RE:Παραφύλακες

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVIII,4 (1949), Sp. [1949 1367]–[1949 1369]
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Παραφύλακες kommen in Inschriften von Kleinasien und Papyri vom 3. Jhdt. v. Chr. bis ins 6. Jhdt. n. Chr. vor. Fränkel Inschr. v. Pergamon 239 war daran, die Forschung irre zu führen, indem er willkürlich {{Polytonisch|ὁ πρὸς τῇ παραφυλακῇ [τῶν νόμων κατασταθείς] ergänzte und für den παραφύλαξ als Pflicht die Überwachung der Gesetze erschloß. Schon von Kaibel DLZ 1891, 170 als Unding bezeichnet und auch von Wilhelm Arch.-epigr. Mitt. XX (1907) 56 widerlegt. Vgl. auch Cardinali Il regno di Pergamo 269, 4 und Th. Reinach Bull. hell. XXXII (1908) 499f. zu einer Inschrift, wahrscheinlich aus Aphrodisias in Karien. Die π. sind Gemeindepolizisten, doch läßt sich ihre Stellung zu den φυλακῖται und παραφυλακῖται und ähnlichen Beamten nicht sicher abgrenzen.

Bald erscheint ein einzelner π., bald zwei oder ein ganzes Gendarmeriekorps. Aus Liddle–Scott s. v. und zahlreichen eigenen Sammlungen besonders aus Papyrusurkunden seien eine Anzahl charakteristischer Beispiele hervorgehoben, auch für παραφυλακή und παραφυλάσσω.

Ἡ παραφυλακή findet sich Polyb. II 58 und I 79, 1 οἱ τὴν Σαρδόνα παραφυλάττοντες. Ebenso Pap. Oxy. 1033, 7 (4. Jhdt. n. Chr.). Ich notiere aus Preisigke Wörterbuch für π. Bewachung, Wachtdienst, Sicherheitsdienst eine Anzahl Beispiele. Arch. f. Pap. VI 427 (2. Jhdt. n. Chr.) π. πλατειῶν καὶ ῥυμῶν. Pap. Oxy. 705, 72 (3. Jhdt. n. Chr.) π. τῶν τόπων, (des Bezirkes oder Distriktes). Pap. Ryl. 89, 9 (2. Jhdt. n. Chr.) π. τῆς μητροπόλεως. Pap. Oxy. 1053, 7, 17 (4. Jhdt. n. Chr.) π. τῆς πόλεως. Ebenso Pap. Oxy. 904, 4 (5. Jhdt. n. Chr.). Pap. Soc. 47, 3 (6. Jhdt. n. Chr.) π. τοῦ ἀγροῦ. Pap. Giss. 56, 1, 10 (6. Jhdt. n. Chr.) ein Kloster steht ὑπὸ τὴν παραφυλακὴν τῶν ἀπὸ κώμης. Pap. Lond. 1012, 30 (7. Jhdt. n. Chr.) ἄρουραι ἐν πεδιάδι κώμης Θύνεως καὶ ὑπὸ τὴν ταύτης παραφυλακήν. Eine Abgabe παραφυλακῆς Torin. 93. 843 (6. Jhdt n. Chr.). Das Verbum παραφυλάσσω wird teils im eigentlichen Sinne als bewachen, bewahren gebraucht, so Pap. Masp. 161, 13 (6. Jhdt. n. Chr.) τὸ ἀνενόχλητον καὶ τὸ ἀζήμιον καὶ τὸ ἀβλαβὲς παραφύλαξαι, teils im übertragenen Sinne, wie Pap. Masp. 115, 199 (6. Jhdt. n. Chr.) παραφύλαξαι ἐρρωμένην ταύτην μου τὴν διαθήκην. Mehr Beispiele bei Preisigke WB. In einem Gebet des 6. Jhdts. n. Chr. Pap. Masp. 188, 3 παραφύλαξον με ἀπὸ παντὸς πονηροῦ πνεύματος.

Als Pflicht der εἰρηνοφύλακες, deren Befugnis von den π. abzugrenzen ist, bestimmt Pap. Oxy. 2121, 75 (3. Jhdt. n. Chr.) προνοεῖν τῆς παραφυλακῆς τοῦ μετρου(μένου) δημοσίου πυροῦ τε καὶ γενῶν. Das Verbum παραφυλακέω findet sich IGR III 516 (Kadyanda); παραφυλάσσειν τὴν τε χώραν καὶ τὴν πόλιν auch Polyb. IV 3, 7.

Παραφυλακίτης als Soldat einer Garnison steht Syll. or. 338, 17 (Pergamon 2. Jhdt. n. Chr.), IGR IV 896 (Alastos, Phrygia). CIG 4366 (Pisidia).

In der Inschrift aus Magnesia am Maiandros bei Kern Inschr. v. Magn. 124 nr. 164 (= Syll. or. 485) erscheint παραφυλάξαντα mitten unter den höchsten Gemeindeämtern. Dittenberger a. O. Anm. 9 zählt folgende Beispiele solcher [1368] wortreicher Inschriften auf: Jahresh. österr. Inst. V (1902) p. 199, 23ff. Lebas-Waddington Inscr. III 1693 b (Kolossai). Ath. Mitt. XIX (1894) p. 307 n. 1. Inscr. Brit. Mus. III 2 p. 209 n DLXXIX a 7. 8. Zu Athen. Mitt. a. O., nunmehr IGR 524 = Syll. or. 476, für die Errichtung einer Statue für den aus Tacitus bekannten T. Clodius M. f. Eprius Marcellus aus Dorylaion κατασκευάσαντος Θεογένους Μενάνδρου τοῦ Μενεμάχου ἀρχιπαραφύλακος zählt Preger eine Reihe kleinasiatischer Inschriften auf, die παραφύλακες regelmäßig in Verbindung mit andern städtischen Ämtern nennen. ἀρχιπαραφύλαξ ist neu und setzt eine Mehrheit von παραφύλακες voraus. Es sind Bull. hell. VII 273 (Nysa in Lydien). Greek Inscr. Brit. Mus. III S. 87 (Ephesos). Kondoleon Μικρασιαναὶ ἐπιγραφαί S. 46 n. 90 (Magnesia a. M.). Sterrett Pap. of the Amerc. School II nr. 25 (Sebastopolis in Karien), Bull. hell. X S.54 (Kadyanda in Lykien). CIG 4413 c 6 (= IGR III 834) (Iotapa in Kilikien). Städte Pamphyliens und Pisidiens II S. 203 nr. 58. Die Beipiele ließen sich vermehren, z. B. durch CIG 3886 et Add. p. 1103 (= IGR IV 739) aus Eumenia in Phrygien, IGR 649 (Idebessos in Lykien), IGR 650, 6 (ebd.). IGR 640, 23 (Arneae in Lykien), IGR 516, 18 (Kadyanda in Lykien). Preger glaubte, daß die π. einen ähnlichen Wirkungskreis hatten wie die ἀρχιφύλακες und ὑποφύλακες; des lykischen Bundes, von Steuerbeamten, die hinsichtlich der Steuerleistung die Provinz gegenüber dem Fiscus zu vertreten hatten. Doch läßt sich diese Vermutung trotz der Zustimmung von Waddington nicht halten. E. L. Hicks Anc. Greek Inscr. Brit. Mus. III 2 p. 87 glaubt, die π. hätten den Gemeindesoldaten (διωγμίταις Syll. or. 511, 10) den Sold auszubezahlen gehabt. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme von O. Hirschfeld S.-Ber. Akad. Berl. 1891, II 868, 116, der die παραφύλακες für die Vorstände des Gendarmeriekorps der παραφυλακῖται hält. Zugestimmt hat Liebenam Städteverw. i. röm. Kaiserreich 357, 6, Dittenberger warnt dagegen Syll. or. 845: ,hos nobilissimos homines fuisse non confundendos illos quidem cum eis publicae securitatis custodibus qui appellabantur παραφυλακῖται, gibt aber nicht an, was dann die παραφύλακες gewesen seien. Noch schwieriger ist es, das Verhältnis des εἰρηνάρχης (Syll. or. 550 Phrygien), dem die διωγμίται unterstellt waren (Syll. or. 511, 11 ) zu dem παραφύλαξ und den παραφυλακῖται zu bestimmen. Möglich, daß, wie Dittenberger zu 550 vermutet, die παραφυλακῖται und die διωγμίται identisch sind. Über διωγμίται handelt nach Waddington eingehend Dittenberger zu Syll. or. 511, 3. Anders Fiebiger o. Bd. IV S. 784.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die π. die Gemeindepolizei sind, die für die Sicherheit der Gemeinde und der Umgebung zu sorgen haben. Syll. or. 443 (= IGR IV 196), Ilion, ist ein Dank der Behörden der Ποιμανηνοί für ἐξαποστεῖλαι πρὸς ἡμᾶς εἰς παραφυλακὴν τῆς πόλεως στρατιώτας καὶ ἐπ’ αὐτῶν ἡγεμόνα und für die πίστιν ... τὴν ὑπὲρ φυλακ[ῆς τῆς τε πόλεως καὶ τῆς χώρας]. Pap. Oxy. VIII 1106, 4 (6. Jhdt. n. Chr.) beordert ein offenbar höherer Offizier [1369] seinen Untergebenen: γενοῦ κατὰ τὴν εἰρημένην κώμην καὶ παραφύλαξον αὐτοῖς τὸ ἀνεπηρέαστον (wahre ihnen die unverletzliche Sicherheit) καὶ εἴ τινες ἐπιχειρήσουσιν παράνομόν τι μετ’ ἐκείνων πρᾶξαι ἢ ὅλως ἐνθυμηθῆναι, παρεγγύησον τοῖς πρωττεύουσιν αὐτῶν ἀποσχέσθαι τοῦ τοιοῦτου τολμήματος. Pap. Oxy. VIII 1165, 7, 9 (6. Jhdt. n. Chr.) beklagt sich ein Advokat (σχολαστικός), daß infolge eines Streites wegen eines Kameles die Gegenpartei (1106, 4) behauptet ώς ἡ παραφυλακή τοῦτο ἐποίησεν καὶ κύριοί ἐστε τῆς παραφυλακῆς. In einer Inschrift, wahrscheinlich aus Aphrodisias in Karien aus dem 2. Jhdt. n. Chr., vollzieht ein Στεφανίων Στεφάνου als παραφύλαξ die Weihung eines Parthenon an Kybele (μητρὶ θεῶν ὀρείᾳ), den Th. Reinach Bull. hell. XXXII (1908) 499 als ,chef de la police locale‘ bezeichnet. In Syll. or. 96, gefunden in Bencha, ist ὁ ἐπιστάτης τῶν φυλακιτῶν, mit dem ἀρχιφυλακίτης in nr. 139, 6 nicht identisch, denn Pap. Lugd. Bat. I p. 42 G 23 stehen der ἐπιστάτης τῶν φυλακιτῶν καὶ ἀρχιφυλακίτης nebeneinander. ,Quid tamen intercesserit discriminis, ignoramus‘ (Dittenberger). Syll. or. 527, 10. 11 ἔδοξε [τοὺς παραφύλακας τὸ λοιπ]ὸν ἀπ’ ἑαυτῶν ἐν ταῖς κώμαις ποιεῖσθαι ἐπιδη[μίαν]. Syll. or. 338, 17 (Altert. v. Pergamon nr. 249) καὶ παραφυλακίταις καὶ τοῖς ἄλλοις ἐ[πικού]ροις τοῖς κατοικοῦσιν ἢ ἐνεκτημένοις ἐν τ[ῆι πόλει] ἢ τὴν χώραν. Flind. Petrie Pap. II p. 111 nr. XXXII 2 b 3ff. wird ein Hirte, der seine Herde in bepflanztes Land getrieben hatte, von den φυλακῖται verhaftet, Syll. or. 85, 3 (Theben in Ägypten) Τέως Ὤρου φυλακίτης τόπων Ἀμμωνιειου. Lumbroso Recherches 249ff. und Wilcken Gr. Ostr. I 402, 1 machen darauf aufmerksam, daß Leute, welche für die öffentliche Sicherheit besorgt sind und Verbrecher verhaften, zu unterscheiden sind von den Soldaten der königlichen Armee. Vgl. oben zu Syll. or. 443.

Es ertönen Klagen über die Gefährlichkeit der παραφυλακή. Pap. Oxy. VII 1033, 7. 16 (392 n. Chr.) beklagen sich zwei νυκτοστρατηγοί über die Gefährlichkeit der π. und wünschen von dem gefährlichen Amte befreit zu werden: τὸ ἀνενόχλητον ἡμᾶς ἔχειν περὶ τε τῆς παραφυλακῆς τῆς πόλεως καὶ περὶ τῆς παραστάσεως τῶν ζητουμένων προσώπων, (Z. 17). Pap. Oxy. IV 705, 73 (200—202 n. Chr.) beklagen sich die Petenten ἐνοχλούμενοι ὑπὸ τῶν κατ’ ἔτος λειτουργιῶν τοῦ ταμιείου καὶ τῆς παραφυλακῆς τῶν τόπων (,protection of the district‘). In Pap. Oxy. XVI 1853 (6. od. 7. Jhdt. n. Chr.) beklagt sich die wachhabende Polizei διὰ τοὺς ἀπὸ Θμοινεψώθεως καὶ τῶν παραφυλάκων αὐτῶν (lg. τοὺς παραφύλακας).

Die bis zum Erscheinen des Buches von Liebenam Städteverwaltung im röm. Kaiserreich bekannt gewordenen Inschriften sind 357 n. 6 und XIV verzeichnet.