RE:Koile Syria

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XI,1 (1921), Sp. 10501052
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Koile Syria. Gewöhnlich meint man, daß ursprünglich mit ἡ κοίλη Συρία die nach Norden vom Orontes und nach Süden vom Litani entwässerte Talmulde zwischen Libanon und Antilibanon d. i. im Alten Testament die biḳʿat hallebanon Jos. 11, 17. 12, 7, oder die heutige biḳʿa (Baedeker-Benzinger Palästina und Syrien⁷ 274) bezeichnet werde. Damit scheint sich nun aber wenig zu reimen, daß bereits Skylax, bei dem zuerst (nach Mitteilungen B. Keils bei Siegelberg Orientalist. Literatur-Ztg. 1906, 106) der Name Κοίλη Συρία vorkommt, darunter [1051] ‚die ganze syrische Küste vom Orontes ab bis nach Askalon und das zugehörige Binnenland einschließlich Thapsakos‘ versteht. Deshalb vermutet Spiegelberg a. a. O. 107, da ihm die Bezeichnung der Senke zwischen Libanon und Antilibanon als ‚hohl‘ (κοίλη) überhaupt sehr bedenklich vorkommt, daß Κοίλη Συρία die gräzisierte Wiedergabe von ägyptischem Ḫ-r- sei, das ca. 1500 v. Chr. das Land nördlich vom Grenzbach Ägyptens ‚dem Wâdi ʾl-ʿArisch, bis einschließlich der Ebene von Damaskus, und vielleicht noch darüber hinaus, umfaßte und in der ptolemäischen Zeit der allgemeine Name für ganz Syrien geworden war. Wie dem auch sein mag, jedenfalls wurde K. in der ptolemäisch-seleukidischen Zeit auch für ganz Palästina und Phönizien verwendet und bezeichnete so das Land südlich von Laodicea bis zur ägyptischen Grenze (Cuntz in Texte und Unters. z. Gesch. der altchristl. Lit. [herausg. von Gebhardt-Harnack] N. F. XIV 1905, 246). Bei Theophr. h. pl. II 6, 2ff. gehört zu K. z. B. auch die Jordanmündung (Schürer Gesch. d. jüd. Volk. I⁴ 382, 37). Dieses K. war nach Poseidonios bei Strab. XVI 750 unter den Seleukiden in vier Provinzen geteilt; vgl. auch Joseph. ant. XII 4, 1. Für K. = ganz Palästina vgl. 1. Makk. 10, 69. Polyb. V 42, 86. Von Pompeius wurde Syrien in drei Conventus iuridici zerlegt. K. war seitdem beschränkt auf den nordwestlichen Conventus von Karne (d. i. Antarados) bis zur kilikischen Grenze. Diese offizielle Bezeichnung ist aber nicht sofort durchgedrungen. Denn K. wird noch in der alten Bedeutung gebraucht bei Strab. XVI 750. 754ff. Diod. Sic. I 30. XIX 80. Liv. XXXIII 19. XLII 29. XLV 11 oder auch bei Josephus. Bei letzterem ist K. Name für das ganze südliche Syrien, z. B. ant. XIV 4, 5. Bisweilen rechnet Josephus zu K. auch das Ostjordanland, ant. I 11, 5. XIII 5, 2; bell. Iud. I 4, 8 mit der Hauptstadt Damaskus (vgl. auch Plin. n. h. V 7). Besonders dehnt er den Ausdruck auch auf die Dekapolis mit Einschluß von Skythopolis aus, ant. XIII 13, 2f. Daneben aber werden auch einzelne selbständige Gebiete unterschieden, besonders Phoinikien, Juda, Samaria, ant. XII 4, 1 (Buhl Geogr. d. alten Palästina 1896, 82, 56). Vgl. auch 2. Makk. 3, 5. 4, 4. 8, 8. 10, 11, wo K. und Phoinikien nebeneinander genannt sind, aber beide Provinzen haben nur einen στρατηγός. III. Esra. 2, 17 u. ö. ist K. und Phoinikien Name der persischen Provinz zwischen Euphrat und Ägypten (Guthe Kurzes Bibelwörterb. 1903, 111). Dieser alte ausgedehnte Gebrauch des Namens K. begegnet sogar auch auf Münzen, also halb offiziell, im 2. Jhdt., ja auch noch im Anfang des 3. Jhdts. (Cuntz a. a. O. 247). Als aber Septimius Severus (193–211) im J. 194 Syrien neu organisierte, wurde aus Nordsyrien samt Kommagene eine eigene Provinz Syria Coele oder Syria magna mit der Hauptstadt Antiochien gemacht (Marquardt Röm. St.-V. I 423f.), während für das Gebiet von Palmyra, DamaskosHeliopolis, Emesa und Tyrus der Name Syria Phoenice festgesetzt wurde (Hertzberg in Riehm‘s Handwörterbuch d. bibl. Altertums I² 1893, 278. Cuntz a. a. O. 247). Erst seitdem wurde die jüngere Bedeutung von K. allmählich angenommen. Bei Plin. n. h. V 79 ist die Grenze zwischen Syria (Code) und [1052] Phönizien bei Karne, bei Ptolem. V 14, 2 ist sie südlich von Βαλανέαι. Im Itin. Hieros. (vom J. 333 n. Chr.) 582, 7ff. ist die südliche Grenze von Syria wie bei Plinius bestimmt. Hingegen ist im Unterschied zu der nördlichen Grenze von Syria (Coele) bei Plin. V 7, 4. Ptolem. V 14, 21 im Itin. Hieros. 580, 8ff. die Grenze etwas tiefer südlich gezogen, was mit Grenzänderungen vor 333 zusammenhängt. Später wurde K. zu Phoenice geschlagen, und erst seit Theodosius bildete es wieder eine eigene Provinz unter dem Namen Phoenice Libanesia.

[Beer.]