RE:Aspis 15

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 1735–1736
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15) Der Schild. Unter den Ausrüstungsstücken der nationalgriechischen Bewaffnung nimmt der Schild die hervorragende Stelle ein: ἀσπίς bezeichnet nicht nur das Waffenstück selbst, sondern auch die damit Ausgerüsteten d. h. Hopliten, im Gegensatz zu anderen Waffengattungen, wie Reiterei und Peltasten. Von den Schilderungen des homerischen Epos und den Darstellungen der ,mykenischen‘ Zeit an lassen sich durch das griechische Altertum zwei Hauptformen von Schilden neben einander verfolgen: ein mannshoher stark gewölbter, oval oder fast viereckig, und ein kleiner flacher, kreisrund oder elliptisch. Der Schild der ältesten Zeit (ἀσπίς, σάκος) besteht aus mehreren Lagen (πτύχες) Rindsleder von verschiedenem Durchmesser, welche concentrisch übereinandergelegt sind, so dass der Rand am schwächsten ist, und einer obersten Schicht von Metall; auf der Mitte des Schildes liegt der ὄμφαλος auf, eine Metallplatte mit oder ohne Verzierung. Der mannshohe Schild hat auf seiner Innenfläche einen Bügel (κανών), welcher mit der linken Hand gefasst wird, und um die grosse Last eines solchen Schildes dem Träger zu erleichtern, ist auf derselben ein Riemen (τελαμών) angebracht, welchen sich der Krieger um den Nacken legt und im Kampfe je nach Bedürfnis auf die rechte oder linke Schulter schiebt; die kleineren Schilde haben auf ihrer Innenfläche noch einen zweiten Bügel (angeblich eine Erfindung der Karer, Herodot. I 171), durch welchen der linke Unterarm dicht am Ellenbogen gesteckt wird. Die bei Homer mit dem Zusatz πτερόεντα erwähnten λαισήϊα (vgl. Athen. XV 695) sind rindslederne Schilde ohne jeden Metallbeschlag gewesen (vgl. Herodot. VII 91), nicht Schilde mit herunterhängender Schutzdecke, wie sie auf kleinasiatischen Darstellungen begegnen (vgl. über die Schilde dieser ältesten Zeit Helbig Das homerische Epos aus den Denkmälern [1736] erklärt² 311ff.). In der historischen Zeit ist der mannshohe Schild, bis dahin, wie es scheint, der üblichere, von dem kleineren, entweder runden (den ,argolischen‘ Schilden) oder ovalen (z. B. den boiotischen mit den charakteristischen zwei runden Einschnitten an den Seiten) mit zwei Handhaben (ὄχανα) verdrängt worden; nur die Spartaner haben ihn mit der primitiven Art der Handhabung an einem einzigen eisernen Bügel (πόρπαξ) bis in die Zeiten des Königs Kleomenes III. beibehalten (Tyrt. frg. 11. Plut. Cleom. 11). Abbildungen auf Münzen, Vasen, Sculpturwerken (z. B. den pergamenischen Waffenreliefs), hauptsächlich aber die erhaltenen Schilde, besonders aus Olympia, ermöglichen eine deutlichere Anschauung vor allem der ,argolischen‘ Schilde: ganz dünne Metallplatten, leicht elliptisch (80–90 cm. kleinster Durchmesser, zu 87–100 cm. grösstem Durchmesser), bestimmt, auf Holz oder lederbeschlagenes Holz aufgenietet zu werden, mit einem 5 cm. breiten flachen Rande (ἴτυς), über welchem sich die gewölbte Schildfläche um 1–2 cm. erhebt (vgl. Olympia IV. Die Bronzen und die übrigen kleinern Funde, bearbeitet von Furtwängler Tf. 62 S. 162f.). Auf der Mitte der Schildfläche war das Schildzeichen (ἐπίσμον) angebracht, entweder ein individuelles Zeichen, vom Besitzer beliebig gewählt, oder für alle der Anfangsbuchstabe des Stadtnamens, wie bei den Lakedaimoniern und den Sikyoniern, oder das Stadtwappen, wie bei den Thebanern (Keule) und Mantineern (Dreizack). Der makedonische Schild, ein Rundschild von kleinerem Umfange (nach Ael. Tact. 12 sind es 8 Palaesten = 62 cm. Durchmesser), leicht und daher wahrscheinlich nur von Leder, hatte einen eigentümlichen Schmuck in den halbmondförmigen Verzierungen (wohl aus Metall), welche zwischen zwei concentrischen Streifen fortlaufend den Schildrand umgeben, während in dem Mittelstück ein Kopf als Schmuck angebracht ist (abgebildet auf den Münzen Philipps V. und des Perseus). Im Frieden und auf dem Marsche wurde der Schild in einem Futterale aufbewahrt; im Felde liess der freie Bürger sich ihn von einem Schildknappen (ὑπασπιστής) tragen und erst beim Beginn des Kampfes reichen (Xen. hell. IV 8, 39). Vgl. Droysen Heerwesen und Kriegführung der Griechen 12ff. Müller in Baumeisters Denkmäler des klassischen Altertums 2016. 2021. 2037 mit zahlreichen Abbildungen.

Anmerkungen (Wikisource)

  • Siehe auch den Artikel Schild 1 in Bd. II A,1.