RE:Grynche

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,2 (1912), Sp. 1899–1900
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Grynche, Stadt auf Euboia, deren Name nur inschriftlich überliefert ist. Die attischen Tributlisten bieten das Ethnikon Γρυγχῆς (oder νχ), IG I 37, 70. 229, 12b. 236, 8c. 244, 78. Journ. hell. stud. XXVIII 291 (Reste IG I 239, 77. 256 I 48), Kataloge aus Eretria Anfang 3. Jhdts. v. Chr. Γρυγχεῖς (1mal), Γρύγχηθεν (3), sonst die Abkürzungen Γρυγχη (2), Γρυγχ (2), Γρυγ (1), Γρύ (1). Der Anlaut ist 15mal sicher. Im 3. Jhdt. muß der Ort Γρύγχη geheißen haben; Γρυγχῆς könnte auch Verkürzung von Γρυγχειῆς sein und auf Γρύγχεια zurückgehen (Dittenberger Herm. LXI 169ff.). Auf den attischen Tributlisten erscheint das Ethnikon sicher IG I 231, 12, nach wahrscheinlicher Ergänzung auch 233, 22b in der Form Βρυγχειῆς, wozu der Ortsname Βρύγχεια heißen würde. Offenbar handelt es sich bei der verschiedenen Schreibung um Versuche, einen Laut wiederzugeben, für den das griechische Alphabet nicht ausreichte (Kühner-[1900] Blass I 143). Unter dieser Voraussetzung hat Boeckh weiter hierher gezogen Steph. Byz. Ῥύγχαι, χωρίον Εὐβοίας und Steph. Byz. Τρῦχαι, πόλις Εὐβοίας. Λυκόφρων δὲ μεταφράσας (μεταπλάσας? Meineke) Τρύχατα καλεῖ. Bei Lyk. 374 heisst es σπίλοι τε καὶ Τρύχατα καὶ τραχὺς Νέδων. Dazu bemerkt Tzetzes Τρύχαντα καὶ Νέδων καὶ Διρφωσσὸς (375) ὄρη Εὐβοίας εἰσί. Hermann (Opusc. V 240) nimmt an, Stephanos habe κὰτ Τρύχαντα gelesen, und das hat Scheer aufgenommen; offenbar mit Recht, denn σπίλοι verlangt ein Attribut. Wie v. Holzinger in seiner Ausgabe Τρύχαντα als Vokativ erklären will, ist unverständlich. Endlich will bei Stephanos Τύχη … ἔστι δὲ καὶ Τυχαῖον ὄρος μεταξὺ Ἐρετρίας καὶ Βοιωτίας lesen Τρυχαῖον = Τρύχας (Βοιωτίας ist verderbt, Baumeister 42 und Geyer). Beweisen lassen sich alle diese Identifizierungen nicht. Nach Ausweis der Tributlisten war der Ort im 5. Jhdt. selbstständig, aber unbedeutend; er zahlte in der ersten Periode 1000 Drachmen und wurde 425 mit Doppelten angesetzt. Im 3. Jhdt. gehörte er nach den Inschriften zu den Demen von Eretria. Die Lage des Ortes ist ganz unsicher, nur soviel läßt sich sagen, daß er in Mittel-Euboia, wahrscheinlich in seinem östlichen Teil lag. R. Kiepert Formae XV setzt es mit den zuerst von Ulrichs, dann von Bursian und Baumeister erwähnten Ruinen süd-westlich Neochóri, 3 Stunden südlich von Kumi gleich; so auch Stauropullos (154). Boeckh Staatsh. II³ 676. 678. Köhler Abh. Akad. Berl. 1869, 197. Ulrichs Reisen und Forschungen II 244f. Bursian Ber. Sächs. Ges. d. Wiss. 1859, 134f. Baumeister Topographische Skizze der Insel Euboia 14. 42. Bursian Geogr. II 425f. Zusammenfassend Geyer Topographie und Gesch. d. Insel Euboia I 73ff. Inschriften von Eretria Stauropullos Ἐφημ. ἀρχ. 1895, 125ff. (dies die berichtige Ausgabe statt Ἐφημ. ἀρχ. 1869 n. 404; Bull. hell. II 277, 5; Ἐφημ. ἀρχ. 1887, 82ff.).