RE:Eburacum

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 19001901
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Eburacum (von eburos, keltisch Eibe ? Holder Altkelt. Sprachschatz 1402), Stadt im römischen Britannien im Lande der [[RE:Brigantii |Brigantes]] (s. d.), das heutige York. Obgleich im Agricola des Tacitus nicht genannt, scheint der alte Hauptort des mächtigen Volkes doch schon von Agricola erobert und befestigt worden zu sein, um als Stützpunkt für seinen kühnen Feldzug nach dem äußersten Norden der Insel zu dienen (Hübner Röm. Herrschaft in Westeuropa 34ff. und oben Art. Britanni Bd. III S. 871f.). Da dieser zu keiner dauernden Besetzung der weiten von ihm durchzogenen Ländergebiete geführt hat – die Grenzlinie Clota-Bodoeria (s. d.), d. h. Glasgow-Edinburgh, ist erst im 2. Jhdt. befestigt worden, Hadrian begnügte sich mit der südlicheren Carlisle-Newcastle – und auch von der Eroberung Irlands abgesehen wurde, so scheint sich Agricola auch dorthin wieder zurückgezogen und den sehr günstig gelegenen und von Natur festen Ort zum militärischen Hauptquartier und Lager zweier Legionen, der neunten und sechsten, gemacht zu haben. Nach dem Untergang der neunten unter Hadrian blieb E. Standquartier der sechsten. Als solches erscheint es in dem ältesten erhaltenen Zeugnis bei Ptolemaios (II 3, 10 Ἐβόρακον, λεγίων ς’ νικηφόρος; die Schreibung mit ο ist die jüngere und griechische); eine griechische Inschrift etwa des 2. Jhdts. nennt die θεοὶ τοῦ ἡγεμονικοῦ πραιτορίου (CIL VII p. 62. IG XIV 2548). Ziegel der beiden Legionen, zum Teil noch aus dem 1. Jhdt., wie es scheint, sind in York häufig gefunden worden (CIL VII 1223. 1224). Erwähnt wird die Stadt in der alten Litteratur nur als Todesort der Kaiser Severus (Hist. Aug. Sever. 19 evoraci und aeuoraci die Hss. Vict. Caes. 20, 27. Eutrop. VIII 19 und andere Chronisten) und Constantius (Eutrop. X 1) und als Mittel- und Ausgangspunkt mehrerer Straßen in den Itinerarien (Ant. 466, 1. 468, 4. 475, 7. 478. 6, wo die besseren Hss. überall E. schreiben: ebenso in Geogr. Rav. 5, 31 p. 431. 16). Auch die zum grössten Teil in dem städtischen Museum in der Marienabtei aufbewahrten inschriftlichen Zeugnisse (CIL VII 231-259. Ephem. epigr. III p. 122. 312. VII p. 299, Ebur[acenses] CIL VII 236. 336. 339, Ebor(acensis) 248) beweisen, dass die Stadt, die seit dem 2. Jhdt. Colonie war (CIL VII 248. Ephem. epigr. III p. 123 nr. 80), seitdem der Mittelpunkt der militärischen Verwaltung blieb, sowie Mittel- und Ausgangspunkt verschiedener römischer Straßen (CIL VII 1180–84. Ephem. epigr. VII 1104). Der Cultus der Provinz und der numina Augusti sowie verschiedener fremder Gottheiten, die Erwähnung [1901] des Legaten der Provinz und der Legion und anderer Beamter sowie verschiedener Tempel und die Menge von Schmuck und Gerät, die hier gefunden wird, sprechen für seine Bedeutung, wenngleich städtische Beamte nicht vorkommen mit Ausnahme eines Sevirs des Augustalencollegs (CIL VII 248). Ptolemaios führt es wegen des längsten Tages und der Entfernung von Alexandreia an (VIII3, 7 τὸ δὲ Ἐβόρακον ἔχει τὴν μεγίστην ἡμέραν ὡρῶν ιζL’γ, καὶ διέστηκεν Ἀλεξανδρείας πρὸς δύσειςὥραις βγ’). Auch in der letzten Zeit der römischen Herrschaft scheint E. Sitz der Verwaltung geblieben zu sein (Not. dign. occ. XL 18 praefectus legionis sextae; wo victricis Eburaci zu ergänzen ist; Cod. Iust. III 32, 1 Eboraci). Bischöfe von E. (die Schreibungen wechseln zwischen o und u) kommen in Concilien und bei Baeda häufig vor (Holder Altkelt. Sprachsch. 1396). Der Zug der alten Befestigungsmauern und die Stadtanlage sind in dem heutigen York noch zu erkennen; doch fehlt eine genauere Darstellung.