RE:Abioi

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 100
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Abioi, ein skythisches Volk, das Homer (Il. XIII 6) neben den Galaktophagen und Hippomolgen als das gerechteste unter den Menschen bezeichnet. Nach Steph. Byz. ist dieses Volk identisch mit den Γάβιοι des Aischýlos (Αἰσχύλος τε Γαβίους διὰ τοῦ Γ ἐν λυομένῳ Προμηθεῖ), der dasselbe in Übereinstimmung mit Homer als die gerechtesten und gastfreundlichsten Menschen schildert, die in einem gesegneten Lande wohnen, das ohne Bebauung alle Frucht von selbst hervorbringt. Weder ein Pflug noch eine Hacke durchfurche hier den Boden, der unbebaut die reichste Ernte den Menschen trage (Nauck[1] FTG 196). Die Ansichten der Alten gingen über die Ἄβιοι stark auseinander: die einen hielten sie für eine dichterische Erfindung des Homer (Eratosthenes, Apollodoros u. A.), während die anderen in ihnen einen wirklichen Volksstamm sahen, der seine Wohnsitze in Skythien hatte (Strab. VII 296ff., der gegen die obige Ansicht zu Felde zieht). Vgl. Eustath. Hom. Il. XIII 6. Steph. Byz. Nicol. Damasc. FHG III 460. Nach Diophantos bei Steph. Byz. hätten die Ἄβιοι ihren Namen von dem Flusse Ἀβιανός erhalten, der sonst nicht bekannt ist. Didymos hielt sie für ein thrakisches Volk (Steph. Byz.), Strabon (VII 303. XII 553) für die äussersten skythischen Wanderhirten, Ptolemaios (VI 15, 3) setzt sie in den höchsten Norden Skythiens über die Hippophagen, Ammianus Marcellinus XXIII 25 lässt sie nördlich von Hyrkanien wohnen. Nach Arrian Anab. IV 1, 1 schickten die Abier Gesandte zu Alexander dem Grossen, um mit ihm Bündnis und Freundschaft zu schliessen. Alexander liess einige von seinen Hetairen mit den Gesandten in die Heimat derselben reisen, damit sie von dort über die Bevölkerung und das Land Nachricht brächten. Curtius (VII 6) berichtet, dass die Ἄβιοι sich seit dem Tode des Kyros die Unabhängigkeit bewahrt hätten. Vgl. Droysen[2] Gesch. d. Hellen. I 2, 50. Neumann[3] Hellenen im Skythenlande I 338.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. August Nauck (1822–1892)
  2. Johann Gustav Droysen (1808–1884)
  3. Karl Johannes Neumann (1857–1917)