RE:Daisios

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band IV,2 (1901), Sp. 20142015
Linkvorlage für WP   
* {{RE|IV,2|2014|2015|Daisios|[[REAutor]]|RE:Daisios}}        

Daisios, makedonisch-griechischer Monatsname. 1. In dem Mondsonnenjahr der Makedonier, dessen Anfangspunkt die Herbstnachtgleiche bildete, nahm der D. die achte Stelle ein und entsprach so dem attischen Thargelion (Mai), wie denn Plutarch die Schlacht am Granikos einmal (Alex. 16) in den Daisios, an einer anderen Stelle (Camill. 19) in den Thargelion setzt. Vgl. Ideler Handbuch der Chronologie I 402, 2. In der makedonischen Inschrift Dittenberger Syll.² 318, 39 (Lete 118 v. Chr.) findet sich der Monat erwähnt. Von Alexander bis auf Augustus war jenes alte makedonische Jahr über einen grossen Teil des hellenisierten Orients verbreitet; den Monat D. treffen wir z. B. in Pergamon (Joseph. ant. Iud. XIV 247) und Sardes (Altert. von Pergamon VIII 2, 268 D 36). Als dann unter der Regierung des Augustus für die Provinz Asia ein Kalender eingeführt wurde, der unter Beibehaltung der makedonischen Monatsnamen (doch s. unter Dios) ein dem iulianisehen nachgebildetes Sonnenjahr darstellte (die Originalurkunde darüber ist zum grossen Teil erhalten, herausgegeben von Th. Mommsen und U. v. Wilamowitz-Möllendorff Athen. Mitt. XXIV 1899, 279ff.), wurde der Monat D. 3ltägig, vom 23. April bis zum 23. Mai (Z. 70 der Inschrift). Sehr wenig weicht davon der Kalender der Ephesier im Hemerologium Florentinum ab, indem er ihm 30 Tage, vom 24. April bis zum 23. Mai giebt, und hierzu stimmt die sardianische Inschrift CIG 3467 (Le Bas-Waddington Inscr. III 628) mit der Doppeldatierung πρὸ πέντε καλανδῶν Μαΐων – καὶ μηνὸς Δεσίου τετάρτῃ (Z.4. 6). Andere Erwähnungen des Monats in Inschriften der Provinz Asia CIG 2943. 14. 3515, 10. 3872 c, 1. 4255, 3. Le Bas-Waddington Inscr. III 1044, 12. 1522, 1. 1676. 8. In anderen römisch-orientalischen Sonnenjahren, die wir aus dem Hemerologium Florentinum und ähnlichen hsl. erhaltenen Verzeichnissen kennen, hat er sich um eine oder einige Stellen verschoben. So ist der Anfangstag im Kalender der ,Araber‘ der 21. Mai, in dem von Gaza der 26. Mai, in dem syromakedonischen (entsprechend dem syrischen Siwan) der 1. Juni, in Tyros der 19. Juni, in Askalon der 25. Juni, in Sidon der 1. August. Vgl. Ideler Handbuch der Chronologie I 430. 434. 436ff. Dass in Syrien dieser Kalender erst mit der Römerherrschaft ein Ende gefunden hat, zeigt das Vorkommen des Monats D. in sehr späten Inschriften wie CIG 8641 (Le Bas-Waddington Inscr. III 1878, aus dem J. 565 n. Chr.). 9730 (431 n. Chr.). Auf einen ähnlichen Sonnenjahrkalender sind ohne Zweifel die makedonischen Monatsnamen in den aus der römischen Kaiserzeit stammenden Inschriften des bosporanischen Reichs zu beziehen; [2015] der Δαίσιος findet sich bei Latyschew Inscr. or. sept. Ponti Eux. II 27, 8. 54, 4. 364, 4. 423, 14. 449, 22.

2. Der einzige bekannte Monat des Kalenders von Sikyon, den Plutarch Arat. 53 dem athenischen Anthesterion (Februar) gleichsetzt; vgl. Ideler Handbuch der Chronologie I 402, 2. K. F. Hermann Monatskunde 52ff. E. Bischoff Leipziger Studien VII 380ff.

Der Name hängt ohne Zweifel nach Entstehung und Bedeutung mit dem in zahlreichen griechischen Kalendern auftretenden Theodaisios (s. d.) zusammen.