RE:Diomedes 1

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,1 (1903), Sp. 815826
Diomedes in der Wikipedia
GND: 119315238
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|815|826|Diomedes 1|[[REAutor]]|RE:Diomedes 1}}        

Diomedes (Διομήδης). 1) Der Heros. Der Name ist ein normal gebildeter griechischer Mannesname wie Θεομήδης Περιμήδης Πολυμήδης. D. ist also ein heroisierter Mensch. Dass er vielmehr ein zum Heros herabgesunkener alter Gott sei, ist nicht zu beweisen. Denn Pindaros 2 Nem. X 7 Δ. δ’ ἄμβροτον ξανθά ποτε Γλαυκῶπις ἔθηκε θεόν würde eher für jene Auffassung sprechen, auch kann seine von Lycophr. 630 und bei Strab. V 214f. bezeugte göttliche Verehrung in Italien diese nicht erhärten. Welckers und Prellers Ansicht, D. sei mit einem vorgriechischen Gotte, dem Rosse geopfert wurden, verschmolzen, entbehrt der Begründung. Die naturalistische Deutung des D. auf einen Sturm- und Winterkönig ist willkürlich.[1]

§ 1. D. ist einer der ältesten Heroen, sehr früh im Cult verehrt. Er ist aus sehr alter Zeit in Thrakien erhalten, ist durch die griechische Halbinsel hindurchgewandert, wo sein Cult oder seine Spuren in Aitolien, Messene, Lakonien, Argos, Trozen, Attika haften, und ist gleichermassen nach Osten und Westen von sehr alten Auswanderern [816] getragen worden, die durch die grossen Wanderungen gedrängt das Mutterland verliessen; so besonders nach Kypros und nach Italien. Wie aus dieser localen Verschiebung das hohe Alter seiner heroischen Wesenheit sich notwendig ergiebt, wird sie bestätigt durch die altertümliche Roheit seines Cultus, die sich an mehreren Orten gerade der äussersten Peripherie gleichartig erhalten hat: Menschenopfer wurden ihm in Kypros wie wohl einst in Thrakien geschlachtet, und das Ross ist ein heiliges Tier in Thrakien wie in Italien, s. § 17. Sein hohes Alter und seine, vielmehr seiner Verehrer weite Wanderungen haben ihn früh in die grosse Heldensage gestellt, und deshalb ist er im ganzen einheitlich ausgebildet. So bietet er ein lehrreiches Beispiel für mythologische Forschung. Da überall, wo D. verehrt wird oder in der Sage lebt, nachweislich oder sehr wahrscheinlich Achaeer d. h. Aioler gesessen haben, so stehe ich nicht an, ihn für einen aeolischen Heros zu erklären, vgl. Studniczka in Roschers Myth. Lex. II 1735, 64.

A. Localsagen und -Culte.

§ 2. Der thrakische D. ist von der Sage selbständig entwickelt. Dass er ursprünglich vom Tydiden D. nicht verschieden war, legt Namensgleichheit wie Wesensverwandschaft nahe: das enge Verhältnis beider zu Rossen, die auch noch in Italien dem D. heilig sind, ferner die Vernichtung von Menschen, die auch in Kypros dem D. geopfert wurden und die der thrakische D. von seinen Rossen fressen lässt – worin schon Welcker eine Erinnerung an Menschenopfer erkannte. Der thrakische D. wird König der Bistonen genannt, Sohn des Ares und der Kyrene, Apollod. bibl. II § 96. Eine vereinzelte, aber echte Überlieferung. Denn die Verbindung des aeolischen Heros D. mit der thessalisch-minyschen (aeolischen?) Göttin Kyrene ist wohl verständlich, s. Studniczka Kyrene 137ff. Der thrakische D. tritt nur in der Heraklessage hervor. Als achtes ἆθλον wird diesem aufgetragen, des D. menschenfressende Stuten nach Mykenae zu bringen, Eurip. Alk. 490ff.; Hercul. 380ff. Herakles tötet den gewaltigen Bistonenkönig. Die Rosse, ans Meer geführt, zerreissen den Geliebten des Herakles, Abderos von Opus, Sohn des Hermes, dem sie der Held zur Bewachung übergeben. Am Grabe des Abderos gründet er die Stadt Abdera. So Hellanikos FHG I frg. 98 bei Steph. Byz. s. Ἄβδηρα. Apollod. bibl. II § 96f. Strab. VII frg. 47, vgl. Diod. IV 16, 3f. Schol. Verg. Aen. I 752.

Das Sprichwort Διομήδεια ἀνάγκη, von Aristophanes Eccles. 1029 picant angewendet, wird dementsprechend vom Scholiasten wie von Klearch bei Hesych. s. v. derart gedeutet, dass die menschenfressenden Rosse des Thrakers D. als seine mannstollen Töchter erklärt werden, die die vom Vater ihnen zugetriebenen Männer bis auf den Tod aussaugen. Anders Schol. Plat. Repbl. 493 D. Hesych.

Darstellungen: 6. Jhdt. am amyklaeischen Thron des Ioniers Bathykles, Paus. III 18, 12, dazu Furtwängler Ant. Gemmen Tf. X 7 u. Text. Fehlt auf archaischen Vasen, vielleicht Neap. 2506 Heydem. nach Furtwängler. 5. Jhdt. an einer Metope des Zeustempels zu Olympia, Paus. V 10, [817] 9. Bronzegruppe eines Cistendeckels aus Praeneste im British Museum, Furtwängler bei Roscher Myth. Lex. I 2226; am Theseion zu Athen, Ostmetope V, Sauer Theseion Taf. 6 S. 173; am thebanischen Herakleion, Paus. IX 11, 6; hellenistisch-römisch: Zoega Bassir. 62. 63. Clarac 797, 2001.

§ 3. Die thrakische D.-Sage haftet also an der Stadt Abdera. In ihrer Nähe Διομήδους βασίλειον, Strab. VII frg. 44. Pomp. Mela II 29. Plin. n. h. IV 42 (Tirida). XXV 94. Aelian. nat. an. XV 25. Bedenklich gegen die Ursprünglichkeit der angeführten Sage macht, dass der Eponym von Abdera in ihr eine so passive Rolle spielt, zumal da ihr activer Held Herakles hier, wo Dorer nicht hervortreten, unverständlich ist. Das Ältere offenbart eine fast verschollene Überlieferung: nach Pomp. Mela II 29 war Abdera die Schwester des D. und hat die Stadt nach sich benannt. Dadurch kommt die Überlieferung in Hyg. fab. 30 zu Recht: Diomedem .. cum Abdero famulo interfecit (Hercules). Folglich steht Abdera zu D. ursprünglich in nächstem freundschaftlichen Verhältnis; D. ist auch hier trotz des Bestrebens, ihn zum Barbaren zu machen, echter Griechenheros. Wie aber kommt D. nach Abdera in die Colonie von Ioniern, denen er fremd ist? Studniczka Kyrene 137 vermutete, sie hätten D. ,als Repräsentanten feindlicher (aeolischer?) Stämme‘ hinübergebracht. Das ist unmöglich, da Abderos selbst zu D. gehört. Zudem sitzt Odysseus, der engst verbundene Genosse des D., auch hier in unmittelbarer Nähe fest am Ismaros bei Maroneia, ((RE siehe|Homeros 1|Homer.}} Od. IX 39ff.; der Ausfluss eines Sees bei dieser Stadt hiess Ὀδύσσειον, Strab. VII frg. 44, von Geffcken ergänzt aus Eustath. Od. 1615, 9. D. und Odysseus stützen sich hier gegenseitig. Die Ionier haben hier bereits Griechen (Aeoler) vorgefunden, die sie selbst absorbierten, deren Culte und Sagen sie aufnahmen.

§ 4. v. Wilamowitz Herakles I 303 hat das Abenteuer des Herakles wider D., weil Herakles bei Abdera unwahrscheinlich sei, und seinem Dodekathlos zu Liebe, in die Nähe von Argos, etwa an den Kithairon, versetzt, wo Thraker und menschenfressende Rosse (in Potniai, Glaukos). Aber der Kithairon zeigt keine Spuren des D., eher wäre wohl an Argos selbst zu denken, wo sich D. und die Rosse finden. Nach Diodor IV 15 (Matris?) weiht nämlich Eurystheus die von Herakles heimgebrachten Stuten des D. (vgl. Eurip. Herc. 380ff.) der Hera, und ihre Zucht hat sich bis auf Alexander d. Gr. gehalten, oder länger nach Gavius Bassus bei Gell. III 9. Da also gewisse Rosse in Argos zu D. in Beziehung gesetzt wurden und der Cult des D. in Argos andauerte (s. § 10), liegt es nahe, auch für das alte Argos wie für die Gegend von Abdera und Italien das Ross als das heilige Tier des D. anzunehmen. Dann würde dies Abenteuer des Herakles ursprünglich Kämpfe der Dorer gegen Argos gespiegelt haben; durch Verlegung nach Abdera, wo sich die dem D. und seinen Rossen gebrachten Menschenopfer (?) wohl länger hielten, wäre jene ursprüngliche Beziehung verdunkelt worden.

§ 5. Auch der thrakische D. ist wenigstens in einer Sage dem von Homer aufgenommenen Tydiden D. gleichgesetzt; die Überwältigung des [818] Thrakerkönigs Rhesos durch D. und Odysseus, seines Nachbars in Thrakien, und die Erbeutung der herrlichen Rosse des Rhesos durch D., im K der Ilias als Episode des troischen Krieges geschildert, ist offensichtlich eine alte Localsage von Abdera und Maroneia, die die Kämpfe dieser Ansiedler gegen die Thraker spiegelt. Aus guter Überlieferung Eustath. zu Hom. Il. V 4: τὰ γὰρ πρὸ τούτων ἐπεσκοτεῖτο (Διομήδης) οἷον ὑπὸ τῆς Ἀχιλλέως ἀρετῆς, ἢ καὶ διότι ἐν τῷ φθάσαντι χρόνῳ τὴν Θρᾴκην ἐγεώργει, ὡς τινες ἱστοροῦσιν.

§ 6. Auch für Thessalien ist wohl die Sage von D. und seinen menschenfressenden Rossen anzunehmen. Denn dahin weist nicht nur Kyrene als Mutter des thrakischen D., sondern auch der bei Apollod. bibl. II § 97 erhaltene Zug, dass die Rosse des D., von Eurystheus, dem sie Herakles gebracht, freigelassen, auf dem Olymp sterben. Spuren des D. finden sich auch in Lesbos. Nach Hellanikos in Schol. Od. IV 343 = Eustath. p. 1498, 62ff. (Koehler Leipz. Stud. XVIII 310) hat D. mit Odysseus den König Philomeleides von Lesbos (besser Arisbe, wie einige Hss. in der Odyssee IV 342 statt Lesbos geben), der zum Ringkampf forderte, hinterlistig getötet und sein Grab zu einem καταγώνιον ξένων gemacht. Auch der von D. bei Hom. Il. VI 12 getötete Ἄξυλος Τευθρανίδης von Arisbe dürfte Lesbier sein. Diomede, die auch in Lakedaimon neben D. angetroffen wird, ist für Lesbos als Tochter des Phorbas gesichert durch Hom. Il. IX 665, wo sie zur lesbischen Beute Achills gehört.

§ 7. Die übrigen D.-Sagen sind der von Homer recipierten Ausgestaltung dieses Heroen angeschlossen. Er gilt in allen, als Sohn des Tydeus (vgl. Tyndareos, sanskr. Wurzel tud, lat. tudes, tundere, also ,Zerschmetterer‘, Zeus: G. Curtius Griech. Etym. 248. Usener Rh. Mus. LIII 341), ) der aus Aitolien nach Argos wandert, und dort von Deipyle, des Adrastos Tochter, den D. zeugt. Doch auch des D. Beziehungen zu Aitolien sind lebendig geblieben.

§ 8. Die aitolischen D.-Sagen liegen nur in später Fassung vor: nach dem jungen (6. Jhdt.) Epos Alkmaionis, das in Ephoros Bericht frg. 28 bei Strab. VII 325f. = X 462 (vgl. 452) vorliegt (Immisch Jahrb. f. Philol. Suppl. XVII 183. Bethe Theb. Heldenl. 130f.), zieht D. mit Alkmaion nach glücklicher Vollendung des Epigonenzuges wider Theben nach Aitolien, um seinen Grossvater Oineus an dessen Feinden zu rächen. Doch auf Agamemnons Ruf, der inzwischen beider argivische Herrschaften an sich gerissen hatte, folgt wenigstens D. in den troischen Krieg. Euripides hat seinem Oineus (vor 425) wohl jenes Epos zu Grunde gelegt: des Agrios Söhne hatten den alten Oineus beraubt, D. tötet sie und giebt ihm die Herrschaft zurück. So die ὑπόθεσις Schol. Aristoph. Acharn. 418. Vgl. Apollod. I § 78 = Paus. II 25, 2. Hyg. fab. 175. Antonin. Lib. 37. Diktys VI 2, weiche drei letzten dies Abenteuer nach dem troischen Krieg ansetzen. Vielleicht bezieht sich auf D. und Oineus die Vase im British Museum F 155 vol. IV p. 76, abgeb. Inghirami Vasi fittili I 60.

§ 9. Nach anderer Version wird Oineus von den Agriossöhnen Onchestos und Thersites bei [819] der Τηλέφου ἑστία in Arkadien erschlagen, sein Leichnam von D. nach Argos geschafft und dort begraben in der Stadt Oinoe, Apollodor. I § 79, fälschlich mit der Euripidesversion contaminiert, wie Euripides frg. 558 lehrt. Als eine nach Arkadien weisende Spur des D.-Sagen darf wohl die Tötung des Phegeus durch D. betrachtet werden, Hom. Il. V 10ff., vgl. den gleichnamigen König von Psophis. Auch sonst zeigen Spuren, dass D. und seine Sippe, von Aitolien aus in die Peloponnes getragen, sich allmählich über die ganze Insel verbreitet hatte; doch ist er an die Peripherie gedrängt. So ist an der Südwestecke von Messenien in Mothone D. mit der dort verehrten Athena Ἀνεμῶτις durch die Cultsage verknüpft; er habe die dem Lande verderblichen Winde durch ein Gebet an Athena abgewendet und ihr dafür das Bild und den Namen gegeben, Paus. IV 35, 8. In Sparta war das Palladion dicht am Heiligtum der Leukippiden am Heroon des Odysseus untergebracht; die Verbindung desselben mit D., durch den Odysseuscult sichergestellt, ist in der Überlieferung bei Plut. quaest. gr. 48 durch die späte künstliche Beziehung auf das argivische Palladion verdunkelt, aber doch selbst da noch vorhanden: ein Nachkomme des D. habe das Palladion von Argos auf des Temenos Anstiften nach Lakedaimon gebracht. Vielleicht könnte auch Hermione, nach Schol. Pind. Nem. X 7 als Gattin des D. erwähnt, für Lakedaimon als Tochter des Menelaos beansprucht werden. Auch Diomede, Tochter des Lapithes, sitzt in Lakedaimon als Gattin des Amyklas fest, Apollodor. III § 116, von S. Wide Lakon. Culte 234 zu Achill hier wie in Lesbos (Hom. Il. X 665) gut in Beziehung gesetzt.

Aus der Peloponnes (Arkadien) dürfte der altertümliche D.-Cult nach Kypros gekommen sein, s. § 12.

§ 10. Im Nordosten der Peloponnes hat sich D.-Cult dauernd und vielfach erhalten. In Argos ist D. mit Athena eng verbunden. An ihrem Badefest wurde auch des D. Schild – wahrscheinlich derselbe, der auch dem Euphorbos (Paus. II 17, 3) und dem Abas (Serv. Aen. III 281) zugeschrieben wird – in der Procession neben ihrem Bilde einhergetragen, Kallim. h. V 35 (daraus Schol. I von [August Meineke|Meineke]] verbessert). Auf Rettung des D. vor den Nachstellungen seiner Gattin in dem Athenatempel spielt Lycophr. 613f. an. Das Palladion in Argos bezeugen Münzen, Head HN 367 (4. Jhdt.). 368 (D. das Palladium in der Rechten, Schwert in der Linken, nach rechts davonschleichend, Greek coins in the British Museum Peloponnes S. 139, 43 = Taf. 27, 12. 13, oder D. das Palladium vom Altar, auf den er steigt, herunternehmend, a. a. O. S. 148 = Taf. 28, 12), vgl. Plut. quaest. graec. 48, ebd. das Geschlecht des D. Das Heiligtum der Athena Ὀξυδερκής in Argos, durch die Cultsage mit D. verbunden, gilt als seine Gründung mit Bezug auf Hom. Il. V 127. Rosse des D. in Argos s. o. § 4. Unbenutzbar ist die Fälschung Plut. de fluviis 18. 12. Ursprünglich nach Argos gehörte die Überwindung des Adrast und Amphios (= Amphiaraos) durch D. Hom. Il. XI 329, vgl. II 831. Nach Argos weist auch vielleicht Ἄβας, des Eurydamas Sohn, den D. bei Hom. Il. V 148 tötet, vgl. den gleichnamigen [820] König von Argos und Abas, den Sohn des Melampus. Ebd. tötet D. den Polyidos, vgl. den Seher von Korinth. Vgl. auch das freundliche Zusammentreffen des D. mit Glaukos, dem Sohn des Σίσυφος Αἰολίδης, Il. VI 119ff, der sich aus Argos ableitet. Im benachbarten Trozen wird Tempel und Bild des Hippolyt als Gründung des D. ausgegeben, der ihm zuerst geopfert habe, Paus. II 32, 1. Die Rosse werden beider Heroen Verbindung herbeigeführt haben. Auf D. werden auch die Gründung des in demselben Temenos belegenen Tempels des Apollon Ἐπιβατήριος und die Stiftung der pythischen Spiele hier von den Trozeniern zurückgeführt, Paus. II 32, 2. Hermione als Gattin des D. erwähnt Schol. Pind. Nem. X 7; über Hermione-Demeter und D. vgl. Klausen Aeneas II 1161. Lübbert Bonn. Univers. Progr. 1889/90, 5.

Mit bestem Recht wird also D. im Schiffskatalog Il. II 559ff. Oberkönig des ganzen östlichen Argos genannt (Argos, Tiryns, Asine, Eionai, Mases, Hermione, Trozen, Epidauros, Aigina). Doch ist nie vergessen, dass D. Eindringling war, vgl. Paus. II 30, 10 und die Sagen von Tydeus Ankunft.

§ 11. Attika. In Prasiai ist das Heiligtum der Ἀθηνᾶ Πρόνοια von D. gegründet: Bekker An. Gr. I 299. Toepffer Herm. XXIII 1888, 330. Der attische Gerichtshof ἐπὶ Παλλαδίῳ hat eine Reihe von Erklärungen der Atthidographen hervorgerufen, wie das Palladion dahin gekommen sei und warum gerade beim Palladion wegen φόνος ἀκούσιος verfahren werde, s. den Lexikographen Pausanias (bei Eustath. p. 1419. 55) p. 161 Schwabe. Nur selten wird merkwürdigerweise D. dabei genannt, der das Palladion doch mit Odysseus aus Troia entwendet hatte (s. § 18). Nach der einen Version hat es Demophon von D. und Odysseus als παρακαταθήκη empfangen (Dionys bei Clem. Alex. Protr. p. 14, 11 Sylb. FHG II 9 frg. 5; vgl. Polyaen I 5). Nach der andern ist D. mit dem Palladion auf der Rückfahrt von Troia zum Phaleron verschlagen worden und hat, ohne das Land zu erkennen, es geplündert; Demophon habe ihn abgeschlagen, das Palladion erbeutet, dabei einen Athener ohne Absicht niedergeritten, Paus. I 28, 9; kürzer Lysias frg. 220 Turic. in Schol. zu Aristid. panathen. p. 187, 20.

§ 12. Zu Salamis auf Kypros wurde im Monat Aphrodisios (23. September bis 23. October nach Usener Götternamen 137) D. mit Athena und Agraulos in demselben τέμενος verehrt: ein Mann, von Epheben dreimal um den Altar getrieben, wurde vom Priester mit einer Lanze durch den Mund gestossen und ganz verbrannt. Erst in der Zeit des Seleukos θεολόγος sei dies Menschenopfer abgeschafft worden, Porphyr. de abstin. II 54.

§ 13. Die D.-Sagen in Italien waren besonders in Apulien reich entwickelt. Was Timaios über sie berichtet, ist trotz Geffcken Philolog. Untersuch. XIII 5ff. 133ff. nicht ganz klar. 1. Schol. Lycophr. 615 führt aus Timaios frg. 13 und Lykos folgendes an: Nach der Einnahme Troias fährt D. heim mit Steinen der troischen Mauer als Ballast; von seiner Gattin Aigialeia aus Argos vertrieben, kommt er nach Italien, wo er den [821] die Phaiaken schädigenden skythischen Drachen tötet, mit des Glaukos goldenem Schilde bewehrt; er errichtet ein Denkmal aus den troischen Steinen und wird als Gott verehrt. Ebenso Lycophr. 615–618. 630–632, also aus Timaios. Nicht klar ersichtlich ist ein Zusammenhang dieser Sage mit den übrigen von Lykophron angedeuteten, deren Rückführung auf Timaios (Geffcken 5) mir deshalb unsicher, obgleich wohl möglich (s. bes. unter 3) erscheint. 2. D., durch den Schiedsspruch seines Bruders Alainos um das Land der Daunier betrogen, verflucht das Land, dass es nur seinem eigenen aitolischen Stamme Früchte trage, und errichtet untilgbare Säulen 619–629 (Schol. 592 verknüpft dies fälschlich, wie Verg. Aen. XI 246ff. Antonin. Lib. 37 lehren, mit der v. 592 in anderem Zusammenhange angeführten Gründung von Argyrippa und seinem Bündnisse mit Daunos). Die Daunier wissen den Fluch zu lösen, indem sie Gesandte der Aitoler, die das Land zu fordern kommen, lebendig begraben 1056–1066. 3. D. gewinnt das ganze Land der Daunier (Δαυνίων παγκληρίαν Lycophr. 591), gründet Argyrippa – benannt nach seiner argivischen Heimat, Verg. Aen. XI 246, also Ἄργος Ἵππιον; vgl. Strab. VI 284. V 215. Steph. Byz. Plin. III 104. Appian. Hannib. 31. Iustin. XX 1 – und herrscht dort; von seinem gewaltsamen Tode ist nicht die Rede, Lycophr. 591ff. Also bleibt nach dieser Version D. im ungestörten Besitze seiner Eroberung. Eben diese Version benutzen Verg. Aen. XI 243ff., von ihm abhängig Ovid. met. XIV 455ff. Serv. Aen. VIII 9 (Schol. Lycophr. 592 nur Z. 2–10). Antonin. Lib. 37. Plin. III 103f. Aus der gleichen Quelle offenbar stammt der von den beiden letzten aufbewahrte Zug. D. habe des Daunos Tochter Euippe geheiratet, mit der er nach Anton. Lib. den D. und Amphinomos gezeugt – der notwendige Abschluss dieser Sage, denn die Eroberung machte D. im Bündnis mit dem König Daunos (Anton. Lib. Plin. Schol. Lycophr. 592 Z. 8). Da nun Vergil, Ovid und Anton. Lib. gleicherweise diese Eroberung Dauniens mit der Geschichte von der Vertreibung des von Troia heimgekehrten D. aus Argos durch seine Gattin Aigialeia verbinden und sie alle diese Unglücksschläge durch den Zorn der einst von D. verwundeten [[RE:Aphrodite|Aphrodite] motivieren, so haben wir eine einheitliche, zusammenhängende Erzählung. Sie ist älter als Lykophron, denn auch er giebt 610–614 den Zorn der Göttin und die Verfolgung durch die Gattin. Derselben Quelle gehört auch die Verwandlung von Gefährten des D. bei seinen Lebzeiten in Vögel; denn Lycophr. 594–609. Verg. Aen. XI 271ff. (aus Varro ? vgl. August. de civit. d. XVIII 16. Geffken a. a. O. 6f.). Ovid. met. XIV 483ff. erzählen sie in gleichem Zusammenhange. Vgl. Antigon. Caryst. mirab. 188 (Lykos). Ael. h. a. I 1. Steph. Byz. s. Διομήδεια. Iuba bei Plin. X 126f. Nach dem Tode des D. wird die Verwandlung angesetzt bei Ps.-Arist. mirab. auscult. 80. Schol. Lycophr. 592. Anton. Lib. 37. Diese Vögel hausen auf den Inseln Διομήδειαι am Garganus, den Griechen freundlich, den Barbaren gefährlich. 4. D. wird nach der Eroberung von Daunos ermordet, Schol. Lycophr. 592. [Arist.] mirab. auscult. 80 (79), vielleicht mit 1. zu verbinden. Die unter 1. und 3. angeführten Sagen [822] sind der zweiten durchaus entgegengesetzt; nach dieser sind die griechischen Besiedlungsversuche vergeblich, jene dagegen zeigen die Daunier dem griechischen Einflusse hingegeben. Das tritt deutlich auch in der Zusammenstellung verschiedener Versionen der italischen D.-Sagen bei Strab. VI 284 a. E. hervor; nach der einen sei D. heimgeholt worden, habe seine in Italien begonnenen Werke unvollendet hinterlassen und sei in seiner Heimat gestorben, nach der andern habe er in Italien sein Leben beendet oder sei auf der D.-Insel verschwunden. Man darf wohl jene Version mit der unter 2. erzählten, diese mit der unter 1. und 3. wiedergegebenen verbinden.

§ 14. D. in Italien als Gott verehrt, Lycophr. 630. Ibykos frg. 38 B.⁴ in Schol. Pind. Nem. X 12. Metapont und Thurioi, Polemon in Schol. Pind. Nem. X 12: D. als Gott verehrt. Da Metapont auf Veranlassung von Sybaris gegründet war (Antiochos Syr. bei Strab. VI 264) und Thurioi nahe bei der Stätte des zerstörten Sybaris lag, nimmt Luebbert Ind. lect. Bonn 1889/90 p. V mit Recht auch in Sybaris D.-Cult an, zumal Trozen bei der Gründung von Sybaris beteiligt war (Arist. Polit. V 1303 a 38), wo D.-Cult gesichert ist. Die Identification des D. mit Leukippos in Metapont (Strab. VI 265), von Klausen Aeneas II 1159. 1160 versucht, ist nicht durchschlagend. Bei Metapont im Heiligtum der Athena Ἀχαΐα Beil und Waffen des D., [Arist.] mirab. auscult. 109 (117). Im Peuketierland in einem Artemisheiligtum ein ehernes Halsband mit der Aufschrift Δ. Ἀρτέμιδι ebd. 110 (120). – Tarent. Nach [Arist.] mirab. auscult. 106 (114) dem Tydiden neben den Atriden, Aiakiden, Laertiden Totenopfer. – Argyrippa. Ἄργος Ἱππιον, Arpi), von D. gegründet, Strab. VI 284. Verg. Aen. XI 246. Plin. III 104. Serv. Aen. VΙΙΙ 9. Auson. Epitaph. 6. Nach Steph. Byz. s. Διομήδεια lag ein Ort dieses Namens bei Argyrippa. – Canusium, von D. gegründet, Strab. VI 284. Schol. Verg. Aen. XI 246. – Luceria, alte Weihgeschenke des D. im Heiligtum der Athena, Strab. VI 284, vgl. [Arist.] mirab. auscult. 109 (117) aus Timaios, Geffcken 22. – Sipontum (Σιποῦς), Gründung des D., Strab. VI 284. – Diomedis campus am Aufidus, Liv. XXII 12. Fest ep. 75. Strab. VI 284: D. versuchte es zu entwässern. – Διομήδειαι, zwei Inseln am Garganus, Ibykos frg. 38 B.⁴ in Schol. Pind. Nem. X 12. Hier soll D. verschwunden sein, und hier seine Gefährten in Vögel verwandelt hausen, s. o. § 13, 3. Hier Tempel des D., [Arist.] mirab. auscult. 79 (80). Schol. Pind. Nem. X 12. Iuba bei Plin. X 127. Grab des D., Anton. Lib. 37. [Arist.] Pepl. epigr. 14. Plin. III 151, unter einer Platane der tumulus, Plin. XII 6. Nach Steph. Byz. Διομήδεια auch eine Stadt der Daunier. – Brundisium, aitolische Gründung des D., Iustin. XII 2. – Die Umbrer verehren D., von dem sie Wohlthaten erfahren haben, in einem Heiligtum, Skyl. 16, Geogr. gr. min. I 24. – Venusia und Venafrum? als Gründungen des D. wohl nur wegen der Ableitung von Venus in Schol. Verg. Aen. XI 246 angegeben. – Beneventum, Gründung des D., Serv. Aen. VIII 9. Procop. Goth. I 15. – Equus Tuticus, Gründung des D., Serv. Aen. VIII 9. Luebbert Ind. lect. Bonn 1889/90 p. XI vermutet, dass als Wahrzeichen ein grosses [823] >>> ■■Ab hier noch unkorrigiert >■■. Pferd aufgestellt war, wie in Nuceria CIL X 1081, und dass dies auf D. bezogen wurde. – Rom, vom Troianer Ῥῶμος Ἠμαθίωνος, den D. abgesandt, gegründet, Plut. Rom. 2, vgl. Dion. Hal. ant. Rom. I 72. – Lanuvium, die erste Gründung des D. in Italien: Appian. bell. civ. II 20. – Spina, Gründung des D., Plin. III 120. – Die Ἑνετοί verehren D. in einem Τίμαυον genannten Heiligtum, im Winkel der Adria. Ein weisses Ross wird ihm geopfert. Auch werden dort zwei Haine der Ἥρα Ἀργεία und Ἅρτεμις Αἰτωλίς gezeigt (da mit keiner D. sonst verbunden scheint, ist hier kein Zusammenhang anzunehmen, den der Wortlaut auch nicht verlangt), Strab. V 214. 215. D. sei hier verstorben und apotheosiert, Strab. VI 284. Nach Helbig Italiker in der Poebene 119ff. sind ihre Beziehungen zu den Griechen spärlich und spät. – Diomedis promunturium, vel ut alii peninsula Hyllis in Dalmatien, Plin. III 141. – Korkyra? Ein skythischer Drache, der die Phaiaken schädigte, von D. erschlagen, deshalb D. im Ionischen Meer als Gott verehrt, Lycophr. 630ff.


B. Nachbarliche und cultliche Verbindungen.

§ 15. D. und Odysseus sind als Waffengefährten aus dem X. Buche der Ilias, dem Palladionraube, der Ermordung des Palamedes, bekannt. Das wird verständlich durch ihre in mehreren Gegenden nachweisbare Nachbarschaft. Dem thrakischen D. in Abdera ist Odysseus in Maroneia benachbart, s. oben § 3. In Lesbos (Arisbe) sind D. und Odysseus im Kampfe gegen den König Philomeleides nach der von Hellanikos gegebenen Localsage verbunden (Schol. Hom. Odyss. IV 343), während Homer dort Odysseus allein nennt, vgl. § 6. In Aitolien, der ,Heimat‘ des D., hat Odysseus bei den Eurytanen ein Orakel, Lycophr. 799 mit Schol. (Aristoteles Ithac. Pol., Nikander Aitol.). In Lakonien treffen beide nicht nur als Helenafreier zusammen. Auch in Italien sind beide zu finden, so in Tarent (Ps.-Arist. mirab. auscult. 106), in Latium (vgl. Klausen Aeneas II 569. 1156), und wie D. in Italien begraben ist, so auch Odysseus (Theopomp. FHG I 296. Ps.-Arist. Pepl. 12).

§ 16. Mit Athena ist D. auffallenderweise eng verbunden, ebenso wie Odysseus. Der Palladionraub stellt das Verhältnis klar: diese Göttin ist nicht ihre angestammte, sondern sie haben sie erworben. Im Cult erscheint die Verbindung in Mothone, Lakedaimon, Argos; Athen, Prasiai; Kypros; Metapont(?). Ebenso in der Poesie, bes. Il. V. X. Pind. Nem. X 7 lässt deshalb D. durch Athena zum Gotte machen.

§ 17. Rossopfer (weisses) an D. im Timauon bei den Venetern. Auch sonst erscheint D. in auffallend häufiger Beziehung zu Rossen, wie schon Klausen fein bemerkt hat. So gründet D. in Italien Ἅργος ἵππιον = Argyrippa und Equus Tuticus, sein Weib ist Euippa, des Daunos Tochter. Der thrakische D. besitzt die menschenfressenden Rosse. D. erbeutet die weissen Rosse des Rhesos, auch andern Helden nimmt er die Rosse, dem Dares Il. V 25, dem Echemos oder Chromios, des Priamos Sohn, 164, dem Aeneas 263ff.; mit dessen Rossen siegt er bei den Kampfspielen für Patroklos im Wagenrennen, XXIII 400.

[824]

C. Diomedes in der Poesie.

§ 18. In den Heldenliedern spielt D. eine hervorragende Rolle, ohne dass er doch je, wie es scheint, zum Mittelpunkte irgendwo geworden wäre, ausser in dem Spätlingsepos des Iullus Antonius Diomedea in 12 Büchern, Hor. c. IV 2, vgl. Buecheler Rh. Mus. XLIV 318. In den Ἐπίγονοι. und der Ἀλκμεωνίς war er einer der Eroberer Thebens, in letzterem Gedicht wurde auch seine Eroberung Aitoliens mit Alkmeon und Aufbruch nach Troia erzählt, s. § 8. Als Eroberer Thebens kennt ihn die Ilias IV 405. In der Ilias und den andern troischen Epen tritt er stark neben Achill hervor, aber stets gesondert von ihm, besonders im V. und VI. Buche, auch VIII., XI. Seine Hauptgegner sind Aeneas V 305, Phegeus 10, Abas 148, Polyidos 148, Pandaros 290, Axylos von Arisbe auf Lesbos (vgl. § 6) VI 12, Eniopeus von Theben VIII 120, Agelaos 257, Thymbraios XI 320. Mit Odysseus gemeinsam tötet D. die Söhne des Merops (Adrast, Amphios, Il. II 831) XI 329. Mit Glaukos, dem Sisyphiden von Argos, tauscht er Geschenke VI 119–236, von Alexandros wird er XI 368ff. verwundet. Bei den Spielen für Patroklos gewinnt er im Wettfahren einen Dreifuss, Il. XXIII 356ff. In den Kyprien frg. 18 K. (Paus. X 31, 2) erstickte D. mit Odysseus den Palamedes beim Fischfang. In der kleinen Ilias führte D. mit Odysseus den Philoktet von Lemnos vor Troia, danach Euripides; vgl. Sophokl. Philokt. 570. 592. Sie erzählte auch seine grösste That, die Entführung des Palladions aus Troia mit Odysseus, mit starker Übertreibung zu Gunsten des D., frg. 9 K., zu ergänzen aus den Paroemiographen, Miller Mél. 355 = Zenob. III 8 = Schol. Platon. Rpbl. 493 D; vgl. Konon 34. Anders Apollod. epit. 5, 13. Vgl. F. Chavannes De Palladii raptu, Berl. Diss. 1891, 26ff. Nach der Iliupersis tötete D. den Freier Kassandras Koroibos, Paus. X 27, 1. Über seinen Nostos hat Proklos bezw. das mythographische Handbuch (Apollod. epit. 6, 1) nur aus Odyssee III 167 notiert, dass D. glücklich in die Heimat kam. Für Mutmassungen fehlt jeder Anhalt.

§ 19. Auf Epen zurückzuführen oder in späterer Dichtung erscheint D. ferner: als Freier der Helena, Apollod. bibl. III 10, 8. Hyg. fab. 81; in der Gesandtschaft an Achill, Diktys II 48; mit Thersites, dem Sohne des Agrios, Grossoheims des D. (Apollod. bibl. I 8, 6. Schol. Il. II 212), verwandt, zürnt er dem Achill wegen dessen Tötung und schleudert die Leiche der Penthesilea in den Skamander, Quint. Smyrn. I 767. Diktys IV 3. Im hölzernen Pferde, Hyg. fab. 108. Auf der Heimfahrt nach Libyen verschlagen, wird D. vom König Lykos seinem Vater Ares zum Opfer bestimmt, aber gerettet durch dessen ihn liebende Tochter Kallirrhoe, Plut. Parall. Gr. Rom. 23 aus Iuba Λιβυκῶν γ’. Über D. in Aitolien (Euripides Oineus u. s. w.) s. § 8.


D. Diomedes auf Bildwerken.

§ 20. Die bildende Kunst hat einen festen Typus des D. nicht geschaffen. Darstellungen des thrakischen D. s. § 2. Raub des Palladions fehlt auf archaischen Vasen und Bildwerken. Statue des D. mit Palladion in München nach Kresilas, Furtwängler Meisterwerke 146ff., vgl. Arch. Jahrb. XVI 56ff. Die attische Amphore mit gedrehten [825] Henkeln, Mon. d. Inst. II 36, zeigt D., der soeben das Bild von der Stele genommen, Helena und Odysseus. Zwei Amphoren von Ruvo beschrieben bei Overbeck Her. Gall. 585nr. 34.35. Unterital. Vasenbild bei Millingen Ancient. uned. mon. 128 = Overbeck Taf. XXIV 20. Auf Gemmen D. und Odysseus mit dem Raub wegeilend Furtwängler Taf. XXIII 48. 49. XLIX 4. 5, oder D. allein knieend mit dem Bilde, XIII 8 u. oft. – Relief an Silberkanne, Overbeck Her. Gall. XXIV 5. – Griech. Sarkophage Robert II Taf. 50. Braun Zwölf antike Basreliefs Taf. 4 = Roscher Myth. Lex. I 1026. Pomp. Wandgemälde, Arch. Ztg. 1874, 116. Bull. d. Inst. 1873, 240. – Münzen von Argos von 400–322 v. Chr. und Kaiserzeit, Head HN 367f. Burleske Darstellung auf Oinochoe im British Museum F 366 vol. IV p. 178. Arch. Jahrb. I 1886, 295. D. übergiebt dem Agamemnon das Palladion, Etrusk. Spiegel V Taf. 115. Vgl. Chavannes De Palladii raptu, Berlin. Diss. 1891, 1–26 über die Bildwerke.

Tötung des Dolon: archaische Bilder, altkorinthische Schale, unter den Henkeln Dolon, inschriftlich gesichert, Ann. d. Inst. 1862 Taf. B = Wien. Vorlegebl. III Taf. 1, 3. München. Amphora, Arch. Jahrb. I 143, Thonsarkophag aus Klazomenai, Ant. Denkm. I Taf. 44. Inghirami Gal. om. I 105. Laborde I 88, vgl. Overbeck Her. Gall. 414f. Vase des Euphronios, Mon. d. Inst. II 10 A. Apulischer Krater im British Museum F 157 vol. IV p. 78. Bull. Napol. I (1843) Taf. 7 = Baumeister Denkm. I 459.

Erbeutung der Rosse des Rhesos: Apulischer Eimer in Neapel, Gerhard Trinksch. u. Gefässe II Taf. K = Baumeister Denkm. 728. Den Bogen des Philoktet raubend: Gemälde in der Pinakothek auf der Akropolis, Paus. 122, 6. D.s Kampf gegen Hektor, Gerhard A. V. III 192; gegen Aineias (Gegenstück zu Achill und Memnon), Gruppe zu Olympia, Paus. V 22. Gerhard Etruskische Spiegel V Taf. 112 a. Um des Patroklos Leiche: Vase des Euxitheos, Berlin, Overbeck Her. Gall. Taf. XVIII 3; um Achills Leiche: Chalkidische Amphora, Mon. d. Inst. I 51. D. und Nestor, die farbige Zeichnung auf der herculanischen Marmortafel, Ann. d. Inst. 1845 Taf. E von O. Jahn Arch. Beitr. 93ff. gedeutet. D. im Wagenrennen bei den Spielen für Patroklos auf der attischen Vase des Klitios und Ergotimos, Mon. d. Inst. IV 54. Häufig ist D. als einer der berühmtesten Helden Scenen der troischen Sage beigegeben, so auf Vasen bei der Wegführung der Briseis, Hieron, Mon. d. Inst. VI 19; hinter Achill, der dem Odysseus gegenüber sitzt, Mon. d. Inst. VI 21 = Baumeister II 727, beim Opfer in Chryse (Verwundung des Philoktet), Mon. d. Inst. VI 8 = Baumeister Denkm. III 1326, neben Odysseus und Helena mit einer Oinochoe in der Rechten O. Jahn Vasenb. Taf. 3, vgl. Overbeck Her. Gall. 584, 33. Bei Iphigeniens Opferung wird D. erkannt auf pompeianischen Wandgemälden, Helbig 1304; mit Odysseus auf Skyros bei der Entdeckung Achills (vgl. Philostrat. imag. 111. Stat. Achill. I 538. 675. 700) auf pompeianischen Wandgemälden, Helbig nr. 1296ff. Vgl. Graeven Genethliacon Gotting. 112ff. Taf. 1. Sarkophage Robert II 20ff. Auf etruskischen Spiegeln D. [826] neben Palamedes, Aiax, Menelaos, Koerte V Taf. 382, 2.

  1. Obgleich die hier und in andern Artikeln von mir befolgte Methode der Behandlung der Heroen m. E. für sich selbst spricht, will ich doch bemerken, dass ich sie demnächst in einem Buch über die griechische Heldensage zu entwickeln gedenke jund nicht zum wenigsten durch ihre Anwendung die Entwicklung der Heldensage aufklären und festlegen zu können hoffe.
    E. B.