RE:Dagon 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 1985–1986
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2) Δαγών, Hauptgott der Philistaeer, der in Gaza (Iud. 16, 23ff., vgl. I Chron. 10, 10),: Asdod [Azotus] (I Sam. 5. 3. 5. I Macc. 10, 84. 11, 4; vgl. Joseph. ant. VI 1ff. XIII 99ff.; bell. Iud. V 384), Askalon und wohl auch in den anderen Städten des Landes verehrt wurde (Hieron. In Es. 46, 1: D. est idolum Ascalonis, Gaxae et reliquarum urbium Philistim). Die Ortsnamen Beth-Dagon oder Kaphar-Dagon (E. v. Starck Palästina 1894, 30) bezeugen die Verbreitung seines Cultus im nördlichen Palästina; Philo Byblius (frg. 2, 14ff., FHG III 567) spricht von ihm als von einem phoinikischen Gott, und er ist in der That auf den Münzen von Arados dargestellt (Head HN 666). In den Keilinschriften wird mehrmals ein Dakan oder Dagauni erwähnt, der unzweifelhaft mit dem D. identisch ist (Schrader Die Keilinschr. und das A. T. 1883, 181f. Ménant La glyptique Orientale II 1886. 49ff.). D. ist also nicht eine dem philistaeischen Stamme eigentümliche Gottheit, sondern scheint von Assyrien aus nach der Küste des Mittelmeeres gelangt zu sein. Er ist wohl akkadischen Ursprungs, jedenfalls geht seine Verehrung auf ein sehr hohes Alter zurück, wie durch die assyrischen Urkunden bewiesen wird (Scholz Götzend. 241ff.). Auch Berosos (Euseb. chron. p. 10 Schoene) spricht von einem in mythischer Zeit vom roten Meer geborenen Fischmenschen. ᾧ ὄνομα Ὠδάκων. Wie im Euphratthale wurde D. auch bei den Philistaeern mit einem menschlichen Kopf, Händen und Füssen, aber mit einem Fischkörper dargestellt (I Sam. 5. 3ff.) und ist also wohl als Wassergottheit aufgefasst worden. Deshalb hält er auf den angeführten Münzen einen Delphin in jeder Hand. Sein Name selbst ist von דָג‎ ,Fisch‘ abgeleitet worden. Philo (frg. 2, 14) dagegen übersetzt ihn mit σίτων und sagt (2, 20) ἐπειδὴ εὗρε σῖτον καὶ ἄροτρον (Δαγών) ἐκλήθη Ζεὺς ἀρότριος, setzt also das Wort mit דָגָן‎ ,Getreide‘ [1986] in Zusammenhang. Man kann aber zweifeln, ob es überhaupt semitisch ist (Schrader a. a. O.). Philo berichtet weiter, dass D. Sohn des Uranos und der Gaia, Bruder des El, des Baitulos und des Atlas sei und dass er die schon schwangere Mutter des Demaroos als Frau bekommen habe. Wichtiger ist, dass in Babylonien Dagan mit Bei identifiziert und als Vater der Götter und Weltschöpfer angerufen wurde (Scholz a. a. O.; vgl. Betagon). Nach dem hellenistischen Zeitalter (I Macc. a. a. O.) kennen die Schriftsteller, ausser Philo, den D. nur durch die Bibel; der Hauptgott von Gaza trägt in der Kaiserzeit den Namen Marnas (s. d.). Die Beziehungen von D. zu der Derketo von Askalon, die ebenfalls eine Fischgestalt hatte, sind unklar (vgl. Dea Syria, Ichthys). Stark Gaza und die Philist. Küste 1852, 248ff. Baudissin in Herzog Realencycl. III² 460ff. Scholz Götzendienst und Zauberwesen bei den Hebräern 1877, 238ff.