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RE:Helios 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
indogerman. Bezeichnung der Sonne, Sonnengott
Band VIII,1 (1912) S. 5893
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1) Gemeinindogermanische Bezeichnung der Sonne, vgl. Kuhn Ztschr. f. vergl. Sprachforsch. XXVI 9 (J. Schmidt). XXXI 351. 452 (Kretschmer). XXXVI 278 (Pedersen).

Die Sonne weckt überall religiöse Empfindungen. Das Wort des Sophokles (frg. 672 Nauck²): πας προακυνεὶ δὲ τὸν στρέφοντα κύκλον ἤλιον gilt für alle Zeiten. Hellenen und Barbaren ehren Sonne und Mond beim Auf- und Untergehen durch προκνλίσεις und προσκυνήσεις, sagt Platon Leg. X 887 E. Auch wer den persönlichen Sonnengott leugnet, begrüßt wie Sokrates am Morgen das Licht der aufgehenden Sonne mit frommer Scheu (Plat. symp. 220 D: {{Polytonisch|προσευχόμενος τῷ ἠλίρθapo-log. 26 D). Für jeden ist die Sonne ein Symbol des Lebens: wird der Mensch geboren, so ,erblickt er die Strahlen der Sonne' (Hom. Il. XVI 188;, er lebt, solange er ,unter der Sonne weilt' (Hom. Il. IV 44) oder ,das Licht der Sonne sieht' (Hom. Il. V 120; Od. IV 540. 833), beim Sterben muß er ,das Licht der Sonne verlassen* (Hom. Il. XVIII 11); diese Wendungen der Homerischen Gedichte durchziehen die Sprache aller Dichter und des. täglichen Verkehrs; ἤλιε χαίρε ruft noch der Sterbende, Kallimach. epigr. 23. Jeder Mensch erkennt in der Sonne die Quelle von Licht und Glanz, die Quelle der wohltuenden Wanne und der verderblichen Hitze, die Quelle der Ordnung für Tagesstunden, Jahreszeiten und Orientierung im Freien, die belebende schöpferische Kraft für die ganze Natur. Jedem Menschen gelten Sonne, Himmel, Erde und alles Große in der Natur, das sich dem menschlichen Einfluß entzieht, als die ewigen Zeugen menschlicher Taten und Leiden,als die natürlichen Rächer des Frevels. Zu ihnen betet in der Not selbst der Gottesleugner (AischyL Pers. 496f,). Sie ruft der Leidende als Zeugen an, wie Prometheus bei AischyL Prom. 88ff. die ganze Natur, Aither, Winde, Flüsse, Quellen, Meer, Erde und Sonne (τὸν πανόπτην κύκλον ἤλιον) anruft. Der Sonne klagt man seinen Kummer (Theo-dekt. frg. 10. Plaut. mercat. 3 u. a.). Sie bringt das Unrecht an den Tag; denn der ,Strahl der Sonne erzählt' (Aischyl. Agam. 654), was im geheimen geschehen ist. Die fromme Scheu vor dem reinen Licht der Sonne sollte den Menschen vom Verbrechen zurückhalten (Demosth. XIX 267); μὴ βλασφημειν περὶ αὐτά, εὐφημεῖν δὲ ἀεὶ δύοντας τε καὶ ἐν εὐχαῖς εὐχόμενους ἐνσεβώς, ist Platons Lehre (Leg. VII 821 D).

Aus diesen religiösen Empfindungen, die alle Zeiten und alle Völker beim Anblick der Sonne teilen, erwuchs bei den Griechen die Vorstellung des persönlichen Sonnengottes H. Was von ihm 60 erzählt wird, deckt sich durchweg mit den Vorstellungen aller Völker, die an Sonnengötter glauben; denn die Sonne selbst ist die überall gleich lebendige unmittelbare Quelle dieser Vorstellungen. Wieviel sich davon noch im heutigen Griechenland erhalten hat, zeigt Polites Ἤλιος' κατὰ τοὺς δημ. μύθους, Athen 1882.

Η. ist der Gott, der alles sieht und hört, ὃς πάντ ἔηρορα καὶ πάντ ἐπακούει Hom. Il. XII 277; [59] Ol ΣΙ 109. XII 323), der »Erde und Meer mit seinen Strahlen überschaut* (Hom. hymn. V 69). Als παντόπτας (Aischyl. frg. 192), ὁ πάντ', ἔποπτενων (Aischyl. Choeph. 982), ὁ πάντα λεύοσων (Soph. Oid, Kol. 869), κρατιστευων κατ' ὄμμα (Soph. Trach. 101), πανδερκῆς (Anthol. Planud. 303. Orph. Uth. 713. Quint. Smyrn. XIII 229), εὐρνοπά (Orph. lith. 701) weiß er zu verkünden, was in der Ferne geschehen ist (Aischyl. Agam. 611. Soph. Trach. 94ff.; Aias 846ff.). Man ruft ihn an als Zeugen jeglicher Tat und als Bacher des Frevels (Aischyl. Choeph. 982ff.; Agam. 1277. Soph. Oid. Kol. 869; Elektr. 825. Eurip. Med. 1252; Herakl. 858. Apoll. Rhod. IV 229. Verg. Aen. IV 607). Er schützt den heiligen Baum (Anth. Pal. IX 706) und das Grab (CIG 4380 t) gegen heimliche Schändung. Jedem Menschen gilt die Mahnung: Ἤλιος ὄρα σὲ λαμπρός, ὃς τὰ πάνθ ὀρά (CIG 4310, 7 aus Limyra in Lykien). Quis Solem fallere possit? (Ovid. ars am. II 573).

Oft wird der allsehende Gott als Schwurzeuge angerufen. Bei Hom. Il. XV 36 = Od. V 184 schwören die Götter bei Erde, Himmel und Styx, und wo in ähnlicher Weise unpersönliche Schwurzeugen angerufen werden, fehlt neben Himmel, Erde und Meer auch die Sonne nicht (vgl. z. B. Anth. Pal. XIV 72. Nonn. Dionys. XVII 284). Wo persönliche Götter die Schwurzeugen sind, findet sich häufig die Dreiheit Zeus-Ge-Helios; vgl. Ziebarth De iure iurando in iure Graeco, Göttingen 1892, 20ff. und o. Art. Eid Bd. V S. 2078. Üsener Rh. Mus. LVÛ118ff. Bei Hom. Il. III 104. 276 wird das Opfer Zeus, Ge und H. dar-gebracht, der Schwur aber geleistet bei Zeus, H., Flüssen, Erde und Unterirdischen. Bei Hom. Il. XIX 197. 258 gilt das Opfer Zeus und H,, beim Schwur aber werden Zeus, Ge, H. und die Erinyen angerufen. Mit Zeus, Ge und H., denen dann andere Gottheiten zugesellt sind, beginnen Schwurformeln in Inschriften von Smyrna (CIG 3137, 60. 70), Phaselis (Judeich Kleinasiat. Stud. 256. Wilhelm Österr. Jahresh. 1149ff.), Chersonesos in der Krim (Dittenberger Syll.² 461, 1. 51 = Latyschew Inscr. or. sept. Pont. Eux. IV 79), Pergamon (Fränkel Inschr, v. Perg. 13, 23 und 52) Athen(1. Dittenberger 214, 53 = IG II 333 mit der Vervollständigung von Wilhelm Götting, gel. Anz. 1903, 789 = IG II 5, 510d; 2. Dittenberger 114, 39 - IG II 1 add. 66b mit der Ergänzung von Ziebarth a. a. O. 20, 1), ebenso der Huldigungseid der Paphlagonier an Augustus (Rev. des études gr. XIV 27f.). Auch kehren dieselben drei Gottheiten wieder in Freilassungsurkunden von Thermon in Aetolien (IG IX 1, 412), aus Pantikapaion (Latyschew Inscr. or. sept. Pont. Euxin. II 54) und Gorgippia (Latyschew a. a. O. II 400). In der Schwurfonnel von Dreros auf Kreta steht H. neben zahlreichen anderen Gottheiten (Dittenberger SylL 463, 28), im Bichtereid von Eresos werden Zeus und H. angerufen (IG XII 2, 526c, 20), bei Eurip. Med. 746. 752 Ge und EL, bei Apoll. Bhod. IV 1019 H. und Hekate, bei Paul. Silent. (Anth. PaL V 274) H. und Hades, bei Iulian. epist. 38 p. 536, 2 Hertlein Zeus, H. und Athena. Stets war H. ein Zeuge der Wahrheit (vgl. z. B. Hom. hymn« III 381. Soph. Oid. Tyr. 660), ein δείκτης δικαιοσύνης, πιστοφύλαζ, δμμὰ δικαιοσύνης (Orph. [60] hymn. VIII 16ff.). Auch Pindars Angabe (frg. 104 bei Schol. Theokrit. II 10), daß von den Liebenden die Jünglinge H., die Mädchen Selene anrufen, gilt H. als Zeuge des Liebesschwurs.

Makellos, rein von Schuld, ist der Gott des reinen Sonnenlichts (καθαρὸς ἐναγέος ἠελίοιο λαμπάδας Parmenid. frg. 10, Diels Vorsokrat.²1122), ein ἀγνὸς Φεός (Pind. Ol. VII 60), ἀμίαντος (Orph. hymn. VIII 13). Unrecht ist es, Schuld und Fluch 10 vor ihm zu offenbaren (Soph. Oid. Tyr. 1426. Eurip. Orest. 822), der Schuldbeladene sollte es nicht wagen, Sonne und Erde noch länger zu schauen (Eurip. Med. 1327). Keine alte Sage spricht von einer Schuld des Ξ. Er gehört zu den ἄειγενεεαοιν | ὄλβοδοταις καὶ ἐλευθερίοις καὶ λυοιπάνοιοιν, neben denen er in einer Inschrift von Epidauros steht (IG IV 1001). Als Gewahrer des Guten ἐπὶ τοῖς ἀγαθοῖσιν fleht man ihn an (Hippokrat. de insomn. 4 - Medici Graec. ed. 20 Kühn XXHp. 10). Alles Liebe, das Glück, die Freiheit, den Sohn nannte man im täglichen Leben Ἤλιος, und wenn bei Artemidor. II 36 in der Erklärung über das Erscheinen des H. im Traum auch Manches nur ein Spiel freier Phantasie ist, läßt sich daraus doch entnehmen, daß man die Hilfe des Ξ. anrief zu guter Tat. zum Kindersegen, zur Freiheit, zur Erforschung der Wahrheit, zur Heilung von Krankeit. Χαῖρε, aval, θρθφρων δὲ βίον ὑνμήρε δπαζέ, ruft Hom. hymn. 30 XXXI 17, als ἔργων σημάντωρ ἄγαμων preist ihn Orph. hymn. VIII 10, κεκλνθὶ καὶ μὲ κάθηρον ἀμαρτάδος αἰεν ἀπάσης, bittet Procl. hymn. I 35; denn der Gott des reinen Himm eislichtes kann mit seinen Strahlen den Menschen entsühnen, vgl. Schol. Pind. ὌΙ. VII 108: CO ἀγνίζειν τθ ἀκτῖνι δυνάμενος. Daß Η. schon früh als Gott der Wahrheit und Weisheit galt, folgt aus Pind. frg. 107, 4 und Pind. ὌΙ. VII 72, wo die sieben rhodischen Söhne des H. als besonders weise gerühmt werden 40 (vgl. Diod. V 57).

Als Heilgott ist H. insbesondere der Gott des Augenlichtes. Da die Sonne dem Menschen erst die Möglichkeit zu sehen gibt (Plat. Rep. VI 507D-509 B. Pind. frg. 107 ἄκτις Ἀελίου - μοτέρ ὀαμάτων u. a.), ist H. der Gott, per quem videt omnia tellus (Ovid. met. IV 227). Man glaubte, daß der Blick in die Sonne die Sehkraft schärfe, und erzählte vom Seeadler, er lasse seine Jungen sofort in die Sonne blicken und töte sie, wenn 50 sie es nicht aushalten könnten (Aristot. hist. anim. IX 34 u. a., vgl. Apostol, XII 32: Ο ἤλιος τὸν οὐκ ἀετιδέα ἐλεγχεί). Η. heilt die Blindheit (Eurip. Hekab. 1068. Artemidor. II 36), wie er auch in der seit Hesiod. frg. 182 Rzach² (Ps.-Eratosth. Katast. 32) oft erwähnten Orionsage von Chios den durch Oinopion geblendeten Orion heilt. Und umgekehrt straft er auch den Schuldigen mit Blindheit, wie z. B. den Phineus (Hesiod. frg. 52 bei Schol. Apoll. Rhod. II 181 u. a.). Dieselbe 60 Vorstellung, daß Blindheit eine von H. verhängte Strafe ist, findet sich bei Soph. Oid. Kol. 868, und sie liegt auch der Sage von Apollonia zugrunde, daß Euenios, der Wächter der H.-Binder, wegen Vernachlässigung seiner Pflicht geblendet worden sei (Herodot. IX 98).

Über das Verhältnis der Sonne zu anderen Himm elserscheinungen hat man sichim Altertum mannigfache Gedanken gemacht, die sich wie- [61] derspiegeln in später zu. besprechenden Sagen und gemeinsamen Kulten des H. und der Mondgöttin. Daß dabei H. gegenüber den anderen Himmels-ersclieinungen durchweg als der Hauptgott auftritt, entspricht der Bedeutung der Sonne; μόνος ἄλως sv οὐρανφ (Simonid. frg. 77). An Orten mit altem, überragendem H.-Kult war H. dereinst zugleich der Gott der Stürme, Gewitter und übrigen Himmelskräfte. So galt er z. B. in Korinth, wo er der alte Hauptgott war, einstmals auch als Gewittergott; denn der Korinther Eumelos nennt unter den Rossen des H.-Wagens Bronte und Sterope (Hyg. fab. 183), wie Schol. Eurip. Phoen. 3 Bronte und Astrape. In der Phineus-Sage erscheint H. als der Gott, der die Harpyien schickt, die im Rahmen dieser Sage nicht mehr als Tödesdämonen, sondern nur noch als Stunndämonen aufgefaßt zu sein scheinen. Geläufiger war freilich der Glaube, daß jede Naturerscheinung auf einen Sondergott zurückgehe. Dann blieb H. anf die Sonne beschränkt, und die Wetterdämonen sind seine Feinde. Der Rest einer alten Vorstellung, daß Wetterdämonen in Sturm und Walken den H. bedrängen, und daß man sie durch Lärm verscheuchen kann, lebte fort in dem Kinderspiel, bei schlechtem Wetter unter Händeklatschen zu singen, ἔξεχ' ω φίλ' Ἤλιε (Poll. IX 123 n. a., vgl. Bergk PLG ἼΠ* 663 frg. 22A); vgl. Nonn. Dionys. XXXVIII 86: Ἠέλιος ζοφόεσσαν ἀπηκόντιζεν ὀμίχλην.

Im Leben der Natur ist die Sonne nicht nur ὁ τὰς τε ὤρας παρέχων καὶ ἐνιαυτοὺς καὶ πάντα ἐπιτροπεύων τὰ ἐν τῷ δρωμένω τόπῳ (Plat. Rep. VII 516 B), sie bringt auch für alles τὴν γένεαιν καὶ αὐξην καὶ τροφήν (Plat. Rep. VI 509 B). Deshalb heißt es von H. bei Hypereid. epitaph. 5 Blass (der Sinn steht fest, die Einzelheiten des Textes nicht): ὁ ἤλιος πάσαν τὴν οἰκουμένην ἐπέρχεται, τὰς μὲν ὤρας διακρίνων εἰς τὸ πρέπον καὶ καλώς πάντα καθιστάς, τοῖς δὲ σώφροσι καὶ ἐπιεικέσι τῶν ἀνθρώπων ἐπιμελούμενος καὶ γενέσεως τῆς τροφῆς καὶ καρπῶν καὶ τῶν ἄλλων ἀπάντων τῶν εἰς τὸν βίον χρησίμων. Ähnlich feiern die Dichter den H., vgl. Aischyl. Agam. 611: Τον τρεφόντος Ἤλιον χθονος φύσιν. Soph. Oid. Tyr. 1425: τὴν γοῦν πάντα βόσκουσαν φλόγα αἰδεῖσθ' ἄνακτος Ἤλιον. Erg, Trag. Gr. adesp. 452 bei Schol. Hom. Od. XVIII 367: δς διὰ γης (oder δὶ αὐγῆς) πάντα βλαστάνει βρότοις φθίνει τε. Η. führt die Bei wo rte Phytios. (Hesych.) und Pan-gonos (IG IV 1297 aus Epidauros). Er heißt ßioδώτωρ (Anth. Pal. XIV 72, 11), φερέσβιος (Orph. lith. 301; hymn. VIII 12), κάρπιμος, αἰθαλῆς (Orph. hymn. VIII 12f.), γονόεις und ζείδωρος, φυτηκόμος, κοίρανος καρπῶν (Nonn. Dionys. XII 2 bezw. 23).

Dem H. eine Sonderstellung gegenüber den anderen Göttern einzuräumen, lag aus zwei Gründen nahe. Erstens konnte man sich das Leben der olympischen Götter nicht denken ohne die Sonne. H. bringt das Licht nicht nur den Sterblichen, sondern auch den Göttern (Hom. Od. XII 385; hymn. XXXI 8), er ist θεῶν σκοπὸς ἠδὲ καὶ ἄνδρων (Hom. hymn. V 62). Er gehört nicht zu den θεοὶ 'Ὀλύμπιοι, sondern zu den θεοὶ οὐράνιοι (Artemidor. II 34). Zeus opfert bei Diod. V 71 vor dem Gigantenkampf der Sonne, dem Himmel und der Erde. Zweitens aber ließ eich kein Gott so leicht als Schöpfer alles Ge- [62] wordenen erfassen, wie H., dessen schöpferische Kraft in der Natur jeder anerkannte. Seit den ältesten Zeiten der griechischen Philosophie stellt man sich vor, daß der Strahl der Sonne, der die feuchte Erde traf, die ersten lebenden Wesen erschuf, oder man ließ das Feuerelement der Sonne auf andere Weise schöpferisch wirken. Mytho-graphen setzen als Elternpaar H. und Ge statt Uranos und Ge an den Anfang aller Dinge. Sie 10 sind nicht nur die Eltern des Bisaltes (Steph.

Byz. s. Βιοαλτία), sondern vor allem die Eltern jener Tritopatreis (IG II 1062; vgl. Lobeck Aglaoph. 754. Rohde Psyche 226f. Hiller v. Gaertringen o. Bd. I S. 1720 Art. Amal-keides), die man in Athen als γενέσεως ἀρχηγούς um Kindersegen anflehte (wie anderswo den H., Artemidor. II 36), und damit sind sie zugleich die eigentlichen γονείς der Menschen; vgl. Suid. s. Τριτοπάτορες. Etym. M. Hesych. Phot. (Philo-20 chor. nannte nach Etym. M. als Eltern H. und Selene, was Roscher Selene 8 für das Richtige hält, allein nach Suidas nannte er H. und Ge). Schon bei Aischyl. Choeph. 981 heißt Η. πατήρ, aber deutlich bezeichnet ihn erst Sophokles als den ersten Gott, vgl. Soph. Oid. Tyr, 660: τὸν. πάντων θεων θεὸν πρόμον°Αλιον ; Soph. frg. 1017: *Ήλι οἰκτίροις ἐμέ, (ὅν) οἱ σοφοὶ λέγουσι γεννητὴν θεῶν (καί) πατέρα πάντων, ferner Menand. frg. inc. 132 Meineke: 'Ἤλιε, σὲ γὰρ δεὶ προσ3υ κυνεῖν πρώτον θεῶν, δὶ ὅν θεωρεῖν ἔστι τοὺς ἄλλους Wer bei der Frage nach dem großen einheitlichen δημιουργὸς τῆς διακοσμήσεως nicht Zeus, den νοῦς oder etwas sonst Unsichtbares, sondern einen »sichtbaren Gott‘ an die Spitze stellte, fand in H. den allmächtigen Lenker des Weltalls, wie z. B. Kleanthes (Diog. Laert. VII 139. Cic. academ. prior. II 126). Ihn feiern Orph. hymn. VIII llff. und Hymn. mag. 4, 24 bei Abel Orphica p. 292 als κοσμοκράτωρ, δεσπότης κόσμον, κόσμον πατὴρ αὐτογένεθλος. Wie man in vorderasiatischen Kulten den Sonnengott als τὸν τὰ ὄλα συνέχοντα καὶ διακρατονντὰ θεὸν καὶ ἀεὶ περιπολεύοντα τὸν κόσμον (Phylarch. bei Athen. XV 693f.) feierte, so gilt auch in Pergamon eine Inschrift Ἠλίω θεφ νψίστῳ (Inschr. v. Perg. 330). H. "wurde der παγγενετωρ (Orph. frg. 235, 4), der Allgott, mit dem alle übrigen Götter identifiziert werden, vgl. Macrob. Sat. I 23, 21: Ἤλιε παντοκράτορ, κόσμον πυεύμα, κόσμον δνναμις, κόσμον 5θφώς, Dieterich Abraxas 54ff.

Mannigfache Gegenströmungen haben frei- ] lieh der Verehrung des H. in der alten griechischen · Religion hemmend entgegen wirkt. Für ihn, der i so eng mit der Sonne zusammenhängt, war unter । den Göttern des Olymps kein Platz. Nur ganz vereinzelt findet sich bei Hom. Od. XII 374ff.; die Vorstellung, daß er im Rat der übrigen Götter sitzt. Sonst blieb er an die Sonne gebunden, und damit begannen die Schwierigkeiten, und 60 zwar gerade für das Empfinden der alten Zeit, die für die griechische Volksreligion entscheidend war. Der Gott, der regelmäßig alle Tage am Himmel wandelte, ließ sich mit keiner irdischen Kultstätte in jene enge Verbindung bringen, die der griechische Kult voraussetzte. Er konnte die Himmelsbahn nicht verlassen, konnte nicht in seinem irdischen Heiligtum wohnen, konnte zu den Festen nicht selbst im Tempel erscheinen. [63] nicht persönlich in der Schlacht Beistand leisten usw. In der Orionsage geht der blinde Orion, als er die Heilung sucht, nach Sonnenaufgang, um den Gott zu treffen. Tür den Sterblichen war der persönliche Einzelvérkehr mit H. nicht möglich; das Bild, das man ihm setzte, war nur ein Abbild des fernen Gottes, nicht der persönlich anwesende Gott selbst. Aus der ganzen Richtung der alten griechischen Religion erklärt es sich, weshalb man den Ξ.Kult zurücktreten ließ und vom Sonnengott freiwirkende Götter und Heroen ablöste, deren Namen zum Teil noch an den Sonnengott erinnern (z. B. Augeias, Epopeus, Leukippos, Perseus, Taios u. a.), deren Wesen aber nicht mehr als fernweilender, an die Sonne gebundener Gott, sondern als persönlich freier Gott oder Heros empfunden wurde. Die Dichtung stellt H. manchmal als einen Gott hin, der den Befehlen mächtigerer Gottheiten folgen muß, Hera läßt ihn wider seinen Willen zum ' Okeanos zurückkehren (Hom. Il. XVIII 239), Zeus steht über ihm und vollzieht die Strafe an den Gefährten des Odysseus erst auf die Bitte des H. (Hom. Od. XII 374ff. 415. XIX 276), Zeus verbietet ihm, beim Gigantenkampf zu scheinen (Apollod. I 35. Ähnliches bei Lukian. dial. deor. 10), Zeus wendet bei den Greueln im Hause des Atreus und Thyestes den Lauf der Sonne und Gestirne rückwärts (Eurip. El. 726ff.; Orest. 1002ff.; Iph. Taur. 816 u. a., vgl. o. Art. Atreus Bd. II S. 2141). Alles das hat seine Parallelen in dem Verhältnis anderer Götter zum Götterstaat, an deren Spitze Zeus und Hera stehen. Bemerkens-: wert aber ist, daß H. zwar sonst θεός heißt (z.

B. Hom. Od. XII 261. 322 u.a.), daß er aber gerade in einem Hymnos nur als ἰπιείκελος àθaνάχΌίβιν bezeichnet wird (Hom. hymn. XXXI 7). Verhältnismäßig wenig Orte haben alte H.-Kulte rein bewahrt. Den religiösen und philosophischen Strömungen, welche die Bedeutung des H. erweiterten, standen andere gegenüber, welche die göttliche Natur der Sonne leugneten und in ihr nur den λίθος sahen wie Anaxagoras und Euripides Orest. 983f. Ehe der Sonnenkult des Orients seinen späten Siegeszug durch die hellenistisch-römische Welt antrat, galt vom griechischen H.-Kult, was Aristoph. Eirene 406ff. (nebst Schol. 406. 407. 410, auch Lukian. de saltat. 17) ausführt, daß die Barbaren H. mehr verehren, als die Griechen.

Bedeutendere Kultstätten des H. finden sich hauptsächlich im Peloponnes und auf Rhodos, zerstreute Spuren der H.-Verehrung zeigen sich überall.

In Lakonien (vgl. Sam Wide Lakon. Kulte 215f) lag am Tainaron ein Heiligtum des H. mit heiligen Schafherden (Hom. hymn. in Apoll. Pyth. 233ff.). Auf dem Taygetos war ihm der Berg Taleton, dessen Namen Wide mit Ταλώς und Ταλετίτας (Zeus Taletitas in Lakonien) in Verbindung bringt, oberhalb von Bryseai geweiht, und man opferte hier dem H. auch Pferde (Paus. III 20. 4). Eine Inschrift von Gythion gilt einem Priester der Götter Zeus Bulaios, H., Selene, As-klepios, Hygia (CIG 1392). In dem Inoheiligtum zwischen Thalamai und Oitylos, das identisch ist mit dem mehrfach erwähnten Orakelheiligtum der Pasiphae (Wide a. a. O. 246ff), standen Erzstatuen des H. und der Pasiphae (Paus. III 26, [64] 1).. Auch das ἴππον μνήμα (Paus. III 20, 9) mit den angeblichen Planetenbildersäulen gehört vielleicht zum H.-Kulte.

In Korinth wurde H. als Hauptgott auf der Burg verehrt. Die ganze Stadt hieß Ξλίον πόλις (Steph. Byz. s. Κόρινθος und Ἠλιούπολις) uni der Burg Akrokorinth hatte wohl Η. ὁ παντ’ ἔποπτενων (Aischyl. Choeph. 982) den Namen Epope (Steph. Byz. s. Ἐπώπη und Κόρινθος) gegeben. 10 Die Legende begründet das Nebeneinanderbestehen verschiedener Hauptkulte hier wie anderswo mit einem Götterstreite: II. und Poseidon hätten einst um den Besitz von Korinth gestritten, Briareos habe als Schiedsrichter dem H. die Burg, dem Poseidon den Isthmes zuerkannt (Paus. II 1, 6. Lukian. de saltat. 42); H. aber habe seinerseits wieder Aphrodite ihren Platz auf der Burg überlassen (Paus. II 4, 6). Nach anderer Version endete der Streit zwischen H. und Poseidon mitdem gemeinsamen Besitz von Korinth und beide Götter stiften gemeinsam die isthmischen Spiele (Ps.-Dio Chrysost. XXXVII p. 45 7f.). In Korinth standen Altäre des H. am Aufgang zur Burg (Paus. II 4, 6), im Aphroditeheiligtum auf Akrokorinth befanden sich Statuen der bewaffneten Aphrodite, des H. und des Eros mit dem Bogen (Paus. II 5, 1), die Propyläen nach Lechaion trugen zwei vergoldete Wagen, den einen mit H., den andern mit Phaethon (Paus. II 3, 2), auf dem Isthmosgab es einen Tempel des H. (IG IV 203). Münzen von Korinth zeigen den Kopf des Gottes, den Gott auf seinem Viergespann, oder H. im langen Gewand des Wagenlenkers, Head BN² 402ff. Imhoof-Gardner Journ. hell. Stud. VI 63. 71 Taf. F 97–102. Hitzig-Blümner Pausanias I Taf. XVI 9–10. Welche hohe Bedeutung II. einst im korinthischen Kulte hatte, geht am besten daraus hervor, daß neben ihm selbst für den ,Donnerer¹ Zeus kein Platz war. H. fuhr nachdem Korinther Eumelos bei Hyg. fab. 183 auf einem Viergespann, dessen Bosse Eoos, Aithops, Bronte und Sterope die Macht des Gottes kennzeichnen, den Wechsel aller Himmelserscheinungen, das Reifen der Früchte, Donner und Blitz zu bringen. H. galt als Archegetes der ganzen Stadt. Von ihm und Antiope stammen Aloeus und Aietes, zwischen denen der Gott das Land verteilte und die dann ihrerseits die Väter der korinthischen Medeia und aller korinthischen Heroen wurden, 50 so daß z. B. auch Korinthos selbst ein direkter Nachkomme des H. war. Daß dieser durch Eumelos frg. 2–4 Kinkel überlieferten Landesgeschichte zum Teil einfachere Vorstellungen zugrunde liegen, nach denen Medeia, Korinthos u. a. direkte Kinder des H. waren, ist wahrscheinlich.

Sikyon teilte den H.-Kult und die Landesgeschichte mit Korinth. Die Gemahlin des H., Antiope (s. o. Bd. I S. 2495), ihr Sohn Aloeus und dessen Sohn Epopeus (s. o. Bd. VI S. 245) 60 gehören speziell der sikyonischen Sage an. Das benachbarte Titane führte seinen Namen wohl auf Ξ. Titan (s. u.) zurück, nach Paus. II 11, 5 auf einen Bruder des H. namens Titan, und leitete alte Kultbräuche von Medeia her ÇPaus. II 12, 1). Die Angabe des Paus. II 11, 1, daß hinter dem Heraion von Sikyon Altäre für Pan und H. stan den, bietet nur einen schwachen Nachglanz des einstigen sikyonischen H.-Kultes. [65] ‘• In Argolis stand vor den Toren von Argos am Inachos ein Altar des H. (Paus. II 18, 3). Aus Troizen ist ein Altar des H. Eleutherios bekannt (Paus. II 31, 5) sowie das Opfer eines gewissen Euthymidas für Herakles-H. (IG IV 760). Hermione hatte einen Tempel des H. (Paus. II 34, 10); auch stand ein Altar des H. beim Heiligtum der Meter (IG IV 700). Aus Epidauros stammen Altäre mit der Widmung für Zeus, H. und alle ὀλβοόόται, ἐλευθέριοι und λυσίπονοι θεοί (IG IV 1001. 1002), ferner eine Widmung an H. Pan-gonos (IG IV 1297); dagegen beruht die Annahme eines gemeinsamen Kultes des H. und der Dioskuren (Wide a. a, O. 192) auf falscher Ergänzung der Inschrift IG IV 1279. Im Grenzgebiet von Epidauros und Korinth war ein Berggipfel w cAlisTov (IG IV 926, 12) vermutlich dem H. geweiht.

Für Arkadien, wo Pan und Selene statt Ξ. und Selene verehrt wurden, sind die Zeugnisse für H.-Kult geringfügig; vgl. Immerwahr Kulte Arkadiens 207. In Mantineia hieß der Platz, an dem das Grab des Arkas lag, Ἠλίου βωμοί (Paus. VIII 9, 4). In Megalopolis stand nach Paus. VIII 31, 7 neben den Hermen anderer Götter eine Herme des H. mit den Epikleseis Soter und Herakles. Den Kopf des Ξ. zeigen Münzen von Kleitor (Head HN² 447) und Thelpusa (Head 456).

In Elis weist die Augeiassage auf alten H.-Kult. Augeias, der Sohn des H., führt ja seinen Namen von den ἀνγαὶ ἠελίοιο, die Homer so oft rühmt, Seine Herden sind ein Geschenk des H., der nach Theokrit. XXV 118ff. so reichlich für sie sorgt und selbst in ihrer Mitte noch 12 weiße, ihm heilige Binder hat, darunter den prächtigen Phaethon. Auf dem Marktplatz von Elis standen Marmorstatuen der Selene und des H., dessen Haupt Strahlen umgaben (Paus. VI 24, 6). In Olympia gab es einen gemeinsamen Altar des H. und Kronos, die dort einst gemeinsame Besitzrechte ausgeübt haben wollten, Etym. M. s. *Ηλις p. 426, 17ff., wo als Beweis für den alten H.-Kult von Elis schon richtig auf die Augeiassage verwiesen, daneben aber auch der Name Elis von H. abgeleitet wird.

In Athen findet sich H. als Schwurgott (IG II 333 und II 1 add. 66 b), und als Förderer des Pflanzenwuchses, dessen man bei Agrarfesten gedachte. An der Prozession der Skira nahm der Priester des H. neben der Priesterin der Athena und dem Priester des Poseidon (Erechtheus) teil; Harpokr. Suid. Phot. s. Σκίρον, vgl. A. Mommsen Feste d. Stadt Athen 505ff. Gruppe Griech. Myth. 38, 13. An den Apollonfesten Pyanopsia und Thargelia galten nach Schob Aristoph. Plut. 1054. Schol. Aristoph. Equit. 729. Porphyr. de abstinent. 2, 7 (vgl. Philochor, frg, 171 bei Athen. XIV 656 a) Opfer und Eiresioneprozession dem H. und den Horen, vgl. A. Mommsen a. a. O. 279. 480f. Gruppe a. a. O. 1064 o. Die attischen H.-Opfer gehörten zu den νηφάλια Ἰερά (Po-lemon frg. 42 bei SchoL Soph. Oid. Kok 100), wie auch die Opferordnung aus dem Heiligtum des Asklepios Munichios (Judeich Topogr. v. Athen 388) für H. Opfer von Kuchen und Honig angibt (IG II 1651 = Dittenberger Sylt.² 631, 20). Aus attischen Inschriften sind ferner be-

Panly-Wlssowa-Kron VIII [66] kannt eine Priesterin des H, (Sesselinschrift IG III 313), ein kleiner H.-AIiar H G III 202), Weihungen an H. (IG III 126) und an H. und Zens Meilichios (IG II 1585). Roscher Selene 8. 77 folgert ausProkl. zu Hesiod. ἔργ. 780, daß auch das attische Theogamiafest, das nach anderen Zeu-nissen dem Ἰερὸς γάμος von Zeùs und Hera galt (vgl. A. Mommsen a. a. O. 383), als Hochzeitsfest von H. und Selene aufgefaßt sei, und ver-10 weist u. a. auch auf die Darstellung von H. und Selene durch eleusinische Würdenträger bei der Mysterienfeier von Eleusis (Euseb. praep. ev. III 12, 3). Die attischen Tritopatreis galten, wie oben erwähnt, für Kinder von Uranos und Ge oder von H. und Ge.

Apollonia im südlichen Hlyrien hatte seinen H.-Kult wohl durch die korintlnsch-korkyräischen Ansiedler erhalten. Nach Herodot. IX 9 ST. war es ein jährlich wechselndes Ehrenamt der ange-20sehensten Bürger, die heiligen Herden des H. nachts in ihrer Höhle vor der Stadt zu bewachen. Als einst Euenios bei der Bewachung eingeschlafen und gegen 60 Stück aus der heiligen Herde von Wölfen zerrissen waren, wurde er vor Gericht gezogen und zur Strafe geblendet. Da trat bei Vieh und Land Unfruchtbarkeit ein, bis ein Orakel gebot, den Geblendeten reich zu beschenken, worauf Euenios selbst und nach ihm sein Sohn Deiphonos als Seher wirkten. Vgl. 30 Konon 30, wo der Name Peithenios statt Euenios lautet. Gruppe Griech, Myth. 67 vermutet, daß H. selbst als Lenker der Sonnenrosse einst den Beinamen Euenios geführt hat; vgl. die Tochter des H.-Sohnes Aietes, Euenia (o. Bd. VI S. 972) und χρυσήνιος Τιτάν bei Prokl. hymn. 11.

Auf Kreta ist der Sonnengott einst in Stiergestalt verehrt worden, vgl. Bekker Anecd. Gr, 344, 10: Ἄδιοννιος ταῦροςὁ Ἤλιος νπδ τῶν Κρητων ὄντως λέγεται, φασὶ γὰρ τὴν πόλιν μετοιχίζοντα ταύρω προςεικαοῦέντα προηγεῖσθαι. Auch der kretische Sonnengott Taios (Hesych. Ταλώς’ ὁ ἤλιος) trug dieselbe Gestalt, vgl. Apollod. I 140: οἱ δὲ τανρον ἄντον λέγουοιν. Und ebenso führt die Sage von der H.-Tochter Pasiphae, die sich in einen Stier verliebt, zurück auf eine alte Vorstellung, daß der Sonnengott in Stiergestalt mit der Mondgöttin in Kuhgestalt den ἱερός γάμος feiert, vgl. Roscher Selene 77. Türk bei Roscher Myth. Lex. III 1667. Vom H.-Kult auf 50 Kreta seien noch erwähnt die Rinderherden des H. bei Gortyn (Verg. Ecl. VI 60 nebst Servius), H. neben anderen Gottheiten im Schwur von Dreros (Dittenberger Syll.² 463, 28).

Rhodos war bekanntlich der festeste Stützpunkt des H.-Kult s und schuf eine Reihe von eigenen H.-Sagen. Wie Pind. ὌΙ. VII zeigt, galt H, als Besitzer der ganzen Insel. Sein Hauptheiligtum stand wohl von altersher dort, wo im J. 408 die Stadt Rhodos gegründet wurde; vgl. 60Dittenberger De sacris Rhodiorum, Ind. schob Halle 1886, 4. Näheres über den Kult wissen wir erst aus der Zeit nach Gründung dieser Stadt. Aus ihr stammen auch die meisten der in IG XII 1 enthaltenen rhodischen H.-In-schriften. Nr. 2, 7 erwähnt das τέμενος τοῦ Ἄλ'ιον, das nach Eustath. Hom. Od. 1562, 57 Ἄλειον genannt wurde. Der Priester war, wie die Inschriften lehren, nicht lebenslänglich (nr. [67] 63. 874: Ἰερατεύσας 21λφ), er wurde jährlich nebst einem Ersatzmann ausgelost (nr. 833: btiλαχῶν Ἰερεῦς Ἀλίον); aus nr. 65 geht hervor, daß in einer Familie zwei Brüder und ihr Vater Priester gewesen. Da das Jahr nach dem Priester bezeichnet wurde, sind zahlreiche Namen von H.-Priestern bekannt, sowohl aus rhodischen Inschriften, wie aus den Inschriften benachbarter Inseln, welche die rhodische Jahreszählung anerkannten (vgl. die Indices zu den verschiedenen Sonderheften von IG XII), Das Hauptfest waren die.Ä (IG XII 1, 57, 8. 72 a 2, 73 a 3. b3. 74. 75 b 2. 935. 1039. Athen. XIII 562 e. Aristid. I p. 808 Dindorf) oder äl«a (IG XII 1, 12. 58, 19. XII 3, 7). Dieses Fest verdunkelte den Ruhm der von Pind. Ol. VII 80 erwähnten Tia-polemeia, deren Existenz Schol. Pind. ὌΙ. VII 146. 147 jedoch mit Unrecht leugnet; vgl. D i t-tenberger Syll.² 679. Nilsson Griech. Feste 462. Es wurde alle vier Jahre im Schaltmonate, dem zweiten Panamos, gefeiert und heißt deshalb auch IG XII 1, 730 Z. 8. 12. 16. 20. 24. 28 = Dittenberger Syll. 609 Διnaraλiia Ἀλιεία (s. o. Dipanamia Bd. V S. 1151) oder 'Ἀλιεία τὰ μεγάλα im Gegensatz zu τὰ ὁ μικρά (D it te n ber ger 679 = Bull. hell. XVIII 27), die in den übrigen Jahren in kleinerem Umfange gefeiert wurden. Bei den großen Ἀλιεία fanden Agone aller Art statt vom Knabenringkampf und anderen gymnischen Spielen (vgl. außer den Inschriften auch Istros bei Schol. Pind. ὌΙ. VII 146) bis zum Wagenrennen, auch musische Agone, bei denen z. B. der Kitharöde Nikokles von Tarent (Paus. I 37, 2) siegte (IG II 1367). Opfer und Prozession fehlten selbstverständlich nicht (Xenoph. Ephes. V 11), ebensowenig auswärtige Festgesandtschaften (Appian. Makedon. 11, 4). Festus s. October equus berichtet auch, daß jährlich eine Quadriga dem Gotte geweiht und ins Meer versenkt worden sei: Rhodii, qui quo-tannis quadrigas Soli eonsecratasinmareiaciuni, quod in tali curriculo circumveki fertur mundus; vgl. Nilsson Griech. Feste 427f. Gruppe a. a. O. 265. Vom H.-Kult der Stadt Rhodos geben ferner Zeugnis der Kultverein der Ἀλιαοταὶ καὶ Ἀλιαδαί (IG XII 1, 155. 156. 162), Weihgeschenke IG XII 1, 23, das Werk des Lysippos :H.auf der Quadriga (Plin. XXXIV 63), das als Koloß von Rhodos bekannte Erzbild des H. von Chares (s. o. Bd. III S. 2130) und die rhodischen Münzen, die den Kopf des Gottes bald mit wallenden Locken, bald mit dem Strahlenkranz zeigen (Head HN² 637f. Fig. 308f.) Die Insel Rhodos wird als die .heilige Insel des H.) die Stadt Rhodos als die ,heilige Stadt des H.‘, der Gott als ἀρχηγός oder ἀρχηγέτης der Rhodier bezeichnet (Diod. V 56. Aristid. I p. 840 Dindorf, Konon 47. Anth. Pal. IX 287. Ovid. met. Vil 365: Phoebea Rhodos. Luk. amor. 7: ἨλιάςῬόδος. Macrob. Sat. I 17, 35); selbst in Rom genügt ein Ausdruck wie ,Stadt des H.* (IG XIV 1934 e), um damit Rhodos zu kennzeichnen. Daß auf der Insel auch andere Orte als die Stadt Rhodos den H. ehrten, zeigen Inschriften von Loryma (IG XII 1. 928) und Netteia (IG XII 1, 892). - Der Bedeutet« des Kultes entsprechen die rhodischen H.-8agen. Bei der Teilung der Erde war H. ab- [68] wesend und hatte deshalb kein Land erhalten; als Zeus darauf aufmerksam gemacht, eine neue Teilung vornehmen will, verlangt H. nur die damals noch im Meer verborgen liegende Insel Rhodos; seine Bitte wird erfüllt, die Insel taucht auf, H. wird ihr Besitzer. So erzählt Pind. Ol. VII 54fL, wie Schol. zu v, 100 bemerkt, als erster (πρὸ Πινδάρου δὲ τούτο ὄνχ ἰστόρητο), nach Pindar dann Aristid. I p. 807. 840. Schol. 10 Lukian. Icaromen. 12. Auf seiner Insel liebte

H. nach Pind. ὌΙ. VII 14. 715. Rhodos, die Tochter der Aphrodite, und diesem Liebesbund entsprossen sieben sehr weise Sohne, von denen der eine der Vater von lalysos, Kameiros und Lindos wurde. Von diesem Liebesbund ist nachmals oft die Rede, doch schwanken die Angaben über die Eltern der Rhodos. Da der Ausdruck Pindais θαῖδ' Ἀφροδίτας, Ἀελιοιὸ τε νύμφαν, Ῥόδον zum Teil falsch verstanden wurde als παῖδ* Αφροδίτας 'Ἀελιοιὸ τε, - ννμφαν Ῥόδον und da außerdem zum Teil Ἀμφιτρίτας statt Ἀφροδίτας gelesen wurde, galten als Eltern der Rhodos nach Schol. Pind. Ol. VII 24. 25 bald fälschlich Aphrodite und H. oder Amphitrite und H. (so Asklepiades), bald Aphrodite und Poseidon (so Herophilos) oder Amphitrite und Poseidon. Nach Epimenides bei Schol. Pind. a. a. O. war sie eine Tochter des Okeanos (vgl. Rhodeia bei Hesiod. Theog. 351), nach Diod. V 55 dagegen 30 eine Tochter des Poseidon und der Halia. Statt der Rhodos, die auf Rhodos nach Inschriften und Münzen ihren Kult neben H. hatte und die auch Ovid. met. IV 204 als Geliebte des H. nennt, heißt die rhodische Eponyme fälschlich Rhode bei Steph. Byz. s. Ἤλιουπολις, Tzetz. Lykophr. 923, in Verwechslung mit jener Rhode, die in der Phaethon-Sage von Tragikern als Geliebte des H. und Mutter des Phaethon genannt wurde und die nach Schol. Hom. Od. XVII 208 40 eine Tochter des Asopos, nach Apollod. I 28, der wohl nicht die rhodische Eponyme meint, eine Tochter des Poseidon und der Amphitrite war. Nach Schol. Pind. ὌΙ. VII 24 wurde auch von dem rhodischen Liebesbund nach dem bekannten Schema erzählt, H. habe die Nymphe Rhodos erblickt und lieb gewonnen, dann entführt und gefreit. Die sieben Söhne, welche nach Pindar dem Liebesbund entsprossen, hießen nach Hellanik. frg. 107 bei Schol. Pind. Ol. VII 135 50 Ochimos, Kerkaphos, Aktis, Makareus (oder

Makar), Kandalos, Triopes und Tenages (= Phaethon). Diese sieben Heliadennamen kehren wieder bei Diod. V 56 nach Zenon, und mit Variationen bei Schol. Pind. Ol. VII 131. 132 (zum Teil werden Tenages und Phaethon getrennt, zum Teil ein Chrysippos hinzugefügt und dafür dann Kerkaphos oder Ochimos ausgelassen). Dazu tritt bei Diod. V 56 als Tochter Elektryone, die ,als Jungfrau starb und als Heroine ver-60 ehrt wurde*, d. i. die aus der rhodischen Inschrift

IG XII 1, 677 bekannte Alektrona, deren Name auf den Vater Η. ἠλέκτωρ hinweist (s. o. Bd. I S. 1364. Bd. V S. 2318). Über das Schicksal der sieben Söhne, deren Weisheit Pind. Ol. VII 72 rühmt und Zenon bei Diod. V 57 speziell auf astronomische und nautische Kenntnisse deutet, erzählt Diodor weiter: der schöne Tenages wurde von seinen Brüdern getötet, die deshalb [69] verbannt wurden; nur die am Morde nicht beteiligten Brüder Ochimos und Kerkaphos blieben auf Rhodos; der ältere Ochimos hatte die Königswürde, war mit Hegetoria vermählt und hatte eine Tochter Kydippe - Kyrbia (die Namen Ochimos und Kydippe weisen zurück auf den Wagenlenker H.); diese Kydippe heiratete ihren Oheim Kerkaphos, der nach dem Tod des Ochimos König wurde, und ihrer Ehe entsprossen Lindos, lalysos und Kameiros (vgl. Pind. Ol. VII 73. Hellanik. frg. 107. Strab. XIV 654. Steph. Byz. s. Λίνδος und Κάμιρος. Plut. quaest. Oraec. 27. Schol. Pind. Ol. VII 34. Eustath. Hom. Il. 315, 29: Λυσίππη statt Κυδίππη). Von den verbannten Brüdern aber gehen nach Diodor Kandalos nach Kos, Aktis nach Ägypten, wo er die Stadt Heliupolis gründete (Steph. Byz. s. Ἠλιούπολις) und die Ägypter Astrologie lehrte, Triopas nach Karien, wo das Triopion nach ihm benannt wird, Makar nach Lesbos (nach lesbischer Sage hatte umgekehrt der lesbische Makar den Leukippos nach Rhodos gesandt, Diod. V 81). Von dem Heliaden Chri-sippos (Schol. Pind. Ol. VII 131) aber wurde wohl erzählt, er sei nach Kilikien geflohen und habe dort Chrysippa (Steph. Byz. s. Χρυσωπά) gegründet. So suchte die rhodische Sage den Einfluß von Rhodos auf benachbarte Inseln und Länder aus mythischer Vorgeschichte zu begründen. Eine andere Gruppe von Söhnen des H, ist nur aus Nonn. Dionys. XIV 440. bekannt, Thrinax, Makareus und Auges: sie hatten einst von Rhodos die Telehinen vertrieben, die aus Rache die Insel mit dem Wasser der Styx netzten und unfruchtbar machten; vgl. Lobeck Aglaoph. 1191. Tümpel Jahrb. f. Philol. CXLII! 165ff. und o. Art. Auges Bd. II S. 2311 halt diese Sage für peloponnesisch (Auges ä Augeias, Makareus = Eponymos von Makareai, Thrinax = Eponymos von Thrinakia = Pelo-ponnesos), Vgl. dagegen Gruppe Griech. Myth. 639. Nach weiteren rhodischen Sagen hat H. seiner Insel nach der großen Flut beigestanden (Diod. V 56). Er hat den rhodischen Athena-kult veranlaßt Pind. Ol. VII 34ff. nebst Schol. zu v. 65. 71. 86. Diod. V 56; vgl. o. Art. Athena Bd. II S. 1979, 54ff.). Auch hieß er nach eine rhodischen Sage Sohn der Akantho (s. o. Bd. I S. 1147).

Zerstreute Zeugnisse der H.-Verehrung finden sich noch an manchen anderen Orten. Die Schwurformeln von Eresos, Smyrna, Phaselis, Pergamon und dem taurischen Chersoneses, sowie die Freilassungsurkunden von Thermon in Aitolien, Pan-tikapaion und Gorgippia sind schon oben erwähnt. Ferner seien noch ohne Anspruch auf Vollständigkeit genannt: Krannon in Thessalien: Weihung IG IX 2, 464; Kos: Altar für H. und θεοὶ σύνβωμοι Paton-Hicks Inscr. of Cos 64; Knidos: Priester τοῦ μεγίστου καὶ ἐνφανεστάτου Φεον 'Ἤλιον CIG 2653; Thera: Felsinschrift Ἄλιο IG XII 3, 407; Arkesine auf Amorgos: Felsinschrift Ζευς Ἤλ[ω]ς IG XII 7, 87, doch vgl. Hiller v. Gärtringen Inschr. v. Priene 364; Thasos: Priester des III. IG XII 8, 354, 3; Pergamon :Altar für H. im Demeterheiligtum Athen. Mitt. XXXV 453, Weihung *ΗΗφ Φεφ νψίστῳ Fränkel Inschr. v. Pergamon 330vgl. 187, und neben anderen fremden [70] Gottheiten das Bild des kleinasiatischen Ἤλιος ἔῳ ἴππψ xai ἰκέτης παρὰ τῷ ἴππῳ Fränkel a. a. O. 336 = Dittenberger Sylt² 754; Trysa in Lykien: Zeus Eleutherios und H. Petersen und v. Luschan Reisen in Lykien 12; Mopsuestia in Kilikien: Weihung Ἠλίῳ καὶ τῷ δήμῳ CIG add. 4443b; Kypros: gemeinsame Altäre für Zeus und H. Iulian. or. IV 135D. 143D; Alexandreia: Tore des H. und der Selene Achill Tat. V I, s. o. Bd. I 10S. 1384, 34; Constantinopel: Tempel des H. auf der Burg, noch von Constantin mit dem Vorrecht der Abgabenfreiheit ausgestattet, Malal. XIII p. 324 Dindorf.

Nichtgriechische Kulte. Ob es sich um den eigentlichen griechischen H. handelt, den Griechen nach der Sitte des Mutterlandes auch im Ausland verehren, oder um ausländische Sonnengottheiten, die von Griechen H. genannt wurden, läßt sich nicht in jedem einzelnen Fall mit 20 Sicherheit entscheiden. Wohin auch Griechen kamen, überall fanden sie echte Sonnenkulte oder doch solche Kulte, die ihnen den Vergleich mit H. nahelegten. Herodot allein spricht von Sonnenkulten der Massageten (I 212. 216), Perser (I 131. VII 54), Ägypter (II 59. 73. 111), Libyer (IV 188, vgl. κρήνη Ἤλιον IV 181), Ataranten (IV 184), Äthiopen (ἠλίου τράπεζα III 17. 18. 23). Bei den nächsten Nachbarn wie z. B. den Thrakern (vgk Soph. frg. 523: Ἤλιε, τριλίπποις ®θΏθ πρέοβιστον σέλας) und bei den fernsten Völkern fand man den Sonnengott wieder. Von Mauretanien bis Indien gab es Berge, Quellen und Städte, deren Namen von Griechen als Ἤλιου ὄρος, ἄκρα, κρήνη, ὕδωρ, πόλις bezeichnet wurden. An manchen Orten, in denen die Griechen an den Kult eines fremden Gottes anknüpften, wurde der alte Name des fremden Gottes zu einem Beinamen des H., des H.-Apollon oder des Zeus-H. So findet sich in Phrygien H.-Apollon Lairbenos 40(Journ. hell. Stud. IV 383. X 220; vgl. Roscher Myth. Lex. II 1802ff.), in Smyrna H.-Apollon Kisauloddenos (Dittenberger Sylt* 583; Apollon Kisalaudenos: Athen. Mitt. XIV 96), in Thya-teîra H.-Pythios Apollon Tyrimnaios (CIG 3500. Bull. hell. XI 102), in der Trachonitis Zeus ἀνίκητος H. Aumou (Le Bas III 2392–2395. 2441. 2455ff. CIG 4590. 4604; vgl. o. Bd. II S. 2423 Art. Au mos). Auf Delos war von Hierapolitanern der Kult des Adad und der Atar-50 gatis eingeführt worden; man identifizierte die fremden Gottheiten mit Zeus (Ζευς Ἄδαδος) und Aphrodite, gelegentlich aber auch mit H.; so spricht die delische Inschrift Bull. hell. VI 501 nr. 24 von H, und Ἀγνὰ (vgl. Macrob. Sat. I 23, 17ff. und Iuppiter Heliopolitanus). Von allgemeiner Bedeutung für den Kult der römischen Zeit wurde die Gleichsetzung des Sarapis mit H. als Ἤλιος Σάραπις (z. B. CIG 5120), Ἠλιοοέραπις (IG XIV 2405, 48), Ἤλιος Ζευς Σέραπις 60 (CIG 2716), zumeist in der Form Ζευς Ἤλιος μέγας Σάραπις in zahlreichen Inschriften aus Alexandreia und Ägypten, aus Rom und ganz Italien, von griechischen Inseln und anderen Gegenden (vgl. die Indices zu dG, IG XIV, CIL, IG XII 2, 114 u. a.). Ebenso wird der Sol in· inclus (Usener Rh. Mus. LX 465ff. Wissowa Rei. u. Kult. d. Römer 305ff.) in vielen griechischen. Inschriften der Kaiserzeit als Ἤλιος Μκή- [71] toc geföiH Vor allem aber verbreitete sich der Mithraskult and sammelte alle Verehrer des Sonnengottes nm den Namen Ἤλιος Μίθρας, Ἤλιος Μίθρας ἀνίκητος (s. den Art. Mithras). Römische Kaiser machten den neuen H.-Kult vielfach zu dem ihrigen. Als νέος Ἤλιος lassen sich Caligula (Dittenberger Syll.² 365, 3), Nero (Dittenberger 376, 34 = IG VII 2713) u. a. feiern; noch Constantin wollte sich als II. verehrt wissen (Preger Herm. XXXVI 457ff.), und Iulian ehrte den Η. βασιλεύς, dem seine vierte Rede gilt, als ersten aller Götter.

Kultbräuche. Auf die Höhe des Pangaion steigt Orpheus in Aischyl. Bassarides (Ps.-Eratosth. Katast. 24) hinauf, damit er dort am frühen Morgen den H. ehre. Auf Höhen, die der Strahl der Sonne in der Frühe zuerst erreicht, lagen wohl manche Heiligtümer des Gottes, wie z. B. auf dem Taleton in Lakonien, auf Akrokorinth, auf dem Halieion bei Epidauros. Bei Sonnenaufgang und -Untergang ehrt man den Gott durch προκνλίσεις und προσκυνήσεις (Plat. Leg. X 887 E) wie Sokrates bei Plat. sympos. 220D, mit dem Handkuß, nicht wie die Inder mit Tänzen (Lukian. de saltat. 17); was Macrob. Sat. 117, 49 als Erklärung des Beinamens Philesios für Apollon anführt, gilt für H. allerorten: lumen eius exoriens amabile amieissima vénérations eonsalutamus. Geopfert werden dem H. dort, wo bei seinem Heiligtum Schaf- und Rinderherden gehalten wurden wie am Tainaron (Hom. hymn. in Apoll. Pyth. 233f.), in Gortyn auf Kreta (Verg. Bue. VI 60 nebst Serv.) und in Apollonia (Herodot IX 93. Konon 30), selbstverständlich die besten Tiere dieser Herden. Ein weißes Schaf ist das Opfer bei Hom. Il. III 104, ein ἔριφος λευκὸς ἡ πυρρός in Netteia auf Rhodos: IG XII 1, 892. Bei dem Opfer für Zeus und H. bei Hom. Il. XIX 197. 254 ist das Opfertier ein Eber. Pferde, und zwar wahrscheinlich weiße Pferde (Stengel Archiv f. Religionsw. VIII 212), wurden dem H. geopfert auf dem Taleton in Lakonien (Paus. III 20, 4); vgl. Philostrat. Heroic. 309 X 2: προσήκει θὲ καὶ ἀνίσχοντι τῷ Ἠλίῳ εὐχεσθαὶ πώλον αὐτφ καταβύσαντας λευκὸν τε καὶ ἄνετον. Auf Rhodos versenkte man eine Quadriga im Meer (Festus s. Oclober equus), wie anderswo Pferde für Flußgötter oder Poseidon in Flüsse (Hom. Il. XXI 132) oder ins Meer (Paus. VIII 7, 2) geworfen wurden. Für den Gott, der auf seinem Viergespann am Himmel dahinfuhr, Pferde zu opfern, lag nahe; die gleiche Sitte bestand auch bei Persern (vgl. z. B. Xenoph. anab. IV 5, 35) und Massageten (Herodot. I 216. Strab. XI 513). Stengel a. a. O. 206, ferner Philol. 1879,182if. und Griech. Kultusaltertümer 121, der auch das arkadische Opfer von weißen Pferden (Tzetz. Lykophr. 482) für ein H.-Opfer ansieht, vermutet, daß die grichischen Pferdeopfer für H. eine Nachahmung der persischen sind. Daß der Hahn ein heiliges Tier des H. gewesen sei, da sein Krähen den Aufgang der Sonne verkündet, behauptet Paus. V 25, 9. An manchen Orten waren unblutige Opfer für H. Vorschrift. So sind die attischen Opfer νηφάλια Ἰερά (Polemon frg. 42 bei Schol. Soph. Oid. Kol. 100) und im Peiraieus sind als Opfer vorgeschrieben Kuchen und Honig (Ἠλίῳ ἄρεστηρα, κηρίον .,. νηφάλιοι τρεις βωμοί: IG II 1651 = Ditten- [72] berger Sylt® 631, 20), wie auch in Emesa dem Sonnengott Honig ohne Wein gespendet wurde (Phylarch bei Athen. XV 693 f). Bei Philos trat, vit. Apollon. I 31 verschmäht Apollonios das persische Opfer eines weißen Pferdes und vollzieht ein Weihrauchopfer, das anschaulich beschrieben wird. Ebenso verlangt Orph. lith. 699f. ein unblutiges Opfer. Von den Hymnen, die zum Opfer gehören (Orph. lith. a. a. O.), geben die erhaltenen 10 H.-Hymnen nur ein ungefähres Bild: Hom. hymn.

XXXI. Mesomed. hym. 2 (Bellermann Hymn. d. Dionysios u. Mesomed.). Orph. hymn. VIII. Prokl. hymn. I. Hymn. mag. IV bei Abel Orphica 291. Inschrift aus Phrygien GIG add. 38831.

Beinamen des H, Die Beinamen, die sich aus der Gleichsetzung des H, mit fremden Sonnengöttern ergaben, sind oben in dem Abschnitt der nichtgriechischen Kulte erwähnt. Die Beiworte der Poesie finden sich bei Bruch-20 m a n Epithet. deor. 144H. zusammengestellt. Von den zahlreichen Heroennamen, die man auf Beiworte oder Beinamen des Sonnengottes zurück-geführt hat, ist nur das berücksichtigt, was für Kult oder Sagen des H. selbst von Wichtigkeit ist.

"‘Ἀδιούνιος ταύρος: Bekker Anecd. Gr. 344, 10, s. o. beim Kult von Kreta.

Ἠλέκτωρ: Die Ilias gebraucht an zwei Stellen, an denen der strahlende Glanz der Sonne zum 30 Vergleich herangezogen wird, Elektor als Beiwort und als selbständige Bezeichnung des H., II. XIX 398: τενχεσὶ παμφαίνων ὤστ Ἤλεκτωρ Ὑπερῖων, II. VI 513: τενχεσὶ παμφαίνων ὤστ’ Ἀλέκτωρ ἐβεβήκει. Ebenso findet es sich sonst in der Poesie: Hom. hymn. in Apoll. Pyth. 191. Euphor. frg. 74. Empedokl. 187 Stein (gleich ἠέλιος, φλόξ u, a. als Bezeichnung des Feuerelements), und bei den Dichtern der Phaethon-sage, die den Namen des Bernsteins ἤλεκτρον von dem Namen des Gottes erklären (Plin.

XXXVII 31 unter Berufung auf Aischylos, Phi-loxenos, Euripides, Nikandros, Satyros). Weiteres o. Art. E1 e k t o r Bd. V S. 2309 (dazu Cramer Anecd, Oxon. II 444. Apollon. Soph. Lex. s. ἠλέκτωρ), wo mit Recht betont wird, daß Elektor ursprünglich eine selbständige Bezeichnung des Sonnengottes gewesen sei, und wo auch auf die mit Elektor zusammenhängenden Gestalten Elektryon, Elektryone und Elektra verwiesen 50 wird. Bei der rhodischen H.-Tochter Alektrona-Elektryone ist der Zusammenhang mit H.-Elektor am klarsten beibehalten.

Ἐλευθέριος: Altar des Η. Ἐλευθέριος in Troi-zen, nach der Vermutung des Paus. II 31, 5 zur Erinnerung an die Befreiung Griechenlands von den Persern. Diese Deutung der Epiklesis Eleu-therios war auch sonst beliebt (s. o. Bd. V S. 2348). Ob sie gerade für jenen Altar zutriSt, ist zweifelhaft. Die Rhodier weihten ihre Kolossal statue 60 der H, nach Anth. Pal. VI 171 dem Gott als Befreier: ἀβρὸν ἄδουλουτον φέγγος ἐλευθερίας. Allein Η. ist auch in anderem Sinne der Gott der Freiheit. Zwei gleichlautende Inschriften in Epidauros (IG IV 1001. 1002) gelten Ζηνὶ καὶ Ὠελίῳ καὶ πθσιν ἀειγενέεσσιν ὀλβοδόταις καὶ ἐλευθερίοις καὶ λυσιπόνοιαι. Ferner wird Η. bei der Freilassung von Sklaven angerufen in der Formel ,frei θχδ Ala Γὴν Ἤλιον* (IG IX 1, 412; [73] Latyschew Inscr. or. sept. Pont. Euxin. II 54. 400); ὄχλους δὲ ἐλενθέρους ποιεί (Artemidor. II 36).

Σῦήνιος: als Beinamen des H. erschlossen aus Herodot IX 93S.; s. o. beim Kult von Apollonia.

θρακληςζ Auf einer Herme in Megalopolis führt H. die Epikleseis Σωτήρ und Ἠρακλῆς (Paus. VIII 31, 7), und nach einer Inschrift aus Trotzen erhielt ein gewisser Euthymidas die Weisung Ἠρακλεὶ Ἀλίῳ ein Opfer darzubringen (IG IV 760). Schon die ältere Zeit kennt engere Beziehungen zwischen H. und Herakles; nach der unten noch zu erwähnenden Sage fuhr Herakles im Becher des H. über das Meer. Später werden aus anderen Gründen H. und Herakles identifiziert, vgl. Macrob. Sat. I 20, 6; Astrochiton Herakles Helios bei Nonn. Dionys. XL 369L; Herakles Titan bei Orph. Argon. 1057, Orph. hymn. XII 1. M. Mayer Giganten und Titanen 181.

Παγγόνος: Inschrift aus Epidauros Ἠλίῳ Σέλευκος Ἠρακλίδης Πανγόνῳ (IG IV 1297).

Παιάν: Orph. hymn. VIII 12, vgl. Timoth. frg, 25 v. Wilamowitz (frg. 13 Bergk) bei Macrob. Sat. I 17, 19: ω θ παιάν, ein Beiwort, das H. nicht nur mit Apollon, sondern auch mit vielen anderen Gottheiten teilt, vgl. Roscher Mvth. Lex. III 1250. Gruppe Griech. Myth. 1240, 1.

Πανομφαίος'. Beiwort des H. bei Quint. Smyrn. V 626, wie sonst des Apollon (Hom. hymn. III 473), des Zeus und der Hera.

Πανόπτης: Der alles sehende H. führt bei Dichtern häufig Beiworte wie παντόπτας, πανόπτης, πανεπόψιος, πανδερκῆς u. dgl. Die große Bedeutung, welche die Vorstellung des allsehenden Gottes für das religiöse Empfinden hat, legt es nahe, in Namen wie Epopeus, Panoptes, Pano-peus alte Beinamen des H. zu erblicken. Für enge Beziehungen des Panopeus zu Ξ. spricht der Umstand, daß beide Vater der Aigle sein sollten (s. o. Bd. I S. 975). Nähere Beziehungen zwischen Epopeus und H. macht der korinthisch-sikyonische H.-Kult wahrscheinlich.

Παῦιφαῆς: Beiwort des H. bei Orph. hymn. VIII 14. Wegen der Beziehungen zwischen H. und Pasiphae nimmt Sam Wide Lakon. Kulte 217 an, daß Pasiphaes und ebenso Pamphaes (Pind. Nern. X 49) alte Beinamen des H. waren.

ἸΙερσεύς: Der Beiname der Hekate, Περσηίς oder Περοεία, - die Sage, Hekate sei die Tochter eines Titanen Perses, Persaios oder Perseus, - die Sage, Kirke sei die Tochter des H. und der Perse oder Perseis, - endlich die Sage, Elektryon sei der Sohn des Perses, - alles dies läßt vermuten, daß einst der Mond Perse, die Sonne Perseus genannt wurde. Vgl. Etym. Gud. 462 s. Περσεφόνη · περοευς καλείται ὁ ἤλιος, Ioh. Lyd. de mens. IV 22.

Σείριος (nach Suid. s. Σείριος auch σείρ): Bezeichnung der Sonne, soweit man sengende Hitze und Krankheit (σειρίασις) ihr und nicht dem Stern Σείριος zuschrieb, Archiloch. frg. 61 (Plut. quaest. eonviv, III 10, 2. Hesych. s. Σείριου κυνος δίκην). Lykophr. 897 nebst Schol. und Tzetz. Nikand. Ther. 205. 368. Orph. Argon. 120. Schol. Oppian. Hal. III 48. Hesych. s. Σείριος; vgl. ἠελίοιο σειριοέντος bei Oppian. [74] cyneg. IV 338. Ebenso auch Bezeichnung für den H. gleichgesetzten Osiris, Diod. I 11. Plut. Is. et Os, 52. Vgl. Preller-Robert Griech. Myth. I 454.

Σωτήρ: Epiklesis des H. auf der Herme von Megalopolis, Paus. VIII 31, 7,. wie es Epiklesis fast aller Götter ist. Vgl. auch Aischyl. Suppl. 203: καλοῦμεν ἀνγάς Ἤλιον ὀωτηρίοῦς und Plut. Is. et Os. 51, wo als Wesen der Sonne 10 bezeichnet wird das λαμπρόν und σωτήριον. Ebenso in Ägypten, CIG 4699: προοκννήοας τὸν Ἤλιον τὸν παρ' ἠμεῖν ἐπόπτην καὶ ὑωτήρα.

Τιτάν: alter Name des Sonnengottes, wenn er auch in der Literatur erst spät als Beiname oder selbständige Bezeichnung des H. erscheint, vgl. M. Mayer Gigant, und Titanen 69S, Anacreont 44, 7. Oppian. cyneg. I 9. II 617. Orph. Argon, 512, Orph. hymn. VIII 2. LXXVIII 3. Anth. Pal. XIV 72. IG IX 1, 882. 20 CIG 4725, weiteres bei Bruchmann a. a. O. 148; die überaus zahlreichen Stellen der römischen Dichter bei Carter Epithet. deor. 93. In Titane bei Sikyon, dessen Namen auf alten Kult des Titan hin weist, erklärte man Titan für einen Bruder des H,, Paus. II 11, 5, der sogar besondere Funktionen des Titan (ὤρας φνλάξαι) annimmt.

Ὑπερίων: altes Beiwort des H. bei Hom. II. VIII 480; Od. I 8. XII 133. 263. 346. 374 30 ebenso wie das Beiwort Ὑπεριονίδης bei Hom. Od. XII 176, daneben auch selbständige Bezeichnung des H., Hom. Il. XIX 398; Od. I 24; hymn. in Apoll. Pyth. 191. Über die Wortbildung (ὕπερος· ὑπερίων = superus-superior) vgl. Ameis-Hentze Anhang zur Odyss. I 8. Usener Götternamen 19H. Von den späteren Dichtern (s. Bruchmann a. a. O. 149) folgen noch manche dem Vorbild Homers und sprechen von Hyperion = H., die gewöhnliche 40 Ansicht ist aber seit Hesiod. Theog. 134. 371fi. 956 und Hom. hymn. V 26. XXVIII 13, daß Hyperion der Vater des H. gewesen sei, und Hyperionides (Hesiod. Theog. 1011. Hom. hymn. V 74. Stesichor. frg. 8. Pind. Ol. VII 39) wird nur noch in der Bedeutung ,Sohn des Hyperion* gebraucht. Auf den Gegensatz in der Auffassung Homers und Hesiods wurde auch im Atertum hingewiesen, vgl. z. B. Schol. Hom. Od. I 8. Etym. Magn. s. Ὑπερίων,

Φαεθων: als Beiwort des H. oder der Sonne häufig seit Hom. Il. XI 735; Od. V 479 = XIX 441, XI 16, XXII 441; hymn. XXXI 2. Hesiod. Theog. 760. Soph. El. 825. Eurip. El. 464. Später ebenso oft als Name des H., Arche-strat. Gel. frg. 9, Ribbeck (Athen. VI 326 b). Anth. Pal. XIV 114, 3. Orph. frg. 152, 10. Oppian. cyneg. II 617. Nonn. Dionys. II 163 u.ö. Anth? Pal. I 10, 54. V 274. IX 137. 807. 822 (weiteres bei Bruchmann a. a. O. 149), 60 auch in der römischen Poesie, z. B. Verg. Aen.

V 105 nebst Serv. Val. Flaue. III 213. Martial. III 67, 5 u. a.

Φντιος: Hesych Φντιος'Ήλιος ἡ Ζεῦς; wohl eine echte Kultepiklesis für H., der die Pflanzen und Früchte wachsen läßt; vgl. φυτηκόμος bei Nonn. Dionys. XII 23.

Gleichsetzun g des H. mit anderen Gottheiten. Quod omnes paene deos, dum- [75] taxai qui sub oaelo »uni, ad soient référant, non vana superstitio, sed ratio divina coxmendat, mît diesen Worten leitet Macrob. Sat. I 17, 2 seine eingehende, an Zitaten reiche Darlegung ein, daß die Sonne der höchste Gott (τὸ ἠγεμονικὸν τὸν κόσμον. Kleanth. bei Diog. Laert. VII 139. Cic. academ. prior. II 126) ist und daß alle übrigen Götter nur einzelne Funktionen dieses Gottes sind; die Wesensgleichheit mit H. wird dann näher begründet für Apollon (I 17, 5–70), Dionysos (I 18), Hades und lao (I 18, 18–20), Ares (I 19, 1–6), Hermes (I 17, 5. 19, 7–18), Asklepios (120,1-5), Herakles (I, 20, 6–12), Sarapis (I 20, 13–18), Adonis I 21, 1–6), Attis (I 21, 7–10), Osiris, Horus und Sternbilder (I 21, 11–27), Pan und Inuus (I 22, 2–8), Zeus (I 23, 1–9), Iuppiter Heliopolitanus und Adad (I 23, 10–19), lanus (I 9, 9. 17, 42. 64) und andere, auch für Göttinnen wie Athena (I 17, 70) und Nemesis (I 22, 1). Die Anfänge derartiger Gleichsetzungen, zu denen noch Hephaistos = H. (Hesych. s. Ἤφαιστος. Serv. Aen. III 35 u. a.j. Eros und Aphrodite = Sonne und Mond (Plut. amat. 19), Isodaiteg (Bekker Anecd. Gr. 267, 3) und andere hinzutreten, führen in alte Zeiten zurück zu Philosophen, die wie Anaximander in der Sonne den Schöpfer aller lebenden Wesen sahen oder wie Empedokles das Feuer-Element gleichzeitig als πυρ, φλόξ, Ἤελιος, Ἤφαιστος, Ζευς ἀργῆς bezeichneten; sie führen aber auch zurück zu all jenen religiösen Strömungen, die wir als orphische zu bezeichnen pflegen, und selbst in ältere Sagen. Wer seinen Gott mit dem höchsten Glanze ausstatten will, entlehnt dafür Züge des Sonnengottes, wer die Macht seines Gottes als Allmacht hinstellen will, läßt ihn auch der Sonne gebieten oder nennt ihn selbst ἤλιος, Asklepios führt in Lako-nien die Beinamen ἈΙγλαήρ und Ἀγλαόπης, seine Mutter oder Tochter heißt Aigle wie die Gemahlin oder Tochter des H., die Gemahlin des Asklepios heißt Lampetie wie die Tochter des H., und im Kult von Gythion (CIG 1392) stehen Zeus Bulaios, H., Selene, Asklepios und Hygia nebeneinander; vgl. Wide Lakon. Kulte 191f. 216f. Thraemer o. Bd. II S. 1656 und in Roschers Myth. Lex. III 1489 s. Pana-keia, Gruppe Griech. Myth. 1443f. - Herakles fährt im Sonnenbecher über das Meer; er führt den Beinamen H. (IG IV 760), wie H. den Beinamen Herakles (s. o.) führt.

Apollon wird mit so viel Zügen des Sonnengottes ausgestattet, daß die Frage, ob er nicht ursprünglich ein reiner Sonnengott gewesen sei, immer wieder ebenso lebhaft bejaht wird, wie sie von anderer Seite bestritten ist; vgl. Wernicke o. Bd. II S. 19f. Rosch« Apollon und Mars und Roscher Myth. Lex. 1422f. Gruppe Griech. Myth. 1240ff. Im Altertum ist die Identität von Apollon und H. oft ausgesprochen worden von Philosophen und Gelehrten seit den Zeiten des Parmenides und Empedokles (Menandr. bezw.Genethl. rhetI2,2; 5,2.Diels Vorsokratiker 12 108, 29. 157, 10; Kratee bei SchoL Hom. Il. XVIII 239. Cornut. 32. Paus. VII 23, 8. Plut. de E apud. Delph. 886 B; de defect, orac. 42 p. 433 D. SchoL Plat. Bep. VI 509 B. Etym. M. s. Ἠκατομβαιῶν π = [76] Bekker Anecd. Gr. 247, 3; weiteres bei Gruppe a. a. O.), und von Dichtem, vgl. z. B. Euripide Phaethon frg. 781, 11: ω καλλιφεγγες Ἤλι, ὡς μ’άπώλεσας καὶ τόνδ' · Ἀπόλλων δ’έν βροτοῖς ὄρθως καλεί, ὄσης τὰ αἰγωντ ὀνόματ' οἰδὲ δαιμόνωνKallimach. Hekale frg. 48. Carm. populär. 12 bei Bergk PLG⁴ III 659: Ἤλιος Ἀπόλλων, ὁ δὲ / Ἀπόλλων Ἤλιος; oft auch in der römischen Poesie. Wenn Ps.-Eratosth. Katast. 24 auch in 10 den Einzelheiten seiner Schilderung von Orpheus.

Tod den hier zitierten Aischy lei sehen Bassarides· folgt, so hätte schon Aischylos erzählt, daß Orpheus den H. für den größten Gott hielt und ihn gleichzeitig Apollon nannte (τὸν δὲ Ἤλιον μέγιστον τῶν ὕεων ἐνόμισεν, ὅν καὶ Ἀπόλλωνά προσηγόρευσεν. Zur orphischen Lehre gehörte die Gleichsetzung H. - Apollon sicher, vgl. Orph. frg. 49. 160; hymn. XXXIV 3 (Τιτάν), ὁ (φωσ~ φόρε δαῖμον), 8 (πανδερκες ἔχων φαεσίμβροτον θδμμά). In kleinasiatischen Kulten fallen die beiden Götter völlig zusammen, wie z. B. in den schon oben erwähnten Kulten des H.-Apollon Lairbenos, H.-Apollon Kisauloddenos, H.-Apollon Tyrimnaios, und in Patara (Journ. hell. Stud. X 81). Auch der Apollon Lykegenes von Zeleia (Hom. 11, IV 101) wird im Etym. M. s. Ζέλεια (anders Schol. Hom. Il. IV 103) als H. erklärt. Im Kult des Mutterlandes findet sich zwar keine absolute Identifikation, aber bei attischen Apol-30 lonfesten wird, wie oben erwähnt, auch des H.

gedacht. Plat. Leg. XII 945 E-947 A gibt dem Apollon und H. ein gemeinsames Heiligtum. Wer keinen Gott beleidigen will, wird wie Apollonios bei Philostrat. Apoll. Tyan. VIII 13 p. 330 Kayser zu Apollon und H. beten.

Zeus gebietet in mancherlei Sagen über den Lauf der Sonne. Bei Philosophen (vgh Macrob. Sat. I 23) ist er die Sonne, oder er ist, wie es z. B. bei Eustath. Hom. Od. 1387, 40 26 in knapper Form heißt, zugleich οὐρανός, αἰθήρ, ἀήρ, ἤλιος. Vgl. Orph. frg. 46, 6 = 123, 6 Ζευς ἤλιος ἤδε σελήνη. Auch außerhalb des Kreises philosophischer Spekulation wirkt derselbe Gedanke. Auf Kypros gab es gemeinsame Altäre für Zeus und H. (Iulian. or. IV 135 D). Und wie man von Herakles-Helios und Helios-Herakles spricht, so spricht man auch von Helios-Zeus (Anth. Pal. VII 85, 1) und von Zeus Helios: IG XII 7, 87 von Amorgos; vgl. 50 auch die Inschrift der H.-Statue in Berlin nr.

177: Διὶ Ἠλί(ω).

Dionysos soll nach Etym. M. s. Διόνυσος in Elis als Ἤλιος verehrt worden sein. Seine Identität mit H. suchte man zum Teil auf dem Umweg über die Identität Dionysos = Apollon zu beweisen (vgl. Macrob. Sat. I 18), und es wird die Gleichung Dionysos = Apollon = H. oftmals erwähnt (z. B. Dio Chrysost. XXXI 570 R. Argum. 2 zu Demosth. XXI. Schol. 60Demosth. XXI 9). Die Quelle des Glaubens an die Identität des Dionysos und H. sind die Mysterien, von denen es bei Ioh. Lyd. de mens. IV 51 Wünsch heißt: ἐν ἀπορρήτῳ δὲ τῷ Διο~ νύσω τὰ μυστήρια ἐτελεῖτο, διὰ τὸ πασιν ἀπόκρυφον εἶναι τὴν τὸν ἤλιου πρὸς τὴν τὸν παντὸς φνσιν κοινωνίαν. Die orphischen Gedichte sind in allen Teilen durchzogen von der Lehre der Gleichheit des Dionysos, Phases, Protogonos mit H. [77] Hades-Pluton. Ek Ζευς, ἔΤς Αἰδης, εἰς Ἤλιος, εἰς Διόνυσος, | εἰς θεὸς ἐν παντεσσί (Orph. frg. 7subΤλsub supνλsupθ· Lobeck Aglaoph. 460ff.), in diesem Verse gipfelt das Bekenntnis aller, die einen einzigen Gott als Allgott gelten lassen wollen. H. ist nur dann der Gott, der allen religiösen Bedürfnissen des Menschen entspricht, wenn er auch der Gott der Toten ist. Man hat sich nicht mit einer spielenden Deutelei begnügt, wie z. B. daß lao im Winter Hades, im Frühjahr Zeus, im Sommer H. und im Herbst lao sei (Macrob. Sat. I 18, 20), oder daß er bei Tag den Lebenden, bei Nacht den Toten im Hades scheine (vgl. Macrob. Sat. I 18, 8; ferner: ἤν γαίης κευῦμώνα πόλης νεκύων τ' ἐπὶ χώρον, Hymn. mag. IV 11 bei Abel Orphica 291 u. ö., vgl. Deubner De incubatione 31). H. ist als echter Gott der Toten aufgefaßt worden. In derselben Inschrift, aus welcher der H. Apollon Kisauloddenos bekannt ist, werden Kultbilder des Pluton-H. und der Kora-Selene erwähnt (Dittenberger Syll.² 583). H. führt den Himmelsschlüssel (ζωαρκέος πηγῆς αὐτὸς ἔχων κληῖδα ProcL hymn. I 2), der zu jenen ,Tor en des H.‘ (Ἠελίοιο πάλαι Hom. Od. XXIV 12. Ovid. met. II 4ff.) gehört, durch welche animae de eaelo in terras mettre et de terris in caelum remeare ereduntur (Macrob. somn. Scipion. I 12, 2; vgl. W. Köhler Archiv f. Eeligions-wissensch. VIII 227). H. Zeus führt die Seelen der Toten zur Sonne zurück (Anth. Pal. VII 85). Ἤλιος καὶ σελήνη sind al μακάρων νήσοι (Iamblich. vit. Pythag. 18, 82), der Aufenthaltsort der Seelen, vgl. Roscher Selene 90f.

Helios in der Sage,

Eltern des Helios. Aus dem alten Beinamen des H., Hyperion bzw. Hyperionides, entstand die Sage, Hyperion sei der Vater des H, gewesen. Nach Hesiod. Theog. 134. B71ff. 956. 1011 war Hyperion, ein Sohn des Uranos und der Gaia, vermählt mit seiner Schwester Theia, die Kinder waren H., Selene und Eos (ebenso Apollod. I 2 und 8). Hyperion wird oft als Vater genannt (z. B. Hom. hymn. V 26. ΧΧΎΙΠ 13. Eumel, frg. 2. Mimnerm. frg. 11. Diod. V 67), seine Gemahlin Theia bei Pînd. Isthm. V 1 (μάτερ Ἀελίου πολυώνυμε Θεία). Orph. frg. 95. Schol. Apoll, Bhod. IV 54. Etym. M. 779 s. Ὑπερίων. Iulian. or. IV 1360. Mit Hesiod stimmt in allem übrigen Hom. hymn. XXXI überein, doch heißt die Schwester und Gattin des Hyperion nicht Theia, sondern Euryphaessa βοώπις. NachHygin. fab. praef. sind dagegen Hyperion und A i t h r a die Eltern von H., Selene und Eros. Bei Diod. ΠΙ57 heißt die Mutter des H. Bas il eia: Uranos und Titaia = Ge waren die Eltern der Titanen; von diesen heiraten sich die Geschwister Hyperion undBasileia = Μήτηρ μεγάλη; ihreKinder sindH. undSelene; die übrigen Titanen töten ihren Bruder Hyperion und werfen den H. in den Eridanos, worauf Selene sich selbst den Tod gibt und Basileia durch das Land schweift und verschwindet: seitdem verehrt das Volk die Sonne als H., den Mond als Selene, die Basileia als Meter. - Von diesen vier Namen für die Mutter des H. sind Euryphaessa und Aithra hergeleitet vom strahlenden Glanz der Kinder H. und Selene, während Theia und Basileia (s. o. Bd. III S. 44) altere Kultnamen zu sein scheinen.

Andere Vatersnamen finden sich in den o. Bd. [78] I S. 1147 unter Akan t ho gekennzeichneten Götterkatalogen bei Cic. nat. deor. III 54, Arnoh, IV 14. Ampel. 9, wo aus durchsichtigen Gründen fünf gleichnamige Gestalten H. unterschieden werden:

1) H. der Sohn des Zeus und Enkel des Aither. Das ist bedingt durch die Gleichsetzung des H. mit dem Zeussohn Apollon (vgl. Joh. Lyd. de mensib. H ὁ Ἤλιος *Ώρος Ὄσιρις ἄναξ Αἰος νιος Ἀπόλλων. Die Angaben, daß Zeus der Sohn des 10 Aither von Lysithoe Vater des Herakles (Joh. Lyd.

IV 67), von Lysithea Vater des Dionysos (Joh. Lyd. IV 51) und Vater des ÏÏ. war (Cic. Arnob. Ampel. a. a. O.)f gehen wohl auf die gleiche Quelle zurück, in der H. = Herakles = Dionysos war;

2) H. der Sohn des Hyperion; 3) H. der Sohn des Hephaistos (= Ptah), eines Sohnes des Neilos, der Gründer des ägyptischen Heliopolis und Vater des Kronos, vgl. Manetho frg. 1–4 (Joh. Lyd. IV 86. Suid. s. Ἤλιος u. a.). CIG 4697, 3; 4) H. 20 der auf Rhodos geborene Sohn der Akantho (s. o.

Bd. I S. 1147), der Vater von lalysos, Kameiros und Lindos; 5) H. der Sohn des Kolchos und Vater der Kirke, des Aietes (der Medea) und Phaethon. Bei Nr. 3–5 handelt es sich um eu-hemeristische Umdeutung von älteren Sagen, wobei man die Beziehungen des H. zu Heliopolis, Rhodos und Kolchis dadurch erklärte, daß dort verschiedene Menschen des Namens H, gewirkt hätten. Durchsichtige Wendungen sind es, wenn 30 der Okeanos, dem Ξ. täglich entsteigt, Vater des H. heißt (Plin. VII 197), oder wenn es heißt, daß die Nacht, die Licht und Tag» Hemera, Aither, die Sterne und die Eos gebiert, auch dem H. täglich τίχτει κατευνάζει τε (Soph. Trach. 94ff.).

Gemahlin des Helios. Roscher Selene 75ff. und Myth. Lex. II 3157 behandelt eingehend die Vorstellung, daß Sonne und Mond sich in Liebe suchen, fliehen und zur Zeit des Neumonds vereinen; er weist zugleich darauf hin, daß von 40 den Namen, welche der Gemahlin des H. beigelegt werden, mehrere nur andere Bezeichnungen der Mondgöttin sind.

1. Perse, Perseis. Die Gemahlin des H. und Mutter von Kirke und Aietes war nach Hom. Od. X 139 die Okeanide Perse, nach Hesiod. Theog. 957 (vgl. 356) die Okeanide Perseis. Mit Homer sprechen von Perse Apoll. Rhod. IV 591. Apol-lod. epit. 7, 14. Hyg. fab. praef. p. 31, 6 Bunte (weitere Kinder: Pasiphae und Perses, vgl. fab. 50 27. 244). Tzetz. Lycophr. 174. 798. 1024 (weitere Kinder: Aloeus, Pasiphae, 174 auch Kalypso). Dagegen sprechen mit Hesiod von Perseis Apollod. I 83 (weitere Kinder: Pasiphae, vgl. III 7 und Perses, I 147). Cic. nat. deor. III 48 (weitere Kinder: Pasiphae), Hyg. fab. 156, vgl. praef. 28, 3.

2. Antiope, in der korinthisch-sikyonischen Sage Mutter des Aietes und Aloeus, EumeL frg.

2. 3. Diophant. Ποντικ. ἴστορ. bei SchoL Apoll. Rhod. III 242 (s. o. Bd. I S. 2497).3. Ephyra, nach korinthischer Sage Mutter

des Aietes, Epimenid. frg. 4 bei SchoL Apoll. Rhod. III 242.

4. Asterope, Mutter von Kirke und Aietes, Orph. Arg. 1217.

5. Aigle,Mutter der Charites, Antimach. frg. 100 Kink. bei Paus. IX 35, 5. Hesych. s. Αἰγλης Χάρους·

6. Selene, Mutter der Horen, Quint. Smyrn. X 337. Im übrigen vgt Roscher a. a. O. 75C [79] 7. Neaira, nach Hom. Od. XII 133 Mutter der Lampetie und Phaethusa, die von ihr nach Thrinakia geschickt werden, um. die Herden des H. zu hüten. Wahrscheinlich galt anderswo auch Phaethon als Sohn des H. und der Neaira. Wenigstens ist Apsyrtos-Phaethon nach Soph. frg. 503 bei Schol. Apoll. Rhod. III 242. IV 223 ein Sohn des H.-Sohnes Aietes und der Nereide Neaira.

8. Rhode, Tochter des Asopos, Mutter des Phaethon und der Lampetie, Aigle und Phaethusa, Schol. Hom. Od. XVII 208. Auch Apollod. I 28, der Rhode eine Tochter des Poseidon und der Amphitrite nennt, denkt wohl an die Mutter des Phaethon. Thraemer bei Roscher Myth. Lex. III 1489 (Art. Panakeia). Gruppe Griech. Myth. 175, 14. Knaack bei Roscher Myth. Lex, III 2178 (Art. Phaethon) nehmen an, daß diese Asopostochter zur alten korinthisch-sikyo-nischen Phaethonsage gehört, v. Wilamowitz Herm. XVIII 426, 1 hält sie für die Eponyme der iberischen Stadt Rhode, da z. B. in Aischylos Heliades Iberien und der dorthin verlegte Ehoda-nos der Schauplatz der Phaethonsage ist.

9. Klymene, Tochter des Okeanos, Mutter des Phaethon, Hesiod. frg. 199 Rzach². Euripid. Phaeth. frg. 771. Ovid. met. i 756ff. n 37ff. IV 204. Hyg. fab. 152. 156. 250. Luc. dial. deor. 12. Serv. Aen. X 189. Myth. Vat. I 118. II 57. Sie wird gelegentlich für identisch erklärt mit Klymene, der Tochter des Minyas oder Iphis, welche die Gemahlin des Phylakos war, und es wird dann kombiniert, sie habe vor der Heirat mit Phylakos dem H. den Phaethon geboren, Schol. Hom. Öd. XI 326, dessen Hesiodzitat Eustath. Hom. Od. 1689, 4 mißversteht.

10. Prote, Tochter des Nereus, Mutter des Phaethon, Tzetz. Chil. IV 363, vgl. Knaack bei Roscher Myth. Lex. III 2177, 41.

11. Krete, Mutter der Pasiphae, Diod. IV 60.

12. Rhodos, Mutter der rhodisehen Heliaden, s. o. im Abschnitt Kultstätten, wo auch bemerkt ist, daß

13. Aphrodite und

14. Amphitrite als Gemahlin des H. und Mutter der Rhodos nur aus falscher Interpretation von Pind. ὌΙ. VII 14 erschlossen sind.

15. Leukothoe, Mutter eines sonst unbekannten Argonauten Thersanon (?) in einer Lokalsage von Andros, Hyg. fab. 14: Thersanon Solis et Leu-cothoes filius in Andro.

16. Leukothoe, Tochter des Orchamos, und

17. Klytia, beide als Geliebte des H. aus Ovid. met. IV 194ff. bekannt: H. sieht Leukothoe, die Tochter des Perserkönigs Orchamos und der Eury-nome, entbrennt in Liebe, besucht sie nachts in Gestalt ihrer Mutter und offenbart sich ihr, nachdem er die 12 Dienerinnen fortgeschickt hat, als Sonnengott. Die Nymphe Klytia, die zuvor die Geliebte des H. gewesen war, entdeckt, voll Neid auf die Nebenbuhlerin, dem Orchamos das Geschehene. Dieser läßt seine Tochter Leukothoe lebendig begraben. H. öffnet zwar mit seinen Strahlen den Grabhügel, findet aber die Geliebte schon tot; er heiligt den Leichnam und läßt aus dem Grabe die Weihrauchstaude erblühen. Klytia aber, von der H sich für immer abwendet, stirbt voll Gram und wird in eine teils blaßgrüne, teils rötliche Pflanze mit veilchenartiger Blüte ver- [80] wandelt, die sich stets der Sonne zukehrt. Ob Hesiod frg. 250 Rzach², wie in den Narrat. fa-bnlar. Ovid. met. IV 5 p. 811 Stav. behauptet wird, die Leukothoesage schon behandelt hat, ist zweifelhaft. Anonym, miscell, 6 bei Westermann Mythogr. 348, 5 hat wohl Ovid als einzige Quelle, und daß der Vater Orchomenos statt Orchamos heißt und daß Klytia als Schwester der Leukothoe bezeichnet wird, beruht nur auf 10 Versehen. Ob zwischen dieser Leukothoe und der unter nr. 15 erwähnten Leukothoe von Andros sowie zwischen dieser Klytia und der Tochter des Merops und Gemahlin des Eurypylos, Klytia, von Kos (Theocr. VII 5 nebst Schol.) ein Zusammenhang besteht, ist unsicher; die Deutung der Leukothoe als Mondgöttin und der Klytia als Frühlingsgöttin (Mannhardt Klytia. Roscher Selene 93, 363. 146, 628) ist, soweit es sich um die Einzelheiten der Ovidschen Schil-20 derung (z. B. 12 Dienerinnen = 12 Monaten) und um Klytia handelt, kaum berechtigt.

18. Ge, Mutter des Bisaites (Steph. Byz. s. Βισαλτία) und der attischen Tritopatreis (Philo-ehor. b. Suid. s. Τριτοπάτορες) s. o.

19. Athena, Mutter der Korybanten, nach einer mit rhodischen Sagen zusammenhängenden Verquickung von Kyrbanten - Korybanten - Ku-reten, Strab. X 472.

20. Entelecheia, Mutter der Psyche, Mart. 30 Cap. I 7 p. 4 Eyssenhardt.

Kinder des Helios. Sage und Dichtung erzählt von Kindern des H. aus mancherlei Gründen. Über die Einzelheiten vgl. die betr. Artikel.

Wo ein starker H.-Kult bestand und der Gott der ἀρχηγέτης und γενάρχης ist, werden als Kinder des H. zum Teil Heroen verehrt, deren Wesen nur der an den betreffenden Ort gebundene H. selbst ist, zum Teil werden andere Lokalheroen für Kinder des Gottes erklärt. In Korinth ist 40Aloeus der Sohn des H. und Medeia wohl zunächst eine Tochter des H., bis die Argonautensage sie unlöslich mit Aia verknüpfte, ihren Vater Aietes nannte und damit auch die Korinther zu der Kombination zwang, Aietes sei als Sohn des H. in Korinth geboren und erst von dort nach Kolchis gelangt: so blieb auch die in der Fremde geborene Medeia die rechtmäßige korinthische Heroine. In Elis herrscht Augeias, der Sohn des H. In Ambrakia gilt die Eponyme 50 Ambrakia für eine Enkelin des Apollon oder H., in letzterem Falle war sie entweder die Tochter des Augeias, der seinerseits Sohn des H. oder des Phorbas ist (Phileas bei Steph. Byz. s. Ἀμβρακία = Eustath. Dionys. Perieg. 492), oder Tochter des H.-Sohnes Phorbas (Aristot. πολιτ. Ἄμβρακ. frg. 437 bei Steph. Byz. s. Δεξαμεναί; nach der von Höfer bei Roscher Myth. Ler. III 2429 vorgeschlagenen Korrektur würde freilich Phorbas als H.-Sohn fortfallen). Auf Andros 60 sprach man von einem H.-Sohn Thersanon (Hyg. fab. 14; die Namensform ist zweifelhaft). Die rhodische Sage spricht von der Tochter des H. Alektrona-Eiektryone, von den sieben Heliadai Aktis, Kandalos, Kerkaphos, Makar (Makareus), Ochimos, Tenages, Triopas, nach Varianten auch von Chrysippos und Phaethon. Eine andere rhodische Sage handelt von den drei EL-Söhnen Auges, Makareus und Thrinax. [81] Wie Selene und Eos als Schwestern des H. und wie die Mondgöttin und andere Personifikationen des himmlischen. Lichtglanzes als Gemahlin des H. bezeichnet werden, so faßt man sie und andere Himmels erscheinungen auch als Kinder des H. auf. Eos ist Tochter des H. bei Pind. Ol. II 32. Orph. hymn. VIII 4. Dionys. bezw. Mesomed. hymn. II 7. Selene heißt Tochter des H. bei Eurip. Phoin. 175, nach den Scholien zu dieser Stelle auch bei Aischylos; weiteres bei Roscher Selene 97. Unter dem Namen Pasiphae stand die Mondgöttin in dem Ino- bezw. Pasiphaeheilig-tum bei Thalamai in Lakonien vielleicht noch als Gemahlin dem H. zur Seite (Paus. III 26, 1). Aus der Göttin in Kuhgestalt neben dem H. in Stiergestalt wird dann die bekannte Tochter des H. (Apoll. Rhod. III 999. Anton. Lib. 41. Paus. V 25, 9. Liban. narr. 15. 16 bei Westermann Mythogr. 379) und der Perse (Hyg. fab. praef. p. 31, 6 Bunte. Tzetz. Lycophr. 174, 798), der Perseis (Apollod. I 83. III 7. Cic. nat. deor. III 48) oder der Krete (Diod. IV 60). Sterope heißt Schwester der Pasiphae, Gemahlin des Eury-pylos, Mutter des Lykaon und Leukippos bei Akesandros in Schob Pind. Pyth. IV 57 (Tzetz. Lycophr. 886; vgl. Studniczka Kyrene 119ff.). Aix, die auf Kreta den kleinen Zeus pflegte und unter die Sterne versetzt wurde, ist Tochter des H. nach Musaios frg. 7 bei Ps.-Eratosth. Katast, 13. Hygin. astr. II 13 u. a. Astris, Gemahlin des Hydaspes und Mutter des Deriades, heißt Tochter des H. bei Nonn. Dionys. XVII 282. XXVI 353. XXVII 100. 199. XXXIII 151.

Sonne und Mond gelten auch als Eltern derjenigen. die mit Wundergaben der Zauberei aus-gestattet werden. Kirke ist seit Homer Tochter des H., Medeia war es in alter Zeit, und auch der H.-Tochter Pasiphae schrieb man Zauberkünste zu (Apollod. III 197 u. a.). Oftmals treten dabei an die Stelle des H. Söhne des H., die zum Teil nur Sondernamen des Gottes sind. So ist Augeias der Vater der Agamede, der H.-Sohn Aithon Vater der Mestra (Suid. s. αἰιίωή; vgl. o. außer Bd. I S. 1106 auch Bd. VI S. 571 unter Er y sichthon. Neben dem H.-Sohn Aietes, dem Vater der Medeia, steht mehrfach ein Bruder Perses (Apollod. I 83. 147. Hyg. fab. 27. 244; praef. 31, 6 Bunte) oder Perseus, der Vater der Hekate, die dem Aietes Kirke und Medeia gebiert (Dionys. bei Schob Apoll. Rhod. III 200. 242; vgl. Diod. IV 45, wo der Name Perses ist); er ist, wie der Titan Perses, Persaios oder Perseus, den man Vater der Hekate nennt, im Grunde nur Perseus-H. selbst (s. o. unter dem Beinamen Περαεύς).

Daß Gruppen von Töchtern den Gott begleiten oder ihn und seine Rosse pflegen, wenn er ausruht, scheint eine alte Vorstellung zu sein, an welche Parmenid. frg. 1, 9 anknüpft: Ἠλιάδες κονραὶ προλιπονσαὶ δώματα Νυκτός. Die Dichtung verwendet solche Gestalten, denen zumeist durchsichtige Namen beigelegt werden, insbesondere in zwei Sagen. In der Sage von den auf Thrinakia weidenden Herden heißen die Töchter des H. und der Neaira, die die Herden ihres Vaters hüten, seit Hom. Od. XII 132. 375 Lam-petie und Phaethusa. In der Phaethonsage erscheinen die Heliades als Schwestern des Phae- [82] thon, die heimlich für ihren Bruder die Roese des Vaters anschirren und die nach ihrem Tode in Pappeln verwandelt werden und Bernsteintränen (ἤλεκτρου) weinen. Ihre Zahl schwankt von 3–7. Unter ihren Namen kehren zumeist die beiden aus der Odyssee bekannten Töchter des H. Lampetie und Phaethusa wieder. Wo von drei Heliades oder Phaethontiades die Rede ist, wird ah dritte hinzugefügt Aigle (Schol. Hom. 10 Od. XVII 208. Anon. bei Westermann Mythogr.

345, 14) oder Phoibe (Narrat. fab. Ovid. met. II fab. 2 p. 796 Stav.); bei Heraklit, de incredib. 36 und Hyg. fab. 156 heißen sie Lampetie (Lam-peto), Aigle und Phoibe. Mehr als drei sind es bei Ovid. met. II 346, doch nennt er nur Lam-petie und Phaethusa mit Namen (darnach auch Serv. Aen. X 189. Myth. Vat. I 118. II 57). Tzetz. ChiL IV 365 nennt außer Aigle, Lampetie und Phaethusa noch Hemithea und Dio-20 xippe. Hyg. fab. 154 (vgl. praef. p. 31, 8 Bunte) spricht von sieben Heliades: Merope, Helie, Aigle, Lampetie, Phoibe, Aitheria und Dioxippe.

Andere Gruppen von Göttinnen, die gelegentlich als Töchter des H. bezeichnet werden, sind die Horen (Quint. Smyrn. X 337) und die Charites, die von Antimach. frg. 100 Kinkel Töchter des H. und der Aigle genannt werden.

Mit der Vorstellung, daß H. der alles sehende und entdeckende Gott ist, hängt es zusammen, 30 wenn Themis Ichnaia Tochter des H. heißt (Ly-cophr. 129 nebst Schol.).

Die Vorstellung, daß H. und Ge statt Uranos und Ge am Anfang aller Dinge stehen, führt dazu, Bisaltes (Steph. Byz. s. Βισαλτία) und die attischen Tritopatreis für Kinder von H. und Ge zu erklären.

Aus der Auffassung des H. als αὐτογενεθλό; πατὴρ τοῦ κόσμου (vgl. Hymn. mag. IV 24 bei Abel Orphica 292) erwuchs die Vorstellung, 40 daß die übrigen Götter seine Söhne seien, wie z. B. Phoibos, Asklepios (Παιήων) und Dionysos bei Prokl. hymn. I 19ff. oder der ägyptische Kronos bei Manetho frg. 1 (Joh. Lyd. de mens. IV 86). Nach Ampel. 9 ist auch jene Athena, quae quadrigas iunxit, eine Tochter des H., der nach Hygin. astron. II 13 der erste Gott war, der die Quadriga gebrauchte.

Wie Phaethon und auf Rhodos Tenages-Phae-thon Söhne des H. sind, so werden wohl auch 50 die gleichartigen Gestalten Atymnios (vgl. Nonn. Dionys. XI 130f. XII 217) und Apsyrtos- Phaethon einst als Söhne des H. angesehen worden sein (vgl. o. Bd. II S. 2261, 53). In späteren Umgestaltungen der Phaethonsage heißt Eridanos = Phaethon Sohn des H. (Serv. Aen. VI 659. Myth. Vat. I 118). Nach Hyg. fab. 154 ist Phaethon der Sohn des Klymenos, eines Sohnes des H-, und der Okeanide Merope. Doch liegt hier wohl eine Verwechslung mit einer Version 60 vor, nach welcher Phaethon der Sohn des H. und der Okeanide Klymene. der Gattin des Merops. war.

Als Kinder von H. und Athena werden gelegentlich die Korybanten (Strab. X 472), als Tochter des H. und der Entelecheia Psyche (Mart. Cap. 1, 7 p. 4 Eyssenhardt) bezeichnet.

Belanglose, späte Wendungen sind es, wenn wie Kirke auch Kalypso Tochter des H. (Tzetz. Lycophr. 174) oder wenn neben Pasiphae, Medeia [83] und Kirke auch Phaidra und Dirke Tochter des H. heißen (Fulgent myth. II 7- Myth. Vat. III 11, 6); in der Quelle des Fulgentius war von Töchtern und Enkelinnen des H. die Rede (vgl. SchoL Eurip. HippoL 47), und es waren als Töchter des II. Pasiphae und Kirke, als Enkelinnen Me-deia (die allerdings bei Ampel. 9 auch Tochter des H. heißt) und Phaidra (Tochter der Heliade Pasiphae) genannt Dirke ist durch ihren Vater Ismenos Enkelin des Apollon, sonstige Beziehungen zu H. sind nicht überliefert.

Heliosmythen sind, soweit es sich um Sagen der Hauptkultstätten, wie Korinth und Rhodos handelt, schon oben behandelt. Bezüglich der Phaethonsage, nach welcher der Sohn des H. Phaethon mit oder ohne Einwilligung seines Vaters den Sonnenwagen besteigt, unkundig der Führung einen Weltbrand entfacht und vom Blitz des Zeus getroffen auf die Erde oder in den Eridanos stürzt, sei auf Knaack Quaestion.Phaethonteac und seinen Artikel Phaethon in Roschers Myth. Lex, III 2175 verwiesen.

Für die Beurteilung der Sage von den Rindern des H. kommt in Betracht, daß es nicht nur bei Heiligtümern des H. Schaf- und Rinderherden gab, wie am Tainaron, in Gortyn auf Kreta und in Apollonia, sondern auch bei den Heiligtümern vieler anderer Gottheiten (vgl. Stengel Griech. Kultusaltertümer 85), und daß sich Sagen vom Rinderraub an manche Namen knüpfen, z. B, an Alkyoneus, Autolykos, Hermes, Herakles, Melampus. Um Rinder des H. handelt es sich wohl in der ältesten Fassung der Alkyoneussage, die besagt zu haben scheint, daß Alkyoneus die Rinder des H. aus Korinth raubte (vgl. Schol. Pind. Nem, IV 43; Isthm. V 47) und daß Herakles dem Gotte bei der Wiedergewinnung hilft, wie er in anderer Weise auch dem Augeias, dem Besitzer von H.-Rindern, Hilfe leistet. Nach späterer Version sind es die Geryoneusrinder, die Herakles aus Erytheia entführt hatte, und bei Apollod. I 35 wird dann kombiniert, daß Alkyoneus die H.-Rinder aus Erytheia fortgetrieben hatte, über die Einzelheiten dieser Alkyoneussage vgl. o. Bd. I S. 1581.

Nach Hom. Od. I 8f. XI 108ff. XII 127H. 260ff. weiden auf der H.-Insel Thrinakia unsterbliche Herden des H., und zwar sieben Schafherden und sieben Rinderherden, jede zu 50 Stück, γόνος ô’ ου γίγνεται αὐτῶν | οὐδὲ πάτε φθινύ$ουαιν. Ihre Hüterinnen sind Phaethusa und Lampetie, die Töchter des H. und der Neaira, die von der eigenen Mutter zur fernen Insel entsandt waren, um die Herden ihres Vaters zu bewachen. Da sowohl Teiresias wie Kirke dem Odysseus verkündet hatten, daß Schiff und Gefährten untergehen, wenn man diese Herden verletze, will Odysseus bei der Insel vorüberfahren. Aber auf den Vorschlag des Eurylochos gestattet er die Landung, doch verpflichtet er die Gefährten durch Eid, daß sie kein Tier töten. Während Odysseus schläft, nehmen die Gefährten auf Rat des Eurylochos die beeten Rinder, opfern den Göttern und braten das Fleisch. Auch das Wunder daß die Felle der geschlachteten Tiere sich bewegen, und daß [84] das Fleisch am Spieße noch wie ein Rind brüllte (XII 3951), hält die Gefährten nicht ab, sechs Tage hindurch von den Tieren zu schmausen. Inzwischen hat aber Lampetie die Freveltat ihrem Vater H. berichtet, dieser hat Zeus um Bestrafung der Frevler gebeten unter der Drohung, er werde in den Hades gehen und nur noch den Toten sein Licht spenden. Als die Abfahrt erfolgt, vollzieht Zeus die Strafe: ein Blitz zer-10 schmettert das Schiff und alle Gefährten des Odysseus ertrinken. - Alle späteren Erwähnungen dieser Sage gehen auf die Odyssee zurück; vgl. Eurip. Troad. 439 und Propert. IV 12, 29, wo das Wunder des noch brüllenden Fleisches erwähnt wird, Apollod. I 137; epitom. 7, 22. Heraklit, de incredib. 39. Nonn. Dionys. XXVII 1950. XXXVIII 1695. Tzetz. Lykophr. 740. Apoll. Rhod. IV 9650. dichtete hinzu, Phaethusa, die jüngere Tochter der H., habe die Schafe, 20 Lampetie die Rinder geweidet, die alle milchweiß waren und goldene Hörner hatten. Im Kreise derjenigen, die Sizilien für das homerische Thrinakia hielten, herrschte zumeist die Ansicht, der Platz, an dem die Herden des H. weideten, habe bei Mylai gelegen (vgl. Schol. Apoll. Rhod. IV 965; Artemision bei Mylai: Appian. bell. civ. V 116), der Eponymos des Φαλακρῶν ἄκρον, Phalakros, der in Mylai ein Heroon hatte, sei der Wächter der Rinder ge-30 wesen vgl. Nymphodor. Polyain. Panyasis.

Philosteph. bei Schol. Hom. Od. XII 301. Bezüglich der ursprünglichen Heimat der Sage verweist v. Wilamowitz Hom. Untersuch. 168 auf die Peloponnesos, die einst den Namen Thrinakia geführt haben könnte, Gruppe Griech. Myth. 639 betont den Zusammenhang zwischen dem Namen Thrinakia und dem H.-Sohn Thri-nax von Rhodos. Aristot. frg. 167 bei Schol. Hom. Od. XII 128. 129. Eustath. Hom. Od. 40 1717, 33 deutete die sieben Herden zu 50 Stück

auf die 350 Tage des Mondjahres, und im Anschluß daran wurden die Hüterinnen der Tage Lampetie und Phaethusa als Horen gedeutet (Schol. Hom. Od. XII 131). Obwohl diese Deutung das Nebeneinander von sieben Schaf- und sieben Rinderherden nicht erklärt und in der weitergesponnenen Erklärung für das Töten der Rinder (Schol. Hom. Od. I 8. XII 353) ganz haltlos wird, hat sie oftmals Zustimmung gefunden. 50 über andere Deutungen vgl. Weicker o. Art Geryoneus Bd. VII S. 1289f und Gruppe a. a. O. 1326, der mit Recht bemerkt, daß es in einer Zeit, wo das Vieh ein wichtiger Be-standtteil der Besitzer (auch der Heiligtümer) war, nahe lag, selbst ohne religiöse Nebenvorstellungen Verwickelungen mit einem Rinderraub einzuleiten.

Als der alles sehende Gott wird H. von den Dichtern in manche Sagen verflochten. Nach 60 Hom. Od. VIII 271. 302 verrät er dem Hephaistos den Liebesverkehr zwischen Aphrodite und Ares, eine Episode, die später manchesmal gestreift, von Ovid. met. IV 169ff.; ars am. II 5610. auch ausführlich nacherzählt wird. Ale Erweiterung wird hinzugefügt, Aphrodite habe aus Rache für jenen Verrat den H. selbst in die unglückliche Liebe zur Leukothoe verstrickt (Ovid. met. IV 191), oder sie habe Töchter [85] und Enkelinnen des H. mit unheilvoller Liebesleidenschaft erfüllt, vor allem Pasiphae, dann auch Kirke, Medeia und Phaidra, vgl. Hyg. fab. 148. Serv. Verg. Aen. VI 14; Bue. VI 47. Schol. Eurip. Hippolyt. 47. Schol. Stat. Achill. I 192. Liban. narr. 15 (Westermann My-thogr. 379, 25). Myth. Vat. I 43. II 121. III 11, 6. Fulgent. myth. II 7 (an den beiden zuletzt genannten Stellen ist Birke hinzugefügt). Nach Serv. Bue. VI 47 wurde auch erzählt, H. ' habe die Liebe der Aphrodite zu Anchises verraten. In dem Homerischen Hymnos auf Demeter wird V 26. 62ff. geschildert, wie nur Hekate und H. das Rufen der geraubten Persephone hören und wie H. der Demeter Auskunft gibt.

Als Gott, der die Blindheit heilt, wird H. in die Orionsage von Chios verflochten. Nach Hesiod. frg. 182 (Ps.-Eratosth. Katast. 32 u. a.) geht der geblendete Orion von Chios zunächst zu Hephaistos nach Lemnos; dieser gibt ihm' einen Diener Kedalion (von Naxos) als Führer mit, und Orion gelangt, den Kedalion auf seinen Schultern tragend, über das Meer zur Stelle des Sonnenaufgangs, wo H. ihn heilt. Die Sage, die Sophokles in seinem Satyrdrama Kedalion behandelt, wird von Pherekyd. frg. 3 (Apollod. I 26) etwas anders, sonst zumeist in der Hesiodei-schen Form wiedergegeben; vgl. Lukian. de dom. 28f. nebst Schol. Hygin. astron. II 34, Serv. Aen. X 763 u. a. Weiteres bei Kuentzle in Roscher Myth. Lex. III 1037.

Der Gott, der mit Blindheit straft, ist H. in gewissen Versionen der Phineussage. Die Schuld des Phineus, die ihm die doppelte Strafe, Blindheit und Harpyienplage zuzog, wird bekanntlich verschieden begründet: bald ist es ein allgemeines Vergehen, daß er den Menschen zu viel von den Ratschlägen der Götter mitgeteilt hat, bald ein spezielles Vergehen, daß er Phrixos den Weg nach Kolchis gewiesen oder die nach Hellas heimkehrenden Söhne des Phrixos gerettet hat. Gegen H. versündigt er sich insbesondere dadurch, daß er ein langes Leben dem Besitz des Augenlichtes vorzieht (Hesiod. Katal. frg. 52: Schol. Apoll. Rhod. II 181 nebst II 178), daß er als Seher den Gott übertrifft (Oppian. cyneg. II 6120.) oder daß er die Feinde des Aietes, die Söhne des Phrixos, unterstützt, weshalb Aietes ihm flucht und H. den Fluch seines Sohnes erhört (Istros frg, 60 a. Schol. Apoll. Rhod. II 207). Bei diesen Motivierungen der Schuld vollzieht H. die Strafe, bei anderen Versionen zum Teil Zeus oder Poseidon, in einer kombinierten Version bei Asklepiades frg. 3 (Schol. Hom. Od. XII 69. Eustath. Hom. Od. 1712, 13) Zeus und H. gemeinsam. Vgl. Roscher Myth. Lex. III 2367L

Daß H. im Gigantenkampfe den ermüdeten Hephaistos auf seinen Wagen nahm und ihn dadurch zu Dank verpflichtete, wie Apoll. Rhod. III 233f. sagt, ist nach den Scholien kein alter Mythos. Ebenso ist die Angabe, daß H. seiner Enkelin Medeia den Drachenwagen schenkt, auf dem sie in Korinth entflieht (Eurip. Med. 1321, Apollod. I 146), ein freier poetischer Zug.

Von Verwandlungssagen, in denen Η. vor· kommt, seien erwähnt die schon oben angeführte Sage von der Liebe des H. zu Leukothea und [86] Klytia, die beide in Pflanzen verwandelt werden, dann die Sage von Nerites, der von H. in die nach ihm benannte Meeresschnecke verwandelt wurde, weil der Gott zürnte, daß er so schnell wie H. war und sich wohl dessen rühmte (Aelian, nat. an, XIV 28). Ebenso wird die Jägerin Arge von H. in eine Hündin verwandelt, weil sie sich gerühmt hatte, sie werde einen Hirsch einholen, auch wenn er so schnell wie 10 H. laufe (Hygin. fab. 205), Über die Entstehung des μώλν soll Alexandros von Paphos (Eustath. Hom. Od. 1658, 48ff.) erzählt haben, der Gigant Pikoloos sei nach dem Gigantenkampfe zur Insel der Kirke geflüchtet und habe Kirke verjagen wollen; H, aber, der Vater der Kirke, habe sie beschützt und den Pikoloos getötet; aus dessen Blut sei das μώλν entstanden, die Blüte weiß wegen des Η, λευκός, die Wurzel schwarz wegen des schwarzen Blutes des Giganten.Erscheinung des Helios in Dichtung und Kunst. Rapp hat in Roschers Myth. Lex. I 1996ff. die griechischen Vorstellungen vom Sonnenkörper und die äußere Erscheinung des H. in Literatur und Kunst eingehend behandelt. Wo unpersönlich von der Sonne die Rede ist, da ist die Ausdrucksweise bei den Griechen dieselbe wie bei anderen Völkern. Der Glanz der Sonne (aiy), die Strahlen (ἄνγαι ἠελίοιο, ἀκτίνες), das glänzende Licht der Sonne (λαμπρὸν φάος ἠελίοιο) werden 30 immer wieder gepriesen. Sie heißt Flamme und Feuer (φλόξ und πυρ) und wird ferner bezeichnet als runde Scheibe (λαμπρὸς ἤλιου κύκλος Aischyl. Pers. 502. Soph. Antig. 416), als die sich drehende Scheibe (Soph. frg. 672: τὸν ὀτρίφοντα κύκλον ἤλιον), als Sonnenrad (ἤλΙου τροχός Aristop h. Thesmoph. 17; solis rota Lucret. V 432. Stat. silv. V 1, 17, vgl. Serv. Bue. VI 42, wo Prometheus an der rota solis seine Fackel an-zündet). Rapp a. a, O. weist darauf hin, daßin der älteren Kunst die Sonne entweder als einfache runde Scheibe, wie auf dem Schild des Achilleus (Hom. Il. XVIII 484) dargestellt war, oder als Scheibe über einem Viergespann, wie auch auf dem von Euripid. El. 464 beschriebenen Schilde: ἐν δὲ μέοῳ κατελαμπὲ σάκει φαέθων κύκλος ἀελίοιο ἴπποις ἄν πτεροεσσαις; Vgl. Dé ehe* lette Rev. arch. 1909 I 305ff. II 94ff. Außerdem war einst, wie aus den Sagen über den Becher des H. hervorgeht, die Vorstellung ge-läufig, daß die Sonne ein großer goldener Kessel sei, oder daß sie in einem Kahn über dem Himmelsstrom fahre, vgl. Gruppe Griech. Myth. 380f. σκαφοειδεῖς ziehen nach Heraklit (Diels Vorso-kratiker 12 59 nr. 12) Sonne, Mond und Sterne über den Himmel.

Eine persönliche Note liegt in der Bezeichnung der Sonne als Auge, eine Vorstellung, die bei allen Völkern wiederkehrt, vgl. Aischyl: Prom. 91 πανόπτην κύκλον ἤλΙου; Soph. Antig. 104 6θχρυσ«ὶ‘ ἄμερας βλέφαρο**, 879 TÔk λαμπάδας ἰερὸν δμμά; Aristoph. Nub. 285 δμμὰ γὰρ αἰθέρος ἀκάματο*, nebst Schob; Eurip. Iph. Tant. 194. Die Sonne ist das Auge des Tages wie der Mond das Auge der Nacht (Roscher Selene 21, 69). Es ist das Auge desjenigen Gottes, den man als höchsten Himmelsgott ehrt Wenn Hesiod. y. 267 (vgl. Soph. Oid. KoL 704) von J w ἀφθαλμός spricht, so denkt er zwar nicht an die Sonne, [87] aber späteren Zeiten war die Auffassung der Sonne als Auge des Zeus geläufig, vgl. Macrob. Sat I 21, 12: solem Jovis ooulum appeUat anti-quitas. Ebenso bezeichnet man die Sonne auch als das ,Auge des Sarapis‘ (Macrob. Sat. I 20, 17), als Auge des Horns (Plut. Is. et Osir. 52). H. seinerseits heißt in Orph. hymn. Vin 14 κόσμου τὸ περίδρομον δμμά, bei Ovid. met. IV 228 mundi voulus.

In die Zeiten, in denen der Sonnengott in Tiergestalt verehrt wurde, führen nur einige sichere Spuren zurück. Daß er einst Stiergestalt trug, lehren die oben beim Kult von Kreta erwähnten Zeugnisse und die Pasiphaesage. Daß man anderswo ihm Roßgestalt zuschrieb, wie den Windgottheiten, ergibt sich aus der bleibenden Bedeutung der Sonnenrosse. Dagegen ist die Bezeichnung als ,Vogel des Zeus* (Aischyl. Suppl. 202) wohl nur ein freier dichterischer Vergleich der Sonne mit dem Adler.

Seitdem H. in Menschengestalt verehrt wurde, wird stets der Glanz seiner ganzen Gestalt betont. Φαέθων, ἠλέκτωρ, παμφανόων, φαεσίμβροτος, πασιφαῆς καλλιφεγγῆς, παμφεγγῆς, λαμπῶν, λαμπρός, λαμπραυγῆς u. dgl. sind seine Epitheta (vgl. Bruchmann Epith. deor. 144ff.); dazu kommen Beiworte, die an den Glanz des Feuers (πυρόεις, πυραυγῆς u. a.) oder an den Glanz des Goldes anknüpfen (χρυσαυγῆς, χρυσοφαῆς, χρυσοκόμας u. a.). Golden ist sein Wagen, golden die Zügel (χρυοήνιος Prokl. hymn. I 1), golden der Helm, den er nach Hom. hymn. XXXI 10 trägt. In diesem Hymnos wird auch geschildert, wie die λαμπραὶ δ' ἀκτίνες ἄπ' αὐτοῦ) αἰγλὴ ἐν ὀτίλβουοι und wie sein ganzes Gewand leuchtet. Die Strahlen werden entweder aufgefaßt als solche, die von der ganzen Gestalt des Ξ. ausgehen, oder als Strahlen, die von dem Auge des Gottes ausgehen (vgl. schon Hom. Od. XI 16: καταδέρκεται ἀκτίνεσσι. Hom. hymn. V 70. Hesiod. Theog. 760; Kinder und Enkel des H. sind an dem strahlenden Auge zu erkennen, Apoll. Rhod. IV 727ff. nebst Schol. zu I 172), daneben aber auch als eine Strahlenkrone, die der Gott Nachts ablegen kann (vgl. Mimnerm. frg. 11), eine Vorstellung, an die auch in der Phaethonsage angeknüpft wird, z. B. bei Ovid. met. II 40, Aus der allgemein üblichen Ausdrucksweise, daß der Sonnenstrahl etwas ,trifft‘ (βάλλει Hom. Od. V 479. XIX 441 u. a.; προσεβαλλεν ἄρουρας Hom. Il. VII 421), entwickelt sich die Auffassung, daß die Strahlen Geschosse des Gottes sind, vgl. Eurip. Here. fur. 1090: τόξα θ'Ήλιου τάδε. FTG adesp. 546, 7: ὑερμά d* Ἤλιον τοξεύματα. Nonn. Dionys. XXXIII 308: Ἠελίοιο οἰστοί. Doch liegt dort, wo H. als Bogenschütze auftritt, der seine Pfeile auf seine Feinde richtet (Timoth. frg. 25 v. Wilamowitz, frg. 13 Bergk: συ τ ω τὸν ἄει πόλον αἰθέριον | λαμπραῖς ἀκτῖσ' Ἤλιε βάλλουν I πέμψον ἐκαβόλον ἐχθροῖαι βέλος | σάς ἀπὸ νευρας, ω « παιάν) ein von Apollon übertragenes Bild vor. Die Kraft des Η. (μένος ἠελίοιο Hom. II. XXIII 190; Oi X 160; ἰερὸν μένος Ἠελίοιο Hom. hymn.in Apoll. Pyth. 193; μεγάλη ἴς Ἠελίον Hom. Od. XII 176) liegt in der sengenden Hitze der Sonnenstrahlen (Hom. II. XVII 372: αὐγή iMlbv 6üSa)f daran denkt, wer BL das Epitheton ὀξύς (Hom. hymn. in ApolL Pyth. 196. Hesiod. [88] Theog. 414. Theogn. 426) oder ὀξυβελῆς (Empe-dokl. 149 Stein) beilegt. Η. ist der Vater der sengenden Strahlen ὀξειάν ὁ γενέθλιας ἀκτίνων πατήρ (Pind. Ol. VII 70).

Bei Homer ist H. der unermüdliche Wanderer, der ἀκάμας (Hom. Il. XVIII 239. 484. Hesiod. Theog. 956 u. a.) am Himmel daherschreitet; οὐρανὸν εἰοανιῶν (Hom. Il. VII 423), ἠελίου ἀνιόντος (II. VIII 538 u. Ö.), Ἰῶν εἰς οὐρανόν (Od. XII 380), ὀπὸτ ἄν ὀτείχροι πρὸς οὐρανόν (Od. XI 17), οὐρανὸν ἀμφιβεβήκει (II. VIII 68 u. ö.) n. dgl. sind die Ausdrücke, in denen Homer von der Sonne oder dem Gott spricht- Nichts deutet an, daß H. auf einem Wagen fahrt. Nur aus den Worten ἤμος ö’ ἸΙέλιος μετενίοσετο βονλυ~ τόνδε (H. XVI 779 - Od. IX 58) klingt vielleicht noch eine ältere Vorstellung heraus, daß H. auf einem Stiergespann fuhr. Die feuerschnaubenden Stiere des Aietes entstammen solchen Vorstel-20 Iungen.

In der sonstigen Poesie aber herrscht allgemein die Auffassung, daß H. auf einem rossebespannten Wagen fährt. Das ist die Grundlage der Phaethonsage, das ist die ständige Vorstellung bei Hom. hymn. III 69. V63.88. XXVIII 14. XXXI 9. 14. Hesiod. frg. 67 bei Schob Apoll. Rhod, III 311. Mimnerm. frg. 12. Sopb. Aias 84 5. 857. Euripid. Phoin. 2; Iphig. Taur. 1138; Ion 82. 1148; Elektr. 466; Phaethon frg. 771. 30 Apoll. Ehod. III 233. 309 u. a. Golden ist der Wagen (Hom. hymn. XXXI 15. Euripid. Phoin. 2 u. a.), ein Werk des Hephaistos (Ovid. met. II 106). Schnellfüßig sind die Rosse (ὠκῦποδες Hom. hymn. XXVIII 14) und feuerschnaubend (Pind. ὌΙ. VII 71. Ovid. met. II 119. 155, vgl. Euripid. Iph. Aul. 159. Stat. Theb. III 408 u. a.). Rasch fliegen sie mit dem Wagen dahin wie Vögel ταννπτεροὶ ὤστ 'οἰωνοί (Hom. hymn. V 89), und sie werden zum Teil auch ausdrücklich als ge-40 flügelt bezeichnet (Euripid. Elektr. 466; Orest. 1001. Ovid. met. II 48. 153. 159). Ihre Namen sind nach Eumel, bei Hygin. fab. 183 Eoos, Aithops (dieser Name auch bei Euripid. frg. 896, vgl. Knaack Quaest. Phaethont. 36. 37), Bronte und Sterope, nach Ovid. met. II 153ff. Pyroeis (vgl. Val. Place. V 432), Eoos, Aithon (auch in anderen Sagen beliebt als Pferdename, s. o. Bd. I S. 1106 nr. 4–8), und Phlegon; nach Schob Euripid. Phoin. 3 entweder Chronos (?Ήφος), 50 Aitho (? Αἰθοψ oder Αἰθων), Astrape und Bronte, oder unter der Annahme, daß H. auf einem Zweigespann fährt, Lampon und Phaethon (vgl. die Rosse der Eos bei Hom. Od. XXIII 246: Lam-pos und Phaethon), ebenso nur zwei bei Martial. VII! 21, 7 Xanthos und Aithon (gleich den Rossen des Hektor bei Hom. Il. VIII 185). Nach Ful-gent. myth. I 12 (Myth. Vat. I 113. II 21) heißen die Bosse Erythraios, Aithon (nicht Ak-taion), Lampos und Philogaios; ferner gibt Hygin. 60 fab. 183 noch Namen an, deren Lesart aber ganz unsicher ist. An die Namen, von denen Bronte, Sterope und Astrape den H. als Gewittergott charakterisieren, knüpfen Euripides, Hygin, Fai-gentius zum Teil noch besondere Deutungen.

In der Kunst erscheint H. zunächst ohne Strahlenkranz. Die Sonnenscheibe schwebt über dem Haupt des Gottes und kennzeichnet ihn als' H. Erst im Laufe des 5. Jhdts. wird es Üblich, [89] das Haupt mit einem Strahlenkranz oder einer Strahlenkrone zu umgeben; vgl. Stephani Nimbus und Strahlenkranz 25ff. 119f. Auf sf. Vasen ist H., wie alle Götter jener Zeit, bärtig, später wird er ausnahmslos als jugendlicher schöner Gott dargestellt, und es bilden dann der freie, aufwärts gerichtete Blick oder wallendes Lockenhaar seine Kennzeichen, wie auf rhodi sehen Münzen, bei dem H.-Kopf von Rhodos (Hartwig Röm. Mitt. II 159ff Taf. VII) und dem H.-Kopf im kapitolinischen Museum (abgeb. bei Koepp Bildnis Alexanders d. Gr., Berlin, Winckelmanns-Progr. 1892, 20). Auf einem en face gezeichneten Zweigespann von geflügelten Rossen taucht der bärtige Gott, die Sonnenscheibe über seinem Haupte, aus dem Meere auf in zwei sf. Vasenbildern, Journ. hell. Stud. XIX Taf. 9 und Stackelberg Gräber d. Hellenen Taf. 15, 5 (w’iederholt bei Gerhard Ges. akadem. Ab-handl. Taf. V 5 und Roscher Myth. Lex. I 1995), die beide den Angriff des Herakles auf H. darstellen. Ähnlich ist die Darstellung der sf. Vase in Berlin nr. 1983. Auf einem Zweigespann und gleichfalls durch die Sonne über seinem Haupte charakterisiert, fährt H. auch hinter Eos und Selene auf dem rf. Deckelbild einer flachen Pyxis in Berlin nr, 2519 (abgeb. Furtwängler Sammi. Sabouroff Taf. 63 = Roscher Myth. Lex. I 2007), und gelegentlich findet sich auch auf späteren Vasenbildern der Gott auf dem Zweigespann, z. B. auf der unteritalischen Archemorosvase Neapel nr. 3255 in dem Bilde von Atlas und den Hesperiden (abgeb. Gerhard a. a. O. Taf. II). Gewöhnlich zeigen aber die späteren Vasenbilder H. mit dem Strahlenkranz auf einem Viergespann, wie z. B. die Canosavase in München nr. 849 (abgeb. M i 11 i n Tombeaux de Canose Taf. V = Gerhard a. a. O. Taf. VII 1), die Cumanervase in Neapel (Cumana nr. 157, abgeb. Fiorelli Vasi Cum, Taf. VI), die Ruvovase in Neapel 3256, Mon. d. Inst. II 31. 32 (= Gerhard a. a. O. Taf. VI 3. 1), Neapel 3219 abgeb. Mon. d. Inst. IV 16 (= Gerhard a. a. O. Taf. VI 4); dabei werden mehrfach neben H. Eos oder Selene fahrend oder reitend dargestellt, und daß H. aus dem Meere aufsteigt oder zum Meere hinabeilt, wird durch Hinzufügen von Wellen und Fischen oder durch die Gestalt des Poseidon angedeutet, der den H. erwartet. H. trägt zumeist den Chiton des Wagenlenkers, auf sf. Vasen wie Stackelberg a. a. O. und Berlin nr. 1983 auch die zwei Stäbe, deren sich der Wagenlenker als Peitsche bedient, manchesmal flattert auch das Gewand leichter und bauscht sich, wie auf der schönen Darstellung des strahlenum-kränzten H. auf dem Viergespann in der Metope von Neu-Ilion (abgeb. Arch. Ztg. XXX Taf. 64. Baumeister Denkm. d. kl. Altert. I 639 Fig. 710. Roscher Myth. Lex, I 2006). Im Kostüm des Wagenlenkers erscheint er auch am Pergamenischen Altar und auf den Reliefs vom Tempel der Athena Polias zu Priene: Overbeck Griech. Plastik³ II 102 Fig. 116a. Einen Panzer (vgl. Val, Flacc. IV 94n.), und zwar einen Schuppenpanzer, trägt H., neben dessen Haupt hier wieder wie auf den ältesten Vasen die Sonne gemalt ist, auf einer Ruvovase [90] in Neapel 2883 (abgeb. Mon. d. Inst. IX 6), wo er und Selene als Gegenstücke oberhalb der Darstellung des Gigantenkampfes erscheinen; der Kampf begründet das Tragen des Panzers. Mit der Schilderung des Sonnenaufgangs bei Dichtern, wie Euripid. Ion 820., ist oft verglichen die schöne Darstellung des Sonnenaufgangs auf dem Vasenbild Panofka Mus. Blacas 17 (= Welcker Alte Denkm. III 540. 10 Taf. IX. Gerhard a. a. O. Taf. V 2. Baumeister Denkm. d. klass. Altert. I 640 Fig. 711. Roscher Myth. Lex. I 2010): hier steigt H., das Haupt von Strahlen umgeben, auf einem geflügelten Viergespann aus dem Meere empor, in welches die Sterne als badende Knaben hi nab tauchen. Auf einer anderen Darstellung des Sonnenaufgangs, wo Satyrn in lebhaften Bewegungen ihr Erstaunen über den Sonnenglanz ausdrücken, auf einem Vasenbild in Parma 20 aus Sommavilla (Mon. d. Inst. II 55 = Welcker Alte Denkm. III Taf. XI. G e r ha r d a. a. O. Taf. V 1. Roscher Myth. Lex. I 1998) ist der Gott nicht mehr in ganzer Figur, sondern nur noch als Brustbild innerhalb der strahlenden Sonne dargcstellt.

H. und Selene sind als Gegenstücke im Ostgiebel des Parthenon dargestellt, H. auch hier auf seinem Viergespann in dem Augenblick, da er sich aus dem Meere erhebt, vgl. Overbeck 30 Griech. Plastik³ I 303. Ebenso umrahmen sie die Darstellung der Geburt der Aphrodite am Thron des Zeus zu Olympia (Paus. V 11, 8), und der δναις Ἠλίου im Tempelgiebel von Delphi (Paus. X 19, 4) entsprach vielleicht eine aufsteigende Selene. Derartige Umrahmungen ganzer Szenen durch H. und Selene sind auf Vasenbildern, Sarkophagen und anderen Monumenten beliebt geblieben, auch in römischen Darstellungen von Sol und Luna, vgl. O. Jahn Archäol. 40 Beitr. 79ff. Sie erheben die einzelne dargestellte Szene in den Rahmen des großen Weltganzen, dessen sichtbare Vertreter die ewig unwandelbaren Gestirne, Sonne und Mond, sind.

Von H.-Statuen sind aus der Literatur bekannt der H. mit Strahlenkranz in Elis (Paus. VI 24, 6), der H. auf seinem Viergespann von Lysippos (Plin. XXXIV 63), die rhodische Kolossalstatue von Chares (s. o. Bd. III S. 2130). Die erhaltenen Statuen und Bronzen (S. R e i-50 nach Repert. d. 1. statuaire II 110f. III 30. 147, 3), von denen die Statue aus Berlin 177 (Archäol. Ztg. XIX Taf. 145) und der durch ein Wehr-gehäng mit den Zeichen des Tierkreises als H. gekennzeichnete Torso im Vatikan auch bei Roscher Myth. Lex. 2022 u. 2002 abgebildet sind, zeigen den Gott in jugendlicher Bildung, zumeist mit dem Strahlenkränze.

Wohnsitz des H. bei Nacht. Die poetischen Schilderungen über den Aufenthalt 60 des H. während der Nacht und über die Stätte des Auf- und Untergangs gehen zurück in jene Zeit, da man von Osten bis Westen südlich der bekannten Länder den großen Meeresgürtel, den Okeanos, annahm, an dem Aithiopen u. a. wohnen. Wie Osten und Westen bei diesen Vorstellungen zusammenfallen, so daß dieselbe Gegend und dasselbe mythische Volk sowohl in den Osten, wie in den Westen verlegt wird, ist [91] oft betont. Für H. handelt es sich im wesentlichen um folgende Vorstellungen:

1. Okeanos: Morgens verläßt H. den Okea-nos (Hom. II. VII 422) oder τὴν περικάλλεα λίμνην (Hom. Od. III 1). Abends sinkt die Sonne wieder in den Okeanos hinab (Hom. Il. VIII 485; Hom. hymn. XXXI 16). Oder H. geht νπὸ γαῖαν (Hom. Od. X 191, vgl. Apoll. Rhod. III 1191). Beides vereint Hom. hymn. III 68: Ἤελιος μὲν ἔδννε κατὰ χθονος Ὠκεανόνδε. An einen Η Palast am Okeanos, aus dem H. des Morgens in die Welt tritt, erinnert der Ausdruck Ἠελίοιο πυλαν. Hom. Od. XXIV 12. Daß die Kunst das Aufsteigen des H. aus dem Meer oft dargestellt hat, ist bereits erwähnt. Die Dichter feiern es zu allen Zeiten.

2. Aia: Auf der νῆσος Αἰαίη im fernen Osten am Rand des Okeanos ist der Platz für ὀΙκία καὶ χοροί der Eos und die ἄντολαι Ἠελίοιο (Hom. Od. XII 4). Hier liegen die Strahlen des H. im 2C goldenen Palaste in der Stadt des Aietes, Mim-nerm. frg. 11.

3. Aithiopen. Vom Land der Aithiopen aus tritt H. jeden Morgen seine Fahrt an (Mim-nerm. frg. 12). Diese Gegenden, in welchen der Aithiopenkönig Merops herrscht und die Phae-thonsage spielt, werden in der Frühe zuerst von den Strahlen des H. getroffen und heißen die ἰπποατάσεις der Eos und des H., Euripid. Phaeth. frg. 771. Nach Aischyl. frg. 192 (Strab. I3Û 33) badet H. sich und seine ermüdeten Rosse in den warmen Fluten der ἐρνθρὰ θάλασσα und der χαλκοκέραυνος παρ' Ὤκεανω λίμνα παντοτρόφος Αἰθιόπων; der abendliche Ruhepunkt scheint hier mit dem Aufsteigepunkt der Frühe zusammenzufallen. An die westlichen Aithiopen denkt Apoll, Rhod. III 1192, wo die Sonne jenseits der Aithiopenberge untergeht. Hesiod. Ἴργ. 527 spricht in anderem Zusammenhang von den Aithiopen des Südens, denen die Sonne im Win- 40 ter naher rückt.

4. Ἠρνθρὰ θάλασσα bei Aischyl. a. a. O., der Name des H.-Rosses Erythraios und die Sagen von den Rindern von Erytheia führen auf eine gemeinsame Vorstellung bezüglich des Wohnsitzes des H., die in der Poesie sonst nicht mehr naehklingt.

5. Hesperiden: Abends gelangt H. in das Land der Hesperiden, Mimnerm. frg. 12, bei denen er auch auf dem Vasenbild von Neapel 50 3255 (abgeb. Gerhard a. a. O. Taf. II) erscheint. In diese Gegend verlegt Ovid. met. IV 214 (axe sub Hesperio) die nächtlichen Weideplätze der H.-Rosse, die hier statt Gras Ambrosia haben, das ihre müden Glieder stärkt. Hier Iost nach Stat. Theb. III 407ff. (Hesperii margine ponti) H. die Pferde vom Wagen, wäscht sich und die Rosse Oceani sub tonte, bedient von Nereiden und Horen, Schilderungen, die erweitert bei Non. Dionys. XII 1ff. wiederkehren, 60 wo Abends am Okeanos Phosphoros das warme Bad bereitet und die Horen als δμωίδες Ἠελίοιο auf treten.

6. Titania antra: Val. Place. IV 9θδ. schildert, wie in der Frühe die Höhle des H., die Titania antra von der Ungeduld der Rosse ertönt, und wie unter dem Drängen der Horae H. seinen Panzer anlegt. Über die VorsteUung [92] des Wohnens von Lichtgottheiten in Höhlen vgl. Usener Rh. Mus. 1868, 840.

7. Inseln der Seligen: Auf den Inseln der Seligen wächst nach Alexandr. Aitol. bei Athen. VII 296 e das aus der Glaukossage berühmte Zauberkraut (s. o. Bd. VII 8. 1409), das die Unsterblichkeit verleiht; mit ihm füttert H. täglich seine Rosse. Über die späte Erklärung der μακάρων νήσοι als ἤλιος καὶ σελήνή (Iambl. vit.) Pythagor, 18, 82) vgl. Roscher Selene 91, 357.

8. Molosser: Euripid. Alkest. 593 spricht von der abendlichen ἰππόστασις des H. im Lande der Molosser.

Ausgeschmückt wird das Bild vom Wohnsitz des H., den Orion in der Sage von Chios im fernsten Osten sucht, noch auf mannigfache Weise. Nach Stesichor. frg. 8 weilt H. Nachts bei seiner Mutter, seiner Gattin und seinen Kindern. Die Dichter der Phaethonsage, wie Euripid.) Phaeth. und Ovid. met. I 774. II 1ff, schmücken das Bild des Palastes aus. Nach Ovid. heroid, IX 16 und Senee. Here. Oet. 2 hat H. zwei Paläste, je einen im Osten und im Westen.

Fahrt des Helios im Sonnenbecher. Um die Frage zu beantworten, wie H. von seinem Ruheplatz im Westen bei Nacht zu seinem Aufgangspunkt im Osten zurückkehre, knüpft man an alte Vorstellungen au, nach denen die Sonne in einem Kahn über den Himmel zieht oder । einem großen goldenen Kessel gleicht. Ein Schiff trägt das Viergespann mit H. und Selene über den Okeanos von Westen nach Osten auf einem späten Vasenbild bei Welcker Alte Denkm. III Taf. XI. Gerhard Ges. Akadem. Abhandl. Taf. VII 3. Die Dichter, deren Zitate aus Athen, XI469d-470d stammen, betonen, daß es sich um eine nächtliche Fahrt handelt, bei der H. und seine Rosse der Ruhe pflegen. Mimnerm. frg- 12 umschreibt daher das Fahrzeug als Ruhelager (θολυτλρατό? ἐννή), und zwar als goldene Ruhestätte, die Hephaistos gefertigt hatte und die νθόκτερος, mit Flügeln versehen, den schlafenden H. über das Meer vom Land der Hespe-riden zu dem Aithioperlande trug. Von einem goldenen δεπας sprechen Stesichor. frg. 8. Aischyl. Heliad. frg. 69, der ihn von Hephaistos gefertigt sein läßt. Antimach. frg. 4 Bergk. Peisandros frg. 5 Kinkel. Pherekyd. bei Athen. XI 470 c und Schol. Apoll. Rhod. IV 1396 (nach Pherekydes auch Apollod. II 107. 119). Von einer goldenen φιάλη spricht Panya-sis frg. 7 Kinkel, von einem goldenen λέβης sprechen die Titanomachia p, 312 Kinkel und Theolytos (FHG IV 515). Erwähnt wird dieser Becher des H. von den meisten der hier nach Athen. XI369-470 (vgl. Eustath. Hom. Od. 1632, 24ff.) genannten Autoren nicht deshalb, weil die Vorstellung von der nächtlichen Fahrt im Zusammenhang mit H. noch eine größere Bedeutung im Glauben des Volkes hatte, sondern weil dieser Sonnenbecher in der Heraklessage eine besondere Rolle spielte, und zwar in der Geryoneussage. Auf einer Schale aus Vulci im Vatikan (Mus. Gregor, tav. LXXIV; Gerhard Auserles. Vasenb. II 109; Ges. Akad. AbhdL Taf. V 4. Roscher Myth. Lex. I 2204) ist Herakles dargestellt, wie er in dem λίβης über das Meer fährt. Er gebraucht ihn, wie Stesichoros frg. 8 [93] (außer Athen. XI 88 p. 469 e vgl. XI 16 p. 781 d) sagt, um die Rinder des Geryoneus zu holen, und in diesem Zusammenhang sprechen von ihm auch Peisandros, Panyasis, Pherekydes und gleichfalls Antimachos, dessen Vers wohl dahin zu verstehen ist, daß Erytheia den Herakles in dem goldenen Becher des H. entsendet, nicht daß sie den Helios geleitet: τότε Ô χρυ~ ὄεψ ἐν δέπαι | Η ἐλῶν (statt Ἠέλιον) πόμπενεν ἀγακλυμένη Ἐρῦθεια. Nach Pherekyd. bei Schol. Apoll. Rhod. IV 1396 (vgl. Apollod. II 119) gebraucht Herakles den Becher zum zweitenmal auf seiner Fahrt zu Prometheus. Erhalten hat er den Becher des H. nach Peisandros von Oke-anos, nach Panyasis von Nereus, Dagegen hat nach Pherekydes bei Athen. XI 470 c Herakles den Becher von H. gefordert und seinen Pfeil schon gegen ihn gerichtet (darnach Apollod. II 107), und eben dieser Sage folgen die oben erwähnten beiden sf. Vasenbilder Journ. hell. Stud. XIX Taf. 9 und Stackelberg Gräber der Hellenen Taf. 15. 5.

[Jessen. ]