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RE:Heraclea 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Stadt in Lukanien
Band VIII,1 (1912) Sp. 404–405
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Jakob Weiss: Heraclea 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band VIII,1 (1912), Sp. 404–405, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Heraclea_1

Heraclea. 1) Lag an Stelle des heutigen Policoro in Lucanien (CIL VI 3884[1] q. 4 v. 21. Skylax 14 erwähnt ἐν τῇ Ἰαπυγίᾳ Ἡράκλειον) zwischen den Bächen Aciris und Siris (Plin. n. h. III 97), den Städten Metapont und Thurii (Appian. Hann. 35), 24 Stadien nordwärts von der an der Mündung des Siris gelegenen gleichnamigen Siedlung, die für das landeinwärts liegende H. den Seehandelsplatz bildete, Strab. VI 264; vgl. Varro r. r. II 9, 16. Die falsche Angabe bei Flor. epit. I 13. Oros. adv. pag. III 1, 8. Iord. Rom. 154, H. wäre in Campanien gelegen, beruht auf einer Verwechslung des Siris mit dem Liris. H. wurde im J. 433/2 v. Chr. von den im Kampf mit Thurii überlegenen Tarentinern (vgl. E. Meyer Gesch. des Altertums IV 27) gegründet, welche den größten Teil der Bevölkerung von Siris und Tarentiner Kolonisten hier ansiedelten. Diodor. XII 36. Strab. a. O. Liv. VIII 24. Den dorischen Dialekt der Bewohner zeigt die große, wohl dem 3. Jhdt. angehörige Verpachtungsurkunde IG XIV 645 = Collitz Dial.-Inschr. III² p. 88, die uns zugleich einen Einblick in die Stadtverwaltung gewährt (ἁλία die Volksversammlung; ἔφοροι, πολιανόμοι und σιταγέρται Behörden; vgl. IG a. O. 161). Das von Tarent zunächst abhängige H. - Mommsen Röm. Münzwesen 104 vermutet, daß aus diesem Grunde das Münzrecht der Stadt auf Kleinsilber beschränkt war - wurde Sitz des Bundestages der unter der Führung Tarents vereinigten Italioten, Strab. VI 280, vgl. Niese Gesch. d. griech. u. maked. Staaten I 473ff. E. Meyer a. O. V 169. Im Kriege gegen die das Griechentum der Küste bedrohenden Lucaner riefen die Tarentiner Alexander den Molosser zu Hilfe, der später in Zwiespalt mit den Tarentinern H. erobert haben soll, Liv. VIII 24 (zum J. 327) und den Sitz des Bundestages auf das Gebiet der mit ihm verbündeten Stadt Thurii verlegen wollte, Strab. VI 280. H. begegnet uns wieder im J. 280 als Schauplatz der für die Römer unglücklichen Schlacht gegen Pyrrhus und die Tarentiner, Plut. Pyrrh. 16. Liv. XXII 59, 8. Das prope singulare foedus, welches H. mit Rom geschlossen hat - nach der etwas unsicheren Angabe Ciceros pro Balb. 22 C. Fabricio consule = 278 v. Chr.; vgl. pro Arch. 6 — läßt darauf schließen, daß H. noch während des Tarentiner Kriegs mit Rom in Verbindung getreten ist; vgl. Beloch Griech. Gesch. III 1, 665. Niese R. Gesch.⁴ 78. Im zweiten Punischen Krieg hat Hannibal aus der Gegend von H. Getreide requiriert (Liv. XXIV 20 zum J. 214), und die Stadt mußte sich ihm δέει μᾶλλον ἢ γνώμη anschließen, Appian. Hann. 35. Im Bundesgenossenkrieg ist das Archiv der Stadt abgebrannt, Cic. pro Arch. 8. Die durch die Lex Plautia Papiria erfolgte Verleihung des römischen Bürgerrechts war einem Teil der Bevölkerung zuwider, cum [405] magna pars foederis sui libertatem civitati anteferret Cic. pro Balb. 21. Der Versuch von Legras La table latine d'Héraclée, Paris 1907, das auf der Rückseite einer der oben erwähnten Tafeln eingegrabene lateinische Gesetz (die sog. Lex Iulia municipalis CIL I 206)[2] dieser Übergangszeit zuzuweisen, muß als willkürlich bezeichnet werden, vgl. Frese Deutsche Literatur-Ztg. 1910, 2872; über die dieses Gesetz betreffenden Hypothesen vgl. neben Legras besonders Hackel Wiener Studien XXIV 522f. H. hat in späterer Zeit keine Rolle mehr gespielt; wir finden die Siedlung, von gelegentlichen Erwähnungen wie bei Liv. I 18. Steph. Byz. s. v. abgesehen, noch in den Itinerarien genannt, Tab. Peut. Geogr. Rav. IV 31. V I. Itin. Ant. 113. Münzen der Stadt sind im Cat. Greek coins Italy 225–235 veröffentlicht. Vgl. im allgemeinen Lenormant La Grande-Grèce I 163ff. Nissen Ital. Landesk. II 915. Racioppi Storia dei popoli della Lucania I² (1902) 142ff. Legras a. O. 318ff.

[Weiss. ]

Anmerkungen (Wikisource)

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  1. ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 3884.
  2. ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum I, 206.