RE:Ῥέα
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Rea, griechische Göttin | |||
| Band I A,1 (1914) S. 339–341 | |||
| Bildergalerie im Original | |||
| Register I A,1 | Register r | ||
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Ῥέα, ist eine griechische Göttin, die schon früh (5. Jhdt.) der griechischen (Rapp bei Roscher Myth. Lex. II 1659) und der phrygischen Göttermutter (s. K y b e l e) gleichgestellt wurde (Gruppe Griech. Myth. 1521, 3). Sie besaß in Griechenland in verschiedenen Gegenden Kulte, die jedoch, wie Rapp (bei Roscher Myth. Lex. IV 95) bemerkt, an Stätten alter Zeusverehrung geknüpft sind. In Athen war ein Altar des Kronos und der P. (Paus. I 18, 7; vgl. auch ihre Beziehung zu den Kronia; Phot. s. v. Dem. XXIV 26). Auf dem Thaumasionberge in Arkadien wurde P. nach Paus. VIII 36, 2 in einer Höhle verehrt. Ebenso besaß sie in Olympia mit Kronos einen Altar (Herodoros in Schol. Pind. Ol. 5, 10 = FHG II 36, 29). Auf Kreta werden die Trümmer eines Tempels bei Knosos von Diod. V 66 erwähnt (s. Rapp a. O. IV 96; vgl. Strab. 472); dort führten die Kureten auf der P. Geheiß ihren Waöentanz auf (Lucian. sait. 8). Einen Tempel der P. in Phaistos will aus den Monumenten L. P e r n i e r (in Saggi di Storia antica, Rom 1910, 2415.) erkennen. P. wurden Opfer dargebracht auf Kos (Dittenberger Syll.² 617. [340] v. Prott F. S. nr. 26) und in Milet (Schol. Apoll. f Rhod.I1126. KaibelNachr. Gött. Ges. 1901, 497. Nilsson Griech. Feste 444). Aus ihrem Kult ergibt sich wenig übe; die Bedeutung der P, Ebensowenig läßt sich aus ihrem Namen etwas schließen, der schon im Altertum verschieden ? gedeutet wurde. Er wurde meist mit ρεῖν zusammengebracht (s. Gruppe 1524, 2), wobei Gruppe an eine Beziehung zum lapis manalis denkt. Nach Eustath. H. I 55, 46, 10 ist P. = ἔρα »Erde Über P. = ὀρεία s. Gruppe 1537y 6. Auch ihre Stellung in der griechischen Götterwelt gibt uns keine Anhaltspunkte zu ihrer Deu-tuug. Bei Homer ist P. die Gattin des Kronos, die Mutter des Zeus, Poseidon, Hades (II. XV 187), dazu der Hera (II. IV 58; vgl. XIV 202f.); so auch in der späteren Literatur (s. Rapp 88). In Hesiods Theogonie 135 ist die Genealogie vervollständigt, Uranos und Gaia sind als Eltern der P. und des Kronos angegeben. Die Vermählung des Kronos mit der ?, ist dort 453ff. erzählt (vgl. Apollod. I 1. 5. Diod. V 68. Pind. Ol. 2, 12. 77). Ihrer Stellung entspricht ihr Ansehn; sie nimmt teil an der Herrschaft des Kronos (Apollon. Arg. I 105; vgl. Tzetz. Lyk. 1191; s. auch Pind. Öl. 2, 12. Hymn. Orph. 14, 5); sie geleitet Demeter zum Olymp (Hom. hymn. V 442ff.) und ist bei der Geburt der Leto zugegen (Hom. hymn. I 93). Die Kinder der Ehe mit Kronos werden verschieden angegeben (s. Hesiod. Theog. 454. Hom. hymn. V 60. 75. Pind. Nem.
11, 1; Ol. 2, 12). Am wichtigsten für die Sage und ihren Kult ist die Verbindung der P. mit der Geburt des Zeus, der allein (nach Paus. VIII 8, 2 auch Poseidon) vor Kronos gerettet wird. P. gebiert den Zeus nach Hesiod in Kreta (Theog. 467f.). Zweifelhaft ist, ob P, dort ursprünglich ist; wegen der späten Überlieferung ihres dortigen Kultes scheint die Verbindung mit dem kretischen Zeus sekundär zu sein (vgl. jedoch Gruppe 1522, 4). Diese Legende wurde von Späteren erweitert. Dadurch erklärt sich ihre Verbindung mit den Kureten (Apollod. I 1. 6. Diod. V 65, 70). Mit der Rettung des Zeus ist dann weiter verknüpft die Täuschung des Kronos (gegen Hesiod. bei dem es Gaia ist) durch den in Windeln gewickelten Stein (Paus. IX 2, 7. 41, 6. Schot Hesiod. Theog. 485. Hyg. fab. 139. Tzetz. Lyk. 399; s. Rapp a. a. Ο. 89).
Allem Anschein nach unabhängig von Kreta war die Sage von der Geburt des Zeus durch P. in Arkadien verbreitet (Callim. hymn. Ἴον. 4ü.; die Stellen s. bei Immer wahr Die arkad. Kulte, Leipz. 1891, 213ff.). Aber Immerwahr macht wahrscheinlich, daß P. dort nicht einheimisch ist, sondern daß sie andere Gestalten verdrängt hat. Ferner erzählte man die Sage in Olympia (Paus. V 7, 6. Schol. Pind. Ol. 5, 42), bei den Messeniern (Paus. IV 33, 1), den Thebanern (Tzetz. Lyk. 1194), in Chaironeia (Paus. IX 41, 6). Ferner kennt Kleinasien diese Sage, wahrscheinlich jedoch erst durch die Vermischung mit der Kybele; Smyrna (Schol. Ven. II. XXIV 615), bei Sardes auf dem Tmolos (Anth. Pal. IX 645), zu Skepsis in Mysien (Steph. Byz. s. Σκήψίς). Die frühe Gleichsetzung von P. mit Kybele läßt schließen, daß eine Verwandtschaft mit dieser Göttin bestand, mag es auch nur die sein, daß P. [341] als Mutter des Zeus weiter aufgefaßt wurde als Göttermutter, wie es in orphischer Poesie geschieht (Hymn. 14, 9. Orph. frg. 34), oder mag es ursprünglich eine Göttin gewesen sein, die in der freien Natur waltete, wofür ihre Verbindung mit der arkadischen Nymphe Neda (s. d.) sich geltend machen ließe. Die Eiche war ihr nach Apollod. SchoL Apollon. I 1124 heilig. Auf Bildwerken wird Hera dargestellt in Verbindung mit der Zeusgeburt (Paus. VIII 47, 3. II 17, 3),
Kronos den Stein überreichend (Paus. IX 2, 7); s. Rapp a. a. O. 930.– Rapp in Roschers Myih. Lex. II 16383. IV 880. Gruppe Griech. Myth. u. Rel.-Gesch. 15190. I m m e r w a h r Kulte u. Mythen Arkadiens I, Leipz. 1891. Preller-Robert Griech. Myth. I 638ff.