RE:Gregorios 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,2 (1912), Sp. 18481852
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Gregorios. 1) Metropolit von Korinth (in hsl. Überlieferung gelegentlich auch Georgios), mit dem Beinamen Πάρδος (vgl. z. B. Cod. Paris. Graec. 2669 Γεωργίου μετροπολίτου Κορίνθου, τοῦ [1849] πρότερον Πάρδου ὀνομαζομένου), griechischer grammatischer Schriftsteller. Man meint, er habe diesen Beinamen, der wie die obigen Angaben nur durch die Titelüberschriften seiner Werke in den Handschriften bekannt ist, abgelegt, als er sein geistliches Amt in Korinth antrat (vgl. G. Koen in der Vorrede seiner Ausgabe S. XII). Der Terminus post quem seiner Lebenszeit ergibt sich aus einer Stelle seiner Schrift Περὶ συντάξεως τοῦ λόγου, auf die hinwies Allatius bei Fabricius Bibl. Gr. X (1721) 603: ἐπεὶ οὖν τὰ ἰαμβεῖα λογογραφία τίς ἐστιν εὔυθμος, ζηλούσθω σοι καὶ τὸ ἐνθυμηματικὸν ἐν αὐτοῖς. ἔχεις ἀρχέτυπον τὸν Πισίδην, νεωτέρους τὸν Καλλικλῆν, τὸν Πτωχοπρόδρομον καὶ εἰ τις τοιοῦτος, ἐν τοῖς παλαιοῖς τὸν Θεόλογου, τὸν Σοφοκλῆν, ἐκτὸς τῶν ποιητικῶν ἰδιωμάτων αὐτῶν τὰ εὐφραδέστερα τοῦ Λυκόφρονος καὶ εἴ τι τοιοῦτον. Er lebte also etwa um 1150 oder später, da er Nikolaos Kallikles (um 1118, vgl. Krumbacher a. a. O. 744) und Theodoros Prodromos (um 1150, vgl ebd. 749) zitiert. Andererseits stammt nach Allatius (bei Fabricius Bibl. Gr. X [1721] 804 = ebd. XII [1809] 127) eine vatikanische Handschrift G.s aus dem J. 1225, so daß er um 1200 gesetzt werden kann (vgl. dazu eine Vermutung bei Gerber a. a. O. 9).

Der Schriftsteller ist mit seinen Werken für uns wertvoll, nicht als interessantes und besonders hervorstechendes Individuum, sondern eher als Vertreter eines Typus aus der Zeit der byzantinischen Renaissance. Seine persönlichen literarischen Leistungen sind nicht sonderlich bedeutend, die Benützung von Quellen und Autoren zur Sammlung von Belegstellen ist dürftig und oberflächlich, wenn auch die bedeutsame Tatsache nicht übergangen werden darf, daß bei ihm, dem Kommentator der Kirchenpoesie, im Hermogeneskommentar Romanos erwähnt wird (VII 1122 ed. Walz; s. dazu die Bemerkung von Papadopulos-Kerameus Byz. Ztschr. II [1893] 603).

Erhaltene Werke: 1) Περὶ τῶν ἰδιωμάτων τῶν διαλέκτων, mehr eine Materialsammlung und eine Vorarbeit für einen grammatischen Traktat über die Dialekte als ein ausgeführtes Werk, steht dieses Buch in der Mitte zwischen einem Lexikon von Ausdrücken aus den griechischen Dialekten und einer Scholiensammlung: vgl. die Worte der Einleitung: ἰδοῦ σοι καὶ τὰς διαλέκτους ἐγχειρίζω,σεβαστῶν μοι πάντων φιλολογώτατε, περὶ ὧν ὅ τε Φιλόπονος Ἰωάννης ἐφιλοπόνηςε καὶ Τρύφων ὁ γραμματικὸς καὶ ἄλλοι πολλοί, οἷς ἱκανὴ περὶ τὰ βιβλία τριβὴ καὶ ἄσκησις γέγονεν. Das Buch ist gegliedert in vier Teile über die Ἀτθίς, die Δωρίς, die Ἰάς und die Αἰολίς. Περὶ τῆς Ἀτθίδος 34 äußert sich G. selbst in signifikanter Weise über seine Quellen: ὡς ἐν σχολίοις τοῖς εἰς Θουκυδίδην Μαρκέλλου εὑρήκαμεν, ebenso praef. p. 5 Sch. über seine Muster: αὐτοὶ τοίνυν Ἀττικῆς μὲν φράσεως κανόνα τὸν κωμικὸν Ἀριστοφάνηνπροθέμενοι καὶ Θουκυδίδην τὸν συγγραφέα καὶ ⟨Δημοσθένην τὸν⟩ ῥήτορα, Ἰάδος δὲ Ἱπποκράτην τὸν Ἴωνα καὶ τὸν Ἁλικαρνασέα Ἡρόδοτον, Δωρίδος τὸν Ταραντῖνον Ἀρχύταν καὶ Θεόκριτον τὸν τὰ βουκολικὰ συγγραψάμενον καὶ τῆς Αἰολίδος Ἀλκαῖον, ἴσως ἂν περὶ τῶν διαλέκτων ἱκανῶς διαλάβοιμεν. Wie in dem unten angeführten Kommentar zu Hermogenes περὶ μεθόδου δεινότητος [1850] schrieb G. auch hier ohne sonderliche Kritik und Urteil aus, was er in die Hand bekam, Scholien und Kommentare, und verschmähte es nicht, selbst Widersprechendes aneinanderzureihen. Untersucht sind die Quellen in den Abschnitten περὶ τῆς Δωρίδος und περὶ τῆς Ἀτθίδος: Morsbach Rh. Mus. XXXI (1876) 567–581. Zuretti Atti della R. Acc. di Torino XXVΙΙ (1891/2) 572–592. Darnach sind in diesen beiden Abschnitten außer Johannes Philoponos, der in der Vorrede zitiert wird, benützt besonders Scholien und Glossen zu Pindar, Theokrit, Aristophanes und Thukydides.

Ausgaben: Gregorius . . de dialectis, ed. Koen. Accedunt grammatici Leidensis et Meermanniani de dialectis opuscula.., Lugd. Bat. 1766 (mit wertvoller Vorrede und Sammlungen). Gregorii Corinthii et aliorum grammaticorum Graecorum libri de dialectis linguae Graecae . . ., ed. Schäfer, Lips. 1811 (umfangreiche Sammelausgabe mit Kommentar und Indices, vor allem einem brauchbaren Index graecitatis). Beiträge zum Text bei Brambach Rh. Mus. XXII (1867) 449-451 und bei Morsbach und Zuretti a a. O. Vgl. ferner über das Buch, das im Zeitalter der Renaissance Aktualitätswert hatte und häufig abgeschrieben und gedruckt wurde, Fabricius Bibl. Graeca IV (1708) 536 = Fabricius-Harless ebd. VI (1798) 194–197; s. auch u. unter 5.

2) Ἀπὸ τῆς ἐξηγήσεως τοῦ μητροπολίτου Κορίνθου εἰς τὸ περὶ μεθόδου δεινότητος τοῦ Ἑρμογένους βιβλίον (dies die Überschrift im Cod. Monac. Graec. 101 saec. XVI), Kommentar zu Hermogenes περὶ μεθόδου δεινότητος. Das Werk liegt in zwei Rezensionen vor, deren Wert noch kontrovers ist (s. Gerber Quae in commentariis a Gregorio Corinthio in Hermogenem scriptis vetustiorum commentariorum vestigia deprehendi possint, Kiliae 1891, 1–28 und dazu Hammer Berl. Phil. Wochenschr. XIII [1873] 456-458 und Thiele Wochenschr. f. kl. Philol. X [1893] 593-597). Die kürzere ist vertreten durch den Monacensis Graecus 101, der sich schon in seiner Überschrift als Exzerpt ausgibt, und darnach herausgegeben; Oratores graeci ed. Reiske VIII (1773) 883-971; die weitere und wohl auch etwas erweiterte Fassung (s. Gerber a. a. O. 3ff.) liegt vor im Vindob. 16 saec. XVI und ist reproduziert Rhetores Graeci ed. Walz VII (1834) 1088–1352 (über Wert und Verhältnis dieser Rezensionen vgl. Gerber und dessen Rezensenten). Auch in diesem Werk schwelgt der Autor in oft etwas kritiklos und eilfertig zusammengetragenem Material. Hauptquelle ist Joannes Geometres (um 950/1000) (s. Gerber 29–41); ferner hat Schrader (Porphyrii quaest. Homer, ad Iliadem pertin. reliquias ed. Schrader [1880] 468; Porphyrii quaest. Homer. ad Odyss. pertin. reliquias ed. Schrader [1890] 98. 207) gezeigt, daß G. einen Odysseekodex mit Porphyriusscholien am Rand einsah (das Zitat p. 1245 = Schol. HTVd n. 190ff.). Bernhardus Bursy De Aristotelis Πολιτείας Ἀθηναίων partis alterius fonte et auctoritate, Jurjewi (Dorpati) 1897, weist nach dem Vorgang von v. Stojentin Neue Jahrb. f. d. class. Altert. CXIX (1879), 120 für ein Stück auf Psettos περὶ τῶν ὀνομάτων τῶν δικῶν als Quelle hin; vgl. auch über Quellen und zum Text an Vermutungen und Beiträgen Walz Rhet Graeci IX 734f. (Nachträge) Angermann [1851] De Aristotele rhetorum auctore, Lips. (Diss.) 1904, 25. 62. Caecilii Calactini fragmenta, coll. Ofenloch 1907 p. XIX und Gerber a. a. O. 42–53. Demetrii Phalerei qui dicitur de elocutione libellus . , rec. Rademacher 1901 p. X.

3. Περὶ συντάξεως τοῦ λόγου ἤτοι περὶ τοῦ μὴ σολοικίζειν, nach Krumbacher 588 ,wohl noch unediert‘, auch nicht in der Statistik der Schriften über dieses Thema bei Schepss De soloecismo, Argentorati 1875 (Diss.) aufgeführt. S. z. B. auch Mellot Catalogus codd. mss. bibl. reg. II. 1740 (Parisiis) p. 538 nr. 2669.

4. Ἑρμηνεία εἰς τοὺς κανόνας τῶν δεσποτικῶν ἑορτῶν τοῦ ὅλου χρόνου, τῶν τριῳδίων καὶ κανόνων τῆς μεγάλης ἑβδομάδος καὶ τῶν ἑορτῶν τῆς Θεοτόκου; erhalten beispielsweise im Cod. Vindob. theol. 128 (s. v. Nessel Catalogus . . codici . . biblioth. Vindobon. 1690 p. 213f.). S. Allatius bei Fabricius Bibl. Graec. X (1721) 798–805 = ebd. XII (1809) 122–127.

Pseudepigraph oder zum mindesten als Werk G.s äußerst zweifelhaft ist 5) Περὶ τρόπων. Diese Arbeit, welche τοῦ λόγου εἴδη darstellen will, definiert im Anfang in scharfer Gegenüberstellung κυριολογία und τρόπος und zählt auf und beschreibt hierauf – meist unter Anführung von Beispielen aus Homer – folgende 27 τρόποι: ἀλληγορίαμεταφορά, κατάχρησις, μετάληψις, ὑπερβατόν, ἀναστροφή, συνεκδοχή, ὀνοματοποιία, μετωνυμία, περίφρασις, πλεονασμός, παραπλήρωμα, ἔλλειψις, ὑπερβολή, εἰρωνεία, σαρκασμὸς ἤγουν χλεύη, ἀστεϊσμός, ἀντίφρασις, ἐναντίωσις, ἀντωνομασία, ἀμφιβολία, σύλληψις, αἴνιγμα, ἐπαύξησις, ἐξοχή, ὑστερολογία καὶ χχῆμα. Nirgends erscheint das Werkchen in der handschriftlichen Überlieferung, soweit ich nachprüfen kann, als Arbeit G.s (vgl. aber Allatius a. a. O.), sondern geht vielmehr unier Tryphons Namen. Die Schrift wurde zuerst von Allatius (a. a. O. p. 798 bezw. 122) als Arbeit G.s hingestellt, dem von den Herausgebern Walz und Spengel und dann v. Nelsen (Tryphonis grammatici Alexandrini fragmenta, Berolini 1853 p. 100) folgten, Finckh (Zimmermanns Ztschr. f. d. Altertumswissensch. V 1838, 1053f.) hat dagegen erwiesen, daß das Schriftchen älter als G. ist, aber Entstellungen durch Zusätze und Auslassungen hat erfahren müssen. Ausgaben : Anecdota Graeca e codd. reg. ed. Boissonade III (1831) 270–284 (unter dem Namen Tryphons). Rhetores Graeci ed. Walz VII (1835) 763–778 (vgl. ebd. 761f.). Rhetores Graeci, recogn. Spengel III (1856) 215–226. Emendationen und Konjekturen zum Text Finckh Philol. XXIV (1866) 545–548. S. auch Susemihl Gesch. d. griech. Lit. i. d. Alexandrinerzeit II (1892) 213, 372.

Eine Fälschung nicht nur auf seinen Namen, sondern auch ihrem Inhalt nach ist die Schrift Περὶ τῆς Σαπφοῦς διαλέκτου, gedruckt Aphthonii progymnasmata, rec. Petzholdt. Accessit Gregorii Corinthii ut fertur de Sapphonis dialecto libellum .., Lips. 1839, 79–102 (vgl. dazu den Brief des Herausgebers an Gottfried Hermann p. XVII-XX). Sie entstand höchstwahrscheinlich nach dem Erscheinen der Anecdota Oxoniensia ed. Cramer I 1835. Vgl. Ahrens Rh. Mus. I (1842) 274-277.

Hauptschriften: Leo Allatius De Georgiis et eorum scriptis diatriba, Parisiis 1651 (= Fabricius Bibl. Graeca XL, Hamburg 1721) 798–805 [1852] und Fabriclus-Harless ebd. XII (Hamburg 1809) 122–127. Koen in der Vorrede seiner obengenannten Ausgabe. Krumbacher Gesch. der byzant. Literat.² (1897) 17. 451. 588f. 668. 679. 735. 745.