RE:Kallipides 2

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band X,2 (1919), Sp. 1657–1658
Linkvorlage für WP   
* {{RE|X,2|1657|1658|Kallipides 2|[[REAutor]]|RE:Kallipides 2}}        

2) Kallippides, berühmter und berüchtigter Schauspieler in Athen zur Zeit des Alkibiades, Agesilaos und Xenophon. Um 427 siegte er fünfmal an den Lenäen, Wilhelm Dram. Urk. 145 (wo aber [Καλλιπί]δης mit Reisch Zeitschr. f. öst. Gymn. 1907, 308 zu lesen ist, statt [[Ἡρακλεί]δης). Im J. 418 siegte er wieder bei den Lenäen mit zwei Dramen von Kallistratos, Wilhelm 52. Da er seine offenkundige Begabung nicht zu zügeln verstand, gern posierte und äußerst selbstbewußt auftrat, zog er sich den Ruhm der Lächerlichkeit bei Zunft- und Zeitgenossen sowie der Nachwelt zu: Plut. de glor. Athen. 6 p. 348 e. f. nennt ihn neben den Νικόστρατοι, Μηνίσκοι, Θεόδωροι und Πῶλοι unter den großen Tragöden Athens. Nach Xenoph. symp. 3, 11 protzte K. damit, daß er viele Zuhörer zum Weinen bringen konnte. Wegen der Übertreibung der μίμησις nannte den jüngern K. einer der Hauptinterpreten der Tragödien des Aischylos, Mymniskos, einen Affen (πίθηκος Aristot. poet. 26. 1461 b 34). Das Urteil dieser schauspielerischen Autorität machte sich Aristoteles (a. a. O. 1462 a 9) zu eigen, indem er davor warnte, etwa den Tragikern bezw. deren Werken den Vorwurf übertriebener μίμησις zu machen, was doch nur von den schlechten (φαύλων) Schauspielern gelte, ,wie K. einer war und andere heutzutage, da sie nicht verstehen, edle Frauen darzustellen‘.

Einem Rencontre mit Agesilaos dankt K. sein Fortleben in dem Sprichwort οὔ τύ γ’ ἐσσι Καλλιπίδας ὁ δεικηλίκτας (Mich. Apostol. 13, 66, s. Athen. XIV 621 d. e und o. Bd. IV S. 2384). Nach Plut. Ages. 21 (= apophth. Lacon. 57. 58 p. 212f) war dies die Antwort des großen Spartaners auf eine Herausforderung auf offener Straße durch K., der, vom König nicht gegrüßt, diesen mit den Worten zur Rede stellte: ‚Kennst du mich nicht‘? So lehnte es auch Agesilaos ab, einer Schaustellung beizuwohnen, wo K. eine Nachtigall nachahmte, und zwar mit der Begründung: αὐτᾶς ἄκουκα πολλάκις. Einen Höhepunkt auch im Leben des K. bedeutete die Heimkehr des verbannten Alkibiades nach Athen im J. 408. Unter Berufung auf Duris von Samos erzählt Plutarch (Alcib. 32) – der freilich dem Bericht skeptisch gegenübersteht, weil Theopomp, Ephoros und Xenophon nichts dergleichen erwähnen – daß bei der Einfahrt der Triere des Alkibiades in den Peiraieus der Pythionike Chrysogonos den Schlag der Ruderer mit der Flöte begleitete, während K. in vollem Theaterkostüm [1658] dirigierte bezw kommandierte (ebenso Athen. XII 535 d). Des K. bediente sich als Attraktion neben dem Schauspieler Nikostratos und mehreren Musikvirtuosen der Phrurach Alexander in der Aiolis, als er anläßlich eines Gastspieles hervorragender Künstler die gesamte Bevölkerung im Theater abfangen ließ, um sie zu verhaften und dann nur gegen hohes Lösegeld freizulassen (Polyaen. strat. VI 10).

Kein Wunder, daß sich die Komödie mit K. befaßte. Suidas nennt einen Καλλιπίδης des Strattis (s. u.), den Athenaios zweimal zitiert (VII 304 b = Strattis frg. 12 K. XIV 656 b = Strattis frg. 11 K.), wegen θυννίδες und φλογίδες, letzteres sicherlich aus einer Szene, in der der gefräßige Herakles auftrat. Pollux onom. X 29 belegt τὸ κόρημα = τὸ κορούμενον durch einen Ausspruch des K. ἐπὶ τοῦ κορήματος καθέζομαι πάλαι (τὸ δὲ κορούμενον ἐν Σκηνὰς Καταλαμβανούσαις Ἀριστοφάνους [frg. 474 K.] ὥσπερ ἐν Καλλιππίδῃ ἐπὶ τοῦ κτλ., wo entweder ὡσπερεὶ Καλλιπίδης zu ändern, oder mit Meineke [Erg. com. graec. I 227] Στράττιδος einzuschalten ist: Kock a. O. läßt den K. in seiner Rolle als Telephos oder Odysseus bei den Phaiaken in kläglicher Haltung im Staube am Boden hockend jene Worte sprechen).

Endlich bringt die Überlieferung den K. in Zusammenhang mit der Sage vom tragischen Ende des Sophokles (vit. Sophocl. 8 p. 129s W.): K. soll nach dem Zeugnis des Istros und Neanthes anläßlich der Choes im J. 406 aus Opus nach Athen gekommen sein und Sophokles die verhängnisvolle Traube zugeschickt haben.

Die Belege, sowie die neuere Literatur über K. sind vollständig gesammelt und besprochen von J. B. O’ Connor Chapters in the hist. of actors usw., Chicago 1908, 107ff.