RE:Daia

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 19861990
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Daia (über die Form des Namens vgl. CIL VIII 10784), Schwestersohn des Kaisers Galerius Valerius Maximianus (Vict. epit. 40, 1. 18. Zosim. II 8, 1. Lact. de mort. pers. 18, 13. 14), in Illyricum (Vict. Caes. 40, 1) aus niedrigstem Stande geboren, wurde von seinem Oheim erst zum Scutarius, dann zum Protector, dann zum Tribunus befördert (Lact. de mort. pers. 19, 6), endlich adoptiert und in Galerius Valerius Maximinus umbenannt (Lact. de mort. pers. 18, 13. Dessau 656. 663. CIL III 5748. V 8963. VIII 10293. IX 687. 5433. 5967 und sonst). Als Adoptivenkel [1987] Diocletians, der sich für einen Sohn des Iuppiter erklärt und danach den erblichen Namen Iovius angenommen hatte, wird auch er mitunter als Iovius Maximinus bezeichnet (Bull. hell. XII 102. Cohen Médailles impériales VII² 153 nr. 130. 155 nr. 134. 135). Unter den genannten Namen erhob ihn Dioclctian am 1. Mai 305 (Lact. de mort. pers. 19, 1, vgl. Seeck Gesch. d. Untergangs der antiken Welt I² 462) in Nicomedia zum Caesar und übertrug ihm die Verwaltung der Dioecesen Orions und Aegyptus (Mommsen Chron. min. I 231. Vict. Caes. 40, 1; epit, 40, l. Eutrop. X 2, 1. 1, 1. Anon. Vales. 3, 5. 4, 9. Zosim. II 8, 1. Zonar. XII 32 p. 643 A; über seinen Reichsteil s. Lact. de mort. pers. 36, 3. 19, 6. Seeck I² 463). Das Consulat bekleidete er in den J. 307, 311 und 313 (Mommsen III 517. 518). Er war militärisch wie politisch gleich untüchtig (Lact. de mort. pers. 19, 6), ein Wollüstling, der in brutalster Weise die kaiserliche Gewalt seinen Lüsten dienstbar machte (Lact. 38. Euseb. hist. eccl. VIII 14, 12. Zonar. XII 32 p. 643 B), ein Trunkenbold, der jeden Abend nach dem Mahle unzurechnungsfähig zu sein pflegte (Vict. epit. 40, 18. 19. Euseb. hist. eccl. VIII 14, 11. Anon. Vales. 4, 11), zudem höchst abergläubisch, namentlich den heidnischen Wahrsagekünsten ergeben, durch die er alle seine Handlungen bestimmen liess (Euseb. hist. eccl. VIII 14, 8; vit. Const. I 58. Zonar. XII 32 p. 643 C. Lact. de mort. pers. 37). Die Christenverfolgung Diocletians ist daher von keinem anderen seiner Nachfolger mit grösserem Eifer fortgesetzt worden (Euseb. hist. eccl. VIII 14, 9. IX 1, 1; mart. Palaest. 4, 1. 8 u. sonst). Doch auch seine heidnischen Unterthanen bedrückte er kaum minder schwer, da er irgend ein Recht des Privaten dem Kaiser gegenüber gar nicht anerkannte, sondern ohne jeden Rechtstitel nahm, was ihm gefiel, und bei seiner furchtbaren Verschwendung sehr viel brauchte (Lact. 37, 3. Euseb. hist. eccl. VIII 14, 10. Zonar. XII 32 p. 643 B). Nur bei den Soldaten, die er als einzige Stütze seiner Herrschaft betrachtete, suchte er sich beliebt zu machen und überhäufte sie daher mit Geschenken (Lact. 37, 5. Euseb. hist. eccl. VIII 14, 11).

Als in den Wirren nach dem Tode des Constantius eine Reihe neuer Kaiser erhoben wurden, die alle für sich den Augustustitel in Anspruch nahmen, wünschte ihn auch Maximinus zu erlangen und trat deshalb mit Galerius in Unterhandlungen. Um ihn zu beruhigen, benannte dieser ihn und Constantin nicht mehr Caesares, sondern filii Augustorum. Doch Maximin erkannte diesen Titel nicht an – denn in den Prägstätten seines Reichsteils sind wohl für Constantin, nicht aber für ihn selbst Münzen damit geprägt wurden – und liess sich eigenmächtig von den Soldaten zum Augustus ausrufen (Lact. de mort. pers. 32. Euseb. hist. eccl. VIII 13. 15. Dessau 683. Eckhel VIII 52. 72. Schiller Gesch. der römischen Kaiserzeit II 172). Dies scheint 310 geschehen zu sein, da Vict. epit. 40, 18 seine Regierung als Augustus auf drei Jahre berechnet und er 311, wahrscheinlich um seine neue Würde dadurch zu feiern, zum zweitenmale das Consulat bekleidete.

Als Galerius im April 311 sein Toleranzedict für die Christen erliess (Lact. de mort. pers. 35, 1), [1988] wagte Maximin dem älteren Augustus den Gehorsam nicht zu versagen. Doch brachte er seine Unzufriedenheit dadurch zum Ausdruck, dass er das Gesetz in seinem Reichsteil nicht öffentlich verkündigen liess und nur durch ein Rundschreiben seines Praefectus praetorio Sabinus, nicht durch eigene Verordnung, den Beamten die Einstellung der Christenprocesse befahl (Euseb. hist. eccl. IX 1). Gleich darauf traf die Nachricht von dem Tode des Galerius ein, und Maximin eilte jetzt so schnell wie möglich an den Bosporos, um die Dioecesen Asia und Pontus, die jetzt von dem Erbteil des Verstorbenen dem Licinius hätten zufallen sollen, für sich zu occupieren. Um sich hier die Volksgunst zu gewinnen, hob er, als er am 1. Juni 311 in Bithynien einzog, die Bestimmung des Galerius auf, durch welche auch die Städter dem Census und der Naturalsteuer unterworfen waren, und beschränkte diese wieder auf den ländlichen Grundbesitz (Lact. 36, 1. Cod. Theod. XIII 10, 2; über die Datierung dieses Gesetzes s. Seeck Ztschr. f. Social- und Wirtschaftsgeschichte IV 290). Licinius zog ihm entgegen, und die Heere standen sich an den Ufern des Bosporos gegenüber; doch kam es noch zwischen den Gegnern zum Vertrage (Lact. 36, 2. 43, 2. Euseb. hist. eccl. IX 10, 2). Gleichwohl blieb ein gespanntes Verhältnis bestehen; die Rüstungen wurden eifrig fortgesetzt, und der Handelsverkehr zwischen den Reichsteilen war fast ganz unterbrochen, weil jeder Kaufmann, der aus dem Westen kam, im Orient Gefahr lief, als Spion behandelt zu werden (Euseb. hist. eccl. VIII 15). Auch knüpfte Maximin mit Maxentius, der Italien beherrschte, Verbindungen an, um mit dessen Hülfe den Licinius zugleich von Osten und Westen her angreifen zu können (Lact. 43, 3. 44, 10. Euseb. hist. eccl. VIII 14, 7). Zugleich suchte er seine dynastische Stellung dadurch zu befestigen, dass er die Witwe des Galerius, die Tochter Diocletians, Galeria Valeria, die nach dem Tode ihres Mannes an sein Hoflager gekommen war, noch ehe ihre Trauerzeit abgelaufen war, zu einer zweiten Ehe mit ihm zu veranlassen suchte, für welchen Zweck er sich von seiner Gattin scheiden lassen wollte. Als sie ihn abwies, zog er ihr Vermögen ein und verbannte sie und ihre Mutter in irgend eine Einöde Syriens. Freundinnen von ihr liess er in Nicaea auf falsche Anklagen hinrichten. Die brieflichen Bitten Diocletians um Zusendung seiner Frau und Tochter blieben vergeblich (Lact. 39–41).

Nachdem die Toleranz, die Galerius hatte verkünden lassen, noch nicht volle sechs Monate gewährt hatte (Euseb. hist. eccl. IX 2), d. h. Ende October oder Anfang November 311, veranlasste Maximinus die Decurionen von Nicomedia, wo er sich damals aufhielt (Euseb. hist. eccl. IX 0. 3), dass sie ihn durch eine Deputation baten, er möge die Christen, welche die Opfer und Culthandlungen durch ihre Anwesenheit befleckten, aus der Stadt ausweisen. Gerne erfüllte dies der Kaiser und vergalt die Bitte mit solchen Wohlthaten, dass andere Gemeinden sich zu entsprechenden Gesuchen veranlasst sahen (Euseb. hist. eccl. IX 9. 13, 4ff. Mommsen Arch.-epigr. Mitt. XVI 93. 108). So begann die Christenverfolgung aufs neue (Lact. 36, 3. Euseb. hist. eccl. IX 2–4. 7, 2. 6). Zu ihren [1989] ersten Opfern gehörten der Bischof von Alexandria, Petrus, der am 25. November 311 hingerichtet wurde (Seeck Ztschr. f. Kirchengesch. XVII 66), und der berühmte Kirchenlehrer Lu-cianus, Presbyter in Antiochia, der in Gegenwart des Kaisers zu Nicomedia den Märtyrertod erlitt (Euseb. hist. eccl. VIII 13, 2. IX 6, 3). Im allgemeinen aber blieb das Toleranzedict des Galerius soweit bestehen, dass man die Christen nicht am Leben strafte, sondern sie aus den Städten verbannte, viele auch blendete oder verstümmelte und in die Bergwerke schickte (Lact. 36, 6. Euseb. hist. eccl. VIII 12, 10. 14, 13; vit. Const. 158. Rufin. hist. eccl. 14 = Migne L. 21, 470). Erst ein Brief Constantins, dem Maximin den Gehorsam nicht zu versagen wagte, führte 312 insofern eine Änderung herbei, als die Verfolgung nur noch heimlich betrieben, öffentlich aber die Beamten angewiesen wurden, allein durch Lockungen und Versprechungen auf die Bekehrung der Christen einzuwirken (Lact. 37, 1; vgl. Euseb. hist. eccl. IX 9, 10ff.). Durch gefälschte Acten des Processes Christi vor Pilatus und andere Urkunden ähnlicher Art, die in den Städten angeschlagen wurden, suchte Maximin zugleich auf die öffentliche Meinung zu wirken (Euseb. hist. eccl. IX 5, 1. 2. 7, 1), kurz, alles wurde in Bewegung gesetzt, um das Heidentum zu stärken und ihm seine Bekenner zurückzugewinnen (Lact. 36, 4. 5. Euseb. hist. eccl. VIII 14, 9. IX 4, 2).

Im Winter 311/12 trat im Orient Dürre ein, der Hungersnot und Pest folgten (Euseb. hist. eccl. VIII 15, 2. IX 8, 1. 4. Lact. 37, 4. Bull. hell. XII 102). Zugleich erhoben sich die Armenier und zwangen den Kaiser, mit seinem Heere nach Süden zu ziehen (Euseb. IX 8, 2. 4). Obgleich der Feldherr des Maximin, Verinus, sie besiegte (Symmach. epist. I 2, 7), zerstörte dies doch den Plan, mit Maxentius im Kriege gegen Licinius und Constantin zusammenzuwirken. Der letztere hatte sich nach der Schlacht an der Milviscben Brücke durch den Senat die erste Stelle im Kaisercollegium zudecretieren lassen, die bisher Maximinus eingenommen hatte (Lact. 44, 11. Dessau 663. 664. Arch.-epigr. Mitt. XVI 94. 98. Inschriften, die Constantin dem Senatsbeschlusse gemäss vor Maximin nennen: CIL V 8021. 8060. 8963. VI 507), suchte aber doch, obgleich er in Rom entscheidende Beweise erhalten hatte, dass dieser mit Maxentius verbündet gewesen war (Lact. 44, 10), die Eintracht mit ihm herzustellen. Dies fand darin seinen Ausdruck, dass Constantin sich selbst zusammen mit Maximinus für das J. 313 zum Consuln ernannte (CIL VI 507. Mommsen Chron. min. III 397. 518).

Dieser hatte unterdessen erfahren, dass Licinius nach Mailand gegangen war, um dort seine Hochzeit mit Constantins Schwester zu feiern, und hoffte, in der Abwesenheit des Herrschers dessen Reichsteil leicht gewinnen zu können. Denn da Licinius sehr karg gegen seine Soldaten, Maximinus freigebig bis zur Verschwendung war, glaubte er, dass er die Truppen Thrakiens und Illyricums zum Abfall werde verführen können. So brach er denn im Winter 312/13 aus Syrien, wohin ihn der armenische Krieg geführt hatte, auf, durchzog ohne Rücksicht auf die Verluste an Lasttieren und Menschen in grösster Hast die [1990] schneebedeckten Gebirge Kleinasiens und gelangte so mit 70 000 Mann nach Byzanz. Da die Besatzung sich nicht zur Übergabe bereitfinden liess, nahm er die Stadt nach elftägiger Belagerung ein und eroberte dann auch Herakleia. Unterdessen aber war Licinius eiligst herbeigekommen und trat ihm mit einem schnell zusammengerafften Heer von 30 000 Mann auf dem Campus Serenus, etwas nördlich Herakleia, entgegen. Nachdem persönliche Verhandlungen der beiden Kaiser gescheitert waren, kam es am 30. April 313 zur Schlacht, in der Maximin unterlag (Lact. 45-47. Anon. Vales. 5, 13. Zosim. II 17, 3. Euseb. hist. eccl. IX 10, 2–4; vit. Const. I 58). Jetzt liess er die Wahrsager, die ihm den Sieg verkündet hatten, als Betrüger hinrichten und versuchte noch in letzter Stunde den Christengott zu versöhnen, indem er seine Toleranzedicte in entschiedenster Weise erneuerte und zugleich den Kirchen ihr confisciertes Vermögen zurückgeben liess (Euseb. hist. eccl. IX 10, 6ff.; vit. Const. I 59). In Kappadokien hatte er wieder ein Heer versammelt (Lact. 47, 6), zog sich aber vor dem anrückenden Licinius hinter die Pässe des Taurus zurück und starb noch 313 in Tarsus an einer Krankheit (Lact. 49. Eutrop. X 4, 4. Vict. Caes. 41, 1 ; epit. 40, 8. Euseb. hist. eccl. IX 10, 14; vit. Const. I 58ff. Zosim. II 17, 3). Seine Frau liess Licinius in den Orontes stürzen, seinen achtjährigen Sohn und die siebenjährige Tochter, die mit Candidianus, dem Bastard des Galerius, verlobt war, auf andere Weise töten (Lact. de mort. pers. 50, 6. Zonar. XIII 1 p. 2 C). Schon am 26. November 313 war in Ägypten das Consulat des Maximinus annulliert und das des Licinius verkündet (Ägypt. Urkunden d. Berliner Museums I 349); sein Tod muss also noch einige Zeit früher eingetreten sein. Seeck Geschichte des Untergangs der antiken Welt I².