RE:Finken

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S VIII (1956), Sp. [S_VIII 169]–[S_VIII 172]
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Finken (Familie Fringillidae Gadow).

A. Unterfamilie Emberizinae Gadow.

a) Gattung Emberiza Briss.

1. Emberizacinerea Strickl., kleinasiatischer Grauammer, σιαλίς, nur an einer Stelle: Didymos p. 76 Moritz Schmidt. über die Bestimmung s. Gossen Zoologisches bei Athenaios (Quellen und Studien zur Geschichte der Naturwissenschaften u. der Medizin VII 2) § 106.

2. Emberiza cirlus L., Zaunammer, ἠρισάλπιγξ und ἐρασάλπιγξ, zweimal: Callim. frg. 100 c 5 und Hesych. Über die Identifikation vgl. Gossen Die zoologischen Glossen im Lexikon des Hesych (Quellen u. Studien VII 1) § 643.

3. Emberiza hortulana L., Gartenammer, κύχραμος, Aristot. hist. an. VIII 12, p. 587 b 18 (ruft des Nachts die Wachteln zusammen); Plin. n. h. X 66 und 68 (perseverantior festinat etiam pervenire ad expetitas sibi terras); Hesych. a. O. § 1199 κυχράνος. Daß ich der Vermutung von W. K. Knaack (Vogeltreck in de oudheid, Amsterdam 1940, Anm. 71), dies sei ein Lokalname für die Wasserralle (ὀρτιγομήτρα) gewesen, nicht beipflichte, habe ich im Gnomon XVII 363 bemerkt; denn gerade das von Plinius hervorgehobene Eilen zur Brutstätte paßt auf die Ralle gar nicht, während man es vom Gartenammer mit Fug und Recht behaupten darf.

4. Emberiza caesia Crtschm., Rostammer, (φλάψ, s. Art. Kuckuck o. Bd. XI S. 2100 u. Aristot hist. an. VI 7 p. 563 b 32 und 8 p. 564 a 18: danach brütet das Weibchen von 18-10, das Männchen von 10-18 Uhr.

5. Emberiza cia L., Zippammer. σιαλενδρίς, nur Callim. frg. 100 c 6 und Hesych. a. O. 1887.

6. Emberiza melanocephala Scop., Kappenammer, σπίνος, der in Südosteuropa häufigste Vertreter seiner Gattung und daher öfter erwähnt, zuerst bei Aristophanes im Frieden 1115; hier sagt ein Bauer zu seiner Frau:

κἀξ ἐμοῦ δ’ ἐνεγκάτω τις την κίχλην καὶ τὼ σπίνω.

Daraus muß man entnehmen, daß man den Vogel in Käfigen hielt und bei besonderen Gelegenheiten aß; das wird von Athen. 65 d bestätigt, der ein [170] besonderes Kapitel über ihn bringt. Aristophanes hat den σπίνος noch einmal Vögel 1071: hier verkauft einer diese Tiere spottbillig. Vgl. ferner den Komiker Ephippos im Geryones (frg. 3), wo Wöchnerinnenkost aufgezählt wird:

τίλλειν τε φάττας καὶ κέχλας ὁμοῦ σπίνοις,

Arat. 1024 gibt an, daß es bald Winter werde, wenn die Vögelchen frühmorgens piepen; das wiederholt Ailian. hist. an. IV 60, der als weiteren Beweis ihrer Schlauheit hinzufügt, daß sie aus Furcht gefangen zu werden in buschige Gegenden fliehen; man fing sie mit Leimruten• Oppian, Ix. III 2.

b) Gattung Cynchramus Boie.

7. Cynchramus schoenichus L., Rohrammer, σχοινίων, nur Aristot. hist. an. IX 1, p. 610 a 8.


B. Unterfamilie Fringillinae Gadow.

a) Gattung Passer Briss.

8. Passer montanus L., Feldsperling, στρουθὸς (ἄγριος), passer, s. Art. Sperling o. Bd. III A S. 1628ff.

9. Passer hispaniolensis Temm., Halsbandsperling, δρίκκα, s. Hesych. a. O. § 460.

10. Passer domesticus L., Haussperling, στρουθὸς (ἥμερος), passer, s. Art. Sperling.

b) Gattung Petronia Kaup.

11. Petronia petronia L., Steinsperling, πυργίτης, begegnet zuerst bei Galen, für den sein Fleisch eine gute Krankenkost ist; der große Arzt vergißt fast nie dabei festzustellen, daß der Vogel sich gern auf Türmen niederläßt; auch Marshall hat ihn in unseren Tagen ,Verehrer steinerner Bauwerke‘ genannt (bei Brehm). Er muß dann später immer bekannter geworden sein; denn die Kyraniden III Ξ 1 kennen außer seinem gewöhnlichen Namen und στροῦθος (mit diesem Akzent!) noch die Bezeichnungen ξοῦθρος und τρωγλίτης; die erste gibt sehr gut seine Farbe wieder, die zweite stimmt zu seinem Aufenthalt in alten Burgen. Die Benennung τρωγλίτης findet sich noch bei Oribas. ad Eustath. III 33.

c) Gattung Fringilla L.

12. Fringilla caelebs L., Buchfink, σπίζα, fringilla, fringillus, fringuilla. Zuerst Soph. frg. 398 [Aristoteles], bei dem er wiederholt vorkommt, macht hist. an. IX 7 p. 613 b 3 die einzige nähere (nicht viel sagende) Angabe, daß er sich zur Sommerzeit in warmen, im Winter in kalten Gegenden aufhält. Die F. sind ganz starr, wenn ein Steinkauz sich ihnen zeigt, Diog. Laert. IV 42. Treffend redet Martial. IX 54, 4 von den querellae dieser Vögel, die auch Brehm zänkisch nennt.

13. Fringilla montifringilla L., Bergfink, λάλαξ, Hesych. a. O. 1242.

14. Fringilla nivalis L., Schneefink, θραυπίς, Aristot. hist. an. VIII 3 p. 592 b 30, soll nur Dornen fressen.

d) Gattung Carpodacus Kaup.

15. Carpodacus erythrinus Pall., Karmingimpel, δακνίς, Hesych. a. O. 415.

e) Gattung Pyrrhula Briss.

16. Pyrrhula, pyrrhula europaea Vieillot, Gimpel, εἰδαλίς, ἰδάλισμος, ἰδαλίς, Hesych. a. O. 479 und 704.

[171]

f) Gattung Erythrospiza Bp.

17. Erythrospiza githaginea Lcht., Wüstengimpel, σπαράσιον, Hesych. a. O. 1980.

g) Gattung Serinus Koch.

18. Serinus canaria serinus L., Girlitz, ἀστραγαλῖνος. Dieser Vogel zeigt das Bestreben, von seiner nordwestafrikanischen Heimat immer mehr nach Nordosten zu wandern; augenblicklich ist er bereits im Gau Danzig-Westpreußen angelangt, während er beispielsweise 1818 erstmals in Frankfurt a. M. gesichtet wurde. Aus seiner Nichterwähnung bis auf Oppian dürfen wir demnach schließen, daß er erst nach der Zeitwende in Südeuropa gebrütet hat; er wird bei dem genannten Ornithologen Ix. III 2 ταχύς genannt (bestätigt von Brehm Vögel⁴ IV 412). Er ist mit 12 cm Länge die kleinste F.-Art und daher Ix. II 15 auch unter dem βραχύτατος στρουθός zu verstehen: trotz seiner Winzigkeit ärgert er im Frühling die Turmfalken; man fing ihn auf Leimruten. Diese Geschichte, die von Oppian als παλαιὸς λόγος bezeichnet wird, beruht wohl darauf, daß der Turmfalk, unser nützlichster Raubvogel, Singvögel nur in der Not frißt. Der Name ἀστραγαλῖνος (Würfling) deutet auf die gesprenkelte Zeichnung hin; eine genaue Beschreibung bekommen wir bei den Kyraniden III Z 1: ‚Ζήνη ist ein Singvögelchen des Zeus, auf dem Kopf rot, auf den Flügeln goldgelb gefiedert und überhaupt ganz bunt; diesen nennen manche ἀστραγαλῖνος.‘ Wegen des roten Kopfes ist freilich nicht unser Girlitz gemeint, sondern – falls nicht überhaupt Verwechslung mit nr. 20 vorliegt –

19. Serinus pusillus Pall., der rotköpfige Girlitz, der von Aristot. frg. 387, 7 σπινίδιον, von Eubulos frg. 123, 4 σπίνιον genannt wird; diese Komikerstelle bedarf einer kleinen Änderung; überliefert ist:

βιττάκους, σπινία, κερχνῇδας
τά τ’ ἄλλ’, ἅττ’ ἂν ἐπιτύχῃς
.

Ich schlage zu schreiben vor:

<καὶ> βιττάκους <καὶ> σπινία κερχνῇδάς <τε καὶ> [τά τ’] ἄλλ’, ἅττ’ ἂν ἐπιτύχῃς.
h) Gattung Carduëlis Briss.

20. Carduëlis carduëlis L., Distel-F. oder Stieglitz, ἀκανθίς und ἄκανθος, auch ποικιλίς (Schol. Theokrit. VII 141 b), carduelis und cardelis. Er gehört zu den ἀκανθοφάγα (Aristot. hist. an. VIII 3 p. 592 b 30) und ist deshalb ein Feind des Esels [IX 1] p. 610a 4. Die ἀκανθίδες sind nach [17] p. 616 b 31 κακόβιοι (müssen sich kümmerlich nähren, nämlich von Dornen), nun aber auch merkwürdigerweise (mit die schönsten Vögel!) κακόχροοι, φωνὴν μέντοι λιγυρὰν ἔχουσιν (vgl. Anth. V 291, 5). An das κακόχροοι möchte man nicht gern glauben; es steht wohl nichts im Wege, καλόχροοι zu schreiben. Die Anzahl des Geleges beträgt 12 (Plin. n. h. X 175). Sie lassen sich leicht zähmen (110). Akanthis war ursprünglich ein Mädchen, das in den Stieglitz verwandelt wurde: Boio bei Anton. Liber. 7. Nach Ailian. hist. an. X 32 – die Berufung auf Aristoteles ist irrig, da dieser vom ἄνθος, der gelben Wiesenstelze, spricht – ergibt die Mischung von Distel-F.- und Blaumeisenblut keine klare Lösung, die beiden Blutsorten sollen getrennt übereinanderschwimmen. Den Weggöttern, die den Menschen die Pfade weisen, war der Vogel heilig, Ailian. [172] a. O. Er wurde als Stubenvogel gehalten, den sich manchmal der Marder holte; Petron. 46, 4.

Gattung Acanthis Bp.

21. Acanthis linaria L., Lein-F., σπιλίον, Hesych. a. O. 1992.

22. Acanthis cannabina L., Bluthänfling, ἀστήρ, nur Oppian. Ix. III 2, aber durch die genaue Beschreibung gesichert; οἶς ἐρυθρός τε (schreib τις) κύκλος ἐστὶν ὥσπερ ἀστὴρ ἐπὶ ταῖς κεφαλαῖς.

Gattung Chrysomitris Boie.

23. Chrysomitris spinus L., Zeisig, σειρήν. Ailian. hist. an. IV 6. Hesych. a. O. 588 und 1860.

24. Chrysomitris citrinella L., Zitronenzeisig, χρισομίτρις, Aristot. hist. an. VIII 3, p. 593 a 1.

Gattung Ligurinus Koch.

25. Ligurinus chloris L., Grünling, ἀγρακόμας, Hesych. a. O. 12. Daß χλωρίς nicht der Grünling sein kann, hat Strack in seiner Aristoteles-Übersetzung bereits gesehen, es hat aber niemand auf ihn gehört.

Gattung Coccothraustes Briss.

26. Coccothraustes coccothraustes L., Kernbeißer, κοκκοθραύστης, Hesych. a. O. 1049.