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Ὡραῖα. Philochoros bei Athen. IV 656 A berichtet von Opfern der Athener an die Horen, bei denen man das Fleisch nicht gebraten, sondern gekocht habe, um anzudeuten, daß man um gleichmäßige Wärme für das Gedeihen der Feldfrüchte flehe. Vielleicht hießen solche Opfer Ὡ.; überliefert wird der Name nicht. Sodann finden wir bei Hesych. s. ὡραῖα die Erklärung: νεκύσια· οἱ δὲ δαιμόνια. τάσσεται δὲ καὶ ἐπὶ τῶν ἐκ γῆς ὡραίων καὶ ἐπὶ τῶν καθ’ ὥραν συντελουμένων ἱερῶν (vgl. Hesych. s. ὡραῖα θύειν). Daraus hat man auf ein Totenfest des Namens Ὡ. geschlossen. Aber das Wort ist bei Hesychios offenbar appellativ gebraucht. Ωραῖον heißt ‚rechtzeitig‘. Rechtzeitig sollen alle Feste gefeiert und alle Opfer dargebracht werden; in Staatskulten war dies selbstverständlich, und eine Versäumnis oder Verzögerung unmöglich, nicht so im Totenkult, der den einzelnen oblag; da konnte der Gedenktag leicht einmal vergessen werden. Das war aber eine Impietät, die böse Folgen haben konnte, denn der Tote verlangte streng sein Recht und rächte sich, wenn man es ihm vorenthielt. Da war also besondere Aufmerksamkeit erforderlich, und der Sprachgebrauch bezeichnete mit ὡραῖα ἱερά bald nur die Totenopfer (Eur. Hik. 175. Plat. Kritias 116 C. Collitz Dialektinschr. 1545. 1546. 1575, 21. Rohde Psyche I 251, 2), ohne daß das Wort zum Nomen proprium wurde; vgl. Daremberg-Saglio V 256. Preller-Robert Gr. Myth. I 636, 2. Stengel Opferbräuche, Leipzig 1910, 163f.