RE:Chalkidike 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 20692074
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2) (ἡ Χαλκιδικὴ ⟨ἡ ἐπὶ Θρᾴκης⟩ (s. K. G. Böhnecke Forschungen auf dem Gebiet der attischen Redner I 96 nr. 1), gewöhnlich aber ohne Zusatz. Als südlicher Ansatz an die Schwemmlandküste, die der südthrakischen Ebene vorgelagert ist, erstreckt sich, der äusseren Form nach etwa ein verkleinertes Gegenstück zu den südlichen Landzungen der Peloponnes, eine beiläufig 4000 qkm. grosse, dreifingerige Halbinsel (von den heutigen Geographen im ganzen Ch. genannt, s. u.), der letzte Ausläufer des makedonischen Hügellandes ins aegaeische Meer. Langgestreckte, in der Nordsüdachse schmale Seen (der östliche grössere Βόλβη, jetzt Beschíkgöl), die nach Osten entwässert werden, trennen sie deutlich von dem Hügelland. Deren Westende ist nur 13 km. von Thessalonike, das an der westlichen Wurzel der Halbinsel liegt, entfernt, und nur eine schmale, niedere, aus grünen Schiefern aufgebaute Schwelle von kaum 200 m. ist zu übersteigen, um von Norden her auf sie zu gelangen. Diese Halbinsel bildet so eine beinahe ganz vom Festland abgelöste, fast viereckige Scholle aus Gneisen, Phylliten und Marmor, an deren Südrand sich die drei schmalen fingerartigen Landzungen angliedern. Von jener Schwelle streicht südöstlich ein aus krystallinischen Schiefern gebildeter Bergrücken in die Halbinsel hinein (im Chortiátschi 1187 m. hoch). Der grössere Teil der Halbinsel ist ein waldreiches, wohl bewässertes Bergland, landschaftlich schön. In der nordöstlichen Ecke, wo die μαδεμοχώρια, das Bergwerksgebiet, sich befinden, reich an Eisenstein, silberhaltigem Bleiglanz. Metalllagern, die seit uralten Zeiten ausgebeutet werden. Das südwestliche Drittel mit tertiären Kalken und Sandsteinen ist jetzt waldarm, steppenartig. Östlich von dem mittleren Finger, der ehemals Sithonia, jetzt Lóngos (d. h. Waldgebiet) genannten Landzunge streckt sich die Steilküste der Akte aus krystallinischem Schiefer mit der weithin sichtbaren Landmarke, der 1935 m. hohen Marmorpyramide des Athos [2070] (s. d.) weit ins aegaeische Meer. Die mineralischen Schätze, das Bauholz, die fruchtbaren Thalebenen hatten Verlockungen genug für Colonisten aus dem griechischen Süden und für die Staaten des griechischen Festlands, die ihren Nahrungsbedarf nicht aus dem eigenen Land bestreiten konnten. Das Klima ist ein gemildertes mitteleuropäisches, da infolge der Meeresumgebung der reichgegliederten Halbinsel die Härten des Festlandsklimas abgeschwächt werden.

Chorographie: Die im Westen die Halbinsel bespülende Bucht hiess im Altertum (von der Stadt Θέρμη [später Θεσσαλονίκη genannt) Θερμαῖος κόλπος (Herodot. VII 121–128 u. sonst. Skyl. 66. Strab. Tac. Plin. Ptol. Steph. Byz. Inschr.), ὁ Θερμαῖος μυχός (Strab.), ὁ Θερμαϊκὸς κόλπος (Mela. Plin. Ptol.), bei den Römern sinus Macedonicus (Plin.), mare Macedonicum (Liv.) (jetzt Golf von Saloníki). Über die Begrenzung s. Hoffmann Descriptio Chalcidicae Thracicae s. Macedonicae I. Gymn. Progr. Bromberg 1854, 1. Im Osten grenzte der vom Strymonfluss genannte Στρυμονικὸς κόλπος (jetzt κόρφος τῆς Κοντέσας oder Golfo di Réndina oder Orphani) die Halbinsel ab.

Der Name Ch. wurde zuerst in Verbindung mit χώρα in Beziehung auf die Chalkidier (und Eretrier) gebraucht, die im 8. Jhdt. eine grössere Anzahl kleiner Pflanzstädte dort anlegten. Χαλκιδικὸν γένος Herodot. VII 185. VIII 127, Χαλκιδική anscheinend zuerst Thucyd. I 65 u. ö. Der Name bezeichnete selbstverständlich ursprünglich nur das von den Besiedlern aus Euboia besetzte Gebiet. Die ganze Halbinsel nannte man anfänglich wohl Χερσόνησος, vielleicht ἡ ἐν Θρᾴκῃ χερσόνησος; s. Hekataios Εὐρώπη bei Steph. Byz. s. Μηκύβερνα (vgl. Meineke Steph. Byz. zu Σάνη und zu Αἰγαί ... τῆς Θρᾳκησίων (!) χερρονήσου). Vgl. C. Müller zu Ptol.III 12, 2. Eustath. zu Il. II 92 und den Art. Bottike.

Oberflächengestaltung und horizontale Gliederung: Die Bergzüge, die uns den alten Namen nach nur zum geringsten Teil bekannt sind, streichen fast alle von Nordwesten nach Südosten. Zwischen ihnen und zwischen den Küstengebirgen und den. Küstenrändern erstrecken sich grossenteils fruchtbare Längsthäler. Bezüglich der heutigen Namen s. die Specialkarte des k. k. militärgeographischen Instituts in Wien (Centraleuropa Bl. N 14). Der Κισσός (Κίσσος?) Nicandr. theriac. 804. Lycophr. 1234 (Κισσοῦς Hesych.) von der Landschwelle nördlich von Therme-Thessalonike 24 km. lang südöstlich, vom Epheu genannt? (jetzt Κορτάκι(ον) Chortiátschi 1187 m.). Τὸ Κάλαυρον ὄρος im Gebiet Ἀνθεμοῦς; 16 km. südlich vom eben genannten, 1042 m. hoch; der westliche Ausläufer dieses Zuges endigt im Vorgebirg ἡ Αἴνεια Ps.-Scymn. 628 (cod. Αἴνια), das heutige Karaburnú (= Schwarzvorsprung); die Gegend hiess Αἴνεια Herodot. VII 123 u. a. Παλλήνη erfüllt die westlichste 386,6 qkm. grosse Landzunge, Apollon. Argon. 599 und Schol., hat das πεδίον Φλέγρας s. Pape-Benseler Wörterb. d. gr. Eigenn. s. Φλέγρα}}. Der mittlere gebirgigere Ausläufer der ganzen Halbinsel ἡ Σιθωνία 387 qkm. (Name aus thrakischem Sprachgut?) hat in der zwischen ihr und dem Παλλήνη-Rücken befindlichen toronaeischen Seebucht (der nordöstliche Teil besonders [2071] mekybernischer [jetzt Κόρφος τοῦ ʿ4. Μάμα] und sermylischer Golf genannt) die besten Häfen, z. B. den Κωφὸς λιμήν (Κωφός im wörtlichen Sinn, jetzt Κουφὸς λιμένας). Den Sithoniazug trennt vom höchsten östlichsten Ausläufer der Ἀκτή oder Παρακτία (Ptolem. III 12, 10) mit dem Athos (s. d.) der singitische Golf (jetzt Κόρφος τοῦ Ἁ. Ὄρους). Mons Hypsizorus. Plin. n. h. IV 36 wird von H. Kiepert Atlas von Hellas Bl. 7 unter Zweifel in der Mitte der Halbinsel, da wo das jetzt Χολομώνδας genannte Gebirg 1042 m. hoch sich erhebt, angesetzt. Plin. n. h. IV 36 nennt noch der Lage nach uns unbekannte montes: Epitus, Algion, Elaeuomne (vv. ll.).

Als Vorgebirge kennen wir aus den alten Quellen noch, etwas südlich von Αἰνεια: Γιγωνίς Ptolem. III 12, 10 (vv. ll.). Etym. M. 231, 27: Γιγωνὶς ἄκρα μεταξὺ Μακεδονίας καὶ Παλλήνης. Ποσείδιον Vorgebirg und Demos auf der Landzunge Pallene (Liv. XLIV 11. Paus. VII 27, 8), , jetzt Κάβος Κασσάνδρας, 10 km. östlich das jetzige Dörfchen Ποσίδιον. Die Südspitze von Pallene bildete das Vorgebirge τὸ Κάνστρον, ἡ Κανάστρα, τὸ Κανάστραιον, ἡ Καναστραίη ἄκρη, s. Pape-Benseler Wörterb. d. griech. Eigenn. von der einem κάνης oder κανοῦν ähnlichen Gestalt so genannt. Der ursprüngliche Name wohl Κάναστρον oder Κανάστρα (jetzt κάβος Παλιούρι, aber die k. k. milit.-topogr. Specialkarte verzeichnet auch ein κάβος Κανάστρι etwas westlich davon). An der Ostküste der Pallene ist noch das Vorgebirg von Θράμβος (Θραμβηΐς Skyl. 66), Steph. Byz., beim heutigen κάβος Καράβι zu nennen. Die sithonische Landzunge hat den kleinen Landvorsprung ἡ Λήκυθος (wohl der jetzige κάβος Παπαδιᾶς mit den Νησιὰ Σπαλάθρας davor) ἄκρον τῆς πόλεως (sc. Τορώνης) ἐς τὴμ θάλασσαν ἀπειλημμένον ἐν στενῷ ἰσθμῷ, Thuc. IV 113, im Süden das Vorgebirg ὁ Ἄμπελος (jetzt noch so) und ἡ Δέρρις (thrakisch oder mit δέρρις = rohe Tierhaut in Verbindung zu bringen), jetzt nach der k. k. milit.-topogr. Specialkarte von Centraleuropa Bl. N 14 noch so genannt, etwas östlich vom jetzigen {{Polytonisch|κάβος Δρέπανον, nach Meletios Γεωγραφία II 462 aber κάβο Φάσσος. Es ist das Toronae promunturium Liv. XXXI 45. An der Ostküste ist der oder die ἐπάκτιος στόρθυγξ Τίτωνος Lycophr. 1206 anzusetzen, etwa an den zackigen Felsbildungen des Kárwunoberges. Die gebirgige Ἀκτή-Landzunge (bei Ptolem. III 12 auch Παρακτία genannt) läuft in ihrem südlichen Teil, dem eigentlichen Athos, in das Νύμφαιον ἀκρον aus (von einem Nymphenheiligtum genannt), jetzt κάβος Ἁ. Γεωργίου, das von dem Ἀθως ἀκρον des Ptolem. III 12, 9 (jetzt κάβος Ζμύρνα) verschieden ist. Das Ἀκρ–άθως ἀκρον (nicht zu verwechseln mit dem Ortsnamen Ἀκρόθωον) ist, da Strab. VII frg. 32 es an dem strymonischen Golf (jetzt Bucht von Réndina) ansetzt, kurz westlich vor dem ganz schmalen, auf Befehl des Perserkönigs Xerxes durchstochenen Isthmos in der vielgegliederten Landzunge zu suchen, die der Ausläufer der jetzigen Μεγάλη βίγλα ist und deren Endspitze jetzt κάβος Πλατύς heisst. Vor dem Südende des Canals liegen Inselchen, grösste Μουλιανή; dabei ist vielleicht der Aeneae portus (Liv. XLV 30, vgl. Tafel De Thessalonica 265) zu suchen. Der kesselartig einbuchtende akanthische Golf (jetzt Κόρφος Ἱερισσοῦ) nördlich von der Ἀκτή) mit dem Hafen Πάνορμος ist ein Teil des strymonischen Busens und hat als Nordgrenze ein anderes Ποσιδήιον ἄκρον am jetzigen κάβος Μάρμαρα, der Landspitze des jetzigen Στραβενίκος-Zuges. Das Eiland Κάπρος ([jetzt Καυκανά] gegenüber der gleichnamige Hafen) liegt nicht weit südlich von dem Ausfluss, der durch das Längsthal Αὐλών das Becken des Bolbesees entleert, s. Aulon Nr. 8 und Bolbe Nr. 1. Auf Kieperts Karte heisst er Ῥήχιος. Hoffmann Descr. Chalcid. Thrac. 3 findet in den Worten des Prokopios (de aedif. IV 3) Ῥήχιος ῥεῖ .... Θεσσαλονίκης οὐλ ἄπωθεν einen Grund, den Ῥήχιος vielmehr mit dem Ἀνθεμοῦς-Flüsschen im Westen (s. u.) gleichzusetzen.

Die Flüsschen können der vielen Gebirgsquerriegel wegen nicht bedeutend sein. Bekannt sind uns: ὁ Ἄνθεμος (jetzt Βασιλοπόταμος, Hesych. s. Ἀνθεμοῦς) Schol. II. XX 307 in der Landschaft Ἀνθεμοῦς (= Blumenau), s. Bd. I S. 2369, ὁ Χάβρις Ptolem. II 12, 10 etwas östlich vom Vorgebirg Γιγωνίς, s. o. C. Müller vermutete, der Name sei Κῶβρυς zu schreiben, s. Chabrios. Ὁ Βρύχος Lycophr. 1407. Hesych., auf der Halbinsel Pallene. Die Flüsschen ὁ Ὀλυνθιακός und ὁ Ἀμμίτης nach Hegesandros bei Athen. VIII 834 e bei Apollonia, beide Zuflüsse zum Bolbesee. Der Ψυχρός in der Ἀσσηρῖτις, Zufluss zum singitischen Golf, Arist. hist. an. 72, 1, von den Thrakern Kochryna genannt, Antig. mirab. 84. Bin Flüsschen bei Olynthos erwähnt Xenoph. h. gr. V 3, 3. 4.

Landschaften und Bezirke. Östlich von der Ἀμφαξῖτις, der Gegend um Therme-Thessalonike, streckt sich das südliche Ende der Μυγδονία südlich vom Bolbesee in die Halbinsel. Südlich vom Kissos (s. o.) sind die Gebiete Ἀνθεμοῦς (s. Bd. I S. 2369), Αἴνεια um die Stadt Αἴνεια und das Vorgebirg Αἴνειον, südlich vom Κάλαυρον-Bergzug, die Κροσσαίη oder Κρουσίς, östlich, davon die Βορτική] |s. d.), das fruchtbare Gebiet der Landzunge Παλλήνη (myth. Name Φλέγρα) mit der ΚάλαυρονΘραμβουσίη δειράς; um Thrambos, die χώρη Σιθωνίη der benachbarten Landzunge, der αἰγιαλὸς Ἀμπέλου um das Vorgebirg Ἄμπελος (s. o.) der sithonischen Halbinsel, die Ἀσσηρῖτις um die Stadt Ἀσσηρα, das Gebiet der ΚάλαυρονἈκτή oder die Παρακτία, Ptolem. Nördlich von Stageira das Συλέος πεδίον, Herodot. VII 115. Leake Trav. in N. Gr. III 171.

Bodenbeschaffenheit, Naturproducte. Namentlich das Gebiete von Pallene, aber auch die Längsthäler der übrigen Teile der Halbinsel waren fruchtbar und somit ein begehrenswerter Besitz für Staaten, deren Boden nicht die zur Ernährung der Einwohner nötigen Lebensmittel und nicht genug Nutzholz abwarf. Weinbau besonders um Mende, dann auf der Sithonia. vgl. Ἄμπελος, Honig s. den Namen Melissurgis auf der Pallene, Dionys. per. 327, Metallgewinnung um Stageira. jetzt Nísworo, das Gebiet der μαδεμοχώρια d. h. Bergwerksdörfer. Die dichten Wälder, deren es jetzt noch viele giebt, namentlich des östlichen Teils lieferten viel Pech und Bauholz für Häuser und Schiffe, vgl. die Inschrift bei Le Bas-Waddington III nr. 1406. Jetzt noch giebt es viel Jagdwild.

Einiges aus der Geschichte. Ursprünglich war die Halbinsel von thrakischen (und pelasgischen [!]) [2073] Stämmen bewohnt. Wir finden, dass noch in späterer Zeit eine Zunge der Gemarkung Mygdonia sich in die Ch. hereinstreckte, wir haben eine Anzahl Landschaften wie Bottike, Krossaia u. a. und Städte, deren Namen aus thrakischem Sprachgut genommen sind. Noch 479 war Olynthos im Besitz der Bottiaier. Am zähesten hat sich das Vorgriechentum auf der rauhen waldigen Akte erhalten, auf der nach Thukydides kleine πολίσματα von Barbaren und Halbbarbaren lagen. Auf dieser Landzunge erhielten sich die Ureinwohner auch, als im 8. Jhdt. Chalkidier und Eretrier aus Euboia eine ziemlich grosse Anzahl kleiner Pflanzstädte auf Akte selbst und in ihrer Umgebung anlegten und als gegen das Ende des 6. Jhdts. Leute von der Insel Andros sich auf Akte (in Sane) niederliessen. Von den Städten Thyssos, Kleonai, Akrothooi, Olophyxos und Dion auf der Akte sagt Thuc. IV 109, dass sie von einer Mischbevölkerung bewohnt waren, die der barbarischen und der hellenischen Sprache kundig waren, dass wohl chalkidische Elemente zum geringen Teil vorhanden waren, den Grundstock aber Pelasger, Leute wie sie auch auf Lemnos lebten, dann Krestoner, Bisalter und Edoner bildeten. Die verhältnismässig späte und wenig dichte Besiedelung durch Hellenen macht es erklärlich, dass die Halbinsel trotz einzelner blühender und zu Zeiten mächtiger Städte an der eigentlichen hellenischen Bildung nur bescheidenen Anteil hatte. Vgl. Athos Nr. 1.

Als Peisistratos zum zweitenmal aus Athen vertrieben worden war (550/49), wählte er sich vorerst den nordwestlichen Teil der Halbinsel zum Schauplatz seiner Thätigkeit, vereinigte Leute vom Südabhang des Kalaurongebirges zu einem χωρίον Namens Ῥαίκηλος, Aristot. πολ. Ἀθ. 15, 2, dann ging er östlich an den Strymon. Auf seinem Zug gegen Griechenland 460 liess der Perserkönig Xerxes den Isthmos der Akte durchstechen, weil die von seinem Vater ausgeschickte Flotte unter dem Befehl des Mardonios 493 beim Umfahren des Athos grösstenteils gescheitert war. Bei Akanthos trennte sich die Flotte des Xerxes im Sommer 480 vom Landheer, mit dem es vom Hellespont her Fühlung gehabt hatte. Das Landheer zog geraden Wegs durch die Ch. nach Therme und nach den Misserfolgen in Griechenland wahrscheinlich denselben Weg zurück. Das Missgeschick der Perser verursachte eine Erhebung der mächtigeren Städte auf der Pallene, z. B. Potidaias, gegen die Perserherrschaft, der sie kurz vorher unterworfen worden waren. Darum unternahm Artabazos, der den Xerxes auf seinem Rückzug begleitet hatte, einen Winterfeldzug gegen Potidaia und Olynthos, dessen Einwohner damals Bottiaier waren. Ohynthos nahm er ein und übergab die Stadt nach Ausrottung der Bewohner dem Kritobulos aus Torone. Nunmehr wurde Olynthos von Chalkidiern bevölkert. Die dreimonatliche Belagerung der Potidaier, die von Stammesgenossen unterstützt waren, blieb fruchtlos. Viele Städte der Halbinsel schlossen sich dem Bund unter Athens Führung an. Zum Θρᾳκικὸς φόρος s. Tributlisten. 432 Aufstand der chalkidischen Städte wider Athen. Bis 414 behielt Athen einen Teil seiner Seeherrschaft in diesen Gegenden. Um 392 Bund der chalkidischen Städte unter Führung von Olynthos. Bundesmünzen des κοινὸν τῶν Χαλκιδέων ἐπὶ Θρᾴκῃ Imhoof-Blumer Monn. grecques 70f. Head HN 185. 383 Abfall von Akanthos und Apollonia vom chalkidischen (oder olynthischen) Bund. 379 der Bund durch die Spartiaten und Amyntas III. von Makedonien gesprengt. 378/377 im neuen attischen Seebund, CIA II 17. 364 wird Timotheos, Feldherr der Athener, bei seinen Unternehmungen gegen die Chalkidier von Menelaos, dem Halbbruder des Philippos II. von Makedonien, mit Geld unterstützt. 355–351 erweist sich Philippos II. dem Bunde gegenüber wohlwollend, fasst aber allmählich festen Fuss auf der Halbinsel. 351 wendet der Bund sich von Philippos II. ab. Frieden der Chalkidier mit Athen. 349 Olynthischer Krieg. Philippos erobert 30 chalkidische Städte. Demosthenes I. olynthische Rede. Bündnis. Frühjahr 347 bemächtigt sich Philippos II. der Bundeshauptstadt Olynthos. Die Chalkidier in die Fremde verkauft. Die Städte haben alle Bedeutung verloren; daher kommt es wohl, dass so wepig neue Ortsnamen an alte anklingen, trotzdem die Halbinsel immer hellenisiert blieb.

Bezüglich der einzelnen Städte. Ortschaften, Castelle siehe die einschlägigen Artikel. Im folgenden (s. die Tabelle S. 9075f.) soll hievon nur ein Verzeichnis aufgestellt werden, wobei die älteste Belegstelle aus der Litteratur, die Lage (z. B. Pall. = Pallene, Pall.-Sith. = zwischen Pallene und Sithonia, n. von Pallene = Hinterland von Pallene u. s. f.) und Verweisung auf die Seitenzahlen von Hoffmanns Programm: Descriptio Chalcidicae Thracicae s. Macedonicae, Bromberg 1854 und auf die früheren Artikel dieser Realencyklopädie gegeben werden.

Litteratur: Unter dem Namen des Aristoteles geht die Schrift: Χαλκιδέων τῶν ἐπὶ Θρᾴκῃ πολιτεία FHG II 153. 158; Παλληνιακά des Kriton FHG IV 373, des Hegesippos ebd. IV 422. Neuere Litteratur (Auswahl): L. Burgerstein Denkschriften Ak. Wien, Math.-naturw. Kl. XL 321ff. (mit geolog. Karte). E. M. Cousinéry Voyage dans la Macédoine, cont. recherches sur l’hist., la géogr. et les antiquités de ce pays, Par. 1831. M. Dimitsass Ἀρχαία γεωγρ. τῆς Μακεδονίας, Ἀθ. 1870–74; ders. Ἡ Μακεδονία (Ἀθ. 1896). Th. Fischer in Kirchhoff Unser Wissen von der Erde III 119ff. 141ff. 164. A. Grisebach Reise durch Rumelien nach Brussa im J. 1839, Götting. 1841. L. Heuzey et H. Daumet Mission archéol. de Macédoine, Par. 1876. W. M. Leake Travels in Northern Greece, Lond. 1835. G. Lolling Iw. v. Müllers Handbuch III 225ff. M. Neumayr Denkschr. Ak. Wien. Math.-naturw. Kl. XL 328ff. H. F. Tozer Researches in the Highlands of Turkey, London 1869.