaia warf. Nach einem vergeblichen Einschreiten Roms, das an der Entrüstung der Bithynier scheiterte, zog sich Prusias nach Nikomedeia zurück, wo er durch Verrat seinen Untergang fand (149 v. Chr., Polyb. XXXVII 6. Liv. per. 50. Strab. XIII 624. App. Mithr. 4–7. Iust. XXXIV 4. Zos. II 35ff.). Auf dem Siegesdenkmal, das A. in Pergamon zur Erinnerung an die glückliche Beendigung dieses Krieges errichtete, nennt er den Prusias παραβάντα τὰς διὰ Ῥωμαίωγ γε[νομένας συνθήκας] (Inschr. v. Perg. nr. 225). Soweit wir wissen, hat Prusias die früheren Verträge vom J. 153, denn die werden hier gemeint sein, nicht verletzt. Dass er versucht hatte, sich in Rom vom Senat die Befreiung von den ihm auferlegten Strafgeldern zu erwirken, war keine παράβασις. Dagegen scheint A., im stillen Einvernehmen mit Rom, in diesem Kampfe der Angreifer gewesen zu sein. Die offizielle Version auf dem Siegesdenkmal soll wohl nur den wahren Hergang verdecken (anders Fränkel a. O.). Die Inschrift lehrt andererseits, dass A., der damals über 70 Jahre alt war, sich persönlich an dem Feldzug beteiligt hat. Wohl eine Consequenz dieses Krieges war der Zusammenstoss des A. mit dem Thraker Diegylis, der dem Prusias Hülfe geleistet hatte. Genaueres über den Anlass und Fortgang des Krieges ist nicht [2175] bekannt. Vorauf ging u. a. die Verwüstung der A. gehörigen Stadt Lysimacheia durch Diegylis (Diod. XXXIII 14). Wann der Feldzug nach Thrakien unternommen wurde, ist nicht bekannt. Nach Trog. Prol. 36 scheint er in seine letzten Jahre zu fallen. Dass er mit der Besiegung des Diegylis endete, melden Trog. a. O. und Strab. XIII 624. Endlich wird aus dem thatenreichen Leben des A. noch berichtet, dass er den Römern bei ihrem Kampf gegen den Pseudo-Philippos (vgl. o. Andriskos Nr. 4) Zuzug geleistet hat (Strab. a. O.). Genaueres ist darüber nicht bekannt. In seine letzten Jahre fällt der Besuch des P. Scipio (vgl. Lukian. makrob. 12; dazu F. Marx Rh. Mus. XXXIX 68ff.). In welche Zeit sein Verkehr mit dem Priester von Pessinus fällt, ist ungewiss (vgl. S.-Ber. Akad. Münch. 1860, 184ff. Mommsen R. G. II⁶ 52 Anm.). A. starb im J. 138, im Alter von 82 Jahren, nach einer 21jährigen Regierung (Strab. a. O. Lukian. makrob. 12; vgl. Plut. an seni sit ger. resp. 16). Auch A. war wie alle Attaliden ein Förderer und Beschützer der Wissenschaften und Künste. Apollodor hat ihm seine Chronik gewidmet. Das einzelne vgl. bei Susemihl Gr. Lit. Alexandr. I 5. 406. 736. 872. II 4. 657. Zu seinen Kunstneigungen vgl. Fränkel Gemäldesammlungen und Gemäldeforschung in Pergamon (Arch. Jahrb. VI 1891, 49ff.). Ausserdem Fränkel Inschr. v. Perg. nr. 65ff. Über seine Bauten etc. Fabricius und Trendelenburg, Pergamon in Baumeister Denkm. kl. Altert. II 1206ff.