RE:Κυαξάρης 1
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| dritter König von Medien | |||
| Band XI,2 (1922) S. 2246–2250 | |||
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1) Dritter König von Medien nach Herodot. I 103, Enkel des Deiokes, Sohn des Phraortes, Vater des Astyages, soll noch kriegerischer gewesen sein als seine Vorgänger und zuerst die Asiaten nach einzelnen Scharen und Waffengattungen eingeteilt haben (vgl. Themist. or. 26, 319b). Er führte, angeblich fünf Jahre lang, gegen Alyattes von Lydien Krieg, der infolge einer während der letzten Schlacht eingetretenen Finsternis abgebrochen und durch einen von dem Syennesis von Kilikien und Labynetos von Babylonien vermittelten Frieden beendet wurde; Alyat-tes' Tochter Aryenis wurde mit dem medischen Prinzen Astyages vermählt (Herodot. I 16. 73f. 103). Ferner bekriegte K. Assyrien, hatte auch bereits einen Sieg erfochten und belagerte die Hauptstadt Ninos, als ein großes skythisches Heer unter dem König Madyes, Sohn des Proto-thyes, heranzog, die Meder schlug und Westasien bis zur ägyptischen Grenze unterjochte. 28 Jahre lang soll die skythische Oberherrschaft gedauert haben, bis es K. gelang, die Meder zu befreien. [2247] **V"±tAÇfj±
Ninos zu. erobern und die Assyrer zu unterjochen. Nach einer Regierung von 40 Jahren, eingerechnet die Dauer der skythischen Oberherrschaft, starb K. (Herodot. I 106). Soweit unsere Haupt-quelle. Auf Herodot beruft sich auch Diodor (II 32), verdreht aber seine Angaben, indem er K. zum Gründer des medischen Königreichs macht, ihm also die Rolle zuweist, die bei Herodot. I 96 des K. Großvater Deiokes spielt. Umgekehrt gibt Diodor dem K. mehrere ἐκγόνους bis auf Astyages, den wieder Herodot als Sohn und direkten Nachfolger des K. hinstellt. Schließlich behauptet Diodor fälschlich κατὰ γὰρ τὸ δεύτερον ἔτος τῆς ἐπτακαιδεκάτης ὀλυμπιάδος ἤρεθη βασιλεὺς ὑπὸ Μηδων Κ. καθ Ἠρόδοτον, da sich bei Herodot keine derartige Zeitangabe findet. Im weiteren Verlauf schließt sich Diodor an Ktesias an, dessen medische Geschichte von Herodot aufs stärkste abweicht und K. überhaupt nicht kennt (s. den Art, Media). Das zweite Jahr der 17. Olympiade ist 711/0, ein Jahr, das ungefähr für die Erhebung des Deiokes passen würde. Freilich ist Herodots medische Chronologie nicht nur künstlicher Zurechtmachung verdächtig, sondern leidet auch an einem offen erkennbaren Widerspruch. Denn nach seinen Angaben der einzelnen Regierungszahlen (Her. 1 102. 106. 130) herrschten die vier medischen Könige zusammen 53 μ 22 -f 40 -h 35 = 150 Jahre, einschließlich der Zeit der skythischen Oberherrschaft (28 Jahre), gemäß der Zusammenfassung (I 130) ohne diese Oberherrschaft 128 Jahre. 128 + 28 ist aber nicht 150, sondern 156, also ein Mehr von 6 Jahren gegenüber der anderen Rechnung. Daß ein Fehler hier vorliegt, ist offenbar; ein sicheres Mittel, ihn richtig zu stellen, gibt es noch nicht. Der Sturz des Astyages und damit das Ende des medischen Reichs ist nach babylonischen Angaben (s. den Art. Κάρραι o. Bd. X S. 2013f.) auf 556 zu berechnen. Angenommen, daß Hero- -dots Chronologie annähernd richtig wäre, käme man für die Erhebung des Deiokes und den Anfang des medischen Reichs auf 716 oder 722, für Astyages auf 590–556, für K. auf 630–591. Die Chronographen Eusebios, Hieronymus, Χρον. σύντομον, Excerpta barbari, Georg. Synk. (1401) weisen K. nur 32 Regierungsjahre zu. Eusebios und Hieronymus die Jahre 630–599. Aber es bestehen noch andere Schwierigkeiten. Nach Herodot soll K. zweimal mit Assyrien Krieg ge- ! führt haben. Beide Kriege seien durch den Einfall der Skythen und ihre angeblich 28 Jahre währende Oberherrschaft getrennt gewesen, und der zweite Krieg habe mit der Eroberung von Ninos und Unterwerfung der Assyrer geendet. Die Zerstörung Ninewehs durch K. steht fest, weniger das Jahr, obwohl dieses vor 606 liegen muß. Zählt man hierzu die 28, so kommt man auf das J. 634, d. h. in die Regierungszeit des Phraortes, unter dem also bereits der Skythen- ( einfall erfolgt sein müßte. Nun ist freilich die Zahl 28 durchaus nicht sicher. Durch ihre Verkürzung auf 22 würde man wenigstens die übrigen Zahlenangaben bei Herodot retten, aber sonst nicht viel gewinnen. Denn die Zerstörung der assyrischen Hauptstadt erfolgte wahrscheinlich noch einige Jahre vor 606, so daß für den ersten assyrischen Feldzug des K. kaum noch die Zeit [2248] Λυαξαρης-
bleibt. Wahrscheinlich ist er zu streichen, und der Einfall des Skythen Madyes, Sohnes des Proton thyes, hätte bereits unter Phraortes stattgefunden (vgl. Winckler Auszug aus der vorderasiatischen Gesch. 85, Leipz. 1905). Hérodote Angabe 1105 (vgl. auch Strab. XVII 1, 18), daß die Skythen an der Grenze von Ägypten von Psammetichos [I.] durch reiche Geschenke zur Umkehr bewogen worden seien, ergibt bei der langen Begierungs-10 zeit dieses Pharao (663–609) keinen zeitlichen
Widerspruch, fördert uns aber auch nicht. Letzteres gilt auch von dem Synchronismus des nah-sehen Marmorkünstlers Byzes is. d.) mit Alyattes und Astyages. dem Sohne des K. (Paus. V 10, 3). Vor dem ersten Feldzug gegen die Assyrer berichtet Herodot auch noch den Krieg des K. gegen die Lyder, der nach fünfjähriger Dauer durch die Vermittlung des Syennesis von Kilikien und des babylonischen Königs Labynetos beigelegt worden 20 sein soll. Will man nicht annehmen, daß Assyrien damals schon vollständig ohnmächtig gewesen sei – eine Annahme, zu der jeder Grund fehlt – so ist es so gut wie unmöglich, daß K. einen längeren Krieg mit Lydien geführt haben könnte. Erst nach der Niederwerfung Assyriens bot der Angriff auf Lydien Aussicht auf Erfolg. Ganz unmöglich ist die angebliche Friedensvermittlung durch Labynetos. Das wäre Nabu-na’id von Babylon, der 556 König wurde, gemäß Her. 301 77 mit Kroisos ein Bündnis schloß, endlich von
Kyros angegriffen (Her. I 188), entthront und gefangen genommen wurde. Man müßte die ohnedies lange Regierungszeit des K. noch um mehrere Jahrzehnte verlängern oder herabrücken und die des Astyages einfach streichen, um nur der zeitlichen Schwierigkeiten Herr zu werden. Aber auch geschichtlich wäre die Tatsache einer babylonischen Friedens Vermittlung schwer zu begreifen. Für den kilikischen Nachbar war es allerdings 40 von Wichtigkeit, daß Kämpfe, die schon 5 Jahre
an seinen Grenzen tobten und notwendigerweise auch sein Land in Mitleidenschaft ziehen mußten, möglichst bald ein Ende fanden. Dem König von Babylon dagegen verbot das Staatsinteresse die Einmischung in jene Händel, und es fehlt jeder Grund zu der Annahme, daß schon Nabo-polassar (626–605) und seine Nachfolger auf dem babylonischen Throne Gefühls- oder Prestigepolitik getrieben hätten. Wahrscheinlich bleibt 50 also, daß der Krieg zwischen K. und Alyattes
durch Vermittlung des kilikischen Fürsten beigelegt wurde. Daß die Einstellung des Kampfes durch ein Naturereignis, die Verwandlung von Tag in Nacht, herbeigeführt worden sei, ist durchaus möglich, ebenso daß der Eintritt dieser Verwandlung¹ (μεταλλαγή) von dem Milesier Thales für jenes Jahr vorhergesagt worden sei, in dem die μεταβολῆς wirklich eintrat. Natürlich kann es sich dabei nicht um eine einfache atmosphä-)0 rische Erscheinung, sondern es muß sich um eine auffällige, womöglich totale Sonnenfinsternis gehandelt haben, wie man auch seit jeher angenommen hat. Die Aufgabe, diese Sonnenfinsternis astronomisch zu bestimmen, stößt hauptsächlich auf zwei Schwierigkeiten: einmal die Mängel der Mondtheorie, die ganz allgemein die genaue Berechnung von Sonnenfinsternissen für jene entlegenen Zeiten erschweren, andererseits die Tat- [2249] 2249 Κυαξάρης
sache, daß das Schlachtfeld, auf dem die beiden Heere von der Sonnenfinsternis überrascht wurden, nicht genauer bekannt ist Man nimmt zwar gewöhnlich an, daß die Schlacht im Tale des Halys stattgefunden hat, spricht wohl auch kurz von der Halys-Schlacht (Hüsing OLZ X 23, 1907), darf aber nicht vergessen, daß diese Ansetzung nur darauf beruht, daß in dem später abgeschlossenen Friedensvertrag der Halys als Grenze zwischen den beiden Reichen bestimmt 10 wurde. Das Schlachtfeld selbst kann in einiger Entfernung, westlich oder östlich vom Flusse, gelegen haben. Die zahlreichen Versuche, die Sonnenfinsternis, die bei Herodot. I 74 und 103 gemeint ist, zu berechnen, haben sehr verschiedene Ergebnisse gezeitigt (vgl. die Nachweise bei Ginzel Spezieller Kanon 1691, Berlin 1899) und sind noch jetzt von einer einheitlichen Lösung der Aufgabe weit entfernt. Die meisten haben sich in neuerer Zeit für die Sonnenfinsternis vom 20 30. Sept. 610 oder für die vom 28. Mai 585 (so u. a. Schubert Gesch. d. Könige v. Lydien 52ff., Breslau 1884. Ginzel und Boll o. Bd. VI S. 2353f.) ausgesprochen. Winckler (a. a. O. 61) entschied sich für die Sonnenfinsternis vom 19. Mai 557 und nahm eine Friedensvermittlung durch Nebukadnezar (f562!) an. Hüsing suchte die gleiche Finsternis oder die vom 1. Nov. 556 zu erweisen. Andere trennten die Sonnenfinsternis des Tages der Schlacht von derjenigen, die Thales 30 vorhergesagt haben sollte: so zuletzt Beloch (Griech. Gesch. 2 I 2J 354if., Straßb. 1913), der das Datum der Schlacht nach der Finsternis vom 21, Sept. 582 bestimmt, als die Thales-Finsternis aber die vom 19. Mai 557 ansieht. Einer solchen Zweiteilung, entgegen der ausdrücklichen Angabe Herodots, könnte ich nur dann zustimmen, wenn gar keine Möglichkeit bestände, beide Finsternisse vereint zu lassen; ein Zwang, sie zu trennen, scheint mir nicht gegeben zu sein. Die 40 gewichtigsten Gründe sprechen für die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585: 1. Sie fallt sicher in die Regierungszeit des Alyattes, vielleicht auch, trotz Herodots unsicherer Chronologie, noch in die des K., liegt jedenfalls der Zeit des K. nicht so fern wie die späteren von 582, 557 und 556.
2. Sie war nahezu total und unbestritten die auffälligste aller Sonnenfinsternisse, die für jene Zeit und den mutmaßlichen Ort des Schlachtfeldes, das Ginzel unter 34° östlicher Länge und 39° 50 nördlicher Breite ansetzt, in Betracht kommen. Ihre Auffälligkeit wurde durch ihren späten Eintritt (3/4 Stunde vor Sonnenuntergang) noch mehr gehoben. 3. Herodots Angabe, sie sei von Thales vorhergesagt worden, wird durch Plinius (n. h. II 53) direkt bestätigt: apud Graecos autem in-vestigavit primus omnium Thales Milesius olym-piadis XL· VIII anno quarto praedicto solis de-fectu, qui Alyatte rege factus est urbis conditae anno CLXX. Die unsichere Überlieferung der 60 nach der Gründung Roms gegebenen Jahreszahl (var. CLXXX und CXX) darf niemanden beirren: das vierte Jahr der 48. Olympiade ist 585/4. Die Vorhersage einer Sonnenfinsternis durch Thales gründete sich wahrscheinlich auf die Kenntnis der Sarosperiode (s. den Art. Σάρος)- sie läßt sich für die Finsternis vom 28. Mai 585 besonders leicht verstehen, weil einen Saros vor- [2250] Kybele
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her, am 18. Mai 603, eine auffällige Sonnenfinsternis eingetreten war, die Thales vielleicht selbst beobachtet hatte.
K.s Name war noch zur Zeit des Darius Hy-staspis wohl bekannt. Ein Meder Frawartis und ein Sagartier Cisratakma empörten sich 522 gegen den neuen Großkönig; beide gaben vor, aus dem Geschlechte des Huwakstra-K. zu sein. Der me-dische Aufstand (angedeutet von Herodot. I 130) griff nach Armenien, Assyrien, Hyrkanien und Parthien hinüber und zog sich länger als ein Jahr hin, ehe er niedergeschlagen wurde.