RE:Aetoma

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,1 (1893), Sp. 705
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Aetoma (ἀέτωμα, auch ἀετός, ἀετοί, latein. fastigium), das dreieckige Giebelfeld an den Schmalseiten der griechischen Tempel, so genannt, weil es Ähnlichkeit mit einem fliegenden Adler zu haben schien (Bekk. Anecd. 348, 3); s. Welcker A. D. I 3ff. Seit früher Zeit pflegte man diese vertieften Giebelfelder mit plastischem Schmuck zu verzieren, und dieser ist wohl gemeint, wenn Pindar (Ol. XIII 21) die Erfindung des A. den Korinthern zuschreibt (s. Welcker a. O.; über eine abweichende Ansicht von Reimers Zur Entwick. des dor. Temp. 21ff. vgl. Dörpfeld Berl. philol. Wochenschr. 1885, 833. Studniczka Athen. Mitt. XI 61). Und zwar bestand dieser Schmuck an grösseren Tempeln durchweg aus freistehenden Figuren; so wahrscheinlich schon an dem aus Holz gebauten Heraion in Olympia (Purgold Arch. Anz. 1889, 11) und weiter an dem Tempel auf Aegina, an dem peisistratischen Pallastempel der Akropolis (Athen. Mitt. XI 61. 185), am Parthenon, am Zeustempel in Olympia, an einem Tempel in Epidauros (Ἐφημ. ἀρχ. 1884, 50), an dem kürzlich in Lokri ausgegrabenen Tempel, Röm. Mitt. V 1890, 201ff. An kleineren Gebäuden bestand der Schmuck auch wohl aus Reliefs, wie am Nereidenmonument bei Xanthos (Ann. d. Inst. 1875, 150). Funde sehr alter Giebelreliefs (Schatzhaus der Megarer in Olympia, Boetticher Olympia² 215; Reliefs von der Akropolis, Athen. Mitt. X 237. XIV 67. XV 84) haben neuerdings zu der Auffassung Anlass gegeben, dass dies die ältere Art sei (Purgold Arch. Anz. 1889, 11); s. dagegen Koepp Arch. Jahrb. II 1887, 122. In Italien waren die Giebelgruppen vielfach aus Thon (Cic. div. I 16. Vitr. III 3, 15. Plin. n. h. XXXV 158. XXXVI 6). Die Dachform mit Giebelfeld kam auch an Privathäusern vor (Hippocr. de artic. III 193 Kühn. Cic. ad Q. fr. III 1, 14; wenn dennoch das Aetoma als etwas den Tempe eigentümliches betrachtet wird (Arist. Av. 1110), so ist wohl ein monumentales, namentlich ein mit plastischem Schmuck verziertes gemeint. Ein solches wird das gewesen sein, welches Caesar als gleichsam göttliche Ehre vom Senat decretiert wurde: Cic. Phil. II 110. Plut. Caes. 63. Suet. Caes. 81. Florus II 13. Obseq. 67 (127).

[Mau.]

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 35–36
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Aetoma, der dreieckige Giebel; lateinische Bezeichnung aus dem Griechischen ἀέτωμα. Die in der klassischen Zeit gebräuchliche griechische Bezeichnung ist αἰετός, ἀετός, eigentlich der Adler, Passow Wörterbuch der griech. Sprache (neue Bearb.) 125, [36] übertragen der Giebel, διὰ τὸ ἐοικέναι πτέρυξιν ἀετοῦ Phot. Zunächst der Tempelgiebel, τίς . . . θεῶν ναοῖσιν οἰωνῶν βασιλέα δίδυμον ἐπέθηκ’; Pind. Ol. XIII 21, und zwar sowohl mit der Bedeutung Giebelfeld, das bei Vitruv. III 5, 12. IV 3, 6 τύμπανον heißt: IG I 322 A 2, 80 ωεῖσα ἐπὶ τοὺς αἰετούς, IV 1484, 89 κερκὶς αἰετοῦ = spitz zulaufende Hälfte des Giebelfeldes, als auch mit der Bedeutung des ganzen Giebelkörpers: IG IV 1484, 90 ἀκρωτήρια ἐπὶ τὸν ἅτερον αἰετόν; 98f. ἐναιετίων ἐς τὸν ἅτερον αἰετόν. Der Giebel des griechischen Tempels kommt vom Satteldach des alten Megaronhauses, aber zunächst nur als Giebelwand, die noch keine Ähnlichkeit mit der Gestalt des fliegenden Adlers hat. Vielleicht haben die Korinther, wie Pindar fragend bezeugt, das vollendete, ewig schöne Giebeldreieck erfunden, als sie zu der Dachgesimslinie noch das horizontale Geison hinzufügten und beide Tempelgiebel so ausbildeten. Dieser letzte wichtige Schritt zur Entwicklung des Giebels und seiner Ausschmückung wird etwa in der zweiten Hälfte des 7. Jhdts. v. Chr. gemacht worden sein; vgl. Furtwängler Nachgel. Einführung i. d. griech. Kunst, Frg., Deutsche Rundschau 1907, 357. Koldewey-Puchstein Griech. Tempel in Unteritalien und Sizilien 20f. Vom Tempel ging das Giebeldreieck auch über auf die Torbauten, die ursprünglich ihren First nicht in der Durchgangsachse, sondern über der Türwand hatten, Furtwängler Aegina I 84 (Fiechter). Vielleicht war es die geniale Tat des Mnesikles bei dem Neubau der athenischen Propyläen. Von da an haben alle monumentalen Torbauten Giebel, daher ἀ. προπύλαιος Bekker Anekd. 202; ἀ. ἐπὶ τῷ προπυλαίῳ Phot. Die steigende Beliebtheit dieses architektonischen Motivs führt zur Anwendung am Privathaus, ἀ. οἰκίας Diocl. Caryst. 187; οἱ δέ φασιν ἀετὸν τῶν οἰκοδομημάτων τὸ κατὰ τὸν ὄροφον Phot.; αἰετὸς εἰς τὴν θυρίδα Bull. hell. XXIX 540, und auf Grabdenkmälern, an Stelle der früheren ornamentalen Bekrönung, IG VII 3170. Die Form αἴτωμα, IG III 1, 162 (128 p) τὰ κιόνια καὶ τὸ αἴτωμα . . . ἀνέθηκεν, bildet den Übergang zu dem später gebräuchlichen ἀέτωμα, Fabricius Hermes XVII 579. Ebert Fachausdrücke des griech Bauhandwerks I, Würzb. Diss. 33. IG II 613 (298 a) ἀ(έτωμα) τοῦ ἱεροῦ, ἀ. οἴκου; Hippokr. περὶ ἄρθρων ἐμβολῆς 43; ἀετός , . . ὃ καὶ νῦν ἀέτωμα λέγεται Phot.; ἀ(έτωμα) = fastigium Gloss. II 219. Im lateinischen Sprachgebrauch scheint A. stets den ganzen Giebelkörper zu bedeuten, CIL III 6671 . . . cum columnis et aetomate et incrustatione marmorea de sua fecit. 1174 collegium centonariorum scholam cum aetoma pecunia sua fecit. 1212 ad exstructionem aetomae.

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band S IV (1924), Sp. [S_IV 8]–9
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3) Das Giebelfeld griechischer Steinbauten. ...