RE:Cohors

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 231356
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Cohors. [1]

Militärisch. a) C. als Unterabteilung der Legion, s. Legio.

b) Cohors sociorum der republicanischen Zeit, s. Socii.

c) C. als Truppenabteilung der Garde, s. Praetoriae cohortes, Urbanae cohortes, Vigiles.

d) C. als selbständige taktische Formation, der Truppenkörper der regulären Auxiliarinfanterie im römischen Kaiserheere (griechisch σπεῖρα oder χῶρος), im Gegensatz zu den Cohorten der Legion eine in sich geschlossene Einheit. Ebenso wie die alae, die Cavallerie der Auxilien, sind die Cohorten teils den einzelnen Legionen als Hülfstruppen attachiert, deren jeder ca. 5–7 beigegeben sind, teils bilden sie, vor allem in den procuratorischen Provinzen, zusammen mit den alae die ausschliessliche Besatzung.

Die Gesamtzahl der Auxiliarcohorten ist nicht bekannt und lässt sich nicht einmal auch nur annähernd genau vermuten. Wir kennen, und zwar überwiegend durch Inschriften, vor allem die Militärdiplome, – von Schriftstellern wird nur ganz vereinzelt einmal eine Cohorte erwähnt – noch etwa 450 solche Cohorten, zu denen noch gegen 100 weitere hinzutreten, die, wenn auch nicht direct bezeugt, doch mit Sicherheit daraus zu erschliessen sind, dass gleichnamige Abteilungen mit höherer Regimentsnummer vorkommen. Wir können also z. B., weil die coh. II Cantabrorum bekannt ist, auch die Existenz einer coh. I Cantabrorum als bestimmt annehmen, obgleich diese Truppe nirgends erwähnt wird. Da [232] fast alljährlich neue Namen zu den bekannten dazukommen und wir die Besatzungstruppen einer ganzen Reihe von Provinzen noch sehr wenig kennen, darf mit Bestimmtheit ausgesprochen werden, dass die Gesamtzahl der Auxiliarcohorten, die es in dem für uns in Betracht kommenden Zeitraum, von Augustus bis Diocletian, gegeben hat, eine noch sehr viel grössere als die obige gewesen ist und wohl zwischen 600 und 700 betragen haben wird. Allerdings haben diese Abteilungen nicht alle gleichzeitig nebeneinander bestanden, da viele von ihnen erst von den späteren Kaisern, zumal den Flaviern, sowie Traian und Hadrian, errichtet worden sind, während manche andere schon vorher zu bestehen aufgehört hatten, sei es, dass sie vom Feinde vernichtet, sei es, dass sie, wie z. B. zahlreiche Abteilungen des niedergermanischen Heeres durch Vespasian, von der kaiserlichen Regierung selbst aufgelöst worden waren.

Die Bezifferung der Cohorten ist ebensowenig wie die der Legionen oder der Alen eine durchgehende gewesen, nicht einmal bei den nach ein und demselben Volksstamm benannten Abteilungen war dies der Fall. Fortlaufend gezählt werden, abgesehen von besonderen Kategorien, wie z. B. den cohortes Voluntariorum, immer nur diejenigen Cohorten, die zu ein und demselben Zeitpunkt aus einem bestimmten Volke formiert worden waren, Bei jeder Neuerrichtung weiterer Cohorten aus dem betreffenden Stamme beginnt aber die Zählung wieder mit I, und so kommt es, dass eine ganze Anzahl von Abteilungen mit genau demselben Namen und derselben Nummer nebeneinander, oft sogar in ein und derselben Provinz bestanden haben. So hat es z. B. je drei cohortes II und IIII Gallorum und gar je sieben verschiedene cohortes I Hispanorum und I Ihracum, gegeben. Naturgemäss ist dies am häufigsten bei Truppenkörpern mit der Nummer I der Fall.

Die Benennung der Cohorten ist im wesentlichen der der alae gleichartig und nicht weniger bunt als diese.

1. Die grosse Mehrzahl der Abteilungen ist auch hier nach den Volksstämmen benannt, aus denen sie ursprünglich gebildet waren und aus denen sie sich zunächst auch noch rekrutiert hatten. Als solche Völkernamen begegnen uns die von cohortes Afrorum, Alpinorum, Antiochensium, Apamenorum, Aquitanorum, Ascalonitanorum, Asturum, Ausetanorum, Bactasiorum, [Baeticae], Batavorum, Belgarum, Bessorum, Biturigum, Bosporanorum, Bracaraugustanorum, Breucorum, Britannicae, Brittonum, Callaecorum, Canathenorum, Canninefatium, Cantabrorum. Carietum. Celtiberorum, Chalcidenorum, Cilicum, Cirtensium, Cisipadensium. Coll(?). Commagenorum, Cornoviorum. Corsorum, Cretum, Cugernorum, [Cypriae], [Cyrenaicae], Dacorum, Damascenorum, Dardanorum, Delmatarum, Dongonum, Frisiavonum, Gaetulorum, Galatarum, Gallorum, Germanorum, Hamiorum, Helvetiorum, Hemesenorum. Hispanorum, Ituraeorum, Latabiensium, Ligurum, Lingonum, Lucensium, Lusitanorum, [Macedonicae], Mattiacorum, Maurorum, Menapiorum, Montanorum, Morinorum, Musulamiorum, Nemetum, Nerviorum, [233] Noricorum, Numidarum, Nurritanorum, Pannoniorum, Paphlagonum, Petraeorum, Raetorum, Rauracorum, Sardorum, Sebastenorum, Sequanorum, Silauniensium (?), Sugambrorum, Sunucorum, Syrorum, Thebaeorum, Thracum, Treverorum, Trumplinorum, Tungrorum, Tyriorum, Ubiorum, Usiporum, Vangionum, Varcianorum, Vardullorum, Vasconum, Veniaesum, Vindelicorum. Einzelne der betreffenden Cohorten sind nach zwei verschiedenen Stämmen benannt, hatten also anfänglich Leute aus zwei verschiedenen Völkern umfasst. Es sind dies die cohortes Asturum et Callaecorum, Aquitanorum Biturigum, Callaecorum Lucensium, Carietum et Veniaesum, Ligurum et Corsorum, Ligurum et Hispanorum, [Maurorum et Afrorum], Pannoniorum et Delmatarum, Baetorum et Vindelicorum, Sardorum et Corsorum, Sequanorum et Rauracorum. Wie ein Blick auf diese Reihe zeigt, handelt es sich dabei regelmässig um zwei nahe verwandte oder benachbarte Stämme.

Die im allgemeinen überwiegende Form ist bei den Stammesnamen die, dass der Name des betreffenden Stammes im Genitiv Pluralis gesetzt wird, doch findet er sich auch nicht selten als Adjectivform im Nominativ. So steht Alpina neben Alpinorum, Apamena, Hispana, Lucensis, Sugambra, Voluntaria u. a. neben Apamenorum, Hispanorum, Lucensium, Sugambrorum, Voluntariorum. Da diese verschiedenen Formen oft bei ein und derselben Cohorte gebraucht werden, bezeichnen sie nicht etwa jedesmal verschiedene Abteilungen, sondern sind, wie dies auch bei den alae (s. d.) vorkommt, nur eine bequemere, wohl vulgäre Umgestaltung der officiellen Namensform. Nicht anders ist es, wenn z. B. Arrian in der Ektaxis von einer cohors Italica bald als von der σπεῖρα Ἰταλική, bald als von οἱ Ἰταλοί spricht. Unter dieser ersten Namensclasse sind auch die ursprünglich aus römischen Bürgern formierten cohortes Civium Romanorum, Ingenuorum, Italicae und die cohortes Voluntariorum einzureihen.

2. Nicht zu verwechseln mit den unter 1. besprochenen Stammesnamen sind einige nur als Zusatz zu einem anderen Hauptnamen tretende geographische Beinamen wie Dacica, Germanica, Macedonica, Malvensis, Syriaca. Diese sind jeweils von einer Provinz hergenommen, in der die betreffende Truppe lag oder früher lange gelegen hatte, und dienen meist zur Unterscheidung von einer anderen gleichnamigen Abteilung; innerhalb der Provinz, von der der Name hergeleitet ist, werden sie fast nie gebraucht. Bei mehreren Cohorten, so der Baetica, den Cypriae, Cyrenaicae und der I Macedonica ist nicht ohne weiteres zu entscheiden, welche der beiden Namensarten (ob 1. oder 2.) vorliegt.

3. Eine Benennung, die bei den Alen nicht selten ist, nämlich die nach irgend einem männlichen Eigennamen, vermutlich dem eines Officiers, der die Abteilung errichtet oder zuerst commandiert hatte, findet sich bei den Cohorten nur ganz vereinzelt, nämlich bei den coh. Apuleia, Flaviana und Lepidiana.

4. Sehr zahlreich sind Namen, die, nach dem eines Kaisers gebildet, teils als Beinamen zu dem eigentlichen Namen der Truppe treten, teils [234] als selbständige Hauptnamen geführt werden und die den gleichartigen bei den alae (s. d.) erscheinenden völlig entsprechen. Auch hier sind die älteren, vor allem Augusta und Claudia, als Auszeichnungen verliehen, während die jüngeren, Flavia, Nerviana, Ulpia, Aelia, Aurelia, Septimia, einfach die Errichtung der Abteilung durch den betreffenden Kaiser andeuten. Eine besondere Stellung nimmt der Ehrenbeiname Domitiana ein, den einige Cohorten des niedergermanischen Heeres als ausserordentliche Auszeichnung unter Domitian erhalten, aber nur bei dessen Lebzeiten geführt haben.

Ganz verschieden hiervon und nicht im mindesten individuell ist der Kaiserbeiname, den im 3. Jhdt. wie alle Truppenkörper des Reichsheeres, so auch die Cohorten nach dem jeweils regierenden Herrscher annehmen (z. B. Antoniniana, Severiana, Maximiniana, Gordiana, Philippiana, Valeriana u. a. m.) und der dann mit dem Regierungsantritt jedes neuen Kaisers wechselt.

5. Benennung nach besonderer Bewaffnung oder Ausrüstung findet sich bei den Cohorten sowohl als Haupt- wie als Beiname, jedoch nicht sehr häufig. Es sind hier anzuführen die Namen Gaesatorum, Sagittariorum, Scutata und vielleicht auch Expedita.

6. Von taktischen Verhältnissen der verschiedensten Art sind eine grosse Zahl von Cohortennamen oder Beinamen entlehnt. So heissen die Truppen nach ihrer Zusammensetzung equitatae oder peditatae, nach ihrer Stärke miliariae oder quingenariae, nach ihrem Alter veteranae, bezw. veteranorum, oder novae; nach der Entstehung geminae bezw. gemellae, falls sie durch Vereinigung zweier älterer Cohorten gebildet waren. Nach den besonderen Mannschaften, aus denen sie formiert waren, sind die cohortes Classicae, Singularium, Voluntariorum benannt. Auch Beinamen wie Praetoria und Campestris bezw. Campana oder Campanorum werden hierher gehören.

7. Eine ganze Reihe von Ehrenbeinamen, die aber immer nur als Zusatz zu dem Hauptnamen hinzutreten und die auf den Inschriften nicht selten weggelassen werden, sind einzelnen Abteilungen für hervorragende Tapferkeit oder bewiesene Treue erteilt worden. Am häufigsten findet sich der Beiname civium Romanorum (c. R.), der auf eine früher einmal erfolgte Verleihung des römischen Bürgerrechts an sämtliche Soldaten der betreffenden Cohorte hinweist, während der gleichartige civium Latinorum (c. L.) nur bei der einzigen coh. II Tungrorum begegnet, weiter pia fidelis (p. f.), der zumal bei niedergermanischen Abteilungen – von Domitian verliehen – vorkommt, ferner fida, pia constans (p. c.), victrix, velox, sowie endlich torquata der coh. I Breucorum, die sich auf Inschriften ausdrücklich als bis torquata ob virtutem appellata bezeichnet.

8. Mehrere Namen gestatten eine bestimmte Erklärung überhaupt nicht, so die der coh. Maritima, Naut., Pilatorum, Servia Iuvenalis, nova Tironum, doch handelt es sich hier um lauter Abteilungen, von denen es sehr zweifelhaft ist, ob sie überhaupt reguläre Auxiliarcohorten gewesen sind.

Stärke der Cohorten. Von den uns bekannten Cohorten ist der bei weitem grösste Teil, [235] beinahe dreiviertel aller, als cohortes quingenariae zu nominell 500 Mann formiert gewesen, welche Zahl aber factisch natürlich nicht immer genau einzuhalten war; so zählte die coh. I Augusta Lusitanorum (s. d.) im J. 156 n. Chr. 505 Leute. Der Rest sind cohortes miliariae zu nominell 1000 Mann, darunter die Mehrzahl der seit Beginn des 2. Jhdts. neu errichteten Abteilungen.

Die Zusammensetzung der Cohorten ist eine verschiedene. Die cohortes peditatae bestehen ausschliesslich aus Infanteristen, die equitatae dagegen sind combinierte Regimenter, die sowohl Fussgänger, als Reiter umfassten und somit als in sich geschlossene Detachements von beiden Waffengattungen eine besonders für selbständige kleinere Unternehmungen hervorragend brauchbare und schlagfertige Truppe darstellten. Wir können noch gegen 120 der uns bekannten Abteilungen als equitatae nachweisen, aber deren Zahl ist zweifellos noch sehr viel grösser gewesen. Nach Hygin de castr. mun. 27 zählte die cohors miliaria equitata 760 pedites und 240 Reiter, die cohors quingenaria equitata dagegen 380 pedites und 120 Reiter. Genauer sind wir über die Zusammensetzung einer solchen cohors quingenaria equitata jetzt durch die Stammrolle der oben erwähnten coh. I Augusta Lusitanorum, (BGU 696, vgl. Mommsen Ephem. epigr. VII p. 456f.) unterrichtet. Diese Truppe zählte im J. 156 n. Chr. ohne die Centurionen und Decurionen 363 pedites, 114 Reiter und 19 dromedarii. Die letzteren, die wir erst aus der genannten Stammrolle als Bestandteil einer Cohorte kennen gelernt haben, können selbstverständlich nur in Abteilungen vorhanden gewesen sein, die im Orient stationiert waren.

Die Einteilung der Cohorten ist, je nachdem sie peditatae oder equitatae waren, verschieden. Die ersteren zerfallen wie die Legionscohorten in Centurien, und zwar zählte nach Hygin c. 28 die cohors miliaria peditata deren 10, die quingenaria peditata dagegen 6. Bei den cohortes equitatae sind nur die Infanteristen in Centurien eingeteilt, während die Reiter, wie die Cavallerie überhaupt, in turmae formiert waren. Hygin giebt für die cohors miliaria equitata je 10 Centurien, für die quingenaria equitata je 6 an. Als Zahl der turmae, die bei ihm ausgefallen ist, vermutet Mommsen Ephem. epigr. V p. 31 je 8, v. Domaszewski in seiner Ausgabe des Hygin p. 50 je 10 für die miliariae und je die Hälfte für die quingenariae. Allein wenigstens die coh. I Augusta Lusitanorum equitata hat, wie die Zahl der Centurionen und Decurionen in ihrer Stammrolle beweist, zwar die 6 Centurien, die Hygin angiebt, dagegen nur 3 turmae gehabt, und danach würde für die cohors quingenaria equitata eine Zahl von 3, für die miliaria equitata also eine solche von 6 turmae anzunehmen sein.

Befehlshaber einer Cohorte ist entweder ein praefectus cohortis, griechisch ἔπαρχος (seltener πραιφέκτος) σπείρας, oder ein tribunus, griechisch χιλίαρχος oder τριβοῦνος, wofür aber auf den Inschriften auch nicht selten ungenau ἔπαρχος gebraucht wird. Was den Unterschied dieser beiden Chargen anlangt, so bleibt die seinerzeit von Grotefend Bonn. Jahrb. XXXII 61f. aufgestellte Regel im wesentlichen auch heute noch zu Recht bestehen. [236] Danach werden die cohortes quingenariae von Praefecten, die miliariae von Tribunen befehligt. Die sich findenden Ausnahmen sind nicht zahlreich; vielfach beruhen sie nur auf ungenauer Anwendung von ἔπαρχος und χιλίαρχος, zuweilen ist aber auch der Fall eingetreten, dass ein Praefect einer cohors quingenaria unter Belassung in diesem Commando den Titel tribunus erhielt, vgl. z. B. den militans tribunus in praefecto dono principis CIL 10 VII 759. Dass umgekehrt eine cohors miliaria von einem Praefecten commandiert wird, kommt ganz selten einmal vor; nur die cohortes I und II Tumgrorum miliariae nehmen eine Sonderstellung ein, insofern sie stets unter Praefecten stehen. Die Stellung als praefectus cohortis ist die unterste Stufe in der ritterlichen Officierscarriere, die als tribunus cohortis dagegen entspricht als gleichwertig der nächsthöheren, nämlich dem Legionstribunat und wird nicht selten an dessen Stelle bekleidet. Etwa von der Mitte des 3. Jhdts. an ist dann insofern eine Änderung eingetreten, als die Befehlshaber aller Cohorten, auch die der quingenariae, den Rang eines tribunus bekommen haben. Zuweilen finden wir als Befehlshaber von cohortes quingenariae ältere Legionscenturionen oder Decurionen abcommandiert, die dann aber meist nur den Titel praepositus führen. Der curator pro praefecto und der subpraefectus sind wohl stellvertretende Commandanten.

Die einzelnen Centurien unterstehen je einem centurio, die turmae je einem decurio. An sonstigen Chargen (vgl. die betreffenden Artikel bei Ruggiero Dizionario epigrafico, sowie die Zusammenstellung von Vaglieri ebd. II 335f.) begegnen signifer, imaginifer, vexillarius bezw. vexillarius equitum; bucinator, cornicen, tubicen, diese letzteren drei auch zusammengefasst als aeneatores (s. coh. I Sequanorum et Rauracorum); ferner optio, tesserarius, cornicularius, beneficiarius praefecti oder tribuni, princeps (s. coh. Thracum) oder princeps equitum (s. coh. Ligurum), duplicarius, actarius, librarius, mensor, magister (? s. coh. I mil. Hemesenorum) und quaestionarius ('? s. coh. I Belgarum). Schliesslich wird, wie jede ala, so auch jede Cohorte ihren Arzt gehabt haben: denn es kommen medici und medici ordinarii cohortis vor. Als singulares consulares und stratores consulares finden wir Soldaten der Cohorten zum Stab der Statthalter abcommandiert. Die Gemeinen werden, je nachdem sie Dienst zu Fuss oder zu Pferde thun, als milites (in den Diplomen auch als pedites) oder als equites cohortis bezeichnet. Dabei gilt die Stellung des eques als die bevorzugtere, und nach Tacitus hist. IV 19 haben 69 n. Chr. die revoltierenden batavischen Cohorten u. a. verlangt augeri equitum numerum. Eine Auszeichnung bedeutet natürlich für den Soldaten oder Unterofficier einer Cohorte die Versetzung in eine Legion, während umgekehrt, wie die mehrfach erwähnte Stammrolle der coh. I Augusta Lusitanorum beweist, Legionare oder Reiter einer ala strafweise in Auxiliarcohorten versetzt werden konnten.

Über Rekrutierung, Dienst, Bewaffnung der Cohorten s. Auxilia.

Litteratur. Eine Geschichte sämtlicher Auxiliarcohorten giebt es bis jetzt nicht. Die [237] Dissertation von E. Hassencamp De cohortibus Romanorum auxiliariis, Göttingen 1869, behandelt nur die Cohorten von Afrorum bis mit Lusitanorum und die sie fortsetzende gleichbetitelte Dissertation von O. Schünemann, Halle 1883, reicht nur bis zu den cohortes Tyriorum; beide Arbeiten sind zudem längst veraltet. Ein Verzeichnis der Cohortennamen geben Mommsen Ephem. epigr. V p. 164ff. und Vaglieri bei Ruggiero Dizionario epigrafico II 325ff.; für die mit den Buchstaben A – C beginnenden Cohorten sind die inschriftlichen Zeugnisse bei Ruggiero unter den betreffenden Stichworten zusammengestellt. Für die cohortes Thracum haben wir eine Specialuntersuchung von E. Keil De Thracum auxiliis, Berlin 1885. Die nachstehende Übersicht über die römischen Auxiliarcohorten bis auf Diocletian beruht auf dem epigraphischen Material, in dem Umfange wie es zu Beginn des J. 1898 vorliegt. Sie muss sich selbstverständlich darauf beschränken, die Geschichte der einzelnen Abteilungen zu geben, während für die Erklärung der Namen, zumal der von Volksstämmen hergeleiteten, auf die betreffenden Artikel zu verweisen ist.

cohors Aelia: vgl. coh. I Brittonum, I Classica, I Dacorum, Expedita, (I) Gaesatorum, [I Gallorum], I Hispanorum, I Sagittariorum, I Singularium.

cohors I Afrorum c. R. equitata wird nur ein einzigesmal, im Cursus honorum des L. Praesentius Paetus CIL IX 5841, genannt. Denkbar wäre es, dass sie identisch ist mit der

cohors Afrorum in Dacia⟨m⟩, von der ein Praefect in dem stadtrömischen Cursus honorum CIL VI 3529 erscheint.

cohors I Ulpia Afrorum equitata. Ausdrücklich bezeugt ist sie zwar nur durch den griechischen Cursus honorum aus Nicaea, Bull. d. Inst. 1848, 74, wonach sie equitata gewesen ist und in Alexandria in Garnison gelegen hat. Allein ihr Name darf jetzt wohl auch noch in einer Papyrusurkunde aus dem Faijûm BGU 241 vom J. 177 n. Chr. ergänzt werden, dem Schreiben eines προτομαφόρου (d. i. imaginiferi) σπείρης . . . ς Ἀφρῶν. Die von den Herausgebern gebotene Erklärung ⟨δευτέρα⟩ς ist, da eine cohors II Ulpia Afrorum überhaupt nicht bekannt ist, durchaus unbegründet. Es ist vielmehr, da ja die I Ulpia Afrorum gerade in Unterägypten bezeugt ist, ⟨πρώτη⟩ς zu lesen.

[cohors II Ulpia Afrorum]. Über diese vermeintliche Cohorte s. coh. I Ulpia Afrorum und coh. II Ulpia equitata.

cohors [III] Flavia Afrorum erschliesst Mommsen zu CIL V 6584 vgl. add. p. 1087 aus einer Inschrift von Novaria, auf der er miss. cen[t. coh.] III • Fl. Afr. liest. Allein wenigstens die Ziffer dürfte dabei nicht unbedingt sicher sein, da die beiden ersten Hasten auch zu H von COH gehören können und also auch I oder II Fl. Afr. dagestanden haben kann.

cohors Afrorum: vgl. auch coh. Maurorum et Afrorum.

cohors I Alpinorum. Hier ist die Schwierigkeit deshalb gross, weil lange Zeit hindurch zwei coh. I Alpinorum in ein und derselben Provinz, anscheinend sogar an zwei ganz nahe bei einander liegenden Orten gestanden haben; sie werden officiell durch die Beinamen peditata und equitata [238] unterschieden. Die eine von ihnen ist bereits in Diplom II unter dem J. 60 in Illyricum, d. h. in Pannonien, aufgeführt. Dann kehren in einer Reihe von pannonischen Diplomen regelmässig beide Cohorten nebeneinander wieder, so in Diplom XIII (80 n. Chr.), XVI (84 n. Chr.), XVII (85 n. Chr.) in der noch ungeteilten Provinz, und in Diplom XXXIX (114 n. Chr.) in Pannonia inferior. Auch das unvollständig erhaltene Diplom LVIII (zwischen 138 und 146) hatte neben der Z. 2 genannten coh. I Alpinorum vielleicht noch den Namen der anderen geboten. Erst in der späteren Zeit lassen sich dann die beiden Cohorten scheiden:

     a) cohors I Alpinorum peditata steht mit diesem Zusatz in den Diplomen LXXIV vom J. 167 und XC (zwischen 216 und 247?), beidemal wieder in Pannonia inferior, verzeichnet. Dazu stimmt die unterpannonische Inschrift III 3318 aus Bölcske bei Lussonium, die im J. 163 von der coh. I Alpinor. ped. zu Ehren des Kaisers Marcus errichtet ist.

     b) cohors I Alpinorum equitata erscheint mit diesem Beinamen in Diplomen zwar nur in dem einem ihrer Reiter, einem geborenen Eravisker, erteilten LXVIII (zwischen 145 bezw. 154 und 160) von Pannonia inferior, ist dafür aber durch eine grössere Anzahl von Inschriften aus der Provinz bezeugt. Noch dem ersten Jahrhundert gehört der bekannte Stein des T. Calidius CIL III 11213 an, der zuerst als eques und decurio in einer coh. I Alpin. (also der equitata) gedient hatte. Im 2. Jhdt. muss die Donaufestung Lussonium Standlager der Truppe gewesen sein, wo zwei Inschriften sie ausdrücklich nennen, die eine CIL III 3316/17, die Weihung eines Centurionen, die andere, ebd. 3315, eine officielle Inschrift der Cohorte und ihres Praefecten aus einem Jahre duobus Augg. dd. nn. cos., also wohl 161 oder eher 202. Vielleicht ist auch die Weihung eines praef. CIL III 10297’ des Fundorts Lussonium wegen der Cohorte zuzuweisen. Sonst haben wir noch aus Stuhlweissenburg in Pannonia inferior den von einem eq. buc. der Cohorte einem optio derselben Truppe gesetzten Grabstein, CIL III 3352. Bei der Dedicationsinschrift eines [praef. co]h. I A[l]p. aus Bélye bei Mursa zu Ehren des Septimius Severus und seiner Söhne, CIL III 10269, ist dagegen nicht zu entscheiden, welche der beiden pannonischen Cohorten gemeint ist, und bei anderen gleichfalls niederpannonischen Steinen, z. B. dem späten aus Környe, CIL III 10967 = 4284, ferner ebd. 3406 und 3552 ist es überhaupt ungewiss, ob sie sich auf eine coh. Alpinorum beziehen. Dagegen möchte ich in dem dalmatischen Cursus honorum (ebd. 8762) eines Soldaten, der zuerst als eques coh. I.. lp. gedient hatte, unsere Cohorte wiedererkennen und I [A]lp., nicht wie Hirschfeld I [U]lp., ergänzen.

cohors I Alpinorum equitata (so ausdrücklich CIL III 1183 genannt) stand im östlichen Dacien und zwar im Castell von Sóvárod, wo Ziegel von ihr (CIL III 1633, 23 und Suppl. 8074, 8, vgl. Arch.-epigr. Mitt. III 116) gefunden sind und wo auf der verstümmelten Inschrift CIL III 6256 aus dem ersten Drittel des 3. Jhdts. mit der [co]hor .. [A]n[tonini]ana wohl nur sie gemeint sein kann. Andere Ziegel sind in dem benachbarten [239] Castell von Mikháza zu Tage getreten. Auf der Weihinschrift dacischer Auxilien von Veczel, CIL III 1343, erscheint die Cohorte an dritter Stelle. Sonst haben wir nur noch den Grabstein eines ihrer Veteranen aus Apulum, ebd. 1183. Dass sie mit der gleichnamigen pannonischen identisch ist, ist nicht ausgeschlossen, aber nicht gerade wahrscheinlich.

cohors I Alpinorum. Von den pannonischen Cohorten gleichen Namens muss ferner verschieden sein die coh. I Alpinorum, die in Diplom XXXII unter dem J. 103 als Teil des britannischen Heeres erscheint. Jene sind nämlich beide sowohl 85 als 114 in Pannonien nachzuweisen, und an eine zeitweilige Abcommandierung von der Donau nach Britannien, die an sich schon wenig wahrscheinlich wäre, ist gerade während der dacischen Kriege nicht zu denken. Welche coh. I Alpinorum der im Cursus honorum CIL XI 4748 genannte Praefect commandiert hat, lässt sich nicht entscheiden.

cohors I Alpinorum miliaria. Eine solche würde neben den übrigen coh. I Alpinorum, die, von Praefecten befehligt, sicher quingenariae waren, anzunehmen sein, wenn in der Inschrift CIL XIII 922 = Mém. des antiq. II p. 379 aus Aquitanien, dem Grabstein eines miles ex cohor. ∼ Alpinor. I das Zeichen vor Alpinor. als miliaria aufzulösen ist. Vgl. übrigens auch CIL III 10967 = 4284.

cohors II Alpinorum equitata (CIL III 3646. 3647) hat, soviel wir sehen können, den grössten Teil der Kaiserzeit in Pannonien gelegen. In der noch ungeteilten Provinz verzeichnen sie die Diplome II (Illyricum) und XVI für die J. 60 und 84, dann in der oberen Provinz die Diplome XLVII, LX, LXI und LXV für die J. 133, 148, 149 und 154. Die früheste Inschrift von ihr ist der Soldatengrabstein CIL III 3261 aus Cserevich in Pannonia inferior, wo sie vielleicht im 1. Jhdt. gestanden hat; da der Mann geborener Dalmater ist, könnte die Cohorte vorher ebenso wie die coh. III Alpinorum in Dalmatien stationiert gewesen sein. In Pannonia superior scheint ihre Garnison dann Cirpi am Donauknie gewesen zu sein, da wir von dort die officielle Weihung der Cohorte und ihres Praefecten CIL III 3646 und die Inschrift eines eq(ues) tub(icen) von ihr ebd. 3647 = 10589 haben. Einen Soldaten von ihr nennt ein Familiengrabstein aus Acsa bei Stuhlweissenburg, ebd. 10349 = 6454, und in derselben Gegend ist bei Eskö das einem ihrer Veteranen erteilte Diplom LXV gefunden worden. Auf dem italischen Steine CIL XIV 3903, wo ein (praef. coh.) II Alpinor. erscheint, ist es, da der Bruch gerade durch die Zahl geht, ungewiss, ob die coh. II oder III Alpinor. gemeint ist. Dass auch in dem kaiserlichen Rescript vom 1. Nov. 197 (Cod. Iust. II 50, 1), das einen centurio cohortis XII Alpinorum betrifft, die II Alpin. gemeint und diese somit für jenes Jahr in Pannonia superior bezeugt ist, hat Ritterling Arch.-epigr. Mitt. XX 34f. gezeigt.

cohors III Alpinorum {equitata vgl. CIL III 2012. 2058. 2759. 8495. 8739. 13906) hat lange Zeit zur Besatzung von Dalmatien gehört, unter der sie Diplom XXIII im J. 93 verzeichnet, wo sie aber vielleicht durch die Inschrift eines Praefecten aus Bovianum CIL IX 2564 schon für die Mitte des [240] 1. Jhdts. erwiesen wird. Die beträchtliche Zahl ihrer Inschriften aus Dalmatien verteilt sich auf nicht weniger als neun verschiedene Fundorte, so dass es schwer ist, über ihre Dislocation innerhalb der Provinz ein sicheres Urteil zu gewinnen. Die meisten stammen aus der Hauptstadt Salonae, wo ausser dem erwähnten für einen Soldaten der Cohorte, einen geborenen Daverser, ausgestellten Diplom Grabsteine eines dec. equit. CIL III 8739 (hier als III Alpina bezeichnet), eines vexil. equi. ebd. 2012, eines eques ebd. 2058, eines eq. ex sing. ebd. 13906 (= 8725 + 8755), eines mil. Arch.-epigr. Mitt. XVI 148 und eines Veteranen, CIL III 2003, gefunden sind und wo die Truppe demnach gewiss zeitweilig gelegen hat. Vereinzelte Funde sind gemacht im Norden der Provinz zu Andetrium (Grabstein eines centurio CIL III 2746), Verlicca (Grabstein eines mil. coh. II[I] Alpinor. ebd. 2748), im nahen Kadina (Weihung eines dec. eq. ebd. 2759) und zu Burnum (Grabstein eines Soldaten ebd. 9907 = 14321⁵ von Hirschfeld mit Sicherheit auf die Truppe bezogen). Aus dem Süden haben wir zwei frühe Grabsteine, den eines tubicen aus Kutac, ebd. 6366 = 8491, und den eines eques, ebd. 8495 vgl. p. 2322, aus dem nahen Humac; die Cohorte wird also im 1. Jhdt. wohl in jener Gegend gelegen haben. Auch der Stein von Narona ebd. 1810, auf dem ein Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg cohortis III genannt wird, bezieht sich, wie Mommsen erkannt hat, auf die coh. III Alp.; bei 9886 aus Scardona scheint mir dies dagegen sehr unsicher. Einen praef. nennt in üblicher Weise das Diplom XXIII. In späterer Zeit muss die Cohorte von Dalmatien nach Pannonien verlegt worden sein, wo sie die Not. dign. Occ. XXXII 57 zu Siscia verzeichnet und wo mehrere Inschriften von ihr gefunden sind. Da sie aber in all den pannonischen Diplomen des 2. Jhdts. noch fehlt und auch der eine dalmatische Stein CIL III 2748 frühestens erst Ende dieses Jhdts. gesetzt ist, kann die Verlegung erst im 3. Jhdt. erfolgt sein. Die ursprüngliche pannonische Garnison der Cohorte lässt sich mit Sicherheit nicht feststellen; Ziegel von ihr sind nämlich nicht nur an mehreren Orten von Pannonia inferior (Ban und Bellye ebd. 3759), sondern auch in der oberen Provinz in der Gegend von Arrabona (zu Baratföld und Assonyfa ebd. 4665) zu Tage getreten, und ebenso haben wir je eine Inschrift von ihr aus Niederpannonien (Baracska: Grabstein eines m. cho.t[ert.] Alpinoru ebd. 10371) und aus Oberpannonien (ebd. 4374), auf der des Fundorts Arrabona wegen in der coh. ..] Alp. equ. wohl die III erblickt werden muss. Bezüglich des Steines aus der Nähe von Tibur CIL XIV 3903 s. coh. II Alp.

cohors III Alpinorum. Neben der vorigen führt die Not. dign. Or. XXXVII 35 noch eine andere coh. III Alpinorum unter der Besatzung von Arabien apud Arnona auf, die also von jener verschieden war und vermutlich stets im Orient gelegen hatte.

cohors III Alpinorum Dardanorum ist gleichfalls nur aus der Notitia dignitatum bekannt, die sie Occ. XXXII 53 in Pannonia secunda verzeichnet, aber nach ihrem Namen zu schliessen eine alte Truppe. Von den beiden anderen in der Notitia dignitatum genannten cohortes III Alpinorum ist sie sicher verschieden.

[241] cohortes Alpinae oder Alpinorum werden mehrfach ohne Ziffer genannt. Ein cent. coh. Alpinae erscheint z. B. auf der frühen Inschrift CIL V 4951; da diese aber aus dem ursprünglichen Recrutierungsbezirk der cohortes Alpinorum stammt, lässt sich nicht bestimmen, welcher von ihnen der betreffende Mann angehört hatte. Dagegen wird der Stein CIL XII 15 aus Vintium in den Seealpen eines mil. chor. (. . Al)pinorum wegen der Worte qui [occidi- (so ich), militavi- (Hirschfeld) t in Pannunia auf eine der pannonischen coh. Alpinorum zu beziehen sein. Bezüglich des Valerianus centurio cohortis XII Alpinorum aus dem J. 197, der sich Cod. Iust. II 50, 1 findet, hat Ritterling Arch.-epigr. Mitt. XX 34f. nachgewiesen, dass die pannonische coh. II Alpinorum gemeint ist.

cohors Amiorum: vgl. coh. Hamiorum.

cohors I Antiochensium ist erst durch das neue Diplom aus Bulgarien (vgl. Bormann Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.) bekannt geworden, das sie im J. 93 unter den Auxilien von Moesia superior aufführt.

[cohors Antoniniana (?) vgl. coh. Treverorum].

cohors I Apamenorum sagittariorum equitata. Alle sicheren Spuren der Cohorte weisen nach Ägypten. Zunächst finden wir sie mehrfach in ägyptischen Papyrusurkunden erwähnt, so BGU 462, dem Schreiben eines ihrer Soldaten an einen Epistrategen, dann Brit. Mus. Greek Papyr. CLXXVIII, einer Quittung an denselben Soldaten vom J. 145, und BGU 423, einem Brief des 2. Jhdts., dessen Adresse lautet ἀπόδος εἰς χώρτην πρίμαν Ἀπαμηνῶν. Der Garnisonort scheint also, wie es auch sonst im Reiche öfters vorkommt, den Namen von der dort liegenden Truppe erhalten zu haben. Noch in der Not. dign. Or. XXXI 60 erscheint die coh. I Apamenorum in Ägypten mit der Garnisonangabe Silili. Von Ägypten aus wird auch ihr Praefect M. Valerius Lollianus sein aus Reitern verschiedener orientalischer alae und cohortes equitatae zusammengesetztes Cavalleriecorps (s. CIL III 600) in Traians Partherkrieg geführt haben. Die coh. I Apamena im Cursus honorum CIL XIV 171 ist trotz der verschiedenen Form des Namens von der ägyptischen coh. I Apamenorum gewiss nicht verschieden.

cohors Apuleia c. R. Die Not. dign. Or. XXXVIII 34 nennt als Besatzung von Hyssiportus (unweit von Trapezunt) in Armenia, d. h. in der alten Provinz Cappadocien eine cohors Apule[i]a [codd. Apuleta] civium Romanorum, die sich schon durch ihren Namen als eine alte Truppe kennzeichnet. Eine gewisse Bestätigung hierfür lässt sich aus Arrians Ektaxis gewinnen, wo § 7 und 14 unter Arrians Truppen im Alanenkriege eine Hoplitenabteilung (also reguläre Auxiliarinfanterie) von Ἀπλανοι πεζοί unter einem römischen Officier Ἐσκουλῖνος ὅσπερ τῶν Ἀπλανῶν ἡγεῖται erscheint. Der verderbte Name, für den Grotefend Philol. XXVI 26 Λεπιδιανοί (s. coh. I Lepidiana c. R.) lesen wollte, ist bereits von Seeck und von Mommsen Ephem. epigr. V p. 248 richtig mit der coh. Apuleia in Verbindung gebracht worden, und es wird bei Arrian unbedenklich Ἀπ⟨ου⟩λ⟨ηι⟩ανοί corrigiert werden dürfen.

cohors I Aquitanorum veterana (equitata [242] Diplom XXI vgl. CIL X 5831) ist in nicht weniger als fünf Diplomen (XI, XIV [hier ohne den Beinamen], XXI, XL, L) teils von Germania, teils von Germania superior für die J. 74, 82, 90, 116, 134 bezeugt. Von diesen ist XIV einem pedes, XXI einem eques der Cohorte verliehen, und da letzterer ein geborener Thraker ist, Diplom XIV aber bei Nikopolis ad Istrum in Moesien gefunden wurde, schliesst Ritterling Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 236 wohl richtig, dass die Truppe, bevor sie nach Germanien kam, in Moesien gelegen hatte. Ob die Heimat Ancyra des in XIV genannten Soldaten nicht noch weitere Folgerungen gestattet und etwa eine Teilnahme der Cohorte an den Partherkriegen unter Nero nahe legt, verdient wenigstens in Erwägung gezogen zu werden. Über die germanischen Garnisonen der Truppe ist es schwer ein Urteil zu fällen, da in der Provinz nur Ziegel von ihr, diese aber an einer ganzen Reihe von Orten gefunden worden sind. Allerdings liegen letztere fast alle in nur geringer Entfernung von einander, in dem nach Norden vorspringenden Winkel des Limes, nördlich von Prankfurt. Die Fundorte sind die Castelle von Arnsburg (CIRh 1422 b), Alteburg bei Arnsburg (Bonn. Jahrb. 95, 201. Limesbl. 9, 269), Friedberg (Limesbl. 12, 357. CIRh 1417 d), Kleestadt (nach Mitteilung von Zangemeister), und auch die Ziegel aus dem nahe gelegenen Butzbach mit QV + A' sind mit Recht auf die coh. I Aquitanorum bezogen worden. Die coh. I Aquitanor. equit., von der ein Praefect im Cursus honorum aus Ferentinum, CIL X 5831, begegnet, ist wohl die obige; zwei andere Praefecten nennen die Diplome XIV und XXI.

cohors I Aquitanorum. Schon die Thatsache, dass die eben besprochene coh. I Aquitanorum den Beinamen veterana trägt, nötigt zu der Annahme, dass neben ihr noch eine andere, jüngere coh. I Aquitanorum bestanden hat, und zwar, da jener Beiname bereits 74 n. Chr. in Diplom XI erscheint, zum mindesten seit dem genannten Jahre. Wir werden diese dann wohl in einer Cohorte des Namens zu erkennen haben, die gerade im 2. Jhdt. mehrfach in Britannien bezeugt ist. Diplom XLIII nennt sie dort im J. 124, und zwei Inschriften von ihr sind, die eine CIL VII 176, eine Weihung eines Praefecten an Mars, zu Haddon, südöstlich von Manchester, die andere ebd. 620 a, das Fragment anscheinend einer Bauinschrift der Cohorte, zu Procolitia am Hadrianswall gefunden worden. Endlich muss die Cohorte noch gemeint sein auf einem meines Wissens unpublicierten Steine aus Viminacium, von dem ich durch die Freundlichkeit des Herrn Weiffert in Belgrad eine Photographie besitze. Es ist der Grabstein eines ehemaligen Veteranen der legio VII Claudia, der, nachdem er bereits decurio von Viminacium gewesen war, als praef. coh. I Aquet. in das Heer zurücktrat. Da er nämlich, wie die Inschrift ausdrücklich sagt, in Britt(annia) den Tod gefunden hat, kann er nur die britannische, nicht die germanische Cohorte des Namens befehligt haben.

cohors I Aquitanica nennt die stadtrömische Inschrift CIL VI 2131 vom J. 240, die zu Ehren einer Vestalin als Dank pro conlatis in se beneficiis equestr. ord. item secundae militiae Aemilius Pardalas trib. coh. I Aquitanicae petito [243] eius ornatus errichtet hat. Zwar könnte man in dem Commando durch einen Tribunen ein frühes Beispiel von der Verleihung des Tribunentitels an alle Cohortenpraefecten erkennen und in der Cohorte dann eine der beiden obigen coh. I Aquitanorum erblicken wollen, allein die ausdrückliche Bezeichnung der Charge als secunda militia, die in dem Legionstribunat oder dem Tribunat einer cohors miliaria besteht, legt doch wohl die Erwägung nahe, ob hier nicht eine weitere, von den beiden anderen verschiedene cohors I Aquitanica miliaria gemeint sein könnte.

cohors II Aquitanorum (equitata, s. Diplom LXXIII; der Beiname p. f., den Zangemeister nach Diplom XL für sie annimmt, bezieht sich dort vielmehr auf die coh. II Hispanorum). Die Truppe hat zunächst in Germania superior gestanden, wo sie in den Diplomen XIV unter 82 n. Chr. und XXI unter 90 n. Chr. erscheint. Aus dieser germanischen Zeit haben wir Ziegel: von ihr aus den benachbarten Castellen Alteburg (Limesbl. 9, 269) und Arnsburg (unpubliciert, nach Mitteilung von Zangemeister), also von zwei Orten, an denen auch Ziegel der coh. I Aquitanorum vorkommen. Zwischen 90 und 166 ist die Cohorte dann nach Raetien verlegt worden, wo sie für letzteres Jahr Diplom LXXIII nennt. Dass sie zeitweilig in Regensburg stationiert gewesen ist, möchte man aus den dortigen Ziegeln von ihr CIL III 6537 und wegen der dort erfolgten Auffindung des einem ihrer Reiter gehörenden Diploms LXXIII schliessen.

cohors III Aquitanorum equitata (vgl. CIRh 1728. ORL 40, 37. 3. Limesbl. 3, 68) c. R. gehört zusammen mit den übrigen aquitanischen Cohorten zum obergermanischen Heere. Die Diplome der Provinz verzeichnen sie in den J. 74 (XI), 82 (XIV), 90 (XXI), 134 (L), und auch in Diplom XL von 116 darf ihr Name mit Bestimmtheit ergänzt werden, s. Mommsen CIL III Suppl. p. 1976. Als Standlager der Truppe erweisen wenigstens für das 3. Jhdt. die Funde das Castell von Osterburken in Baden. Dort hat sie, wie die beiden Votivaltäre ORL 40, 37, 2 u. 1 zeigen, sowohl unter Septimius Severus wie auch noch unter Philippus gestanden, und dort wird sie ausserdem durch die Weihinschrift eines [vex. e]qui[tum ebd. 37, 3 bezeugt. Auch die Osterburkener Weihinschrift ohne den Namen der Truppe, die ein decurio dem Genius seiner Turma errichtet, ebd. 4, hat Schumacher mit Recht auf die ja als equitata bekannte coh. III Aquitanorum bezogen, und vielleicht gehören dieser dann auch die drei Bronzetäfelchen (ebd. p. 31, 1 u. 3. 32, 4) aus demselben Castell an, die einen cornice[n] und zwei Centurien nennen. Aus dem westlich von Osterburken in der zweiten Castelllinie gelegenen Neckarburken besitzen wir zwei Inschriften mit dem gleichen Wortlaut coh. III Aquit. eq. c. R., CIRh 1728 und Limesbl. 3, 68, aus denen auf Anwesenheit der Truppe daselbst zu schliessen ist. Sonst sind nur noch zu Stockstadt am Main Ziegel der Cohorte zu Tage getreten, CIRh 1761 b, vgl. Conrady Westd. Ztschr. V 352, die des Beinamens Ant(oniniana) wegen in die Regierung des Caracalla oder Elagabal gehören: dagegen sind die früher angenommenen Ziegel aus Rückingen, CIRh 1436 b, irrtümlich auf sie bezogen worden, [244] vgl. Suchier Westd. Ztschr. III 175. Der coh. III Aquitanorum möchte ich schliesslich eine Inschrift aus Zellhausen bei Seligenstadt (CIRh 1408 = Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 172f.) vom J. 219 zuweisen, die Weihung eines praef. coh. . . Aquit. castris E ... id.; wenigstens ist in dem nahen Stockstadt eben die III Aquitanorum bezeugt, während von den übrigen aquitanischen Cohorten keine in jener Gegend vorkommt.

cohors IIII Aquitanorum equitata c. R. Auch sie hat in Germania superior gelegen, wo wir sie durch die Diplome XI, XIV, XXI, XL, L in den J. 74, 82, 90, 116, 134 nachweisen können. Die Mehrzahl der inschriftlichen Funde von ihr stammt aus dem Castell Obernburg am Main. Dorther besitzen wir die von einem Arzt der Cohorte zu Ehren des Praefecten L. Petronius Florentinus gesetzte Weihinschrift CIRh 1747, ferner eine Weihinschrift eben dieses Praefecten selbst, ebd. 1748, sowie Ziegel mit ...] A Q, die Zangemeister des Fundorts wegen mit vollem Recht auf die Cohorte bezieht. Auch die CIRh 1750 veröffentlichten Obernburger Ziegel mit COH IIII VO gehören nicht, wie bisher angenommen wurde, der coh. IIII Vo[luntariorum] an, sondern sind, wie J. Göhler treffend bemerkt, rückwärts zu lesen als Pauly-Wissowa IV,1, 244 b1.jpg = coh. IIII Aq.; andere Ziegel aus Friedberg s. Korr. d. Westd. Zeitschr. II 5. Aus Mainz endlich stammt die Weihung eines Angehörigen der Cohorte vom J. 210, CIRh 1284. Da durch diese die Anwesenheit der Truppe am Rhein noch für den Anfang des 3. Jhdts. gesichert ist, kann die zu Latobici in Pannonien 204 n. Chr. zu Ehren eines p[raef] coh. IIII Aqu. gesetzte Inschrift CIL III 3913 zu Schlüssen für den Standort der Cohorte nicht verwendet werden. Dasselbe gilt von der frühen Inschrift aus Aquitanien CIL XIII 17 = Bull. des antiq. 1884 p. 151, die auf Grund des Testamentes eines Centurionen chort. Aquit. quart. offenbar in seinem Heimatsort errichtet worden war.

cohors Aquitanorum. Ausser den obigen bezifferten Cohorten nennen eine Anzahl Inschriften cohortes Aquitanorum ohne Nummer. Unter diesen heben sich zwei Soldatengrabsteine aus Dalmatien hervor, der eine aus Salonae, CIL III 2053, der andere ebd. 9760 aus Aequum, die beide der früheren Kaiserzeit angehörend, erkennen lassen, dass die betreffende Cohorte einmal in der Provinz Dalmatien gelegen hat. Die germanische Heimat des einen der beiden Soldaten legt die Vermutung nahe, dass die Truppe vorher in Germanien gewesen war. Es könnte also eine der vier in Germanien stehenden aquitanischen Cohorten gemeint sein, die dann zeitweilig nach Dalmatien verlegt gewesen wäre. Ferner hat im 1. Jhdt. eine cohors Aquitanorum auf der Insel Sardinien gestanden, wo zu Carales ein Soldatengrabstein von ihr, CIL X 7596. gefunden ist. Auch hier kann eine der später am Rhein nachweisbaren aquitanischen Abteilungen gemeint sein. Dagegen lässt sich über den in einem kleinasiatischen Cursus honorum (Wolfe-Sterret nr. 440) erwähnten Praefecten nichts Näheres vermuten. Über den praef. coh. Aquit. CIRh 1408 s. coh. III Aquitanorum. Allgemeines über die cohortes Aquitanorum giebt Ritterling Korr. d. Westd. Ztschr. XVI 236f. [245]

cohors Aquitanorum, vgl. auch coh. I Biturigum.

cohors I Ascalonitanorum felix (equitata) erscheint in der Inschrift aus Byllis CIL III 600 unter den Truppenabteilungen, die Reiter zu dem combinierten Cavalleriecorps des Valerius Lollianus – wahrscheinlich für Traians Partherkrieg – stellten, und wird dann wie alle diese Regimenter im Orient, etwa in Syrien, stationiert gewesen sein.

cohors I Asturum (equitata, vgl. CIRh 1231) hat lange Zeit in Germanien gestanden. Im dortigen Heere nennen sie Diplom XI für 74 und XIV für 82, dann für Germania superior XXI und L aus den J. 90 und 134; aber auch in dem unvollständig erhaltenen Diplom XL von 116 n. Chr. muss, wie Mommsen CIL III Suppl. p. 1976 bemerkt, ihr Name gestanden haben. Das älteste ihrer Denkmäler in Germanien dürfte der Grabstein zweier ihrer Leute, eines mensor und eines optio, aus Mainhardt in Württemberg sein, CIRh 1621, vgl. CIL III Suppl. p. 1617. Daraus, dass beide Soldaten geborene Dalmater sind, darf wohl der Schluss gezogen werden, dass die Truppe vorher in Dalmatien gestanden hatte und von dort nach Germanien verlegt worden war. Von Mainhardt wird die Cohorte dann an den Rhein vorgeschoben worden sein. Zeitweilig wird sie Mainz als Garnison gehabt haben, da dort der Grabstein eines Reiters CIRh 1231 gefunden: ist; dieser muss, da es sich bereits um einen in Germanien geborenen Soldaten handelt, jünger sein als jener württembergische. Zahlreich sind die Ziegel der Cohorte in der Provinz; solche sind nachgewiesen zu Gernsheim (südlich von Darmstadt) Korr. d. Westd. Ztschr. V 75 (vgl. auch IV 70), zu Heddernheim Lim.-Bl. 28, 782 und Arch. Anz. 1898, 22, und vor allem in den antiken Ziegeleien von Nied-Höchst, über die ausführlich G. Wolff Archiv für Frankf. Gesch. u. Kunst III. Folge, III 212f. handelt. Über die späteren Schicksale der Truppe sei wenigstens eine Vermutung geäussert. Wir finden seit dem 3. Jhdt. in Britannien eine coh. I Asturum, die in sämtlichen Diplomen dieser Provinz noch fehlt und offenbar erst spät dorthin gekommen ist. Die Not. dign. Occ. XL 42 setzt sie zu Aesica an und die Zahl I darf keinesfalls, weil zu Aesica auch Inschriften der britannischen coh. II Asturum gefunden seien, zu II geändert werden. Vielmehr sichert der der Mitte des 3. Jhdts. angehörende Cursus honorum des Gargilius Martialis CIL VIII 9047 (vgl. Cichorius Leipziger Stud. X 319f.), in welchem ausdrücklich praef. coh. I Astyrum pr. Brittaniae steht, die überlieferte Ziffer. Da nun andererseits kein Denkmal der germanischen coh. I Asturum über das J. 134 n. Chr. hinabreicht, so ist diese wohl später nach Britannien verlegt worden. Ich würde es dabei für möglich halten, dass die Cohorte dazwischen noch eine Zeit lang dem niedergermanischen Heere angehört hatte, wenigstens würden sich dann die Ziegel aus Xanten mit CHO I ASTVR (Bonn. Jahrb. 87, 95. vgl. Westd. Ztschr. IV 222), die Ritterling Westd. Ztschr. XII 214 auf die coh. II Asturum beziehen will, einfach erklären.

cohors I Asturum. Von der germanisch-britannischen Cohorte dieses Namens wird notwendig [246] eine gleichnamige andere unterschieden werden müssen, die, soviel sich erkennen lässt, dauernd in Noricum gestanden hat[2]. Wenigstens sind alle Inschriften, die sie nennen, in dieser Provinz gefunden, so zu Virunum die eines Soldaten CIL III 4839 sowie der Grabstein ebd. 4842 = 11508 und bei Celeia die anscheinend dem 3. Jhdt. angehörende Grabschrift ebd. 5292 = 11708. Auch der Grabstein eines Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg coh. Asturu(m) aus Iuvavum ebd. 5539, ist, ebenso wie der Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg coh. I A . . . auf einer Inschrift aus Solva ebd. 5330, wohl auf diese coh. I Asturum zu beziehen. In ihr wird ferner noch der auf dem stadtrömischen Grabstein CIL VI 3588 genannte Soldat, da er aus Noricum. selbst gebürtig ist, gedient haben. Bei welchem Anlass er nach Rom gekommen war (ob etwa in. den J. 69/70?), ist nicht zu entscheiden. Auch den auf einer Familieninschrift aus Aquincum, CIL III 10507, vorkommenden Mann qui milit.. in coh. I Astor. wird man eher der norischen Cohorte dieses Namens zuweisen wollen, als der germanischen. Endlich hat vielleicht die in der Not. dign. occ. XXXIV 45 als Cohortenlager verzeichnete norische Station Astura (so ist nach Eugippius vita S. Sever. I 1 und I 5 das überlieferte Austura zu verbessern) ihren Namen von der dort liegenden cohors I Asturum in ähnlicher Weise erhalten, wie dies bei den nach ihrer Besatzung benannten Stationen Commagena, Batava, Petrianae u. a. der Fall ist. In welcher der beiden coh. I Asturum der Cagnat L'ann. épigr. 1895, 36 = Arch. Triest. 1894/95 p. 189 genannte curat. pro praef. chor. I Astur, gedient hat, ist ungewiss.

cohors II Asturum stand im 1. Jhdt. in Germanien, da ein Cursus honorum der flavischen Zeit aus Tarraco CIL II 4251 einen praef. cohor. secund. Astur. in Germ. nennt und wir thatsächlich aus Brohl in dieser Provinz die Weihinschrift einer vexelatio cortes II Astur. CIRh 666 (vielleicht auch Bonn. Jahrb. 81, 115) besitzen. Noch vor dem Ausgang des 1. Jhdts. muss die Truppe dann nach Britannien verlegt worden sein, wo sie die Diplome XXXIV (die Zahl hier sicher ergänzt) für 105, XLIII für 124 und LV (ihr Name steckt hier wie ich glaube in dem II A . . .) vor 138 verzeichnen. Zunächst scheint sie im Süden der Provinz stationiert gewesen zu sein, da wir aus Llanio in Wales zwei Inschriften von ihr Ephem. epigr. VII 859 (= CIL VII 150) und 860 (diese richtig von Watkin auf sie bezogen) besitzen. Später ist sie dann weiter nach Norden vorgeschoben worden, denn der africanische Cursus honorum CIL VIII 2766 – 18131 bietet ausdrücklich praef. coh. II Astu. prov:. Britt. infer. Ihr Standort war dort Aesica, die zehnte Station am Hadrianswall (vgl. oben coh. I Asturum), wo nicht nur Ziegel, CIL VII 1228, sondern vor allem auch eine Bauinschrift von ihr aus dem J. 225 ebd. 732 gefunden sind. In Britannien wird der CIL XIV 3955 genannte Praefect die Cohorte befehligt haben, da er unmittelbar [247] darauf censitor civium Romanorum der britannischen Colonie Camulodunum war. Dagegen lässt sich von den Praefecten der Cursus honorum CIL V 539. VI 1850 und XI 1437 nicht entscheiden, in welcher der beiden coh. II Asturum sie gedient haben.

cohors II Asturum. Neben der britannischen cohors II Asturum haben wir eine andere in Ägypten anzunehmen, wo die Not. dign. Or. XXVIII 36 zu Busiris coh. II Astarum nennt; Astarum wird hier für Asturum ebenso verschrieben sein, wie wir anderwärts dafür Astorum, Astirum und Astyrum finden.

cohors III Asturum equitata c. R. begegnet im Cursus honorum des Sex. Ticiasenus Allianus CIL XI 4371 (= Orelli 2211) aus Ameria. Man darf die Truppe wohl in der coh. III Asturum wiedererkennen, die die Not. dign. Occ. XXVI 19 zu Tabernae in Mauretania Tingitana verzeichnet. Auf letztere Abteilung möchte ich übrigens auch eine Inschrift aus Teos(Le Bas-Waddington III 104) beziehen, auf der ein ἔπαρχος σπείρης τρίτης ἐν Μαυρητανίᾳ genannt ist; wenigstens kennen wir in beiden mauretanischen Provinzen keine einzige andere Cohorte mit der Nummer III.

[cohors IIII Asturum] ist zwar nicht ausdrücklich bezeugt, muss aber allein schon wegen des Vorkommens je einer cohors V und VI Asturum mit Bestimmtheit angenommen werden. Zu erwägen wäre, ob sie nicht etwa auf dem Steine aus Andernach CIRh 678 gemeint sein könnte, der Weihung eines imaginif. coh. IIII Asturum p. f. D(omitianae) (so lautet der Text nach Zangemeister, vgl. Westd. Ztschr. XII 206; Ritterling bezieht dies zwar auf die cohors II Asturum, allein ganz abgesehen davon, dass letztere auf keinem ihrer vielen Denkmäler p. f. heisst, würde IIII dem verfügbaren Raum besser entsprechen. Auf jeden Fall hat aber die betreffende Truppe unter Domitian in Germania inferior gelegen.

cohors V Asturum muss zeitweilig gleichfalls in Germania inferior gestanden haben. Dies beweisen der Bonner Grabstein eines signifer der Cohorte CIRh 478, der etwa der Mitte des 1. Jhdts. angehört, sowie aus Grimlinghausen stammende Ziegel des Bonner Provincialmuseums mit Pauly-Wissowa IV,1, 247 b.jpg, die Zangemeister sehr ansprechend als co(h.) V A(st.) erklärt. Sonst erscheint die Truppe nur noch in der Weihung eines Praefecten vom Grossen St. Bernhard CIL V 6874 = Mommsen Inscr. Helv. 35.

cohors VI Asturum ist einzig bezeugt durch den aus der Zeit der Flavier stammenden Cursus honorum eines Praefecten aus Asturica CIL II 2637.

cohors Asturum. Nicht zu entscheiden ist es, welche der verschiedenen cohortes Asturum der CIL XI 6337 (= Henzen 6519) erwähnte Praefect befehligt hat; die von den Herausgebern vorgeschlagene Ergänzung I ist ganz unsicher.

cohortes Asturum et Callaecorum. Ausser den einfach als cohortes Asturum bezeichneten finden sich mehrere coh. Asturum et Callaecorum, die sich ursprünglich aus diesen beiden Stämmen gemeinsam rekrutierten, bei denen aber eine klare Scheidung nicht ganz leicht ist.

cohors I Asturum et Callaecorum wird nur [248] ein einzigesmal in Diplom II genannt, wonach sie 60 n. Chr. in Illyricum, d. h. in Pannonien gestanden hat.

cohors II Asturum et Callaecorum ist in den pannonischen Diplomen XIII und XVII der noch ungeteilten Provinz unter den J. 80 und 85, dann in den Diplomen LXVIII/LXIX und LXXIV von Pannonia inferior aus der Zeit zwischen 145 (bezw. 154) und 160 sowie unter 167 verzeichnet. Wir dürfen auf sie vielleicht die Ziegel CIL III 10674 aus Batina in dieser Provinz beziehen, obwohl sie nur coh. II Ast. und [coh]ortis II Hastr. bieten.

cohors Asturum et Callaecorum. Eine solche, deren Nummer (... I Astur. et Call.) nicht mehr zu bestimmen ist, hat zu den noch wenig bekannten Auxilien der Provinz Mauretania Tingitana gehört. Ihr Standquartier scheint sie in der Gegend von Volubilis, westlich von Fês, gehabt zu haben, da sie dort unter ihrem Praefecten ein Praetorium gebaut hat, Bull. com. 1891, 136 = Cagnat L'année épigr. 1891, 115. Die weiteren Zeugnisse für den Aufenthalt der Cohorte in Mauretanien hat bereits SperrSchrift|Cagnat}} ’L’arm. Rom. d’Afr. p. 320 beigebracht und richtig erklärt. Es sind einmal das Fragment eines Cursus honorum aus Rom, CIL VI 3654, in dem ein [praef. coh.. Ast. et] Callaec. in Maur. erscheint. Ferner ist die Cohorte zweifellos in dem nur handschriftlich überlieferten Texte eines Cursus honorum aus Tarraco, CIL II 4211, gemeint, wo die verderbten Worte cohort. Astur. Callaeciae et Mauretan. Tingit. von Hübner treffend zu cohort. Astur. et Callaec. Mauretan. Tingit. verbessert sind. Cagnat a. a. O. hält die Cohorte für die früher in Illyricum stehende coh. I Asturum et Callaecorum, wenn dies richtig ist, müsste letztere, da das Commando des erwähnten Officiers in Mauretanien in die Zeit Traians anzusetzen ist, noch zu Ende des 1. Jhdts. dorthin verlegt worden sein.

cohors Asturum et Callaecorum. Völlig unklar ist das Verhältnis, in dem eine am Rhein nachweisbare Cohorte dieses Namens zu den übrigen coh. Ast. et Call. gestanden hat. Bezeugt ist sie einzig durch den der frühen Kaiserzeit angehörenden Grabstein CIRh 1232 aus Mainz, der einem Soldaten ex cohorte Aestureru et Callaecoru gesetzt ist und aus dem sich eine zeitweilige Anwesenheit der Cohorte in Germanien ergiebt. Die Truppe kann ebensowohl mit einer der beiden pannonischen coh. I oder II Ast. et Call. identisch sein, als auch mit der mauretanischen, falls diese von jenen verschieden sein sollte. Ungewiss ist es endlich auch, welche von all diesen Abteilungen der im Cursus honorum aus Ephesus CIL III 6065 genannte Praefect befehligt hat.

cohors I Augusta wird als coh. Aug. I in dem Cursus honorum des Q. Aemilius Secundus (CIL in Suppl. 6687 = Pais CIL Suppl. Ital. 475) erwähnt, der sie als Praefect unter Augustus befehligt hatte; sie muss damals in Syrien gestanden haben, da der Officier dem Statthalter dieser Provinz P. Sulpicius Quirinius unterstellt gewesen war. Dann wird sie aber gewiss nicht verschieden sein von der σπεῖρα Αὐ(γούστη), von der ein Praefect auf der griechischen Inschrift aus Eitha in der Batanaea, Le Bas-Waddington 2112, vorkommt. Letztere [249] Truppe hat bereits Waddington a. a. O. in der σπεῖρα Σεβαστή wiedererkannt, welcher der den Apostel Paulus nach Rom geleitende Centurio Iulius Act. apost. 27, 1 angehörte, und die, da die Entsendung des Paulus von Caesarea aus erfolgte, zweifellos dort oder in der Nähe gestanden haben muss.

[cohors II Augusta] haben wir wegen des Vorkommens einer coh. III Augusta anzunehmen.

cohors III Augusta wird in der stadtrömischen Inschrift CIL VI 3508, einem Cursus honorum der frühen Kaiserzeit, genannt. Da dort kein Buchstabe weiter fehlt, hat die Cohorte wie die I Augusta nur diesen einen Namen geführt.

cohors Augusta: vgl. auch coh. II Nervia Pacensis miliaria Brittonum, II Cyrenaica, III Cyrenaica, II Dacorum p. f. miliaria, I Ituraeorum, I Praetoria Lusitanorum, I Nervia velox, I Nerv[ia], I Pannoniorum, I Thracum, II Thracum, III Thracum.

cohors Aurelia: vgl. coh. I Dardanorum.

cohors I Ausetanorum. So wird von den Herausgebern in dem Cursus honorum aus Hispalis CIL II 1181 das erhaltene praef. cohort. primae Ause . . . zweifellos richtig ergänzt.

cohors I Baetasiorum c. R. hat anscheinend die ganze Kaiserzeit hindurch in Britannien gestanden. Dort nennen sie wenigstens Diplom XXXII im J. 103, Diplom XLIII im J. 124 und noch die Not. dign. Occ. XXVIII 18, die als ihren Standort Regulbium am Litus Saxonicum angiebt. Zuvor muss die Cohorte aber längere Zeit in Uxellodunum gelegen haben, woher wir nicht weniger als fünf Weihinschriften von ihr besitzen, zwei, CIL VII 391 und 395, unter dem Praefecten Ulpius Titianus (frühestens 2. Jhdt.), drei, ebd. 386. 390. 394, unter dem Praefecten Attius Tutor, dessen Commando auch in seinem Cursus honorum aus Solva in Noricum, CIL III 5331, erwähnt ist.

cohors Baetica. Ausdrücklich bezeugt nur durch die Bronzetafel von Bergomum, CIL V 5127 u. add. p. 1082, die das Ehrendecret einer unbekannten Colonie für M. Sempronius Fuscus praefectus cohortis Baeticae enthält. Dieses ist beschlossen worden bei Gelegenheit der Ablösung des Officiers durch seinen Nachfolger, und der ganze Inhalt zeigt klar, dass die Cohorte als dauernde Besatzung in der betreffenden Gegend gelegen haben muss. Vielleicht ist der Name der Abteilung auch in dem Cursus honorum CIL X 1493 zu ergänzen, wo nur praef. coh.....icae erhalten ist. Denn da nicht mehr als vier Buchstaben fehlen, ist [I oder II Class]icae ausgeschlossen, und da [Ital]icae schon wegen des praef. statt trib. unmöglich ist, verbleibt als einziger passender Name eben [Baet]icae. Dagegen darf CIL II 2552 mit der Truppe nicht in Beziehung gebracht werden.

cohortes Batavorum bildeten in der ersten Kaiserzeit eine der Kerntruppen unter den Auxilien des germanischen Heeres. Noch zu Neros Zeit aus nationaler Rekrutierung hervorgehend und von einheimischen Officieren befehligt, waren sie, wie aus Tacitus hist. IV 19 hervorgeht, als equitatae formiert. Schon in den Feldzügen des Germanicus begegnen sie uns, vgl. Tac. ann. II 8, und hist. IV 12 bezeichnet sie Tacitus ausdrücklich [250] als diu Germanicis bellis exerciti. Sie wurden später nach Britannien verlegt, wo sie sich von neuem auszeichneten (ebd. IV 12), und zwar sind sie dann wohl die octo auxiliarium cohortes, die nach Tac. ann. XIV 38 im J. 61 aus Germanien nach Britannien gesandt waren, wenigstens treten sie uns weiterhin stets als eine geschlossene Masse von gerade acht Cohorten entgegen. Als Auxilien der legio XIV Gemina wurden sie von Nero für seinen geplanten Albanerkrieg aus Britannien herangezogen, scheinen sich aber für Galba erklärt und ihre Legion an einem Eintreten für Nero verhindert zu haben, denn Tacitus hist. II 27 lässt sie sich rühmen coercitos a se quarta-decumanos, ablatam Neroni Italiam. Sie trennen sich dann von der Legion und treten den Rückmarsch nach Britannien an, schliessen sich aber noch unterwegs auf die Nachricht von Galbas Tod in der Civitas Lingonum, wo sie sich gerade befanden, dem Heere des Fabius Valens an. Schon hier beginnen Reibereien zwischen ihnen und den Legionaren des Armeecorps, Tac. hist. I 59. Als Avantgarde der Vitellianer rücken sie im Frühjahr 69 in Oberitalien ein, überschreiten als erste den Po und verbreiten überall Schrecken unter den Othonianern, ebd. II 17. Unter den cohortes Germanorum, die sich dann beim Sturme auf Placentia rühmlich hervorthun, ebd. II 22, werden wieder die Bataver zu verstehen sein. Freilich machen sie sich auch hier wieder durch ihren Übermut und ihre absichtlich herbeigeführten Streitigkeiten mit den Legionären lästig, sodass Valens den Entschluss fasst, durch Entsendung eines Teils der Cohorten nach Gallia Narbonensis Ruhe zu schaffen; dies führt jedoch zu neuem Tumult und Aufruhr, ebd. 27–29. Die Bataver nehmen dann unter Alfenus Varus an der ersten Schlacht bei Bedriacum teil, ebd. 43, und erhalten nach der Schlacht den Auftrag, ihre alte, bisher auf Otho Seite befindliche Legio XIV Gemina nach Britannien zu escortieren. Allein schon in Turin kommt es zwischen beiden zu ernstem Streit, so dass schliesslich die Bataver allein nach Germanien zurückgesendet werden, ebd. 66 und 69; sie befanden sich bereits in Mainz, als Civilis die ersten Schritte zu seiner Erhebung unternahm, ebd. IV 15. Von Vitellius nach Italien zurückbeordert, treten sie den Marsch dorthin an, werden aber unterwegs von Boten des Civilis eingeholt und für diesen gewonnen. Sie marschieren nun nach Niedergermanien, liefern bei Bonn der dortigen Legion ein siegreiches Gefecht und vereinigen sich mit Civilis, ebd. IV 19–21, von dessen Heere sie von nun an den Kern bilden. Was das spätere Schicksal der Cohorten war, wird in dem erhaltenen Teil der Historien nicht mehr berichtet, allein dass von diesen acht Cohorten, die die allerschwerste Schuld auf sich geladen hatten, Vespasian, als er die vielen am Aufstand beteiligten Truppenteile cassierte, auch nur eine geschont haben sollte, ist völlig undenkbar. Deshalb halte ich es auch für ganz ausgeschlossen, dass die später bei Schriftstellern und auf Inschriften erscheinenden cohortes Batavorum mit welchen von jenen acht identisch sind. Dies gilt zunächst von den (drei, wenn man die schon von Rhenanus gegebene, mir absolut geboten scheinende Lesung cohortes [251]tres⟩ annimmt) batavischen Cohorten, die Agricola 84 n. Chr. in Britannien in seinem Heere hatte und die sich in der Schlacht am Berge Graupius auszeichneten, Tac. Agric. 36. Es werden dies neu gebildete Abteilungen mit neuer von I an beginnender Zählung sein, während von der ursprünglichen Reihe nur die wohl immer von den anderen getrennt gewesene coh. IX Batavorum bestehen geblieben war.

cohors I Batavorum miliaria p. f. wird zuerst in Diplom XXVII von Pannonien genannt, wonach sie 98 n. Chr. in dieser Provinz gestanden hat. In keinem der übrigen pannonischen Diplome, deren wir gerade aus flavischer Zeit mehrere besitzen, kommt die Truppe vor, und es liegt daher die Vermutung nahe, dass sie erst kurz vor dem J. 98 von auswärts in die Provinz verlegt worden ist. Da nun noch im J. 83 batavische Cohorten im britannischen Heere nachweisbar waren, die dann ausser einer einzigen dort verschwinden, und eben zwischen 83 und 98 die legio II Adiutrix aus Britannien nach Pannonien verlegt worden war, wäre es denkbar, dass mit deren Auxilien auch die coh. I Batavorum an die Donau gekommen wäre (vgl. coh. II Batavorum). Keinesfalls aber hat ihr Aufenthalt dort lange gewährt, denn keines der pannonischen Diplome des 2. Jhdts. führt sie auf. Da dagegen mehrere Inschriften von ihr in Dacien zu Tage getreten sind, wird man annehmen dürfen, dass die Cohorte für den Dakerkrieg Traians aus Pannonien abberufen worden und dann in der neu eroberten Provinz als Besatzung verblieben ist. Vielleicht hat sie in der Gegend von Romlot im äussersten Nordwesten des Landes ihr Standquartier gehabt, wenigstens ist dort der Grabstein eines activen Centurionen coh. I Bat. Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg CIL III 839 gefunden worden. Aus Potaissa stammen der Grabstein der Frau eines sig. coh. I Bat., ebd. 13 760 = Arch.-epigr. Mitt. XVII 17, und ein Fragment, ebd. 13 766 = Arch.-epigr. Mitt. XVII 20, in dem HTBAI‘ von Cumont richtig als [co]h. I Bat. gelesen wird. Ob ein Stein aus Magyar Egregy ebd. 841 mit Mommsen auf die Cohorte bezogen werden darf, erscheint fraglich, da hier auch die ala I Batavorum (s. Bd. I S. 1234) gemeint sein könnte.

cohors I Batavorum. Von der vorigen Truppe muss verschieden sein eine anscheinend dauernd in Britannien verbliebene coh. I Batavorum, und zwar schon deshalb, weil sie von Praefecten befehligt wurde und also eine quingenaria gewesen ist. Sie erscheint zuerst in Diplom XLIII vom J. 124 in der Provinz, kann aber doch vielleicht schon an den Kriegen des Agricola teilgenommen haben und in den von Tacitus erwähnten cohortes Batavorum inbegriffen gewesen sein. Noch in der Not. dign. Occ. XL 39 finden wir die Cohorte unter dem Besatzungscorps des Hadrianswalles, und zwar mit der Garnison Procolitia, der siebenten Wallstation. Dort muss sie aber schon lange Zeit vorher ihr Standquartier gehabt haben, denn wir haben dorther eine ganze Reihe von Denkmälern der Truppe, darunter eine datierte Bauinschrift aus dem J. 237, CIL VII 621. Weihinschriften der Cohorte mit ihrem Praefecten ebd. 617 und eines Praefecten allein Eph. ep. III 185, sowie Grabsteine eines signifer Eph. ep. III 106 [252] und eines unbestimmbaren Angehörigen der Cohorte, ebd. 107. Bei anderen dortigen Steinen (z. B. Eph. ep. III 105. 187. 201) ist eine Beziehung die Cohorte zu unsicher. Sonst findet sich ihr Name nur noch auf einem bestimmt (CIL VII 777) und auf einem wahrscheinlich (Eph. ep. VII 1065) aus Magnae am Hadrianswall stammenden Steine, während sie auf dem schottischen CIL VII 1101, wie schon Hübner bemerkt, schwerlich gemeint ist.

cohors II Batavorum miliaria erscheint zusammen mit der coh. I Batavorum miliaria in dem pannonischen Diplom XXVII vom J. 98, kehrt aber wie jene in keinem der älteren und jüngeren Diplome der Provinz wieder. Sie wird also wie die I Batavorum erst kurz vor 98 und zwar vielleicht gleichfalls aus Britannien nach Pannonien gekommen und dann anlässlich Traians Dakerkrieges wieder von dort abgezogen sein. Ausser in dem Diplom wird sie nur noch einmal genannt und zwar auf dem neugefundenen Grabaltar von Adamklissi, dessen eine Columne unter der Überschrift coh. II Bat. eine Reihe von Namen gefallener Soldaten der Cohorte verzeichnet, CIL III 14214. Da die Bestimmung der Schlacht oder des Krieges, auf den sich das Denkmal bezieht, erst durch die noch im Gange befindlichen Ausgrabungen ermöglicht werden wird, muss eine Vermutung hierüber vorläufig noch zurückgehalten werden.

cohors III Batavorum miliaria (equitata ?, vgl. CIL III 3676) ist zwar zunächst durch das Diplom XXXV für 107 n. Chr. in Raetien bezeugt, kann aber schwerlich noch lange in dieser Provinz verblieben sein; in den späteren raetischen Diplomen fehlt sie nämlich, dafür taucht in Pannonia inferior eine früher dort nicht nachweisbare coh. III Batavorum auf, die – von Tribunen befehligt – genau wie die raetische eine miliaria war. Es ist also wohl einunddieselbe Truppe zu erkennen, die dann unter Traian oder Hadrian von Raetien nach Pannonia inferior verlegt worden ist. In letzterer Provinz nennt sie das zwischen 138 und 146 anzusetzende Diplom LVIII, und auch in Diplom LXIX (zwischen 145 bezw. 154 und 160) ist für die coh . . Batavorum wohl die Nummer III zu ergänzen, da eine andere batavische Cohorte im 2. Jhdt. in Pannonien nicht vorkommt. Als Garnison lässt sich mit Sicherheit Adony an der Donau, südlich von Pest, feststellen. Dort sind ausser zahlreichen Ziegeln mit coh. III B., coh. III Bata. und coh. III B. An(toniniana), CIL III 3760 und 10 671, der Grabstein eines Tribunen der Cohorte ebd. 10 329 und eine von Domaszewski richtig auf sie bezogene Soldateninschrift ebd. 10 330 gefunden worden. Auch der auf einer aus Stuhlweissenburg, westlich von Adony, stammenden Inschrift genannte [mi]l. coh. III B. vom J. 211, ebd. 3345, wird zweifellos der Cohorte angehören, während mir die Beziehung eines Fragments von der Insel Szalk, ebd. 10 322, zu unsicher erscheint. Auf unsere Cohorte möchte ich endlich die interessante, in Pannonia inferior an unbekanntem Orte gefundene metrische Grabschrift CIL III 3676 beziehen. Der Verstorbene nennt sich Pannoniis quondam notissimus oris inter mille viros fortis primusque Batavos Hadriano potui qui iudice vasta profundi aequora Danuvii cunctis transnare sub armis u. s. w. Es ist [253] längst erkannt, dass hier auf den von Dio LXIX 9 erzählten Vorgang, die Durchschwimmung der Donau durch τὸ ἱππικὸν τῶν καλουμένων Βαταούων bei Anwesenheit Hadrians, Bezug genommen wird; auch dass eine coh. miliaria Batavorum gemeint ist, hat schon Mommsen gesehen. Es kann dies dann aber meiner Ansicht nach nur die III Batavorum miliaria sein, als die einzige in jener Zeit in Pannonien nachweisbare coh. Batavorum, umsomehr als sie gerade schon in den ersten Jahren des Pius dort erscheint. Auch ihre Garnison, das an der Donau gelegene Adony, würde gut zu der Annahme passen.

[cohortes IIII. V. VI. VII. VIII Batavorum] werden einzeln nicht erwähnt; vgl. über sie oben unter cohortes Batavorum.

cohors VIIII Batavorum miliaria equitata {CIL III 11918) wird, wie ihre Nummer schliessen lässt, zu der Reihe der oben erwähnten acht cohortes Batavorum gehört haben, mit denen sie dann gleichzeitig formiert sein muss. Ihre Spuren weisen alle nach Raetien. Dort nennt sie Diplom LXXIII im J. 166, und noch die Not. dign. Occ. XXXV 24 verzeichnet trib. coh. nonae (so ist mit Mommsen das überlieferte novae zu verbessern) Batavorum Batavis. Danach war also Passau Garnison der Cohorte und verdankt dieser seinen Namen. Einen Votivaltar der coh. IX Ba[t.] eq. Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg EXPB (nach Mommsen ex provincia Belgica?), CIL III 11918, haben wir aus Weissenburg, wohl ihrer früheren Garnison; ein Tribun erscheint in dem griechischen Cursus honorum aus Massilia, IGI 2433.

cohortes Belgarum haben wir für das J. 68 n. Chr. im Heere von Germania superior anzunehmen nach Tac. hist. IV 17, wo dem Civilis die Worte in den Mund gelegt werden: fuisse inter Verginii auxilia Belgas; diese Cohorten (oder Cohorte) waren also an dem Feldzuge gegen Vindex beteiligt. Vielleicht darf auf eine von ihnen der nur handschriftlich überlieferte, anscheinend frühe Grabstein CIRh 1101 aus Mainz, dem Hauptquartier eben des obergermanischen Heeres, bezogen werden, der einen Aprilis Sol. f. (Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg) cho. I Belgica natione Lig. Austr. nennt. Dagegen sind die Ziegel aus Langenhain, die Zangemeister als coh. I B(e)l. lesen möchte, wohl eher der I Bi(turigum) (s. d.) zuzuweisen. Nicht unmöglich wäre es, dass die germanische coh. Belgarum identisch gewesen ist mit der

cohors I Belgarum (equitata, s. CIL III 2744. 8762. 9739), die durch zahlreiche Inschriften in Dalmatien bezeugt ist. Freilich verteilen sich diese auf so viele verschiedene Fundorte, dass es schwer ist, sich über die Garnisonen der Truppe in der Provinz ein bestimmtes Urteil zu bilden. Dass sie zeitweilig in der Gegend von Humac (zwischen Novae und Narona) gelegen hat, beweist die Thatsache. dass sie dort 173 n. Chr. einen Libertempel neu aufgebaut hat (CIL III 8484 = 6362 = 1790>. Aber auch in jenen beiden benachbarten Stationen nennen Inschriften die Cohorte, in Narona der Grabstein eines tubicen, ebd. 8437, bei Novae die Weihinschrift eines Centurionen leg. I M(in.) praepositus cho. I Belg. hoc in loco . . . servatus. Ferner lassen die Grabsteine eines vexill. equit. aus dem alten Militärorte Delminium, ebd. 9739, und die Weihung eines [254] anderen vexil., ebd. 2744 (der Name der Cohorte ist von Mommsen richtig hergestellt) aus Andetrium einen Aufenthalt der Truppe dort als möglich erscheinen, während das Vorkommen von Inschriften der Cohorte (Grabstein einer Soldatenfrau ebd. 2067, einer Centurionengattin ebd. 8756, bei Lebzeiten gesetztes Grabdenkmal eines decurio ebd. 8762) in der Provincialhauptstadt Salonae nicht unbedingt zu der Annahme nötigt, die Abteilung habe dort in Garnison gelegen. Sonst haben wir noch die Weihinschrift eines Centurio von der Insel Brattia, ebd. 3096, den Grabstein eines Veteranen aus Duboj im Binnenlande der Provinz, ebd. 8376 b, vgl. Arch.-epigr. Mitt. XVI 79, und endlich wird die Cohorte auf einer dalmatischen Inschrift unbekannten Fundorts, ebd. 3162 b, genannt. Auch auf den Steinen aus Mediolanum Santonum in Aquitanien, CIL XIII 1042–1045, will Hirschfeld im Cursus honorum cohort. [I Belg]arum ergänzen.

cohors 1 Septimia Bel[garum] oder Bel[gica] wird einzig auf einer dem 3. Jhdt. angehörenden Inschrift aus Mainz, CIRh 1030, erwähnt, die in h(on.) d(om.) d(iv.) genio chor. I Septimie Bel[g.] A(lexandrianae) oder A(ntoninianae) von einer Anzahl Leute gesetzt ist. Selbst wenn diese Cohorte nicht, wie man aus dem Namen schliessen muss, von Septimius Severus neu errichtet sein sollte, wird sie doch mit der im 1. Jhdt. in Mainz nachweisbaren coh. I Belg. (s. d.) schwerlich identisch sein.

[cohors I (Flavia?) Bessorum] kann vorläufig nur aus der folgenden Truppe erschlossen werden.

cohors II Flavia Bessorum. Dem Namen nach von einem der flavischen Kaiser errichtet. Diplom XXXIII nennt sie 105 n. Chr. in Moesia inferior, Diplom XLVI dagegen im J. 129 in Dacia inferior, wohin sie also in der Zwischenzeit verlegt worden war. Sonst wird nur noch in einem dem 2. Jhdt. angehörenden Cursus honorum aus Thyatira, CIG 3497, ein Commandeur von ihr genannt.

cohors I (Aquitanorum) Biturigum. In Diplom XI kommt unter dem J. 74 n. Chr. in Germanien eine coh. I Aquitanorum Biturigum vor. Später kehrt diese nie wieder; dafür begegnet uns aber eben in Germanien eine coh. I Biturigum, und es ist längst erkannt, dass beidemal einunddieselbe Truppe gemeint sein muss, die nur, ähnlich wie z. B. die coh. V Callaecorum Lucensium (s. d.), später den einen Namen abgeworfen hat. Als coh. I Biturigum ist sie in den Diplomen XXI und L von 90 und 134 n. Chr. für Germania superior bezeugt und auch in Diplom XL vom J. 116 mit Bestimmtheit zu ergänzen. In dem Limescastell Langenhain ist ein Bronzeplättchen der coh. I Bit. vom J. 177 (ORL 13, 8 = Limesbl. 1, 23) gefunden, und danach dürften wohl auch die dort zu Tage getretenen Ziegelstempel COH·I·BL eher mit Kofler I Bi[tur.] als mit Zangemeister I B[e]l. gelesen werden. Andere Ziegel der Cohorte stammen aus der Gegend von Rottweil in Württemberg, Limesbl. 18, 515, Bonn. Jahrb. 102, 90, vgl. Haug D. röm. Inschr. u. Bildw. Würtemb. 58; ein Praefect erscheint im Cursus honorum CIL II 4203.

cohors II Biturigum. Einzig aus einem Mainzer [255] Cursus honorum des 1. Jhdts., CIRh 1120, bekannt.

cohortes Bosporanorum. Ursprünglich wohl die Landestruppen der bosporanischen Könige, aber schon als solche römisch bewaffnet, denn Tacitus ann. XII 16 zählt unter dem J. 49 bei einem Gefecht in der Krim als Centrum der römischen Schlachtordnung auf cohortes et Bosporani .... nostris in armis. Diese Truppen sind dann wohl als reguläre Auxilien in das römische Heer aufgenommen worden, und aus ihnen werden die folgenden Cohorten hervorgegangen sein.

cohors miliaria Bosporiana wird in der Not. dign. Or. XXXVIII 29 als Besatzung von Arauraca in Armenien verzeichnet. Es darf wohl als sicher angesehen werden, dass dies dieselbe Truppe ist, die Arrian in der Ektaxis § 3 und 18 als Βοσπορανοὶ πεζοί und als οἱ πεζοὶ τοξόται οἱ τῶν .... Βοσποριανῶν unter den Auxilien seines cappadocischen Heeres aufführt.

cohors I Bosporiana ist erst ganz kürzlich durch das neu gefundene Diplom von 116 (Arch.-epigr. Mitt. XX 157) als Truppenkörper des oberpannonischen Heeres bekannt geworden und muss von der cappadocischen Cohorte notwendig verschieden sein. Ihr möchte ich die beiden Praefecten zuweisen, die als ἔπαρχος σπείρης πρώτης Βωσποριανῆς Inschr. v. Olympia nr. 447 S. 538 = Arch. Zeit. XXXVII 136 und als ἔπαρχος σπείρης Βοσποριανῆς πρώτης Bull. hell. XVII 35 in griechischen Cursus honorum vorkommen. Die in Cappadocien stehende coh. miliaria Bosporiana, auf die Ritterling beide bezieht, kann nicht in Betracht kommen, denn da beide Officiere das Commando als erstes führen und erst nachher Legionstribunen werden, müssen sie eine cohors quingenaria befehligt haben. Ich ergänze daher auch in dem neuen Diplom Bos[poriana] und nicht, wie Ritterling, Bos[poranorum].

cohors II Bosporanorum. In dem Cursus honorum aus Misenum CIL X 270* eines Ti. Claudius Ilus* wird dieser u. a. praef. coh. II Bosforanorum genannt. Die Inschrift ist zwar sicher teilweise interpoliert (vgl. Hirschfeld R. Verw. I 180), doch sind die beiden in ihr genannten Truppennamen durchaus unverdächtig.

cohors I Bracaraugustanorum. Eine solche wird zuerst auf einem Steine der frühen Kaiserzeit aus Narona CIL III 1773 erwähnt, der Weihung des Praefecten Ti. Claudius Claudianus (derselbe Mann ist, wie die Herausgeber vermuten, vielleicht auch mit dem CIL II Suppl. 5613 genannten Ti. Clau . .[.praef.] cho. Bra[car.] gemeint. Aus späterer Zeit findet sich in Dalmatien keine Spur der Cohorte mehr, und sie wird daher wohl bei der Reducierung der dortigen Armee wegverlegt worden sein. Wahrscheinlich kam sie nach Moesia inferior, wo eine coh. I Bracaraugustanorum in den Diplomen von 99 (XXXI), c. 112 (XXXVIII) und 134 (XLVIII) erscheint. Diese moesische Cohorte wird CIL XII 1358 gemeint sein in dem Cursus honorum eines Unbekannten. der pra[ef. coh. . . Brac]arum Augustanorum und praepositus vexillationi exercitus M. . . gewesen ist; wenigstens ist, soweit wir zu erkennen vermögen, M[oesia inferior] die einzige mit M beginnende Provinz, in der eine cohors Bracaraugustanorum gestanden hat.

[256] cohors I Bracaraugustanorum. Ziegel von einer Cohorte dieses Namens haben sich in dem wichtigen, den Ojtoz-Pass deckenden Castell von Berezk in Dakien gefunden, CIL III Suppl. 8074, 9. Wenn nun auch die oben besprochene moesische Cohorte etwa während Traians Dakerkriegen dort gebaut haben könnte, ist es doch schon in Anbetracht dessen, dass wegen der zwei verschiedenen coh. III Bracaraugustanorum auch zwei coh. I Bracaraugustanorum angenommen werden müssen, vielleicht richtiger, hierin eine von der moesischen verschiedene Truppe zu erkennen. Der einen dieser beiden Cohorten gehörte dann der Praefect auf dem späten Cursus honorum aus Caesarea CIL VIII 9358 an, wo der Name als coh. I Augusta Bracarum wiedergegeben wird.

cohors II Bracaraugustanorum wird nur ein einziges Mal, nämlich in dem stadtrömischen Cursus honorum des A. Atinius Paternus CIL VI 1838 erwähnt, der sie unter Traian befehligt hatte.

cohors III Bracaraugustanorum ist im 2. Jhdt. in Raetien nachweisbar, wo sie nach Diplom XXXV im J. 107 und nach Diplom LXXIII im J. 166 gelegen hat. Auch ein stadtrömischer Cursus honorum CIL VI 1822 nennt einen praef. coh. III Bracar. August. ausdrücklich mit dem Zusatz q(uae) e(st) in Raetia. Desgleichen wird der mil. cho. III Braca[r]u[m], der seinem in der kaiserlichen Leibwache der equites singulares dienenden Freunde, einem geborenen Raeter, zu Rom den Grabstein CIL VI 3228 gesetzt hat, gewiss in der raetischen coh. III Bracaraugustanorum gedient haben.

cohors III Bracaraugustanorum. Von der vorigen unbedingt verschieden ist die britannische Cohorte gleichen Namens. Dies ergiebt sich schon daraus, dass die britannischen Diplome XXXII, XLIII und LVII (die Zahl ist hier aus der Reihenfolge sicher zu ergänzen) sie gerade für die Zeit, wo jene andere in den raetischen Diplomen erscheint, im britannischen Heere aufführen, nämlich für die Jahre 103, 124, 146. Inschriften der Cohorte sind in Britannien bis jetzt noch nicht gefunden, aber ich möchte die zu Castlefield bei Manchester gefundenen Ziegel mit C III BR (CIL VII 1230) auf sie beziehen und nicht mit Hübner auf eine in Britannien gar nicht nachweisbare coh. III Brittonum. Auch die Inschrift aus Braga bei Bellino Inscrip. Rom. de Braga p. LXII, in der ein Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg coh. Bracarum in Britannia erscheint, muss sich auf unsere coh. beziehen, da eine andere Bracarercohorte in Britannien nicht vorkommt. In mehreren Fällen, wo im Cursus honorum je ein praef. (bezw. centurio) coh. III Brac. genannt wird, ist die Entscheidung, ob die raetische oder die britannische Truppe gemeint ist, unmöglich; es sind dies CIL VI 3536. XII 672. VIII 3005 und ev. Pais 189, wo aber auch III Br[euc.] oder Br[itt.] ergänzt werden kann.

cohors III Bracaraugustanorum. Eine solche führt endlich noch das neue Diplom vom J. 139 (Cagnat l’ann. épigr. 1897, 106) unter den Truppen von Syria Palaestina auf. Es kann dies sehr wohl eine der beiden obigen, etwa die raetische Cohorte des Namens sein, die dann von Hadrian zum jüdischen Kriege zeitweilig nach dem Orient verlegt [257] und zunächst auch nach dessen Beendigung im Lande verblieben wäre. Ebenso möglich ist aber auch, dass hier eine dritte, von jenen verschiedene, dauernd im Orient stehende coh. III Bracaraugustanorum zu erkennen ist.

[cohors III Valeria Bracarum.] Über diese in der Not. dign. Or. XL 49 zu Drasdea in der Provinz Thracia verzeichnete Cohorte ist das Urteil ganz unsicher, und es lässt sich nicht einmal feststellen, ob sie überhaupt eine alte Truppe gewesen ist.

cohors IIII Bracaraugustanorum hat in Judaea gestanden, wie der Cursus honorum des C. Aufidius Maximus aus Cirta CIL VIII 7079 ausdrücklich besagt (praef. cohort. IIII Bracarum in Iudaea). Eine Bestätigung bietet das neue Diplom vom J. 139 (Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106), das sie unter den Auxilien der Provinz Syria Palaestina aufzählt.

cohors V Bracaraugustanorum. Sie findet sich genau wie die III Bracaraugustanorum in den raetischen Diplomen XXXV von 107 n. Chr. und LXXIII von 166. Sonst nennt nur noch der stadtrömische Cursus honorum CIL VI 3539 einen praef. coh. V Bracar. Augustánorum in Germania. Obgleich auch hier die Möglichkeit besteht, dass sowohl in Germanien wie in Raetien je eine coh. V Bracaraugustanorum gleichzeitig gewesen ist, ist doch – zumal bei den vielfachen Truppenverschiebungen gerade zwischen den Provinzen Raetien und Germanien – die grössere Walrrscheinlichkeit die, dass beidemal ein und dieselbe Abteilung gemeint ist, die dann erst in Germanien gestanden haben und später von dort nach Raetien verlegt worden sein wird. Denkbar wäre, dass die raetische Donaustation Quintana Not. dign. Occ. XXXV 23 ihren Namen von der coh. V Bracaraugustanorum als der einzigen mit der Ziffer V in Raetien nachweisbaren Truppe in derselben Weise bekommen hätte, wie gerade in Raetien und Noricum die Stationen Batava, Astura, Commagena u. a. nach den dort liegenden Auxiliarregimentern benannt worden sind.

cohors I Breucorum D (= quingenaria) Val(eria) Vi(ctrix) bis torquat(a) ob v(irtutem) appella(ta) (equitata [?], vgl. CIL III 5918 = 11929). Die nicht wenigen Denkmäler von ihr weisen alle nach Raetien. Dort stand sie nach Diplom XXXV im J. 107 und nach Diplom LXXIII im J. 166. Mehrere Inschriften aus dem Castell von Pfünz beweisen, dass sie zeitweilig daselbst ihr Standlager gehabt hat. Es sind dies eine Reihe von Dedicationen, an Pius CIL III 11930 und 11931 = 5918 a. an Commodus vom J. 183/84 ebd. 11933, an Caracalla vom J. 211 ebd. 11934 = 6530, event. auch 11935, endlich die undatierten Steine 5918 = 11929 und wohl auch 5918 b = 11936, wo Mommsen Korr. d. Westd. Zeitschr. VI 161 zweifellos richtig den Namen der Cohorte eingesetzt hat. Bei welchen Gelegenheiten die Truppe ihren Ehrenbeinamen Valeria Victrix, den sie mit der legio XX Val. Vict. teilt, und den zweimaligen Titel torquata (vgl. ala torquata Bd. I S. 1267) erworben hat, lässt sich nicht erweisen.

cohors I Breucorum equitata c. R., die in dem aquilejischen Cursus honorum des C. Minicius Italus CIL V 875 vorkommt (in der schlecht copierten alexandrinischen Inschrift desselben Mannes [258] Cagnat L’ann. épigr. 1893, 91 ist coh. I Brit. verlesen), muss von der raetischen coh. I Breuc. doch wohl unterschieden werden. Diese nämlich, die in den beiden besprochenen, sicher jüngeren Pfünzer Inschriften offenbar ihre sämtlichen Namen aufführt, würde den besonders ehrenvollen Beinamen civium Romanorum, gewiss nicht weggelassen haben. Die coh. I Breuc. eq. c. R. könnte dann diejenige Truppe des Namens sein, von der ein Officier aus der ersten Hälfte des 1. Jhdts. zu Tarsus begraben liegt (CIL III 13622 = Heberdey-Wilhelm Reisen in Kilikien S. 4) und die dann auch im Orient gestanden haben wird, denn an die raetische wird man hier nicht denken wollen. Bei anderen Officieren einer coh. I Breuc. (CIL II 4136. X 4619. V 6478) ist eine Entscheidung zu treffen unmöglich.

cohors II Breucorum hat zum mindesten während des 2. und 3. Jhdts. zur Besatzung von Mauretania Caesariensis gehört; unter dieser zählt sie 107 n. Chr. Diplom XXXVI auf, und als ihre Garnison erweisen die Inschriften das Castell von Hr. Suik (Tagremaret) im Südwesten der Provinz. Dort muss sie lange Zeit gelegen haben, da der Ort selbst schliesslich officiell cohors Breucorum heisst. Er war von grosser militärischer Bedeutung (vgl. Cagnat L’arm. rom. d’Afr. 649f.) als der Ausgangs- und Knotenpunkt verschiedener Strassen. Meilensteine mit a coh. Breuc. sind aus den Jahren 270 und 282/83 erhalten, s. Ephem. epigr. VII 670 und 671 (vgl. auch 672). An Inschriften der Cohorte haben wir aus dem Castell die im J. 243 gesetzte Weihung (Ephem. epigr. V 1047 = CIL VIII 21560) eines dec. praepositus coh. II Breucoru[m] Gordiane, den Grabstein eines signifer (Ephem. epigr. V 1048 = CIL VIII 21561) und endlich eine metrische Grabschrift (Ephem. epigr. V 1049 = CIL VIII 21562) anscheinend eines im Kampfe gefallenen Centurio, die des Fundorts wegen gewiss auf die coh. II Breucorum zu beziehen ist. Aus der Provinzialhauptstadt Caesarea stammt der Grabstein eines Soldaten, der translatus in praetorio (ex) coh. II Breucorum genannt wird, CIL VIII 9391. Einem Praefecten begegnen wir im Cursus honorum CIL IX 5066, einem anderen vielleicht ebd. VII 1054, wo freilich die Zahl nicht ganz sicher ist.

cohors III Breucorum ist nur durch mehrere ihrer Praefecten bekannt aus den Cursus honorum CIL X 3847. IX 4753 und III 731 = Suppl. 7395, wo Mommsen den schlecht überlieferten Text zu III Breucorum verbessert hat.

cohors IIII Breucorum wird auf mehreren Inschriften aus Britannien genannt, aus denen hervorgeht, dass sie im 3. Jhdt. dort gelegen hat. Zu Ebchester sind die Weihung eines actar. coh. IIII Br. aus der Zeit des Caracalla. CIL VII 458, und Ziegel mit .HIBR ebd. 1229 gefunden worden, die wohl nicht mit Hübner als [co]h. I Br[itt.]. sondern des Fundorts wegen als coh. I] III Br[euc.] aufzulösen sind. Noch klarer ist dies bei den Ziegeln aus Slack mit coh. IIII BRE. ebd. 1231 = Ephem. epigr. VII 1127, bei denen Hübners Erklärung Bri[ttonum] völlig unverständlich ist. Endlich ist der Name der Cohorte schon von Hassencamp richtig auf einer Inschrift aus Hopton bei Manchester. CIL VII 177, hergestellt worden.

[259] cohors V Breucorum. Diplom XIII zählt sie 80 n. Chr. unter den pannonischen Besatzungstruppen auf, und dazu würden die Ziegel aus Brigetio Arch.-epigr. Mitt. III 147 stimmen, falls auf diesen thatsächlich COH V BR steht. Inschriften der Cohorte sind aber nur aus Noricum bekannt, sodass – zumal sie in all den zahlreichen pannonischen Diplomen der Folgezeit fehlt – die Annahme berechtigt erscheint, sie sei schon bald nach dem J. 80 von Pannonien nach Noricum verlegt worden. Die dortigen Inschriften von ihr sind der Stein eines Soldaten aus dem Thal Lavantina, CIL III 5086, und der Grabstein eines Veteranen aus dem Thal der Mur, ebd. 5472. Auch der Angehörige einer co[h...] Breuc., der zu Weihmörting in Noricum eine Inschrift, ebd. 5613, geweiht hat, hat wohl eben in der coh. V Breucorum gedient. Ein Praefect von dieser erscheint auf einem Steine aus Formiae, CIL X 6102.

cohors VI Breucorum muss, da sich noch je eine coh. VII und VIII Breucorum nachweisen lassen, notwendig bestanden haben. Ich möchte auf sie die Bonn. Jahrb. 87, 95 veröffentlichten Ziegel aus Xanten mit.. H VI BR beziehen. Von den beiden hier möglichen Auflösungen als [co]h. VI Br[eucorum] oder [co]h. VI Br[ittonum] scheint mir nämlich die erstere aus dem Grunde vorzuziehen zu sein, weil durch die Xantener Ziegel mit coh. Breucorum CIRh 223 p erwiesen ist, dass dort thatsächlich eine coh. Breucorum gestanden hat, deren Nummer wir nur bisher nicht kannten.

cohors VII Breucorum c. R. equitata (CIL III 10278, vgl. ebd. 215) ist nach Diplom XVII im J. 85 in Pannonien, nach Diplom LXXIV im J. 167 in Pannonia inferior gewesen. Ihren Namen werden wir aber für letztere Provinz wohl auch in Diplom LXVIII (zwischen 145 oder 154 und 160) zu ergänzen haben, wo coh. VII weder mit Mommsen zu III geändert werden, noch auf die VII Lusitanorum bezogen werden darf. Aus der in fünf auf einander folgenden Namen genau mit Diplom LXXIV übereinstimmenden Reihenfolge der Truppen ergiebt sich vielmehr, dass an dieser Stelle eben die VII Breucorum zu erwarten ist. Vom J. 201 besitzen wir eine Inschrift der Cohorte zu Ehren des Septimius Severus aus dem römischen Castell auf der Donauinsel von Mohacs, CIL III 10278, die den Schluss nahe legt, dass die Truppe damals dort in Garnison gelegen hat. Überaus zahlreich sind die Ziegel der Cohorte, die an den verschiedensten Punkten der Provinz zu Tage getreten sind und vermuten lassen, dass die coh. VII Breucorum in Pannonia inferior eine ähnliche Rolle gespielt hat, wie die coh. IIII Vindelicorum in Germania superior. Solche Ziegel – zum Teil durch die beigesetzten Kaisernamen nach den Regierungen von Caracalla bis Gordian datiert – haben wir aus Aquincum, Bellye, Ban, Batina, Baracs, Mitrovic, Esseg, Szeksö, Paks, Duna-Pentele und aus dem damals bereits zu Pannonia inferior gehörenden Brigetio CIL III 3757. 6472. 10668. Ein früherer Praefect der Cohorte begegnet auf einer Inschrift aus Worms CIRh 897, ein anderer, der unmittelbar im Anschluss an das Commando ein Detachement von Auxilien der Provinz Pannonia inferior zu irgend welchem auswärtigen Kriege [260] führt, erscheint im Cursus honorum, CIL III 1464, Ein ähnlicher Anlass mag eine zeitweilige Anwesenheit der ganzen Cohorte auf der Insel Cypern verursacht haben, die durch die Inschrift aus Knodara ebd. 215 bewiesen wird. Dass hier nicht etwa eine andere gleichnamige Truppe gemeint sein kann, zeigt schon die Übereinstimmung der Beinamen c. R. equitata. Vielleicht ist die Cohorte während des grossen jüdischen Aufstandes von 117 dorthin geschickt worden und könnte dann vorher schon mit einer der pannonischen Legionen an Traians Partherkrieg beteiligt gewesen sein.

cohors VIII Breucorum ist bis jetzt nur durch zwei rheinische Soldatengrabsteine bekannt, einen aus Birten CIRh 159 und einen aus Köln ebd. 232, die den Beweis dafür liefern, dass die Cohorte im 1. Jhdt. zu den Auxilien von Germania inferior gehört hat.

cohors Breucorum ohne Ziffer findet sich ausser auf den unter coh. VI Breucorum angeführten rheinischen Ziegeln auch in einem Cursus honorum traianischer Zeit aus Piemont CIL V 7153; eine Beziehung auf eine der verschiedenen bekannten cohortes Breucorum ist unmöglich.

cohors I Britannica miliaria c. R. (mit letzterem Beinamen nur in den Diplomen von 105 und 110, als Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg nur in denen von 85 und 105) kehrt zunächst in den pannonischen Diplomen XIII, XVI, XVII und XCVIII aus den Jahren 80, 84, 85 und 105 wieder. Ob der ziemlich alte Grabstein eines eq. imag. coh. I Brit., eines geborenen Britanniers, aus Titel in Pannonia inferior CIL III 3256 ihr oder der pannonischen coh. I Brittonum miliaria zugehört, lässt sich nicht entscheiden. Im Januar 105 ist die Cohorte, wie das einem ihrer Soldaten erteilte Diplom XCVIII schliessen lässt, noch in Pannonien gewesen, noch in dem selben Jahre wird sie aber bei Ausbruch des zweiten dakischen Krieges nach dem Kriegsschauplatze abgegangen sein, denn den Krieg hat sie offenbar mitgemacht, da wir sie 110 n. Chr. in dem die Occupationstruppen der neuen Provinz aufzählenden Diplom XXXVII wiederfinden. In Dacien ist sie dann aber auch weiterhin verblieben und hat im Szamosthale in dem Castell von Alsó-Kosály in Garnison gelegen. Von dort besitzen wir nämlich eine officielle Weihung der ch. prima Brittanica Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg für zwei unbekannte Kaiser CIL III 821, und auch von den übrigen dortigen Soldateninschriften ohne Angabe der Truppe mag die eine oder die andere, z. B. ebd. 830, ihr angehören; ihren Namen findet Mommsen ferner auf dem Fragment aus Alsó-Kosály ebd. 829 wieder. Dass der Soldat einer (coh.) I Britta.., dessen Grabstein, CIL III Suppl. 7634, in dem unweit von Alsó- Kosály gelegenen Vád gefunden ist, in derselben Truppe gedient hat, ist wohl nicht zu bezweifeln. Endlich wird der tribun. coh. I Britt., der als solcher Vexillationen dacischer Truppen zu einem Partherkriege führt und dessen Cursus honorum, CIL III 1193, in dem dacischen Apulum zu Tage getreten ist, wohl eben die dacische cohors I Britannica befehligt haben. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass deren Name meiner Ansicht nach auch in dem Diplom LXX (aus der Zeit zwischen 145 und 161) zu stehen scheint, wo ich die im Subscript genannte coh. I Ulp. Brittonum Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg in der ersten Cohorte der Liste, der I Ulp...... [261] wiedererkennen und das an siebenter (?) Stelle stehende I BRITT Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg , zumal es nicht wie dort Britton. abgekürzt ist, als coh. I Britt[annica] Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg ergänzen möchte. Über das verlesene coh. I Britann. auf einer alexandrinischen Inschrift s. coh. I Breucorum c. R.

cohors II Britann[ica] oder Britann[orum] miliaria equitata ist bis jetzt nur aus Ziegeln zu erschliessen. In Dacien sind solche mit dem Stempel Pauly-Wissowa IV,1, 261 b 2.jpg und Pauly-Wissowa IV,1, 261 b 3.jpg, CIL III 1633, 2 = Suppl. 8074, 11, im Castell von Romlot und in dem von Alsó Ilosva gefunden worden, die gewiss ein und derselben Truppe angehören. Wo diese vor der Eroberung Dakiens gestanden hatte, ist zunächst ungewiss. Allein wenn wir aus Germania inferior Ziegel mit Pauly-Wissowa IV,1, 261 b 4.jpg (aus Vechten, im Leidener Museum, nach freundlicher Mitteilung von Zangemeister) besitzen, die meiner Ansicht nach nur als II Br(it.) m(il.) e(qu.) gelesen werden können, so liegt die Vermutung nahe, dass diese von derselben Cohorte herrühren, die dann zunächst in Germanien gestanden hätte und später, etwa mit der niedergermanischen legio I Minervia, nach Dakien gekommen wäre.

cohors Britannica ohne Nummer findet sich in dem griechischen Cursus honorum aus Attaleia CIG 4340 b (= Le Bas-Waddington 1364 = Lanckoroński I S. 158, 9) erwähnt (ἔπαρχον σπε[ίρας] Βρετταννικῆς).

cohors III Britannorum. Diese ungewöhnliche Form des Namens statt des nach Analogie der übrigen Cohorten zu erwartenden Britannica oder Brittonum ergiebt sich aus der Vergleichung der Stellen, wo der Stammesname vollständig ausgeschrieben ist: Britannorum und Brittan⟨i⟩-norum in Diplom XXXV, Britann. in Diplom LXXIX, Britannorum CIL V 7717 und Brittorum Not. dign. Occ. XXXV 25. Die Cohorte hat anscheinend die ganze Kaiserzeit zum raetischen Heere gehört. Nicht nur zählen sie in diesem die Diplome XXXV im J. 107, LXXIII im J. 166 und LXXIX nach 145 (in letzteren beiden ist die Zahl mit Sicherheit zu ergänzen) auf, sondern sie heisst auch in der Inschrift CIL V 7717 ausdrücklich exercitus Raetici, und noch die Not. dign. Occ. XXXV 25 verzeichnet sie als Besatzung von Abusina in Raetien. Hier in Abusina, dem heutigen Eining, sind nun auch thatsächlich Inschriften der Cohorte zu Tage getreten, nämlich Ziegel mit cho. III Br., CIL III 11996, und die Weihung eines praef. vom J. 211, ebd. 5935; die Truppe muss also dort schon lange vorher gelegen haben. Ob auch das zu Eining gefundene Diplom LXXIX, das einem Soldaten einer [coh. . .] Brittonum erteilt ist, auf die dortige III Britannorum bezogen werden darf oder ob eine von der III Britannorum verschiedene, gleichfalls in Raetien liegende aber sonst unbekannte coh. Brittonum gemeint ist, bleibt ungewiss. Ziegel der Cohorte sind neuerdings auch in dem raetischen Castell Theilenhofen zu Tage getreten, vgl. Hettner Arch. Anz. 1893, 177. Ausserhalb Raetiens ist noch ein interessantes Denkmal der Cohorte gefunden, nämlich der aus Augusta Bagiennorum im westlichen Oberitalien stammende, sicher noch dem 1. Jhdt. angehörende Grabstein [262] Catavigni Ivomagi f. (also eines geborenen Kelten) milit. coh. III Britannorum exercitus Raetici, CIL V 7717. Die Cohorte muss sich also zeitweilig einmal in Oberitalien befunden haben. Den Zeitpunkt glaube ich wenigstens als möglich nachweisen zu können. Im Anfang 69 hatte sich das raetische Heer dem Vitellius angeschlossen (Tac. hist. I 59) und gleichzeitig mit Caecina den combinierten Angriff gegen die Helvetier unternommen (ebd. I 67 und 68). Caecina schickt dann nach Italien als Avantgarde Gallorum Lusitanorumque et Britannorum cohortes voran und folgt diesen selbst über die poeninischen Alpen, um Oberitalien zu besetzen (ebd. I 70). Damals mag auch die raetische coh. III Britannorum den Zug mitgemacht und der Soldat dabei 69 zu Augusta Bagiennorum den Tod gefunden haben. Ja, es ist nicht unmöglich, dass Tacitus mit Britannorum coh. eben sie meint. Über zwei ältere eventuell auf die Cohorte zu beziehende Grabsteine aus Oberitalien s. coh. III PR. In dem Cursus honorum Pais 189 ist bei coh. III BI ebenso gut Brit. als Breuc. oder Brac. zu ergänzen möglich.

cohors I Brittonum miliaria steht 85 n. Chr. in Diplom XVII neben der I Britannica miliaria verzeichnet und muss demnach von dieser verschieden sein. Der oben citierte Grabstein aus Titel kann sich ebensogut auf sie beziehen wie auf jene. Von den weiteren Schicksalen der Truppe lässt sich nichts sagen; es ist aber von vorn herein wahrscheinlich, dass sie mit einer der verschiedenen coh. I Brittonum miliariae identisch ist, die uns später in anderen Provinzen begegnen. Am ehesten käme da meiner Ansicht nach in Betracht die

cohors I Brittonum miliaria {equitata?), die an verschiedenen Stellen der Wallachei, also in der Provinz Dacia Malvensis, erscheint. Zunächst nennt sie eine noch unpublicierte Bauinschrift aus dem den Vulcanpass von Süden her sperrenden Castell von Bumbesti am Schyl (vgl. darüber Cichorius Reliefs d. Traianss. II S. 239f.), von der ich eine freilich wohl hier und da der Berichtigung bedürftige Copie der Freundlichkeit des Herrn Director Al. Stefulescu in Targu Jiu in Rumänien verdanke. Sie ist im J. 201 errichtet und betrifft die Neuerbauung der Castellmauern PER • I COH • BRITTORVM Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg EHERING EOS, was wohl zu lesen ist per coh. I Britto(n)um (miliariam) eq(uitatam). Auf dieselbe Cohorte, die also damals zu Bumbesti gestanden zu haben scheint, werden dann die Ziegel mit COH•I•BR• Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg EHERING aus Orsova, CIL III Suppl. 8074, 10, zu beziehen sein und ebenso die bei Boroneasa am Alt gefundenen mit CORS M B, Arch.-epigr. Mitt. XIX 84, die schon von den Herausgebern richtig als co[ho]rs m[il.] B[ritt.] erklärt sind. Eine gewisse Schwierigkeit bereitet die Inschrift aus Thessalonike ebd. XVII 117, die zu Ehren eines Praeses der Provinz Dacia Malvensis gesetzt ist von seinen Söhnen Philippus und Cassianus trib. coh. I F. M[il] Bryttonum Malvensis. Damit soll offenbar eine in Dacia Malvensis stehende coh. I mil. Brittonum näher gekennzeichnet werden, und dies würde auf die vorstehende ja trefflich passen, wenn nicht der als F[lavia] zu deutende Beiname, der auf der officiellen Inschrift aus Bumbesti keinesfalls hätte fehlen dürfen, sich damit schwer vereinigen liesse. [263] Ausser jener aber noch eine weitere von ihr verschiedene coh. I Flavia Brittonum miliaria in der Provinz anzunehmen, wird man sich nur schwer entschliessen (vgl. übrigens noch coh. I Flavia Brittonum). Ist auf dem Stein von Bumbesti EO wirklich als EQ aufzufassen, so dürfte ihr vielleicht nicht nur der mehrerwähnte Stein eines Reiters aus Titel, CIL III 3256, zuzuweisen sein, sondern auch der trib. coh. I Br. Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg eq. im Cursus honorum aus Turin, ebd. V 6995; hier ist nämlich eher an eine coh. Br[ittonum] zu denken, wie an eine coh. Br[eucorum], die Mommsen ergänzen wollte, denn nur von Brittones, nicht aber von Breuci sind cohortes miliariae nachweisbar.

cohors I Aelia Brittonum (miliaria). Schon durch den Beinamen von den übrigen coh. I Brittonum verschieden und als Aelia wohl von Hadrian errichtet. Sie wird nur auf zwei Inschriften erwähnt, der Weihung eines s. c. vom J. 238 aus Virunum, CIL III 4812, die vermuten lässt, dass sie zur Besatzung von Noricum gehört hat, und einem Cursus honorum aus Firmum Picenum, CIL IX 5357, der einen Tribunen der Cohorte nennt; da der Officier das Commando an Stelle des Legionstribunats führt, muss die I Aelia Brittonum eine cohors miliaria gewesen sein; vgl. auch coh. I Flavia Brittonum.

cohors I Flavia Brittonum begegnet uns zunächst in Dalmatien, wo zu Salonae der anscheinend frühe Grabstein eines als Activen verstorbenen Soldaten, CIL III 2024, gefunden ist. Dass sie zeitweilig in dem Castell von Crkvenica bei Doboj gelegen hat, hat Patsch Arch.-epigr. Mitt. XVI 78 und 79 wahrscheinlich gemacht, indem er zwei dort gefundene Inschriftenfragmente, das eine I•I•FL.....VM zu coh.] I Fl. [Britton]um, das andere COH .... MILIAR – freilich nicht so überzeugend – zu coh. [I Fl. Brittonum] miliar, ergänzt. Die Cohorte dürfte dann aber aus Dalmatien wegverlegt worden sein und zwar wohl nach Noricum, wo wir in der späteren Kaiserzeit gleichfalls eine coh. I Flavia Brittonum finden. Ein Officier dieser (trib. chor. I Fl. Brit.) hat 267 n. Chr. zu Virunum anlässlich eines Sieges die Weihinschrift CIL III 4811 = 11504 errichtet, und der miles chor. I Fl. BT, dessen Grabstein aus Melk ebd. 5668 publiciert ist, hat gewiss in derselben Truppe gedient. Dagegen ist es bei einem Familiengrabstein aus dem Murthal, ebd. 5455, auf dem ein mil. chor[ti]s I Brit. erscheint, nicht ohne weiteres zu entscheiden, ob darunter die I Flavia Brittonum oder die gleichfalls in Noricum stationierte I Aelia Brittonum zu verstehen ist. Ein trib. coh. I Fl. Britton. wird endlich in dem dem 3. Jhdt. angehörenden Cursus honorum aus Pisaurum, CIL XI 6337 - Henzen 6519, erwähnt. Vgl. auch coh. I Brittonum miliaria.

cohors I Ulpia Brittonum miliaria hat unter Pius zur Besatzung von Dacia superior gehört, wie das in den Jahren 145/161 anzusetzende Diplom LXX beweist, das einem ihrer Leute, einem geborenen Brittonen, erteilt ist und als damaligen Befehlshaber den L. Nonius Bassus nennt. Wenn man aus dem Namen Ulpia den Schluss ziehen darf, den die übrigen coh. Ulpiae nahe legen, so würde die Cohorte überhaupt erst von Traian formiert worden sein.

[264] cohors II Augusta Nervia Pacensis miliaria Brittonum erscheint ein einziges Mal und zwar in dem Diplom XXXIX vom J. 114 unter den Truppen von Pannonia inferior; für ihren ungewöhnlichen Namen ist eine befriedigende Erklärung noch nicht gefunden.

cohors II Flavia Brittonum equitata (CIL XI 5632) ist schon durch ihren Namen, dann aber dadurch, dass sie, von Praefecten befehligt, als quingenaria erkennbar ist, von der vorigen verschieden. Sie gehörte nach Diplom XXX im J. 99 zum Heere von Moesia inferior und ist wohl auch in der Folgezeit dauernd in dieser Provinz verblieben. Wenigstens haben wir noch aus dem J. 230 eine Inschrift aus Bustschuk (Sexanta Prista) CIL III Suppl. 7473, die den Wiederaufbau der balnea coh. II Fl. Britt. Alexandrianae betrifft und die Bustschuk als damalige Garnison der Truppe erweist. Aus dem nahen Durostorum haben wir den Grabstein eines ihrer Centurionen ebd. 7478, und auch die Inschrift unbekannten Fundorts aus Moesia inferior ebd. 7594 = 6227, die einen praeposit. [coh. ... Brit]tonum nennt, wird, auf sie zu beziehen sein. Endlich kennen wir einen Praefecten der Cohorte aus hadrianischer Zeit durch den Cursus honorum CIL XI 5632.

cohors II Brittonum, ohne jeden Zunamen, ist in Diplom XXX VI vom J. 107 in Mauretania Caesariensis verzeichnet. Sie kann mit der vorigen keinesfalls identificiert werden, da sonst eine Verlegung der 99 in Moesia inferior stehenden Cohorte von der Donau nach dem friedlichen Mauretanien gerade während des dakischen Krieges stattgefunden haben müsste, wo umgekehrt aus allen Gegenden Verstärkungen an die Donau gezogen wurden. Dagegen ist die Cohorte vielleicht in dem Cursus honorum CIL V 6995 des L. Alfius Restitutus gemeint, der praef. coh. II Br. eq. trib. coh. I Br. Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg eq. heisst. Br. muss beidemal denselben Volksstamm bezeichnen, und da an der zweiten Stelle wegen des Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg nur an eine cohors Brittonum gedacht werden kann, muss eine solche auch an der ersten Stelle gemeint sein, die Ergänzungen Breucorum (so Mommsen oder Bracaraugustanorum sind demnach ausgeschlossen.

cohors III Brittonum Veteranorum equitata ist nur aus einer Inschrift von Ariminum CIL XI 393 bekannt, die einen ihrer Praefecten nennt. Wie aus dem Namen geschlossen werden darf, hat sich die Cohorte durch den Zusatz Veteranorum von einer gleichnamigen jüngeren Truppe unterscheiden wollen. Diese ist vielleicht die

cohors III Brit[tonum], die seit Traian in den unteren Donauländern nachweisbar ist. Zunächst sind Ziegel von ihr in den Pfeilern von Traians 103 bis 105 erbauter steinerner Donaubrücke bei Turn Severin gefunden worden. CIL III 1703, und die Cohorte würde also damals zum Heere von Moesia superior gehört haben. Nach den dakischen Kriegen wird sie in die neu eroberte Provinz Dacia vorgeschoben worden sein, aus der wir Ziegel mit COH III BRIT (im Bukarester Museum, unbekannten Fundorts, aber gewiss aus der Wallachei und mit C III B aus dem Castell von Kleinschenk im Altthal, CIL III Suppl. 8074, 12, besitzen. Ebenso möglich ist freilich, dass diese Donaucohorte die cohors III Brittonum Veteranorum [265] ist und eine andere, unbekannte coh. III Brittonum Veranlassung zu dem Namenszusatz gewesen ist. [cohortes IIII und V Brittonum] sind vorläufig noch nicht direct bezeugt (über eine vermeintliche coh. IIII Brittonum s. unter coh. IIII Breucorum), aber bestimmt zu erschliessen aus der Existenz der

cohors VI Brittonum. Diese ist durch die Inschriften zweier ihrer Praefecten gesichert, eine africanische, CIL VIII 5363, und eine spanische, ebd. II 2424 aus der Zeit Traians. Die Xantener Ziegel mit [co]h. VI Br. beziehen sich wohl nicht auf sie, sondern auf die coh. VI Br[eucorum] (s. d.).

cohors Brittonum. Eine solche ohne erhaltene Nummer betrifft Diplom LXXIX von Raetien {nach 145), falls dort nicht etwa die coh. III Britannorum (s. d.) gemeint ist. Ferner könnte eine coh. Brittonum auch in dem Fragment eines Cursus honorum, CIRh 1394, erwähnt gewesen sein.

coh. Caes. s. coh. I Ael. M(aur.) Sag. bezw. coh. I Aelia miliaria Sagittariorum.

cohors I Callaecorum ist bisher nur in Spanien nachgewiesen worden. Dort haben sich in dem gallaecischen Castell von San Cristobal (vgl. coh. I Celtiberorum) auch Mannschaften der coh. I Callaecorum als abcommandiert befunden und zu Ehren der Kaiser Marcus und Verus die Inschriften CIL II 2555 und 2556 errichtet. Der auf letzterer genannte Centurio Valerius Flavus kehrt auch in der dortigen Weihung ebd. 2553 vom J. 167 wieder als Befehlshaber einer vexillatio der coh. III Celtiberorum. Nach alledem gehörte die Cohorte im 2. Jhdt. zur Besatzung von Hispania Tarraconensis.

[cohortes II. III. IIII Callaecorum] sind bis jetzt inschriftlich noch nicht bezeugt. Höchstens wäre auf einem Steine aus Viseu in Lusitanien, CIL II 403, eines imaginifer chor. III. . AL die Ergänzung [C]al[laec.] neben der von Hübner gewählten [G]al[lor.] denkbar.

cohors V Callaecorum Lucensium (equitata Diplom LIX). Der Name wird verschieden wiedergegeben, die Diplome haben meist Callaecorum Lucensium, zweimal aber Lueensium et Callaecorum, die Inschriften Gallaecorum Lucensium oder einfach Lucensium. Die Cohorte ist durch mehrere Jahrhunderte hindurch in Pannonien bezeugt. Schon 60 n. Chr. nennt sie Diplom II in Illyricum, dann 84 und 85 n. Chr. die Diplome XVI und XVII in Pannonia, endlich im 2. Jhdt. nach der Teilung der Provinz mehrere Diplome in Pannonia superior, so XLVII und das neugefundene Arch.-epigr. Mitt. XX 156 für 133, LIX zwischen 138 und 146, LX für 148, LXI für 149, LXV für 154. Zwei dieser Diplome (LIX und LXI) sind für einen Reiter und einen pedes der Cohorte ausgestellt und nennen in üblicher Weise ausser diesen Veteranen noch die betreffenden Praefecten der Truppe. Der Standort der Cohorte wird Crumerum an der Grenze der beiden pannonischen Provinzen gewesen sein, woher die beiden einzigen Inschriften von ihr stammen, CIL III 3664 = 10602, eine Dedication der Truppe für Septimius Severus vom J. 198, und ebd. 3662, die Weihung ihres Praefecten für Caracalla oder Elagabal.

[266] cohors Callaecorum s. auch coh. Asturum et Callaecorum.

cohors Campana (bezw. I Camp[estris]). Eine Truppe dieses Namens ohne Ziffer wird durch zwei Steine aus Dalmatien als zeitweilig dort stationiert erwiesen, und zwar scheint die Hauptstadt Salonae selbst ihr Standort gewesen zu sein. Dort ist der Grabstein eines Soldaten Cagnat L’ann. épigr. 1897, 104 = CIL III 14246¹ gefunden, und von dort aus war wohl auch der CIL III 8693 als custos Traguri bezeichnete Soldat zum Wachdienst nach dem nahen Traú commandiert worden. Dass beidemal nicht der volle Name der Cohorte wiedergegeben ist, darf als gewiss gelten, und da Campestris bezw. Campana bis jetzt nur als Beiname einer Voluntariercohorte (s. coh. I Camp. Vol.) bekannt ist, wird wohl an eine solche zu denken sein. Mommsen wollte darin die dalmatische coh. VIII Voluntariorum wiedererkennen, allein diese führt auf all den vielen Inschriften, die wir von ihr aus der Provinz besitzen, nie diesen Beinamen. Ich möchte meinerseits den Stein eher auf eine coh. I Camp. beziehen, die eben in Dalmatien bezeugt ist durch den Grabstein eines Centurionen, CIL III 8438, aus Narona. Wenn auch der Mann, der vorher als mil. leg. XIII in einem unbekannten Kriege decoriert worden war, bei seinem im 60. Jahre erfolgten Tode nicht mehr activ gewesen sein wird, so hat doch seine Truppe wohl in der Provinz gestanden. Diese coh. I Camp. wird dann nicht verschieden sein von der genannten coh. I Campestris Voluntariorum c. R. (s. d.), die uns später in Pannonia inferior begegnet, und ist also wohl von Dalmatien nach Pannonien verlegt worden.

cohors III Campestris c. R. erscheint in Diplom XXXVII, das 110 n. Chr. für die nach Beendigung der dakischen Kriege in der neuen Provinz Dacia verbleibenden Occupationstruppen ausgestellt ist, hat also den Krieg selbst zweifellos mitgemacht. Später wird die Cohorte dann die Besatzung von Drobetae gebildet und die dortige grosse Donaubrücke gedeckt haben. Wenigstens haben wir dorther zwei Inschriften von ihr, den Grabstein der Frau eines Centurionen, CLL III 1421610 = Arch.-epigr. Mitt. XIX 217, und den eines Soldaten, CIL III 14216⁸ = Arch.-epigr. Mitt. XIX 215, der bf. trib. gewesen ist. Man hätte aus letzterer Inschrift also wohl zu schliessen, dass die Cohorte, ebenso wie dies bei der I Campestris Voluntariorum c. R. der Fall ist, eine miliaria war. Sonst ist nur noch zu Athen der Grabstein eines ihrer Soldaten, CLL III 7289, zu Tage getreten; der Mann war aus Scupi in Moesia superior gebürtig und vielleicht nur von dem moesischen Heere nach Athen abcommandiert gewesen.

cohors VII Campestris p. f. So liest Mommsen überzeugend die nur durch eine ungenügende Copie bekannte Inschrift CIL III 132 (coh. VII CAIMP) aus Hatne zwischen Damascus und Palmyra, eine Dedication der offenbar dort in Garnison liegenden Cohorte an die Kaiserin Sabinia Tranquillina. Die Truppe würde an jener Stelle schon ein volles Jahrhundert früher bezeugt sein, wenn sich auf sie – was mir nahezu sicher scheint – die in Hatne gefundene Dedication an Pius ebd. 131 vom J. 138 beziehen liesse, die ebenfalls von einer coh. VII .. errichtet [267] ist. Wenn die durch die coh. I Campestris Voluntariorum c. R. nahe gelegte Gleichsetzung der coh. Campestres mit den coh. Voluntariorum wirklich berechtigt ist, wäre es übrigens nicht unmöglich, dass auch der Officier, der in dem numidischen Cursus honorum (Mél. d’arch. XIII 1893, 509 vgl. Ephem. epigr. VII 740) [trib.] co[h. .. civi]um Ro[mano]rum Volun[ta]rior. piae [fid.] heisst und dessen weitere militärische Carrière sich ausschliesslich im Orient abgespielt zu haben scheint, in der coh. VII Campestris als der einzigen mit dem Beinamen p. f. bekannten gedient hätte.

cohors Campestris vgl. auch coh. I Voluntariorum c. R.

cohors I Flavia Canathenorum miliaria. Vollständig ausgeschrieben erscheint ihr Name nur in den den Cursus honorum des Sertius M. Plotius Faustus aufzählenden Inschriften aus Thamugadi, CIL VIII 2394. 2395. 17904. Danach kann er aber mit Sicherheit auch in dem raetischen Diplom LXXIII vom J. 166 als [I Fl. Ca]nath. ergänzt werden. Dass die Truppe wirklich in Raetien gestanden hat, bestätigen zahlreiche Ziegel mit dem Stempel COH I CAN oder C I F C (coh. I Flav. Canath.), CIL III 6001 und 11992, die an verschiedenen Orten der Provinz, zu Straubing, Regensburg, Eining, Biburg, Kösching gefunden sind. Auch die Weihung eines vete.. [coh.] I Ca[n]a. aus Straubing, ebd. 5973 = 11976, ist von Ohlenschläger richtig auf die I Canathenorum bezogen worden, während mir Mommsens gleiche Vermutung bezüglich des Steines ebd. 5911 zweifelhaft erscheint.

cohors Canninefatium}}. Tacitus berichtet hist. IV 19 aus dem J. 69, dass zusammen mit den batavischen auch Canninefatium cohortes auf Befehl des Vitellius den Marsch von Mainz nach Italien angetreten hatten. Durch Sendboten des Civilis eingeholt und zum Abfall verleitet, kehrten sie jedoch um und rückten nach Germania inferior, um sich dem Civilis anzuschliessen. Es müssen damals also eine, vielleicht aber auch mehrere coh. Canninefatium bestanden haben, die jedoch dann nach Niederwerfung des Bataveraufstandes als Hauptschuldige wohl zu den in erster Linie cassierten Regimentern gehört haben werden. Wenigstens fehlt in der Folgezeit jede weitere Spur von ihnen. Inschriftlich glaubte man zwar bisher eine

[cohors I Canninefatium] durch Diplom LI bezeugt als im J. 138 zur Besatzung von Pannonia superior gehörend, allein jetzt ist durch Bormann Arch.-epigr. Mitt. XX 161 nachgewiesen, dass an der betreffenden Stelle vielmehr die in jener Provinz liegende ala I Canninefatium (s. Bd. I S. 1236) gemeint ist.

[cohors I Cantabrorum] fehlt noch.

cohors II Cantabrorum wird ausser in Diplom XIX, das sie 86 n. Chr. unter den Besatzungstruppen von Judaea aufzählt, nirgends erwähnt.

cohors Carietum et Veniaesum errichtete zu Brixia die in der frühen Kaiserzeit anzusetzende Ehreninschrift CIL V 4373 für einen offenbar dorther stammenden Officier, ohne dass sich irgend etwas Näheres über die Truppe vermuten liesse.

cohors I Celtiberorum finden wir in den 105 und 146 n. Chr. ausgestellten Diplomen XXXIV [268] und LVII unter den Auxilien von Britannien, doch haben sich in dieser Provinz keine Inschriften der Cohorte erhalten. Höchstens könnte man vielleicht zweifelnd die Ziegel aus Caersws mit dem Stempel C I C T, CIL VII 1243 c, auf sie beziehen und als c(oh.) I C(el)t. lesen.

cohors I Celtiberorum (equitata CIL II 2552). Mit der vorigen schwerlich zu identificieren ist eine coh. I Celtiberorum, die uns im 2. Jhdt., ganz kurz nach der Zeit, während der die andere in Britannien nachweisbar ist, unter den Auxilien von Hispania Tarraconensis begegnet. Denn dass von dem im Laufe der Kaiserzeit immer mehr verstärkten britannischen Besatzungsheere eine Abteilung nach dem völlig pacificierten Spanien verlegt sein sollte, dessen Besatzung umgekehrt stetig vermindert wurde, erscheint ganz ausgeschlossen. Eine Inschrift dieser spanischen Cohorte, CIL II 2552, stammt aus dem Castrum San Cristobal in Gallaecia, wo ein anscheinend jährlich abwechselnd von den verschiedenen Besatzungstruppen der Provinz Hispania Tarraconensis gestelltes Commando in Garnison lag. Der Stein enthält eine Weihung vom 10. Juni 163 für die Kaiser Marcus und Verus durch eine vexillatio der leg. VII Gemina unter verschiedenen Officieren, darunter einem Lucretius Paternus dec. coh. I Cel[tiberorum] (so liest Mommsen den nur hsl. und sehr verderbt überlieferten Text). Derselbe Officier erscheint ebendort auch CIL II 2555 in einer Weihung für Marcus und Verus, und der Cohorte wird dann wohl auch der tesserar. c. I • C. auf der dortigen Inschrift ebd. 2553 zugehören. Weiter besitzen wir aus Tarraco den Grabstein eines praef. coh. I Celtiberor., CIL II 4141, womit hier in ihrer Garnisonprovinz gewiss die spanische, nicht die britannische coh. I Celtiberorum gemeint ist.

[cohors II Celtiberorum] ist bis jetzt noch nicht nachgewiesen.

cohors III Celtiberorum hat ebenso wie die I Celtiberorum im 2. Jhdt. in Hispania Tarraconensis gestanden. Auch sie kennen wir nur aus einer einzigen Inschrift von jenem Castell San Cristobal in Gallaecien, CIL II 2553, einer Weihung, die ein von ihr dorthin gestelltes Commando (vexillarior. coh. III Celtib.) am 15. October 167 für die Kaiser Marcus und Verus dargebracht hat.

cohors Celtibera. Eine coh. Celtibera, Brigantiae, nunc Iuliobriga führt die Not. dign. Occ. XLII 30 in Callaecia auf. Da aber gerade aus dieser Gegend die Inschriften der coh. I und III Celtiberorum stammen, ist damit gewiss eine dieser beiden gemeint, wenn sich auch nicht entscheiden lässt, welche von ihnen.

Vorlage:Ankeercohors I Chalcidenorum equitata (CIL VIII 17588 = 10658) ist durch eine Reihe von Inschriften als Besatzungstruppe der Provinz Numidien gesichert, und zwar muss sie, da diese bis auf eine sämtlich zu Bir um Ali bei Theueste gefunden sind, an jenem Platze in Garnison gelegen haben. Zwei davon sind Ehreninschriften für die Kaiser Marcus und Verus, im J. 164 von der coh. I Chalcidenorum equitata errichtet, CIL VIII 17587 und 17588 = 10658, eine dritte ebd. 17589 = 2090 ist der Grabstein der Frau eines ihrer Praefecten. Weiter hat Dessau mit vollem Recht die am gleichen Orte entdeckte metrische Weihinschrift, [269] ebd. 17586, eines praefectus cohortis auf die I Chalcidenorum bezogen. Ein aus der syrischen coh. III Thracum in die I Chalcidenorum versetzter Palmyrener erscheint auf einem Steine aus El-Kantara in Tunis Cagnat L’ann. épigr. 1896, 35, und auch der praef coh. Chalciden. in Africa, CIL VI, 3538 hat wohl eben diese Cohorte befehligt. Schließlich durfte sich wohl auch der nur hsl. überlieferte Cursus honorum aus Urgavo in Baetica, CIL II 2103 auf die africanische cohors I Chalcidenorum beziehen, wo allerdings praef. coh. I Chalcedonen. überliefert, aber wohl Chalciden. zu lesen ist.

cohors I Flavia Chalcidenorum equitata sagittariorum. Nur aus der Inschrift CIL III 129 = Suppl. 6658 bekannt, die sie im J. 162 im Castell von Admedera, östlich von Damaskus, offenbar ihrer Garnison, zu Ehren des Kaisers Verus gesetzt hat. Von der africanischen coh. I Chalcidenorum ist notwendig verschieden, da diese um dieselbe Zeit (164 n. Chr.) in ihrer Provinz bezeugt ist und eine Verlegung einer Truppe von Syrien nach Africa gerade während des Partherkrieges völlig ausgeschlossen ist.

cohors II Chalcidenorum hat nach den Diplomen XXX und XLVIII in den Jahren 99 und 134 in Moesia inferior gestanden, ohne dass bisher dort irgend welche Inschrift von ihr zu Tage getreten wäre.

[cohors III und cohors IIII Chalcidenorum] werden zwar nirgends erwähnt, sind aber aus der Existenz der V Chalcidenorum bestimmt zu erschliessen.

cohors V Chalcidenorum {equitata) muss im Orient gelegen haben, da sie Reiter zu dem mehrfach erwähnten, aus orientalischen Abteilungen combinierten Cavalleriedetachement des Lollianus, CIL III 600, gestellt hat.

cohors I Flavia Cilicum equitata (CIL III 6025. 14147 3. 4. CIG 4713 f. Corp. pap Rain XVIII) lässt sich durch eine ganze Anzahl datierter Zeugnisse beinahe ein Jahrhundert hindurch in Ägypten verfolgen. Unter den Flaviern errichtet, wie ihr Name zeigt, ist sie wohl aus dem Contingent der 74 von Vespasian eingezogenen Cilicia Trachaea hervorgegangen. Jedenfalls fällt ihre Formierung vor das J. 83, wo sie bereits in Diplom XV unter den Auxilien der Provinz Ägypten erscheint. Damals wird ihr Standort bei Hamamât gewesen sein, wo die Inschrift eines Soldaten, CIG 4716 d⁹ = Lepsius 100, 568, aus der Regierung Domitians, sowie eine weitere vielleicht auch auf die Cohorte bezügliche, Lepsius 100, 583, gefunden sind. Am 23. April 118 ist ein Centurio von ihr in die von dort nicht allzu entfernten ἔργα des Mons Claudianus commandiert, der zu ὔδρευμα Τραιανόν die Inschrift CIG 4713 f setzt, und aus dem J. 124 haben wir einen Auszug ἐκ τόμου ὑπομνηματισμῶν eines Praefecten von ihr aus dem Faijûm, Corp. Pap. Rain. nr. XVIII. All dies beweist, dass die Truppe damals noch in der nördlichen Hälfte der Provinz gelegen hat. Wenn wir ihr dann schon 140 im äussersten Süden derselben begegnen, so ist mitMommsen (Ztschr. d. Savignystift. 1892, 284f.) anzunehmen, dass Hadrian sie um 130 nach Oberägypten verlegt hat. Dort muss sie in Syene in Garnison gestanden haben, wo sie bereits 140 n. Chr. anlässlich der Erbauung [270] einer Basilika zu Ehren des Pius die Inschrift CIL III 6025 setzt und wo noch eine zweite Ehreninschrift von ihr für denselben Kaiser etwa aus dem J. 155, Cagnat L’ann. épigr. 1896, 41 = CIL III Suppl. 14147³, gefunden ist. Gleichfalls aus Syene stammt dann noch eine Kaiserinschrift der Cohorte vom J. 162, Cagnat ebd. 42 = CIL III Suppl. 14147⁴. In allen drei Inschriften untersteht die Truppe jedesmal einem Centurio der legio II Traiana. Sonst finden wir noch in der dem J. 156 angehörenden Stammrolle der coh. I Aug. Praet. Lusitanorum einen in diese Cohorte versetzten Soldaten der I Fl. Cil. eingetragen, und ihr Name wird endlich wohl auch noch auf der Inschrift aus Hiera Sykaminos an der Südgrenze der Provinz, CIG 5110, ergänzt werden dürfen, auf der ein Angehöriger (σπείρης) α' Φλα... genannt wird.

cohors I Cilicum, von der I Flavia Cilicum sicher verschieden, stand zu Ende des 1. Jhdts. in Moesia superior, wo das neue Diplom aus Bulgarien (vgl. Jahresh. d. österr. arch. Instit. I 170f.) sie 93 n. Chr. ansetzt und wo zu Naissus der Grabstein eines Soldaten von ihr CIL III Suppl. 8250 gefunden ist. Wahrscheinlich von Hadrian ist sie nach Moesia inferior verlegt worden, unter dessen Auxilien sie 134 in Diplom XLVIII erscheint. In die Zeit ihres dortigen Aufenthalts würde dann der Grabstein zweier Soldaten fallen, der aus Chersonesos in der Krim stammt, S.-Ber. Akad. Berl. 1895, 522 = CIL III 1375l b, denn so gut Legionare des niedermoesischen Heeres nach der Krim detachiert wurden, könnte dies auch mit einer Auxiliarcohorte der Fall gewesen sein. Den praef. cohor. Cil. in dem spanischen Cursus honorum, Ephem. epigr. VIII p. 415, wird man lieber auf die moesische Cohorte beziehen wollen, als auf die ägyptische I Flavia Cilicum.

[cohors I Cilicum miliaria?]. Ob neben den beiden besprochenen Cohorten nicht noch eine coh. I Cilicum miliaria anzunehmen wäre, verdient wenigstens in Erwägung gezogen zu werden. Wir kennen nämlich aus einem Cursus honorum des 2. Jhdts. CIG 3497 einen χιλίαρχος σπείρας πρώτης Κιλίκων, und dass hier nicht etwa χιλίαρχος fälschlich für ἔπαρχος gebraucht ist, geht daraus hervor, dass der betreffende Officier das Commando zwischen Cohorten- und Alenpraefectur, also an Stelle des Legionstribunats, bekleidet hat, die Truppe also eine coh. miliaria gewesen sein muss. Dürfte man die Ziegel aus Szerb Poszeszena am linken Donauufer – noch im Militärbezirk von Obermoesien – mit C I 8 C I C (Arch.-epigr. Mitt. IV 178) als c(oh.) I Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg Ci⟨li⟩c. lesen, so würde man sie auf dieselbe Truppe zu beziehen haben. Ob diese dann aber von der bekannten obermoesischen coh. I Cilicum verschieden gewesen ist oder etwa letztere eine miliaria war, würde sich mit dem jetzt vorliegenden Material nicht entscheiden lassen.

[cohors I Cirtensium] kann zunächst nur wegen der folgenden Cohorte vermutet werden.

cohors II Cirtensium ist bisher nur ein einziges Mal in einer Inschrift aus Zuccabar in Mauretania Caesariensis, CIL VIII 9631, genannt, wo COH II CIRT ⟩ VI wohl richtig als coh. II Cirt(ensium) Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg VI gelesen ist und wonach sie dann in jener Provinz gestanden haben muss.

[271] cohors I Cisipadensium. Ihr Name ist erst in dem neu gefundenen Diplom von Moesia superior (Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.) vollständig überliefert. Danach stand die Cohorte 93 n. Chr. in dieser Provinz; das Diplom ist einem ihrer Soldaten ausgestellt und nennt ausser diesem, einem geborenen Larisener, noch, wie üblich, den Praefecten. Sonst finden wir nur noch einmal einen (s)ignifer Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg cho. (.C)isipadensium auf einer Inschrift aus Rovigno in Istrien, CIL V 8185.

cohors c(ivium) L(atinorum) s. coh. II Tungrorum miliaria.

cohors I Civium Romanorum equitata (CIL VI 3520) p. f., ist im 2. Jhdt. in Germania superior nachweisbar, wo sie die Diplome XL und L für 116 und 134 bezeugen. Aus ihrem Fehlen in den obergermanischen Diplomen des 1. Jhdts. (von 74. 82. 90) schliesst Ritterling Westd. Ztschr. XII 214 mit Recht, dass sie damals noch nicht in der Provinz gewesen war und erst unter Traian dorthin verlegt worden ist. Sie ist dann gewiss identisch mit der coh. primae equitatae Civae (!) Roman. in Germ. inferior., von der ein Praefect CIL VI 3520 genannt wird. Auf eine ursprünglich niedergermanische Truppe passt auch der Beiname p. f. gut, den sie auf der Inschrift aus Grosskrotzenburg führt, vgl. Ritterling a. a. O. Aus dieser früheren Periode würde dann die Weihung einer vexillatio der Cohorte an den Hercules Saxanus aus Burgbrohl stammen,: CIRh 670, wo cohortis T C R als I C(iv.) R(om.) aufzulösen ist. Früher hatte man wegen der in Traians Donaubrücke gefundenen Ziegel mit coh. I C R E, CIL III 1703, 2, die man als I C(iv.) R(om.) e(qu.) las, eine Anwesenheit der Cohorte an der unteren Donau unter Traian und eine Teilnahme an dessen dakischen Kriegen annehmen zu müssen geglaubt, allein seit wir durch das neue Diplom von 93 n. Chr. (Jahresh. der öst. arch. Inst. I 170f.) eine coh. I Cretum im Heere von Moesia superior kennen gelernt haben, sind jene Ziegel natürlich dieser zuzuweisen. In Germania superior ist das Castell von Grosskrotzenburg das Standlager der Cohorte gewesen, wie die Dolichenusweihung eines Praefecten (Wolff D. Römercastell zu Grosskrotzenburg 1882, 53) und dort gefundene Ziegel von ihr beweisen. Auch in der Nähe von Grosskrotzenburg sind Ziegel mit ihrem Stempel zu Seligenstadt, CIRh 1407 b, zu Kesselstadt, ORL 24, 10, und auf dem Salisberg bei Kesselstadt, Westd. Ztschr. VII 288, zu Tage getreten. Aus anderen Gegenden der Provinz besitzen wir solche Ziegel aus Ems, Bonn. Jahrb. 88, 111, und dem nahen Arzbach, CIRh 1542 c, dann aber aus dem Limescastell Alteburg, Limesbl. 9, 269, und – von Zangemeister allerdings bezweifelt – von der Saalburg, CIRh 1431 c.

cohors II Civium Romanorum equitata (CIL VIII 18097. 18217) p. f. hat, wie die Weihung aus Andernach CIRh 676 beweist, zu Ende des 1. Jhdts. in Germanien gestanden. Nach den Ausführungen von Ritterling Westd. Ztschr. XII 207f. wird ihr der Name D(omitiana), den sie nur in der genannten Inschrift führt, sowie der Ehrentitel p. f. von Domitian anlässlich des Saturninusaufstandes verliehen worden sein. Danach ergänzt Ritterling auch in dem Cursus honorum eines Unbekannten aus Iuvanum, CIL [272] IX 2958 [praefe]cto coh. II Civiu[m Rom]anorum Germ[aniae infe]rioris. Allein, da inzwischen auch in Obergermanien, in der Gegend von Butzbach, Ziegel der Cohorte zu Tage getreten sind (vgl. Limesbl. 4, 111), ist [supe]rioris ebenso möglich. Zwei weitere Praefecten der Cohorte werden genannt, der eine CIL VIII 18217 und 2623 = 18097, der andere CIL II 4114, ein centurio endlich auf einem Stein aus Tergeste CIL V 522.

[cohors III Civium Romanorum] soll auf Ziegeln von Seligenstadt CIRh 1407 c (COH·III· C·R) genannt sein, allein diese Angabe erscheint sehr bedenklich, und schon längst hat man an eine Verwechselung mit der eben in Seligenstadt liegenden coh. I Civium Romanorum gedacht, vgl. Suchier und Ritterling Westd. Ztschr. XII 239.

Die beiden Tribunen einer coh. . . . Civium Romanorum, CIL XI 392 und 709, können auf die von Praefecten befehligten coh. I und II Civium Romanorum nicht bezogen werden und haben wohl vielmehr den coh. Voluntariorum (s. d.) angehört.

cohors c(ivium) R(omanorum): c. R. als Ehrenbeinamen s. unter coh. I Afrorum, Apuleia, III Aquitanorum, IIII Aquitanorum, III Asturum, I Baetasiorum, I Breucorum, VII Breucorum, I Britannica, III Campestris, I Corsorum. I Ulpia Traiana Cugernorum, IIII Cypria, III Delmatarum p. f., I Flavia, I Gallica, V Gemina, I Germanorum, I Hemesenorum. I Flavia Ulpia Hispanorum, II Hispanorum, I Italica, I Ingenuorum, VI Ingenuorum, I Lepidiana, I Ligurum et Hispanorum, I Montanorum, III Nerviorum, I Pannoniorum et Dalmatarum, II Raetorum, VIII Raetorum., Scutata, I Thracum Germanica, III Thracum, II Ulp. equit. (?), I Fida Vardullorum, II Vasconum, I Campestris Voluntariorum, IIII. VIII. XVIII. XXIIII. XXV. XXVI. XXXII. [XXXIII] Voluntariorum.

cohortes Classicae sind, wie ich glaube, aus den Flottenmannschaften formiert, die zeitweilig der Landarmee für den schweren Dienst, Wegbahnen u. s. w. zugeteilt waren, Hygin de mun. castr. 24. vgl. Cichorius Die Reliefs der Traianssäule III Bild XCII und XCVII. Es sind mehrere der artige Abteilungen nachweisbar.

cohors I Classica. Wie zwei ziemlich frühe Grabsteine von Soldaten, CIL XIII 923 und 924 = Henzen 5225, aus dem Gebiete der Nitiobroges beweisen, hat sie zeitweilig in Aquitanien in Garnison gelegen. Ein Veteran von ihr war als solcher nach Antium deduciert, wo sein Grabstein, CIL X 6672, erhalten ist. Einen praef. sem. coh. I Classicae nennt der Cursus honorum aus Trebula CIL IX 4885 und 4886.

cohors I Aelia Classica ist, wie ihr Name Aelia beweist, erst von Hadrian errichtet und also schon deshalb von der vorigen verschieden. Sie wird überhaupt nur zweimal erwähnt, zunächst in Diplom LVII vom J. 146 unter den britannischen Auxilien und dann in der Not. dign. Occ. XL 51 als Besatzung von Tunnocelum am Hadrianswalle. Demnach darf angenommen werden, dass sie seit ihrer Errichtung dauernd in Britannien gelegen hat.

cohors II Classica wird zunächst in der Inschrift [273] des Q. Aemilius Secundus, CIL III Suppl. 6687, genannt, der sie unter dem syrischen Legaten P. Sulpicius Quirinius in den letzten Jahren des Augustus befehligt hat. Sie muss damals also in Syrien gelegen haben, und vielleicht hat Secundus seinen in der Inschrift genannten Feldzug gegen die Ituraeer im Libanon eben als Befehlshaber der Cohorte geführt. Später erscheint nur noch einmal ein Praefect der Truppe in einem Cursus honorum aus Forum Novum CIL IX 4855 a.

Welche der drei cohortes Classicae in dem unvollständigen raetischen Cursus honorum, CIL III 5775, bei [praef. coh. .. Cla}ssicae zu ergänzen ist, lässt sich nicht mehr entscheiden.

cohors I Claudia equitata (miliaria?) wird in der Not. dign. Or. XXXVIII 36 zu Sebastopolis in Armenien, d. h. im alten Cappadocien, verzeichnet. Mit Hülfe dieser Notiz lässt sich meiner Ansicht nach nun auch in einem Cursus honorum aus Iuvanum, CIL IX 2958, tribuno ... udiae equitate . . . docia mit Sicherheit ergänzen zu tribuno [coh. I Cla]udiae equitatae [in Cappa]docia, und es würde damit erwiesen sein, dass die Truppe die ganze spätere Kaiserzeit hindurch im östlichen Kleinasien gelegen hat. Da der betreffende Officier vorher schon eine cohors quingenaria als Praefect befehligt hatte, muss die I Claudia eine cohors miliaria gewesen sein.

cohors II Claudia ist vorläufig nur aus einer Inschrift aus Temenothyrai, dem Cursus honorum eines Griechen, bekannt, der u. a. ἔπαρχος σπείρας β' Κλαυδίας gewesen war, s. Bull. hell. XIX 557.

cohors Claudia miliarensis. So erklärt Mommsen die sehr unsichere Lesung auf dem Grabstein aus Aquileia, CIL V 898, eines Soldaten, der militavit in CLND MILIARENSE. Bei dieser Annahme könnte dann vielleicht die I Claudia equitata miliaria gemeint sein.

cohors Claudia s. auch coh. I Sugambrorum veterana.

cohors III Coll.... muss im 3. Jhdt. in der Gegend von Kutlovica in Moesia inferior in Garnison gestanden haben, wo 258 n. Chr. ihr Befehlshaber die Porta praetoria ihres Lagers nebst Turm erbaut hat, CIL III Suppl. 7450. Die Lesung ist ganz sicher, und man darf daher – falls man nicht einen Irrtum des Steinmetzen annehmen will – nicht etwa zu Callaec., Gallor., Commag. oder dgl. ändern.

Vorlage:Ankeercohors I Flavia Commagenorum. Wie der Name beweist, von einem der flavischen Kaiser errichtet, ebenso wie die II Flavia Commagenorum. Da uns 70 n. Chr. im Heere des Titus in Judaea auxilia regis Antiochi (von Commagene) begegnen (Tac. hist. V 1), dürften diese wohl bei der im J. 71 erfolgten Einziehung des commagenischen Reiches von Vespasian als reguläre römische Auxiliarcohorten formiert worden sein. Die I Flavia Commagenorum finden wir 105 n. Chr. in Moesia inferior (Diplom XXXIII), dann 157 in Dacia superior nach Diplom LXVI, wo in dem nach den Nummern geordneten Verzeichnisse mit Sicherheit [I Flav.], nicht wie Ritterling vorschlägt [II Flav.], zu ergänzen ist. In die moesische Zeit werden die aus der Regierung des Hadrian oder Pius stammenden Ziegel mit COH. COMA, Arch.-epigr. Mitt. XIV 15, fallen, [274] die zusammen mit denen der drei niedermoesischen Legionen I Italica, V Macedonica, XI Claudia in Draschna de sus in der grossen Wallachei, also innerhalb der militärischen Zone des niedermoesischen Heeres gefunden sind und ihr zweifellos angehören. Bei ihren Ziegeln aus Slaveni am Alt, CIL III 1421626 = Arch.-epigr. Mitt. XIX 83, ist dagegen eine Entscheidung, ob sie in die moesische oder in die dacische Zeit anzusetzen sind, zweifelhaft. In Dacien selbst ist die Truppe nicht direct bezeugt, doch ist vielleicht in der Weihung der oberdacischen Auxilien von Veczel, CIL III 1343, wo wir als letzte Truppe eine COH I ....... G finden, ihr Name einzusetzen, wenigstens würde er genau den sieben ausgefallenen Buchstaben entsprechen. Sonst begegnen noch Praefecten von ihr im Cursus honorum CIL IX 1132 und wohl auch VI 3504, wo trotz des Fehlens von Flavia gewiss die obige Cohorte zu verstehen ist.

cohors II Flavia Commagenorum (equitata CIL III 1355) hat in Dacien, wohl solange die Provinz überhaupt existiert hat, gelegen und dort den wichtigen Posten Micia-Veczel im Maroschthal, an der Einfallspforte von der ungarischen Tiefebene her, innegehabt. Ausser Ziegeln (CIL III Suppl. 8074, 14) sind nicht weniger als fünfzehn Inschriften der Cohorte in Veczel oder in dessen unmittelbarer Umgebung zu Herepe, Maros-Németi, Cetatje gefunden worden. Zunächst ist die Truppe in der gemeinsamen Weihung verschiedener dacischer Auxiliarabteilungen aus Veczel, CIL III 1343, genannt. Allein hat sie Kaiserinschriften für Hadrian (ebd. 1371), für Marcus (1372) und Verus (1373), beide im J. 164, und für Philippus (1379) im J. 245 n. Chr. gesetzt. Den Wiederaufbau eines Bades im J. 193 betrifft 1374. Andere der Inschriften sind Weihungen teils der Cohorte mit ihrem Praefecten (CIL III Suppl. 7848. [7849]. 7854), teils einzelner Officiere, so eines Praefecten (7855), eines Centurio (1347 = 7850) und eines Decurio (1355). Zwei weitere der Denkmäler sind Grabsteine, 6267 eines Veteranen und 7873 der Familie eines Centurionen; wenn auch auf beiden die Nummer nicht erhalten ist, dürfen sie doch des Fundorts wegen bestimmt auf die II Flavia Commagenorum bezogen werden. Ausserhalb von Veczel sind – abgesehen von einem Fragment unbekannten dacischen Fundorts (ebd. 1619), das aber sehr wohl gleichfalls aus Veczel stammen kann (vgl. ebd. 7854) – nur noch an zwei Stellen der Wallachei, zu Pini bei Rečka und zu Piatra bei Slatina, Ziegel mit dem Stempel COH II COW zu Tage getreten, CIL III 8074, 14, die gewiss derselben Cohorte angehören. Bemerkenswert ist der Cult des Deus Commagenus oder I.O.M. Commagenorum (CIL III 7832. 7834. 7835) in dem unweit von Veczel gelegenen Ampelum, der doch wohl auf unsere coh. Commagenorum zurückzuführen sein wird.

[cohors III Commagenorum] ist zwar so nicht ausdrücklich bezeugt, hat aber, da es eine cohors VI Commagenorum gegeben hat, zweifellos existiert. Vielleicht hat auch sie, wie die I und II Commagenorum, in Dacien gestanden, wenigstens lässt sich eine Inschrift aus Héviz am oberen Alt, CIL III 955 = Suppl. 7721, auf der nach der einen Abschrift prae(f.] coh. III Pauly-Wissowa IV,1, 274 b.png, [275] nach der anderen III C/OM gestanden hat, am ehesten als III Commagenorum auflösen.

[cohors IIII und cohors V Commagenorum]. Von beiden Cohorten fehlen noch jegliche Zeugnisse.

cohors VI Commagenorum equitata (CIL VIII 2532 = 18042 und Ephem. epigr. V 1043) zählte zum numidischen Heere. Ihre Garnison war zunächst wohl der Strassenknotenpunkt Zarai nahe der mauretanischen Grenze. Dort ist der Grabstein eines ihrer Soldaten, CIL VIII 4526, gefunden und dort wohl hat Hadrian am 15. Juli des J. 128 die Cohorte inspiciert. In seinem berühmten Tagesbefehl, ebd. 2532 = 18042, sind hierüber zwar zunächst nach den Eingangsworten Non. Iul. Zarai coh. [VI Comm.] nur wenige Worte erhalten, dafür aber fast vollständig der Passus, der an die Reiter der Cohorte gerichtet ist und deren Leistungen die grösste Anerkennung zollt. Später ist die Cohorte von Zarai wegverlegt worden, wo an ihre Stelle die coh. I Flavia equitata getreten zu sein scheint. Auf diese und nicht auf die VI Commagenorum werden sich dann auch die Worte post discessum cohortis in der Zollliste vom J. 202, ebd. 4508, beziehen. Der spätere Standort der Truppe muss die Oase Mesarfelta (El Uthaïa) am Westabhang des Auresgebirges gewesen sein, wo sie zwischen 177 und 180 unter ihrem Praefecten Aelius Serenus ein Amphitheater wiederaufbaut, ebd. 2488; von dort aus hat sie sich auch wohl an der Expedition beteiligt, die 174 n. Chr. ein aus verschiedenen numidischen Truppenteilen zusammengesetztes Detachement nach dem Süden von Mauretania Caesariensis unternommen hat (vgl. Bd. I S. 1242 s. ala Flavia), denn auf der von einem Officier dieses Detachements zu Aflû bei Géryville gesetzten Inschrift, Ephem. epigr. V 1043, ist auch ein dec. coh. VI C[omm.] genannt. Für die Geschichte und Dislocation der Cohorte ist ohne Bedeutung der aus Batna bei Lambaesis stammende Grabstein eines Officiers der leg. III Aug., den T. Atilius Iuvenalis praef. coh. VI Comm. amico et municipi gesetzt hat.

[cohors Commagenorum]. Eine weitere cohors Commagenorum dürfte aus dem Fragment eines stadtrömischen Cursus honorum, CIL VI 3654, zu erschliessen sein. Dieser bietet u. a. [praef. coh. . . .] ag. in Cappad. Da der bestimmt zu berechnende Ausfall zu Beginn der Zeilen je vierzehn Buchstaben beträgt, ist die wohl einzig mögliche Ergänzung, die schon Henzen vorschlug, [praef. coh. . . Comm]ag. in Cappad(ocia); wir hätten dann anzunehmen, dass ausser den bekannten cohortes I. II. III. VI Commagenorum noch eine weitere im cappadocischen Heere existiert hatte, und es liegt nahe, in dieser dann eine der noch nicht nachgewiesenen coh. IIII oder V Commagenorum zu vermuten.

cohors I Cornoviorum. Die Not. dign. Occ. XL 34 führt, in einer Reihe von lauter alten Cohorten, zu Pons Aelius am Hadrianswalle eine coh. I Cornoviorum auf, und da ein Volksstamm dieses Namens thatsächlich in Britannien bezeugt ist (Eph. ep. VII 922 c(ivis) Cornovia; vgl. auch die Stadt Durocornovium im Süden der Provinz), wird man auch sie als eine alte Truppe anzusehen haben, von der nur zufällig kein inschriftliches [276] Zeugnis erhalten ist. In dem in geringer Entfernung nördlich von Pons Aerius gelegenen Binchester ist übrigens eine nur in ungenügender Copie erhaltene Inschrift, CIL VII 425, gefunden, deren Text einen trib. OI....CARTOV nennt. Nicht unmöglich wäre es, dass hierin trib. c]OH·T·CoRnOV. versteckt ist.

cohors [I] Corsorum. Auf einer der ersten Hälfte des 1. Jhdts. angehörenden Inschrift aus Praeneste, CIL XIV 2954, kommt ein praefectus I cohortis Corsorum et civitatum Barbariae in Sardinia vor. Daraus ergiebt sich als sicher, dass eine cohors Corsorum damals in Sardinien gestanden hat und zwar wohl eine I Corsorum, denn Pauly-Wissowa IV,1, 276 b.png kann nur als primae aufgelöst werden. Da wir nun Ende des 1. Jhdts. auf der Insel eine coh. I Gemina Sardorum et Corsorum finden, die nach ihrem Namen zu schliessen durch Vereinigung einer coh. Corsorum und einer coh. Sardorum entstanden war, dürfen wir wohl die eine ihrer beiden Stammtruppen in jener coh. [I] Corsorum wiedererkennen.

cohors I Corsorum c. R. wird, da sie 107 n. Chr. in Diplom XXXVI unter den Auxilien von Mauretania Caesariensis aufgeführt ist, von der vorigen Cohorte wohl verschieden sein. Sie dürfte auch in dem Cursus honorum CIL IX 2853 gemeint sein, wo bereits Mommsen, noch ehe jenes Diplom bekannt war, das überlieferte . . . ORSOR - richtig als coh. . .] Corsor. c. [R. erklärt hatte.

cohors Corsorum s. auch coh. II Gemina Ligurum et Corsorum und coh. I Gemina Sardorum et Corsorum.

cohors I Cretum ist jetzt durch das neue Diplom von Obermoesien (Jahresh. d. öst. arch. Inst. I 170f.), nach dem sie 93 n. Chr. in dieser Provinz gestanden hat, gesichert. Dadurch sind wir auch in den Stand gesetzt, die Ziegel mit (co)H. I CRE, CIL III 1703, 2. Arch.-epigr. Mitt. XIX 219, die sich zu Turn Severin, sowie in Traians dortiger steinerner Donaubrücke, also gerade in Moesia superior, finden und die man bisher auf die germanische coh. I Civium Romanorum equitata bezogen hatte, richtig zu erklären. Ich glaube sie mit Sicherheit als I Cre(tum) lesen zu dürfen. Auch die Inschrift aus Apulum, CIL III 1163, wo im Cursus honorum ein PR. . . . I CRETV vorkommt, braucht nun nicht mehr corrigiert zu werden. Es ist ganz einfach ein pr[aef. coh.] I Cretu[m] gemeint.

cohors II Cretensis wird Not. dign. Or. XXXIV 47 als in Palaestina, am Jordan, in Garnison liegend aufgeführt. Seit die coh. I Cretum beglaubigt ist, darf wohl auch diese II Cretensis (oder Cretum?) als eine alte Truppe angesehen werden.

cohors I Ulpia Traiana Cugernorum c. R. (so mit vollem Namen nur in Diplom XLIII genannt) ist durch die Diplome XXXII und XLIII für die Jahre 103 und 124 als Besatzungstruppe von Britannien bezeugt. Zu Beginn des 3. Jhdts. scheint ihr Standquartier in Schottland gewesen zu sein, wo in Inglistown eine Dedicationsinschrift von ihr, CIL VII 1085, gefunden ist. Ob aus der späten Weihinschrift der Cohorte aus Procolitia, Eph. ep. III 186 (coh. I Cubernorum), geschlossen werden darf, dass sie später dort gelegen [277] hat, bleibe dahingestellt. Die Ziegel aus Caersws mit C I CT, CIL VII 1243 c, bei denen man auch an c(oh.) I C(ugernorum) T(raiana) denken könnte, sind vielleicht eher der coh. I Celtiberorum (s. d.) zuzuweisen.

[cohors I Cypria] ist zwar wegen der coh. IIII Cypria bestimmt anzunehmen, aber noch nicht direct bezeugt. Möglicherweise gehören ihr Ziegel aus Tihó in Dacien, CIL III 1633, 4 = Suppl. 8074, 13, deren Stempel C I CY ebenso c(oh.) I Cy(pria) wie c(oh.) I Cy(renaica) bedeuten kann.

[cohors II. III Cypria] vgl. coh. Cypria.

cohors IIII Cypria c. R. erscheint in dem für die dacische Occupationsarmee ausgestellten Diplom XXXVII vom J. 110, war also wohl vorher schon an der Eroberung des Landes beteiligt. Auch später noch scheint sie in der Provinz verblieben zu sein und zeitweilig in der kleinen Wallachei im Castell von Bumbesti am Südausgang des Vulcanpasses gelegen zu haben. Wenigstens hat die von mir seiner Zeit vorgeschlagene Erklärung der dort gefundenen Ziegel (Arch.-ep. Mitt. XIX 85 = CIL III 1421627) mit CIVC als c(oh.) IV C(ypria), soviel ich sehe, überall Aufnahme gefunden.

cohors Cypria. Auf die vorige Cohorte hat man auch eine Inschrift aus Pantikapaion in der Krim, Latyschew II 293, beziehen wollen, die einen Γάιος Μεέμμιος σπείρης Κυπρίας nennt. Allein in Moesia inferior, von wo aus die Besatzung der Krim nach der herrschenden Anschauung detachiert wurde, ist die IV Cypria überhaupt gar nicht nachweisbar. Es liegt daher, wie ich glaube, viel näher, an eine der cohortes I. II. III Cypriae zu denken, deren Existenz ja aus dem Vorkommen der IV Cypria zu erschliessen ist; ich möchte diese dann aber lieber für eine ständig im bosporanischen Reiche liegende Truppe halten.

cohors I Cyrenaica wird nur auf dem dem 1. Jhdt. angehörenden Cursus honorum des C. Antestius Severus aus Mainz, CIRh 1120, erwähnt. Vielleicht mit Recht bezieht v. Domaszewski die Ziegel mit C I CY aus dem dacischen Castell Tihó, CIL III 1633, 4 = Suppl. 8074, 13, auf sie, wenn er auch selbst daneben die Erklärung als I Cy(pria) für möglich hält.

cohors II Augusta Cyrenaica equitata (CIRh 1708) gehört zu den obergermanischen Auxilien, unter denen sie in den Diplomen der Provinz aus den J. 74 (XI), 90 (XXI), 116 (XL) und 134 (L) erscheint. Ihre Garnison ist zeitweilig sicher das Castell von Neuenheim-Heidelberg gewesen (vgl. Schumacher Neue Heid. Jahrb. VIII 110), wo Ziegel mit COH·II·CYR (citiert ORL 14, 26, vgl. Arch. Anz. 1898, 22), eine verstümmelte Inschrift (CIRh 1708) mit coh. II Aug. Ciren. eq. und vor allem ein Beil der Cohorte mit ihrem Namen, Westd. Ztschr. XII 303, gefunden sind. Sonst sind Ziegel von ihr (COH·II·A und II·AV·CYR..) noch zu Butzbach zu Tage getreten (ORL 14, 26, vgl. Limesbl. 4, 111), und auch die Weihinschrift aus Heddernheim, CIRh 1456, eines Soldaten ex coh. II Aug. Q oder QV wird ihr angehören. Dagegen scheint mir die von Zangemeister Westd. Ztschr. XI 303 vorgeschlagene Beziehung eines eisernen Brennstempels mit CC aus Castell [278] Alteburg, auf die coh. II Augusta Cyrenaica zweifelhaft.

cohors III Cyrenaica sagittariorum, mit letzterem Beinamen zwar nur im Cursus honorum des Publilius Memorialis (Not. d. Scav. 1895, 342 = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 10) genannt, aber gewiss auch in dem Cursus honorum aus Philippi, CIL III 647, gemeint, wo ein prae(f.} coh. III Cyrenei. erscheint.

cohors III Augusta Cyrenaica ist in dem Cursus honorum des C. Aelius Domitianus Gaurus, Röm. Mitt. III 77, aufgeführt, der sie in der Zeit Marc Aurels als Praefect befehligt hatte. Ob sie mit der vorigen Cohorte identisch gewesen ist, wage ich nicht zu entscheiden; der doch wohl unterscheidende Beiname sagittariorum, den jene führt, scheint dagegen zu sprechen.

cohors Cyrenaica (equitata). In Arrians Armee gegen die Alanen befanden sich auch Κυρηναῖοι und zwar sowohl Reiter (ect. § 1), als auch Hopliten (ebd. 3 u. 14), d. h. reguläre Auxiliarinfanterie. Es handelt sich also offenbar um eine coh. Cyrenaica equitata, die aber, wie die Worte Κυρηναίων οἱ παρόντες zeigen, nicht vollzählig zugegen war, sondern nur eine Vexillation zum Expeditionscorps gestellt hatte. Dass unter Hadrian eine coh. Cyrenaica in der Provinz Cappadocien gestanden hat, darf damit als gesichert gelten, es kann dies aber sehr wohl irgend eine der oben aufgezählten coh. Cyrenaicae sein, nur nicht die gerade 134 in Germanien nachweisbare II Augusta Cyrenaica, mit der Hassencamp a. a. O. 41 sie identificieren will.

cohors Cyrenaica, vgl. auch coh. II Hispanorum scutata und coh. I Lusitanorum.

cohors Dacica, s. coh. I Gallorum.

cohors I Aelia Dacorum (miliaria). Die, wie der Name beweist, von Hadrian errichtete Abteilung ist ausschliesslich in Britannien nachweisbar, wo sie bereits 146 n. Chr. in Diplom LVII erscheint und noch in der Not. dign. Occ. XL 44 zu Amboglanna verzeichnet steht. Dass diese am Hadrianswall gelegene Station schon seit dem 2. Jhdt. die Garnison der Cohorte gewesen ist, beweisen nicht weniger als dreissig Inschriften von ihr, die dort gefunden sind und die uns die Namen von nicht weniger als siebzehn ihrer Tribunen nennen. Damit dürfte dann aber zugleich erwiesen sein, dass die Cohorte eine miliaria gewesen ist. Die Mehrzahl jener Inschriften sind officielle Weihungen der Cohorte oder einzelner Tribunen und zum Teil durch die Kaiserbeinamen datiert auf die Zeit des Caracalla CIL VII 837. [818], Elagabal ebd. 838 verglichen mit 964, Maximinus, v. 237 n. Chr., ebd. 808, Gordian 819, Postumus 820. 822 [vgl. 821], Tetricus 823. Undatierte Weihinschriften sind CIL VII 803. 806. [807]. 809. 810. 811. 812. 813. 814. 815 816. 817. [824?]. 826. [829]. Eph. ep. VII 1071. Den Grabstein eines ihrer Angehörigen dorther siehe CIL VII 867, ein unbestimmbares Fragment ebd. 868. Einige Inschriften aus Amboglanna nennen zwar nicht ausdrücklich die Cohorte, können aber doch, da bis jetzt noch keine andere Truppe dort nachgewiesen ist, mit grosser Wahrscheinlichkeit auf sie bezogen werden, so der Grabstein des Kindes eines Tribunen (865), der eines Soldaten (866), der schon, wie Hübner sah, durch seinen Namen [279] Decibalus als geborener Daker erwiesen wird; ferner 831, wo vielleicht ein bereits aus 826 bekannter Tribun der Cohorte (das verkehrte praef. ist wohl auf Rechnung der schlechten Abschrift zu setzen) wiederkehrt. Der einzige Stein, der aus einer anderen Gegend Britanniens der Cohorte zugewiesen werden kann, ist eine Weihung der coh. I Dac. aus Bewcastle (ebd. 975, ob auch 974?), bei der aber das Fehlen von Ael. sehr auffällig ist. Zwei andere Inschriften, ebd. 886 aus Petrianae und 1055 aus Bremenium, auf denen nur coh. I Da dasteht, möchte ich beide, nicht nur die zweite, wie Hübner thut, lieber auf die I Da(lm.) beziehen.

cohors I Ulpia Dacorum stand zur Zeit der Notitia dignitatum (s. Or. XXXIII 33) zu Claudiana in Syrien, ist aber, wie aus ihrem Beinamen Ulpia hervorgeht, schon von Traian errichtet worden.

cohors II Augusta Dacorum p. f. miliaria equitata wird nur auf der Weihinschrift eines Tribunen aus Teutoburgium in Pannonia inferior (CIL III 6450 = 10 255) genannt, nach der sie dort in Garnison gelegen zu haben scheint. Über den Anlass, aus dem sie den Beinamen p. f. erhalten hat, lässt sich nichts mehr vermuten.

cohors III Dacorum (equitata) ist in der Inschrift des Valerius Lollianus aus Byllis, CIL III 600, unter den Abteilungen aufgezählt, die Reiter zu dem von Lollianus, wahrscheinlich in Traians Partherkrieg, befehligten Cavalleriecorps gestellt hatten, und hat daher wohl, wie alle diese, im Orient gestanden.

cohors Gemina Dacorum ist erst neuerdings durch eine Inschrift aus dem römischen Castell bei Belimel in Bulgarien (Rev. arch. 1896 II 258 = Cagnat L’ann. épigr. 1896, 116) bekannt geworden, eine Weihung der Cohorte zu Ehren der Kaiserin Sabinia Tranquillina, der Gemahlin Gordians. Sie scheint demnach im 3. Jhdt. in jenem Castell gelegen und also zur Besatzung der Provinz Moesia inferior gehört zu haben. Wenn sie, wie dies für die übrigen cohortes und legiones geminae anzunehmen ist, durch Vereinigung zweier ursprünglicher Cohorten hervorgegangen ist, so würden dies wohl zwei ältere cohortes Dacorum gewesen sein.

Eine cohors Dacorum ist auf einer Inschrift aus Caesena (CIL XI 558) zu ergänzen, wo ein [praef.] . . Dacor. genannt wird; denn da diese die einzige militärische Würde des Mannes ist, kann an eine ala Dacorum nicht gedacht werden. Welche der obigen dakischen Cohorten gemeint ist, lässt sich natürlich nicht entscheiden.

cohortes Dalmatarum s. cohortes Delmatarum.

cohors I Flavia Damascenorum miliaria equitata sagittariorum (so vollständig nur CIRh 1412) ist von einem der flavischen Kaiser errichtet und anscheinend sofort nach Germania superior verlegt worden, wo sie seit 90 in den Diplomen erscheint (90 n. Chr. in Diplom XXI, 116 in XL und XLI und 134 in L). Da sie aber andererseits in den Diplomen von 74 und 82 noch fehlt, darf ihr Eintreffen in der Provinz wohl in die J. 82 bis 90 angesetzt werden. Inschriften von ihr sind in Germanien nur zwei erhalten, der Grabstein eines zum Stabe des Statthalters abcommandierten Soldaten aus Alsheim, [280] CIRh 914, und die Weihung an Mars und Victoria aus Strassheim, ebd. 1412, eines cornicularius, wie sein Name Soemus beweist, eines geborenen Orientalen. Ziegel der Cohorte sind im Castell Friedberg, CIRh 1417 e und Limesbl. 12, 357, aber auch auf der Saalburg gefunden worden. Bei dem Inschriftfragment aus Rottweil CIRh 1645, vgl. Korr. d. Westd. Ztschr. VII 1 und VIII 36, ist es ganz unsicher, ob überhaupt eine coh. Flavia gemeint ist.

cohors I Damascenorum. Neben der I Flavia Damascenorum muss noch eine einfach I Damascenorum benannte Cohorte existiert haben, wie mehrere Inschriften von Praefecten einer solchen beweisen, die auf jene von Tribunen befehligte cohors miliaria nicht bezogen werden können. Dazu kommt, dass, während die I Flavia Damascenorum noch 134 in Germanien bezeugt ist, wir im J. 139 in Syria Palaestina eine coh. I Damascenorum ohne Beinamen finden (vgl. das neue Diplom aus Nazareth, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106). Diese im Orient stehende Truppe ist es dann wohl, von der ein früherer Praefect in zwei ägyptischen Papyrusurkunden BGU 73 und 136 erwähnt wird und die zu Beginn des 2. Jhdts. der Freund des jüngeren Plinius, C. Cornelius Minicianus, nach seinem Cursus honorum aus Bergomum, CIL V 5126, befehligt hatte. Auch in dem tusculanischen Cursus honorum, CIL XIV 2618, wo Dessau praef. coh. I Da[corum] ergänzt, möchte ich eher Da[mascenorum] einsetzen, da bisher zwar je eine coh. I Aelia Dacorium und I Ulpia Dacorum, aber keine I Dacorum nachweisbar ist.

cohors I Aurelia Dardanorum, die einzige Truppe mit dem Kaiserbeinamen Aurelia und also von Pius oder von Marcus errichtet. Da nun aber gerade von letzterem vit. 21 berichtet wird, dass er latrones etiam Dalmatiae atque Dardaniae, milites fecit, so möchte ich eher ihn für den Begründer der Truppe ansehen und jene Notiz eben auf die Formierung unserer Cohorte beziehen. Wir haben von ihr den Grabstein eines Soldaten aus Naissus in Moesia superior, CIL III Suppl. 8251, und dürfen danach wohl annehmen, dass sie in dieser Provinz in Garnison gestanden hat. Identisch mit ihr wird die σπεῖρα Δαρδάνων sein, von der ein Praefect in dem griechischen Cursus honorum IGI 2433 aus Massilia genannt wird.

cohors Dardanorum s. auch coh. III Alpinorum.

cohors I Delmatarum nennt das Diplom XLIII vom J. 124 unter den Auxilien von Britannien. Aus dieser Provinz stammt auch die Mehrzahl der Inschriften, die die Truppe nennen, und da nicht weniger als sechs davon zu Uxellodunum oder in dessen Nähe gefunden sind, kann es wohl als sicher gelten, dass sie längere Zeit dort in Garnison gestanden hat. Fünf dieser Inschriften, CIL VII 367. [388]. 387. 400 und Eph. ep. III 93. sind Weihungen der Cohorte oder einzelner Praefecten, darunter zwei pro salute des Pius, die sechste Eph. ep. VII 976 ist ein Fragment, das einen Praefecten nennt. Noch zwei weitere Steine, einen aus Petrianae, CIL VII 886 (OH•I•DA). und den Grabstein eines im(agin.) ex coh. I Da aus Bremenium, ebd. 1055, möchte ich mit Hübner auf die I Dalmatarum, nicht etwa auf die [281] I Aelia Dacorum (s. d.) beziehen. Im Cursus honorum werden Praefecten der Truppe noch CIL IX 1618 und VI 1607 genannt. Nicht weniger als achtmal also sind durch die angeführten Inschriften für die Cohorte Praefecten bezeugt, und es darf deshalb wohl als sicher gelten, dass sie eine quingenaria war und demnach nicht identisch sein kann mit der

cohors I miliaria Delmatarum, die durch eine Reihe von Steinen in Dalmatien selbst beglaubigt ist. Diese hat im J. 170 n. Chr. zusammen mit der II miliaria Delmatarum die Mauern von Salonae gebaut, CIL III 1979, vielleicht anlässlich des Marcomannenkrieges. Die Weihung eines Tribunen pro salute eines Kaisers, dessen Name eradiert ist, haben wir aus Užice in der Provinz, ebd. 8353, die eines anderen Tribunen, CIL V 707, aus der Gegend von Tergeste, unweit der Grenze von Dalmatien. Dieser coh. I miliaria Delmatarum möchte ich ferner mehrere Inschriften aus Dalmatien zuweisen, wo Soldaten einer coh. I miliaria genannt werden; wenigstens hat eine andere solche in der Provinz nicht gestanden, und der heimische Name Delmatarum, der gerade innerhalb Dalmatiens entbehrlich war, konnte in diesen Privatinschriften — denn um solche handelt es sich — um so leichter ausgelassen werden, als der Name miliaria bei unserer Cohorte regelmässig vor Delmatarum steht. Es sind zwei späte Grabsteine, der eines Centurionen def(unctus) Sirmi, CIL III 2006, und der eines Veteranen, ebd. 8731, beide gerade aus Salonae, und eine Weihinschrift eines Centurionen, ebd. 9829, aus Teplju pro salute eines Kaisers (des Septimius Severus?). Über die vermeintlich von Iuvenal befehligte coh. I Delmatarum s. u. coh. Delmatarum.

cohors II Delmatarum nennt die Not. dign. Occ. XL 43 in Britannien zu Magnae am Hadrianswall, und thatsächlich besitzen wir von dort die Inschrift eines imag. coh. II Delmat., CIL VII 760. Vielleicht darf dann ihr Name auch in dem britannischen Diplom XXXIV vom J. 105 ergänzt werden, wo eine coh. . . Delmatarum erscheint, die ihrer Stelle nach nur die Nummer II oder eine höhere gehabt haben kann, also entweder die britannische II oder IIII Delmatarum gewesen sein muss. Letztere kann aber hier kaum in Betracht kommen, da sie in dem für die Auxilien einer anderen britannischen Legion ausgestellten Diplom XXXII unter 103 erscheint, und so bleibt einzig die II Delmatarum übrig. Von dieser bis in die späte Kaiserzeit in Britannien verbliebenen Cohorte muss dann verschieden sein die

cohors II miliaria Delmatarum, die im J. 170 in Dalmatien gelegen hat und, wie die Inschrift CIL III 8655 = 6374 beweist, damals zusammen mit der I miliaria Delmatarum an den Mauern und Türmen von Salonae gebaut hat.

cohors III Delmatarum p. f. hat zunächst in Germania inferior gestanden, wie die Inschrift eines Praefecten aus Köln, Korr. d. Westd. Ztschr. XV 129, beweist, und im niedergermanischen Heere wird sie sich auch den Ehrenbeinamen p. f. erworben haben, wie bereits Ritterling, noch ohne Kenntnis der obigen Inschrift, vermutet hatte; von dort muss sie dann nach Germania superior verlegt worden sein, wo sie zuerst in dem Diplom XXI von 90 n. Chr. erscheint und noch 116 in [282] Diplom XL und 134 in Diplom LXX wiederkehrt. Am häufigsten ist sie in der Provinz bezeugt im Castell Rückingen an der Kinzig, wo von ihr zahlreiche Ziegel mit verschiedenen Typen (CIRh 1436 c. Limesbl. 8, 243. Mitt. d. Han. Bez.-Ver. X 256, vgl. Westd. Ztschr. XII 215 und IV 407. Korr. d. Westd. Ztschr. II 71), sowie eine Inschrift, Westd. Ztschr. III 174 und Taf. 4, 17, gefunden sind. Sonst haben wir noch Ziegel von ihr aus dem Wiesbadener Castell, CIRh 1537 h, sowie aus dem von Oberscheidenthal an der Mümlingslinie, ORL 52, 13, zu Tage getreten. Dass sie quingenaria war, dürfen wir aus der Erwähnung jenes Praefecten schliessen.

cohors III Delmatarum miliaria equitata c. R. p. f. Wie neben der coh. I und II Delmatarum quingenaria je eine gleichnamige miliaria bestanden hat, ist das gleiche anscheinend auch bei der coh. III Delmatarum der Fall gewesen. Wir finden nämlich ausser der germanischen quingenaria im 3. Jhdt. in Dacien eine III Delmatarum miliaria, die in dem Castell von Plugowa bei Mehadia gelegen und den wichtigen Pass daselbst gedeckt hat. Auf einer dort gefundenen Inschrift, CIL III 1577 = Suppl. 8010, zu Ehren Galliens aus den J. 257/260, nennt sie sich Valerian. Galliena Pauly-Wissowa IV,1, 261 b1.jpg eqq. c. R. p. f. Sie kann also wohl nicht mit der germanischen Cohorte identisch sein, obwohl beide denselben Beinamen p. f. führen. Ihr gehören dann auch die Ziegel mit COH III DEI ■■282,1 an (CIL III Suppl. 8074, 15 = 1633, 24), die bei Mehadia und auf der Donauinsel Alt-Moldava gefunden sind und die auf Zugehörigkeit der Cohorte zum obermoesischen Heere schliessen lassen.

cohors IIII Delmatarum ist zunächst durch mehrere Soldatengrabsteine, die noch geborene Dalmater betreffen, für das 1. Jhdt. in Germanien bezeugt, und zwar muss sie dort zu Bingerbrück gestanden haben, wo zwei der Steine, CIRh 741 und 742, gefunden sind. Auch der Grabstein aus Bingen, ebd. 869, eines mil. coh. IIII.....■■282,2 ist schon seit Hassencamp richtig auf die Cohorte bezogen worden, zumal es sich wieder um einen Mann dalmatischer Herkunft handelt. In den germanischen Diplomen der flavischen und traianischen Zeit fehlt die Cohorte dann; dies würde sich einfach erklären, wenn wir sie in derjenigen coh. IIII Delm. wiedererkennen dürften, die in Diplom XXXII unter 103 n. Chr. im britannischen Heere erscheint. Freilich müsste sie dann später wieder nach Germanien zurückverlegt worden sein, denn 134 n. Chr. finden wir wieder eine coh. IIII Delm. in dem obergermanischen Diplom L erwähnt; gerade damals würde aber die Verlegung einer Truppe von Britannien an den Rhein sehr auffällig erscheinen. Auf die Cohorte wird endlich der praef. cohortis IIII Dalmatarum zu beziehen sein, den wir aus dem Cursus honorum CIL II 3583 kennen. Dagegen wird das Fragment eines africanischen Cursus honorum, CIL VIII 4678 = 16 870, wo der Herausgeber den Namen einer coh. IV Delm. herstellen will, kaum eine solche angehen.

cohors IIII Delmatarum miliaria. Dass eine solche neben der durch den Praefecten bezeugten quingenaria des Namens bestanden haben könnte, wäre denkbar, da in dem Cursus honorum CIL III 1474 ein trib. co(h.) IIII De(l)ma(t)arum [283] genannt ist. Allerdings könnte hier ja auch ein frühes Beispiel der späteren Rangordnung vorliegen, nach der alle Cohortencommandeure den Tribunentitel führen, allein das Vorkommen je einer coh. I. II. III Delmatarum miliaria neben den betreffenden quingenariae lässt jene Annahme doch zum mindesten als erwägenswert erscheinen.

cohors V Delmatarum ist ausschliesslich in Germanien nachweisbar, wo sie Diplom XI im J. 74 in der ungeteilten Provinz, Diplom XXI für 90, XL für 116 und L für 134 in der Provincia superior nennen. Dazu stimmen die inschriftlichen Funde, Ziegel mit COH V DEL aus Böckingen, ORL 56, 17. Arch. Anz. 1898, 20, und je ein Soldatengrabstein aus Mainz, CIRh 1069, und Wiesbaden, ebd. 1518; letztere beiden gehören, wie schon die dalmatische Heimat der Soldaten beweist, noch der frühen Kaiserzeit an. Steimle bezieht auf die Cohorte auch noch den Stein eines pr(aef.) oder pr(aep.) aus Böckingen, ORL 56, 14.

cohors VI Delmatarum (equitata), bis jetzt nur durch den frühen Grabstein eines Reiters, noch eines geborenen Dalmaters, aus Caesarea, CIL VIII 9377, bekannt, der beweist, dass die Truppe im 1. Jhdt. in Mauretania Caesariensis gestanden hat.

cohors VII Delmatarum war wie die VI Delmatarum eine equitata und hat wie sie im 1. Jhdt. in Mauretanien in Garnison gestanden. Die beiden Grabsteine von Reitern, auf denen sie genannt wird, CIL VIII 9384 und 21 040 (= Eph. ep. VII 516), stammen gleichfalls, wie der der VI Delmatarum, aus Caesarea; sie betreffen ebenfalls geborene Dalmater und sind wohl mit jenem ungefähr gleichzeitig. Auf eine der beiden Cohorten ist vielleicht auch noch ein Inschriftfragment aus Caesarea, ebd. 21058, zu beziehen, wo . . . ATA · RVM in Anbetracht des Fundorts wohl sicher zu [coh. . Delm]atarum zu ergänzen ist.

cohors Delmatarum. Eine solche wird ohne Ziffer in der Weihung an Ceres aus Aquinum, CIL X 5382, genannt, die von einem . . nius Iuvenalis trib. coh. Delmatarum, nach der herrschenden Ansicht von dem Dichter Iuvenal, gesetzt ist. Mommsen u. a. ergänzen, da die Nummer nicht fehlen dürfe, vor Delmatarum die Ziffer I, weil die coh. I Delmatarum in der Iuvenal aus eigener Anschauung bekannten Provinz Britannien gestanden habe. Aber ganz abgesehen davon, dass nach dem Beispiel nicht weniger Inschriften (ein besonders eclatantes, CIL XI 6009, verglichen mit Diplom II, siehe unter coh. II Hisp. scut. Cyr.) die Zahl durchaus nicht unbedingt beigefügt gewesen sein muss, würde die Ergänzung von I doch schon deshalb sehr unsicher sein, weil in Britannien nicht nur jene I Delmatarum gestanden hat, sondern auch noch die coh. II und IIII Delmatarum und diese dann mit ebenso grossem Recht in Betracht kämen. Allein ein anderes Bedenken spricht, wie mir scheint, überhaupt gegen eine Beziehung auf eine der britannischen coh. Delmatarum, das ist der Rang des Officiers als tribunus, der auf eine cohors miliaria deutet, während die genannten Truppen (s. d.) von Praefecten befehligt worden sind. Dagegen kennen wir in anderen Provinzen thatsächlich verschiedene coh. Delmatarum miliariae, die unter Tribunen standen (s. coh. I Delm. mil., II Delm. [284] mil., III Delm. mil., IIII Delm. mil.), und auf eine von diesen wird man dann folgerichtig die Inschrift von Aquinum zu beziehen haben. Der Dichter Iuvenal kann immerhin darin gemeint sein, aber zu den bisher daraus gezogenen Schlüssen auf sein Leben und speciell auf seinen Aufenthalt in Britannien darf der Stein meiner Ansicht nach nicht mehr verwendet werden.

cohors Domitiana s. coh. [IIII] Asturum, II Civium Romanorum p. f.

[cohors I Dongonum] ist zwar nicht bezeugt, aber durch die Existenz der coh. II Dongonum erwiesen.

cohors II Dongonum wird nur ein einzigesmal in Diplom XLIII genannt, wonach sie 124 n. Chr. in Britannien gestanden hat.

cohors I equitata wird in der Not. dign. Or. XXXIV 43 zu Calamona in Palaestina verzeichnet. Nach Analogie der coh. II equitum und der VI equestris dürfen wir eine alte Truppe annehmen. Sie könnte übrigens auch in der Papyrusurkunde BGU 447 = 26 gemeint sein, einer κατ’ οἰκίαν ἀπογραφή] vom J. 175, worin die Freigelassene eines στρ. σπείρης α’ [ἱπ]πι[κῆς] vorkommt.

cohors II equitum. So heisst CIL III 600 eine der — durchweg im Orient stehenden — Abteilungen, die zu einem combinierten Cavalleriecorps, wohl für Traians Partherkrieg, Mannschaften detachiert hatten. Dieselbe Truppe wird auch in dem Cursus honorum aus Patavium, CIL V 2841, gemeint sein, wo ein praef. coh. secundae equit⟨at⟩um erscheint.

[cohortes III. IIII. V equitatae bezw. equitum oder equestres] müssen notwendig als Voraussetzung für die Zählung der coh. VI equestris angenommen werden und sind dann vielleicht auch wie die I, II und VI im Orient stationiert gewesen.

cohors VI equestris. Plinius empfiehlt ep. ad Trai. 106 von Bithynien aus dem Traian den P. Accius Aquila centurio cohortis sextae equestris, der eine Bittschrift an den Kaiser richtet, und Traians Antwortschreiben 107 enthält dann die Bewilligung dieses Gesuchs. Da sich nun mit einer solchen Bitte an den Statthalter einer Provinz doch nur ein Soldat einer in eben dieser Provinz stehenden Truppe wenden kann, darf wohl geschlossen werden, dass die Cohorte zu Beginn des 2. Jhdts. in Bithynia-Pontus gelegen hat.

cohors Aelia expedita. Ein Tribun dieser ihrem Namen nach von Hadrian formierten Cohorte begegnet uns in einem dem 3. Jhdt. angehörenden Cursus honorum, CIL VIII 9358, aus dem mauretanischen Caesarea. Vielleicht ist dieselbe Truppe auf einem unvollständig erhaltenen Stein aus Safar in Mauretanien (Bull. trim. VIII p. 92 = IX p. 275) gemeint, wo COH · EXP steht.

cohors Felix s. coh. I Ascalonitanorum.

[cohors VIII Fida]. Zu Talalati in Africa ist kürzlich eine Inschrift vom J. 295 gefunden worden, Compt. rend. 1894, 472 = Cagnat L’ann. épigr. 1895, 17, in der es heisst castra coh. VIII Fidae opportuno loco a solo instituit operantibus fortissimis militibus suis ex limite Tripolitano. Eine Cohorte der legio III Augusta, an die Cagnat (a. a. O. im Index) zu denken scheint, [285] ist schwerlich darin zu erkennen; vielleicht ist es eine von Diocletian neu formierte Abteilung.

cohors Fida s. coh. I Vardullorum.

cohors I Flavia equitata wird so ausdrücklich bezeichnet sowohl in dem stadtrömischen Cursus honorum des L. Domitius Rogatus, CIL VI 1607, der sie unter Hadrian befehligt hatte, als auch auf zwei africanischen Inschriften. Die eine von letzteren, CIL VIII 2844 aus Lambaesis, der Grabstein einer Frau, unter deren Söhnen sich ein Pauly-Wissowa IV,1, 246 b1.jpg coh. I Fl.eq. nennt, ist für die Garnison der Truppe belanglos. Der andere dagegen, ebd. 4527, der Grabstein eines imaginifer von ihr aus Zarai in Numidien, dürfte wohl beweisen, dass die Cohorte zeitweilig dort in Garnison gelegen hat. Sie wird dann an Stelle der coh. VI Commagenorum (s. d.) dorthin gekommen sein, und vielleicht beziehen sich auf ihre eigene Wegverlegung von Zarai die Worte in der dortigen Lex portus vom J. 202, ebd. 4508, die post discessum cohortis instituta war.

cohors I Flavia (equitata CIRh 645). Eine coh. I Flavia hat auch in Niedergermanien gestanden, denn wir besitzen von dort zahlreiche Ziegel einer solchen mit dem Stempel COH I FLA (im Leidener und Utrechter Museum, vgl. CIRh 60 d). Diese ist dann zweifellos auch gemeint auf einer im J. 250 von einem sacerdos Dolicheni den equitibus cohortis I F. gesetzten Inschrift aus Remagen, ebd. 645. Danach muss also auch sie equitata gewesen sein, und dann liegt die Vermutung nahe, dass diese in älterer Zeit in Germanien nicht nachweisbare coh. I Flavia equitata von der africanischen gleichen Namens nicht verschieden ist. Diese könnte etwa gegen Ende des 2. Jhdts. von Africa nach dem Rhein verlegt worden sein, und es könnte sich eventuell sogar darauf jener discessus cohortis von Zarai beziehen.

cohors I Flavia c. R. (equitata CIL III 600). Neben der (bezw. den beiden) im Westen des Reichs stehenden coh. I Flav. equ. hat eine weitere solche, die sich von jener schon durch ihren Beinamen c. R. unterscheidet, offenbar die ganze Kaiserzeit hindurch im Orient gestanden. Zunächst finden wir CIL III 600 in dem Verzeichnis der orientalischen Truppen, aus deren Reitern sich das Cavalleriedetachement des Valerius Lollianus in Traians Partherkrieg zusammensetzte, eine coh. I FLOR. Mommsens Erklärung Fl(av.) c. R. ist glänzend bestätigt worden durch das neugefundene Diplom von Syria Palaestina, Cagnat L’ann. épigr. 1897, 106, das im J. 139 thatsächlich unter den Auxilien dieser Provinz die coh. I Flavia c. R. aufführt. Endlich nennt auch noch die Not. dign. Or. XXXIV 45 als Besatzung von Moleatha in Palaestina eine coh. I Flavia, womit gewiss die obige gemeint ist. Diese orientalische Cohorte und nicht die africanische bezw. germanische möchte ich in einer griechischen Inschrift aus Alexandria wiedererkennen, einer Weihung an Isis vom 26. August 158 (Neroutsos Ἐπιγρ. τῆς Ἀλεξ., Athen 1875 nr. 36), wo ein Ägypter als gewesener ἔπαρχος σπείρης α' Φλαουίας erscheint.

cohors Flavia: s. auch coh. III Afrorum, II Bessorum, I Brittonum, II Brittonum, I Canathenorum miliaria, I Chalcidenorum sagittariorum, I Cilicum, I Commagenorum, II Commagenorum , I Damascenorum, I Hispanorum [286] miliaria, I Hispanorum, I Ulpia Hispanorum miliaria c. R., I Musulamiorum, I Numidarum, II Numidarum.

cohors Flaviana. Wie es sich mit dieser Truppe verhält, die nur aus vier zu Ehren ein- und desselben Mannes gesetzten Inschriften von Ilium (CIG 3615. 3616. 3617 [vgl. 3618]. Le-bas-Waddington III 1040) bekannt ist, lässt sich nicht sagen.

cohors I Frisiavonum ist zum mindesten seit Traian bis in die späteste Zeit, und zwar anscheinend ununterbrochen, in Britannien gewesen. Dort stand sie nach Diplom XXXIV im J. 105, nach Diplom XLIII im J. 124 und noch zur Zeit der Notitia dignitatum (Occ. XL 36). Die wenigen sicheren Inschriften der Cohorte, vier Centuriensteine, CIL VII 178. 213. 214 (ob auch 215?) und Ephem. epigr. IV 674, stammen aus Manchester und dessen nächster Umgebung, sodass die Truppe wohl in jener Gegend zeitweilig gelegen haben wird. Als ihre spätere Garnison giebt die Not. dign. Vindobala am Hadrianswall an; es wäre möglich, dass auch die beiden dort gefundenen Weihungen von Praefecten ungenannter Truppen, CIL VII 541 und 542, sich auf die I Frisiavonum beziehen, wenigstens ist eine andere Cohorte dort bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Ob die Ziegel aus Caersws in Wales, ebd. 1243 a, mit C I F als c(oh.) I F(risiavonum) gelesen werden dürfen, ist nicht zu entscheiden.

cohors I [Aelia] Gaesa[torum] miliaria. Das auf Dacien bezügliche, aus der Zeit zwischen 145 und 161 stammende Diplom LXX (vgl. CIL III Suppl. p. 1990) nennt unter den Cohorten, die die Nummer I führen, eine coh. . . Gaesa[torum] miliaria. Auf diese Cohorte möchte ich nun die bisher als coh. prima Gall, gelesenen Ziegel mit Pauly-Wissowa IV,1, 286 b1.jpg, CIL III Suppl. 8074, 26 aus dem römischen Castell von Sebesváralja beziehen und sie als c(oh.) p(rim.) G(ae)s(a)t auflösen. Aus demselben Castell besitzen wir aber noch andere Ziegel mit dem retrograden Stempel Pauly-Wissowa IV,1, 286 b2.png (also CHIAEG), ebd. 8074, 16; man hielt das früher für coh. I Aeg(yptiorum), während v. Domaszewski coh. I Ae(lia) G(allorum) vermutete. Allein es scheint mir unzweifelhaft, dass damit dieselbe Truppe gemeint ist, die im Castell schon bezeugt ist und dass man also c(o)h. I Ae(lia) G(aesatorum) aufzulösen hat. Genau so ist der Sachverhalt bei dem Inschriftfragment aus Sebesváralja, CIL III Suppl. 7648, wo von einer coh.Pauly-Wissowa IV,1, 282 b3.png die Rede ist und ich gleichfalls [I] AEL • GAEsat. lese. Vgl. übrigens auch coh. I Ael. Sagitt. miliaria.

cohors Gaetulorum. Eine solche ohne Nummer wird zunächst auf einem pompeianischen Cursus honorum, CIL X 797, aus der Zeit des Claudius genannt. Dann haben wir den Grabstein eines ihrer Leute (coh. Gaet....), CIL V 7895, aus Cemenelum in den Seealpen, wo sie also zeitweilig in Garnison gelegen haben muss und zwar, da der Mann noch geborener Africaner ist, nicht später als im 1. Jhdt. n. Chr. Auch eine andere Soldateninschrift aus Cemenelum, ebd. 7898, deren sicher verderbte Abschrift m]il. CCXLTVL bietet, wird einfach zu mil. C(oh.) GAETVL zu verbessern sein, ebenso ist vielleicht ebd. 7820 (aus dem nahen Tropaea Augusti) mi[l.] cohortis [G]ae[t.] zu lesen.


RE:Cohors/III RE:Cohors/IV RE:Cohors/V

  1. Bei der Sammlung des Materials für den vorstehenden Artikel, für den im ganzen kaum zehn Monate zur Verfügung standen, hat mich mein Schüler, Dr. Paul Trommsdorff, in der aufopferndsten und dankenswertesten Weise unterstützt. So hat er für die in den Provinzen Ägypten, Africa, Numidien und Mauretanien stehenden Cohorten den gesamten Stoff excerpiert, und vor allem auch sämtliche noch nicht ausgegebenen Druckbogen des Corpus Inscriptionum Latinarum durchgesehen; für die Erlaubnis zu deren Benutzung bin ich den Herausgebern, Mommsen, Hirschfeld, v. Domaszewski, Huelsen, Dessau, Bormann und Zangemeister zu grossem Dank verpflichtet, Zangemeister ausserdem noch dafür, dass er gestattet hat, in die Scheden der germanischen Ziegel Einsicht zu nehmen.
  2. Durch das soeben von Novotny (Benndorf-Festschrift 267f.) veröffentlichte Diplom vom J. 106, das für einen Soldaten einer coh. I Astu[rum] ausgestellt ist, ist jetzt ein Aufenthalt der Cohorte in Noricum für die Zeit Traians ausdrücklich bezeugt.