RE:Chairemon 2a

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S V (1931), Sp. [1931 57]–58
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S. 2024, 61 zum Art. Chairemon:

2a) Chairemon von Nysa (in Karien nördlich vom Maeander) zeichnete sich im 1. mithridatischen Krieg durch besondere Treue zu den Römern aus und erhielt dafür ein Denkmal. Von diesem fand man 1891 einen Überrest, nämlich einen Stein mit einer Inschrift, in einem Brunnen des türkischen Dorfes Aktsche eingemauert. Der Stein war offenbar aus den Trümmern des eine Stunde entfernt liegenden Nysla (des antiken Nysa) dorthin verschleppt worden. Die Inschrift ist gut lesbar. Deutlich ergibt sich gleich die Widmung Χαιρήμονα Πυθοδώρου. Danach folgt die Wiedergabe dreier Schreiben, die die Treue C.s zu den Römern bezeugen sollen.

Nach dem ersten ist C. nach dem Ausbruch des 1. mithridatischen Krieges (89) und dem Zurückweichen des römischen Statthalters bis nach Apamea dorthin ins römische Lager zu C. Cassius gekommen und hat den Truppen 60 000 Scheffel Weizen zur Verfügung gestellt, nachdem er sich in den Kreis der Berater des Prooonsuls hatte aufnehmen lassen. Über diese Stellung im Stabe des Statthalters vgl. Mommsen Röm. Staatsrecht I³ 316, 1. II² 245, 4. Die beiden folgenden Schreiben stammen vom König Mithridates aus dem J. 88. Nach seinem Eindringen in die Provinz Asien habe C., einer seiner ärgsten Feinde, seine Söhne Pythodoros und Pythion in Sicherheit gebracht und sei dann selbst geflohen. Wer die drei ihm lebend bringe, erhalte auf den Kopf 40 Talente, wer sie tot ausliefere, solle einen Preis von 20 Talenten für jeden bekommen.

Aus dem dritten Schreiben, das dem vorhergehenden bald nachgefolgt sein muß, ist zu entnehmen, daß die Söhne des C. zunächst nach Rhodos, wohin die Römer und ihre Anhänger damals größtenteils vor Mithridates zu entkommen suchten, gebracht worden seien, und daß C. selbst, als er von des Mithridates Vordringen in seine Heimat erfahren habe, nach Ephesos in den Artemistempel geflohen sei, um von dort aus mit den Römern in brieflicher Verbindung zu bleiben. Es ist wohl möglich, daß C. dann das Schicksal [58] aller in Kleinasien verweilenden Römer teilen mußte, als Mithridates deren Niedermachung anordnete und auch die in den Artemistempel Geflüchteten unter Nichtachtung des Asylrechtes nicht schonte (Appian. Mithr. 23). Das Denkmal mag zu C.s Ehren nach der Wiederherstellung der römischen Herrschaft im J. 84 errichtet worden sein.

Die Namen der Söhne des C., Pythodoros und Pythion, sind zwar nicht vollständig zu lesen, aber wohl bestimmt richtig ergänzt. Namentlich für den ersteren ist das nicht zweifelhaft, da C. selbst ein Sohn des Pythodoros war und somit, wie üblich, der Enkel nach dem Großvater benannt wäre. Von einem Pythodoros von Nysa, der reich war und für die Römer Partei nahm, spricht Strab. XIV 649 und XII 555. Er erzählt, daß Pythodoros nach Tralles übersiedelte und als Anhänger des Pompeius nach Caesars Siege seine Güter verlor, sie aber zurückerhielt und unvermindert seinen Kindern vererbte. Er war vermählt mit der Antonia, der Tochter des Triumvirn Antonius. Seine Tochter Pythodoris war die Gemahlin des Königs Polemon von Pontes, nach dessen Tode des Archelaos von Kappadokien, ohne die Herrschaft über Pontes aufzugeben, dessen Königin sie auch als Witwe bis zu ihrem Tode blieb (Mommsen Ephem. epigr. I 270ff.). In welchem Verhältnis stand dieser Pythodoros I zu dem in der Inschrift genannten Sohne des C? Identisch können die beiden nicht sein. Gewiß haben wir es aber mit einem Enkel des C., einem Sohne des Pythodoros der Inschrift, zu tun, wozu gut paßt, daß er in Cic. pro Flacco 22, 52, also schon 59, unter den vornehmsten Trallianern genannt wird und somit kaum nach 80 geboren sein kann. Mommsen will in dem Pythodoros, dem Schwiegersohn des Antonius, einen Enkel des Pythodoros der Inschrift sehen.

Derselben Familie des C. gehörte gewiß auch C. von Tralles an, der 26/25 v. Chr. für das durch Erdbeben zerstörte Tralles die Hilfe des Augustus, als dieser auf einem Feldzug gegen die Cantabrer war, anrief und zum Dank für die erfolgreiche Fürbitte durch eine Statue mit der Agathias II 17 erhaltenen Inschrift geehrt wurde (vgl. Mommsen Comm. z. Mon. Anc S. 109). S. Athen. Mitt. 16, 95ff. Dittenberger Syll.³ II 741. — CIG II 2945 nennt auch einen C., Sohn des Pythodoros.