RE:Chytra

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 249–250
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Chytra (χύτρα [κύθρα] ἡ, χυτρίς ἡ, χυτρός ὁ) thrakisches Synonym für χύτρα ist ζετραία (Poll. X 95), irdener Topf (Herodot. V 88. Poll. VII 163). Ein χύτρος ἀργυροῦς war nach Polemon bei Athen. XI 480 a. im alten Tempel der Hera zu Olympia zu sehen.

Da die χύτραι besonders zum Kochen dienten (Poll. X 95), waren sie unbemalt, wahrscheinlich, weil das Gefäß vom Ruß geschwärzt wurde. Daher das Sprichwort χύτραν ποικίλλειν, wenn jemand etwas Überflüssiges tut (Suid. s. ὅνου πόκαι. Schol. Aristoph. Vesp. 279).

Über die Form der χ. wird unmittelbar nichts überliefert. Doch lassen die Gleichsetzungen mit der λοπάς, einem pfannenartigen Gefäß (Hesych. s. λοπάς), und andrerseits mit dem γαυλός, dem Eimer (Hesych. s. γαυλoi), erkennen, daß die χύτραι mehr oder weniger tiefe Töpfe mit weiter Öffnung waren. Auf eine ziemlich beträchtliche Größe kann man auch daraus schließen, daß Aristoph. Thesmoph. 505ff. ein neugeborenes Kind in eine χ. gelegt wird, und daß oft Kinder in diesen Gefäßen ausgesetzt wurden, so daß das Verbum ἐγχυτρίζειν schließlich die Bedeutung ἀποκτείνειν erhielt (Hesych. s. ἐγχυτριεῖς; s. ἐγχυτρίζειν). Für die Bestimmung der Form ist wohl auch eine übertragene Bedeutung des Wortes χ. heranzuziehen: ‚φιλήματος εἶδος‘ Suid. s. χύτρον. Eunikos bei Poll. X 100: λαβοῦσα τῶν ὤτων φίλησον τὴν χύτραν, ein Vers, dessen Pointe in dem Vergleich der ὦτα der Menschen und der Topfhenkel liegen muß.

Auf die Verwendung der χ. zum Kochen der Mahlzeiten, bei denen man gesellig zusammen kam, bezieht sich der Ausdruck ζεῖ χ., ζῆ φιλία [250] (dazu die Erklärung von Suid. s. ζεῖ χ.). Beim Symposion spielt ferner eine besondere Art von Töpfen eine Rolle, die χυτρίδες Ῥοδιακαί, in denen bestimmte Kräuter mit Wasser gekocht wurden, die, dem Weine zugesetzt, seine berauschende Wirkung mildern sollten (Athen. XI 464 c).

Als Kochtopf wird die χ. ebenfalls bei sakralen Handlungen benutzt, bei der Weihung neugegründeter Städte, Tempel, Götterbilder. Sie wurde dann mit den Erstlingen von Hülsenfrüchten, Mehl u. a. gefüllt herumgetragen (Suid. s. θαργήλια. Aristoph. Av. 43 u. Schol.; Plut. 1197 u. Schol.; Pax 923 u. Schol.). Zum Gebrauch des χύτρος bei den Zeremonien der Anthesterien s. o. Bd. I S. 2374 Art. Anthesteria.

In Athen stellte man Töpfe auf den Dächern auf, um die Eulen fernzuhalten (Suid. s. χύτραν τρέφειν). Auf diese Sitte spielt Arist. Av. 357ff. 20 an. Sprichwörtlich ist die vulgäre Redensart λημᾶν χύτραις, die ebenso wie λημᾶν κολοκύνταις gesagt wird ἐπὶ τῶν λίαν παρυρώντων ἢ ἀμβλυωττόντων (Phot. s. λημᾶν χύτραις).