RE:Anthas

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2357–2358
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Anthas (Ἄνθας), Sohn des Poseidon und der Alkyone, der Tochter des Atlas, Bruder des Hyperes, Vater des Aëtios und Dios, König von Troizen. A. gründete die Stadt Antheia, sein Bruder Hyperes Hypereia. Während der Regierung des Aëtios kamen die Pelopiden Troizen und Pittheus ins Land und bemächtigten sich der Herrschaft. Pittheus, der Sohn des Pelops, vereinte nach dem Tode seines Bruders Troizen die beiden Städte Antheia und Hypereia und nannte die Stadt Troizen (Steph. Byz. s. Ἄνθηδών. Paus. II 30, 7). Nach Strabon (VIII 374) verliess A. bei der Einwanderung des Troizen und Pittheus das Land und wanderte aus nach Kleinasien, wo er die Stadt Halikarnass gründete (vgl. Strab. XIV 656. Steph. Byz. s. Ἁλικαρνασσός. O. Müller Dorier I 107. Toepffer Att. Geneal. 254). Dagegen lässt Pausanias (II 30, 8f.) erst die Nachkommen des Aëtios die Städte Halikarnass und Myndos in Kleinasien gründen. Die Halikarnassier werden daher poetisch Antheaden genannt (Steph. Byz. s. Ἀθῆναι). Auch Anthedon in Boiotien [2358] soll nach A., dem Sohne des Poseidon, benannt worden sein (Paus. IX 22, 5, eine andere Version bei Steph. Byz. s. Ἀνθηδών). Ferner leitete man den Namen der peloponnesischen Stadt Anthana von ihm ab (Philostephanos bei Steph. Byz. s. Ἀνθάνα). Nach Aristoteles bei Plut. quaest. graec. 19 soll die bei Troizen gelegene Insel Kalauria ehemals Eirene geheissen haben, nach einer gleichnamigen Tochter des Poseidon, dagegen soll die Insel später, als A. und Hyperes sich daselbst niederliessen, Anthedonia und Hypereia benannt worden sein (τὴν Καλαυρίαν Εἰρήνην τὸ παλαιὸν ὠνόμαζον ἀπὸ γυναικὸς Εἰρήνης, ἣν ἐκ Ποσειδῶνος καὶ Μελανθείας τῆς Ἀλφειοῦ γενέσθαι μυθολογοῦσιν. ὕστερον δὲ τῶν περὶ Ἄνθην καὶ Ὑπέρην αὐτόθι κατοικούντων Ἀνθηδονίαν καὶ Ὑπέρειαν ἐκάλουν τὴν νῆσον; vgl. Harpokrat. s. Καλαυρία. Rose Aristot. Ps. 533). Plutarch führt (a. a. O.) ferner das Zeugnis des Mnasigeiton an, nach welchem A., der Bruder des Hyperes, als unmündiges Kind verloren gegangen und von seinem Bruder zu Pherai bei Akastos wiedergefunden sein soll, wo A. Sclave und Mundschenk des Königs geworden war. Die Erzählung ist an den Spruch: Πῖν᾽ οἶνον τρυγίαν, ἐπεὶ οὐκ Ἀνθηδόνα ναίεις geknüpft, dessen auch Aristoteles in der Politik der Troizenier Erwähnung gethan hat. Vgl. Athen. I 31 C. Nach Athenaeus soll Aristoteles erzählt haben, dass der Weinstock bei den Troizeniern den Namen Anthedonias geführt hätte (ὠνομάζετο δὲ παρὰ Τροιζηνίοις, ὥς φησιν Ἀριστοτέλης ἐν τῇ αὐτῶν πολιτείᾳ, ἄμπελος Ἀνθηδονίας καὶ Ὑπερίας ἀπὸ Ἄνθου τινὸς καὶ Ὑπέρου). Die nämliche doppelte Bezeichnung findet sich auch für die Insel Kalauria. Die Namen Anthas, Anthes, Anthos, Antheus verschwimmen in der Überlieferung ebenso in einander, wie in den an diese Namen geknüpften Sagen, die meist localen Charakter und locale Bedeutung haben. A., der Blumenjüngling, ist eine dem Dionysos nahe verwandte Sagengestalt, welche die schnell aufblühende und ebenso rasch dahinwelkende Vegetation durch ihren Namen versinnbildlicht, sein Vater ist der ionische Poseidon Φυτάλμιος, ein in Troizen neben der Demeter verehrter Gott, der sich in seinem Wesen mit Dionysos eng berührt, vielfach deckt. In der Tochterstadt Troizens, Halikarnass, leitete sich das ahnenreiche Priestergeschlecht der Antheaden von A., dem Sohne des Poseidon, ab, dessen Priestertum im Geschlechte erblich war.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 88
Pauly-Wissowa S I, 0087.jpg
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S. 2357, 47 zum Art. Anthas:

In Athen ist bei dem Bogen des Hadrian eine Inschrift römischer Kaiserzeit gefunden, Συνθύται οἱ κατασκευάσαντες τὸ γυμνάσιον Διὶ Κεραιῶι καὶ Ἄνθαι. Annual of the British School at Athens III 1896/7, 106ff.