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RE:Hercynia silva

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Waldgebirge nördlich der Donau
Band VIII,1 (1912) Sp. 614615
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Register VIII,1 Register h
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Zitierempfehlung
Ferdinand Haug: Hercynia silva. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band VIII,1 (1912), Sp. 614–615, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Hercynia_silva

Hercynia silva, ein zusammenfassender Ausdruck für die Waldgebirge nördlich der Donau, von den Griechen meist als δρυμός (auch ὄρη oder ὕλη), von den Römern gewöhnlich als silva oder saltus, auch iugum (Plin.) bezeichnet. Der Name ist wohl keltisch, nach Holder eigentlich Ercunion lautend, nach Zeuss mit kymr. erchyniad ‚Erhöhung' verwandt, nach Much (Deutsche Stammeskunde 48. 56) von urkelt. perkunia, got. fairguni, ahd. fergunna lautend (daher der Virgundwald im Fränkischen). Nebenformen sind [615] bei Aristoteles (meteorol. I 13, 20) ὄρη Ἀρκύνια, bei andern Griechen nach Caes. bell. Gall. VI 24f., auch bei Ptolem. II 11, 5 Ὀρκύνιος δρυμός, bei den Römern und sonst auch bei Griechen mit anlautendem h. – Die Ausdehnung des Waldgebirges ist zuerst von Caesar (a. a. O.) und von Strabon (IV 207. VII 290ff.) einigermaßen bestimmt worden; hiernach umfaßt es alle Mittelgebirge rechts vom Rhein und links von der oberen Donau. Am Rheinknie bei Basel oder nach Strabon weiter nördlich bei den Donauquellen beginnend reicht es in nördlicher Richtung bis zum Anfang der Tiefebene (vgl. Tac. Germ. 30), ja sogar nach Timaios irrtümlicher Ansicht (bei Diodor. V 21, 1) und nach Plinius (n. h. XVI 6) bis zur Nordsee. Vom gleichen Punkt aus in östlicher Richtung erstreckt es sich, im ganzen dem Lauf der Donau folgend, bis zu den Dakern, Iazygen und Sarmaten (Caes. a. a. O. Plin. n. h. IV 80). Die Breite, d. h. die südnördliche Ausdehnung berechnet Caesar auf neun Tagreisen für einen rüstigen Wanderer, die Länge, d. h. die westöstliche Erstreckung auf mehr als 60 Tagreisen (ebenso Mela III 3, 29). – Seit dem Eindringen der Römer in Deutschland treten allmählich auch die Bezeichnungen einzelner Teile auf: silva Bacenis (Caes. bell. Gall. VI 10), ὕλη Γαβρήτα (Strab. a. a. O.), saltus Teutoburgiensis (Tac. ann. I 60), mons Taunus (ebd. I 56. XII 28), mons Abnoba (Plin. n. h. IV 79. Tac. Germ. 1. Ptolem. II 11, 5f.), Ἀλπεῖα ὄρη (Ptolem. ebd.), der Melibocus, die Sudeten und die andern Böhmen umgebenden Gebirge. – Caesar rühmt den Reichtum des Hercynischen Waldes an sonst unbekannten wilden Tieren, die er eingehend schildert (Renntier?, Elch, Auerochs, bell. Gall. VI 25–28). Plinius hebt die invisitata genera alitum hervor (n. h. X 132) und die mächtigen alten Bäume (ebd. XVI 6). Wenn schon bei Caesar und Plinius auch märchenhafte Züge hervortreten, so wird bei Suidas (frg. δ') der überwältigende Eindruck des Urwalds mit dem Ausdruck χρῆμα ἐξαίσιον bündig bezeichnet.

[Haug. ]