RE:Kypros 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,1 (1924), Sp. 59117
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Kypros. 1) Κύπρος (Cyprus) die jetzt Cypern genannte Insel im östlichen Mittelmeer. Sie ist Gegenstand einer älteren Monographie von Wilh. H. Engel Kypros. 2 Bde., Berlin 1841 und einer (nicht abgeschlossenen) neueren von E. Oberhummer Die Insel Cypern. Eine Landeskunde auf historischer Grundlage. Bd. I. Quellenkunde und Naturbeschreibung, München 1903 (mit Karte). Letztere soll im folgenden kurz mit OC angeführt werden, ferner eine Abhandlung von Oberhummer Studien zur alten Geographie von Kypros in Abhandl. aus d. klass. Altertumswiss., W. v. Christ dargebracht München 1891) mit O Stud.

Inhaltsübersicht. I. Name. II. Quellen der Landeskunde. III. Lage, Gestalt, Größe. IV. Meer und Küste. V. Gebirgsbau. VI. Bodenschätze. VII. Bewässerung. VIII. Klima. IX. Pflanzenkleid. X. Tierwelt. XI. Bewohner. XII. Rasse und Volkstum. XIII. Denkmäler. XIV. Urgeschichte. XV. Mykenische Zeit. Ägypten. XVI. Silbenschrift und Urkyprisch. XVII. Griechen. XVIII. Phoiniker. XIX. Siedlungen. XX. Historische Übersicht. XXI. Christentum. XXII. Neuere Literatur.

I. Name Nicht immer hat die Insel den seit Homer bei den Griechen und hiedurch bei allen Kulturvölkern eingebürgerten Namen geführt. In ägyptischen Denkmälern von Thutmosis III. (um 1500 v. Chr.) an findet sich der früher meist Asebi, Jetzt richtiger Jsj gelesene Name. Im Dekret von Kanopus wird derselbe Sbjn geschrieben. OC 1ff. 420f. Sethe Urk. d. 18. Dyn. IV 659. 707f. 719; ders. Hierogl. Urkunden d. griech.-röm. Zeit II 131 (nach frdl. Mitteilung von H. Junker). Ein anderer Name ist uns jetzt erschlossen in den Tontafeln von Tell el Amarna, zuletzt herausgegeb. von Knudtzon (mit O. Weber und E. Ebeling) 2 Bde., Leipzig 1915 (Vorderas. Bibl. II). Darunter befinden sich 8 Briefe (Knudtzon nr. 33-40) des Königs von Alašia an den König von Ägypten, wahrscheinlich Amenophis IV. (1385-1368), sämtlich wie die große Mehrzahl der Tafeln in babylonisch-assyrischer Sprache. Der Name Alašia ist zuerst von W. Max Müller Ztschr. f. Assyr. X (1895) S. 257ff. auf K. gedeutet und durch die Bilinguis von Tamassos (bei Meister Griech. Dial. II 171f. 250f.) Ἀπόλ(λ)ωνι τῶι Ἀλασιώται לרשף אלהיתסle Raššaph Alahijotas anscheinend bestätigt worden, s. P. Jensen Ztschr. f. Ass. X 379f. Oberhummer Geogr. Jahrb. 1896, 357. Seither ist der Name als Alasa auch in ägyptischen Quellen. so in dem von Erman Ztschr. f. ägypt. Spr. XXXVIII (1900) 1ff. und von W. M. Müller Mitt. Vorderasiat. Ges. 1900 Heft 1 herausgegebene Papyrus Golenischeff nachgewiesen, OC 421ff. R. v. Lichtenberg Beitr. zur ält. Gesch. v. K. 1906 (Mitt. Vorderas. Gesell. II S. 7) glaubt den Namen noch in heutigen Lokalbezeichnungen auf K. (Alassos, Ailasyka) zu erkennen, s. die Kartenskizze auf Taf. I. Trotzdem bestreitet jetzt Wainwright Alashia = Alasa; and Asy, Klio XIV 1-36 die Gleichung von Alasia und Asy (Jsj) mit K. und sucht beides in Nordsyrien; s. u. Abschn. XV über die Amarnabriefe. Eine weitere Bezeichnung für K. in orientalischen Quellen ist das in den Annalen der assyrischen Könige von

[60] Sargon bis Assurbanipal (721-625) häufig wiederkehrende Jatnana (Jamna, Atnana), s. die Nachweise OC 5ff. Endlich gehört hieher der gewöhnlich auf K. bezogene, an mehreren Stellen aber offensichtlich westlichere Länder (Italien oder Griechenland) betreffende Name כּתּים‎ Kittim der hebräischen Texte. Die Stellen Gen. 10, 4. Nu. 24, 24. Jes. 23, 1. 12. Jer. 2, 10. Ezech. 27, 6. Dan. 11 3. I. Chron. 1, 7, dazu noch I. Makk. 1, 1. 8, 5 (nach hebräischer Vorlage), sind OC 15-20 mit den zugehörigen Stellen aus Josephos und den Kirchenvätern zusammengestellt und besprochen. Neue Aufklärungen hiezu verdanke ich F. Wilke. Hienach wird Kittim von der neuesten Textkritik auch Jes. 23, 13. Hab. 1, 6 statt des dort unverständlichen Kasdim (Chaldäer) eingesetzt. Jer. 2, 10 ist als das älteste Zeugnis (vor 622) zu betrachten, da das Klagelied auf die Verwüstung Sidons Jes. 28 20 wahrscheinlich erst nach der Zerstörung durch Artaxerxes III. entstanden ist. Ez. 27, 6 und Gen. 10, 3 fallen in das 6. Jhdt., die übrigen Zeugnisse verteilen sich auf die Zeit von Alexander bis nach 100 v. Chr. Eine sichere Lokalisierung des Namens ist daraus nicht zu gewinnen. Die Mehrzahl der hebräischen Schriftsteller hatte offenbar selbst nur sehr unklare geographische Vorstellungen, und die einzelnen Stellen sind in dieser Beziehung schwer miteinander in Einklang zu bringen. Wenn wir trotzdem daran festhalten, daß wenigstens in den älteren Stellen Kittim = K. zu setzen ist, so spricht dafür der wahrscheinliche Zusammenhang mit dem Stadtnamen Kition (s. o. Bd. XI S. 535). Allerdings darf man dann nicht, wie manche wollen, das biblische אָלִישָׁהElischa mit Alašia gleichsetzen, worüber Lichtenberg 15. Weber bei Knudtzon 1077f. Aber die Deutung der Söhne Javans Gen. 10, 4 Elischa, Tarschisch, Kittim, Dodanim (I. Chron. I, 7 Rodanim, LXX an beiden Stellen Ρόδιοι) ist noch ganz unsicher. S. auch Wainwright a. a. O. 7f.

Der griechische Name Κύπρος findet sich zuerst in dem alten Gesange Hom. Il. XI 21 in Verbindung mit der Sage von Kinyras (s. o. Bd. XI S. 484ff.), dann Od. IV 83. VIII 362. XVII 442f. 448, außerdem Κύπρις, als Beiname der Aphrodite Il. V 330. 422. 458. 768. 883, dazu Engel II 61. Preller Griech. Myth. I⁴ 345ff. Art. Aphrodite o. Bd. I S. 2756ff. Inschriftlich ist der Name zuerst 459 v. Chr. bezeugt CIG 165 = CIA I 433. In epichorischer Schrift findet sich ku als Münzlegende und zahlreiche mit K. zusammengesetzte Personennamen wie Ἀριστόκυπρος usw., s. OC 89f. Man kann daraus auf alten bodenständigen Gebrauch des Namens schließen. Eine Deutung desselben ist mehrfach versucht, aber bis jetzt nicht gelungen. Sicher liegt keine indogermanische, wahrscheinlich auch keine semitische Wurzel zugrunde. Eine Beziehung zu der kύπρος cypros Plin., hebr. כֹּפֶרkopher genannten Pflanze, dem von Nordafrika bis Indien verbreiteten Hennastrauch Lawsonia inermis L., ist unwahrscheinlich, da derselbe auf K. wild nicht vorkommt. OC 90ff. 267f. Holmboe (s. u. IX) 15.

Die dichterischen und mythischen Namen der [61] Insel sind bei Engel I 16-24 und OC 88 besprochen. Sie haben niemals praktische Bedeutung gehabt. Beachtenswert ist nur die häufiger vorkommende Bezeichnung Κεράστεια, Κεραστίς usw., nach den im antiken Kartenbild übertrieben markierten Vorgebirgen.

II. Quellen der Landeskunde von K. Das Epos Κύπρια verdankte diese Bezeichnung nicht dem Inhalt, sondern der Herkunft des Dichters, scheidet also hier aus. Schriften über K. werden mehrfach angeführt, meist aber nur an ganz vereinzelten Stellen und als besondere Kapitel allgemeinerer Werke, so Hellan. 147. Arist. Κυπρίων πολιτεία FHG II 166, Palaiphatos (um 300) ebd. 338, Philostephanos (um 200) ebd. III 30f. Alex. Polyh. (um 100) ebd. III 236, Kreon (Paion ?), Menand. Ephes. Timomachos ebd. IV 371. 448. 521, s. Engel I 3-11. FHG IV 684. Die erhaltenen Beschreibungen aus dem Altertum lassen den Ursprung aus der Küstenschiffahrt erkennen, so Skyl. 103. Strab. XIV 681-685. Stadiasm. 297-317. Ptol. V 13 (14). Die Tab. Peut. verzeichnet einen rings um die Insel laufenden und einen sie von Nord nach Süd durchquerenden Straßenzug. Über die Karten der Insel vom Altertum bis zur Gegenwart s. OC 400-420. Grundlage des heutigen Kartenbildes von K. bildet die unter Leitung von H. H. Kitchener 1880-1882 ausgeführte topographische Aufnahme ,A Trigonometrical Survey of the Island of Cyprus‘ 1 : 63360, 15 Blatt, London 1885. Darauf beruht eine Reduktion in 1 Blatt ,Cyprus‘ 1 : 348 480 und die ,Karte der Insel Cypern 1 : 500 000 von E. Oberhummer‘ München 1903 (auch in OC). Für die antike Topographie kommt außerdem noch das Kärtchen zu OStud. und Kiepert FOA VIII in Betracht. Sonstige Hilfsmittel s. u. und unsere Skizze u. S. 97f. III. Lage, Gestalt, Größe. Die Lage der Insel zwischen 34½ und 35½° nördlicher Breite entspricht der Breite von Kreta und der Atlasländer. Mit Kreta stellt sie den Südrand des von Hellenen geschlossen besiedelten Gebietes dar, greift aber durch ihre Lage zwischen 32° 16’ und 34° 36’ östlicher Länge von Greenwich über die Aegaeis fast ebensoweit nach Osten hinaus wie Sizilien und Griechenland nach Westen. Sie ist der äußerste Vorposten des Hellenentums gegen den Orient und dadurch dem Einfluß von dorther besonders nahe gerückt. Die Entfernung von der Ostküste der Insel bis zur Küste Syriens bei Laodikeia beträgt nur 100 km. Noch geringer (70 km) ist der Abstand von der Küste Kleinasiens (Krommyu-Anemurion). Doch ist die historische und kulturelle Einwirkung von dieser Seite geringer als von Phoinikien, das mit den Griechen in der Kolonisation der Insel wetteiferte und in hohem Maß die dortige Kunstentwicklung beeinflußt hat. Die Angaben der Alten über die Entfernungen von K. nach Ägypten, Syrien, Kleinasien s. OC 95f., ebd. 99ff. Vergleiche antiker Schriftsteller über die Gestalt der Insel mit einem Rindsfell Agathem. 26, einem gallischen Schild Hygin. fab. 276, einem Delphin Nonn. Dion. XIII 436f., sowie über die Größenverhältnisse. Der Flächeninhalt ist in neueren Werken vielfach äußerst fehlerhaft, meist viel zu groß angegeben. Aber auch die auf

[62] neueren Messungen beruhenden Ziffern weisen noch erhebliche Schwankungen auf. Die amtliche Angabe von 3584 englischen Quadratmeilen = 9282 qkm ist wahrscheinlich zu klein. Eine von mir veranlaßte sorgfältige Nachmessung ergab 9380 qkm, s. OC 445f. Jedenfalls ist K. die drittgrößte Insel des Mittelmeeres, allerdings in weitem Abstand nach Sizilien und Sardinien und nur um weniges größer als Korsika und Kreta.

IV. Meer und Küste. Die K. umgebenden Meeresteile sind das ägyptische im Süden, das syrische oder phoinikische im Osten und der Κιλίκιος Αὐλών im Norden. Näheres OC 105. Der Meeresboden fällt überall von der Küste weg rasch ab, läßt aber doch in der Richtung auf den Golf von Issos durch die geringere Tiefe von 585 m den tektonischen Zusammenhang mit dem Amanusgebirge erkennen, während der kilikische Kanal im Mittel 1000 m, das syrische und ägyptische Meer bis über 2000 m aufweisen. Die Strömungen sind nach den herrschenden Winden veränderlich, doch tritt deutlich eine solche von der phoinikischen Küste her nach der Ost- und Südküste von K. hervor; sie hat die Niederlassung der Phoiniker wesentlich erleichtert. Anderseits macht sich an der Nord- und Westküste im Sommer eine von Westen kommende Strömung bemerkbar, welche wohl auf die griechische Besiedelung nicht ohne Einfluß war. Im Winter und Frühjahr bilden sich durch den Wellenschlag des Meeres aus den Zersetzungsprodukten von Algen und Meerestieren Mengen von Schaum, am auffälligsten an der Küste von Paphos, s. F. Unger und Th. Kotschy Die Insel Cypern, Wien 1865, 543ff. OC 109f. Damit in Zusammenhang steht der Mythos von der Geburt der Aphrodite und die Deutung des Namens Hes. theog. 190ff. Hom. hymn. VI. Engel II 42ff. S. o.

Bd. I S. 2772f.

Die Küste von K. ist arm an guten natürlichen Häfen, aber reich an Vorsprüngen und auffälligen Punkten. Sie sollen hier kurz aufgezählt werden: für die Nachweise im einzelnen ist auf die betreffenden Artikel und OStud. zu verweisen. Vom Vorgebirge Akamas, jetzt C. Arnauti, im Westen zieht die Küste bogenförmig über Drepanon an Paphos vorüber nach der flachen Landspitze Zephyrion und den Vorsprüngen Treta und Phrurion. Bei der Stadt Kurion tritt die Halbinsel Kurias (s. d.) 9 km weit nach Süden vor. Jenseits derselben verläuft die Küste wieder einförmig über Limassol und Amathus bis Δᾷδες ἄκρα (s. d.), jetzt C. Kiti, wo sie nach Norden umbiegt und den Strand von Kition, jetzt Larnaka, Phoinikien zuwendet. Wieder nach Osten gerichtet, bildet die Küste die Vorsprünge Thronoi, jetzt C. Pyla, und Pedalion, jetzt C. Greco, letzteres gleich auffällig durch seine tafelförmige Erhebung wie durch den Übergang in spitzem Winkel von der Süd- zur Ostküste. Diese zieht in halbkreisförmigem Bogen über Famagusta und Salamis zur langgestreckten Halbinsel Karpasia (s. d.) hinüber und endet bei der fälschlich Dinareton (s. d.) genannten, tatsächlich von Ptol. V 13 (14), 3 Οὐρὰ βοὸς ἢ Κλεῖδες ἄκρα bezeichneten Spitze. Die Worte Οὐρὰ βοός finden sich allerdings nur in einigen Hss. am Rande und in ed. pr., s. Ptol. [63] ed. Wilberg S. 362, ed. Müller S. 956 b; sie sind aber als alte Überlieferung durch den heutigen Namen im Volksmund Οὐρὰν τοῦ βοῦ bezeugt, s. OStud. 102f. Sonst heißt die Spitze jetzt C. H. Andreas. Die Bezeichnung Κλεῖδες, (s. d.) bezieht sich auf die vorgelagerten Klippen. Von hier führt die Nordküste, dem Gebirge folgend, in flachem Bogen, ohne größere Einbuchtungen, nach Westen bis Κρομμύου ἄκρα, jetzt C. Kormakiti, einem gleich Pedalion (s. o.) ungemein scharf hervortretenden Punkt der horizontalen Gliederung, dann schwingt sie in zwei breiten, durch eine stumpfe Halbinsel mit Καλλίνουσα ἄκρα Ptol. V 13, 4 getrennte Buchten hinüber zum Vorgebirge Akamas.

Der gesamte Umfang der Insel beträgt nach neuer Messung der Küstenlänge 782 km; die ältere Berechnung von Unger zu 619 km, welcher die Angaben der Alten (Timosthenes, Strabon, Stadiasmos) nahe kommen, ist hienach zu berichtigen, OC 445. 100f.

V. Gebirgsbau. Den Grund zur geologischen Kenntnis der Insel legte A. Gaudry Géol. de l’ile de Chypre. Mém. Soc. Géol. de France II 1863, 149-314 mit Karte 1 : 250 000. Weitere Beiträge (mit Karte) lieferten Unger a a. O. 1-63 und A. Bergeat Zur Geol. d. mass. Gesteine d. Insel C., in Tschermaks Miner.-petrogr. Mitteil. XII 1892 S. 263-312 Taf. VIIIf.; ein von letzterem entworfenes Querprofil OC 160 Taf. II. Eine neue Karte 1 : 348 480 hat C. V. Bellamy A Geological Map of Cyprus, London 1905 entworfen und zusammen mit A. J. Jukes Browne eine Schrift über ,The Geology of Cyprus‘ Plymouth 1905 herausgegeben. Die letzte Übersicht gibt die ,Carte geol. intern. de l’Europe‘ Bl. 40/41 (1914) und A. Philippson im ,Handb. d. region. Geol.‘ V 2 Kleinasien S. 137ff. (1918).

Betrachten wir die Insel nach ihrem gegenwärtigen Zustand, so fallen zunächst zwei, durch eine breite Niederung getrennte Gebirgsmassen ins Auge. Die eine derselben zieht als steil aufgerichtete Kette der Nordküste entlang und beherrscht trotz der mäßigen Erhebung bis 1019 m durch ihren schroffen, kühn geformten Kamm aus Kreidekalk wirksam das Landschaftsbild. Ein Name dafür ist nicht überliefert, wenn man nicht die ἀκρολοφίαι τῆς Κυρήνης Anna Komn. IX 2 als solchen fassen will. So bezeichnet sie auch Bellamy als ,Kyrenia Mountains‘ oder ,Kyrenian Range‘ (nach der Stadt Keryneia, s. d.), während ich selbst sie einfach ,Nordkette‘ genannt habe. Einen ganz anderen Eindruck gewährt die breite Masse des Gebirges im Südwesten; runde Kuppen aus jungeruptiven Gesteinen (Diabas, Gabbro, Serpentin, Andesit usw.), die übrigens auch in der Nordkette nicht fehlen, davor im Süden und Osten ein breiter Gürtel von tafelförmig gelagerten hellen Kalken und Mergeln (Tertiär). Das ganze Gebirge wird jetzt gewöhnlich nach dem seinem höchsten Teile (1953 m) zukommenden Namen Troodos genannt. Er findet sich als Τρόγοδος Arist. fr. 249 Berl. fr. 266 Rose. V 162 Didot. OC 148. Die merkwürdige Stelle lautet - εὑρέθη ἐν τῇ Κύπρῳ νήσῳ ὅτι ἔστιν ὄρος μέγα καὶ ὑψηλὸν ὑπὲρ πάντων τῶν βουνῶν αὐτῆς, Τρόγοδος καλουμένον – ὁμοίως καὶ περὶ μετάλλων γῆς γέγραπται ἐν τῷ [64] περὶ λίθων διαφορᾶς Ἀριστοτέλους· ὅτι χρυσίου μετάλλων ὄρος, ἡ Βούκασα, ἣ καὶ διακειμένη εἰς πόδοσιν τοῦ Τρογόδου, καὶ ἐπιβλέπει ἐπὶ τὰ βορειότερα μέρη τῆς νήσου. Auch die bei den Einheimischen für die höchste Kuppe übliche Bezeichnung Χιονίστρα konnte ich als Χιονῶδες Act. Apost. apocr. ed. Tischend. 70 nachweisen. Der Gipfel trug einst eine Kultstätte mit kleiner Siedelung, wovon Steinwälle, Ziegel, Topfscherben und eine Kapelle des h. Michael im Mittelalter Zeugnis geben, s. Oberhummer Ztschr. Ges. Erdkde. 1892, 484ff. Auf das Troodosgebirge in weiterem Sinn beziehen sich ferner die Bergnamen Aoïon, s. d. Bd. I S. 2657. wahrscheinlich der jetzt Kionia genannte Gipfel 1425 m im östlichen Teil, OC 154; Βούκασα, an der Nordseite des Troodos, s. o. Ar. frg. 266 Rose; Ἔλμαιον Apoll. hist. mir. 36, in der Nordabdachung, OStud 102. OC 188: Corybantes ab aere appellatos quod apud Cyprum mons sit aeris ferax quam Cypri Corium vocant Serv. Aen. III 111. OC 177 A. 5. Einer besonderen Erläuterung bedarf der von Neueren vielfach fälschlich auf den Troodos bezogene Name Olympos. Nach Strab. XIV 683 ὄρος μαστοειδὴς Ὄλυμπος, Ptol. V 13, 5 ὁ Ὄλυμπος τὸ ὄρος, kann damit nur der jetzt Σταυροβούνι, Berg des h. Kreuzes, genannte nach Osten vorgeschobene Eckpfeiler des vulkanischen Gebirges gemeint sein, ebenso Nikeph. Greg. XXV 8 Bekk. Κύπρος – μεταξὺ δ’ αὐτῆς ὄρος ἑστήκει τὴν κορυφὴν ἐς ὕψος ἀνάγον μακρόν. Obwohl nur 689 m hoch, bildet der Kreuzesberg durch seine Lage und Gestalt eine auffällige Landmarke und ist seit dem Mittelalter mit einem reichen Legendenkranz umwoben; Monographie von Oberhummer im ,Ausland‘ 1892 nr. 23-26, dazu OStud 100f. OC 154ff. Der Name Olympos, ebenso wie jene auf -nda, –νθος usw. dem vorgriechischen Sprachgut angehörig, ist ferner bezeugt für die Nordostspitze der karpasischen Halbinsel, Strab. XIV 682 ἀκρώρεια Ὄλυμπος ἔχουσα Ἀφροδίτης Ἄκραίας ναόν. Außerdem hat er sich in der heutigen Namengebung als Olymbos 741 m weiter westlich in der Nordkette erhalten, OC 172. Ebd. über den nach seiner Form auffälligsten Gipfel der Nordkette, den Πενταδάκτυλος 733 m; der Name zuerst bezeugt bei Sym. Metaphr. vit. Spyrid. in Migne P. Gr. 116, 452. Daß der fränkische Name Dieu d’amours der byzantinischen Felsenburg H. Hilarion auf ein antikes Didymos zurückgehe, ist eine bloße Vermutung von Mas Latrie, s. Ztschr. G. Erdk. 1892, 435f.

Die große Niederung zwischen den beiden Hauptgebirgen wird gewöhnlich jetzt in ihrer ganzen Ausdehnung als Messaria ἡ Μεσαρία (falsch ἡ Μεσαορία) bezeichnet. Der auch anderwärts in Griechenland vorkommende Name ist, wie A Miliarakis Μεσσαρία, Δελτίον ἱστορ. κ. ἐθνολ. ἑταιρίας IV 1894, 423ff. gezeigt hat, fränkischen Ursprungs und auf romanisch massaria (Landgut) zurückzuführen. Die Niederung ist mit jungen marinen Ablagerungen ausgefüllt und bildet keine gleichmäßige Ebene. Jungtertiäre Mergel sind hier überlagert von einer Decke aus harten Sandsteinen und Konglomeraten, großenteils durch Erosion zerstört, aber in einzelnen Stücken noch erhalten. Diese Reste einer älteren [65] Landfläche erscheinen jetzt bei einer Wanderung durch die Ebene als ebenso auffällige wie charakteristische Tafelberge von etwa 50 m Höhe mit schroff abfallendem Rand, einer Tischplatte ähnlich, daher oft τράπεζα oder wegen der unfruchtbaren Oberfläche, τράχωνες, genannt. Strab. XIV 682 kennzeichnet den beim Vorgeb. Pedalion (s. o. IV) gelegenen Tafelberg ἄκρα Πηδάλιον ἧς ὑπέρκειται λόφος τραχὺς ὑψηλὸς τρπεχοειδὴς, ἱερὸς Ἀφροδίτης. Wie sich hier ein Kult an die Örtlichkeit knüpft, so führte in anderen Fällen die Schutzlage auf solchen Tafelbergen zu einer Ansiedelung oder Befestigung. Dazu gehören die von D. G. Hogarth Devia Cypria (London 1889) 64ff. und Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 457f. beschriebenen Ruinen in der Buschwildnis von Vallia an der Ostküste, die ich für das Παλαιά des Stad. 306 halte, ferner die Akropolis von Ledrai (ass. Lidir) auf dem jetzt Λεοντάρι βουνό genannten Tafelberge südöstlich von Nikosia, worüber M. Ohnefalsch-Richter Kypros S. 464ff. Taf. CLXIVff. Oberhummer Ztschr. d. G. Erdk. 1890, 205ff.

Versuchen wir, aus dem heutigen Bilde der Insel die Geschichte ihrer Entstehung wiederzugewinnen, so führt uns diese nicht weit in die geologische Vergangenheit zurück, OC 134ff. Bellamy 53ff. Als Kern der Insel tauchten im Miozän die Eruptivmassen des Troodosgebirges empor. Im mittleren Pliozän erfolgte die Aufrichtung der Nordkette, während die Niederung noch bis ins Quartär von einem Meeresarm ausgefüllt blieb. Nach mehrfachen Hebungen und Senkungen hat sich in der jüngsten geologischen Epoche der heutige Zustand herausgebildet und Modellierung durch die Erosion dem Lande die jetzigen Formen aufgeprägt. Die beiden Hauptgebirge sind, wie jetzt allgemein angenommen wird, die Fortsetzung eines Faltenbogens, dessen Enden wir im Amanos und Kasios zu beiden Seiten des unteren Orontes wiedererkennen, dieses Flußtal selbst der Messarianiederung entspricht.

Die jugendliche Tektonik der Insel findet ihren Ausdruck in den seit historischer Zeit bekannten Erdbeben. Bezeugt sind solche um

180 v. Chr. Or. Sib. III 456f.
015 v. Chr. (Paphos) Cass. Dio LIV 233, 7. Euseb. chron. Arm. Ol. 190, 3. Hieron. chron. Ol. 190, 4. Georg. Synk. 593 Bonn. Sen. nat. 50 quaest. VI 26, 5; ep. mor. 91, 9.
077 n. Chr. Euseb. chron. Arm. Ol. 214, 1. Hieron. dgl. Synk. 647. Oros. VII 9, 11. Hist. misc. IX 6. Wahrscheinlich gehört hierher auch Or. Sib. IV 128f. (Zerstörung von Salamis und Paphos). 143f.
332 n. Chr. Theophr. chron. a. 5824 (Salamis).
342 n. Chr. ebd. a. 5834 {dgl.),
um 370 Liban. I 188f. Reiske.

Neben Salamis hatte besonders Paphos von Erdbeben viel zu leiden, Sen. a. a. O. Hieron. vit. Hilar. 42. Näheres hierüber und über die Erdbeben in neuerer Zeit OC 137-146, dann bei Bellamy Notes on the Climate (s. u. VIII) 33f. 41, wo von Erdbebenstößen 1900 und 1902 in Zusammenhang mit Depressionen des Luftdrucks berichtet wird.

VI. Bodenschätze. An erster Stelle steht

[66] im Altertum das Kupfer (s. d.). Es erscheint als Haupterzeugnis der Insel in den Annalen Thutmosis’ III. und in den Amarnatafeln, s. o. I und die Texte OC 3. 176. 421. Die älteste und vornehmste Bezugsquelle für Kupfer im Altertum war K., ubi prima aeris inventio Plin. XXXIV 2. In Zusammenhang damit steht die Sage von der Erfindung der wichtigsten Werkzeuge für die Metallarbeit durch Kinyras. Plin. VII 195. Engel I 43f. 203f. 105f. Das kupferreiche Τεμέση Hom. Od. I 184 ist doch wohl auf Tamassos zu beziehen, OC 176. Der Beiname Aerosa für K. bei Fest. 20, 5 Müll. geht ebenso auf das Vorkommen von Kupfererz wie die Bezeichnung Κύπριος χάλκος, aes cyprium, aus der sich seit Plinius cyprius, dann cypreus, cyprinus, cupreus, cuprinus ,kupfern' und cyprum Solin. 52. 55, cuprum ed. Dioclet. 7, 25 ,Kupfer' entwickelt hat, vgl. die Stellen OC 176, 7 und den Art. Kupfer. Die Fundstellen waren rings um das Troodosgebirge, an der Nordseite von der Gegend von Marion, über die jetzt Tylliria, bei (Arist.) mir. ausc. 42f. Τυρρία genannte Landschaft bis Soloi, dann im Osten die Gegend von Tamassos und Amathus. Dort finden sich Massen von alten Schlacken (verzeichnet auf den Karten von Gaudry und Unger), welche deutlich zwei Perioden der Technik unterscheiden lassen. Der ältere Typus von rötlicher Farbe weist noch einen Kupfergehalt von 2%, der jüngere schwarze nur etwa ¼% Kupfer auf, OC 181f. Ztschr. G. Erdk. 1890, 225f. Die Gruben waren Besitz der kyprischen Könige und deren Rechtsnachfolger, der Ptolemäer und der römischen Kaiser, OC 179; s. den Art. Kupfer. Für den intensiven Betrieb in römischer Zeit zeugen die ausführlichen Nachrichten bei Galen, Dioskurides u. a., s. die Stellen bei Engel I 47ff. OC 177f. Die letzten Nachrichten aus dem Altertum stammen aus dem 4. Jhdt. Auf einen Fortbetrieb der Gruben in byzantinischer Zeit kann, obwohl nicht mit Sicherheit, aus den Angaben arabischer Schriftsteller geschlossen werden, OC 180f. Unter fränkischer Herrschaft (1192-1517) waren sie jedenfalls ganz vernachlässigt, da die für diese Zeit reichlich fließenden Quellen darüber völlig schweigen. Erst unter englischer Verwaltung hat man 1887 bei Limni, unweit des alten Marion, einen Versuch gemacht, die alten Minen wieder auszubeuten jedoch ohne Erfolg. Nach Österr. Monatsschr. f. d. Orient 1912, 97 wurde 1912 eine ,New Limni Lim.‘ begründet, über deren Ergebnisse mir nichts bekannt ist.

Das Vorkommen von Gold und Silber wird in einigen antiken Quellen, so in der Stelle über den Berg Bukasa (s. o. V) und bei Eratosthenes über den Waldreichtum (u. IX) behauptet, ist aber in neuerer Zeit nicht nachgewiesen, OC 183f. Mit der Erzeugung von Eisen und eisernen Geräten werden auch auf K. die idäischen Daktylen und Telchinen in Verbindung gebracht, Engel I 194ff. OC 184f. Neuerdings (1882) ist eine bisher unbekannte Eisenverbindung als ,Cyprusit‘ beschrieben worden. Durchaus apokryph sind die Nachrichten über Edelsteine, wie Diamant und Smaragd, Plin. XXXVII 53. Theophr. lith. 4, 25. 6, 35. Es handelt sich dabei um grobe Täuschung oder oberflächliche Verwechslung mit [67] Bergkristall und Malachit, OC 1851. Dagegen sind die von Plinius u. a. bezeugten Halbedelsteine wie Jaspis, Achat, Heliotrop auch durch neuere Funde erwiesen, zweifelhaft Amethyst und Opal, OC 186f. Von sonstigen Mineralvorkommen ist am bemerkenswertesten der Amiant oder Asbest, wovon auch moderne Ortsnamen abgeleitet sind, s. die Stellen OC 188 und Evans The Identity of the Amiantos or Karystian Stone of the Ancients with Chrysotile. Mineral. Magaz. XIV (1906) 143ff. Einern Aufsatz von Mystakides ὁ Ἀμίαντος aus Νεότης 1907, 121ff. entnehme ich, daß damals eine italienische Gesellschaft die Ausbeutung der Asbestgruben auf K. in die Hand genommen hatte. Über Gips und Malererden Umbra (Terra d’ ombra) und Terra verde s. OC 187ff. Bellamy Geol. 60ff., wo 57ff. auch über das früher bezweifelte Vorkommen von Marmor auf K., ebd. 64 über Töpfererde. Jedenfalls ist es auffallend, daß Marmor in der bildenden Kunst auf K. so wenig Verwendung gefunden hat. Die zahlreichen Priesterstatuen usw. sind meist aus gewöhnlichem Kalkstein. Der weit verbreitete Sandstein fand hauptsächlich als Baumaterial Verwendung. Von nicht geringer wirtschaftlicher Bedeutung war endlich die Gewinnung von Salz aus den Strandseen bei Kition, Kurion, Salamis. Das kyprische Salz rühmen Hippokr. π. γυναικ. 84. Antig. hist. mir. 157 (173). Plin. XXXI 74. 79. 84. Diosk. V 125 (126). Den Höhepunkt erreichte die Salzgewinnung unter fränkischer Herrschaft und bildete vom 14. bis 16. Jhdt. die Haupteinnahmequelle der Insel. Auch in der Türkenzeit war die Ausbeute beträchtlich, dient aber seither nur mehr dem lokalen Bedarf. Näheres OC 111-118.

VII. Bewässerung. Wie das ganze Mittelmeergebiet südlich von 40° Breite ist K. arm an fließenden Gewässern. Die meisten Rinnsale sind im Sommer wenigstens im Unterlauf wasserlos, können sich aber nach starken Regengüssen rasch füllen, um ebenso schnell wieder zu versiegen. Die Erosionskraft solcher Sturzbäche ist dann eine bedeutende und von starkem Einfluß auf die Bodengestalt. So sind die Wasserläufe ein wesentlicher Zug des Landschaftsbildes und deshalb auch eine Reihe von Namen derselben aus dem Altertum überliefert: nur darf man da nicht an Flüsse in unserem Sinne denken.

Der bedeutendste und längste Wasserlauf wird von Ptolem. V 13, 3 Πεδιαῖος genannt und führt noch jetzt den Namen Pidias. Er entspringt am Nordabhang des Troodosgebirges, wendet sich bei Nikosia nach Osten und erreicht die Küste bei Salamis. Der Name ist in der entstellten Form Πλιέως auch bei Phileas im Etym. M. s. Ἀῷος überliefert. Ob nach dieser verworrenen Stelle auch ein Fluß Ἀῷος anzunehmen ist, der etwa dem Parallelfluß des Pidias, dem an Idalion vorüberfließenden Γιαλιᾶς gleichgesetzt werden könnte, ist zweifelhaft. Näheres OC 216ff. OStud. 88ff. Der bei Phileas a. a. O. weiter genannte Σέραχος, ist als Σάτραχος bezeugt, Lyk. Al. 448. Schol. Tzetz. Nonn. Dion. XIII 458. Steph. Byz. s. Ὕλη. Catull. 95. 5. Es liegt nahe, den Namen auf den zweiten Hauptfluß der Messaria, einen breiten Gießbach, der bei Morphu im Westen das Meer erreicht, zu beziehen, OStud. 97f. OC [68] 164. 220f., Ztschr. G. Erdk. 1892, 426. Von sonstigen Flußnamen werden noch erwähnt

Basileus Geogr. Rav. V 20, jetzt Vasilopotamo, an der Südküste,
Βώκαρος bei Paphos, s. Bokaros o. Bd. III S. 666,
Κισσεύς (?) Serv. ecl. X 18 circa Cissum fluvium in der Geschichte von Erinona., s. o. Bd. VI S. 458,
Κλάριος, der Fluß bei Soloi, Plut. Sol. 26, ohne Namen erwähnt Strab. XIV 683,
Lapethos bei der gleichnamigen Stadt Ptolem. V 13, 4 Λαπήθου ποταμοῦ ἐκβολαί. Nikeph. Greg. XXV 8 Λάπιθος. OStud. 95f.
Lykos bei Kurion Ptolem. V 13, Λύκου ποταμοῦ ἐκβολαί, jetzt Kuris.
Tetios bei Kition, Ptolem. VI 3, 2.

Stehende Gewässer finden sich auf K. fast nur in der Form von Strandseen. Einen solchen bei Larnaka, dem alten Kition, haben wir bereits o. VI als Quelle der Salzerzeugung kennen gelernt; vgl. den Plan unter Kition o. Bd. XI S. 542. OC 111ff. und besonders Nachtr. 447f. Von ähnlicher Beschaffenheit ist der 3 bis 4 km im Durchmesser haltende Salzsee auf der Halbinsel Kurias. Dagegen steht der 100 m hoch gelegene See von Paralimni südlich von Famagusta in keiner Beziehung zum Meer. Näheres OC 222ff. ; ebd. 226ff. Über die Quellen, von denen hier nur die durch Ariost berühmt gewordene Fontana Amorosa ἡ βρύσις τῶν Ἐρώτων, beim Vorg. Akamas genannt sei: darüber OC 131f. Hogarth Devia 14f. Holmboe (s. u. IX) 214; ebd. 5 über neuerdings von der Regierung angelegte Wasserbehälter.

VIII. Klima. Bis zur englischen Verwaltung liegen nur fragmentarische Beobachtungen vor. Seit 1881 ist ein regelmäßiger meteorologischer Dienst an sechs Stationen eingerichtet, davon Famagusta, Larnaka, Limassol, Paphos, Kerynia an der Küste, Nikosia 152 m im Binnenland. Erste zusammenfassende Bearbeitung von Hann Met. Ztschr. 1889, 427ff. 1894, 65ff. Ausführliche Darstellung des Klimas mit Berücksichtigung aller historischen Nachrichten OC 190-216. Seither erschien C. V. Bellamy Notes on the Climate of Cyprus. Quart. Journ. R. Met. Soc. XXIX 1903, 29-44. Nach ebd. 32 wurde 1899 in Nikosia in Verbindung mit der Leitung der öffentlichen Arbeiten ein Observatorium in 163 m und seit 1902 nach ebd. 37 auf der Insel 40 Regenstationen eingerichtet. Letzte zusammenfassende Bearbeitung des Klimas bei J. Hann Handb. d. Klimatol.³ III 171-174. Holmboe 9-12 (mit anschaulichen Diagrammen). Ältere Äußerungen über das Klima von K. haben der Insel den Ruf außergewöhnlicher Hitze eingetragen, so besonders Mart. ep. IX 90, 9 infamem nimio calore Cypron, dann Solin. 15, 31 nec Alabanda-nec Cypros insula-quibus admodum calor iugis est und ähnliche Bemerkungen in mittelalterlichen Pilgerschriften, OC 192f. Auch der Typus des Löwen oder aufgesperrten Löwenrachens auf kyprischen Münzen wird in diesem Sinne gedeutet. Exakte Beobachtungen können diese Vorstellungen nur in beschränktem Maße bestätigen. Die Jahrestemperatur beträgt im Mittel 19°, das Mittel des heißesten Monats in Nikosia (Juli) 28,3, in Larnaka. (August) 27,9,

[69] die mittleren Extreme 41 bezw. 39,8, die absoluten Extreme 48,9 bezw. 42,2. Das iat allerdings etwas mehr, als die Durchschnittatemperatur sonst im südlichen Mittelmeergebiet beträgt. Nach Hann haben wir als Mittel des heißesten Monats für Athen 27,3, Beirut 27,5, Alexandria 26, Kairo 28,6, Tripoli 26,4, Malta 25,1, als mittlere Extreme in gleicher Folge 37,9. 35,1. 37,4. 42,7. 40,2. 40,4. Die Wintertemperaturen sind entsprechend hoch, das Januarmittel in den Küstenstationen bei 12°, im Innern (Nikosia) 9,5, das Minimum bei O°. Die Sommerhitze wird nach Bellamy verstärkt durch die Rückstrahlung des Bodens in dem breiten Gürtel kreidiger Kalke und Mergel (s. V), anderseits gemildert durch die in der Ebene in der heißesten Tageszeit einsetzenden Seewinde. Eine Zuflucht aus der Glut der Niederungen gewähren die höheren Gebirgslagen, besonders im Troodos, wo die englische Verwaltung eine Sommerstation eingerichtet hat. Meteorologische Aufzeichnungen von dort OC 198f. Hann 173. Natürlich fällt dort auch reichlich Schnee, hält sich aber selbst auf dem hiernach Χιονίστρα benannten Gipfel des Troodos (o. V) nur bis Mai oder Juni.

Bezüglich der Niederschläge zeigt K. den typischen Charakter des Mittelmeerklimas mit Sommerdürre und Verteilung des Regens auf die Wintermonate. Juli und August sind so gut wie regenlos, Oktober beginnt ein langsames, November ein rasches Ansteigen der Niederschläge, die im Dezember ihr Maximum erreichen, um dann von Februar bis Mai ziemlich rasch abzunehmen und in die mit Juni einsetzende Trockenperiode überzugehen. Die Summe der Niederschläge, im Mittel etwa 440 mm, schwankt sowohl zwischen den einzelnen Stationen, wo Kerynia an der Nordküste den reichlichsten, Larnaka, im Regenschatten des Troodos den geringsten Niederschlag aufweist, wie auch nach verschiedenen Jahren erheblich (240-600 mm). Aus dem Eindruck der langen Trockenheit im Sommer ist die Sage von der Regenlosigkeit des Heiligtums der Aphrodite zu Paphos zu erklären. Eurip. Bacch. 406ff. Plin. II 210. Tac. hist. II 3. Auch der Kult des Rescheph (s. Bd. IA S. 620) = Apollon und die unkontrollierbaren Nachrichten über eine große Dürreperiode im 4. Jhdt. sind damit in Zusammenhang zu bringen, OC 213ff. Ebd. 202 über den Lokalwind Κάρβας, Καρβασίας, dessen Name vielleicht mit Karpasia (s. o. Bd. X S. 1997) zusammenhängt, nach Steph. Byz. s. Καρπασία. Arist. frg. 266. R. Vitr. 1 6, 10. Isid. rer. 37, 5. Bezüglich der sonstigen Winde und ebenso hinsichtlich der sanitären Verhältnisse muß auf OC 200ff. 235-243 und weiterhin auf die anschaulichen klimatischen Schilderungen bei Bellamy verwiesen werden.

IX. Pflanzenkleid. Grundlegend für die Kenntnis der Flora von K. waren nach den Forschungen von J. Sibthorp (1787) und anderen die Arbeiten der österreichischen Botaniker F. Unger und Th. Kotschy Die Insel Cypern (Wien 1865), dazu für die Bodenkultur A. Gaudry Rech. scient. en Orient., Paris 1855 und seit der englischen Verwaltung die amtlichen Berichte. Das ganze Material, soweit es landeskundlich (nicht botanisch) in Betracht kommt, mit den reichlich

[70] fließenden historischen Nachrichten verarbeitet, OC 243-329. 454ff. Seither hat der norwegische Botaniker Jens Holmboe 1905 die Insel bereist und die Ergebnisse seiner Forschungen in einer großen, reich illustrierten Arbeit ,Studies on the Vegetation of Cyprus‘ Bergens Museums Skrifter 1914 niedergelegt. Abgesehen von der Bereicherung der floristischen Kenntnis durch eigene Beobachtungen und erschöpfende Berücksichtigung der einschlägigen Literatur wird dort zum ersten mal dem modernen Gesichtspunkt der ,Pflanzengesellschaften‘ nach ihren natürlichen Standorten und Lebensbedingungen Rechnung getragen. Auch das Verzeichnis der von Pflanzen abgeleiteten Ortsnamen S. 202ff. muß hier hervorgehoben werden, ebenso die Gliederung in Höhengürtel S. 316f. und die kritische Übersicht der älteren Literatur S. 16-20.

Zu Beginn der historischen Zeit waren Berge und Ebenen der Insel in dichten Wald gehüllt. Strab. XIV 684: ,Wie Eratosthenes erzählt, waren vor alters die Ebenen mit dichtem Walde bewachsen, so daß sie ganz vom Gehölz eingenommen waren und nicht bebaut werden konnten. Nur wenig nützten dazu die Bergwerke, indem man Holz fällte zum Schmelzen (oder Rösten, καῦσιν) des Kupfers und Silbers. Dazu kam noch der Schiffsbau für die Flotten, als das Meer schon ganz sicher und von Kriegsschiffen befahren war. Wie aber das alles nichts half, da erlaubte man jedem, der wollte und konnte, zu roden und den gereinigten Boden als steuerfreies Eigentum zu besitzen‘. Dazu H. Berger Die geogr. Fragmente d. Eratosthenes 338f. Zu dieser Schilderung stimmen die Nachrichten über die Ausfuhr von Bauholz aus K., so schon in den Amarnabriefen nr. 35. 40 und den assyrischen Annalen, OC 6. 8f. 421. 426. Es war besonders für den Schiffbau geschätzt, Strab. a. a. O. XVI 741 (Alexanders Flotte gegen Arabien in Phoinike und K. gebaut). Diod. II 16, 6 (Schiffsbauer der Semiramis aus K.). Theophr. h. pl. V 7, 1. Hor. carm. l 1, 13 trabe Cypria. Expos. Mundi 63 Riese Cyprum quae solet navem conficere; dicitur non indigens alterius provinciae quicquam pro fabrica navium; necessaria ipsa insula habet omnia inferius declarata; ligna aeramentum ferrum picem nec non vere linteam pro velaria et funium usum. Der wirtschliche Wohlstand der Insel auf Grund seiner Naturerzeugnisse war geradezu sprichwörtlich. So äußert sich ähnlich Ammian. Marc. XIV 8, 14 tanta autem tamque multiplici fertilitate abundat rerum omnium eadem Cyprus, ut nullius externi indigens adminiculi indigenis viribus a fundamento ipso carinae ad supremos usque carbasos aedificet onerariam navem omnibusque armamentis instructam mari committat. Von der Bedeutung der Flotte von K. unter den Persern und Alexander d. Gr. zeugen ferner Diod. XI 2, 1. 3, 7. 19, 1f. 60, 6. XIV 98, 3. Arrian. anab. I 18, 7. II 20, 7. 10. 24, 1. II 6, 3. VI 1, 6; Ind. 18, 1. Vgl. u. XX.

Daß eine so fortgesetzte Ausbeutung der Wälder den Holzbestand schließlich doch lichten mußte, liegt auf der Hand. In der Tat sahen sich schon im 4. Jhdt. v. Chr. die Könige veranlaßt, das kostbarste Bauholz, die Zeder, unter [71] Schutz zu stellen, Theophr. h. pl. V 8, 1. Gleichwohl dauerte die Ausfuhr auch im Mittelalter noch fort. Um 810 n. Chr. ließ Patriarch Thomas von Jerusalem 50 Stämme von Zedern und ,Tannen‘ (soll heißen ,Föhren‘, s. u.) aus K. nach Jerusalem bringen, Eutych. ann. interpr. Pocockio (Ox. 1658) II 423 (auch bei Migne G. 111). Weitere Zeugnisse aus fränkischer Zeit OC 249. Schon im Altertum muß die Ebene ziemlich von Wald entblößt worden sein, doch erhielten sich einzelne Reste besonders unter dem Schutze von Kultusstätten. Das von römischen Dichtern besungene Landschaftsbild von Idalion, s. o. Bd. IX S. 871, war nicht bloß eine Redensart, denn auch anderwärts stand der heilige Hain unter dem Schutze der Gottheit, s. OC 260 über einen solchen bei Salamis und Art. Kurion über Ὕλη und Apollon Hylatas. Aber in der Hauptsache war seit der durchgreifenden Besiedlung der Ebene der Wald auf die beiden Gebirge zurückgedrängt und auch dort in fränkischer und türkischer Zeit fortgesetzter Raubwirtschaft preisgegeben. Neben der oft sinnlosen und mutwilligen Zerstörung durch die Bevölkerung sind bis auf die Gegenwart die zahlreichen Ziegen (s. u. X) als Hauptschädlinge des Waldes zu bezeichnen. Erst die englische Verwaltung hat einen rationellen Waldschutz eingeführt und auch Versuche zur Aufforstung gemacht. Nach den letzten Angaben bedeckt der Wald jetzt 1814 qkm = 19% der Bodenfläche; da von entfallen 1020 qkm auf Hochwald, der Rest auf Buschwald (maquis). Holmboe 290f. mit Karte der Waldverbreitung. Hutchins Report on Cyprus Forestry, London 1909. E. Hartmann Die Wälder der Insel Cypern. Mitt. d. Deutsch. Dendrol. Ges. XIV (1905).

Der weitaus verbreitetste Baum des Hochwaldes in K. ist die Aleppokiefer Pinus halepensis, daneben in den höheren Lagen des Troodosgebirges die karamanische oder Schwarzföhre Pinus nigra (Pinus laricio), Theophr. h. pl. V 7, 1 πίτυς. Holmboe 303ff. Die ebd. 8, 1. Plin. XVI 203 gerühmte Zeder κέδρος ist erst 1879 durch S. Baker in einem kleinen Verbreitungsgebiet am Troodos wieder aufgefunden und von J. D. Hooker als eine K. eigentümliche Unterart vom Cedrus Libani, var. brevifolia, beschrieben worden, OC 256. Holmboe 29f. 310ff. Karte und Abbild. Von anderen Koniferen tritt noch die wilde Zypresse Cupressus sempervivens waldbildend auf; Cupressus pyramidalis findet sich vereinzelt und hauptsächlich als Zierpflanze in Gärten und Friedhöfen. Obwohl die Zypresse von antiken Schriftstellern in K. nicht erwähnt wird, war sie zweifellos schon im Altertum dort heimisch, worauf auch einige bildliche Darstellungen zu deuten scheinen, OC. 257f. Helmboe 28. 300ff. 336f.

Der im Vergleich zum Nadelwald weit weniger ausgedehnte Laubwald ist hauptsächlich durch die immergrüne kyprische Eiche Quercus alnifolia (Cypria), eine bemerkenswerte endemische Form, vertreten. Sie findet sich im ganzen vulkanischen Gebiet des Troodos, die mächtige Quercus lusitanica dagegen mehr vereinzelt an verschiedenen Stellen, Holmboe 60f. 291ff. mit Abb. Von sonstigen Laubbäumen, die jedoch nicht waldbildend auftreten, wäre die von Theophr. [72] h. pl. I 9, 5. Varro r. r. I 7, 6. Plin. XII 11 genannte Platane Platanus orientalis hervorzuheben. Der im ganzen Mittelmeergebiet verbreitete Buschwald, wie ich diese sonst mit dem korsischen Ausdruck macchia, franz. mâquis bezeichnete, für die Mittelmeerflora charakteristische Vegetationsform zu nennen pflege, besteht auch in K. vorwiegend aus immergrünen Gewächsen. Nach den meist verbreiteten Sträuchern unterscheidet Holmboe 277ff. Juniperus-Maquis und Shinia-Maquis, je nach dem Vorwiegen von Wacholder Juniperus phoenicea oder des Mastixstrauches Pistacia lentiscus, σχῖνος ngr. σχινιά. Mit letzterem verwandt ist die Terebinthe Pistacia terebinthus, ngr. τρέμιθος, wovon Ortsnamen wie Tremithus (s. d.). Eine der auffallendsten Erscheinungen im Buschwald sind die korallenroten Stämme des Erdbeerbaumes, Arbutus Andrachne. Ferner gehören hierher Styrax officinalis und Liquidambar styraciflua; sie liefern das schon von Plin. XII 125 auf K. gerühmte Harz Storax, die zweitgenannte Pflanze auch das beim Volk als heilkräftig geltende und zu liturgischen Zwecken verwendete Christusholz ξύλον ἐφέντη, OC 262f. Holmboe 96ff. 239ff. Verhältnismäßig selten sind die im westlichen Mittelmeergebiet so verbreiteten Lorbeer und Myrte, da sie feuchteres Klima lieben. Doch unterscheiden Cato r. r. 133, 2. Plin. XV 127f. den kyprischen Lorbeer als eine besondere Abart. Die Myrte wird gerühmt von Theophr. caus. pl. VI 18, 4 und erscheint im Zusammenhang mit dem Aphroditekult zu Paphos bei Ovid. a. am. III 181. Stat. Theb. IV 300. Polycharm. Athen. XV 18. Auch Apollon führt dort den Beinamen Μυρτάτης, OC 264. Häufig ist längs der Wasserläufe der Oleander, in seiner Blütezeit (Juni, Juli) eine wahre Zierde der Landschaft. und an Gebirgsbächen die zarte, feingewobene Tamariske Tamarix parviflora. Daß sie im Altertum der Aphrodite heilig war, bezeugt Hesych. s. Μυρῖκαι χωρίον ἱερὸν Ἀφροδίτης ἐν Κύπρῳ. Über die heutige Verbreitung von Lorbeer, Myrte und Oleander s. Holmboe 82. 134. 217f., ebd. 196-201 über die Auffindung eines Lagers fossiler Pflanzen aus dem Frühquartär in der Nordkette, wonach der Lorbeer damals waldbildend aufgetreten sein muß.

Die von Holmboe als erster Typus des Maquis ausgeschiedene Cistrose Cistus villosus, var. creticus, ist ungemein verbreitet, bildet aber nicht einen Buschwald in unserem Sinne, sondern gehört zu jenen niederen Sträuchern, die man in Griechenland alsφρύγανα bezeichnet (Zwergstrauchsteppen nach Holmboe). Sie liefert das im Altertum viel genannte Harz Ladanum, dessen Gewinnung auf K. Dioskurides I 128 und Plinius XII 74f. ausführlich schildern. Der von Dioskurides III 41 (47), Celsus V 11 und Plinius XIII 10. XXI 163 gerühmte Majoran sampsuchus, amaracus ist nicht Origanum Majorana, sondern Origanum Syriacum, das vielleicht auch unter dem Ysop der Bibel und anderer Schriftsteller zu verstehen ist, Holmboe 15. 162. Wegen ihrer Blütenpracht sind endlich die Familien der Irideen, Liliaceen, Orchideen hervorzuheben, OC 269. 454.

Zu den Kulturpflanzen übergehend, müssen wir des berechtigten Preises der Fruchtbarkeit [73] der Insel bei den Alten gedenken. Hierher gehören die Stellen Aisch. Schutzfl. 587 Ἀφροδίτης πολύπυρον αἴαν; Verg. Aen. I 621f. opimam-Cyprum; Hor. carm. III 26, 9 beatam-Cyprum; Aelian. Tiergesch. V 56 über den Graswuchs und die Weiden, wobei man freilich nicht an unsere Wiesen denken darf. Auch die o. angeführten Stellen über den Schiffsbau schließen den Gedanken an die allseitige Fruchtbarkeit ein, die auch mittelalterliche Schriftsteller nicht genug zu rühmen wissen, OC 270. Natürlich steht an erster Stelle der Getreidebau, für welchen die Ebene der Messaria, soweit sie von der harten Decke (s. o.) entblößt ist, einen vorzüglichen Boden bietet. Nach Strab. XIV 683 erzeugte die Insel hinreichend Getreide für den eigenen Bedarf und konnte solches auch ausführen, so nach Attika (Andok. II 20f. Athen. Mitt. VIII 211ff.), Kilikien (CIG 4411 a), Ägypten (Dekr. v. Kanopus, s. o. I). Das kyprische Brot und der Weizen von Amathus werden schon von Hippon. frg. 82 Bergk gerühmt, ersteres auch von Eubul. Ath. III 78 (II 192 Kock): δεινὸν μὲν ἰδόντα παριππεῦσαι Κυπρίους ἄρτους· Μαγνῆτις γὰρ λίθος ὡς ἕλκει τοὺς πεινῶντας. OC 274. Hauptgetreide war der Weizen. Wenn Plinius XVIII 7 denselben als schwärzlich und minderwertig bezeichnet, so dürfte sich das mehr auf Verunreinigung als auf die natürliche Qualität beziehen. Daß daneben auch Gerste gebaut wurde, sehen wir aus Gal. π. τροφ. δυν. I 11 und Münzen von Salamis mit Gerstenkorn, OC 275. Der Ernteertrag hing von der jährlichen Witterung, d. h. hauptsächlich von der Länge der Trockenzeit ab. In Zeiten großer Dürre benützten wiederholt Kornwucherer die Not, um die Preise in die Höhe zu treiben, so im 4. Jhdt. nach dem Leben des hl. Spyridion und des hl. Epiphanios, OC 275f. 437f. Bezüglich der Getreideproduktion in fränkischer und neuerer Zeit muß auf OC 276ff. und die neuesten statistischen Handbücher verwiesen werden. Auch auf die OC 282ff. 305ff. ausführlich besprochenen Kulturpflanzen, die erst seit dem Mittelalter eingeführt wurden, wie Johannisbrotbaum, Zuckerrohr, Baumwolle, Krapp, Tabak kann hier nicht eingegangen werden. Von Textilpflanzen wird im Altertum nur der Flachs erwähnt, Exp. Mundi 63, von gemüseartigen Pflanzen Salat (Col. X 187. 193. XI 3), Zwiebel (Plin. XIX 101), Knoblauch (Theophr. h. pl. VII 4, 11. Plin. XIX 112. Hesych. s. μοττοφαγία), Senf (νᾶπυ Κύπριον, Antiph. bei Athen. I 28 d [II 171 Kock]. Eubul. bei Poll. VI 27 [IV 214 Mein.]). Unter den Baumfrüchten wird die Feige gerühmt Diosk. V 41. Plin. XIV 102. Jos. ant. XX 2 {51) (Sendung nach Jerusalem zur Zeit einer Hungersnot). Die von Theophr. h. pl. IV 2, 3. Athen. II 11. Plin. I 13, 15. XII 58. XV 68 als besondere Art bezeichnete ,kyprische‘ Feige scheint mit der Sykomore identisch zu sein, OC 297f. Holmboe 14. Granatapfelbaum von Aphrodite auf K. gepflanzt Eriph. bei Athen. III 27 (II 429 Kock). Olive und kyprisches Öl Hom. Od. VIII 364; hymn. IV 61. Hesych. s. βομβοία. Isid. or. XVII 7, 64 Paphiae olivae. Dattelpalme Theophr. h. pl. II 6, 7. Plin. XIII 33. 38. 49; ihre Wirkung im Landschaftsbild von Salamis Anton. Placent. 1 Gildem. Sie erscheint häufig [74] auf Bildwerken, so auf der Silberschale von Amathus, und war wahrscheinlich mit den Phoinikern vom asiatischen Festland eingewandert, OC 303f. Holmboe 15. 42. 336.

Der später so berühmt gewordene Wein von K. nahm unter den bekannten Sorten des Altertums nur eine untergeordnete Stellung ein. Die Traube erscheint auf Münzen von Paphos, und Strab. XIV 683 nennt die Insel εὔοινος. Plin. XIV 74 führt den kyprischen Wein unter anderen überseeischen an und berichtet XIV 9 über einen von dort stammenden Weinstock von ungewöhnlicher Größe. Spätere Zeugnisse. Vita Epiph. in Epiphan. op. ed. Dind. I S. 39. V S. XIII. Synes. ep. 147. Anth. Pal. IX 487. Coripp. Iust. III 85ff. Eine Stelle des Hohen Liedes 1, 14 (13) gab in der Fassung der Vulg. botrus cypri ( = κύπρος, s. o. I) im Mittelalter zu dem Mißverständnis Anlaß, daß dort von K. die Rede sei, und damit zur Verlegung von Engaddi am Toten Meer nach K., wo in fränkischer Zeit in der Tat hiernach ein Weinberg diesen Namen erhielt. Im Abendland lernte man den kyprischen Wein erst seit dem zweiten Kreuzzug 1147 kennen und schätzen. Der Anbau erfolgte hauptsächlich auf der Komturei des Johanniterordens an den südlichen Gehängen des Troodos, wonach die Qualitätsweine von K. bis heute als Commanderia bezeichnet werden. Die Rebe gedeiht am besten in Lagen von 500-1100 m, steigt aber stellenweise bis über 1500 m an. Alles weitere über die Geschichte des Weinbaus auf K. OC 310-329. 456ff. Literatur ebd.

X. Tierwelt. Zusammenfassende Darstellung OC 330-399. 456ff. Lit. ebd. 330. 456. Seither sind mir bekannt geworden: W. Kobelt Studien z. Zoogeographie II (1898) 188f. (Reptilien). 337f. (Mollusken). J. Madarász Über die Vögel Cyperns, Ann. Mus. Nat. Hungar. II 1904, S. 499-561 Taf. XV. Von besonderer Bedeutung für die Kenntnis der jetzt ausgestorbenen Fauna sind die Funde von Miss Dorothy Bate in diluvialen Höhlen der Nordkette und bei C. Pyla. Es wurden dort Zwergformen von Dickhäutern ähnlich wie in Sizilien und Malta festgestellt, doch in neuen Arten, nämlich Elephas cypriotes und Hippopotamus minutus, außerdem eine neue Zibetkatze Genetta plesictoides. Proceed. Zool. Soc. II 1902, 107-112. Proceed. (Transact.) R. Soc. 71 (1903) 498ff. 74 (1904) 120f. Geol. Mag. 1903, 241. 1904, 324f. Bellamy Geol. 27. 48. 55. Holmboe 8. Wir erhalten dadurch einen Einblick in die Lebewelt der Insel vor dem Auftreten des Menschen. Die Formen stehen in Zusammenhang mit der Fauna Nordafrikas vor dem Einbruch des östlichen Mittelmeerbeckens. Sie haben sich auf den Inseln differenziert und sind wahrscheinlich durch Inzucht verkümmert. Das Vorkommen von Hippopotamus läßt auf einen weit größeren Wasserreichtum der Flüsse schliessen als er heute K. eigen ist, was ohnehin für die der nordischen Eiszeit entsprechende Pluvialzeit vorausgesetzt werden muß. Daß sich irgend eine dieser Formen bis zum Beginn der historischen Zeit erhalten hätte, scheint ausgeschlossen. Letztere ist vielmehr ausgezeichnet durch die Armut an größeren Landtieren und das völlige Fehlen von Raubtieren außer dem Fuchs.

[75] Wilbrand v. Oldenburg. Itin. Terrae Sanctae (1212 n. Chr.) I 27 schreibt: ,Bären und Löwen oder Wölfe oder sonstige schädliche Tiere enthält die Insel nicht‘. Lusigan Chorograffia dell’ isola de Cipro (Bol. 1573) fol. 88: ,Reissende Tiere gibt es gar nicht; das am meisten räuberische Tier ist der Fuchs‘.

Von jagdbaren Tieren müssen Hirsche und vielleicht auch Rehe einst sehr zahlreich gewesen sein. Nach Ael. Tiergesch. XI 7 war die Halbinsel ein Hauptstandort der mit Eifer gejagten Hirsche. welche von dort aus eine Zuflucht in dem heiligen Hain des Apollon bei Kurion (s. d.) fanden. Die Erzählung ebd. V 56. Plin. VIII 114 von dem Überschwimmen des Meeres durch Hirsche von Syrien oder Kilikien nach K. ist natürlich Fabel. Es scheint sich hauptsächlich um Damhirsche zu handeln, da ein solcher auf einer Münze von Kition abgebildet ist, Ztschr. f. Num. I 152f. Wilbrand nennt cervos et damas, Lusignan 14. 88 caprioli (Rehe) und daini (Damhirsche). Die unter den fränkischen Königen eifrig betriebene hohe Jagd, worüber OC 380ff., und wohl mehr noch die rücksichtslose Verfolgung mit Feuerwaffen in venezianischer und türkischer Zeit haben im 17. Jhdt. zur Ausrottung dieses Wildes geführt. Dagegen hat sich das merkwürdige kyprische Wildschaf oder der Muflon Ovis ophion (im Gegensatz zum sardinischen Ovis musimon) zum Glück bis heute erhalten. Literarische Zeugnisse aus dem Altertum haben wir darüber nicht, wohl aber bildliche Darstellungen, s. die Nachweise OC 375. In der Literatur werden arietes silvestres zuerst von Wilbrand I 27 genannt, dann oves silvaticae (Boldensele 1333) usw. Den einheimischen Namen ἀγρινό finden wir bereits in der Περιγραφὴ τῆς μονῆς τοῦ Κύκκου aus dem J. 1422 (gedruckt Ven. 1751), wonach der byzantinische Statthalter Manuel Vutumites 1092 bei der Jagd auf Wildschafe διώκων ἀγρίμια, ζῷα οὕτω καλούμενα zur Gründung des Klosters Kykku veranlaßt wurde, s. Hackett Ηist. of the Orth. Church of Cyprus, [Lond. 1901] 333. Der erste naturwissenschaftliche Beobachter war Sibthorp 1787, wonach schon damals das Wildschaf auf das Troodosgebirge beschränkt war. Jetzt findet es sich dort nur noch in der Tylliria beim Kloster Kykku, wo ich selbst ein Exemplar in Gefangenschaft sah. Da die völlige Ausrottung des überaus scheuen Wildes drohte, stellte es die Regierung 1887 unter strengen Jagdschutz, und seitdem hat sich die Zahl wieder etwas vermehrt. Die Schätzungen schwanken zwischen 100 und 300 Stück, OC 374-380. 457f.

Von den Tieren der niederen Jagd findet sich der Hase mehrfach plastisch dargestellt, Ohnefalsch-Richter Kypros S. 294 Taf. CCVI. Er war im Mittelalter ein beliebtes Wild und ist als solches wegen seines wohlschmeckenden Fleisches noch jetzt geschätzt. Die Vogelfauna von K. ist ungemein reich, zumal eine Zugstraße der Wandervögel über die Insel führt. Ausdrücklich genannt werden von den Alten nur wenige Vögel, so Sid. Apoll. carm. XI 108 pasci suetos per Cypron olores und besonders die Taube als heiliger Vogel der Aphrodite, s. Paphos. Ohnefalsch-Richter 278ff. Von [76] Schlangen auf K. sprechen Arist. frg. 320 Berl. 362 Rose; mir. ausc. 142. Parth. erot. 11. Plin. XXVIII 30. Auch der Name der jetzt κουφή genannten, gefürchteten Viper scheint antik zu sein. s. κωφίας Ael. Tierg. VIII 13. Hesych. OC 353f. Aus der Insektenwelt gedenken der Bienen Her. V 114. Plin. XI 33. Geop. XV 7, 1. Das kyprische Wachs fand vielfache Verwendung, wie Plinius an zahlreichen Stellen hervorhebt, s. OC 346f., wo auch Näheres über die heutige Imkerei und die Rasse der kyprischen Biene. Die Heuschrecke war bereits im Altertum wegen ihrer Verheerungen gefürchtet, Or. Sib. V 454. Schol. Il. XXI 12. Phot. lex. s. πάρνοπες. Uber die zahlreichen Nachrichten aus späterer Zeit und die erfolgreiche Bekämpfung der Plage seit 1862 OC 335-344. Von den Haustieren werden das Schaf als Opfertier der Aphrodite genannt Ovid, met. X 227 Amathusias-bidentes. Jo. Lyd. mens. IV 46; der Widder erscheint auf Münzen von Salamis. Auch das Schwein stand mehrfach in Beziehung zum Kultus Lyd. a. a. O. Paus. VI 2, 5. Schol. Od. XVIII 29; Porphyr. abstin. 50, 14 leugnet also mit Unrecht dessen Vorkommen auf K. Ziegen als Waldverwüster s. o. IX. Bezüglich der übrigen Haustiere ist für das Altertum wenig zu bemerken und muß auf OC 385-399 verwiesen werden.

XI. Bevölkerung. Für die Zahl der Bewohner im Altertum würde Cass. Dio LVIII 32, 2, wonach bei dem Judenaufstand unter Traian 116 n. Chr. auf K. 240 000 Menschen umgekommen sein sollen, einen Anhalt geben, wenn die Ziffer nicht offenbar übertrieben wäre. Ich halte daher die Schätzung von Beloch Die Bevölkerung d. griech.-röm. Welt (Leipzig 1886) 249f. mit mehr als einer halben Million für zu hoch. Wenn auch die materielle Kultur hochentwickelt war, so wird man mit Rücksicht auf die aus späterer Zeit beglaubigten Zahlen für das Altertum kaum über 500 000 hinausgehen können. Das zeigen besonders die Berichte aus der Zeit der venezianischen Herrschaft (1489–1570), mit welcher die zweite Blüteperiode der Insel abschließt. Ein statistischer Bericht aus dem Ende des 15. Jhdts. ergibt 147 700, ein solcher von 1540 (F. Attar) 150 000, Mas Latrie Hist. III 493f. 534. Aus der Zeit kurz vor und nach der türkischen Eroberung 1570/1 haben wir folgende Angaben: A. Savorgnano, um 1560 nach K. gesandt, um angesichts der drohenden Türkengefahr über die Lage der Insel zu berichten, beziffert in seiner in mehrfacher Abschrift erhaltenen Denkschrift (abgedruckt bei J. P. Reinhard Gesch. d. Königr. Cypern, Erlangen 1768 B. II Beil. S. 63, wonach OC 469 zu berichtigen) die Bewohnerzahl auf 180 000. Kyprianos Ἱστορία χρονολογικὴ τῆς νήσου Κύπρου (Ven. 1788, Neudruck Larnaka 1880 und, besser, Leukosia 1902) berichtet, daß der erste türkische Statthalter Musafer Pascha eine Zählung der steuerpflichtigen Bewohner veranstaltete und deren 85 000 im Alter von 14 bis 50 Jahren fand, ohne Frauen, Kinder und Greise. Das würde auf eine Ziffer von rund 200 000 führen, womit auch die von Kyprianos angeführte Zahl des allerdings wesentlich späteren venezianischen Geographen V. Coronelli (1650-1718) von 197 000 übereinstimmen

[77] würde. Cotovicus, der die Insel 1596 bereiste, gibt dagegen in seinem Itinerarium Hierosolymit. (Antverp. 1619) 106 nur 160 000 an, was vielleicht auf Rechnung der vielfach bezeugten Abwanderung unter türkischer Herrschaft zu setzen ist. Wenn dagegen der Erzbischof von Nikosia in einem Bericht vom J. 1600 bei Mas Latrie III 567 die Einwohnerzahl schätzungsweise auf 250 000 veranschlagt, so hat er damit wohl zu hoch gegriffen, während Drummond Travels etc., London 1754 mit 200 000 wieder auf den türkischen Census von 1571 hinauskommt. Wenn Kyprianos (S. 495f. d. Ausg. 1902) dann für 1777 eine Zahl von 84 000 Einwohnern aufstellt, davon 37 000 Christen und 47 000 Türken, deren Schätzung er aber selbst als höchst unsicher bezeichnet, so ergibt sich die Unzuverlässigkeit dieser Ziffern einmal aus Mißverhältnis der Konfessionen, von denen die christliche sonst immer in der Überzahl ist, dann aber aus der Tatsache, daß dem weiblichen Geschlecht bei beiden doppelt so viel Köpfe zugeschrieben werden als dem männlichen. Bei letzterem mag die Steuerpflicht die niedrige Angabe erklären. Kyprianos scheint die Quelle für die auffallend niedrigen Angaben geworden zu sein, die wir bei Reisenden der folgenden Jahrzehnte vorfinden und die sich zwischen 60 000 und 80 000 bewegen. Wie jedoch die späteren verlässigeren Berechnungen und Zählungen zeigen, besteht kein triftiger Grund anzunehmen, die Volkszahl der Insel je unter 100 000 gesunken sei. 1841 veranstaltete der Gouverneur Talaat Effendi eine Zählung der steuerpflichtigen Christen, welche auf eine Gesamtziffer von 108 bis 115 000 führte, s. Mitt. Geog. Ges. Wien 1878, 113f. Mas Latrie L’ile de Chypre (Paris 1879) 158f. Ross Inselreisen IV 87 u. A. Die Unsicherheit der Zahl liegt darin, daß sie nur auf Berechnung aus der Zahl der steuerpflichtigen Christen und Schätzung der Türken beruht. Von 1880 an gehen die Schätzungen wieder weit auseinander. s. Bevölk. d. Erde VI (Erg.-H. 62 zu Peterm. Mitt. 1880) S. 27f., doch können wir von einer Kritik dieser Ziffern hier absehen, da mit der englischen Verwaltung die regelmäßigen Volkszählungen beginnen. Sie ergeben bis jetzt folgende Zahlen:

1881 186 173
1891 209 286
1901 237 022
1911 274 108
1919 311 108.

Die Zunahme ist also eine stetige und ergibt nach unserer Annahme für das Areal (o. III) eine Volksdichte von 33 auf 1 qkm.

XII. Rasse und Volkstum. Anthropologisch ist K. noch wenig bekannt. Einen Anfang machte Virchow Über alte Schädel von Assos und Cypern. Abh. Akad. Berlin 1884 II mit der Beschreibung von zwei Schädeln aus Grabfunden der Cesnolasammlung in New York (S. 38-55, Taf. IV/V). Drei weitere Schädel, 1885 von Ohnefalsch-Richter bei Linu südöstlich von Lefka ausgegraben, jetzt im Staatsmuseum in Wien, hat Weisbach in ,The Owl‘ (Nicosia 1888) 68-74 Taf. VI beschrieben. Erst 1913 hat ein englischer Anthropologe, Dudley Buxton,

[78] mit dem Archäologen Myres die Insel bereist und an 587 Individuen Messungen vorgenommen, worunter auch 25 alte Schädel von der Bronzezeit bis zur römischen Periode. Über die Ergebnisse liegt bis jetzt eine vorläufige Veröffentlichung ,The Anthropology of Cyprus‘ in Journ. R. Anthrop. Inst. B. L (1920) 183-235 vor; diese gibt jedoch neben beachtenswerten Beiträgen zur Volkskunde (Weberei, Töpferei, Hausformen usw.) im wesentlichen nur das nackte Zahlenmaterial ohne Verarbeitung und ohne jede bildliche Beigabe. Nach S. 183. 186 ist eine weitere Veröffentlichung zu erwarten. Eine Überprüfung des bis jetzt vorliegenden Materials im anthropologisch-ethnographischen Institut der Universität Wien ergab folgendes: Die alten Schädel der genannten Veröffentlichungen weisen den dolichoiden Bau des Schädels der ,mittelländischen‘ Rasse auf. Die Beobachtungen am heute lebenden Material (Buxton) zeigen, daß die dolichoiden Kopfformen noch heute die vorherrschenden geblieben sind. Die Langköpfigkeit hat ja durch alle Perioden der Geschichte Verstärkung erhalten durch die Zuwanderung von Nordafrikanern (s. dazu u. XVI a. E.), Arabern und europäisch-nordischen Elementen. Daneben treffen wir auch in K. ebenso wie in Kreta, die kurzköpfige ,vorderasiatische‘ Rasse (die ich selbst ,orientalische‘ genannt habe, vgl. Oberhummer Die Balkanvölker, Wien 1917 S. 68 und darüber im allgemeinen Weninger Die phys.-anthrop. Merkmale der vorderasiatischen Rasse, Mitt. Geogr. Ges. Wien 1920, 13-37 Taf. I-III). Durch die Türkenherrschaft sind zweifellos auch asiatisch-mongolische Merkmale in die Bevölkerung hineingetragen worden.

Von sonstigen Beiträgen zur Anthropologie von K. möchte ich noch einen Fall von Zwergwuchs erwähnen, den Ornstein Verh. Ges. Anthr. Berlin 1892, 541ff. besprochen und abgebildet hat.

Die heutige Bevölkerung gliedert sich nach der Zählung von 1911 sprachlich in 216 310 = 78,9 % Griechen, 55 213 = 20,1 % Türken, 1036 Araber, 551 Armenier, 490 Engländer, 508 andere; nach der Religion in 214 480 Griechen. 56 428 Mohammedaner, 1073 Maroniten, 815 Katholiken, 549 gregorianische, 9 unierte Armenier, 397 Anglikaner, 164 andere. Das Verhältnis der Türken, wohl nur zum kleineren Teil Nachkommen eingewanderter Osmanli, zum größeren islamisierte Griechen, zu den Griechen scheint im wesentlichen während der ganzen Dauer der türkischen Herrschaft dasselbe gewesen zu sein und dürfte auch ungefähr dem der Lateiner im späteren Mittelalter und dem der Phoiniker im Altertum entsprechen. Das griechische Element hatte immer die Oberhand und die Tendenz, fremde Elemente zu absorbieren. Wie das phoinikische Volkstum schließlich im griechischen aufgegangen ist, so hat auch die fast 400jährige lateinische Herrschaft außer den gotischen Baudenkmalen in Nikosia, Famagusta, Bellapais usw. und wenigen Lehnworten der Sprache (s. o. V über den Namen Messaria) kaum Spuren hinterlassen. Die Beständigkeit der Hauptmasse der Bevölkerung bestätigt auch das Fortleben antiker Überlieferungen im heutigen Volkstum. Einheimische und [79] fremde Beobachter haben darauf hingewiesen, so Λουκὰς Φιλολογικαὶ ἐπισκέψεις τῶν ἐν τῷ βίῳ τῶν νεωτέρων Κυπρίων μνημείων τῶν ἀρχαίων I, Athen 1874, dazu Annuaire Assoc. ét. gr. 1875, 395-405; ferner Max Ohnefalsch-Richter Parallelen in den Gebräuchen d. alten und d. jetz. Bevölk. von Cypern, Verh. Ges. Anthr. Berlin 1891, 34-43; Antike Reste im heutigen Leben der Cyprier, Östr. Monatsschr. f. d. Orient 1895, 89-97 und besonders das reich illustrierte Hauptwerk von Magda H. Ohnefalsch-Richter Griechische Sitten und Gebräuche auf Cypern, Berlin 1913.

Über die griechische Volkssprache von K. ist grundlegend Beaudouin Étude du dialecte chypriote moderne et médiéval. Paris 1884 (Bibl. éc. fr. 36). Die reichhaltigste Sammlung von Volksliedern, Sprichwörtern und Märchen mit umfangreichen Glossar und einer (unbrauchbaren) Grammatik findet man jetzt im II. Bd. der Neubearbeitung von Sakellarios Τὰ Κυπριακά, Athen 1890/1 (Bd. II 11 Ἡ ἐν Κύπρῳ γλῶσσα). Kritische Übersicht der einschlägigen Literatur bei G. Meyer Neugriech. Stud. I (S.-Ber. Akad. Wien. Phil. Kl. CXXX 1894) 77-80. 99. Dazu einige Arbeiten von Menardos Φωνητικὴ τῆς διαλέκτου τῶν σημερινῶν Κυπρίων, Ἀθηνᾶ VI 1894; Ἡγενικὴ κατὰ Κυπρίους, ebd. VIII 1897; Περὶ τῶν ὀνομάτων τῶν Κυπρίων, ebd. XVI 1904; Τοπωνυμικὸν τῆς Κύπρου, ebd. XVIII 1907 (Holmboe 202). Ἡ Ῥήγαινα (kyprische Volkssage), Δελτ. ἱστορ. κ. ἐθνολ. Ἑταιρ. 1903. Weiteres in Byz. Ztschr. VIII 563f. XII 651f. und Generalregister I-XII unter K. Im allgemeinen läßt sich über den heutigen Dialekt von K. sagen, daß derselbe in keinem Zusammenhang mit dem längst in der κοινή aufgegangenen antiken Dialekt steht und seit der Trennung der Insel vom oströmischen Reich im 12. Jhdt. allmählich die eigenartige Färbung gewonnen hat, die ihn heute vor anderen vulgärgriechischen Mundarten auszeichnet; s. Dieterich Byz. Ztschr. X 589f. Das in fränkischer Zeit reichlich zuströmende romanische Sprachgut wurde bis auf die auch sonst im Neugriechischen erhaltenen italienischen Lehnworte rasch abgestreift, dagegen später ziemlich viel türkisches Sprachgut übernommen, s. Beaudouin 16ff.

XIII. Denkmäler. Die archäologische Forschung von K. leidet bis heute unter dem Übelstand, daß dieselbe praktisch zum großen Teil in den Händen von Sammlern und Dilettanten lag und geschulte Archäologen der Insel meist nur vorübergehende Aufmerksamkeit gewidmet haben. Auch die seit der englischen Verwaltung planmäßiger durchgeführten Ausgrabungen dienten mehr der Ausbeute für Museen als der Kenntnis des kyprischen Altertums und ließen besonders die Topographie vielfach leer ausgehen. Als erster Archäologe von Fach bereiste Ross die Insel 1845. Sein kurzer Aufenthalt lieferte wertvolle Beobachtungen, die er in einigen Aufsätzen der Arch. Ztschr. und in ,Reisen nach Kos, Halikarnassos, Rhodos und Cypern‘ (Halle 1852 = Inselreisen IV) niedergelegt hat. 1862 unternahm de Vogüé Ausgrabungen an der Stelle von Golgoi (s. d.) und

[80] Idalion und brachte die erste Sammlung kyprischer Altertümer nach Europa. Sie ist ebenso wie das von ihm erworbene, erst später mit großen Schwierigkeiten transportierte Steingefäß von Amathus im Louvre aufgestellt; über letzteres s. Longpérier Musée Napoleon III Taf. 33. Perrot-Chipiez Hist. de l’art III 279ff. In der letzten türkischen Zeit weilten auf K. der französische Archäologe, Colonna–Ceccaldi, dessen 1870-1877 in Rev. Arch. erschienenen Aufsätze nach seinem frühzeitigen Tode (1879) in seinen ,Monuments antiques de Chypre, de Syrie et de l’Égypte‘ (Paris 1882) vereinigt wurden, sowie der mit der kyprischen Archäologie leider dauernd verbundene ,General‘ Luigi Palma di Cesnola (1832-1904). Geboren bei Turin, wanderte Cesnola 1860 nach Amerika aus, kämpfte im Bürgerkrieg gegen die Südstaaten und wurde 1865 zum Konsul der Vereinigten Staaten in Larnaka ernannt. Diesen Posten bekleidete er, mit einigen Unterbrechungen, bis 1876 und brachte während dieser Zeit durch Ausgrabungen und sonstige Erwerbungen eine reiche Sammlung von kyprischen Altertümern zu stande. Die Sammlung verkaufte er zum größten Teil 1872 an das im Entstehen begriffene Metropolitan Museum in New York und ergänzte sie 1875 durch eine weitere Sendung. Es war der wertvollste Grundstock zu den seither ungeheuer angewachsenen Sammlungen des weltberühmten Museums. Seit 1879 fungierte Cesnola als Direktor des Museums, wo ich ihn kurz vor seinem Tode persönlich kennenlernte und von ihm die in Neudruck erschienenen ,Annual Reports‘ 1871-1902 des ,Metropolitan Museum of Art‘, eine Hauptquelle für die Geschichte der Erwerbung der kyprischen Altertümer durch das New Yorker Museum, erhielt. Nach mehreren vorläufigen Veröffentlichungen trat Cesnola mit dem bekannten Werk ,Cyprus. Its Ancient Cities, Tombs and Temples‘, London 1877 hervor. Es erschien bald darauf in deutscher Ausgabe von Stern: ,Cypern, seine alten Städte usw.‘, Jena 1879 und erregte, geschickt in Szene gesetzt, ungeheueres Aufsehen. Cesnola galt als der Schliemann von K., ja er glaubte selbst durch seinen ,Schatz von Kurion‘ den ,Schatz des Priamos‘ in den Schatten gestellt zu haben. Bald aber regten sich Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Berichte. In Amerika und Europa entstand eine Literatur von Streitschriften über Cesnola, worüber ich in Bursians Jahresbericht B. 77 (1898) 36ff. 72ff. berichtet habe. Neuerdings hat Dussaud (s. u.) 128ff. die Geschichte der Ausgrabungen zusammengefaßt. Es steht längst fest, daß Cesnola bei seinen Ausgrabungen mit unverantwortlicher Leichtfertigkeit vorgegangen und auch vor Fälschung des Tatbestandes nicht zurückgeschreckt ist, um seine Entdeckungen in möglichst günstiges Licht zu stellen. Der ,Tempel von Golgoi‘ und der ,Schatz von Kurion‘ sind, wie Ohnefalsch-Richter 1883 nachgewiesen hat, eine Mystifikation. Trotz des dadurch angerichteten Schadens für die Wissenschaft hat Cesnola das Verdienst, zuerst das Augenmerk weiterer Kreise auf die eigenartige kyprische Kultur gelenkt und reiche Sammlungen von Altertümern in New York [81] und anderen Museen öffentlich zugänglich gemacht zu haben. Sein Buch und die anschliessenden Veröffentlichungen, besonders ,A Deseriptive Atlas of the Cesnola Collection of Cypriote Antiquities in the Metropolitan Museum of Art‘ Vol. I-XV, Boston und New-York, 3 Bde. in 15 Teilen, 1885-1903 bleiben auch in Zukunft ein unentbehrliches Hilfsmittel.

Den ersten Versuch einer zusammenfassenden Darstellung der alten Kunst in K. unternahm Perrot in Hist. de l’Art dans l’Antiqu. III 1885 {Kap. IV § 2 Le temple à Cypre, Kap. VII Cypre et la sculpture cypriote). Angewiesen auf die Berichte Cesnolas, entbehrt die Darstellung der verlässigen Grundlage und ist jetzt durch die massenhaften neueren Funde überholt, aber durch kein neueres Gesamtwerk ersetzt. Auch die sorgfältige Beschreibung der Terrakotten des Louvre bei Heuzey Cat. d. figurines antiques usw. I (Paris 1900) 118-200 reicht über 1882 zurück. Seit Cesnola, dessen Bruder Alexander Palma di Cesnola sich durch seine Ausgrabungen im kyprischen Salamis (s. o. Bd. I A S. 1843f.) bekannt machte, ist in der kyprischen Altertumskunde der Name von Ohnefalsch-Richter (1850-1917) am meisten genannt. Vgl. die ,vita‘ und die Einleitung zu der als Dissertation gedruckten Schrift ,Die antiken Cultusstätten auf Kypros‘, Berlin 1891, welche zugleich das erste Kapitel seines Hauptwerkes ,Kypros‘ bildet. Nach einer wechselvollen Laufbahn kam O.-R. bald nach der englischen Besetzung 1878 nach K., wo er verschiedene Stellungen bekleidete und durch Beobachtungen über das alte Kition auf archäologische Studien hingelenkt wurde, s. Ausland 1879, 970ff. In der Folgezeit führte er eine Reihe von Ausgrabungen durch und erwarb sich durch seinen, mit einigen Unterbrechungen bis Anfang des Krieges ausgedehnten Aufenthalt auf K. eine genaue Kenntnis der lokalen Verhältnisse, so daß sein Rat von allen irgendwie mit K. beschäftigten Forschern gesucht wurde. So hat er Dümmler, dessen ,Älteste Nekropolen auf Cypern‘, Athen. Mitt. 1886, 209-362 (anderes im Jahrb. d. Arch. Inst. 1887, 85ff. 168ff.) noch jetzt eine der grundlegenden Arbeiten der kyprischen Altertumskunde sind, und mich selbst auf meiner ersten Reise 1887 begleitet. O.-R. ging bei seinen Ausgrabungen sorgfältig und methodisch vor, und seine Fundberichte verdienen unbedingtes Vertrauen. Für die Verarbeitung der Ergebnisse fehlte ihm jedoch die wissenschaftliche Schulung und seine zahlreichen, auch in der Form oft mangelhaften Veröffentlichungen, über die ich bis 1893 in Bursians Jahresbericht B. 77 (s. bes. S. 77ff. 83f.) berichtet habe, erscheinen daher vielfach unbefriedigend. Auch sein glänzend ausgestattetes, in deutscher und englischer Ausgabe erschienenes Hauptwerk, ,Kypros, die Bibel und Homer‘ (Berlin und London 1893, Textband und Tafelband) enthält wohl eine Fülle von Material, aber keine abschließenden Ergebnisse. Vgl. u. XXII.

Über den Fortgang der Forschungen auf K. seit der englischen Besitzergreifung berichtete Reinach in ,Chroniques d’orient‘, Paris 1891 (aus Rev. Arch. 1883-1890), der Arch. Anz. im Jahrb. d. Arch. Inst., das Am. Journ. of Arch. und ich selbst im Geogr. Jahrb. 1896. 1899. [82] 1905. 1911. Eine Übersicht der wichtigsten archäologischen Literatur gibt Mau im Kat. d. Bibl. d. D. Arch. Inst. in Rom 2. A. I 1914, 229ff. Von zusammenfassenden Darstellungen der kyprischen Kunst ist neben den feinsinnigen, aber doch nur einzelne Probleme beleuchtenden Ausführungen bei Brunn Griech. Kunstgesch. I 98-107. 113ff. 126ff. II 74-80 und den zerstreuten, aber wichtigen Bemerkungen bei Furtwängler Ant. Gemmen III 1900 in erster Linie der von John L. Myres in Verbindung mit Ohnefalsch-Richter bearbeitete ,Catalogue of the Cyprus Museum‘ (in Nikosia), Oxford 1899 zu nennen, wo man in der Einleitung eine knappe, grundlegende Übersicht der Perioden findet; für die ältere Zeit weiter ausgeführt bei Dussaud Les civilisations préhélleniques, Paris 1911 (2. A. 1915 unzugänglich). Die keramische Kunst ist jetzt eingehend behandelt von Walters in ,Catalogue of the Greek and Etruscan Vases in the British Museum‘ Vol. I Part II Cypriote, Italian and Etruscan Pottery. London 1912 (vorzügliche Abbildungen). Früher erschien ders. ,Catalogue of the Terracottas‘ 1903 (Kypros S. 1-68). Unentbehrlich ist ferner Poulsen Der Orient u. die frühgriech. Kunst. Leipzig 1912, der entgegen den bisher herrschenden Anschauungen für die Originalität der phoinikischen Kunst eintritt, ferner das nachgelassene Werk von Fimmen Die kretisch-mykenische Kultur. Leipzig 1921. Eine kurze Zusammenfassung hauptsächlich der Bronzezeit gibt Hoernes Urgesch. der bild. Kunst in Europa² 1915, 363ff. Die Schrift von Lichtenberg s. o. I. Unzugänglich ist mir bis jetzt Jeffrey Description of the Monuments of Cyprus, Nicosia 1918. Weiteres s. unter XXII.

XIV. Urgeschichte. Die historische Zeit kennt Griechen und Phoiniker auf K. Die Niederlassungen beider können höchstens in das zweite Jahrtausend v. Chr. zurückreichen. Die Besiedelung von K. ist aber sicher älter, wie die Funde erweisen. Der paläolithische Mensch ist freilich dort nicht nachgewiesen und auch nicht wahrscheinlich, da die erste menschliche Niederlassung eine verhältnismäßig entwickelte Schifffahrt voraussetzt. Auch die jüngere Steinzeit ist nur schwach vertreten durch einige Steinbeile aus der Gegend von Kurion und des Karpas, Myres 13f. Dussaud 134f. Es mögen einige wenige Punkte an der Küste gewesen sein, wo diese ersten Siedler in dürftigen Reisighütten hausten. Neolithische Keramik und Gräber fehlen. Die an sich sehr merkwürdigen megalithischen Denkmäler reichen sicher nicht so weit hinauf, mögen aber, da sie sonst schwer einzureihen sind, gleich hier besprochen werden. Wir finden solche, die an Menhirs und Dolmen erinnern, freilich nur oberflächlich, denn bei näherer Prüfung hält der Vergleich nicht stand. Zur ersteren Gruppe gehören zwei Steinpfeiler, die über 2 km südwestlich von Alt-Paphos einsam nahe der Küste in einem Trümmerfeld stehen, etwa 3,4 m hoch, unten 1½, oben O,9 m breit, in der Mitte von einer länglichen rechteckigen Öffnung durchbohrt. Cesnola 283f. gibt die Maße; was er sonst darüber sagt, ist Phantasie. Eine gute Abbildung und Beschreibung bei Hogarth Devia Cypria.

[83] 46ff., wo noch zahlreiche (über 40) ähnliche Steine auf K. nachgewiesen werden. Die von ihm nach Guillemard (Athenaeum 1888) angenommene Hypothese, daß es sich hier um eine Vorrichtung zum Ölpressen handelt, scheint mir sehr abenteuerlich. Ohnefalsch-Richter hat wohl recht, wenn er sie mit dem ältesten Kult einer Naturgottheit der Fruchtbarkeit in Verbindung bringt, welche uns auch in den ältesten Idolen entgegentritt und bei den Griechen zur Aphrodite geworden ist, ,Kypros‘ S. 23. 169f. 360 Taf. XVIII. Die Steine erinnern in auffälliger Weise an das kegelförmige Idol im Tempel zu Paphos nach späteren Münzen, wiederholt abgeb. bei Ohnefalsch-Richter s. Reg. u. ,Paphos‘; ebd. S. 170 auch über das Fortleben der kultischen Bedeutung der Steine im heutigen Volkstum. Die kegelförmige Gestalt des Kultbildes wird bekanntlich auch von Tac. hist. II 3 bestätigt, Näheres s. Paphos. Über ähnliche Steinidole in Palästina und Syrien s. Pietschmann Geschichte der Phönizier 204ff. 276. Stade Gesch. des Volkes Israel I 456. 462f. Auch die in die jüngere Steinzeit zurückreichenden echten Menhirs hatten Kultbedeutung, s. Hoernes Natur u. Urgesch. d. Menschen II 576f. Aber die kyprischen Steine unterscheiden sich davon durch ihre bearbeiteten Kanten und die Durchbohrung und können nach Menghin (persönliche Mitteilung) ebenso wie die folgenden Denkmäler keineswegs ein so hohes Alter beanspruchen. Steinpfeiler aus Nordafrika ähnlich denen von Paphos erwähnt Sittl Archäologie 486. Weiteres s. unter XXII.

An Dolmen erinnert das u. Kition o. Bd. XI S. 544 besprochene Bauwerk der Phaneromeni bei Larnaka, unterscheidet sich aber davon durch sorgfältigere Bearbeitung- und die gewölbeartige Aushöhlung des mächtigen Decksteines. Ein anscheinend ähnliches Bauwerk befindet sich an der Westseite des Salzsees von Larnaka in dem Kloster Hala Sultan Tekke, s. Karte bei Kition S. 541. OC 49f. 64f. 436. O.-R. 219. Es dient als Grabmal der beim Angriff der Araber auf K. 649 hier verunglückten Umm Haram, dem Kreise des Propheten nahe stehenden, von den Moslims viel gefeierten Frau und ist deshalb der genauen Untersuchung und Abbildung unzugänglich. Doch hat Cobham den prähistorischen Charakter des Bauwerks erkannt und die an die wunderbare Überführung des heiligen Hauses von Loreto erinnernde türkische Legende hierüber veröffentlicht: The Story of Umm Haram. Journ. R. As. Soc. Jan. 1897. Wesentlich jünger ist jedenfalls das dritte megalithische Bauwerk bei Salamis, seit dem Mittelalter bekannt unter dem Namen ,Gefängnis der heiligen Katharina‘, vom Volk jetzt Αἰκατερίνα genannt, s. Salamis Bd. I A S. 1841 und Karte S. 1837. Wir haben es hier schon mit einem echten Gewölbebau zu tun, der vielleicht erst der hellenistischen Zeit angehört. Auch O.-R. hat seine früheren Annahmen über das Alter dieser Bauwerke später herabgesetzt, vgl. die Bemerkungen über ähnliche kleinere Grabanlagen, einige mit monolither Decke, in ,Kypros‘ S. 470f. und die zugehörigen Tafeln. Photographien der genannten Bauwerke (außer Umm Haram) von Dörpfeld, [84] s. Arch. Anz. 1891, 89ff. nr. 14 Alt-Paphos. 34 H. Katharina. 98 Phaneromeni. Megalithische Bauwerke finden sich in großer Zahl in Palästina und Syrien; doch bieten sie mit den hier beschriebenen wenig Vergleichspunkte, s. darüber Kohn Mitt. Anthr. Ges. Wien 1914, 93ff., wo die megalithische Epoche zwischen Neolithicum und Metallzeit gesetzt wird, und besonders Karge Rephaim. Die vorgeschichtliche Kultur Palästinas und Phöniziens. Paderborn 1917 (Collect. Hierosol. I).

Die Steinzeit auf K. muß frühzeitig der Metallkultur gewichen sein. Den Übergang bildet die Kupferzeit, welche hier und anderwärts (Mitteleuropa) der Bronzezeit vorhergegangen ist, s. Much Die Kupferzeit in Europa², Jena 1898. Nach Hoernes Natur- u. Urgeschichte II 236ff. (Zeittabelle 242f.). Urgeschichte der bildenden Kunst 334 ist sie als die letzte Stufe der jüngeren Steinzeit zu betrachten und wird jetzt als aeneolithische Periode bezeichnet. Ihren Beginn setzte Montelius für Ägypten und Vorderasien um 5000, für K. um 4000, für Griechenland um 3000 an. Dagegen lassen Dussaud 136f. 178f. und Walters die Metallzeit auf K. erst um 2500 beginnen, und ersterer wendet sich ausdrücklich gegen die von anderer Seite (Modestov) vorgebrachte Datierung des Beginnes der kyprischcn Kupferzeit auf 4000. Mögen nun auch die dafür angeführten Gründe nicht stichhaltig sein, so weisen doch die Kupferfunde in Ägypten und Vorderasien auf eine frühere Zeit auch für K. hin. In Ägypten, wo Borchardt Quell. u. Forsch. z. Zeitbest. d. aeg. Gesch. I 1917 jetzt den Beginn der ersten Dynastie auf 4186 zurückgerückt hat, kennen wir Kupfer aus prähistorischen Gräbern der vordynastischen Zeit, und Myres 19 erwähnt Kupferwaffen von kyprischem Typus von der vierten Dynastie an. Danach ist der Ansatz 2500 jedenfalls zu niedrig. Die Perioden der Metallzeit gliedert Dussaud in

Kupferzeit 2500-2000
1. Bronzezeit 2000-1500
2.  1500-1100
1. Eisenzeit (griechisch-phoinikisch) 1100-600

Walters unterscheidet

Kupferzeit (vormykenisch)   2500-1500
Bronzezeit (mykenisch) 1500-900
Griechisch-phoinikisch 900-550
Hellenisch 550-200.

Myres, welcher keine zeitliche Begrenzung der älteren Perioden versucht, rechnet das griechisch-phoinikische Zeitalter vom Beginn der Eisenzeit bis zur Eroberung von K. durch die Ptolemäer 295 v. Chr., von hier ab die hellenistische Zeit. In die frühe Metallzeit fallen die auf K. gefundenen Siegelzylinder Sargons I. von Akkad und seines Sohnes Naramsin um 2500-2440, s. E. Meyer Gesch. d. Alt. § 378. 400. 498. Myres 20. Busolt Griech. Gesch. I² 45. Andere babylonische Zylinder aus K. (2. Jahrtausend) bei Furtwängler Antike Gemmen III 7f. Meyer führt auf diese Zeit den Typus von Tonfiguren einer nackten Göttin des Geschlechtslebens Vorläuferin der Aphrodite-Astarte, zurück, aber seine Vermutung, daß Sargon selbst K. erobert habe, scheint mindestens sehr [85] gewagt. Im Übrigen weist der Charakter der Funde aus jener Zeit auf einen Zusammenhang mit Kleinasien über Phrygien nach Troia, wo die sog. Hissarlikkultur der zweiten Stadt einen ähnlichen Typus zeigt und die auch mit dem kyprischen Salamis verbundenen Namen Teukros und Gergithen (in Salamis Gerginer, Klearch. v. Soloi bei Ath. VI 255f, s. o. Bd. VII S. 1248f.) wiederkehren, Busolt 45. 69. Meyer § 491. 499. Myres 17f. Lichtenberg 18f. 41f. Christ Gr. Lit.³ § 54 über die Κύπρια Hommel Geogr. u. Geschichte d. alten Orients² 32. 64, 4, dazu Furtwängler Ant. Gemm. III 66f. 436f. Auf die Beziehungen zu Phrygien hatte, freilich ohne archäologisches Material, bereits Engel I 186ff. hingewiesen. Die Verwandtschaft mit Hissarlik hat wohl Dümmler a. a. O. zuerst erkannt und (S. 212) ausgesprochen: ,Die ältesten Nekropolen gehören einer Bevölkerung an, deren Überreste mit der von Schliemann bei Hissarlik aufgedeckten Kultur eine so weit ins Einzelne gehende Übereinstimmung zeigen, daß bloße Beeinflussung nicht angenommen werden kann, sondern Identität der Bevölkerung angenommen werden muß. Die Reste dieser Bevölkerung repräsentieren eine Fortbildung der troischen Kultur, sie reichen spätestens bis zur dorischen Wanderung herab, aufwärts wahrscheinlich bis in das 3. Jahrtausend‘. Die Bevölkerung jener Zeit lebte von Ackerbau und Viehzucht im mittleren und östlichen Teil der Messaria zwischen den beiden Gebirgen und hat wohl zuerst die Rodung des Waldes der Niederung in Angriff genommen, s. Myres 14f. und die Fundkarten ebd. Taf. I sowie bei Dümmler Beil. II. Zu den Hauptfundstellen gehören die Nekropole von Ajia Paraskevi 1¼ km südlich von Nikosia und der Tafelberg Leondari Vuno, worüber o. V.

XV. Mykenische Zeit. Ägypten. Um die Mitte des 2. Jahrtausends können wir auch in K. den Beginn der mykenischen Zeit ansetzen. Die Fundstellen erstrecken sich von Lapethos an der Nordküste durch die mittlere Messaria über Nikosia nach Larnaka und an der Südküste westlich über Kurion bis Alt-Paphos. Auch die Nekropole von Enkomi bei Salamis, wo die Vorläuferin der späteren Stadt gelegen haben muß, gehört hieher, s. Salamis S. 1840f. und Karte S. 1837 (Schriftfehler Eukomi). Gegen Murray Excavations in Cyprus. London 1900, der die Ansiedlung um 800 ansetzen wollte, haben Evans Journ. Anth. Inst. 1900, 199f. und Furtwängler Ant. Gemmen III 439f. den vollmykenischen Charakter der Funde betont und letzterer die Zeit um 1200-1000 angesetzt. Karte der mykenischen Fundstätten bei Myres Taf. I und Fimmen S. 96f. Ein lebhafter Verkehr fand damals im östlichem Mittelmeer statt, wie der kyprisch-mykenische Export nach Athen, Melos, Thera, Troia, Palästina, Ägypten, anderseits ein starker Import, besonders in spätmykenischer Zeit, auf K. zeigt, Myres 18. 20. Fimmen 104f. In die mykenische Periode fallen die engeren Beziehungen von K. zu Ägypten. Die Anfänge reichen bis in die Bronzezeit zurück, aber von Thutmosis III. an (1500-1450) werden die ägyptischen

[86] Funde auf K., hauptsächlich Skarabäen auffallend häufig. Die Eroberung der Insel durch diesen König oder wenigstens ein Abhängigkeitsverhältnis kann als ziemlich sicher gelten, OC 3. 421. Pietschmann Gesch. d. Phöniz. 1889, 254ff. Myres 20. Lichtenberg 1-4. Breasted Gesch. Aegyptens. Deutsch von H. Ranke 1910, 259. 264. Noch in die Zeit der 18. Dynastie gehören auch die o. u. I besprochenen Amarnabriefe um 1400. Sie zeigen uns Alasia als ein einheitliches Königreich, dessen Herrscher mit dem von Ägypten auf gleichem Fuße verkehrt, ja ihm sogar politische Ratschläge erteilt (nr. 35). Einmal (nr. 38) ist von einem Einfall der Lukki (Lykier?) die Rede, welche ,Jahr für Jahr in meinem Lande eine kleine Stadt nehmen‘, ein andermal von einer verheerenden Krankheit, nr. 35 Z. 18f. in meinem Lande hat die Hand Nergals, meines Herrn, alle Menschen meines Landes getötet, und so ist keiner da, der Kupfer bereitet. Z. 37f. denn die Hand Nergals ist in meinem Lande und in meinem Hause. Aus nr. 37 a. E. erfahren wir einige Namen von Alasialeuten Paštumme Kunêa Etilluna Ušbarra usw., die Hommel 62 z. T. für griechisch hält, s. Weber bei Knudtzon S. 1083. Lichtenberg 14 erklärt sie wohl richtiger für weder griechisch, noch semitisch. In dem Bericht des Wen Amon aus dem 11. Jhdt. (s. o. I} werden die Ägypter von der phoinikischen Küste nach Alasia verschlagen, wo damals eine Fürstin Htb (Hatiba ?) herrschte und eine vom Ägyptischen durchaus verschiedene Sprache gesprochen wurde, vgl. den Text OC 423 und Lichtenberg 9. Gegen die seit W. Max Müller allgemein angenommene Gleichung von Alasia mit K. hat nun, wie schon o. I hervorgehoben, Wainwright mit einer eingehenden Begründung Einspruch erhoben, die nicht leicht abzuweisen ist. Müllers Hauptargument war das Kupfer, die Bestätigung durch den Apollon Alasiotas wurde gleichzeitig von Jensen und mir hinzugefügt. Gegen ersteres führt nun Wainwright das Vorkommen von Kupfer auch in Nordsyrien an, wovon allerdings die antiken Quellen nichts wissen. Ich muß das Gewicht dieses Gegengrundes vorläufig dahin gestellt sein lassen. Apollon Alasiotas scheint auf den ersten Blick zwingend zu sein, ist es aber doch nicht, wenn wir an den auf K. mehrfach bezeugten Ἀπόλλων Ἄμυκλος רשף מכלRescheph Mikal denken, in dem augenscheinlich der von den Achäern eingeführte Gott von Amyklai fortlebt, s. den Art. Apollon o. Bd. I S. 43. Rescheph Bd. I A S. 620. Wainwright 6f. führt andere Beispiele solcher Übertragung an. Die Elefantenzähne als Ausfuhrartikel (Brief nr. 40) sind jedenfalls auffällig und könnten nur durch Tauschhandel nach K. gekommen sein; an den längst ausgestorbenen Elephas cypriotes (o. X) ist dabei nicht zu denken. Zweifel erregen mir ferner der für das Festland naheliegende, für K. aber schwer verständliche Gebrauch der babylonisch-assyrischen Sprache in den Briefen sowie die deutliche Bezeichnung von Alasia als einheitliches Reich, während wir sonst auf K. von der assyrischen bis zur Ptolemäerzeit nur Stadtfürstentümer kennen. So scheint also die Gleichung Alasia = K. stark erschüttert, [87] wenn auch das Kupfer, Apollon Alasiotas und der von Lichtenberg nachgewiesene Ortsname Alassos sowie die Seefahrt des Wen Amon erheblich ins Gewicht fallen. v. Bissing Die stat. Taf. von Karnak 1897, 47f. bestreitet auch die Gleichung Jsj = K. Wenn wir dieses also in der Siegesliste Seti I. (um 1300) bei Brugsch Gesch. Aeg. 466 finden, ist für K. nicht viel darauf zu geben, auch wenn man nicht mit Ed. Meyer Gesch. Aeg. 284 die ganze Liste für Prahlerei erklärt; doch treten Lichtenberg 8 und Breasted 325 dafür ein. Von Ramses III. (um 1200) teilt Brugsch 603f. eine Städteliste vom Tempel zu Medinet Habu mit, in der Salomaski Kathian Aimar Sali Ithal [M]aquas Kerena (Kelena) Kir . . . auf Salamis Kition Marion Soloi Idalion Akamas Kerynia Kurion bezogen werden. Ich glaubte OC 4f. 421 mit Ebers und Wiedemann die Gleichstellung ablehnen zu müssen, sehe aber, daß sie von Evans Scripta Minoa I 75, Lichtenberg 67f. und Wainwright 16, 1 gestützt wird. Nach dem, was wir jetzt über das mykenische Alter mehrerer jener Städte wissen, kann es nicht mehr befremden, sie in Texten der 19. Dynastie zu finden. Wie weit im einzelnen die Namen sich decken, ist natürlich eine andere Frage. Damit erhebt sich aber eine neue Schwierigkeit, wenn K. Alasia ist, das wir im 11. Jhdt. (Wen Amon) wieder als einheitliches Reich finden. Ein Einheitsstaat im 14. und 11. dann Stadtfürstentümer im 12. und dieselben wieder im 7. Jhdt. (s. u.) sind unvereinbar. Entweder ist die Liste falsch gedeutet oder Alasia ist nicht K.!

Während der Niederschrift dieses Abschnittes kommt mir der Aufsatz von Schachermeyer Zum ältesten Namen von K. zu, Klio XVII 230-239 (1921), wo Alasia = K. gegen Wainwright aufrechterhalten wird. Ebd. 238 über die von Forrer bekannt gemachten, aber noch nicht vollständig veröffentlichten Texte von Boghas kōi, in denen jetzt Alasia auch nachgewiesen ist, u. a. eine Stelle ,aus (der Stadt) Alasia vom Berge Taggata hat man Kupfer gebracht‘. S. dazu auch Knudtzon Amarnatafel 1077. Wainwright 27. Bezeichnete Alasia nur einen Teil von K., so würden manche Bedenken schwinden und wäre auch die Beziehung des biblischen Elischa (neben Kittim, s. o. 1) auf Alasia möglich. Für eine solche Beschränkung des Namens spricht dessen lokales Fortleben im Südosten der Insel, dagegen freilich die Vorstellung, die man aus den Amarnabriefen von dem Reich Alasia gewinnt. Mit einer Erklärung des Namens beschäftigt sich neuerdings in gewagten Vermutungen G. Hüsing Wien. Prähist. Ztschr. 1921, 40f.

Ebenfalls während des Druckes erhalte ich die Abhandlung von Junker Der nubische Ursprung der sog. Tell el-Jahudîye-Vasen. S.-Ber. Akad. Wien 1921. 198. Was dort S. 58f. 63f. 83ff. 127ff. über das Vorkommen dieser eigenartigen Keramik auf K. gesagt ist, spricht für Beziehungen zu Ägypten in vormykenischer Zeit, mindestens um 1600, möglicherweise für eine Abhängigkeit von den Hyksos oder doch für die Anwesenheit nubischer Söldner auf K. Vgl. dazu u. XVI a. E.

Hiemit schließen die historisch bezeugten [88] Beziehungen von K. zu Ägypten, um erst mit Amasis (s. u.) wieder aufzutreten. Wir müssen nun noch der Frage nähertreten, welche Bevölkerung auf K. vor den jedenfalls schon in mykenischer Zeit anwesenden Griechen gelebt haben kann. Einen Fingerzeig hiefür geben uns die Schriftdenkmäler.

XVI. Silbenschrift und Urkyprisch. Seit v. Hammer Topogr. Ansichten (Wien 1811) sind aus K. Inschriften und Münzlegenden in eigentümlichen, mit keiner sonst bekannten Schrift identischen Schriftzeichen bekannt. Sie sind zuerst in größerer Zahl in dem Werk des Herzogs de Luynes Numismatique et inscript. cypriotes (Paris 1852), dann vom Graf Vogüé Mél. d’Arch. (Paris 1868) und Journ. As. 1868 und Ham. Lang Transact. Soc. Bibl. Arch. I 1872, 116-128 (mit Schrifttafel) gesammelt worden. Ihre Bedeutung lag lange Zeit im Dunkeln und hat zu sonderbaren wissenschaftlichen Verirrungen geführt, wie die auf Kosten von de Luynes luxuriös herausgegebene Veröffentlichung des Sanskritisten Röth Die Proklamation des Amasis an die Cyprier, Heidelberg 1855, 2. (Titel-)Aufl., Berlin 1869, worin der gänzlich mißglückte Versuch gemacht wurde, die Erztafel von Idalion (s. d. o. Bd. IX S. 868) mit Hilfe des phoinikischen Alphabets zu erklären. Trotz der Abfertigung durch Ewald Gött. Gel. Anz. 1855, 1761ff. wurde ein ähnlicher Weg nochmals betreten von Helfferich Die phönizisch-cyprische Lösung, Frankfurt 1869 (s. die erheiternde ,Übersetzung‘ der genannten Inschrift auf S. 48f.). Da wurde 1872 die gelehrte Welt durch die Entdeckung des Assyriologen Smith Transact. a. O. 129-144 überrascht, daß die erwähnten Denkmäler griechische Texte in einer Art syllabarer Keilschrift enthielten. Die Versuche zur Entzifferung, unterstützt durch doppelsprachige Inschriften in kyprischer und phoinikischer Schrift, wurden fortgesetzt von Birch ebd. 153-172 und besonders Brandis Versuch zur Entziff. der kypr. Schrift, Monatsbericht Akad. Berl. 1873, 643-671, ferner von Deecke und Siegismund in G. Curtius Studien VII 1874, Moriz Schmidt Die Inschrift von Idalion und das kyprische Syllabar, Jena 1874 (autographiert), Ahrens Philol. XXXV. XXXVI (1875/76). Mit der ,Sammlung kyprischer Inschriften in epichorischer Schrift‘ von M. Schmidt Jena 1876 (21 Facsimile-Tafeln) war die Periode der Entzifferungsvereuche im wesentlichen abgeschlossen, und nur einzelnes noch aufzuklären. Über die weitere Literatur hat Deecke in Bursians Jahresber. B. 11. 19. 28. 44 berichtet und in der ,Sammlung griechischer Dialektinschriften‘ von Collitz I 1884 S. 1-80 (mit Schrifttafel) das bis dahin vorliegende Material zusammengefaßt. Wichtige Nachträge hiezu mit Übersicht der seither erschienenen Literatur enthält Meister Die griechischen Dialekte II 1889, 131-203. 320-327. VI-IX. Gegen die Kritik von O. Hoffmann Gött. Gel. Anz. 1889, 886ff., der selbst eine neue Sammmlung der Inschriften in ,Die griech. Dialekte‘ I 1891, 35-99 brachte, wandte sich Meister Zum eleischen, arkadischen und kyprischen Dialekte, Leipzig 1890. Die im Museum zu New York befindlichen Inschriften sind beschrieben

[89] und vorzüglich abgebildet, z. T. mit zugehörigen Reliefdarstellungen, bei Cesnola. Descr. Atlas III 5 Taf. CXXIV-CXLI. Weiteres Material an kyprischen Inschriften bringt Meister Ber. Sächs. Ges. d. Wiss. Phil. Kl. 1910, 233-247 Taf. I-III und S.-Ber. Akad. Berl. 1911, 630-650 Taf. IV (aus Rantidi bei Alt-Paphos).

Entgegen früheren Vermutungen hat die Entzifferung gezeigt, daß die Inschriften in griechischer Sprache, und zwar dem der Insel eigentümlichen Dialekt abgefaßt waren. Daran mußte sich notwendig die Frage schließen, wie die Griechen auf K. zu dieser eigentümlichen, dem griechischen Lautsystem so gar nicht angepaßten Silbenschrift gekommen waren. Als Probe möge der Anfang der großen Inschrift von Idalion (Collitz-Deecke nr. 60. Hoffmann S. 68-73) mit Umschrift der Syllabarzeichen hierher gesetzt sein:

o. te. | ta. po. to. li. ne. e. ta. li. o. ne. | ka. te. vo. ro. ko. ne. ma. to. i. | ka. se. ke. ti. e. ve. se.
     Ὅτε τὰ(ν) πτόλιν Ἰδάλιον κατέϝοργον Μᾶδοι κὰς Κετιῆϝες.

Als weiteres Beispiel sei eine der neu gefundenen Weihinschriften aus Rantidi (Meister 1911 nr. 15) angeführt:

ku. po. ro. ke. re. te. se. a. ri. si. to. ta. mo. a. po. lo. ni. o. ne. te. ke. i. tu. ka. i. a. za. fa. i.
     Κυπροκρέτης Ἀριστοδάμῳ ∣ Ἀπόλ(λ)ωνι ὀνέθηκε ἰ(ν) τύχαι ἀζαθαῖ.

Kann eine derartige Silbenschrift für ein griechisches Idiom erfunden worden sein? Sicher nicht! Sie kann nur von einem Volke herrühren, das eine Sprache von anderem Typus redete. Welcher Art war dieses Volk? Dafür geben uns nun, abgesehen von Andeutungen der Alten und den archäologischen Funden, einige neu entdeckte Inschriften Aufschluß, welche die vorläufig linguistisch noch nicht faßbare kyprische Ursprache enthalten. Die ersten Proben davon, gaben zwei 1910 im Ashmoleanmuseum in Oxford aufgefundene Inschriftsteine, deren Herkunft nicht mehr festgestellt werden konnte, aber nach dem Schriftcharakter auf K. zurückgeführt werden muß. Sie sind von Meister Kyprische Syllabar-Inschriften in nichtgriechischer Sprache, S.-Ber. Akad. Berl. 1911, 166-169 Taf. I veröffentlicht worden. Dadurch wurde man erst auf zwei weitere, 1896 in Limassol, also dem Gebiet des alten Amathus, gefundene und seither unbeachtet im Louvre gelegene Inschriftsteine aufmerksam, die nun von Vendryes Mém. Soc. Linguist. XVIII 1913, 271-280 (2 Taf.) herausgegeben und eingehend besprochen wurden. Der größere Stein enthält einen ziemlich langen, aber schlecht leserlichen Text. Auch zwei andere, längst bekannte, doch bisher unerklärte Inschriften von Amathus, Collitz-Deecke nr. 53. 54, gehören nach Vendryes zu dieser Gruppe. Zu diesen sechs urkyprischen Inschriften kommt nun überraschenderweise noch eine Bilinguis von Amathus, veröffentlicht von Sittig Ἐφημ. ἀρχ. 1914, 1f. Sie lautet:

a na | ma to ri | u mi e | sa i mu ku la i la sa na | a ri si to no se | a ra to va na ka so o se ke | ra ke re tu lo se ta ka | na o mu so ti | a lo | ka i li po ti
     Ἡ πόλις ἡ Ἀμαθουσίων Ἀρίστωνα ∣ Ἀριστώνακτος εὐπατρίδην.

[90] Die griechische Inschrift, paliographisch aus der zweiten Hälfte des 4. Jhdts., ist augenscheinlich kürzer als die urkyprische, scheint aber im wesentlichen deren Sinn wiederzugeben. Der Name Ἀρίστων ist im fünften Abschnitt unverkennbar, statt des fo1genden Ἀριστώνακτος scheint dort Aratovanaks zu stehen, wie Kretschmer Glotta VIII 252 bemerkt. Ich kann mich auch der Vermutung nicht enthalten, daß im Anfang der Name der Stadt Amathus erhalten sei. Andererseits kehren die Anfangssilben a na in der zweiten Inschrift von Oxford wieder. Was sonst sprachlich zu den bis jetzt bekannten Inschriften zu bemerken ist, hat Kretschmer a. a. O. und Glotta V 260f. VII 38 zusammengefaßt. Er vermutet Zusammenhang mit den kleinasiatischen Ursprachen, wohin ja auch die älteste Kultur (s. o. XV) und Ortsnamen wie Tamassos Nemessos u. a.; s. unter XXI, weisen. Aber von einer Lösung des Rätsels sind wir noch weit entfernt. Nur eines ist klar. Auf K., speziell in Amathus, wurde noch bis 300 v. Chr. urkyprisch gesprochen. Das rückt die Nachricht bei Skyl. 103, wonach Amathus von Autochthonen bewohnt war und noch andere ,barbarische‘ Städte sich im Binnenlande befanden, in ein neues Licht. Nach Theop. 111 waren die Amathusier ein Rest der von den Griechen unter Agamemnon vertriebenen Leute des Kinyras, also der vorgriechischen Bevölkerung, und Steph. Byz. nennt Ἀμαθοῦς· πόλις Κύπρου ἀρχαιοτάτη, ἐν ᾗ Ἄδωνις Ὄσορος ἐτιμᾶτο, ὃν Αἰγύυπτιον ὄντα Κύπριοι καὶ Φοίνικες ἰδιοποιοῦνται. Die Beziehungen des Adonis zu Osiris kennt auch Lukian. π. Συρ. θεοῦ 7, s. o. Bd. I S. 387. Ohne damit auf die umstrittene Herkunft des Adonis, worüber jetzt auch Kretschmer Glotta VII 29-39, eingehen zu wollen, sei daran eine andere merkwürdige Nachricht über die Herkunft der Bewohner von K. geknüpft. Sie findet sich Her. VII 90, bei der Aufzählung des persischen Heeres. Dort werden unter den Stämmen (ἔθνεα) der Kyprier neben Griechen aus Salamis, Athen, Arkadien, Kythnos genannt οἱ δὲ ἀπὸ Φοινίκης, οἱ δὲ ἀπὸ Αἰθιοπίης, ὡς αὐτοὶ Κύπριοι λέγουσι. Mit diesen Aithiopen hat bisher kein Erklärer etwas Rechtes anzufangen gewußt, so auch Enmann Kypros und der Ursprung des Aphroditekultus, Mém. Ac. St. Pétersb. 1886. 59f. Aber die Ausführungen Junkers (o. XV) über die Tell el Jahudîye-Vasen lassen in der Tat eine nubische Einwanderung als möglich erscheinen, und der anthropologische Befund eines starken Einschlages der mediterranen Rasse (o. XII) führt in letzter Linie ebenfalls auf Nordafrika. Damit sollen nur Möglichkeiten angedeutet und keineswegs gesagt sein, daß die Verwandschaft der Urkyprier vorwiegend nach dieser Richtung gesucht werden muß. Die Mehrzahl der Momente spricht doch für Beziehungen zu Kleinasien, so auch die Übereinstimmung einzelner Schriftzeichen mit solchen des karischen, lykischen, pamphylischen Alphabetes, s. Meister Dial. 130f. Evans Scripta Minoa I 68. 76f. Letzterer hat aber auch auf den Zusammenhang mit kretischen Schriftzeichen und den Einfluß der mittel- und spätminoischen Kultur hingewiesen, freilich nicht in dem Sinne, daß die Besiedelung [91] von K. aus Kreta erfolgt sein müßte, sondern auf dem Umweg über die von minoischer Kultur beeinflußten vordorischen Griechen des Peloponnes (Evans 74). Vgl. dazu jetzt auch Sundwall u. XXII. Art. Kreta o. Bd. XI S. 1762f. Das führt uns nun zu Kapitel

XVII. Griechische Bevölkerung. Ich muß mich von hier ab kurz fassen und kann für Einzelheiten auf die bekannten Darstellungen der alten Geschichte sowie die einschlägigen Artikel der R.-E. verweisen. Die überlieferte Sagengeschichte über die griechische Besiedelung von K. hat Engel I 203-229 ausführlich zusammengestellt. Neuere Zusammenfassungen bei Busolt Griech. Gesch. I² 318ff. E. Meyer Gesch. d. Alt. II 219-228. Meister Griech. Dial. II 126ff. Die vornehmste Stelle unter den Gründungssagen nehmen die von Salamis und über die arkadische Einwanderung ein. Über erstere s. Art. Salamis S. 1833 und Teukros. Wichtig und offenbar echte Überlieferung ist die als Landeplatz des Teukros an der Nordküste genannte Ἀχαιῶν ἀκτή, s. o. Bd. I S. 205 und meine Bemerkungen in Ztschr. Ges. f. Erdk. 1892, 449f. (mit Kartenskizze). Wir ersehen daraus, daß der Zug der Achäer an der Nordküste entlang ging und von hier an der Stelle, wo die Nordkette in nur 250 m gegen den Karpas hin abfällt (OC 173), in die Mündungsebene des Pidias hinüberführte. Denselben Übergang haben auch die Perser 499 und Demetrios 306 bei ihrem Angriff auf Salamis benützt. Vorgebirge Akamas (o. IV), dessen Name mit dem attischen Heros (o. Bd. I S. 1145) in Verbindung gebracht wird, schieden sich die Wanderzüge der Achäer. Der Westküste entlang kam Agapenor, der Führer der Arkader (o. Bd. I S. 733f.}, nach Paphos (Paus. VIII 5, 2 und andere Stellen bei Meister 127), wo nach anderer Überlieferung Kinyras als Vertreter der einheimischen Bevölkerung herrschte, s. o. Bd. XI S. 484ff. Meyer II § 146. Nach Teukros und Agapenor nennt Lykophr. 446-591 in seiner langatmigen Aufzählung der Kolonisten von K. den Akamas, dann den Lakonen Praxandros aus Therapnai und den Achäer Kepheus mit Leuten aus Olenos, Dyme und Bura; er hat wahrscheinlich aus einer der verlorenen Spezialschriften über K. (o. II) geschöpft, s. Holzinger zu Lykophr. S. 238-259. Die lakonische Kolonie bestätigt auch Strab. XIV 682, der Lapethos als Gründung des Praxandros bezeichnet, und der von Steph. Byz. im Binnenlande bezeugte Ortsname Λακεδαίμων. Auf Achaia weist der Stadtname Keryneia. Kurion (s. d.) wird von Her. V 113. Strab. XIV 683 als Gründung der Argiver bezeichnet, Golgoi (o. Bd. VII S. 1579) von Steph. Byz. als solche von Sikyon. Außerdem nennt Her. VII 90 Kolonisten aus Kythnos, also nach ebd. VIII 46. Steph. Byz. s. Κύθνος Dryoper, welche Diod. IV 37, 2 ausdrücklich für K. bezeugt, wo sie sich mit der Urbevölkerung vermischten.

Die Überlieferung setzte die griechische Einwanderung in K. nach dem Troianischen Krieg an, und die Neueren sind ihr mit den Ansätzen um die Wende oder nach Beginn des ersten Jahrtausends meist gefolgt. Aber heute kommen wir damit nicht mehr aus. Nach unserer jetzigen [92] Kenntnis der mykenischen Kultur und des Alters einzelner kyprischer Städte müssen wir mit Lichtenberg 65ff. für die ersten Wanderzüge wahrscheinlich bis in das 15. Jhdt. zurückgehen. Natürlich verteilen sich diese Züge auf einen langen Zeitraum, was schon aus der verschiedenartigen Herkunft der einzelnen Gruppen erhellt, und die letzten mögen in das 10. Jhdt. herabreichen. Evans 76 betont, daß mit Beginn der Eisenzeit, etwa 11. Jhdt., ein neuer Strom von Einwanderung aus der Aigaiis nach K. einsetzt. Deutlich grenzt sich nach der Überlieferung die südliche und östliche Küstenregion des Peloponnes bis hinüber nach Attika und zu den westlichen Kykladen als Ausgangsgebiet der griechischen Besiedelung von K. ab. Wenn der kyprische Dialekt, wie die Inschriften unwiderleglich erweisen, am meisten Beziehungen zum arkadischen zeigt, so ist das mit Meister 128f. und Hoffmann 7ff. nicht sowohl auf eine Einwanderung aus dieser Binnenlandschaft zurückzuführen, sondern darauf, daß der altachäische Stamm ,damals über die Halbinsel verbreitet, später von der Ost- und Südküste verdrängt, in Arkadien verhältnismäßig rein und unvermischt sich erhielt‘. Die dorische Wanderung hat zur Besiedelung von K. vielleicht den letzten, gewiß aber nicht den ersten Anstoß gegeben.

Die Eigenart des Dialektes war den Alten wohl bewußt und kommt in den zahlreich, besonders bei Hesychios, überlieferten Glossen zum Ausdruck. Sie sind bei Engel I 549-593, dann bei Rothe Quaestiones de Cypriorum dialecto et vetere et recentiore. P. I, Lips. 1875 und neuerdings von O. Hoffmann Bezzenbergers Beitr. XV 44-120; Griech. Dial. I 104-126 behandelt. Den wahren Charakter des Dialekts und seine enge Verwandtschaft mit dem arkadischen hat uns erst die Entzifferung der epichorischen Inschriften enthüllt. Hierauf beruhen die grundlegenden Darstellungen von Meister Griech. Dial. II 1889 (Grammatik mit Ergänzungen zur Sammlung der Inschriften von Deecke) und O. Hoffmann Griech. Dial. I 1891, wo die Inschriften in geographischer Anordnung neu gesammelt und der ,südachäische Dialekt‘ (arkadisch-kyprisch) als Einheit behandelt ist. Dazu kommt nun die eben erschienene Darstellung von Bechtel Die griech. Dialekte I. Berlin 1921, 397-454, welche jedoch die beiden vorgenannten Darstellungen nicht entbehrlich macht und nur die grammatischen Ergebnisse nach dem jetzigen Stand zusammenfaßt.

Der Gebrauch der Silbenschrift hat konservierend auf den Dialekt gewirkt. Mit der Einführung der gemeingriechischen Schrift seit etwa 400 und den lebhaften Beziehungen der Insel zu Athen im 4. Jhdt. drang mehr und mehr das attische Idiom in den Schriftgebrauch ein, und seit 300 ist der Dialekt, von einzelnen bewußten Archaismen abgesehen, aus der Schriftsprache verschwunden, Meister 196ff. Hoffmann 41f. will diese Grenze weiter herabsetzen. Wie lange er sich im Volksmunde noch erhalten hat, wissen wir nicht; aber zur neukyprischen Mundart führt von dort keine andere Brücke als die κοινή (o. XII).

XVIII. Phoiniker. Sie galten einst als die [93] ältesten Bewohner von K. Engel 165ff. Man wußte damals noch nichts von der Urbevölkerung und überschätzte Bedeutung und Einfluß der phoinikischen Kultur. Die archäologische Forschung hat zu anderen Ergebnissen geführt. Phoinikischer Einfluß in K. ist erst mit Beginn der Eisenzeit um 1000 nachzuweisen, Myres 19ff. Lichtenberg 49. 67f. Dümmler Ath. Mitt. 1886, 212 und Ohnefalsch-Richter haben zuerst die vorphoinikische Kultur von der ,griechisch-phoinikischen‘ scharf geschieden. Gleichwohl können wir mit Meyer Gesch. d. Alt. II 221f. die Annahme nicht abweisen, daß Phoiniker schon in mykenischer Zeit nach K. gekommen sind, da wir sie damals bereits in der Aigaiis und spätestens um 1000 im westlichen Mittelmeer finden, Busolt 263ff. Pietschmann Gesch. d. Phöniz. 279ff. Meltzer Gesch. d. Karth. I 11ff. K. aber war naturgemäß die erste Station auf dem Wege nach Westen. Nur brauchen wir keine dauernde Niederlassung für jene Zeit anzunehmen. Allerdings setzten die Chronographen die Gründung von Paphos um 1425 an, Hieron. bei Euseb. ed. Schoene II S. 34f. (590 nach Abraham). Synkell. 299 Bonn. Heister 130 A; aber wenn man dieser Berechnung überhaupt einen Wert beimißt, steht keineswegs fest, daß die Gründer Phoiniker waren, obwohl die ganz ungriechische Anlage des Tempels von Alt-Paphos dafür sprechen könnte; Näheres muß dem Art. Paphos vorbehalten bleiben. Auch das Alter von Kition, der wichtigsten phoinikischen Stadt auf K., reicht, wie o. Bd. XI S. 536 gezeigt, in die mykenische Zeit zurück. Hier wissen wir gar nichts über die Gründung; der Name könnte wohl semitisch sein. Anscheinend war hier der erste feste Stützpunkt der Phoiniker und jedenfalls in historischer Zeit ihr stärkster Rückhalt.

Einen Anhaltspunkt für die Verbreitung der phoinikischen Sprache auf K. geben die Inschriften. Sie sind gesammelt und kritisch bearbeitet von Renan in CISem. I 1, Paris 1881. Eine spätere, durch neuere Funde ergänzte Zusammenstellung mit deutscher Übersetzung in bequemer Übersicht, doch ohne philologische Behandlung der Texte, gibt v. Landau Beitr. z. Altertumsk. d. Orients II (Leipzig 1899). Hieraus ergibt sich für die Herkunft der phoinikischen Inschriften folgende Übersicht:

  • Kition CIS nr. 10-86. La. nr. 15-93
  • Idalion CIS nr. 88-94. La. nr. 94-102
  • Tamaseos La. nr. 103. 104 (nach Euting S.- Ber. Akad. Berl. 1887, 113ff.)
  • Lapethos CIS nr. 95. La. nr. 105
  • Golgoi CIS nr. 96.

Der Zeit nach gehören die phoinikischen Inschriften meist in das 4. Jhdt. v. Chr., nur einige, CIS nr. 93-95, fallen unter die Herrschaft der beiden ersten Ptolemäer. Das 5. und 4. Jhdt. v. Chr. ist die Periode scharfer Spannungen zwischen hellenischem und semitischem Volkstum, die hier an den Enden ihres Verbreitungsgebietes zusammenstießen. Was wir davon wissen, mutet an, wie das Ringen zwischen deutschem und slavischem Volkstum an der polnischen und tschechischen Sprachgrenze. Einige charakteristische Stellen aus den kyprischen [94] Reden des Isokrates zeigen, daß es sich dabei nicht nur um einen Gegensatz der Sprache, sondern einen solchen der ganzen Kultur handelt, so Euag. 19 über den Usurpator Abdemon in Salamis (Bd. I A S. 1834) ἀφικόκμενος ἐκ Φοινίκης ἀνήρ – τήν τε πόλιν ἐξεβαρβάρωσε καὶ τὴν νῆσον ὅλην βασιλεῖ τῷ μεγάλῳ κατεδούλωσεν. Ebd. 47 von Euagoras παραλαβὼν γὰρ τὴν πόλιν ἐκβαρβαρωμένην καὶ διὰ τὴν Φοινίκων ἀρχὴν οτε τοὺς Ἕλληνας προσδεχομένην οὔτε τέχνας ἐπισταμένην οὔτ’ ἐμπορίῳ χρωμένην Weiter 49f. πρὶν μέν γε λαβεῖν Εὐαγόραν τὴβν ἀρχὴν οὕτως ἀπροσοίστως καὶ χαλεπῶς εἴχον, ὥστε καὶ τῶν ἀρχόντων τούτους ἐνόμιζον εἶναι βελτίστους οἵ τινες ὠμότατα πρὸς τοὺς Ἕλληνας διακείμενοι τθγχάνοιεν νῦν δὲ τοσοῦτον μεταπεπτώκασιν, ὥσθ’ ἀμιλλᾶσθαι μὲν οἵ τινες αὐτῶν δόξουσι φιλέλληνες εἶναι μάλιστα usw. Dem vorübergehenden Eindringen des phoinikischen Elementes in Salamis und Idalion (vgl. o. Bd. IX S. 868) entspricht auf der anderen Seite die Unterbrechung der phoinikischen Königsreihe in Kition durch Demonikos (o. Bd. XI S. 587f.). Die Zeit der persischen Vormacht und das Hellenisierungsbestreben des Euagoras bezeichnen Vorstöße nach der einen und der andern Richtung. Auch in Privaturkunden wirft die Mischung phoinikischer und griechischer Namen, oft in derselben Familie, ein Licht auf die nationalen Verhältnisse; doch kann das hier nicht im einzelnen verfolgt und muß auf die speziellen Artikel verwiesen werden.

Wie lange sich das Phoinikische als Umgangssprache in einem Teil von K. gehalten hat, wissen wir nicht; schwerlich länger als auf dem Festland, wo es ebenso wie das Hebräische unter der Seleukidenherrschaft durch das Aramäische verdrängt wurde. Für das Ausklingen des phoinikischen Volkstums auf K. haben wir nur ein Argumentum ex silentio, beginnend mit Ptolemaios II. Ein Ersatz dafür waren die um dieselbe Zeit massenhaft einströmenden Juden, worüber unter XXf. und Salamis Bd. I A S. 1887.

Über die Stellung der Phoiniker zur kyprischen Kunst haben sich die Meinungen mehrfach verschoben. Der früheren Überschätzung ihres Einflusses als Vermittler orientalischer Kultur ist eine Periode der Reaktion gefolgt, welche von den Spuren der Phoiniker innerhalb des hellenischen Kulturkreises so gut wie nichts übrig lassen wollte. Neuerdings sucht jedoch Poulsen (o. Abschn. XIII} die selbständige Bedeutung der phoinikischen Kunst darzutun und speziell die aus K. (Amathus, Idalion. Kurion, Salamis) bekannten, etwa dem 8. bis 7. Jhdt. v. Chr. angehörigen Metallschalen mit ägyptisierenden und assyrisierenden Darstellungen, welche Brunn Kunstg. I 98-106 und Dussaud 184f. für einheimische Arbeit erklären, als phoinikische Erzeugnisse nachzuweisen, s. Poulsen 4. 20ff. Mir scheint in dieser Frage Zurückhaltung am Platz. Ein Anteil der Phoiniker in der Übertragung vordersiatischer Kunstformen ist wohl auch bei der stilistisch so eigenartigen kyprischen Plastik nicht auszuschalten, worüber Brunn II 74ff. 76 A. 145.

XIX. Siedelungen. Im folgenden versuche ich eine alphabetische Zusammenstellung

[95] aller für das Altertum bezeugten Ortschaften auf K. So weit dieselben in der R. E. bereits einzeln behandelt sind, wird darauf verwiesen, die fehlenden und noch nicht behandelten kurz belegt oder weitere Ausführung für die folgenden Buchstaben oder die Nachträge vorbehalten. Andere geographische Namen von Flüssen, Bergen, Vorgebirgen sind hier nicht aufgenommen; sie sind in den vorhergehenden Abschnitten besprochen und bereits OStud. zusammengestellt. Vgl. die nebenstehende Kartenskizze.

Pauly-Wissowa XII,1, 0097 b.jpg
  • Achaion Akte s. o. XVII und Bd. I S. 205.
  • Aipeia (Αἴπεια), Burgsiedelung, von Demophon, S. des Theseus {o. Bd. V S. 149ff.) angelegt, Plut. Sol. 26. Steph. Byz Eustath. Il. X 152. Von Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1890 S. 219f. auf einem 246 m hohen Berge 4 km nordwestlich von Soloi nachgewiesen. Näheres s. Soloi. Eine gleichnamige Stadt in Messenien s. o. Bd. I S. 1044.
  • Akra, Steph. Byz. Ἄκρα - πόλις - ξ Κύπρου, tatsächlich keine Stadt, sondern nach Stad. m. m. 307. 315. Strab. XIV 682 ἄκρα καὶ ὄρος Ptol. V 13 (14), Κλεῖδες ἄκρα die Spitze der Halbinsel Karpasia, s. o. Bd. X S. 1996ff.
  • Akragas, Steph. Byz. Ἀκράγαντες πόλεις πέντε – ἔστι καὶ Κύπρου.
  • Alampria, Stadt mit eigenem Bezirk nach Inschr. Collitz I nr. 60 I. ἰ(ν) ἰρωνι τῶι Ἀλα(μ)πριjάται. Meister Dial. II 151; noch jetzt Alambra südlich von Idalion, worüber Cesnola 81ff.
  • Alexandreia, Steph. Byz. Ἀλεξάνδρεια - ἐνάτη ἐν Κύπρῳ. Nach Engel I 74 auch bei Eustath. und Chron. Pasch. (?). Vielleicht eine Gründung Alexanders d. Gr., Droysen Hellen. III 2, 242f. Im Mittelalter Dorf und Leben Alexandrete Mas Latrie Hist. I 123. III 224. 2. 261, 3. Ru. bei Eleni an der Nordküste östlich vom Vorgebirge Kallinusa. (C. Pomo), Oberhummer Ztschr. Ges. Erdkde. 1890, 222.
  • Ἀλκάθου κώμη, Poll. II 95. Engel I 192.
  • Amamassos, S. o. Bd. I S 1723. Von Kiepert FOA VIII vermutungsweise westlich von Amathus angesetzt.
  • Amathus, s. o. Bd.I S. 1752 (unzureichend). Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 472. Englische Ausgrabungen 1893/4 s. ,Excavations in Cyprus‘ (A. H. Smith), London 1900, 89-126. Über Amathus als Hauptsitz der vorgriechischen Bevölkerung in historischer Zeit s. o. XVII.
  • Ammochostos (Ἀμμόχωστος), Stadt im Dünengürtel der Ostküste, durch seinen Hafen erst nach dem Verfall von Salamis am Ausgang Altertums zu einiger Bedeutung gelangt, vielleicht gleich Arsinoë 3 (s. u.), Stad. m. m. 304. Ptol. V 13 (14), 3 als Zusatz am Rand, s. die Ausg. Wilberg S. 361. Müller S. 956. Geogr. gr. Min. I S. CXXVIII. Von den Lateinern seit Anfang des 13. Jhdts. Famagusta genannt und in fränkischer Zeit die blühendste und reichste Handelsstadt der Insel, s. Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 460. Bei den Griechen heißt die Stadt auch später noch Ἀμόχουστος, so in der Chronik des Leont. Mach. 21. 36 u. ö. Bischofsliste von 1260 ἐν Ἀμμοχώστῳ παρὰ τῷ Καρπασίῳ [96] Const. Alex. IV bei Migne G 140, 1544f., dgl. 1609 Μωϊσῆς ἐπ. Ἀμοχούστου Miklosich Acta III 267. Daneben findet sich auch Φαμαγούστη Laon. Chalk. III 76 b Par.
  • Aphrodision, Stadt an der Nordküste, s. o. Bd. I S. 2727.
  • Arabanda Ἀράβανδα). Ort bei Lefkara, Neoph. bei Delehaye 239f. (s. u. XXI).
  • Argos, s. Bd. II S. 789 Nr. 11. Vgl. u. Arsos.
  • Arsinoë, drei Städte, nach der Schwester und Gemahlin Ptolemaios’ II. benannt:
    • 1. die früher Marion genannte Stadt an der Nordwestküste, später Bischofsitz, s. o. Bd. I S. 1278 Nr. 9 und Marion;
    • 2. an der Südwestküste zwischen Alt- und Neu-Paphos, s. o. Bd. I S. 1279 Nr. 11;
    • 3. an der Ostküste bei Salamis, s. o. Bd. I S. 1279 Nr. 10. Von Kiepert FOA VIII dem späteren Ammochostos (s. o.) gleichgesetzt, was nach Strab. 682 Σαλαμῖς – εἰτ’ Ἀρσινόη πόλις καὶ λιμήν· εἰτ’ ἄλλος λιμὴν Λεύκολλα ziemlich wahrscheinlich ist.
  • Arsos, wahrscheinlich = ἄλσος, in der östlichen Messaria. Funde s. Ohnefalsch-Richter Kypros S. 13. Nach Menardos Journ. Hell. stud. XXVIII (1908) 133ff. das ,Argos‘ des Ptol. Chenn. (s. o.).
  • Asataneta, Dorf, in welchem der aus K. stammende Patriarch Johannes der Almosengeber von Alexandria begraben wurde, Eutych. ann. interpr. Pocockio II 220 Ox.
  • Asine, von den argivischen Einwanderern aus der Heimat mitgebrachter Ortsname, haftet noch jetzt an der Asino genannten Gegend, s. o. Bd. II S. 1582 Nr. 4 und vgl. ebd. Nr. 1-3.
  • Βοὸς οὐρά, Ort an der Südküste, s. Bd. III S. 717. *Charbyris, Ort bei Paphos, s. o. Bd. III S. 2124.
  • Chytroi. s. o. Bd. III S. 2529-2532. Seither erschien Grégoire S. Démétrianos évêque de Chytri, Byz. Ztschr. XVI 1907, 204-240.
  • Constantia, s. o. Bd. IV S. 953-957.
  • Dianeuterion (Διανευτήριον), Ort an der Ostküste nördlich von Constantia, Polyb. vit. Epiphan. 54. 66 in Epiphan. ed. Dind. I 59. 75. Epit. vit. Epiphan. ebd. V S. XXI.
  • Dionia (Διωνία), Stadt auf K. nach Theop. 127. Steph. Byz.
  • Epidaurum, Stadt auf K. Plin. V 130.
  • Erystheia, Erythra(i). Stadt mit Kult des Apollon Hylates, Dion. Bass. bei Steph. Byz. s. Ἐρύσθεια; Nonn. Dion. XIII 445 (Ἐρύσθειαν var. Ἐρυθραίην, Ἐρυθραίη. Steph. Byz. Ἐρυθραί – καὶ Κύπρου ἄλλη, ἡ νῦν Πάφος. Sym. Met. vit. Spyr. 27 bei Migne G. 142. 417ff. κώμη Ἐρυθρά, 30 Stadien von Constantia, mit christlicher Kirche; dgl. Acta Spyr. bei Surius vit. Sanct. VI 969.
  • Golgoi, s. o. Bd. VII 8. 1579ff. Die von Neubauer in Comm. Momms. aufgestellte und vielfach angenommene Hypothese, daß G. = Kuklia (Alt-Paphos) sei, ist nicht mehr haltbar. Die Gleichung ist sprachlich ebenso unmöglich wie es sicher ist, daß in dem Ortsnamen Γιόρκους nicht ein ,Georgioa‘, sondern Γόλγοι, in kyprischer Aussprache Γόργοι, steckt, s. die Beispiele für den Wechsel von λ und ρ bei Menardos Journ. Hell. stud. XXVIII (19081 133ff. [97]
  • Hierokepia (Ἱεροκηπία, Ἱεροκηπίς), Ort bei Paphos, Strab. XIV 683f. Hiernach hat Hermol. Barb. (Rom 1492) wohl richtig Hierocepia statt [98] des überlieferten Hiere et Cepia bei Plin. V 130 vermutet. Der Name der ,heiligen Gärten‘ (der Aphrodite) hat sich jetzt in dem Dorf [99] Jeroskipu Γεροσκήπου erhalten, wo eine vorzügliche Quelle im Volksmund ,Bad der Aphrodite‘ genannt wird, Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1890 285, OC 129. 228. Engel II 297.
  • Hyle, s. Kurion o. Bd. XI S. 2214.
  • Idalion, s. Bd. IX S. 867-872.
  • Kargaia, Vorgeb. mit Hafen, 40 Stad. von Kuriakon (s. d.), Stad. m. m. 303 ἀκρωτήριόν ἐστιν ἔχον λιμένα ὕφορμον καὶ ὕδωρ , Hienach O Stud. 104. OC l27 = Kap Gata, ebenso R. Kiepert FOA VIII Text 20 Caraea. Doch ist die Lesung des Namens (Κραγαῖαι ?) und der Entfernung unsicher, s. C. Müller G. G. min. I S. CXLV. 502.
  • Karpasia, s. Bd. X S. 1996-1999.
  • Karteriupolis, Bischofstadt nach Act. Conc. chalced. 451 bei Harduin II 485 Καρτεριουπόλεως. Da der Name sonst nicht bezeugt ist, haben schon Labbé und Lequien eine Verschreibung für Καρπασίου πόλεως angenommen, s. Hackett Hist. of the Orth. Church of Cyprus 320.
  • Kermia, s. Kirboia.
  • Keryneia, s. Bd. XI S. 344-347.
  • Kinyreia, s. Bd. XI S. 486.
  • Kirboia, Stadt im mittleren Teil von K. Hierokl. 44 Κιρβοῖα. Const. Porph. them. I 15 Κέρμια (Κέρβεια ed. princ. Vulcan.). Theoph. chron. 424 de Boor Κεραμαία. Nach Roß 150f. im Nordwesten bei Morphu (?). Vgl. u. XX.
  • Kissoptera. κώμη Κισσόπτερα – προάστειον τῆς ἐπισκοπῆς Πάφου. Neophyt. laud. Gennad. 5 bei Delehaye 224 ; ebd. 7 τὸ τῆς ἐπισκοπῆς κτῆμα Κισσόπτερα, also das heutige Ktima.
  • Kition, s. Bd. XI S. 535-545.
  • Kleides, s. Bd XI S. 594.
  • Knidos. Eine Stadt dieses Namens auf K. wurde Ovid. met. X 531. Tzetz. chil. I 83 fälschlich angenommen, s. Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 458.
  • Koroneia, Κορώνεια – τετάρτη πόλις Κύπρου – πέμπτη πόλις Σαλαμινίων Κορώνη Steph. Byz. Ebd. s. Κορώνη - ἔστι καὶ Κορώνη μοῖρα τῆς Σαλαμῖνος τῆς ἐν Κύπρῳ, Von P. Schröder Glob. XXXIV (1878) 152 in Κορωνιαῖς an der Nordküste nachgewiesen. Vgl. Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 450, 6.
  • Kresion (Κρήσιον), Stadt auf K. nach Theop. 128. Steph. Byz.
  • Kurion, s. o. S. XI S. 2210-2214.
  • Kythereia, Kythroi, spätere Namensformen für Chytroi (s. d.).
  • Lakedaimon, Ort im Binnenlande, Steph. Byz. Eustath. Il. II 581. Vgl. o. XVII.
  • Lampadistos, Stadt auf dem Wege von Lapethos nach Tamassos, Act. Barn. 16 ἤλθομεν εἰς πόλιν Λαμπαδίστου bei Tischendorf Act. Apost. apocr. Dagegen heißt es im Synaxar vom hl. Johannes ὁ Λαμπαδιστής – ἐκ τῆς νήσου Κύπρου ἀπὸ κώμης Λαμπάδος, s. Delehaye (u. XXI) 256.
  • Lapethos, s. d. Art.
  • Ledrai, ass. Lidir, s. d. Art. und vgl. einstweilen Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1890, 213f.
  • Lemesos und Nemesos, in den Bischofslisten des M. A. oft neben Neapolis für die jetzt Limassol genannte Stadt, s. d. Art. Neapolis.

[100]

  • Leukara (τὰ Λεύκαρα), Geburtsort des Neophytos (u. XXI), dann oft genannt, jetzt Lefkara, Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 470f.
  • Leukolla (Λεύκολλα), Hafen an der Ostküste, Strab. XIV 682. Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 466.
  • Leukusia, die jetzt meist Nikosia genannte Hauptstadt der Insel, s. d. Art. und einstweilen Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1890, 212ff.
  • Limenia, Stadt an der Nordküste, westlich von Soloi, Strab. XIV 683, bei den Hagiographen Λιμνήτης oder Λίμνη, noch jetzt Limniti, s. Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1890, 221.
  • Makaria, Ort an der Nordküste , Ptol. V 13 (14), 4. Ruinen beschrieben bei Hogarth Devia 102f. (mit Karte).
  • Marion, Stadt an der Nordwestküste, s. d. Art.
  • Melabron (Μελαβρόν), Hafenort an der Nordwestküste, südlich vom Vorgebirge Krommyakon, 20 Stad. m. m. 310f.
  • Melandra, πενιχρὰ κώμη Μελάνδρα – πόλεως Ἀρσινόης (s. Arsinoë 9), Neoph. bei Delehaye 183. 198. 286. Noch jetzt Melandra.
  • Melanthos, von Hogarth Journ. hell. stud. IX (1888) 173. 26f., aus Inschriften erschlossener Name für Amargeti, nördlich von Paphos.
  • Μυρῖκαι, χωρίον ἱερὸν Ἀφροδίτης ἐν Κύπρῳ Hesych., wohl in der Gegend von Paphos.
  • Neapaphos, s. Paphos.
  • Neapolis, s. Lemesos.
  • Nemesos, s. Lemesos.
  • Nikosia, s. Leukusia.
  • Palaia (Παλαιά), 1) kleine Stadt an der Südküste zwischen Kition und Amathus, Strab. XIV 683, etwa bei Mazoto, Roß 165. - 2) Dorf mit Hafen, an der Ostküste, nödlich von Salamis, Stad. m. m. 306f. Vgl. Ptol. V 13 (14), 3 Ἐλαία ἄκρα. Ruinen nachgewiesen von Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 458, in der Buschwildnis von Vallia, s. o. V.
  • Palaipaphos. s. Paphos.
  • Panakron (Πάνακρον), Nonn. Dion. 446. Steph. Byz. Πάνακρα. Jetzt Weiler Πάναγρα am Westende der Nordkette, Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 430.
  • Paphos, s. d. Art.
  • Parymne, Ort, Act. Spir. 30 bei Surius VI 969.
  • Pegai (Πηγαί), Ort bei Keryneia, Steph. Byz.
  • Pergamon, literarisch nicht bezeugt, aber in dem Namen einer Kapelle der Panagia Pergaminiotissa, bei Roß 134 Παν. Περγάμου neben den Ruinen einer Stadt mit deutlicher Akropolis erhalten, Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 451f.
  • Phileus (Φιλεοῦς) Ort an der Nordostküste, Stad. m. m. 306f. OStud. 105. OC 12.
  • Polemios (?), Παροικία τοῦ Πολεμίου, Theod. vit. Spyr. v. Usener Jahrb. f. prot. Theol. 1887, 224, wahrscheinlich Polemidia bei Limassol.
  • Salamis, s. Bd. I A S. 1832-1844.
  • Sestos, auf K. zweifelhaft, s. d. Nr. 2.
  • Soloi, s. d. Art.
  • Stortyke - Στορτυκή – παροικία) bei Salamis. Polyb. vit. Epiph. 66 ed. Dind. I 76.
  • Tamassos, s. d. Art.
  • Tegessos, Dion. Bass. bei Steph. Byz. Τεγησσὸς πόλις Κύπρου, Hesych. Τεγησσὸς ἀκρωτήριον ύπρου. Vgl. Meister II 209. 251.

[101]

  • Tembros, Stadt auf K., Dion. Bass. bei Steph. Byz. s. Ἐρύσθεια und Τέμβρος, Nonn. Dion. XIII 444f. Jetzt Tembria im Tale Solia am Nordabhang des Troodos, wo im 15. Jhdt. casal Tembria genannt wird, Mas Latrie Hist. III 506; Chypre 416.
  • Theodosiana oder Theodosias, anscheinend vorübergebende Bezeichnung für Neapolis (s. d.) nach Theod. vit. Spyr. ed. Usener Jahrb. f. prot. Theol. 1887, 224 Ἰωάνου - ἐπίσκοπου Θεοδοσιάδος ἤτοι Νέας πόλεως τῆς Κύπρου. Act. conc. Chalced. 451 bei Mansi VI 949 Σωτῆρος Θεοδοσιανῆς ἐπέχοντος τὸν τόπον Ἡλιοδώρου ... καὶ Προεχίου Ἀρσινόης. VII 126 Sotere Theodosiadis tenente locum Heliodori episcopi Amathuntis et Proechii Arsinoae.
  • Thronoi (Θρόνοι), Stadt am gleichnamigen Vorgebirge (o. IV), Strab. XIV 683. Ptol. V 13 (14), 2. OC 126.
  • Tiberiupolis (Τιβεριούπολις), Bischofstadt, in Verbindung mit Karteriupolis (s. d.) genannt.
  • Tremithus, Bischofstadt in der Messaria, s. d.
  • Treta (Τρήτα), nach Strab. XIV 683 Ort beim Vorgebirge Τρῆτοι Stad. m. m. 300 an der Südküste zwischen Kurion und Paphos.
  • Urania (Οὐρανία), Stadt auf der karpasischen Halbinsel. Diod. XX 47, 2. Nonn. Dionys. XIII 451f. Lage nachgewiesen von P. Schröder Glob. XXXIV (1878). 153f. in einer noch jetzt τὸ Ῥάνι genannten Bergfestung bei Rhizokarpaso und bestätigt von O. Richter Berl. Phil. Wochenschr. 1891, 1000 (gegen Hogarth 95ff., der Schröders Arbeit nicht kannte).

Überblicken wir diese stattliche Reihe von Ortsnamen, so tritt die überwiegend griechische Namengebung klar hervor. Nur sehr wenige Ortsnamen können als phoinikisch angesprochen werden, so Kition und wohl auch Golgoi. Namen wie Salamis, Soloi usw., die ich selbst früher nach dem Vorgang von Olshausen u. a. für phoinikisch hielt, gehören Städten an, die historisch als ausgesprochen griechisch bezeugt sind. Die Namen der ältesten Siedlungen sind wahrscheinlich weder griechisch noch semitisch, sondem der Sprache der Urbevölkerung entnommen. so Amathus, Paphos, Idalion u. a. Hieher sind auch die Namen auf -ssos zu ziehen, welche von Kretschmer Einl. 311ff., E. Meyer § 506 in Griechenland und Kleinasien der vorgriechischen Bevölkerung zugeschrieben werden, nämlich Amamassos, Lemesos (Nemesos), Tamassos, Tegessos. Auch fehlen die Städtenamen auf -νθ, -nda| nicht ganz, s. Arabanda usw. Nach meiner Meinung gehören in dieselbe Reihe der Name Olympos (mehrfach. s. o. V), dann die Ortsnamen Alampria und Lymbia bei Idalion. Viele heutige Ortsnamen sind durch die Hagiographen als frühchristliche erwiesen und gehören vielleicht der ältesten Namensschicht an. Der Zusammenhang mit der Urbevölkerung von Griechenland und Kleinasien wird auch hieraus deutlich.

XX. Historische Übersicht. Das erste näher datierbare Ereignis in der Geschichte von K. ist die Eroberung der Insel durch den assyrischen König Sargon II. um 715(?). Die Quellenberichte der Huldigung von sieben Königen an diesen Herrscher, der 707 seine (jetzt in Berlin befindliche) Bildsäule in Kition aufstellen ließ,

[102] dann über die Huldigung von zehn kyprischen Stadtkönigen an Asarhaddon (681-668) und Assurbanipal (668-626) sind mit den Literaturnachweisen OC 6-15 zusammengestellt. Vgl. auch Art. Sargon Bd. I A S. 2509. Die aufgeführten Städte sind I-di-al = Idalion, Ki-it-ru-si = Chytroi, Si-lu-u-a = Salamis(?), Pa-ap-pa = Paphos, Si-il-lu = Soloi, Ku-ri-i = Kurion, Ta-mi-su = Tamassos, Kar-ti-ha-da-as-ti (Neustadt), vielleicht = Kition, das sonst in der Liste fehlt, oder Amathus, wenn man nicht an die später Neapolis genannte Stadt (o. XIX) denken will, Li-di-ir = Ledrai, Nu-ri-i (unerklärt). Nach dem Fall des assyrischen Reiches (626) treten wieder die Beziehungen zu Ägypten in den Vordergrund. Nach Diod. I 68, 1 hätte bereits Apries (589-569, s. Bd. II S. 270) einen Zug nach K. unternommen, doch ist diese Nachricht sehr fraglich; s. Duncker Gesch. d. Altert. II⁵ 563ff. Besser bezeugt ist die Eroberung durch Amasis (569-526), Herod. II 182. Diod. I 68, 6. s. Bd. I S. 1745.

Als nach dem Tode des Amasis die Perser unter Kambyses sich nach Ägypten wandten, unterwarfen sich die kyprischen Fürsten freiwillig der neuen Großmacht und bildeten in der Folge mit den Phoinikern die Hauptstütze ihrer Flotte. Vgl. Herod. III 19. Xen. Cyrop. VII 4, 2. VIII 6, 8. Busolt Griech. Gesch. II² 511. E. Meyer Gesch. d. Altert. II § 486. K. gehörte unter persischer Herrschaft zur syrischen Satrapie ,jenseits des Stromes‘ (Abarnaharâ), Meyer III § 84f. Sieglin Atl. ant. 8. An den inneren Verhältnissen und der Autonomie der Stadtfürsten wurde dadurch nichts Wesentliches geändert. Die autonome Münzprägung setzt gerade um diese Zeit erst ein und dauert bis zur Unterwerfung unter Ptolemaios I 312. Grundlegende Arbeit hierüber von J. P. Six Du classement des séries cypriotes. Rev. num. 3. Ser. I (1883) S. 249-374 Taf. VI-VIII, Nachtr. Num. Chronicle 1888 S. 121-132. Neue Zusammenstellung von G. F. Hill Cat. of the Gr. Coins of Cyprus. London 1904. Kurze Übersicht bei Head HN.

Der Gegensatz der überwiegend griechischen Bevölkerung zur persischen Fremdherrschaft mit ihrer Begünstigung des semitischen Elementes kam wiederholt zu handgreiflichem Ausdruck. Am ionischen Aufstand nahmen die Griechenstädte, Salamis an der Spitze, einen wesentlichen Anteil. Hier war der Krieg zugleich ein Nationalkampf gegen die Phoiniker von Kition - die Stadt Idalion bildete in dieser Zeit ein griechisches Fürstentum unter König Stasikypros und nahm am Freiheitskampf eifrig teil - und die autochthone Bevölkerung von Amathus’ (Meyer III § 178, der auch die Bronzetafel von Idalion in diese Zeit setzt. o. Bd. IX S. 868). Die Einzelheiten des Kampfes, der K. ein Jahr lang (499-498) die Freiheit brachte, s. bei Engel I 264-271. Duncker VII 45ff. Busolt II 545ff. Im weiteren Verlauf des Kampfes mußte die kyprische Flotte der persischen Gefolgschaft leisten und zum Feldzuge des Xerxes 150 Schiffe stellen. Herod. VII 90. Nach der Schlacht bei Mykale konnte eine griechische Flotte unter Pausanias (478) der Insel wieder vorübergehend die Freiheit bringen. Thuk. I 94. Diod. XI 44. [103] Aber bei der Schlacht am Eurymedon (469) finden wir dort wieder den Stützpunkt der persischen Flotte; Busolt III 65. 149f. Duncker VIII 17f. 212. 214. Meyer III § 271. 291. Für den kyprischen Feldzug des Kimon (449) kann auf die o. Bd. XI S. 452. 537 angeführten Quellen- und Literaturnachweise verwiesen werden. Nach Kimons Tod und der Seeschlacht beim kyprischen Salamis mußte K. von Athen aufgegeben und sich selbst überlassen werden. ,Die Folge davon war eine heftige Reaktion gegen das hellenische Element auf der Insel‘ (Busolt III 344). Es folgte die schon o. XVIII geschilderte Zeit nationalen Ringens auf dem exponiertesten Punkt des Griechentums. Daß dieses sich trotz der Ungunst der Lage siegreich durchsetzte, war hauptsächlich das Verdienst der bedeutendsten Persönlichkeit in der alten Geschichte von K., des Königs Euagoras I. von Salamis (411-374), worüber o. Bd. VI S. 820-827.

Die Zeit nach Euagoras hat außer der hier nicht zu verfolgenden Lokalchronik der einzelnen Städte wenig Ereignisse von Bedeutung aufzuweisen, so einen neuen Aufstand gegen die persische Herrschaft im J. 351 unter Führung von Salamis und im Anschluß an die Erhebung Sidons und der Phoiniker; er endigte mit der Belagerung von Salamis und neuer Unterwerfung, worüber die Nachweise Art. Salamis Bd. I A S. 1835. Diod. XVI 42, 4 berichtet bei dieser Gelegenheit, daß damals auf der Insel 9 bedeut.endere Städte, jede unter einem König, vorhanden waren; diesen waren die kleineren untergeordnet. Droysen Hellen. II 2, 9f. zählt nach den sonstigen Angaben folgende auf: 1. Lapethos, 2. Kition, 3. Keryneia, 4. Amathus, 5. Marion, 6. Soloi, 7. Salamis, 8. Paphos, 9. Chytroi oder Kurion. Die Zahl war jedenfalls nicht ständig, da einzelne Städte wie Idalion und Tamassos, zeitweilig eigene Herrscher hatten, dann wieder mit anderen verbunden waren, s. Idalion Bd. IX S. 868. Daß die Zahl der Stadtfürstentümer immer um 10 schwankte, sehen wir schon aus den assyrischen Listen, s. o. und Kition o. Bd. XI S. 537f.

Nach der Schlacht bei Issos 333 war die Unterwerfung der kyprischen Städte unter die Herrschaft Alexanders selbstverständlich. Sie leisteten ihm durch ihre Schiffe bei der Belagerung von Tyros 322 wertvolle Dienste, und ihre Könige wurden von dem Welteroberer mehrfach ausgezeichnet, Engel I 349ff. Droysen I 287. Niese Gesch. d. griech u. mak. Staat. I 80. 87. Die innere Autonomie blieb auch unter Alexander aufrecht. Umso bewegteren Zeiten ging die Insel nach seinem Tode entgegen. Bei der Aufteilung des Reiches wurde sie mehr noch durch ihre Lage als durch ihren Reichtum ein begehrter Kampfpreis und Ägypten der Nachbar, dem sie zuerst und schließlich dauernd zufiel. Schon 321 schlossen sich Salamis, Soloi, Amathus, Paphos an Ptolemaios an, während Marion und die übrigen Städte dem makedonischen Königshause treu blieben, für das Eumenes 319 dort Truppen werben konnte, Niese I 219. 240. Der Hauptkampf um K. begann 315 zwischen Antigonos und Ptolemaios. Kition, Lapethos, Keryneia, Marion, Amathus traten auf die Seite des ersteren, Salamis, dann Soloi, dessen Herrscher nach [104] Athen. XIII 576 e ein Schwiegersohn des Ptolemaios war, wahrscheinlich auch Paphos und die übrigen blieben bei Ägypten, Droysen II 2, 8ff. Niese I 275. 278. Doch gelang es Ptolemaios bald, sich auch der gegnerischen Städte zu bemächtigen; zuletzt fiel Kition nach längerer Belagerung 314. Ein neuerlicher Abfall endigte 313 damit, daß die Fürsten von Kition, Keryneia, Lapethos, Marion beseitigt, letztere Stadt zerstört und Nikokreon von Salamis mit der Strategie über die ganze Insel betraut wurde, Droysen II 2. 16f. 35. III 1, 49, 2. Niese I 294. Das Ende der kyprischen Stadtfürstentümer war gekommen. Noch bestand das treu zu Ägypten haltende Salamis, des verwandtschaftlich mit dem Lagiden verknüpfte Soloi und Paphos, wo die Bewohner von Marion Zuflucht fanden. Das Abschwenken des letztgenannten Königshauses zu Antigonos brachte auch ihm Verderben und grauenvollen Untergang im J. 310 oder 309, Diod. XX 21. Polyaen. VIII 48. Droysen 80f. Niese 306. Um dieselbe Zeit starb Nikokreon, und Strateg der Insel wurde des Polemaios Bruder Menelaos. Des Lagiden Herrschaft schien dauernd gefestigt; aber bald erfolgte der Rückschlag durch die machtvolle Persönlichkeit des Demetrios, des Sohnes des Antigonos. Sein Siegeszug auf K. und die folgenden Ereignisse s. o. Bd. IV S. 2774ff. Auch nach der Niederlage bei Ipsos 301 konnte Demetrios, gestützt auf seine Flotte, den Besitz von K. behaupten, und erst nach heftigen Kämpfen wurde Ptolemaios 294 wieder endgültig Herr der Insel, Droysen 221. 244. 248. 258. Niese 352f. 260. 363.

Die Geschichte der Ptolemäerherrschaft in K. ist bei Engel I 389-441 ausführlich geschildert und in dynastischer Beziehung jetzt nach M. Strack Die Dynastie der Ptolemäer, Berlin 1897 zu ergänzen Erwähnt sei ein Aufstand gegen Ptolemaios II. um 279, Droysen III 1, 264. Niese I 389. II 99, der Versuch des Antiochos IV. im J. 168, sich der Insel zu bemächtigen, der an dem Einspruch der Römer scheiterte, s. Bd. I S. 2474. Niese III 174ff., dann ein zweiter ebenso vergeblicher Versuch des Demetrios I. von Syrien um 155, o. Bd. IV S. 2797. Niese III 258. Über K. in den ägyptischen Thronwirren s. Niese III 209ff. 266. 270f. Strack 51. 53. 64f. 96. 181ff.

Über die inneren Verhältnisse von K. unter den Ptolemäern sind wir einigermaßen durch die Inschriften unterrichtet. Ein großer Teil der aus K. bekannten Inschriften in gemeingriechischer Schrift gehört dieser Periode an, s. die Zusammenstellungen CIG II S. 436-447. Le Bas Voy. arch. III 627-648. Oberhummer Griech. Inschr. aus Cypern, S.-Ber. Akad. München 1888 Phil. Kl. S. 305-348. 523-526. Strack S. 215-275. Die Verwaltung der Insel war zentralisiert in der Hand des königlichen Statthalters mit dem Sitz in Salamis; sein voller Titel lautete: στρατηγὸς καὶ ναύαρχος καὶ ἀρχιερεὺς ὁ κατὰ τὴν νῆσον. Er vereinigte also die höchste Zivilgewalt mit dem Oberkommando und Oberaufsicht in Kultusangelegenheiten. Die Städte behielten zwar ihre Selbstverwaltung (βουλὴ καὶ δῆμος), aber unter der Aufsicht eines [105] königlichen Vogtes (ὁ ἐπὶ πόλεως), dem eine Besatzung unter Phrurarchen zur Seite stand. Engel I 391ff. Droysen III 1, 56f. Niese III 122. Die Amtssprache war ausschließlich griechisch in der Form der κοινή. Silbenschrift und Mundart kamen in öffentlichen Urkunden völlig außer Gebrauch. Das Phoinikische wurde allmählich verdrängt und die Insel ganz hellenisiert, abgesehen von den jedenfalls schon in der Ptolemäerzeit über Alexandrien einwandernden Juden (s. o. XVIII). Seit dem J. 80 war die Herrschaft über Ägypten und K. schon früher zu wiederholten Malen innerhalb der Lagiden geteilt. In Ägypten herrschte Ptolemaios XIII. Neos Dionysos, in K. sein jüngerer Bruder Ptolemaios. Unter ihm sollte sich das Geschick der Dynastie für die Insel vollenden. Rom hatte schon lange sein Auge auf K. geworfen und bereits durch seinen Einspruch gegen die Angliederung an Syrien (s. o.) sein Interesse bekundet. Nun schien die Frucht reif und in der schmachvollen Weise, welche die ganze Politik der römischen Demokratie kennzeichnet, wurde das reiche Land als willkommene Beute dem rechtmäßigen Herrscherhause entrissen. Einem der nichtswürdigsten Günstlinge des römischen Stadtpöbels, P. Clodius, war es vorbehalten, in seinem persönlichen und Parteiinteresse den Schlag zu führen und damit zugleich seinen Hauptgegner aus der Stadt zu entfernen. Durch die Lex Clodia erhielt Cato 58 den Auftrag, die Insel einzuziehen, und er entledigte sich desselben zwar mit Widerwillen, aber doch mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit, nachdem der König sich selbst das Leben genommen. Engel I 435ff. Lange Röm. Altert. III² 305. 334. Mommsen R. G. III⁷ 162. 218f. Strack 186f. 207. K. wurde zunächst der Provinz Kilikien zugeschlagen, 47-31 wieder mit Ägypten verbunden und 27 kaiserliche, dann 22 v. Chr. senatorische Provinz, Mommsen 443. V 316. Marquardt Röm. Stadtverw. I² 390ff. Schiller im ,Handb. d. Altertumswiss.‘ IV² 2, 185f. Von den Proconsuln, Proprätoren und sonstigen Beamten (Legaten, Quaestoren) der Provinz sind eine Reihe aus den Inschriften bekannt. Über die Geschichte der römischen Verwaltung s. jetzt Chapot Les Romains et Cypre in ,Mél. Cagnat‘ (Paris 1912) 59-83.

In die Zeit der Verbindung von K. mit Kilikien fällt Ciceros Proconsulat, worüber Drumann R. G. VI 111-180. über die schmutzige Bewucherung der Salaminier durch Scaptius und den Freiheitshelden Brutus s. Salamis Bd. I A S. 1836. Die Zahl der Römer in K. war gering, Cic. ad Att. V 21, 6 cives Romani pauci qui illic negotiantur. Dementsprechend ist auch die Zahl der lateinischen Inschriften spärlich, s. CIL III nr. 214-219[WS 1] p. 41f. 974. 1230. 2052f.

Sitz der römischen Verwaltung war nicht mehr Salamis, sondern Paphos, Apostelg. 13, 7. Da Cic. ad fam. XIII 48 die Paphier dem Quaestor C. Sextilius Rufus besonders empfiehlt (etwa 47 v. Chr.), mag von Anfang an diese Stadt von den Römern als Vorort ins Auge gefaßt worden sein; jedenfalls entsprach die Lage der Stadt der neuen Orientierung nach Westen. Neben der römischen Verwaltung scheinen die Städte noch gewisse [106] Angelegenheiten autonom geregelt zu haben, da auf Münzen der Kaiserzeit von Claudius an und gelegentlich auch in Inschriften ein κοινὸν Κυπρίων erwähnt wird, CIA III nr. 478. Mionnet III 671-676. Suppl. VII 304-308. Head HN 627f. Aus Ptolem. V 13 (14), 5 sehen wir ferner, daß die Insel in vier Distrikte mit den Vororten Paphos, Salamis, Amathus, Lapethos geteilt war, wie Engel 458 vermutet, wohl schon von Augustus. Daß letzterer der im J. 15 v. Chr. durch Erdbeben schwer geschädigten Stadt Paphos (o. V) den Beinamen Augusta Σεβαστή verlieh, wissen wir aus Dio LIV 23. CIG 2629. CIL III nr. 218.

Wie überall sorgten auch auf K. die Römer für den Ausbau der Straßen. Aus Tabula Peutingeriana ergibt sich folgendes auch für die Bedeutung der Städte zu jener Zeit wichtiges Bild: Rings um die Insel lief die Straße Paphos XI, Alt-Paphos (Palephato) XXII, Kurion XVI, Amathus XXIII, Kition - Salamis XIV, Chytroi (Citari) XXIII, Keryneia VIII, Lapethos XXXIII, Soloi XXIV, Paphos. Dazu die Querverbindung Soloi, XXIX Tamassos, XXIV Tremithus, XXIV Kition. Von dieser Straße sind Abzweigungen angedeutet durch die Ziffern XVIII zwischen Tremithus und Salamis, XXIX zwischen Tamassos und Amathus. Vgl. Miller Itin. Rom. (Stuttg. 1916) S. 827ff. Daß damit die römischen Straßen nicht erschöpft waren, sehen wir aus dem ältesten erhaltenen, bei H. Theodoros 18 mp. von Salamis gefundenen Meilenstein vom J. 80 n. Chr. Bull. hell. III 171. Ephem. epigr. V 23. Diese Abzweigung schloß die karpasische Halbinsel an das Hauptnetz an. Die übrigen Meilensteine weisen auf das 2. und 3. Jhdt., so CIL III nr. 218[WS 2] zwischen Kurion und Paphos, mit lateinischer und griechischer Inschrift, vom J. 198. Ebd. 219 von derselben Straße westlich von Kurion = Le Bas 2807 mit Aufschriften aus der Zeit des Aurelian, Diocletian, Iovian. Wiederholt wird der Straßen in den hagiographischen Texten gedacht, so Hier. vit. Hilar. 42 in secundo ab urbe (Papho) milliario. Vit. Auxib. in Act. Sanct. Feb. III 128 Papho profecti Solos via recta - ad locum XV. ab urbe lapide situm usw.

Besondere Ereignisse der Kaiserzeit außer der Lokalchronik der Städte sind wenig zu erwähnen, so die o. V besprochenen Erdbeben, der große Judenaufstand 116/7, worüber s. Salamis Bd. I A S. 1837, dann die Erhebung des Kalokairos 334/5, s. o. Bd. X S. 1757, dazu Theoph. chron. p. 29 de Boor. Georg. Kedr. p. 296 d. Par. Hist. misc. XI 13.

Bei der Teilung des Reiches fiel K. natürlich an die östliche Reichshälfte. Die Insel bildete dauernd eine provincia consularis der dioecesis orientis nach der neuen Reichseinteilung Diocletians und Constantins, wie sie uns im Veroneser Verzeichnis von 297 und Not. digo. or. 1. 2. 20 erhalten ist, s. Dioecesis o. Bd. V S. 727f. Die Teilung in vier Gaue (s. o.) scheint damals außer Kraft getreten zu sein, und die alten Stadtbezirke, um einige neue vermehrt, kommen wieder zur Geltung. Darauf deutet schon Plin. V 130, welcher ausdrücklich folgende 15 Städte aufzählt: Neapaphos, Palaepapho, Curias, Citium, Corinaeum, Salamis, Amathus, Lapethos, [107] Soloe, Tamasos, Epidaurum (sonst nicht bekannt, s. o. XIX), Chytri, Arsinoe, Carpasium, Golgoe: fuere et ,ibi Cinyria, Mareum, Idalion. Von diesen Namen beruhen Corinaeum und Cinyria augenscheinlich auf Dittographie, s: Keryneia o. Bd. XI S. 345; Marion ist durch Arsinoē ersetzt (o. XIX), Idalion scheint damals tatsächlich schon verfallen zu sein. Die Tabula Peutingeriana (s. o.) zählt 12 Städte auf, unter denen Tremithus zum erstenmal erscheint. Aus byzantinischer Zeit haben wir Stadtlisten bei [108] Hierokl. 706f. Wess. vom J. 535, bei Georg. Cypr. ed. Gelzer 1096ff. aus der · Zeit des Kaisers Phokas 602-610 , s. Gelzer Praef. VI. XVI, endlich von Const. Porph. them. I 15 aus dem 10. Jhdt. nach der von Leo III. (717-741) durchgeführten Themenverfassung. Da diese drei Verzeichnisse offenbar in einem Abhängigkeitsverhältnisse stehen, aber doch im einzelnen voneinander abweichen, mögen sie hier zum Vergleich nebeneinander gestellt sein:

Hierokles 706f. (rec. Burckhardt) Georg von K. (ed. Gelzer S. 56. 210ff.) Const. Porph. (Burckhardt S. 59f.)
Ἐπαρχία Κύπρου τῆς νήσου, ὑπὸ κονσουλάριον, πόλεις ιγ Ἐπαρχία τῆς Κύπρου ...εἰσὶ δὲ ἐν αὐτῇ αἱ πόλεις αὗται · Πεντεκαιδέκατον θέμα τὸ καλούμενον ἐπαρχία Κύπρου.
Κωνστάντια μητρόπολις Κωνσταντία μητρόπολις Ἐπαρχία τῆς νήσου Κύπρου, ὑπο κονσιλάριον [τουτέστι βουλευτήν], πόλεις πεντεκαίδεκα
     Ταμασός      Κίτιον      Κίτιον
     Κίτην      Ἀμαθοῦς      Ἀμαθοῦς
     Κόρην (Kurion)      Πάφος      Κυρήνεια
     Πάφος      Ἁρσεναΐ      Πάφος
     Ἀρσινόε      Σῶλοι      Ἀρσινόη
     Σόλοι      Λάπιθος (Geburtsort des      Σόλοι
     Λάπιθος      (Georg von K.)      Λάπιθος
     Κιρβοῖα      Κυρηνία      Κέρμια ἤτοι Λευκουσία
     Κύθροι      Τάμασος      Κυθέρεια (Chytroi)
     Καρπάσιν      Κύθροι      Τάμασος
     Κυρηνία      Τριμιθοῦς      Κούριον
     [Τριμηθούντων      Καρπάσιν      Νέμευος (Limassol)
     Λευκουσία]      Τρίμυθος [ὅθεν ὁ ἅγιος Σπυρίδων]
     Καρπάσιον

Wir ersehen daraus, daß unter kirchlichem Einfluß (s. u. XXI) der Vorort von Paphos wieder auf Constantia, die Nachfolgerin von Salamis, übergegangen war, ebenso Trimithus an Bedeutung gewinnt und die spätere Hauptstadt Leukusia zum erstenmal auftritt.

Über die Verwaltung der Insel im byzantinischen Reich sei hier nur bemerkt, daß dieselbe unter einem mit vizeköniglicher Befugnis ausgestatteten Katapan stand, worüber Mas Latrie Hist. III 812. Weiteres s. ebd. 520 nach dem Bericht des Venezianers Attar von 1540, ferner G. Schlumberger Fonctionnaires byzantins du Thème de Chypre, Arch. Or. Lat. II 436ff. Andreadès Le montant du budget de l’empire byzantin, Rev. ét. gr. 1921.

Der Gang der historischen Ereignisse kann hier nicht weiter verfolgt werden. Für eine Übersicht der mittleren und neueren Geschichte auf den Abriß bei Engel I 717-773, die ausführliche Darstellung bei Sakellarios I 391-608, die Zeittafel OC 459ff., weiterhin auf die u. XXII angeführte Literatur zu verweisen.

XXI. Christentum. Aus Apostelgesch. 11, 19f. wissen wir, daß schon die erste Christengemeinde in K. Anhänger zählte, darunter den später den Aposteln gleichgestellten Barnabas, nach ebd. 4, 36 ein kyprischer Hellenist aus levitischem Geschlecht. Von der Verbreitung des hellenistischen Judentums auf K. zu jener Zeit gibt der Bericht über die Reise des Paulus und [108] Barnabas durch K. im J. 45 eine Vorstellung; ebd. 13, 4ff. ,und da sie in die Stadt Salamis kamen, verkündigten sie das Wort Gottes in der Juden Schulen (ἐν ταῖς σιναγωγαῖς τῶν Ἰουδαίων) und da sie die Insel durchzogen bis zur Stadt Paphos, fanden sie einen Zauberer und falschen Propheten, einen Juden, der hieß Barjesus. Der war bei dem Proconsul Sergius Paulus, einem verständigen Manne‘ usw. Folgt das Wunder von der Blendung des Zauberers und die Einschiffung der Apostel in Paphos. Später kommt Barnabas, nach dem Streit mit Paulus, in Begleitung des Evangelisten Marcus wieder nach K., wo er nach der späteren Legende eine ausgebreitete Lehrtätigkeit entfaltet; Apostelgesch. 15, 39. Paulus ist an der Insel noch wiederholt vorbeigefahren, hat sie aber nicht mehr betreten; ebd. 21, S. 27, 4. Barnabas gilt als der eigentliche Apostel von K. Die Wiederauffindung seines Grabes bei Salamis im 5. Jhdt. gab dem kirchlichen Leben neuen Aufschwung und begründete den Anspruch der kyprischen Kirche, wegen ihres apostolischen Ursprungs vom Patriarchat von Antiochia unabhängig und αὐτοκέφαλος zu sein, s. die Vorbemerkung zur Städteliste des Georg. Cypr. 1096 Ἐπαρχία τῆς Κύπρου διαμεμένηκεν, ἔχουσα παρ’ ἑαυτῇ τὴν δεσποτείαν διὰ τὸ εὐρεθῆωαι ἐν αὐτῇ τὸν ἅγιον ἀπόστολον Βάρναβαν, ἔχοντα ἐπὶ στήθους τὸ κατὰ Μάρκον εὐαγγέλιον. Ähnlich die Vorbemerkung zur Bistumsliste des Nil. Doxop. 176 (s. u.). Georg. Kedr. 353a. Par. Joel chron. 172

[109] b. c. Par. Theod. Bals. Zon. can. VIII conc. Ephes. bei Migne G. 137 S. 363ff. can. XXXIX conc. Trull. ebd. 647ff. Vgl. dazu Hackett Hist. of the Orthodox Church of Cyprus, London 1901, 12ff. Dieses ist jetzt das Hauptwerk über die christlichen Verhältnisse von K. (s. Oberhummer Byz. Ztschr. 1904, 207ff.). Die Literatur der Hagiographen für K. ist reichhaltig und enthält, so gering oft ihr historischer Wert ist, wichtige Angaben zur Topographie. Sie ist kritisch behandelt von Delehaye Saints de Chypre. Anal. Bolland. XXVI 1907, 163-201; s. dazu Oberhummer Geogr. Jahrb. 1911, 390f. An der Spitze stehen die Akten des Barnabas, zunächst die bald nach Auffindung des Leichnams um 485 verfaßten περίοδοι. Sie sind nach Act. Sanct. Jun. II 431ff. von Tischendorf Acta Apost. apocr. 1851 und neuerdings von Bonnet ebd. 2. Ausg. II 2, 292-302 (1903) herausgegeben worden. Eine kritische Analyse der gesamten Barnabasakten gibt R. A. Lipsius Die apokryphen Apostelgeschichten II 2 (Braunschweig 1884). Der Verfasser, der sich naiverweise für den Begleiter des Barnabas, den Evangelisten Johannes Marcus selbst ausgibt, läßt den Apostel beim Vorgebirge Krommyakon (ἐν τῷ λεγομένῳ Κρομμυακίτῃ, s. o. IV) landen, dann von Lapethos, über die Nordkette (διὰ τῶν ὀρέων) nach Lampadistos (o. XIX), Tamassos und das Gebirge Chionodos (o. V) nach Paphos wandern, von dort über Kurion und Amathus διὰ τῶν ἐρήμων τόπων nach Kition, weiter zu Schiff nach Salamis, wo Barnabas das Martyrium erleidet, während die Begleiter von den Juden bis Ledrai (ἕως τῆς κώμης Λεδρῶν) verfolgt werden und sich dann bei Limenia (ἐν κώμῃ Λιμνῆτι) einschiffen. Die genaue Bekanntschaft mit der Topographie der Insel, für welche uns die περίοδοι wertvolle Beiträge liefern, erweisen den Verfasser als Kyprier von Geburt (Lipsius 290). Auch der Verfasser des wahrscheinlich nach 550 geschriebenen ἐγκώμιον εἰς Βαρνάβαν ist ein kyprischer Mönch Alexander, Act. Sanct. a. O. 436-452. Lipsius 298ff.

Dem apostolischen Zeitalter gehören noch an Auxibios, Bischof von Soloi, und Herakleides, Bischof von Tamassos, von Marcus und Barnabas geweiht, Act. Sanct. Feb. III 124-128. Sep. V 467f. Delehaye 237ff. Von den Heiligen der späteren Zeit seien hier genannt Spyridon, Bischof von Trimithus zur Zeit des Konzils von Nikaia 325 und der Synode von Serdica 344. Seine Gebeine wurden später nach Konstantinopel und 1460 nach Korfu überführt, wo er zum Patron der Insel wurde. Seine im 7. Jhdt. von Theodor, Bischof von Paphos, verfaßte Lebensbeschreibung ist nach der Wiener Hs. H. Gr. 31 von Usener Jahrb. f. prot. Theol. 1887, 222–232 teilweise herausgegeben worden, vollständig von Papageorgios Ἀκολουθία – Σπυρίδωνος, Athen 1901. Weiteres s. bei Hackett 322. 382ff. Delehaye 239f.

Hilarion, 288-371, brachte seine letzten Lebensjahre als Einsiedler auf einer Zinne der Nordkette, 727 m oberhalb Keryneia zu, wo später ein Felsenschloß errichtet wurde, das noch jetzt seinen Namen trägt. Sein Leben hat Hieronymus beschrieben, Act. Sanct. Oct. IX 16-59. S. den Art. Hieronymos o. Bd. VIII S. 1580. [110] Oberhummer Ztschr. Ges. Erdk. 1892, 435f. Delehaye 241f. Hackett 407ff. 471.

Epiphanios, Erzbischof von Salamis (Constantia) 367-403, ein beschränkter Zelot, gehört durch seine Schriften der patristischen Literatur an, s. o. Bd. VI S. 193f. Die Ausgabe von Dindorf, 5 B., Leipzig 1859-1862 enthält auch die historisch wertlose, aber durch einige topographische Angaben bemerkenswerte Lebensbeschreibung des Polybios und einen späteren Auszug davon, Delehaye 242f. Hackett 3994-07. Das von Johann dem Almosengeber, Patriarch von Alexandria 609-615, verfaßte Leben des Bischofs Tychon von Amathus um 400 ist wegen der letzten Kämpfe der heidnischen Kulte (Aphrodite, Artemis) mit dem neuen Glauben von Interesse. Delehaye 229ff. 244f.

Leontios, Bischof von Neapolis (Limassol) zwischen 590-668, Verfasser mehrerer Heiligengeschichten, Migne G. 93. Krumbacher Byz. Lit. 190. Delehaye 246f.

Die Zahl der Heiligen auf K. ist erstaunlich groß und findet ihren Ausdruck in der geographischen Namengebung, welche Menardos Τοπωνυμικὸν τῆς Κύπρου eingehend besprochen hat, Ἀθηνᾶ XVIII 1905, 314-421, ebenso Delehaye 265-270. Die Zahl der Bistümer in frühchristlicher Zeit scheint jener der selbständigen Städte entsprochen zu haben. Aus den Konzilsakten ist darüber nur bruchstückweise Aufschluß zu gewinnen; so finden sich beim Konzil von Nikaia 325 nur zwei Unterschriften kyprischer Bischöfe (Salamis und Paphos), s. Patr. Nicaen. nom. ed. Gelzer usw. (Lips. 1898) S. LXIV 46. 49. 69. 113. 137. 211. Das Verzeichnis des Nil. Doxopatr. 167-190 bei Hierocl. ed. Parthey zählt 13 Bistümer auf, ὧν προκάθηται ἡ λεγομένη Κωνστάντα nämlich Kition, Amathus, Kurion, Paphos, Arsinoe, Soloi, Lapethos, Kyreneia, Tamasos, Chytroi (Κύθρης), Trimithos, Karpasos. Die Liste zeigt eine unverkennbare Verwandtschaft mit den o. XX aufgeführten Stadtlisten. Wie die letzteren, hat auch die Zahl der Bistümer im Lauf der Zeit um einige geschwankt, s. die Zusammenstellung bei Hackett 240ff.

Im wesentlichen blieben die kirchlichen Verhältnisse stabil, bis sich mit dem dritten Kreuzzug der große Wendepunkt in der Geschichte der Insel einstellte. Sie wurde 1191 von Richard Löwenherz besetzt, kam dann vorübergehend in den Besitz der Tempelherren und 1192 dauernd an den von Saladin aus seinem Reich vertriebenen letzten König von Jerusalem, Guido von Lusignan und dessen Nachkommen. Damit erhielt die Insel äußerlich ein ganz neues Gepräge. Mit dem abendländischen Feudalwesen zog auch die römische Kirche als Machthaberin ein, in Nikosia und Famagusta erhoben sich prächtige Kirchenbauten im Stil der französischen Gotik, noch heute sprechende Denkmäler jener seltsamen Mischung abendländischer und griechisch-orientalischer Kultur, ebenso die wundervoll gelegene Abtei Bellapais und die zu Ritterburgen umgebauten byzantinischen Bergschlösser der Nordkette Buffavento, Hilarion und Kantara. Der verzweifelte Kampf der orthodoxen Kirche, zu der sich nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung bekannte, gegen die lateinische Übermacht, [111] ist bei Hackett 59-190 geschildert, die Entwicklung der schließlich auf vier reduzierten und heute noch bestehenden Bistümer (Kition, Paphos, Kyreneia und das Erzbistum Nikosia) ebd. 240-328.

In die Zeit der Umwälzung fällt die literararische Tätigkeit des Mönchs Neophytos Ἐγκλειστος, 1134 bis nach 1214. Man kannte von ihm schon lange das bald nach 1191 verfaßte Klageschreiben περὶ τῶν κατὰ τὴν χώραν Κύπρον σκαιῶν, das sich hauptsächlich auf die Bedrückung der orthodoxen Kirche bezieht, seine Klosterregel u. a. Krumbacher 286. OC 271. Hackett 348ff. Eine hübsche Beschreibung des von ihm gegründeten, noch jetzt bestehenden Klosters, gibt Hogarth 21ff. Die dort mangelhaft bezeichnete Lage ist aus der großen englischen Karte (o. II) Bl. 12 etwa 5 Meilen = 8 km nordnordöstlich von Ktima (Neu-Paphos) zu entnehmen. Delehaye 274-297 hat dem Leben und den Schriften des Neophytos eine eingehende Analyse gewidmet und 162-228 aus der Pariser gr. Hs. 1189 eine Reihe unedierter Stücke mitgeteilt, meist Heiligengeschichten und Lobreden, darunter nr. 6 auch eine längere Ausführung über Erdbeben, deren Ursache der Verfasser in der Sündhaftigkeit der Menschen sucht. Die meisten derselben beziehen sich auf Konstantinopel, aber § 10 (S. 211) berichtet von einem solchen in K. nach eigener Erfahrung des Verfassers um 1160. Es fand um die vierte Nachtstunde statt und erschütterte in 17 Stößen den ganzen Distrikt von Paphos samt der Höhle des Einsiedlers. Daran schließt sich § 11 ein wahrscheinlich gleichzeitiges Erdbeben in Antiochia, und Zusätze von späterer Hand vermerken solche in K. von 1350 und 1524, Delehaye 288f. Es ist das ein wichtiger Beitrag zu der o. V mitgeteilten Liste und zur Chronik der Erdbeben überhaupt.

Mit Neophytos beginnen die einheimischen Quellen zur Geschichte der fränkischen Herrschaft auf K. Die wichtigsten derselben sind das im 13. Jhdt. französisch und griechisch abgefaßte Rechtsbuch oder die ,Assisen‘ der Königreiche Jerusalem und K., griechischer Text bei Sathas Μεσαιων. Βιβλιοθήκη VI (Ven. 1877), dann Chroniken des Leontios Machairas für die Zeit von 1359-1432 mit Nachträgen bis 1458 und des Georg Bustrone von 1456-1501, beide abgedruckt bei Sathas II (1873), Leontios in neuer, auf Grund der 1555 in Paphos geschriebenen Hs der Bodleiana bearbeiteter Ausgabe mit französischer Übersetzung von E. Miller und Sathas in Publ. éc. d. langu. or. viv. II. Ser. 2/3 (Paris 1881/2). Für die Kenntnis der Topographie, Geschichte und der Entwicklung der neukyprischen Mundart wie der von Romanismen durchsetzten mittelkyprischen Schriftsprache sind diese Quellen von unschätzbarem Wert, Krumbacher 900ff. Auf ihnen beruhen zum großen Teil auch die dem 16. Jhdt. angehörigen italienischen Chroniken des Diomede Strambaldi, Francisco Amadi, Florio Bustrone, deren Herausgabe wir René de Mas Latrie verdanken, Coll. d. Doc. inéd. s. l’hist. de France, Paris 1891/3 und Mél. hist V 1884, ebenso das schon von früheren Schriftstellern über K. viel benützte [112] Werk des letzten Nachzüglers der franko-kyprischen Literatur, Steph. Lusignan Chorograffia et breve historia dell’ isola de Cipro. Bol 1573 und Description de toute l’isle de Cypre, Paris 1580, s. OC 441. 466. Er war noch Augenzeuge der großen Katastrophe, die mit der türkischen Eroberung 1570/1 über K. hereinbrach und einen neuen Wendepunkt der Geschichte bezeichnet. Für die Zeit der venezianischen Herrschaft 1489-1571 sind außerdem die von Louis de Mas Latrie (u. XXII) in Anschluß an das französische Urkundenmaterial veröffentlichten Berichte sowie der o. XI erwähnte des Savorgnano zu vergleichen.

Die Quellenliteratur des christlichen Mittelalters würde eine wesentliche Lücke aufweisen, wenn wir nicht der zahlreichen Pilger gedenken würden, für welche K. auf der Hin- oder Rückfahrt von Palästina eine ständige Station war, s. Röhricht-Meisner Deutsche Pilgerreisen (Berlin 1880) 22f. Ich führe hier die wichtigsten in chronologischer Folge an, wobei auch anderer (jüdischer) und weltlicher Reisender bis zum Beginn der wissenschaftlichen Reisen im 18. Jhdt. gedacht sein soll, und beschränke mich dabei meist auf die Namen der Reisenden, da die literarischen Nachweise OC 462-470 und bei Röhricht Bibl. geogr. Paläst. (Berl. 1890) gefunden werden können:

Vor den Kreuzzügen: 385 Hieronymus und Paula, s. o. Bd. VIII S. 1567; um 570 Antoninus Martyr von Placentia; 723 Wilibald von Eichstädt,

Zeit der Kreuzzüge: 1106 Daniel, russischer Abt. OC 68f.; 1160-1170 Rabbi Benjamin von Tudela, OC 23ff., neue Ausg. mit englischer Übersetzung von M. N. Adler, Lond. 1907; 1212 Wilbrand von Oldenburg,

14. Jhdt.: 1333 Wilhelm von Boldensele; 1335 Jakob von Bern (Jacques de Vérone, OC 465); 1336 Ludolf von Sudheim; um 1336 Sir John Maundeville; 1394/5 Nic. de Martoni; 1395/6 Seigneur d’Anglure,

15. Jhdt.: um 1400 Archimandrit Grethenios. OC 70; nach 1400 Ghillebert de Lannoy, OC 466; 1421 Diakon Zosimos (Russe, OC 70); 1436 Peter Rieter; 1449 Stephan von Gumpenberg; 1460 Bernhard Eptingen; 1464 Sebald Rieter sen.; 1479 Sebald Rieter jun.; 1479 Johannes Tucher; 1480 Le voyage de la Saincte Cyté de Hierusalem; 1480/3 Felix Fabri; 1483 Bernhard von Breydenbach; 1486 Conrad Grünemberg, OC 465; 1494 Pietro Casola,

16. Jhdt.: 1507 Martin Wanner (Herzog Friedrich II. von Liegnitz); 1508 Martin von Baumgarten und Georg, Prior von Gaming; 1512 Dom Trevisan (Jehan Thenaud); 1517 Bernhard von Hirschfeld; 1522 Barthélemy de Salignac; um 1550 André Thevet; 1553 Daniel Ecklin; 1556 Wolfgang Müntzer von Babenberg; 1556 Melchior von Seydlitz; 1563 Elias von Pesaro, OC 25ff.; 1565 Johann Helffrich; 1566 Christoph Fürer von Haimendorff; 1573 Hans Ulrich Krafft; 1581 Jean Palerne; 1583 Melchior von Lussy; 1583 Nikolaus Christoph Fürst Radziwil; 1586 Giovanni Zuallardo; 1587/8 Samuel Kiechel; 1588 Jakobos Meloïtes Ὁδοιπορικόν; 1589 Seigneur de Villamont; [113] 1591 Johann Sommer; 1596 Johann van Kootwyck (Cotovicus); 1596/7 Jeron. Dandini; 1598 Gius. Rosaccio,

17. Jhdt.: 1604 Seigneur Henry de Beauvau; 1604 Mons. de Brèves; 1610 George Sandy; 1625 Pietro della Valle; 1631 Vinc. Stochove; 1683 Cornelis de Bruyn (Lebrun), s. u.

Überraschend groß ist die Zahl der Reisenden, welche in den ersten Jahrzehnten nach der türkischen Eroberung (1571) K. besuchen konnten.

XXII. Neuere Literatur. Eine bibliographische Zusammenfassung der gesamten auf K. bezüglichen Literatur hat der um die Insel vielfach verdiente langjährige Gouverneur (Commissioner) von Larnaka C. D. Cobham unternommen in ,An Attempt at a Bibliography of Cyprus‘, Nicosia 1886, 4. Ed. 1900, mit besonderen Übersichten der Literatur zur Numismatik, Epigraphik und Sprache, des Cesnolastreites, der Konsulatsberichte, Blaubücher und Zeitungen. Eine wertvolle, freilich jetzt schwer erreichbare Quellensammlung sind auch die von Cobham zuerst als Beiblatt zu der in Nikosia erscheinenden Zeitung ,The Owl‘ 1892-1895, dann in einem Quartband vereinigten ,Excerpta Cypria‘, Auszüge aus älteren, oft schwer zugänglichen Reisewerken und Berichten, z. B. über die türkische Eroberung, in englischer Übersetzung; eine neue Folge der Excerpta (Supplementary Papers) erschien Larnaka 1896-1902.

Einen möglichst vollständigen Bericht über alle auf K. bezüglichen Schriften von 1874-1893 gab Oberhummer in Bursians Jahresb. LXXVII 29-96, für die Folgezeit in etwas engerem Rahmen im Geog. Jahrb. 1896. 1899. 1905. 1911, ein alphabetisches Verzeichnis der wichtigsten Literatur OC 462-470, ebd. in Abt. I und XII die erreichbaren Auszüge aus orientalischen, besonders auch arabischen und türkischen Quellen. Die Literatur von 1891-1912 verzeichnet ferner die von der Ges. f. Erdk. herausgeg. ,Bibliotheca Geograph.‘ I-XIX (Berlin 1895-1917) und (in Verbindung mit Kleinasien) auch die Or. Bibliogr.

Von systematischen Werken über K. ist nach Lusignan (o. XXI) zunächst die fleißige, noch jetzt brauchbare Quellensammlung des Jo. Meursius Creta Cyprus Rhodus. Amstelod. 1675 zu nennen. Die Werke von Engel und Oberhummer wurden am Anfang dieses Artikels erwähnt. Engel gibt im 1. Band eine umfassende Darstelluog von K. im Altertum mit einer Übersicht der späteren Geschichte, der 2. Band handelt vom Aphroditekultus im allgemeinen. Oberhummer gibt außer der Sammlung orientalischer Quellen und der Geschichte der Kartographie nur die Naturbeschreibung, doch umfaßt das Register auch die übrigen, vielfach die Topographie berührenden Schriften des Verfassers über K. Für den fehlenden 2. Band muß bis auf weiteres dieser und die übrigen auf K. bezüglichen Artikel der R. E. als Ersatz dienen. Den allgemeinen Darstellungen ist von naturwissenschaftlicher Seite auch das o. IX genannte Buch von Unger-Kotschy, worin die Botanik den breitesten Raum einnimmt, von archäologischer das bekannte Werk von Cesnola (o. XIII) anzureihen. Unter den vielen gelegentlich der englischen Besetzung 1878 erschienenen Schriften sind hervorzuheben [114] das Buch des auch archäologisch verdienten Ham. Lang Cyprus; London 1878, das sorgfältig gearbeitete, aber selten zu findende amtliche Handbuch von Savile Cyprus, Lond. 1878 und des Historikers Mas Latrie L’ile de Chypre (Paris 1879), wo wertvolles Material zur Geschichte und Topographie des Mittelalters. Das umfangreichste Spezialwerk über K. ist die fleißige Kompilation von A. Sakellarios Τὰ Κυπριακά Bd. I, Athen 1855. Bd. III (Sprache) 1868. Der für die Geschichte bestimmte Bd. II der 1. Ausgabe ist nicht erschienen. Die neue Bearbeitung füllt zwei starke Bände, Athen 1890/1, und behandelt in I ausführlich Topographie und Geschichte, in II die Sprache (s. o. XIII); vgl. Bursians Jahresb. LXXVII 57ff., ebd. auch über Phrankudis Κυπρίς, Athen 1890. Ein vorzügliches Hilfsmittel ist das kleine, seit 1903 von Hutchinson und Cobham herausgegebene, in der 7. Ausgabe von Lukach und Jardine bearbeitete, halbamtliche ,Handbook of Cyprus‘ (London 1913). Es dient hauptsächlich der Kenntnis des heutigen K., ebenso wie der kurze, aber inhaltreiche, mit Karte und Plänen von Famagusta und Nikosia ausgestattete Abschnitt in Baedekers ,Palästina‘ 1910 und ,Konstantinopel‘ 1914. Endlich sei auf die fachmännisch bearbeiteten Artikel ,Cyprus‘ in der Encyclop. Britann., zuletzt 11. Ausg. Bd. VII 1910, und in der Grande Encyclopedie Bd. XI hingewiesen. Eine orientierende Übersicht mit besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse enthält die Schrift von Trietsch Cypern, Frankf. 1911.

Von den allgemeinen Darstellungen sind nicht immer scharf zu trennen die Reisebeschreibungen. An die naiv gläubigen Pilgerberichte schließen sich seit dem 16. Jhdt. solche von mehr sachlichem Gehalt, und die o. XXI zuletzt genannten, besonders das reich mit Kupfern ausgestattete Werk des holländischen Malers de Bruyn, leiten bereits hinüber zu den wissenschaftlichen, oft auch freilich nur feuilletonistisch schildernden Reisenden der neueren Zeit. Die wichtigsten sollen hier in chronologischer Folge aufgezählt werden, wobei die Zahlen in Klammem das Jahr der Reise bezeichnen. An erster Stelle steht der englische Bischof Rich. Pococke (1738) Description of the East II 2, Lond. 1745, darin die erste Sammlung phoinikischer Inschriften. Ihm folgte (1744) Alex. Drummond Travels etc., Lond. 1754 (selten), des großen Linné Schüler Hasselquist (1751), dann (1760) Giov. Mariti, dessen ,Viaggi‘ I, Lucca. 1769 die ausführlichste Quelle für K. im 18. Jhdt. sind und deshalb von Cobham in englischer Übersetzung ,Travels in the Island of Cyprus‘, Nicosia 1895 neu herausgegeben wurden. Hieran schließt sich (1766) der bedeutende Orientforscher Karsten Niebuhr (1766) Reisebeschr. nach Arabien III (herausg. v. Olshausen), Hamb. 1837, der Numismatiker Sestini (1782) Viaggio da Bassora a Costantinopoli s. 1. 1788, der Botaniker Sibthorp (1787), s.o. IX und der 1792 in Larnaka verstorbene britische Konsul Devezin Nachrichten über Aleppo und Cypern, herausg. v. Harles, Weimar 1804.

Ungemein fruchtbar an Reisewerken ist die napoleonische Zeit. An der Wende des Jahrhunderts stehen die Orientreisenden Olivier [115] (1798) Voyage dans l’Empire Othoman VI. Paris 1807. Sonnini Voyage en Grèce et en Turquie I, Paris 1801 und der Mineraloge Clarke (1801) Travels usw. 4. Ed. II 1, Lond. 1817. Dann folgen die Reisen (1803-1807) des merkwürdigen Spaniers Ali Bey (Badia y Leblich) Voyages en Afrique et en Asie II, Paris 1814. Corancez (1809) Itinéraire usw., Paris 1816. Der Orientalist J. v. Hammer Topogr. Ansichten usw., Wien 1811. Kinneir (1814) Journey through Asia Minor, Lond. 1818, Will. Turner (1815) Journal of a Tour in the Levant II, Lond. 1820. Otto Friedr. v. Richter (1816) Wallfahrten im Morgenlande, Berlin 1822.

Aus der langen Periode von 1816 bis 1878 sind nur die Reisen von Ross 1845 und anderen Archäologen hervorzuheben (o. XIII), darunter auch die inhaltreichen Reisebriefe von P. Schröder (1873) Globus 34 (1878). Mit der englischen Herrschaft setzt dann eine wahre Hochflut ein, s. Bursians Jahresb. LXXVII. Noch kurz vorher hatte der Historiker Löher der Insel einen flüchtigen Besuch abgestattet und sein ,Cypern‘ Stuttgart 1878 fand daher weite Verbreitung. Ihm folgten der Afrikaforscher Sam. Baker Cyprus, London 1879. Dixon British Cyprus 1879. Scott-Stevenson Our Home in Cyprus, London 1879. J. Thomson Through Cyprus, London 1879 (Illustrationen). Agnes Smith Through Cyprus, Lond. 1887. Hogarth Devia Cypria, Lond. 1889 (archäologisch wichtig für den Westen und Nordosten). Mallock In an enchanted Island, London 1889 (stimmungsvolle Schilderungen). Oberhummer Aus Cypern I und II (1887 und 1891), Ztsch. Ges. f. Erdk. 1890. 1892 (enthält auch die Ergebnisse literarischer Quellenstudien). Deschamps Au Pays d’Aphrodite, Paris 1898. Fyler The Development of Cyprus, London 1899 (hübsche Bilder). Delaporte L’ile de Chypre, Grenoble 1913.

Die wissenschaftliche Spezialliteratur über Karten, Geologie, Klima, Flora, Fauna, Bevölkerung, Archäologie, Sprache und Schrift ist o. I, V, VIII-XVI angeführt. Über Ohnefalsch-Richter (o. XIII) habe ich inzwischen in Erfahrung gebracht, daß er 4. Februar 1917 in Charlottenburg verstorben ist und daß ihm seine Frau und Mitarbeiterin, Verfasserin des trefflichen Buches über die Volkskunde von K. (o. XII), am 15. Juni 1922 im Tode folgte. Nach Mitteilung des Sohnes liegt das druckfertige Manuskript des von Kaiser Wilhelm II. unterstützten, ursprünglich in Verbindung mit Furtwängler (persönliche Mitteilung) herauszugebenden Werkes Tamassos und Idalion‘ mit allen Beilagen derzeit im Berliner Museum und wird hoffentlich der Wissenschaft noch zugänglich werden. Die letzten Veröffentlichungen von O.-Richter waren ,Der Orient and die frühgriechische Kunst‘, Orient. Arch. III (Lpzg. 1913) und ,Kyprische Bildwerke‘ Ath. Mitt. 1915. Von sonstiger archäologischer Literatur möchte ich noch nachtragen Poulsen Zeitbestimmung der Enkomifunde (15.-11. Jhdt.). Arch. Jahrb. 1911, 215-248. Karo Orient und Hellas in archaischer Zeit, Ath. Mitt. 1920, 129ff. Myres Handbook of the Cesnola Collect. (New York 1914) und zu der Frage der o. XIV beschriebenen Steinpfeiler Deschamps Les menhirs [116] percés de l’île de Ch., L’Anthropologie VII 1896 sowie Bary in Ztschr. f. Ethnol. VIII 1876 über ähnliche Monolithe in Tripolitanien. Mit der kyprischen Schrift und ihrer Verwandtschaft mit der kretischen Linearschrift beschäftigt sich Sundwall Arch. Jabrb. 1915 (Schriftzeichen von Enkomi um 1300 v. Chr.) und Acta Acad. Aboensis Humaniora I, Abo 1920.

Für die Kenntnis der stark vernachlässigten christlichen Kunst auf K. hat Smirnov Christl. Mosaiken aus K. (russisch), Viz. Vremennik 1897 einen wertvollen Beitrag geliefert. Für die Baukunst des Mittelalters hat bereits Rey Ét s. l. monum. de l’archit. milit. d. croisés, Paris 1871 durch die Aufnahme der Burgen der Nordkette vorgearbeitet. Die reiche kirchliche Architektur fand zuerst eine Bearbeitung durch I’Anson und Vacher Mediaeval and other Buildings of Cyprus, Lond. 1883 (aus Transact. R. Inst. Brit. Architects), dann durch das umfassende Werk von Enlart L’Art gothique et la Renaissance en Ch. 2 B., Paris 1899, sowie durch Seesselberg Das Prämonstratenserkloster Delapais, Berlin 1901. Über die Bauten von Famagusta handelt Jeffery Journ. R. Inst. Brit. Archit. XV 1908.

Aus der großen Literatur über die Geschichte der Insel seien hier zunächst die Gesamtdarstellungen von Kyprianos 1788 (Ausg. s. o. XI) und bei Sakellarios I genannt. Über das Altertum s. o. XX, die Quellen zur Geschichte des Mittelalters o. XXI. Für die fränkische Zeit hat Joh. Paul Reinhardt Gesch. d. Königr. Cypern, 2 Bde., Erlangen 1766/68 den Grund gelegt. Die im übrigen vom Altertum bis zur türkischen Zeit reichende Darstellung, welche von urkundlichen Beilagen begleitet ist, ist noch heute um so weniger zu entbehren, als das neuere Hauptwerk von Mas Latrie Hist. de l’île de Chypre sous le règne des princes de la maison de Lusignan, 3 B., Paris 1852-1861 zwar ein reiches Urkundenmaterial für die Zeit von 1191–1671 beibringt, die historische Darstellung selbst aber nur das Jahrhundert 1191-1291 umfaßt und so Stückwerk geblieben ist. Ansprechende Schilderungen der mittelalterlichen Geschichte für einen weiteren Kreis bieten Herquet Cyprische Königsgestalten, Halle 1881, und Bérard Cypris, Paris 1902. Eine für uns bemerkenswerte Episode schildert Loher Kaiser Friedrichs II. Kampf um C., Abh. Bay. Akad. III. Kl. XIV 2 (1879). Die türkische Invasion hat eine große zeitgenössische Literatur hervorgerufen. Die Titel findet man bei Cobham Bibliography, der selbst mehrere dieser Berichte, auch türkische, durch Übersetzung zugänglich gemacht hat. Von neueren Schriften seien genannt Cobham The Sieges of Nicosia and Famagusta, London 1899 (nach Gratianus De bello Cyprio, Rom 1624). Foglietta The Sieges of Nicosia and Famagusta transl. by Cobham, Lond. 1903 (nach Foglietta De caus. magn. imp. Turc. usw., Lips. 1594). Herre Europäische Politik im cyprischen Krieg 1570-1573, Leipzig 1902. Über die bisher fast nur aus den Reiseberichten bekannte Zeit der türkischen Herrschaft ist kürzlich ein Buch von Luke Cyprus under the Turks 1571-1878 erschienen, das mir erst aus einer Anzeige der ,Times‘ vom 10. Februar 1921 [117] bekannt ist. Die jüngste Periode beginnt mit dem von Lord Beaconsfield geschickt eingeleiteten Vertrag mit der Pforte vom 4. Juni 1878, welcher K. unter Wahrung der Hoheit des Sultans der englischen Verwaltung unterstellte, woraus im Kriege (Dez. 1914) eine englische Kolonie wurde. Für die Entwicklung der Insel unter englischer Verwaltung geben die amtlichen Blaubücher, worüber Cobham und OC, reiches Material, aber kaum ein objektives Bild. Einheimische und nichtenglische Beobachter sehen es vielfach in anderem Licht, s. z. B. Phrankudis und Delaporte a. a. O. Lichtenberg Grenzboten 1904 und ,Cypern und die Engländer‘, bei Grothe Länder und Völker der Türkei, Leipzig 1915. Besonders wichtig sind von den amtlichen Veröffentlichungen außer den jährlichen Reports des High Commissioner die Berichte über die Volkszählung: Barry Report on the Census of Cyprus 1881, London 1884. Mavrogordato Report of the Census 1901, Nicosia 1902 usw. (die letzten zugänglich), dann Gennadios Report on the Agriculture of Cyprus, 3 Teile, Nicosia 1895/6. Bellamy A Monograph of the Main Roads of Cprus, Nicosia 1903.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band S VI (1935), Sp. 212216
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