RE:Didymos 8

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 445472
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8) Sohn des Didymos, der berühmte alexandrinische Grammatiker, lebte in der zweiten Hälfte des 1. Jhdts. v. Chr. und im Beginne des 1. Jhdts. n. Chr. (Suid. ... γεγονὼς ἐπὶ Ἀντωνίου καὶ Κικέρωνος καὶ ἕως Αὐγούστου). Der Grammatiker Apion war sein Pflegesohn (Suid. s. Ἀπίων ... Διδύμου δὲ τοῦ μεγάλου θρεπτός), Herakleides Pontikos der Jüngere sein Schüler (Suid. s. Ἡρακλείδης Ποντικός· ...ὅστις Διδύμῳ τῷ πάνυ κατὰ τὴν Ἀλεξάνδρειαν ἐφοίτησεν); der gelehrte König Iuba († 23 n. Chr.) wird als sein Zeitgenosse bezeichnet (Suid. s. Ἰόβας). D. war einer der gelehrtesten und fruchtbarsten Schriftsteller, nächst Aristoteles vielleicht der fruchtbarste des Altertums. Die Zahl seiner Bücher wird von Demetrios aus Troizen (bei Athen. IV 139 c) und von Suidas auf 3500 angegeben, von Seneca epist. 88, 37 sogar auf 4000. Wegen dieses emsigen Fleisses erhielt er den Beinamen Χαλκέντερος, aber auch den Spottnamen Βιβλιολάθας ,Büchervergesser‘ (Athen, a. a. O.); denn es soll vorgekommen sein, dass ihm, als er einstmals eine Geschichte für unwahr erklärte, ein Buch von ihm vorgewiesen wurde, in dem dieselbe Geschichte erzählt war (Quintil. inst. or. I 8, 20). D. steht am Schlusse des alexandrinischen Zeitalters der griechischen Philologie und bildet den Übergang zu der in ihren Zielen und Leistungen wesentlich verschiedenen Wissenschaft der römischen Kaiserzeit; die selbständige productive Forschung der Alexandriner [446] hat ihren Endpunkt erreicht, mit D. beginnt die reproducierende und compilierende Thätigkeit der Grammatiker. Sein Verdienst besteht hauptsächlich darin, die Ergebnisse der Forschung in allen Zweigen alexandrinischer Gelehrsamkeit zusammengefasst zu haben; unser Wissen von den Leistungen eines Aristarch und der andern hervorragenden Häupter der alexandrinischen Schule haben wir zum nicht geringen Teile seinem riesigen Sammelfleiss zu verdanken. Aber darauf bleibt auch sein Verdienst im wesentlichen beschränkt. Alle seine Berichte über die Lehren und Meinungen der Früheren sind von unschätzbarem Werte für die Geschichte der Philologie; sie waren es zum Teil schon für seine Zeit, da viele kostbare Werke der alexandrinischen Bibliothek, insbesondere auch die wertvollsten Exemplare der von Zenodot Aristophanes und Aristarch besorgten Recensionen, vermutlich bei dem caesarianischen Brande untergegangen waren. Die Kritik aber, die er an den Meinungen der Alexandriner übt, sowie seine eigenen Erklärungen und seine textkritischen und ästhetischen Urteile verraten vielfach einen starken Mangel an Einsicht. Er war im Grunde blos Polyhistor und Compilator, schöpferischen Geist und einen über das gewöhnliche Mass hinausgehenden Verstand besass er nicht. Im Altertum fehlte es ihm nicht an Gegnern (wie Iuba) und an Kritikern, die seine Schriftstellerei teilweise für unfruchtbar und sogar überflüssig erklärten (vgl. Senec. epist. 88, 37). Bei den späteren Grammatikern aber genoss er grosses Ansehen; vgl. Macrob. Sat. V 18, 9 D. grammaticorum omnium eruditissimus und V 22, 10 D. grammaticorum omnium quique sint quique fuerint instructissimus. Denn seine Schriften, in denen ein ungeheures Material zusammengetragen war, bildeten eine wahre Fundgrube für die Grammatiker, Lexikographen und Scholiasten, von denen ein jeder aus den reichen Schätzen das heraushob und verwertete, was er für seine Zwecke brauchbar fand. Infolge des Umstandes aber, dass sie stark benutzt und excerpiert wurden, sind die Werke selbst frühzeitig untergegangen; über das 5. Jhdt. hinaus hat sich, wie es scheint, keins erhalten. Von vielen seiner Schriften kennen wir nicht einmal die Titel, vollständig auf uns gekommen ist keine. Aber schon aus den Fragmenten und den überlieferten Büchertiteln können wir uns ungefähr einen Begriff machen von dem Umfang seiner schriftstellerischen Thätigkeit wie von dem Einfluss, den er auf die Folgezeit ausgeübt hat. Die vor beinahe 50 Jahren von Moriz Schmidt herausgegebene Fragmentsammlung (Didymi Chalcenteri grammatici Alexandrini fragmenta quae supersunt omnia collegit et disposuit Mauritius Schmidt, Lipsiae 1854) ist eine, was Sammelfleiss betrifft, den Arbeiten des Chalkenteros beinahe vergleichbare Leistung; ein reiches Material ist darin angehäuft, allerdings auch viel überflüssiger Ballast zusammengetragen, eine gründliche Durcharbeitung aber und kritische Darstellung war gar nicht versucht. Seitdem haben nur die Bruchstücke der Homerdiorthose eine Bearbeitung gefunden. Eine neue kritische Behandlung auch aller übrigen Fragmente wäre eine mühselige, aber sehr dankenswerte Aufgabe.

In der Schriftstellerei des D. lassen sich zunächst [447] drei Gruppen unterscheiden: Commentare oder Schriften zur Kritik und Exegese der classischen Schriftsteller, lexikalische Arbeiten und grammatische Schriften. Eine vierte Gruppe bilden alle übrigen Schriften, die teils historisch-mythographischen, teils litterarhistorischen, teils vermischten Inhalt haben.

I. Schriften zur Kritik und Exegese der Schriftsteller. Die Commentare des D. erstreckten sich auf fast alle bedeutenderen Dichter der classischen Zeit. Die erste Stelle unter den von ihm bearbeiteten Dichtern nimmt, wie bei allen alexandrinischen Grammatikern, Homer ein, demnächst folgen Aristophanes und Pindar, alsdann die Tragiker. Von Prosaschriftstellern scheint er nur die attischen Redner in besonderen Commentaren behandelt zu haben.

1. Zu Homer. Zu den homerischen Gedichten verfasste D. kritische und exegetische Commentare. Der kritische Commentar führte den Titel περὶ τῆς Ἀρισταρχείου διορθώσεως (scil. Ἰλιάδος καὶ Ὀδυσσείας). Diese Schrift über Aristarchs Recension der homerischen Gedichte war schon im Altertum (nach Lehrs nicht lange nach Herodian) mit dem Buche des Aristonikos περὶ σημείων τῶν τῆς Ἰλιάδος καὶ τῆς Ὀδυσσείας und mit Excerpten aus Herodians Buch περὶ τῆς Ὁμηρικῆς προσῳδίας und aus Nikanors Schrift περὶ Ὁμηρικῆς στιγμῆς zu dem sog. Viermännercommentar vereinigt, der die Grundlage und die Hauptquelle der wertvollen Scholiensammlung des Venetus A der Ilias bildet, wie die Subscription am Schlusse einiger Rhapsodien (παράκειται τὰ Ἀριστονίκου σημεῖα κτλ.) beweist. Den Scholien des Venetus A verdanken wir somit ziemlich beträchtliche, freilich durch die Schuld der Epitomatoren und Abschreiber oft sehr verkürzte und entstellte Bruchstücke des Werkes περὶ τῆς Ἀρισταρχείου διορθώσεως, so dass wir über dieses verhältnismässig am besten unterrichtet sind. Spärlichere und weniger zuverlässige Auszüge sind in den Scholiensammlungen anderer Ilias-Hss. (Townleianus, Venetus B) und in den Odysseescholien erhalten. Die Bruchstücke sind (nach M. Schmidt) in musterhafter Weise gesammelt und kritisch bearbeitet von A. Ludwich Aristarchs homerische Textkritik I (Leipzig 1884) 177–631. Seitdem sind einige neue Fragmente hinzugekommen in den Genfer Scholien (ed. Nicole, Genf 1891) zum 21. Buche der Ilias und in dem Bruchstück eines alten ὑπόμνημα zum 21. Buch der Ilias in den Oxyrhynchos Papyri II 52ff.; vgl. A. Ludwich Berl. Philol. Wochenschr. 1900, 386 und Vorles.-Verz. Königsberg S.-S. 1902, 8-20. D. hatte sich in dieser Schrift vornehmlich die Aufgabe gestellt, die aristarchischen Lesarten zu jedem einzelnen Verse zu sammeln und genau festzustellen. Denn da Aristarch zwei Homerausgaben besorgt hatte, die bisweilen von einander abwichen, ausserdem aber in seinen Einzelschriften neue Lesarten vorbrachte und endlich in seinen mündlichen Vorträgen über einzelne Stellen abweichende Ansichten geäussert hatte, die nachträglich von seinen Schülern mündlich oder schriftlich überliefert wurden, so war im Laufe der Zeit innerhalb der Schule eine gewisse Unsicherheit und nicht selten Streit entstanden über die Ansichten und Lesarten des Meisters; dazu kam, dass Aristarchs Ausgaben damals [448] nicht mehr im Original, sondern nur noch in verschiedenen, oft wohl durch Abschreiberversehen entstellten Abschriften vorhanden waren. D. bemühte sich nun, an der Hand der Ausgaben und Schriften Aristarchs und unter Benutzung der Commentare seiner Schüler alle Streitfragen und Irrtümer der Schule (σχολικὸν ἀγνόημα, vgl. Didym. zu I. II 111) nach Möglichkeit aufzuklären. Auch ihm gelang es nicht, die wahre Meinung Aristarchs überall festzustellen, häufig musste er sich damit begnügen, das Schwanken zwischen zwei Lesarten zu constatieren (Scholien mit διχῶς, vgl. Ludwich I 31ff.); bisweilen bemerkt er ausdrücklich, dass eine Entscheidung schwer oder unmöglich ist, z. B. zu Il. VI 76. Er ging aber weiter und suchte auch die Gründe der aristarchischen Lesarten zu ermitteln, ferner aber wie die Vorgänger Aristarchs und seine Gegner über zweifelhafte Stellen geurteilt und inwieweit Aristarchs Ansichten bei den Nachfolgern Zustimmung oder Widerspruch gefunden haben. Zu diesem Zwecke stand ihm ein bedeutendes Quellenmaterial zu Gebote: ausser Aristarchs beiden Ausgaben, Commentaren (ὑπομνήματα) und Einzelschriften (συγγράμματα) citiert er die Ausgaben des Antimachos, Rhianos, Zenodot, Aristophanes von Byzanz, Kallistratos, die sog. Städteausgaben, die Schriften der Grammatiker Kallistratos, Ammonios, Dionysios Thrax, Dionysios Sidonios, Chairis, Demetrios Ixion, Ptolemaios Epithetes, Ptolemaios Pindarion, Parmeniskos, Seleukos u. a. Die Angaben über die Lesarten der ältesten Ausgaben (auch des Zenodot und des Aristophanes) wird er von Aristarch oder andern übernommen haben, aber sicher bleibt trotzdem, dass er einen grossen hsl. Apparat zu Rate gezogen und eine umfangreiche Litteratur durchgearbeitet hat. Bei den Hss. hat er schon eine Art Classification und Wertschätzung vorgenommen; denn er unterscheidet bei den Ausgaben χαριέστεραι und χαριέσταται im Gegensatz zu den κοιναί, κοινότεραι und εἰκαιότεραι (auch δημώδεις) vgl. Ludwich I 13. 46f. Der Inhalt des Buches bestand übrigens zum grössten Teil, wie es scheint, in blossen Referaten, wenigstens finden sich in den erhaltenen Auszügen Urteile verhältnismässig selten, wie er überhaupt wohl weitläufigere Erörterungen dem exegetischen Commentar vorbehalten hatte. Wo er sein Urteil abgiebt, zeigt er sich nicht als unbedingten Anhänger Aristarchs, bisweilen äussert er Zweifel an der Richtigkeit der aristarchischen Lesart und erklärt andere Lesarten (auch des Zenodot) für annehmbarer (Lehrs p. 25). Mit dem Buche des D. berührt sich vielfach das Buch seines Zeitgenossen Aristonikos περὶ σημείων. Über das Verhältnis der beiden lässt sich nur sagen, dass sie von einander unabhängig sind. Der Redaktor der Scholien des Venetus A fand bisweilen gleichlautende Berichte bei D. und Aristonikos, ohne dass wir doch daraus schliessen dürfen, dass einer vom andern abgeschrieben hat: vielmehr ergänzen sie einander in dankenswerter Weise. Bei der Beurteilung der beiden gab Lehrs D. den Vorzug, weil dieser ein grösseres Quellenmaterial benutzte und daher manche Irrtümer berichtigen konnte, in denen Aristonikos mit der Schule befangen war. Ludwich erkennt zwar bei Aristonikos ,eine unermüdliche [449] Sorgfalt und einen imponierenden Scharfblick für das Richtige und Treffende‘ an (I 65), meint aber doch in Übereinstimmung mit Lehrs, dass der Vergleich entschieden zu Gunsten des D. ausfalle, indem er mehrere Stellen zum Beweise dafür anführt, dass Aristonikos über Aristarchs Lesarten nicht so gut wie D. unterrichtet war. Dagegen hat A. Roemer die Behauptung aufgestellt, dass D. stellenweise von der kritischen Thätigkeit Aristarchs keinen oder nur einen sehr schwachen Begriff gehabt hat. Er hat auch starke Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit geäussert und an einigen Beispielen zu zeigen versucht, dass da, wo Widersprüche zwischen Aristonikos und D. vorliegen, Aristonikos mehr Glauben verdient und dass die von D. mitgeteilten Conjecturen Aristarchs den allergerechtesten Bedenken unterliegen. Es lässt sich in der That nicht leugnen, dass in den Auszügen aus D. manche Angaben über Lesarten und Urteile Aristarchs vorkommen, die wir dem grossen Kritiker kaum zutrauen dürfen. Fraglich ist nur, ob nicht Irrtümer dieser Art zum Teil durch die kürzenden Hände der Scholiasten und Abschreiber verschuldet sind, wie es sich in den Scholiensammlungen so oft nachweisen lässt. Das Urteil Roemers muss aus diesem Grunde als zu schroff bezeichnet werden. Zuzugeben ist allerdings, dass D. bei weitem nicht einen so klaren Einblick in die wunderbare kritische Methode Aristarchs gehabt hat wie Aristonikos. Das Buch des D. scheint in der Folgezeit nicht sehr verbreitet gewesen zu sein; Herodian und Nikanor sind die einzigen Schriftsteller, die es ausdrücklich citieren, sichere Spuren der Benutzung bei anderen Grammatikern sind nicht vorhanden. K. Lehrs De Aristarchi stud.³ 16–29. A. Ludwich Aristarchs Homer. Textkritik I 41ff. A. Roemer Blätter für Bayer. Gymn. XXI (1885) 273ff.; Abh. d. Bayer. Akad. d. W. philos.-philol. Cl. XVII (1885) 656ff.

Die exegetischen Commentare (ὑπομνήματα) zu den einzelnen Büchern der Ilias und der Odyssee behandelten in ausführlicher Weise die verschiedensten Fragen der Homererklärung, die Etymologie und Bedeutung homerischer Wörter, die homerische Geographie und Mythologie. Diese scheinen wegen ihres reichen stofflichen Inhalts von den Grammatikern mehr benutzt worden zu sein als das Buch über Aristarchs Homerdiorthose. Bruchstücke daraus finden sich in den Scholien zu Homer (besonders mythologische Scholien mit der Unterschrift ἡ ἱστορία παρὰ Διδύμῳ), bei Steph. Byz. und in den etymologischen Wörterbüchern. In dem Commentar zum 13. Buch der Ilias stand wahrscheinlich, wie Schmidt vermutete, die gelehrte Auseinandersetzung über Καβησσός (Il. XIII 363 Καβησόθεν), von der Steph. Byz. p. 12, 8 sagt, dass sie ein ganzes Buch füllte (Schmidt Didym. 350). Die in den Etymologika überlieferten Bruchstücke stammen aus den Schriften des Grammatikers Oros von Milet (5. Jhdt.), ebendaher wahrscheinlich die Citate bei Steph. Byz. Die Fragmente sind zusammengestellt von Schmidt Didym. 179–185. Dazu kommen zwei Citate in dem Bruchstück eines alten ὑπόμνημα zum 21. Buche der Ilias in den Oxyrhynchos Papyri II p. 65 u. 74. Die dürftigen Scholien, welche den älteren Homerausgaben beigefügt sind (Scholia [450] Didymi), tragen den Namen des D. mit Unrecht.

2. Zu Hesiod. In den Scholien zu Hesiods Theogonie wird D. nur einmal (zu v. 126) ausdrücklich citiert; vgl. A. Nauck Rh. Mus. VII (1850) 301–306. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, dass er einen Commentar zur Theogonie verfasst hat, der ebenso wie die Schrift des Aristonikos περὶ τῶν σημείων τῶν ἐν τῇ Θεογονίᾳ Ἡσιόδου in den Scholien benutzt ist. D. behandelte darin sowohl Kritik als Exegese und nahm ganz besonders auf die Lesarten und Erklärungen Aristarchs Bezug. Die Bruchstücke, die sich auf ihn zurückführen lassen, zeichnen sich auch sonst durch Gelehrsamkeit aus. Vgl. H. Flach Glossen und Scholien zur hesiodischen Theogonie (Leipz. 1876) 112–118. Auch zu den Erga wird D. einmal (zu v. 300) von Proklos citiert. Ob wir darnach auch einen Commentar von ihm zu den Erga annehmen dürfen, ist nicht ganz sicher. Vgl. aber Milan R. Dimitryeijić Studia Hesiodea (Lipsiae 1899) 117. 142–156.

3. Zu Pindar (und Bakchylides). Die ὑπομνήματα des D. zu Pindar werden ausdrücklich angeführt im Eingangsscholion zur 5. olympischen Ode (αὕτη ἡ ᾠδὴ ἐν μὲν τοῖς ἐδαφίοις οὐκ ἦν, ἐν δὲ τοῖς Διδύμου ὑπομνήμασιν ἐλέγετο Πινδάρου) und von Lactant. div. inst. I 22, 19 (Didymus in libris ἐξηγήσεως Πινδαρικῶς ait). Dass er solche speciell zu den Paianen Pindars verfasst hat, erfahren wir durch ein Citat in dem Synonymenwörterbuch Ammon. de diff. p. 70 Valck.: καθὼς Δίδυμος ἐν ὑπομνήματι τῷ πρώτῳ τῶν Παιάνων Πινδάρου. Auf diese beziehen sich wahrscheinlich die Verweisungen an einigen Stellen der Pindarscholien ἐν Παιᾶσιν εἴρηται u. ä. (Schol. Olymp. I 26. II 70; Pyth. VI 4. XII 45). Auf Commentare des D. zu den Hymnen Pindars scheint eine Bemerkung im Schol. Aristoph. Plut. 9 hinzudeuten: καὶ τὰ μὲν περὶ τοῦ Πινδάρου τρίποδος διαφόρως ἱστορούμενα ἐν τοῖς Πινδάρου Ὕμνοις εὐκαίρως ἡμῖν διείληπται. Dazu kommen die Commentare zu den Epinikien, die in den erhaltenen Scholien excerpiert sind und als die Grundlage der alten Scholien zu Pindar angesehen werden. Trotzdem diese Scholien in ärgster Weise verstümmelt und entstellt auf uns gekommen sind (vgl. Lehrs Pindarscholien 2–18), erscheint der Name des D. in ihnen an mehr als 60 Stellen. Auf ihn dürfen aber auch zahlreiche Scholien, in denen er jetzt nicht genannt ist, namentlich alle, welche alexandrinische Gelehrsamkeit verraten, mit Wahrscheinlichkeit zurückgeführt werden. Denn D. hat in diesen Commentaren, wie die grösseren Fragmente zeigen, ähnlich wie in dem Buche über Aristarchs Homerrecension die Studien der Alexandriner zusammengefasst und ausführlichen Bericht darüber erstattet. Aus ihm stammt daher wohl der grösste Teil der Anführungen von Lesarten und Erklärungen Aristarchs, seiner Schüler Ammonios, Aristodemos, Chairis, Dionysios Sidonios, wie auch anderer Grammatiker vor und nach Aristarch, des Zenodot, Aristophanes von Byzanz, Kallistratos, Ptolemaios Epithetes, Asklepiades. Ob dazu auch die Bemerkungen über die Randzeichen gehören (denn die Pindarausgaben des Aristophanes und Aristarch waren ebenso mit kritischen Zeichen versehen wie die Homerrecensionen), [451] ist zweifelhaft; denn auch Aristonikos wird in den Scholien citiert. Dagegen scheinen die mit ζητεῖται und ähnlichen Ausdrücken beginnenden Scholien, in denen gewisse Schwierigkeiten und Probleme (ἀπορίαι, ζητήματα) der Pindarexegese ausführlich erörtert werden, auf D. zurückzugehen (vgl. Lehrs Pindarscholien 111ff.). Bei der sachlichen Erklärung, bei der Darlegung der Zeit- und Personalverhältnisse der von Pindar besungenen und erwähnten Personen und Ereignisse, bei der Erläuterung der Mythen zog D. auch andere Quellen zu Rate, wie die sicilischen Historiker Philistos und Timaios und den Periegeten Polemon. Hier hat er häufig der Meinung Aristarchs seine eigene gegenübergestellt. Aristarch ist in der Erklärung Pindars, wenn die Berichte in den Scholien zuverlässig sind, von grossen Irrtümern nicht freizusprechen. D. war auf Grund besserer Kenntnis der historischen und geographischen Verhältnisse wie der mythographischen Überlieferung, die er aus dem Studium der Historiker und Mythographen geschöpft hatte, häufig in der Lage, Aristarch zu widersprechen und seine Erklärungen als irrig zu erweisen (Horn 9. 15. 16. 29. 49 u. ö. Feine 266. 281. 284. 300. 302. 305. 323). Seltener wird in den Scholien die Übereinstimmung des D. mit Aristarch angemerkt. Bei der bekannten Art aber, wie in den Scholiensammlungen oft die Namen fortgelassen oder ausgefallen sind, werden wir annehmen dürfen, dass D. mindestens ebenso häufig Aristarch zugestimmt haben wird, als er ihm entgegen getreten ist. Die Fragmente bei Schmidt Didym. 214–240. Vgl. A. Boeckh Schol. Pind. p. IX–XVIII. E. Horn De Aristarchi studiis Pindaricis, Gryphisw. 1883. P. Feine De Aristarcho Pindari interprete, Comment. philol. Jenens. II (1883) 255–327.

Einen Commentar des D. zu Bakchylides’ Epinikien bezeugt das Synonymenwörterbuch Ammon. de diff. p. 97 Valck. = Eustath. p. 1954, 5: Δίδυμος ἐν ὑπομνήματι Βακχυλίδου Ἐπινικίων. Schmidt Didym. p. 300. D. berichtete mit Berufung auf Mnaseas, dass manche einen Unterschied statuieren zwischen Νηρηίδες und Νηρέως θυγατέρες. Die Bemerkung bezieht sich auf Bakchyl. XVI (XVII) 38 (Νηρηίδες) und 102 (Νηρῆος κόρας), die angegebene Unterscheidung ist falsch.

4. Zu den Tragikern. Der Trias der Tragiker hat D. ebenso gelehrte Commentare gewidmet wie den Dichtungen Pindars. Dafür, dass er Aischylos commentiert hat, haben wir zwar kein directes Zeugnis. Zu Aischylos sind nur magere Scholien erhalten, in denen die in die Paraphrase eingestreuten Erläuterungen der alten Commentatoren aufs äusserste verkürzt, durch Contamination mit späteren Zusätzen entstellt oder durch solche ganz verdrängt sind (A. Römer S.-Ber. Akad. Münch. 1888 II 231ff.). Von den alexandrinischen Grammatikern wird (ausser Euphorion Schol. Pers. 657) keiner mit Namen erwähnt. Schol. Pers. 1 werden οἱ ὑπομνηματισάμενοι angeführt, sonst finden sich nur allgemeine Ausdrücke wie τινές, οἱ δέ, ἄλλοι δέ. Aber trotz ihrer Dürftigkeit enthalten die Scholien viele Spuren alexandrinischer Exegese, darunter Citate aus Dichtern, besonders aus Homer und aus aischyleischen Stücken, sowie aus älteren Historikern und Mythographen wie Andron (Schol. Pers. 185), Hellanikos [452] (Schol. Pers. 717. 768. 776), Kallistratos περὶ Ἡρακλείας (Schol. Pers. 938), Mnaseas (Schol. Pers. 745), auch einige textkritische Bemerkungen (τὸ χ Schol. Prom. 9; Sept. 79; Choeph. 534). Bei der Ähnlichkeit, die solche Bemerkungen und Citate mit den Fragmenten des D. haben, darf wohl angenommen werden, dass vieles davon auf den Commentar des Chalkenteros zurückgeht. Vgl. J. J. Frey De Aeschyli scholiis Mediceis, Bonnae 1857.

Dass D. Commentare zu Sophokles verfasst hat, bezeugt ausdrücklich Athen. II 70c Δίδυμος δ’ ὁ γραμματικὸς ἐξηγούμενος παρὰ τῷ Σοφοκλεῖ τὸ κύναρος ἄκανθα. In den Sophoklesscholien, in denen auch gerade die Namen der alexandrinischen Grammatiker (ausser Praxiphanes Schol. Oed. Col. 900 und Aristophanes von Byzanz Schol. Aiac. 746 für ein Sprichwort) von den Epitomatoren beseitigt oder durch allgemeine Ausdrücke wie οἱ ἐξηγησάμενοι, οἱ ὑπομνηματισάμενοι, οἱ ὑπομνηματισταί, τινές u. a. ersetzt sind, wird allein D. an 9 Stellen citiert. Dazu kommt das Citat Et. Gud. 81, 37 und Miller Mélanges 46, das aus dem Commentar des D. zu Soph. Trach. 1054 (ἀρτηρίας) stammt. Nach dem ganzen Charakter der Scholien kann es jedoch nicht zweifelhaft sein, dass D. als Hauptquelle der Scholien angesehen werden muss, aus der alle wichtigeren Nachrichten über die dem gefeiertsten Tragiker zugewandte Thätigkeit der alexandrinischen Grammatiker geschöpft sind. Vgl. G. Wolff De Sophoclis scholiorum Laurentianorum variis lectionibus (Lipsiae 1843) 12-29. Schmidt Didym. 261–274. Von ganz besonders gelehrtem Charakter und reich an Citaten aus der älteren Litteratur sind die Scholien zum Oidipus auf Kolonos. Mit Recht wird angenommen, dass die in ihnen überlieferten textkritischen und ästhetischen Bemerkungen und die meisten Worterklärungen D. angehören (v. Wilamowitz Eur. Herakl. I 157). Vielleicht aber dürfen auch die auf die attischen Altertümer sich beziehenden Scholien ihm zugeschrieben werden; denn die darin citierten Schriftsteller, Pherekydes, Androtion, Philochoros, Ister, Polemon, Apollodor, sind auch sonst von D. benutzt.

In den Scholien zu Euripides wird D. an 19 Stellen citiert. Dadurch wird die Thatsache, dass D. Commentare zu diesem Dichter verfasst hat, und ihre Benutzung in den Euripidesscholien sichergestellt. Überdies besagt eine Subscription am Schlusse der Scholien zur Medeia im Cod. Paris. 2713 (πρὸς διάφορα ἀντίγραφα Διονυσίου ὁλοσχερὲς καί τινα τῶν Διδύμου), dass der Commentar eines Dionysios vollständig und der des D. mit Auswahl benutzt ist. Auch zum Orestes findet sich in den Hss. eine Subscription: πρὸς διάφορα ἀντίγραφα παραγέγραπται ἐκ τοῦ Διονυσίου ὑπομνήματος ὁλοσχερῶς καὶ τῶν μικτῶν. Mit Recht ist vermutet worden, dass hier entweder der Name des D. ausgefallen oder der Commentar des D. in dem Ausdruck καὶ τῶν μικτῶν mit inbegriffen sei. In dem gelehrten Scholion zum Orest. 1384 ἁρμάτειον μέλος, wo unter anderen D. und Apollodor citiert werden, heisst es am Schluss: εἰσὶ δὲ καὶ ἄλλαι αἰτίαι ἃς ἐκτίθεται ὁ ὑπομνηματισάμενος. Mit dem Ausdruck ὁ ὑπομνηματισάμενος ist offenbar der Verfasser des Commentars gemeint, aus dem der [453] Scholiast die ganze Auseinandersetzung (nebst dem D.-Citat) übernommen hat. Nun hat der Artikel ἁρμάτειον μέλος im Etym. M. 145, 25, der aus den Euripidesscholien stammt, am Ende die Notiz: οὕτω Δίδυμος καὶ Ἀλέξανδρος, d. h. nach dem Sprachgebrauch der Grammatiker ,D. bei Alexander‘. Ob wir an den Grammatiker Alexander von Kotyaeion zu denken haben (wie Lehrs Quaest. ep. 13 vermutete) oder irgend ein unbekannter Alexander gemeint ist, lässt sich nicht ausmachen. Soviel aber geht aus diesen Subscriptionen, die zufällig nur zur Medeia und zum Orestes erhalten sind, ursprünglich aber wohl in allen kommentierten Stücken gestanden haben, sowie aus den Citaten mit Sicherheit hervor, dass D. auch für die Euripidesscholien eine Hauptquelle gewesen ist. Die textkritischen Bemerkungen, die hier viel zahlreicher sind als in den Sophoklesscholien, werden wir ohne weiteres für D. in Anspruch nehmen dürfen. Wie im Schol. Orest. 1384 Apollodor von Kyrene, in den Schol. Med. 148 und 169 Apollodor von Tarsos, im Schol. Med. 264 Parmeniskos von D. citiert wird, so werden auch alle anderen Anführungen von Grammatikern der alexandrinischen Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach auf ihn zurückgehen. So wird Parmeniskos noch Schol. Med. 9; Rhes. 523. 528; Troad. 221. 228 citiert, Kallistratos Schol. Orest. 314. 434. 1038, Eratosthenes Schol. Med. 2; Hek. 573; Troad. 1175, einmal auch Aristarch Schol. Rhes. 540. Überhaupt ersieht man aus den Bruchstücken deutlich, dass D. auch hier die frühere Litteratur in grossem Umfange herangezogen und textkritische Fragen, Worterklärung, Myelographie und ästhetische Kritik gleich ausführlich behandelt hat. In den mythographischen Scholien begegnen öfter die Namen der auch sonst von ihm viel citierten Autoren wie Pherekydes, Hekataios, Hellanikos, Ephoros, Duris, Philochoros, Ister, Lysimachos, Mnaseas. Was die ästhetische Kritik betrifft, so zeigen einige Stellen in den Fragmenten des D., dass er an Euripides viel auszusetzen hatte; vgl. Schol. Hek. 847; Androm. 330. 362. 885. 1077; wir sind daher wohl berechtigt, die zahlreichen tadelnden Bemerkungen, die in den Scholien gegen die tragische Kunst des Euripides gerichtet sind, ihm zuzuschreiben. D. folgte hierin wie in allen Fragen der ästhetischen Kritik hauptsächlich Aristophanes von Byzanz, dem Begründer der ästhetischen Kritik bei den Dramatikern. Vgl. A. Trendelenburg Grammaticorum graecorum de arte tragica iudiciorum reliquiae (Bonnae 1867) 54-69. Wie wir an einigen Stellen wahrnehmen können (Schol. Andr. 32. 734), hat ein jüngerer Erklärer (Alexander oder Dionysios?) den Dichter gegen diese Vorwürfe zu verteidigen versucht. In den Scholien zum Rhesos sind Reste eines alten Commentars erhalten, in welchem verschiedenes getadelt und daraus die Unechtheit des Stückes hergeleitet war, und dazu die Gegenbemerkungen eines jüngeren Erklärers (v. Wilamowitz De Rhesi scholiis, Ind. lect. Gryphisw. 1877; Eur. Herakl. I 155); ob D. an diesem Streite beteiligt war, können wir nicht sagen, da er in den Scholien zu diesem Stücke nicht citiert wird. Vgl. Schmidt Didym. 274–283. Th. Barthold De scholiorum in Euripidem veterum fontibus, Bonnae 1864.

[454] Aus den angeführten Thatsachen ergiebt sich, dass die Verdienste des D. um die Erklärung der Tragiker nicht gering anzuschlagen sind; sie würden sicherlich viel klarer hervortreten, wenn die Scholien in besserer Gestalt erhalten wären. ,Allerdings hat er selbst keinen Anspruch auf einen hohen Rang als Erklärer oder Kritiker ... besonderer Scharfsinn ist nirgend zu loben, arge Verkehrtheiten sind nicht selten‘. Dieses Urteil, das v. Wilamowitz über D. als Erklärer der Tragiker gefällt hat, ist zutreffend und gerecht. Als zu hart muss dagegen das Urteil A. Roemers bezeichnet werden, der über D. einfach den Stab bricht, ,sein sprachliches Vermögen als unzulänglich, seine ästhetische Auffassung als unzulässig, seine Mythenbehandlung als unkritisch und gegen das heiligste Recht des Dichters verstossend‘ erklärt und ihn selbst als einen Mann bezeichnet, der ,der schwierigen Aufgabe der Interpretation der Tragiker in keiner Weise gerecht werden konnte‘. Die Beispiele, die Roemer zum Beweise anführt, genügen nicht, um ein so hartes Urteil zu rechtfertigen, zumal ihnen, wie Roemer selbst zugeben muss, Stellen gegenüberstehen, an welchen D. eine richtige Erklärung gegeben hat. Fehler in der Kritik und Erklärung der Tragiker haben auch die älteren Alexandriner (Aristarch selbst nicht ausgenommen) begangen, wofür Roemer selbst im Verlauf seiner Abhandlung ausreichende Belege anführt. Andererseits rühren die von Roemer behandelten Reste gesunder Interpretationskunst der Alexandriner sicherlich zum grossen Teil entweder von D. selbst her oder sind von ihm aus älteren Commentaren übernommen. Wenn er auch kein grosser Geist war, so darf doch bei seiner Beurteilung nie vergessen werden, wieviel wir seinem Sammelfleiss zu verdanken haben, v. Wilamowitz Eur. Herakl. I 157–161. A. Roemer Abh. Akad. Münch. XIX (1892) 631-643.

Auch andere Tragiker wurden von D. commentiert. Einen Commentar zum Agamemnon des Ion citiert Athen. XI 468 d (φησὶν ὁ Δίδυμος ἐν τοῦ δράματος ἐξηγητικῷ) bei der Erklärung des δακτυλωτὸν ἔκπωμα. Auf einen Vers der Omphale des Ion (frg. 23 N.) bezieht sich ein zweites Citat bei Athen. XIV 634 c (in dem Abschnitt über die Musikinstrumente), wo vorher die Erklärungen des Aristarch und des Tryphon über μάγαδις angeführt werden: Δίδυμος ὁ γραμματικὸς ἐν ταῖς πρὸς Ἴωνα Ἀντεξηγήσεσιν. Man hat mit Recht an dem Ausdruck πρὸς Ἴωνα (der nur ,gegen Ion‘ bedeuten kann) Anstoss genommen, aber weder die Vermutung von Bergk πρὸς Ἰξίονα noch die von Schmidt πρὸς Ἰώβαν ist annehmbar; vgl. CA. Bapp Leipz.Stud. VIII (1885) 129f., der selbst ἐν ταῖς εἰς Ἴωνα Ἀντεξηγήσεσιν vermutet. Einfacher ist die von Kaibel auf Vorschlag von v. Wilamowitz vorgenommene Änderung ἐν ταῖς εἰς Ἴωνα Ἀντεξηγήσεσιν, da εἰς und πρὸς in den Hss. häufig verwechselt werden. Nach dem Titel (wenn er nicht aus ἐξηγήσεσιν verderbt ist) lässt sich vermuten, dass diese Schrift hauptsächlich gegen die Erklärungen anderer Grammatiker gerichtet war. Dass D. auch den Tragiker Achaios behandelt hat, schloss M. Schmidt aus Athen. XV 689 b (φησὶν ὁ Δίδυμος), wo eine Erklärung von ihm zu einer [455] Stelle der Ἆθλα des Achaios (frg. 5 N.) angeführt wird.

5. Zu den Komikern. Ein ausdrückliches Zeugnis, dass D. Commentare zu Aristophanes verfasst hat, enthalten die Worte des Athen. II 67 d: Ἀριστοφάνης δ’ ἐν Πλούτῳ φησιν· ὄξει διέμενος Σφηττίῳ. Δίδυμος δ’ ἐξηγούμενος τὸ ἰαμβεῖόν φησιν· ‚ἴσως διότι οἱ Σφήττιοι ὀξεῖς‘, vgl. Schol. Ar. Plut. 720. Über die Quellen der alten Scholien zu Aristophanes (abgesehen von den aus Heliodor stammenden metrischen Scholien) belehren uns die Subscriptionen des Cod. Venetus zu den Wolken παραγέγραπται ἐκ τῶν Φαεινοῦ καὶ Συμμάχου καὶ ἄλλων τινῶν, zum Frieden παραγέγραπται ἐκ Φαεινοῦ καὶ Συμμάχου und zu den Vögeln παραγέγραπται ἐκ τῶν Συμμάχου καὶ ἄλλων σχολίων. Da Phaeinos, der nur an ein paar Stellen für ganz unbedeutende Bemerkungen citiert wird, wenig in Betracht kommt, so hat man nach dem Vorgange von O. Schneider den Commentar des Symmachos (der bereits von Herodian citiert wird, also etwa um 100 n. Chr. anzusetzen ist) als die Hauptquelle unserer Scholien angenommen. Viel häufiger indessen als der Name des Symmachos (40 mal, davon 20 mal zu den Vögeln) erscheint in den Scholien der Name des D. (64 mal, davon allein zu den Vögeln 33 mal). Sicherlich würden wir seinem Namen viel öfter begegnen, wenn die Scholien in besserem Zustande erhalten wären; im Venetus, in welchem die Scholien am besten und ausführlichsten überliefert sind, fehlen die Stücke Acharner, Lysistrate, Ekklesiazusen und Thesmophoriazusen ganz. Da D. aber in den Subscriptionen nicht genannt ist, also von dem Redactor der Scholien nicht direct benutzt zu sein scheint, so wird mit Recht angenommen, dass die Aristophanescommentare des D. zu den Quellen des Symmachos gehört haben. Dafür spricht der Umstand, dass mehrfach ganz gleichlautende Erklärungen von D. und Symmachos angeführt werden; vgl. Schol. Av. 1001. 1363. 1705. Ausdrücklich heisst es im Schol. Av. 58 ἐποποῖ Σύμμαχος καὶ Δίδυμος προπαροξύνουσιν i. e. Didymus a Symmacho adscitus et ipse Symmachus (Schmidt 289). Daraus, dass bisweilen die Erklärungen des D. und des Symmachos einander gegenübergestellt werden (Schol. Av. 704. 877. 1121. 1283; Plut. 1011 u. a.), braucht nicht geschlossen zu werden, dass der Scholiast neben Symmachos den D. selbst benutzt hat. Nach Analogie der übrigen Commentare des D. und auf Grund bestimmter Stellen in den Scholien dürfen wir weiter annehmen, dass er auch in den Commentaren zu Aristophanes das gelehrte Material aus den Arbeiten der älteren Alexandriner gesammelt und verarbeitet hat. Das meiste, was davon in den Scholien vorhanden ist, scheint Symmachos dem D. zu verdanken. Vor allem kann als sicher gelten, dass die wertvollen Bruchstücke aus Lykophron (περὶ κωμῳδίας), Euphronios und Eratosthenes (περὶ ἀργαίας κωμῳδίας) von D. überliefert sind; vgl. C. Strecker De Lycophrone Euphronio Eratosthene comicorum interpretibus, Gryphisw. 1884. Beachtenswert ist alsdann die Thatsache, dass, abgesehen von einigen nur an vereinzelten Stellen erwähnten jüngeren Grammatikern (Iuba, Apion, Eirenaios, Epaphroditos, Apollonios Dyskolos, Herodian, Salustios, Telephos, Phrynichos, Palamedes), [456] alle in den Scholien citierten Grammatiker der Zeit vor D. angehören: Lykophron, Kallimachos, Euphronios, Eratosthenes, Aristophanes von Byzanz, Kallistratos, Artemidoros, Aristarch, Ammonios, Chairis, Apollonios, Demetrios Ixion, Apollodor, Asklepiades, Tryphon, lauter Namen, denen wir auch in anderen Schriften des D. begegnen. Auch die Stellen, in denen allgemein die alten ὑπομνήματα erwähnt werden, sind wohl ebenso wie in den Scholien der Tragiker auf D. zurückzuführen; denn die Ausdrucksweise (μήποτε u. dgl.) und die Art, wie die Ansichten der Früheren kritisiert oder berichtigt werden, erinnert zu sehr an die D.-Excerpte in den Iliasscholien; vgl. Schol. Vesp. 544 θαλλοφόροι· ἐν τοῖς ὑπομνήμασι οὕτω γέγραπται· θαλλοφόροι ἀντὶ τοῦ ἐργάται . . . εὐχερεῖς δέ εἰσι περὶ ὧν μηδὲν ἔσχον εἰπεῖν σαφὲς ἀποσχεδιάζοντες. Schol. Vesp. 968 ... ἐν τοῖς ὑπομνήμασι δὲ γέγραπται περὶ τῶν τραχηλιίων οὕτως· τὰ ἂποβαλλόμενα τῶν ὄψων, ὡς μικρὰ κλέπτοντος αὐτοῦ. [πεπλάνηται δέ. Av. 283 λέγεται καταψεύδεσθαι ⟨τινα⟩ τῶν ὑπομνημάτων, ὅτι οἱ Ἱππόνικοι καὶ οἱ Καλλίαι ἄνωθεν ἐκ διαδοχῆς ἀπὸ πατέρων ἐ[ι παῖδας καθήκουσιν, ὅπερ ἐστὶ ψεύδος. Schol. Av. 556 ... ἐν ἐνίοις τῶν ὑπομνημάτων ταῦτα λέγεται· ἱερὸν πόλεμον λέγει, καθὸ πρὸς θεοὺς ἔσοιτο ... ἐσχεδίασται δὲ ὑπ’ αὐτῶν. Besonders charakteristisch sind die beiden folgenden: Schol. Av. 1242 Λικυμνίαις βολαῖς· ... ἐν δὲ ἐνίοις τῶν σχολικῶν ὑπομνημάτων ταυτὶ γέγραπται· ἴσως ὁ Λικύμνιος ἐνεπύρισέ τινων οἰκίας. ἐν δὲ τοιῖς ἐπιγεγραμμένοις Ἂπολλωνίου ταῦτα γέγραπται, ὅτι ἡμίφλεκτόν τινα εἰσάγει κτλ. Unter den σχολικὰ ὑπομνήματα sind Schulcommentare oder Collegienhefte gemeint, die vielfach namenlos in der Schule zu Alexandrien verbreitet waren (Lehrs Aristarch.³ 18); diesen werden hier Commentare gegenübergestellt, die ausdrücklich als von Apollonios (einem Schüler des Aristarch) verfasst bezeichnet waren. Schol. Plut. 385 τῶν Παμφίλου· Παμφιλον μὲν Καλλίστρατος καὶ Εὐφρόνιος τραγῳδιῶν ποιητήν φασι καὶ διδάξαι Ἡρακλείδας. φὰ δὲ λίαν ἐπιτετηδευμένα ὑπομνήματα διστάζει, πότερον τραγικὸς ποιητὴς ἢ ζωγράφος κτλ. Zu dem Ausdruck vgl. D. zu Il. II 111 ἔν τινι τῶν ἠκριβωμένων ὑπομνημάτων und zu Il. VII 130 ἐν τοῖς ἐξητασμένοις (sc. ὑπομνήμασιν) Ἀριστάρχου. Ebenso stammen wohl die zahlreichen Citate von Dichterstellen zum grossen Teil aus D., der sie teils den älteren Commentaren entlehnt, teils selbst angeführt hat; citiert werden ausser Aristophanes selbst Homer, Hesiod, Pindar, die Tragiker, besonders aber die andern Komiker Eupolis, Kratinos, Pherekrates, Hermippos, Phrynichos, Platon, Menander. Unter den Scholien, die Parallelstellen anführen, bilden einen wichtigen Bestandteil diejenigen, in welchen Anspielungen auf andere Dichterstellen oder Parodien von Versen der Tragiker oder anderer Dichter bei Aristophanes nachgewiesen werden; D. wird dabei ausdrücklich citiert Schol. Vesp. 1063; Av. 1121; zu Av. 1178 gesteht er freimütig, eine Anspielung des Dichters nicht zu verstehen. Die am häufigsten citierten Dichter sind von D. in eigenen Commentaren behandelt, auf die er an einigen Stellen selbst zu verweisen scheint, Schol. Vesp. 151 καπνίου· . . . ἐν δὲ τοῖς περὶ Κρατίνου διώρισται, εἰ τὸν ἀπόθετον ἢ καὶ παλαιόν. Schol. Vesp. 1310 . . . ὁ δὲ ἀχυρὸς παρ’ Εὐπόλιδι [457] ἐν Χρυσῷ γένει, ὅπου καὶ τὸ Πλάτωνος παράκειται ἐξ Ἀδώνικος. Schol. Av. 1736 Ὑ,ὴν ὧ Ὑμέναι‘ ὧ· εἴρηται περὶ τούτου ἐν τοῖς Μενανδρείοις, ὅτι ἐν τοῖς γάμοις ᾔδετο. Schol. Lys. 722 κατειλυσπωμένην· ... δεδήλωται δὲ περὶ τούτου καὶ ἐν Ὀλκάσι (man ersieht aus dieser Stelle, dass D. auch jetzt verlorene Stücke des Aristophanes commentiert hat). Wie die Excerpte in den Scholien zeigen, kamen bei D. die kritische Behandlung des Textes, die grammatische und die sachliche Erklärung gleichermassen zu ihrem Rechte. Bei der sachlichen Erklärung begnügte er sich nicht mit dem, was er in den Schriften der alexandrinischen Grammatiker, z. B. bei Eratosthenes, fand, sondern zog wie bei Pindar und den Tragikern zur Erläuterung der persönlichen und politischen Anspielungen und der attischen Altertümer die Werke der Historiker und Periegeten zu Rate. So begegnen uns auch hier wieder häufig die Namen derselben Autoren: Pherekydes, Hellanikos, Androtion, Ephoros, Duris, Philochoros, Ister, Polemon, dazu Herodot, Thukydides, Demon, Theopomp, Aristoteles, Krateros. Das Urteil über seine Leistungen für Aristophanes kann nicht anders lauten wie bei den andern von ihm behandelten Schriftstellern. Er hat auch hier das grosse Verdienst, aus den gelehrten Arbeiten der Alexandriner viele wertvolle Notizen auf die Nachwelt gerettet und aus eigener Lectüre weiteres gelehrtes Material zur Erläuterung des Dichters herbeigeschafft zu haben. Aber sowohl in der Kritik der Vorgänger als in der eigenen Exegese war er wenig glücklich. Ganz verkehrt sind z. B. seine Erklärungen zu Av. 13. 824. 1121. 1681. Schon Symmachos, der ihn ausschreibt, übt manchmal gerechte Kritik an seinen Ausführungen; vgl. Schol. Thesm. 162 . . . τὸ δὲ λεγόμενον ὑπὸ Διδύμου πρὸς Ἀριστοφάνην, ὅτι οὐ δύναται Ἀλκαίου μνημονεύειν (οὐ γὰρ ἐπεπόλαζε, φησί, τὰ Ἀλκαίου διὰ τὴν διάλεκτον), λελήρηται ἄντικρυς, und weiterhin: ἀλλαχοῦ δὲ ὁ Δίδυμός φησιν· ἣ μὲν γραφὴ δύναται μένειν, οὐκ ἂν δὲ τούτου τοῦ μελοποιοῦ μέμνηται... τί δὲ ἐνταῦθα κιθαρῳδοῦ, περὶ ποιηητοῦ ὄντος τοῦ λόγου. Von den neueren Interpreten werden die Erklärungen des D. fast durchweg verworfen. Litteratur: O. Schneider De veterum in Aristophanem scholiorum fontibus, Sundiae 1838. Schmidt Didym. 246–260. 283–299. E. Schnee Ein Beitrag zur Kritik der Aristophanesscholien, Berlin 1879. F. Clausen De scholiis veteribus in Aves Aristophanis compositis, Kiliae 1881. A. Schauenburg De Symmachi in Aristophanis interpretatione subsidiis, Halis Sax. 1881. G. Meiners Quaestiones ad scholia Aristophanea historica pertinentes in Diss. philol. Halens. XI (1890) 217–402. v. Wilamowitz Eur. Herakl. I 179ff.

Auf einen Commentar des D. zu Kratinos wird verwiesen in dem oben angeführten Schol. Vesp. 6 151. Allerdings citiert Herodian περὶ μονήρους λέξεως II 945 (Lentz) für eine Lesart in den Μαλθακοί des Kratinos den Symmachos: ἕν τισιν ἐν Μαλθακοῖς Κράτινου παρεφύλαξε Σύμμαχος. Deshalb braucht aber nicht angenommen zu werden (wie v. Wilamowitz Herakl. I 180 thut), dass Symmachos auch Kratinos erklärt hat; er kann diese Bemerkung im Aristophanescommentar gemacht [458] haben. Unsicher ist die Stelle Athen. XI 501 d, wo ein Vers aus den Δραπετίδες des Kratinos angeführt und nach Erwähnung der von Eratosthenes, Apion-Diodoros und Asklepiades gegebenen Erklärungen des Wortes βαλανειόμφαλοι D. citiert wird: καὶ Δίδυμος δέ τὰ αὐτὰ εἰπὼν (wie Asklepiades) παρατιθεται τὰ Λυκόφρονος οὕτως ἔχοντα κτλ. Dies Citat kann ebensogut aus der λέξις κωμική wie aus einem Commentar entlehnt sein (Schmidt Didym. 42). Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind Commentare zu Eupolis anzunehmen: zum Χρυσοῦν γένος nach Schol. Ar. Vesp. 1310 (s. o.); zu den Βάπται nach Schol. Apoll. Rhod. I 1139 ῥόμβος· ... ἄλλοι δὲ ῥύμβον καλοῦςιν, ὡς καὶ Εὔπολιςἐν Βάπταις καὶ Δέδυμος vgl. Schol. IV 143 ... καὶ ἐν Εὐπόλιδι δὲ τὰς περιφερεῖς κινήσεις οὕτως ἐξηγοῦνται· ὦ ῥύμβε μαστίξας ἐμέ, wenn nicht auch hier die λέξις κωμική die Quelle ist. Einen Commentar zum Κρόνος des Komikers Phrynichos erwähnt Athen. IX 371 f γήθυον ...,οὗ μνημονεύει Φρύνιχος ἐν Κρόνῳ· ὅπερ ἐξηγούμενος δρᾶμα Δίδυμος ὅμοιά φησιν εἶναι τὰ γήθυα τοῖς λεγομένοις ἀμπελοπράσοις. Ein Commentar zu Menander wird citiert im Et. Gud. 338, 25 (und Etym. Sorb. zu Etym. M. 531, 8) Κορύβαντες ... οὕτω Δίδυμος ἐν ὑπομνήματι Μενάνδρου. Vgl. auch das oben angeführte Schol. Ar. Av. 1736.

6. Zu den attischen Rednern. In allen bisher besprochenen Commentaren steht D. ganz und gar auf den Schultern der früheren Alexandriner, deren Arbeiten er excerpiert, kritisiert und durch Heranziehung anderweitiger Litteratur fortzuführen versucht. Bei den Rednern steht er mehr auf eigenen Füssen, die alexandrinischen Grammatiker vor ihm haben sich fast ausschliesslich mit der Kritik und Exegese der Dichter befasst und die Prosaschriftsteller vernachlässigt, D. ist der erste, der besondere Commentare zu den Rednern verfasst hat. Von diesen wird ein 10. Buch citiert von Herennius Philo in dem Synonymen-Wörterbuch Ammon. de diff. p. 98 Valck. (Eust. p. 684, 29): Δέδυμος ἐν δεκάτῳ ῥητορικῶν ὑπομνημάτων (Unterschied zwischen νῆες und πλοῖα). Athen. XI 486 d führt aus einem Commentar des D. zu Demosthenes’ Rede gegen Timotheos seine Erklärung des Ausdrucks φιάλας λυκιουργεῖς (§ 31) an: μνημονεύει Δημοσθένης ἐν τῷ ... πρὸς Τιμόθεον ...ὅπερ ἐξηγούμενος Δίδυμος ὁ γραμματικὸς τὰς ὑπὸ Λυκίου φησὶ κατεσκευασμένας κτλ. Sonst stammt alles, was wir von seinen Arbeiten über die Redner wissen, aus Harpokration, dessen Lexikon zum nicht geringen Teil auf den Commentaren des D. beruht. Ausdrücklich bezeugt Harpokration Commentare des D. zu den Reden des Demosthenes s. γαμηλία und ἔνθρυπτα. Weitere Bruchstücke aus diesen finden sich bei ihm (bezw. bei Phot. Suid.) s. δεκατεύειν. ἐξένιζε. ἐσπαθᾶτο. ἑωλοκρασία. κυμβίον. λυκιουργεῖς. οἰκίσμῳ. ὁ κάτωθεν νόμος (dieser Artikel ist besser erhalten in dem Papyrusbruchstück eines alten Lexikons zu Demosthenes’ Rede gegen Aristokrates, herausgegeben von Blass Herm. XVII 148ff.). παρασκήνια. περὶ τῆς ἐν Δελφοῖς σκιᾶς. περίστοιχοι. Πολύστρατος. πωλῶσι. φαρμακός. Commentare des D. zu Isaios erwähnt Harpokration s. γαμηλία, aus denselben stammen die Citate s. θέτης und πανδαισία. Aus Commentaren [459] zu Aischines’ Reden κατὰ Κτησιφῶντος und περὶ παραπρεσβείας stammen vier Citate: s. Κραυαλλίδαι. Παιανιεῖς καὶ Παιονίδαι. Θύστιον. προστασία zu der Rede des Hypereides gegen Demades citiert Harpokr. s. ὀξυθύμια. Auf Stellen desselben Redners beziehen sich die Erwähnungen des D. s. ἐλευθέριος Ζεύς und Πυθαέα, vielleicht auch s. ὅσιον. Weniger sicher sind Commentare zu den übrigen Rednern. Auf eine Stelle des Lysias bezieht sich die Erklärung des D. bei Harpokr. s. πρόπεμπτα. Einen Ausdruck des Isokrates erläutert D. bei Harpokr. s. ἀπὸ μισθωμάτων. Auf den Redner Lykurg beziehen sich die Citate aus D. bei Harpokr. s. πέλανος. προκώνια. στρωτήρ. τοὺς ἑτέρους τραγωδοὺς ἀγωνιεῖται, indessen können die drei ersten Glossen aus der λέξις κωμική und die vierte aus dem Werke περὶ παροιμιῶν entlehnt sein. Auch das Citat bei Harpokr.,s. ματρυλεῖον stammt wohl eher aus der λέξις κωμική als aus einem Commentar zu Deinarch. In den meisten dieser Bruchstücke handelt es sich um Worterklärungen, in einigen um Belehrung über historische Personen und Localitäten. Eine einfache Paraphrase in der Art der von Aristarch bei Homer angewandten (Lehrs Arist.³ 153ff.) giebt D. zu dem von Dem. de cor. 50 gegen Aischines gebrauchten Worte ἑωλοκρασία: οὗτος χθὲς καὶ πρῴην ἃ ἐκέρασε πράγματα τήμερόν μου καταχεῖ καὶ ἐμὲ πρᾶξαί φησι. In der grammatischen Erklärung bedient er sich derselben Methode wie in den andern Commentaren, zieht häufig Dichterstellen heran und citiert dabei Erklärungen der älteren Grammatiker, deren Sammlungen von Ἀττικαὶ λέξεις ihm hier von grossem Nutzen waren. Für die sachliche Erklärung boten ihm die Werke der Historiker und Antiquare, die er auch sonst benutzte, viel Material. So citiert er den Atthidographen Phanodemos (Harpokr. s. γαμηλία), Philochoros (s. περίστοιχοι), die Φιλιππικά des Anaximenes (s. ὁ κάτωθεν νόμος), Xenagoras ἐν δ’ Χρόνων (s. Κραυαλλίδαι), Nikanders Αἰτωλικά (s. Θύστιον), Polemon (s. λυκιουργεῖς); in dem Artikel προκώνια werden nach einander citiert Aristophanes von Byzanz, Krates, Antikleides ἐν ἐξηγητικοῖς und Demon, Antikleides auch in dem Artikel ὀξυθύμια; bei Ammon, p. 98 führt er eine Stelle aus Aristoteles’ Δικαιώματα τῶν πόλεων an. Demnach können wir uns vorstellen, dass auch seine Rednercommentare eine Fülle von gelehrtem Material enthielten. Seine eigenen Erklärungen aber verraten auch hier ein geringes Verständnis, die meisten werden schon von Harpokration selbst (oder seinem Gewährsmann?) mit vollem Recht zurückgewiesen. Bei Demosth. LVII 18 bedeutet ἐξέμιζεν offenbar ,er war ein Fremder‘; D. erklärte ξενικῶς διελέγετο, richtig dagegen Harpokration: μήποτε ἀντὶ τοῦ ξένος ἦν καὶ οὐχ ὡς Δίδυμός φησιν ἀντὶ τοῦ οὐκ Ἀττικῶς διελέγετο, ἀλλὰ ξενικῶς. Demosth. XVIII 97 ἐν οἰκίσκῳ wird von Harpokration richtig erklärt ἀντὶ τοῦ μικρῳ τινι οἴκῳ; der gelehrte D. wusste, dass im Attischen οἰκίσκος auch für Vogelkäfig (ὀρνιθοτροφεῖον) gebraucht wurde, wofür er zwei Komikerstellen anführt, und wollte diese Bedeutung daher auch bei Demosthenes annehmen; mit Recht tadelt ihn deshalb Harpokration: ἐκ τούτων δ’ ἔοικε πλανώμενος ὁ Δίδυμος καὶ τὸ Δημοσθενικὸν ἐξηγεῖσθαι. Den Namen Πολύστρατος bei Demosth. IV [460] 23 wollte D., vermutlich mit Berufung auf Xen. Hell. VI 5,11, in Πούτροπος ändern: παρὰ μηδενὶ γάρ φησιν ὁ Δίδυμος εὑρηκέναι τὸν Πολύστρατον ἡγησάμενον τοῦ ἐν Κορίνθῳ ξενικοῦ. Dazu wird von Harpokration bemerkt: τὸν Πολύτροπον μὲν οὖν ἐν τῇ ς’ τῶν Ἑλληνικῶν Ξενοφῶντος εὗρον· ἀλλ’ οὔτε τὸ ξενικὸν τοῦτο ἔφησεν ὁ Ξενοφῶν τρέφεσθαι ὑπ’ Ἀθηναίων οὔτε αὐτὸς Ἀθηναῖος ἦν ὁ Πολύτροπος. Den Ausdruck φιάλας λυκιουργεῖς bei Demosth. XLIX 31 erklärte D. τὰς ὑπὸ Λυκίου κατεσκευασμένας φιάλας τοῦ Μύρωνος υἱοῦ. Dagegen wendet ein alter Kritiker (Pamphilos?) bei Athen. XI 486 d (und Harp.) richtig ein: ἀγνοεῖ δ’ ὁ γραμματικὸς ὅτι τὸν τοιοῦτον σχηματισμὸν ἀπὸ κυρίων ὀνομάτων οὐκ ἄν τις εὕροι γινόμενον, ἀλλ’ ἀπὸ πόλεων καὶ ἔθνων, wofür mehrere Beispiele angeführt werden. Unter d. W. Πυθαέα weist Harpokration dem D. eine schlimme Verwechslung nach: ἄπορον πῶς ἀπὸ τούτου ἐσχημάτισται παρὰ τῷ Διδύμῳ· καὶ γὰρ οὐ δι’ ὧν παρέθετο ὁ γραμματικὸς ὠνόμασε τὰ Πύθια ἑορτήν, ἀλλὰ τὸν Πύθιον Ἀπόλλωνα; D. hatte Πυθαέα und Πυθαεῖα (Πυθαῆα) mit einander verwechselt. Das ärgste an verkehrter Exegese leistet D. in der Auseinandersetzung über die Worte ὁ κατωθεν νόμος bei Demosth. XXIII 28, wo er mit einem Aufwand von abstrusester Gelehrsamkeit sich vergebliche Mühe giebt, den Sinn des Wortes κάτωθεν an dieser Stelle zu ermitteln; die einfache richtige Erklärung findet sich schon im fünften Bekkerschen Lexikon 269, 14 κάτωθεν νόμος ἐστὶν ὁ ἑξῆς καὶ μετὰ τοῦτον κάτωθεν [ἄξονος] γεγραμμένος (wo ἄξονος als unsinniges Einschiebsel zu streichen ist). Vgl. auch Harpokr. s. ἔνθρυπτα. θέτης. Θύστιον. περίστοιχοι. Dagegen scheint D. Harpokration gegenüber im Recht zu sein in der Erklärung des Wortes πωλῶσι (πωλῶνται ?) = πορνεύωσι bei Demosth. LIX 67. Wo D. über den Redner Antiphon gehandelt und ihn von dem (Sophisten unterschieden hat (Hermog. ap. Walz. Rhet. Gr. III 385) wissen wir nicht. Schmidt Didym. 310–321.

Dass D. auch Thukydides behandelt hat, ist blosse Hypothese, die der nötigen Begründung entbehrt. Daraus, dass Markellinos in der Biographie des Thukydides sich einigemale auf D. beruft, hat man den Schluss gezogen, dass D. einen βίος Θουκυδίδου verfasst hat, und die weitere Vermutung daran geknüpft, dass diese Schrift des D. eine Hauptquelle für Markellinos gewesen sei (Ritter, Schmidt, v. Wilamowitz, Usener ). Einige gehen noch weiter und glauben, dass D. Commentare zu Thukydides verfasst hat, zu denen der βιος Θουκυδίδου die Einleitung gebildet habe (M. Schmidt unter Zustimmung von Usener). M. Schmidt beruft sich dafür auf das Synonymenwörterbuch Ammon. de diff. p. 131 Valck., wo für die Unterscheidung von συμμαχεῖν und ἐπιμαχεῖν D. citiert wird, der seinerseits eine Stelle des Thukydides (I 44) anführt. In Wahrheit aber giebt es weder für den βιος Θουκυδίδου noch für den Commentar ein bestimmtes Zeugnis, wie R. Scholl mit Recht bemerkt hat. Die Angaben des D. bei Markellinos beziehen sich nur auf die Verwandtschaft des Thukydides mit Miltiades und Kimon und auf das Grab in Athen, das als Beweis für dieses Verwandtschaftsverhältnis angesehen wurde. Diese Angaben müssen nicht [461] notwendig aus einer Biographie des Thukydides entnommen sein, D. kann anderswo darüber gehandelt haben; Schöll vermutet (nach dem Vorgange von Sauppe), dass dies in dem Commentar zu Pindars zweiter nemeischen Ode (v. 19) geschah, wo die gemeinsame Abstammung des Miltiades und Kimon, Alkibiades und Thukydides vom Salaminier Aias erörtert war (vgl. Schol. z. d. St.); mehr Wahrscheinlichkeit hat die Annahme, dass D. in den Συμποσιακά auf den Gegenstand zu sprechen kam (vgl. Ritter 7f.). Noch viel weniger ist die Stelle des Synonymenwörterbuches ein Beweis für einen Thukydidescommentar; den Unterschied von συμμαχεῖν und ἐπιμαχεῖν kann D. in irgend einer beliebigen seiner zahlreichen Schriften angegeben haben. In den Thukydidesscholien findet sich keine Spur der Benutzung des D., während andere Grammatiker wie Antyllos und Asklepiades genannt werden. F. Ritter Didymiopuscula (Coloniae 1845) 1–34. M. Schmidt Didym. 321–334. v. Wilamowitz Herm. XII (1877) 341ff. R. Schöll Herm. XIII (1878) 442f. H. Usener Dionysii Halicarn. libror. de imit. reliq. (Bonnae 1889) 72.

II. Lexikalische Schriften. Wie in den Commentaren, so hat D. auch als Lexikograph eine zusammenfassende Thätigkeit entfaltet. Wie die Scholiasten der grossen classischen Schriftsteller von ihm abhängig sind, so hat er auch die Lexikographie der folgenden Zeit stark beeinflusst. Wir dürfen behaupten, dass alle Lexikographen der Kaiserzeit, die den Wortschatz der attischen Sprache für einzelne Schriftsteller oder für bestimmte Poesie- oder Prosagattungen oder nach rhetorischen Gesichtspunkten für den praktischen Gebrauch bearbeiteten, die Sammlungen des D. benutzt und das von den älteren Alexandrinern stammende gelehrte Material, das sich bei ihnen findet, zum grossen Teil, sei es direct, sei es indirect, ihm zu verdanken haben.

1. Λέξις κωμική und Λέξις τραγική. Beide Werke erwähnt Hesychios in dem seinem Lexikon vorausgeschickten Briefe an Eulogios: ... οἱ δὲ τὰς κωμικὰς ἰδίᾳ καὶ τὰς τραγικὰς (συντεθείκασι λέξεις), ὡς Θέων καὶ Δίδυμος καὶ ἕτεροι τοιοῦτοι. Diese Worte sind sicherlich so zu verstehen, dass jeder von beiden, Theon wie D., sowohl komische als tragische λέξεις gesammelt hat, nicht aber (wie Meineke wollte), dass Theon der Verfasser des komischen und D. der Verfasser des tragischen Wörterbuchs gewesen ist. Über die Thätigkeit Theons, des Sohnes des Artemidoros und jüngeren Zeitgenossen des D., auf diesem Gebiet wissen wir zwar nichts, das ist aber kein Grund, die Angabe anzuzweifeln. Naber hat es für undenkbar erklärt, dass D. ausser den Commentaren zu den Dramatikern noch komische und tragische Lexika verfasst und so gewissermassen sich selbst excerpiert habe; er hat deshalb die Worte des Hesychios so verstehen wollen, dass Theon aus den Commentaren des D. die beiden Lexika zusammengestellt habe. Nach dem Wortlaut aber ist eine solche Annahme ausgeschlossen, vgl. H. Weber Philol. Suppl. III 541ff. Dass D. sowohl Verfasser einer λέξθς κωμική als einer λέξις τραγική war, ist auch sonst gut bezeugt. Die λέξθς κωμική wird ausdrücklich citiert von dem Grammatiker Oros, Etym. M. 492, 52 (Et. [462] Gud. 301, 38) καρύκη· ... ὁ δὲ Δίδυμος Λύδιον βρῶμά φησιν ἐκ πολυτελοῦς σκευασίας συγκείμενον . . . φησὶ γὰρ ἐν τῇ κωμικῇ λέξει οὕτω. Wahrscheinlich ist das Lexikon des D. gemeint, wo blos λέξις κωμική citiert wird: Schol. Ar. Plut. 313 σμινθώσομεν· ὡς κεῖται ἐν τῇ κωμικῇ λέξει. Schol. Apoll. Rhod. IV 973 ὀρειχάλκοιο· . . . οὕτως ἦν ἐν τῇ κωμικῂ λέξει τῇ συμμίκτῳ und IV 1614 ὁλκαία· . . . ἐν δὲ τῷ κωμικῷ λεξικῷ. Auch das Citat in dem Venetusscholion zu Ar. Av. 122 (σισύρα) οὕτως ἐν τῷ λεξικῷ bezieht sich wohl auf die λέξις κωμική des D., wie der bei D. häufig vorkommende Ausdruck τὸ δὲ οὐκ ἕστιν ἀληθές beweist (auch Schol. Ar. Pac. 959 δαλίον· οὕτω διὰ τοῦ λ ὁ τὴν κωμικὴν γράψας λέξιν ἀναγινώσκει scheint D. gemeint zu sein, denn im folgenden Scholion wird diese Lesart von D. mit Berufung auf eine Euripidesstelle verteidigt). Die λέξις τραγική citieren Harpokration s. ξηραλοιφεῖν ... ὡς Δίδυμος ἐν εἰκοστῇ ὀγδόῃ τραγικῆς λέξεως und Macrob. Sat. V 18, 11 ... Didymus grammaticus in his libris quos τραγῳδουμένης λέξεως scripsit. Auch Bekk. Anecd. I 349, 5 ἀηδόνα· . . . ἡ λέξις Διδύμου ist offenbar die τραγικὴ λέξις gemeint, ebenso Schol. Soph. Trach. 1159 ἐμοὶ γὰρ ἦν πρόφαντον... οὕτω δὲ διὰ (δίχα Schmidt) τοῦ σ ἐν τῇ τραγικῇ λέξει das Lexikon des D. In welcher Weise die beiden Wörterbücher angelegt waren, können wir nicht sagen. Nach den Worten des Hesych müssen wir annehmen, dass sie κατὰ στοιχεῖον (wie das homerische Lexikon des Apollonios) geordnet waren. Durch das Citat bei Harpokration dagegen erfahren wir, dass die τραγικὴ λέξις in Bücher eingeteilt war, also wohl auch die κωμική. Es lässt sich aber nicht erkennen, ob das Alphabet durch das ganze Werk durchging, so dass auf jeden Buchstaben ein Buch oder auch mehrere Bücher kamen (ξηραλοιφεῖν war nach Harpokration im 28. Buch der τραγικὴ λέξις behandelt) oder ob die einzelnen Bücher nach sachlichen Gesichtspunkten angelegt und in jedem Buche die Wörter selbst κατὰ στοιχεῖον von αω geordnet waren. Unklar ist auch der Ausdruck ἐν τῇ κωμικῇ λέξει τῇ συμμίκτῳ (Schol. Apoll. Rhod. IV 973). H. Weber vermutete, dass D. zwei grössere gelehrte Werke lexikalischen Inhalts zu den Tragikern und Komikern verfasste, die in eine Anzahl Bücher zerfielen, und daneben auszugsweise zwei kleinere Handlexika; nur die letzteren seien κατὰ στοιχεῖον angelegt gewesen und daher als λέξεις σύμμικτοι bezeichnet worden. Diese Vermutung hat nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für sich. Schon das spricht dagegen, dass D. dann vieles nicht blos zweimal, sondern dreimal gesagt hätte. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass die beiden Wörterbücher sich mit den Commentaren zu den Tragikern und Komikern sehr nahe berührten; und thatsächlich finden wir häufig wörtliche Übereinstimmung zwischen den Lexikographen, die nur die λέξεις des D. benutzt haben, und den auf seinen Commentaren beruhenden Scholien zu den Tragikern und zu Aristophanes, in denen lexikalische Dinge erörtert werden; daher denn auch Scholien und Lexika vielfach einander ergänzen und namentlich zahlreiche verstümmelte Glossen im Hesych durch Parallelstellen der Scholien corrigiert werden können. Nur umfassten die Lexika den gesamten Wortschatz der classischen [463] Tragoedie und Komoedie, nicht blos der Dichter und der Stücke, die D. in besonderen Commentaren behandelt hatte; andererseits waren von ihnen viele sachliche Erörterungen ausgeschlossen, die nur in den Commentaren am Platze waren. Lexika und Commentare deckten sich also durchaus nicht völlig. Wie die beiden Wörterbücher ausgesehen haben, was für Schätze von Gelehrsamkeit darin aufgespeichert waren, davon können wir uns ungefähr eine Vorstellung machen nach dem grossen Fragment aus der τραγικὴ λέξις über die allgemeine Bedeutung des Flussnamens Ἀχελῷος, das bei Macrob. Sat. V 18 erhalten ist, vgl. G. Wissowa De Macrob. Sat. font. 45ff.; sehr lehrreich ist auch das Fragment aus der κωμικὴ λέξις über das Wort ὀρείχαλκος im Schol. Apoll. Rhod. IV 973 (vgl. Hesych. s. ὀρειχάλκων). Die Quellen, welche D. für diese beiden Werke benutzte, waren im allgemeinen dieselben wie für die Commentare zu den Dramatikern. Für die κωμικὴ λέξις hatte er wertvolle Hülfsmittel an den Schriften des Lykophron und Euphronios περὶ κωμῳδίας und des Eratosthenes περὶ ἀρχαίας κωμῳδίας, für beide boten ihm Material die λέξεις des Aristophanes von Byzanz und die übrigen Sammlungen von Ἀττικαὶ λέξεις (des Philemon von Athen, Krates von Mallos, Nikander aus Thyatira, Demetrios Ixion u. a.), aber auch die Commentare des Kallistratos und der Aristarcheer zu den Tragikern und Komikern. Beinahe jede λέξις war gespickt mit Dichterstellen und Citaten aus den benutzten Grammatikern und Historikern; so werden in der Glosse ὀρείχαλκος der Reihe nach Aristoteles ἐν Τελεταῖς, Stesichoros, Bakchylides, Aristophanes ὁ γραμματικός, Krates und der Historiker Theopomp citiert; die drei ersten Citate wird er von Aristophanes von Byzanz übernommen haben, die beiden letzten hat er selbst hinzugefügt. Der Einfluss der beiden Lexika auf die spätere Lexikographie muss sehr hoch veranschlagt werden. Zuerst hat Pamphilos für sein grosses Glossenwerk von den Sammlungen des D. umfassenden Gebrauch gemacht (vgl. Athen. XI 487 c παρεθετο τὰ ἰαμβεῖα καὶ Δίδυμος καὶ Πάμφιλος), wofür zahlreiche Belege bei Athenaios und Pollux erhalten sind. Spuren der Benutzung finden sich sodann bei Harpokration in dem Rednerlexikon und bei Boethos, dem Verfasser zweier Sammlungen platonischer λέξεις, die von Photios und in den Platonscholien excerpiert sind. In der Zeit des Hadrian und der Antonine haben die Verfasser atticistischer Lexika, Aelius Dionysius, Pausanias, Phrynichos u. a. für ihre Sammlungen attischer Ausdrücke, die sie zum Gebrauch empfahlen, die Werke des D. fleissig benutzt; aus den Werken der Atticisten sind dann viele λέξεις des D. in das Lexikon des Photios (Suidas u. s. w.) und in den Homercommentar des Eustathios übergegangen. Diogenian aber hat (nach dem Briefe des Hesych) die λέξις κωμική und λέξις τραγική vollständig, allerdings seinen Zwecken entsprechend stark verkürzt und mit Weglassung aller gelehrten Details, in sein allgemeines Wörterbuch der griechischen Sprache (die Περιεργοπένητες) aufgenommen; in dem Lexikon des Hesychios, der Epitome des diogenianischen Werkes, stammen also die tragischen und komischen Glossen zum grössten [464] Teil aus D. Dass auch römische Grammatiker von dem gelehrten Material des D. Gebrauch gemacht haben, zeigt Macrobius (vgl. G. Wissowa a. a. O.). Zuletzt hat noch im 5. Jhdt. Oros von Milet die κωμικὴ λέξις benutzt. Vgl. Schmidt Didym. 27–111. S. A. Naber Photii Lexicon I 8–18. H. Weber Philol. Suppl. III 541–548. v. Wilamowitz Eur. Herakl. I 163–165.

Ausser diesen beiden Hauptwerken hat D. noch drei Schriften lexikalischen Inhalts verfasst, über die wir aber sehr wenig erfahren.

2. Ἀπορουμένη λέξις, in mindestens sieben Büchern, wird nur einmal angeführt von Harpokration S. δερμηστής: Δίδυμος . . . ἐν ζ’ τῆς ἀπορουμένης λέξεως. Es handelt sich um die Bedeutung des Wortes δερμηστής, das in der Niobe des Sophokles vorkam; Aristarch erläuterte es durch ὄφις oder ὄφεως εἶδος, D. dagegen durch σκώληξ. Die Glosse ist auch in das Lexikon des Diogenian (Hesych. und V. Bekkersches Lexikon 240, 15) übergegangen. M. Schmidt hat mit Recht auch die aus Sophokles’ Troilos angeführte Glosse σακκοδερμηστής bei Hesych und Photios hierher gezogen.

3. Τροπικὴ λέξις wird gleichfalls nur einmal citiert in der aus einem Atticisten stammenden Glosse des VI. Bekkerschen Lexikon 334, 1 ἀγαθοεργοί·. . . ὥς φησι Δίδυμος ἐν τῇ τροπικῇ λέξει. D. bemerkt, dass das Wort τροπικῶς (‚übertragen‘) eine Behörde in Sparta bedeute (vgl. Herod. I 67). An eine Corruptel (τροπικῇ aus τραγικῇ) braucht hier nicht gedacht zu werden.

4. Διεφθορυῖα (oder παρεφθορυῖα) λέξις wird citiert von Athen. IX 368 b (παροψίς) . . . ὡς Δίδυμος ἐν τῷ περὶ παρεφθορυίας λέξεως und zweimal in den Scholien zu Aristophanes: Av. 768 ἐκπερδικίσαι· . . . Δίδυμος ἐν τῷ περὶ διεφθορυίας λέξεως und Plut. 388 ἀπαρτί· ὀξυτόνως ἀντὶ τοῦ ἀπηρτισμένως (folgen Citate aus Herodot, Pherekrates, Kallimachos und Platon), ταῦτα ἐκ τῶν Διδύμου περὶ διεφθορυίας λέξεως . Was unter διεφθορυῖα (παρεφθορυῖα) λέξις zu verstehen ist, ergiebt sich aus Stellen wie Diod. Sic. V 32 . . . Κιμμερίους . . . βραχὺ τοῦ χρόνου τὴν λέξιν φθείραντος ἐν τῇ τῶν καλουμένων Κίμβρων προσηγορίᾳ und Schol. Eur. Troad. 89 . . . χρόνου δὲ προϊόντος Καφηρεὺς ἐκλήθη (statt Καθηρεύς), παραφθειράντων τῶν ἐνοικούντων τὴν λέξιν. Vgl. auch Phryn. Bekk. Anecd. I 50, 31 λάθαργος κύων· . . . τοῦτο δ’ οἱ πολλοὶ παραφθείραντες λαθροδήκτην καλοῦσιν. 67, 12 ὕρισχος· ὃ διαφθείροντες οἱ ἰδιῶται βρίσχον καλοῦσι. Ecl. p. 398 Lob. σκνιφὸς κατὰ διαφθορὰν οἱ πολλοὶ λέγουσιν ..., οἱ δ’ ἀρχαῖοι σκνῖπα καλοῦσιν. Eine Schrift ähnlichen Inhalts hatte Iuba verfasst; vgl. Phot. σκομβρίσαι· παρὰ Ἰόβᾳ ἐν β’ διεφθορυίας λέξεως. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Schrift des D. gegen Iuba gerichtet war, da bei Suid. s. Ἰόβας bemerkt ist: συνήκμαζε δὲ αὐτῷ Δίδυμος ὁ χαλκέντερος ὁ καὶ πολλὰ γράψας κατ’ αὐτοῦ. Vgl. Schmidt Didym. 15–20. A. Nauck Arist. Byz. 164.

Fälschlich trägt den Namen des D. ein kleines Platonlexikon in dem von E. Miller entdeckten Codex Athous Διδύμου περὶ τῶν ἀπορουμένων παρὰ Πλάτωνι λέξεων (ed. Miller Mélanges de littérature grecque, Paris 1868, 399–406); es muss einer späteren Zeit angehören, da in ihm die platonischen λέξεις des Boethos benutzt [465] sind. Vgl. L. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 795ff.

M. Schmidt vermutete auf Grund einer Bemerkung in der Vorrede des Erotian, dass D. auch ein Lexikon zu Hippokrates (λέξεις Ἱπποκράτους) geschrieben habe, und J. Klein (Erot. Proleg. XXXVIIff.) suchte dieses als Hauptquelle des erotianischen Lexikon zu erweisen. Die Vermutung ist jedoch unbegründet. In der Stelle des Erotian, die den Anlass dazu gegeben hat, ist nur bemerkt, dass auch D. zu den Grammatikern gehört, die in ihren Schriften die Werke des Hippokrates nicht ganz ausser acht gelassen haben. Die Glosse des Et. Gud. 81, 35 ἀρτηρία bezieht sich zwar auf unsern D., nicht auf den jüngeren D., wie man nach dem falschen Citat des Et. Gud. οὕτω Δίδυμος ὁ νεώτερος früher annehmen musste, aber auf den Commentar zu Sophokles Trachinierinnen, wie man aus Miller Mélanges p. 46 ersieht, wo zuerst Soph. Trach. 1054 πνεύμονος τ’ ἀρτηρίας angeführt wird und dazu die Erklärung des D. (οὕτως ὁ Δίδυμος), sodann eine andere Etymologie, die mit den Worten οἱ νεώτεροι δέ φασιν ἰατρῶν παῖδες beginnt und mit οὕτως Σωρανὸς καὶ Σαλούστιος endigt. Vgl. O. Schneider Ztschr. f. Alt. 1855, 243. L. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XII 325. K. Strecker Herm. XXVI 262ff.

III. Grammatische Schriften. M. Schmidt führt in der Sammlung der Fragmente des D. vier auf Grammatik bezügliche Schriften auf: 1. περὶ ὀρθογραφίας. 2. περὶ παθῶν. 3. περὶ τῆς παρὰ Ῥωμαίοις ἀναλογίας. 4. πιθανά. Die vierte und die erste wie die dritte hat M. Schmidt durch Conjectur dem Chalkenteros zugewiesen, von der Überlieferung werden die Schriften πιθανά und περὶ ὀρθογραφίας dem jüngeren (s. Nr. 9) zugeschrieben, die Schrift περὶ τῆς παρὰ Ῥωμαίοις ἀναλογίας dem Claudius Didymus (s. Nr. 10). Demnach bleibt von grammatischen Schriften als sicheres Eigentum unseres D. allein περὶ παθῶν übrig. Ein Citat daraus findet sich im Etym. genuin. 159, 28 ἄστρις bei Miller Mélanges p. 49 Δίδυμος ἐν τῷ περὶ παθῶν. In dem Artikel werden Wörter wie πάρθις (aus παρθένιος), Ἄμφις (aus Ἀμφιάραος), ἄστρις (aus ἀστράγαλος) als ὑποκοριστικά. erklärt (übernommen von Herodian περὶ παθῶν nach Etym. M. 93, 49). Ausserdem stammen aus dieser Schrift wahrscheinlich einige Etymologien des D. in den etymologischen Wörterbüchern, die M. Schmidt unter die dubiae sedis fragmenta versetzt hat (S. 401–403): Etym. M. 178, 3 ἄφενος. 179, 13 Ἀφροδίτη (‚παρὰ τὸ ἁβρὸν τῆς διαίτης‘). 208, 15 βουκόλος. 224, 16 γενωνεῖν. 247, 56 δάνειον. 645, 2 ὄχεσφιν. Et. Gud. 122, 12 γείτων. Herodian hat zu dieser Schrift des D. einen Commentar geschrieben (als Vorläufer seines eigenen Werkes περὶ παθῶν?), aus dem noch ein paar Fragmente in den Homerscholien und in den Etymologika erhalten sind: Schol. A zu Il. III 272 (Etym. M. 116, 51) ἄωρτο] . . . οὕτως Ἡρωδιανὸς ἐν τῷ β’ ὑπομνήματι τῷ περὶ παθῶν Διδύμου. Zu Il. XI 160 κείν‘] λέγει ὁ τεχνικὸς ἐν τῷ ⟨α’⟩ ὑπομνήματι τῷ περὶ παθῶν Διδύμου κτλ. Zu Il. XVII 201 ζητεῖ ὁ Ἡρωδιανὸς ἐν τῷ α’ ὑπομνήματι τῷ περὶ τοῦ ἆ δείλ’ κτλ. Hierher gehört auch Etym. M. 148, 8 ἁρπεδόεσσα· .... οὕτως Ἡρωδιανὸς καὶ Δίδυμος. [466] Eine weitere Reihe von Bruchstücken, die den Namen des D. ohne weiteren Zusatz tragen und ihrem Charakter nach dem Chalkenteros nicht abgesprochen werden können, hat M. Schmidt (S. 337–342) der Schrift περὶ ὀρθογραφίας zugewiesen, die nach seiner Ansicht von unserm D. verfasst ist. Diese brauchen jedoch nicht aus einem orthographischen Werke zu stammen, sie können ebensogut in der Schrift περὶ παθῶν oder in irgend einem andern grammatischen Buche des D. gestanden haben; denn es handelt sich in ihnen auch hauptsächlich um Ableitungen von Wörtern, die mit Zuhülfenahme der verschiedenen πάθη erklärt werden, wobei zugleich die Orthographie – die Schreibung mit ει oder ι, η oder ι, mit oder ohne ῑ ἀνεκφώνητν u. ä. – und die Prosodie berührt wird. Die Bruchstücke sind ebenfalls durch Vermittlung des Herodian, zum Teil auch durch Oros, in den Etymologika erhalten. Sie zeigen, dass das Sprachgefühl des D. nicht sehr gross war; Herodian hat ihm öfter widersprochen. So leitete D. Ἀργειφόντης von ἀρι–φόντης (mit Einschub eines γ) ab und wollte deshalb Ἀργιφόντης schreiben (Etym. M. 137, 2). Umgekehrt leitete er λιτός von λεῖον ab und verlangte die Schreibung mit ει. Bei den Wörtern θνῄσκω, θρῴσκω, μιμνῄσκω bestritt er die Berechtigung der Schreibung mit dem ι ἀνεκφώνητον wegen der Ableitung μνῶ μνήσω μνήσκω μιμνήσκω θνῶ θνήσω θνήσκω θορῶ θορήσω θοράσκω θόρσκω θρώσκω, während Herodian sich an die παράδοσις hielt: ἡ μέντοι παράδοσις οὐκ ἐπείσθη αὐτοῖς, ἐπεὶ οἱ Αἰολεῖς θναίσκω καὶ μναίσκω λέγουσιν (Cram. An. Ox. I 197, 1). Ebenso verschmähte D. das ι in σῴζω, verlangte es dagegen richtig in σῷος (Etym. M. 741, 27. 43).

IV. Die übrigen Schriften. In dieser Gruppe sind zusammengefasst eine Schrift mythographiachen Inhalts (ξένη ἱστορία), die Bücher über die Sprichwörter, eine litterarhistorische Schrift (περὶ λυρικῶν ποιητῶν), die Tischgespräche und Abhandlungen vermischten Inhalts und eine Reihe kleiner Einzelschriften, von denen fast nur die Titel überliefert sind.

1. Ξένη ἱστορία. In den Commentaren zu Homer, Hesiod, Pindar und den Dramatikern hatte D. viele ἱστορίαι d. h. mythographische Excurse beigebracht. Ausserdem hat er eine besondere mythographische Schrift unter dem Titel ξένη ἱστορία verfasst, die von Georgios Synkellos p. 306, 2 (ed. Bonn.) in der Erzählung von Perseus und Gorgo citiert wird: Δίδυμός φησιν ἐν ξένῃ ἱστορίᾳ καὶ παρατίθεται τὸν συγγραφέα ταύτης. Der Name des Schriftstellers, den D. als seinen Gewährsmann angeführt hatte, wird nicht genannt. In den Scholien, in denen ἱστορίαι von ihm ausgezogen sind, citiert er am meisten Pherekydes, Antikleides, Lysimachos, Mnaseas und die Atthidographen Androtion, Philochoros und Ister. 3 Auch den Dichter Nikander hat er benutzt, quem Didymus . . . fabulosum vocat (Macrob. sat. V 22, 10). In welcher Weise D. die Mythen behandelte, ersieht man daraus, dass er die Gorgo als ἑταίραν εὔμορφον διὰ κάλλους ἐξιστῶσαν τοὺς θεατάς, ὡς ἀπολιθοῦσθαι δοκεῖν bezeichnete und von Ganymed erzählte, dass er von Tantalos geraubt wurde, wie in einem andern Citat bei Synkell. p. 305, 11 berichtet wird und ausführlicher bei [467] Ioannes Malalas, wo auch einige weitere Bruchstücke aus diesem Buch erhalten sind. Seine Darstellung der Mythen war also trocken rationalistisch. Schmidt Didym. 356–363. 366.

Ohne Grund vermutete M. Schmidt, dass D. auch Μεταμορφώσεςις geschrieben hat, indem er bei Antonin. Lib. 23 Διδύμαρχος μεταμορφώσεων γ’ in Δίδυμος Ἀριστάρχειος corrigieren wollte. Vgl. O. Schneider Ztschr. f. Alt. 1855, 241.

An dieser Stelle mag auch eine andere grundlose Vermutung Schmidts erwähnt werden, wonach D. auch eine Ἀναγραφὴ δήμων (ein Verzeichnis der attischen Demen) verfasst haben soll. Sie stützt sich darauf, dass an drei Stellen des Steph. Byz. für die Schreibung dreier Demennamen auch D. citiert wird, darunter einmal mit Anwendung des Ausdrucks ἀναγράφειν (p. 635, 20 Διόδωρος δὲ καὶ Δίδυμος, Τρινεμεῖς ἀναγράφουσι τὸν δῆμον, Καλλίμαχος Ἑκάλῃ Τρινέμειαν). Aber ἀναγράφειν bedeutet hier nichts weiter als γράφειν, wie das Citat aus Kallimachos sogleich zeigt. Die Citate können aus den Commentaren des D. stammen, wie das Citat bei Harpokration s. Παιανιεῖς, das Schmidt selbst richtig unter die Fragmente aus den Rednercommentaren aufgenommen hat. Schmidt Didym. 352f. Vgl. O. Schneider a. a. O. 243. L. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 854, 2.

2. Περὶ παροιμιῶν. Helladios (ap. Phot. bibl. cod. 279 p. 530 a 10 B.) berichtet, dass D. 13 Bücher περὶ παροιμιῶν gegen die Paroemiographen geschrieben hat: ὅτι Δίδυμος περὶ παροιμιῶν δεκατρία βιβλία συντέταχε [καὶ] πρὸς τοὺς περὶ παροιμιῶν συντεταχότας ἐπιγράψας αὐτά. Obwohl nur wenige mit dem Namen des D. bezeichnete Fragmente erhalten sind, liess doch schon der Titel der Sprichwörtersammlung des Zenobios, der Hauptsammlung des Corpus Paroemiographorum graecorum, Ζηνοβίου ἐπιτομὴ τῶν Ταρραίου καὶ Διδύμου παροιμιῶν darauf schliessen, dass D. eine bedeutsame Stellung in der paroemiographischen Litteratur eingenommen haben muss. Aber erst in neuester Zeit, nachdem das Werk des Zenobios in seiner ursprünglichen (nicht alphabetischen) Form durch E. Miller (Mélanges p. 341–375) bekannt gemacht war, ist namentlich durch die sorgfältigen Untersuchungen von O. Crusius festgestellt worden, welch hervorragenden Anteil gerade D. an der Erhaltung und Förderung dieses im Altertum sehr geschätzten Litteraturzweiges gehabt hat. Über die Sprichwörter hatten vor D. gelehrte Werke geschrieben der Atthidograph Demon, Aristoteles und seine Schüler Theophrast und Klearch, der Stoiker Chrysipp, Aristophanes von Byzanz, Dionysodor von Troizen, Aristeides. D. hat auch hier eine zusammenfassende Thätigkeit geübt, er hat die Sprichwörter, die in diesen Werken verzeichnet waren, gesammelt und einer vollständigen Revision unterzogen, dazu aus seiner umfassenden Kenntnis der Dichter und der Lectüre anderer Schriftsteller neue Sprichwörter hinzugefügt und alle in ausführlicher Weise erläutert, indem er die Entstehung oder die erste Quelle eines jeden Sprichworts zu ermitteln suchte und überall die Belegstellen, besonders aus der Komoedie und aus den Werken der Historiker und Mythographen, hinzufügte. Seine Sammlungen sind als [468] die Grundlage und Hauptquelle des Corpus Paroemiographorum anzusehen, das stark verkürzt, zum Teil auch erweitert, in verschiedenen Recensionen auf uns gekommen ist. Nach D. hat noch Lukillos Tarrhaios ein selbständiges Werk über Sprichwörter verfasst. Aus den 13 Büchern des D. und den drei Büchern des Tarrhaios hat dann Zenobios seine Epitome in drei Büchern zusammengestellt, in der jedoch Tarrhaios im Verhältnis zu D. in geringerem Umfange benutzt zu sein scheint. Trotz der Verstümmelung, die das Werk des Zenobios durch spätere Epitomatoren. und die byzantinischen Schreiber erfahren hat, lässt sich noch einigermassen die Art der Zusammensetzung erkennen, die wir zum Teil mit grosser Wahrscheinlichkeit auf D. zurückführen dürfen. Im ersten Buche stehen hauptsächlich solche Sprichwörter zusammen, die entweder im Inhalt eine gewisse Verwandtschaft mit einander haben oder durch die Form der Erklärung einander ähnlich sind. Im zweiten Buche zeigen die ersten 28 Sprichwörter, die sich auf attische Mythen und Einrichtungen beziehen, eine auffallende Übereinstimmung; Crusius vermutet in dieser Reihe ein Excerpt aus Demon, der auch mehrmals darin genannt wird. Dann scheinen die Sprichwörter 45–65 des zweiten Buches zusammenzugehören, worin Dichterverse, die von Komikern parodiert waren und dann sprichwörtlich wurden, und dialektische Sprichwörter zusammengestellt sind; sie sind vielleicht aus dem Werke des Aristophanes von Byzanz excerpiert. Im dritten Buche sind die Sprichwörter nach einzelnen Schriftstellern und Schriftstellergruppen geordnet, aus denen sie entlehnt sind; es folgen da auf einander Reihen von Sprichwörtern aus Philosophen (Aristoteles und den Peripatetikern), Historikern (Duris u. a.) und Dichtern, besonders der sicilischen und attischen Komoedie. Überall, besonders im dritten Buche, weisen viele Spuren in der Sprache und Behandlungsweise auf D. hin. Die meisten Schriftsteller, die citiert werden, sind auch sonst von ihm benutzt und behandelt. Mit welcher Sorgfalt er das Material, das ihm die Vorgänger boten, übernahm, zeigt seine Bemerkung zu einem vermutlich aus eigener Lectüre von ihm aufgenommenen Sprichwort ὄρτυξ ἔσωσεν Ἡρακλῆ τὸν καρτερόν (Zenob. Miller II 84): αὕτη παρ’ οὐδενὶ τῶν ἀρχαίων κεῖται. Eine Anzahl Sprichwörter sind in den Scholien zu Platon, Aristophanes und den Tragikern besser erhalten als in den Hss. des Corpus Paroemiographorum. M. Warnkross De paroemiographis capita duo (Gryphisw. 1881) 26–30. H. Jungblut Quaestionum de paroemiographis pars prior (Halis Sax. 1882) 21–28. O. Crusius Analecta critica ad paroemiographos graecos (Lipsiae 1883) 48ff. 91ff.

3. Περὶ λυρικῶν ποιητῶν. Von diesem litterarhistorischen Werke sind nur wenige Bruchstücke in dem Etymologikon des Orion (daraus in den andern etymologischen Wörterbüchern) erhalten, in denen über die Etymologie und Bedeutung der Ausdrücke ἔλεγος, ὑμνος, παιᾶνες προσόδια gehandelt wird. Den Titel des Buches giebt Etym. Or. 156, 7 (Etym. M. 777, 10) ὕμνος· . . . οὕτω Δίδυμος ἐν τῷ περὶ λυρικῶν ποιητῶν und Etym. M. 690, 35 προσῳδίαι (l. προσόδια)· . . . οὕτω Δίδυμος ἐν τῷ περὶ λυρικῶν ποιητῶν, [469] dagegen Etym. Or. 58, 14 ἔλεγος· . . . οὕτω Δίδυμος ἐν τῷ περὶ ποιητῶν, woraus geschlossen werden könnte, dass περὶ λυρικῶν ποιητῶν nur ein Teil eines allgemeinen Werkes περὶ ποιητῶν war; wahrscheinlicher ist aber, dass an dieser Stelle λυρικῶν ausgefallen ist. Die Fragmente zeigen, daSs in dem Buche die verschiedenen Gattungen der lyrischen Poesie behandelt und die technischen Ausdrücke ausführlich erläutert waren. Vielleicht waren auch die Lebensverhältnisse der einzelnen Dichter geschildert, wenn ein Citat in den Scholien zu Plat. Leg. I 630 a (über das Vaterland des Theognis) hierher gehört. Sehr wahrscheinlich ist Schmidts Vermutung, dass Proklos in der Chrestomathie dieses Buch des D. fleissig benutzt hat. Ebenso stammt aus diesem Buche des D., wie es scheint, einiges in den auf die lyrische Poesie und die Musikinstrumente der Lyriker bezüglichen Abschnitten des XIV. und XV. Buches des Athenaios; vgl. C. A. Bapp De fontibus quibus Athenaeus in rebus musicis lyricisque enarrandis usus sit, Leipz. Stud. VIII (1885) 87ff. und dazu L. Cohn Philol. Anz. XVII 465. Vorarbeiten fand D. in den Schriften des Glaukos von Rhegion, Chamaileon, Aristoteles (περὶ ποιητῶν), Demetrios von Phaleron, Aristoxenos, Aristokles u. a. Schmidt Didym. 386–396.

4. Συμποσιακά (Σύμμικτα). Nach dem Beispiele vieler Schriftsteller (Aristoteles, Speusippos, Aristoxenos, Epikur, Persaios u. a.), das auch später Nachahmung fand (Herakleides Pontikos der Jüngere, Plutarch, Herodian, Athenaios, Lukian), schrieb D. Tischgespräche, in denen die mannigfaltigsten Fragen erörtert waren. Sie bestanden aus mindestens zehn Büchern. Das 2. Buch citiert Steph. Byz. p. 314, 6 . . . ὡς Δίδυμος ἐν β’ συμποσιακῶν, das 10. Buch derselbe p. 305, 1 . . . Δίδυμος δὲ συμποσιακῶν δεκάτῳ), das 3. Buch Oros von Milet Etym. M. 718, 35 σκόλια τὰ συμποτικὰ ᾄσματα· Δίδυμός φησιν διαφόρους ἐτυμολογίας ἐν τρίτῳ τῶν συμποιακῶν. Ein weiteres Bruchstück bei Steph. Byz. p. 452, 8, wo Δίδυμος ἐν συμποσιακοῖς citiert wird, handelt über die früheren Namen von Milet. Da in dem Bruchstück aus dem 10. Buch bei Steph. Byz. p. 305, 1 von Myson, einem der sieben Weisen, die Rede ist, so wird an derselben Stelle eine längere Auseinandersetzung über die Sprüche der sieben Weisen gestanden haben, die Clemens Alexandrinus Strom. I 14 p. 351 P. unter zweimaliger Erwähnung des D. wiedergiebt (ein Stück daraus auch im V. Bekkerschen Lexikon 233, 13). Die charakteristische Gelehrsamkeit des Chalkenteros zeigt sich auch hier; nicht weniger als sechs Autoren werden in dem kurzen Bruchstück angeführt: Chamaileon ἐν τῷ περὶ θεῶν, Aristoteles (zweimal), Straton ἐν τῷ περὶ εὑρημάτων, Kleomenes ἐν τῷ περὶ Ἡσιόδου, Sotades (οἱ περὶ Σωτάδαν τὸν Βυζάντιον), Hermippos. Bei Clemens Alex. Strom. IV 19 p. 618 P. ist ausserdem ein längerer Excurs über ausgezeichnete Frauen der mythischen und historischen Zeit erhalten (endet mit den Worten ὥς φησι Δίδυμος ἐν συμποσιακοῖς). Von demselben wird D. noch an einer dritten Stelle genannt, die wohl auch auf den Chalkenteros sich bezieht und vielleicht ebenfalls aus den συμποσιακά stammt: Strom. V 8 p. 673 P. ,σοφοῦ γὰρ τὸ χρῆσθαι τῇ συμβολικῇ φράσει δεξιῶς‘ φησὶν ὁ [470] γραμματικὸς Δίδυμος ‚καὶ τὸ γνωρίσαι τὸ διὰ ταύτης δηλούμενον. ναὶ μὴν ἡ στοιχειωτικὴ τῶν παίδων διδασκαλία τὴν τῶν τεττάρων στοιχείων περιείληφεν ἑρμηνείαν· βέδυ μὲν γὰρ τοὺς Φρύγας τὸ ὑδωρ φησι καλεῖν‘ κτλ. Endlich wird Δίδυμος ἐν συμποσιακοῖς von Diog. Laert. V 76 als Gewährsmann citiert für die Notiz, dass Demetrios Phalereus die Beinamen Χαρτοβλέφαρος und Λαμπετώ gehabt habe; Athen. XIII 593 e berichtet dasselbe, citiert aber dafür den Historiker Diyllos; beide Angaben lassen sich, wie M. Schmidt richtig bemerkt, vielleicht so combinieren, dass D. sich auf Diyllos berufen hat. Auffallend ist, dass M. Schmidt ein grosses Fragment des D. bei Athenaios, das vorzüglich zum Inhalt der συμποσιακά passt, ganz ausser acht gelassen hat; Athen, handelt IV cap. 15ff. über die Mahlzeiten der Spartaner, führt cap. 16 eine Stelle des Polemon an und lässt dieser ein längeres Citat aus D. folgen, das p. 139 c mit den Worten beginnt ταῦτα μὲν ὁ Πολέμων· πρὸς ὃν ἀντιλέγων Δίδυμος ὁ γραμματικὸς . . . φησὶ τάδε κτλ. und (wie Kaibel wohl richtig gesehen hat) erst p. 141f am Schlusse von cap. 19 endet; die ganze Auseinandersetzung bewegt sich in der Widerlegung Polemons, wobei eine ganze Reihe von Autoren citiert wird, die über Λακωνικά oder περὶ τῆς Λακεδαιμονίων πολιτείας geschrieben haben; M. Schmidt hat daraus nur zwei kleine Notizen in die λέξις κωμική aufgenommen (frg. 25. 44), wo sie nicht hingehören.

Da somit der Inhalt der Συμποσιακά ein sehr mannigfaltiger war, so wird man nicht fehlgehen in der Annahme, dass eine unter dem Titel Σύμμικτα (,Vermischtes‘) überlieferte Schrift irgendwie damit zusammenhängt. Entweder ist Σύμμικτα nur eine andere Bezeichnung für Συμποσιακά oder der genaue Titel des Werkes war Συμποσιακὰ σύμμικτα nach Analogie der Schrift des Aristoxenos Σύμμικτα Συμποτικά. Den Titel Σύμμικτα kennen wir nur durch ein Citat in dem Synonymenwörterbuch des Herennius Philo Ammon, de diff. p. 35 Valck. (Et. Gud. 124, 2. Eust. p. 1788, 52) γέρων καὶ πρεσβύτης καὶ προβεβηκὼς διαφέρει· Ἀλεξίων δηλοῖ ἐν τῇ ἐπιτομῇ τῶν Διδύμου συμμίκτων λέγων οὕτως· ἐκ τῶν Ἀρίστωνος (l. Ἀριστοφάνους) περὶ ἀνθρώπου γενέσεως καὶ αὐξήσεως ἄχρι γήρως· βρέφος μὲν γάρ ἐστιν κτλ. Wir erfahren aus dieser Stelle erstens, dass Alexion, der im 1. Jhdt. n. Chr. lebte, eine Epitome der Σύμμικτα des D. verfasste, zweitens, dass D. in sein Miscellanwerk einen Abschnitt aus dem Capitel περὶ ὀνομασίας ἡλικιῶν der λέξεις des Aristophanes von Byzanz aufgenommen hatte. Vgl. A. Nauck Aristoph. Byz. 88. L. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XII 299.

Völlig grundlos ist M. Schmidts Vermutung, dass die Συμποσιακά (Σύμμικτα) nicht vom Chalkenteros, sondern von einem andern D. herrühren, der als Verfasser eines Buches περὶ Πυθαγορικῆς φιλοσοφίας und anderer philosophischer Schriften genannt wird, weil angeblich die Fragmente über die Sprüche der sieben Weisen und über die ausgezeichneten Frauen einen pythagoreischen Philosophen verraten. Schmidt identificiert diesen D. mit dem im 5. D.-Artikel des Suidas genannten Sohne des Herakleides (Nr. 11), der dort als bedeutender Musiker bezeichnet wird, und knüpft daran die ebenso falsche Vermutung, dass auch die [471] Schrift περὶ λυρικῶν ποιητῶν von diesem verfasst sei. Schmidt Didym. 368–384. Vgl. dagegen O. Schneider Ztschr. f. Altertw. 1855, 241. 242.

In den Συμποσιακά werden auch, wie Beccard wohl richtig vermutet hat, die vier Abhandlungen gestanden haben, über welche Seneca epist. 88, 37 sich lustig macht: plus scire velle quam sit satis, intemperantiae genus est. quid? quod ista liberalium artium consectatio molestos, verbosos, intempestivos, sibi placentes facit et ideo non discentes necessaria, quia supervacua didicerunt. quattuor milia librorum Didymus grammaticus scripsit: misererer, si tam multa supervacua legisset. in his libris de patria Homeri quaeritur, in his de Aeneae matre (morte verbessert Schmidt) vera, in his libidinosior Anacreon an ebriosior vixerit, in his an Sappho publica fuerit, et alia quae erant dediscenda, si scires. Schmidt Didym. 384–386.

5. Περὶ τῶν ἀξόντων τῶν Σόλωνος ἀντιγραφὴ πρὸς Ἀσκληπιάδην. Dieses μονόβιβλον kennen wir nur durch ein Citat bei Plut. Sol. 1, wo eine sonderbare Notiz über den Vater des Solon überliefert wird: Δίδυμος ὁ γραμματικὸς ἐν τῇ [ερὶ τῶν ἀξόνων τῶν Σόλωνος ἀντιγραφῇ πρὸς Ἀσκληπιάδην Φιλοκλέους τινὸς τέθεικε λέξιν, ἐν ᾗ τὸν Σόλωνα πατρὸς Εὐφρίωνος ἀποφαίνει παρὰ τὴν τῶν ἄλλων δόξαν, ὅσοι μέμνηται Σόλωνος. Die Schrift des Asklepiades, gegen welche D. sich wandte, erwähnt der Grammatiker Seleukos, der gleichfalls eine Einzelschrift περὶ τῶν Σόλωνος ἀξόνων verfasst hat, in der Glosse κύρβεις des Et. Gud. 355, 40 (Reitzenstein Gesch. d. griech. Etym. 164) . . . Ἀσκληπιάδης δὲ ἐν τοῖς τῶν ἀξόνων ἐξηγητικοῖς. Vgl. K. Lehrs Anal. gramm. 446. Ob diese Schrift des D. in grösserem Umfange von Plutarch im Leben des Solon benutzt wurde, wie R. Prinz (De Sol. Plut. font., Bonn 1867) und H. Begemann (Quaest. Soloneae,. Gotting. 1875) zu beweisen suchten, ist zweifelhaft.

6. Περὶ τῆς Κικέρωνος πολιτείας. Von einer gegen Cicero gerichteten Schmähschrift des D. berichtet Ammian. Marcell. XXII 16,16 in einer beiläufigen Notiz über die hervorragenden Männer, die Alexandreia hervorgebracht hat: inter quos Chalcenterus eminuit Didymus multiplicis scientiae copia memorabilis: qui in illis sex libris, ubi non nunquam imperfecte ⟨locutum add. O. JahnTullium reprehendit sillographos imitatus scriptores maledicos iudicio doctarum aurium iucusatur ut immania frementem leonem putredulis vocibus canus catulus longius circumlatrans. Die Nachricht wird indirect bestätigt durch die Angabe des Suidas s. Τράγκυλλος, dass Sueton eine Gegenschrift gegen D. verfasst hat; er führt nämlich unter dessen Schriften an: περὶ τῆς Κικέρωνος πολιτείας βιβλίον α’ · ἀντιλέγει δὲ τῷ Διδύμῳ. Näheres über den Inhalt der beiden Schriften erfahren wir nicht. Vgl. F. Ritter Didymi opusc p. 3. Schmidt Didym. 399. 400. A. Reifferscheid Suet. 467. An der Richtigkeit der Angabe hat bisher niemand gezweifelt. Dennoch unterliegt sie den schwersten Bedenken; denn eine solche Schrift fällt ganz und gar aus dem Rahmen der Schriftstellerei des in Alexandreia ausschliesslich mit philologischen Studien beschäftigten Chalkenteros. In den Fragmenten [472] findet sich nirgends eine Spur, dass er auch nur die lateinische Sprache gekannt hat, geschweige denn, dass er im stande gewesen wäre, über den Stil eines Cicero zu urteilen, zumal dies auch eher Sache eines Rhetors ist als eines Philologen, wie es D. war. Da wir nun wissen, dass Claudius Didymus als Verfasser einer Schrift περὶ τῆς παρὰ Ῥωμαίοις ἀναλογίας ein guter Kenner der lateinischen Sprache war, so darf wohl die Vermutung ausgesprochen werden, dass Ammianus Marcellinus irrtümlich den Chalkenteros für den Verfasser der Schmähschrift gehalten hat, die in Wahrheit von dem in Rom lebenden und lehrenden Claudius Didymus herrührte.

Allgemeine Litteratur über D. (ausser M. Schmidt): Th. Beccard De scholiis in Homeri Iliadem Venetis (A) pars prior (Berol. 1850) 26–34. O. Schneider Anz. von M. Schmidts Didym. Ztschr. f. Altertumsw. 1855, 235–252. v. Wilamowitz Eur. Herakl. I 157ff. F. Susemihl Gesch. der griech. Litter. in der Alexandrinerzeit II 195–210.

[Cohn.]