RE:Ἀποτρόπαιος, ἀποτροπαία, ἀποτρόπαιοι

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 189–190
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Ἀποτρόπαιος, ἀποτροπαία, ἀποτρόπαιοι,[WS 1] Abwender des Unheils, wie die ἀλεξίκακοι, ἀποπομπαῖοι, λύσιοι, φύξιοι (Poll. V 131. Suid.), bald Epiklesis einzelner Götter, bald selbständige Bezeichnung. A. Ἀποτρόπαιος heisst 1) Zeus in Inschriften aus Erythrai (Rayet Rev. arch. XXXIII 107 = Dittenberger Syll. 370, 69. 115), Elateia (Bull. hell. X 375 nr. 15, ergänzt), und Olympia (IGA 572, ergänzt); dazu Luk. Al. 4. Et. Magn. und Zonar s. ἀποδιοπομπεῦσθαι. Schol. Arist. Ritt. 1307. Anon. Ambr. 5; Laur. I 12 (Schoell-Studemund Anecd. I 264. 266); 2) Apollon. CIG 264 (vgl. CIA III 175. 177). Orak. b. Demosth. XXI 53. Arist. Wesp. 161; [190] Vög. 61; Plut. 359. 855; Ritt. 1307. Aristainet. ep. II 1; 3) Herakles, in Ephesos, Philostr. vit. Apoll. IV 10 p. 68. VIII 7 p. 159.

B. Ἀποτροπαία heisst Athena in den Inschriften aus Erythrai neben Zeus Ἀποτρόπαιος (s. A. 1), aus Rom neben den ἀπωσίκακοι θεοί (IGI 957 = CIG 5939 = CIL VI 106), und auch in Soloi hatte die Athenapriesterin θυσίας καὶ ἱερουργίας ἀποτροπαίους zu verrichten, Plut. quaest. Gr. 3.

C. Ἀποτρόπαιοι θεοί standen in Sikyon neben dem Grab des Epopeus, wo sie mit allen Bräuchen verehrt wurden, welche die Griechen zur Abwehr des Bösen kannten, Paus. II 11, 1. Aller Orten wurden sie angerufen, wenn böse Träume, feindliche Gestirne oder schlimme Opferzeichen Unheil verkündeten (Aeschyl. Pers. 203 ἀπότροποι δαίμονες. Hippokr. περὶ διαίτης 89 = II 10 Kühn. Xen. hell. III 3, 4), wenn Krankheit und Gefahr, Zwist und Bürgerkrieg, Unglück oder ein ungewöhnliches Ereignis hereinbrach (Plut. conv. VII sap. 16; de amor. prol. 5. Alkiphr. ep. III 53. Dion. Hal. ant. V 54, 3. X 2. Diod. XVII 16), wenn frevelhafte Gedanken den Sinn berücken wollten (Plat. leg. IX 854 B. Arrian Epict. II 18, 20) oder was es sonst abzuwehren galt; vgl. Xen. Symp. 4, 33. Clem. Al. Protr. 42 p. 37 P.; über einen eigenartigen Kult. Ps.-Plut. de fluv. 23, 3. Dabei mochte man gelegentlich auch an die olympischen A., an Zeus und Apollon A. denken, im allgemeinen aber verstand man unter A. geringere chthonische Wesen (so setzt Hippokr. a. a. O. die A. zusammen mit Ge und den Heroen in einen Gegensatz zu Helios, Zeus, Athena, Hermes und Apollon; bei Xenoph. hell. III 3, 4 Gegensatz zu den σωτῆρες), Heroen (Furtwängler Samml. Sabouroff I Skulpt. Einl. 20), oder Daemonen aus dem Kreis der Hekate (Plut. quaest. conv. VII 6, 12; vgl. quaest. Rom. 111). Über den ganzen Ideenkreis vgl. König Opuscula latina 173ff. 235ff. Ukert Abh. d. sächs. Ges. d. W. II 137ff., vor allem Deneken bei Roscher Myth. Lex. I 2479. S. auch Averrunci.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. transkribiert: Apotropaios, apotropaia, apotropaioi.