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RE:Hieroglyphen

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Bilderschrift des alten Ägypter
Band VIII,2 (1913) S. 14681471
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Hieroglyphen [...] [1469] [1470] [1471] rinî 117). Dazu paßt sehr gut, daß in einer stadtrömischen Inschrift aus der Zeit Caracallas ebenfalls ein freier Verehrer des Sarapis sich Λ nennt (IG XIV 1024): Ὕπερ σωτηρίας αὐτοκράτορος... Διὶ Ἠλίψ Μεγάλῳ Σαράπιδι Γ.Αβίδιος Τροφιμιανδς ἰερόδουλος πάσης ἰεροδονλίας ἐνξάμένος ἀνέβηκα. Die Erklärung von ἰεροδονλία macht hier Schwierigkeiten ebenso wie in der Inschrift aus dem Sarapisheiligtum in Ostia IG XIV 10 914: ... Διὶ Ἠλίῳ Μεγάλῳ Σαράπιδι ... M. Ἀνρήλιος *Ηρων νεωκόρος τοῦ ἐν Πόρτερ Σαράπιδος, ἐπὶ Λαργινίῳ Βειταλίωνι ἀρχινπηρέτη καὶ καμεινεντὴ καὶ Αὐρηλίω Ἐφήβῳ καὶ Σ[α]λωνίω Θε[ο]δότῳ ἰεροφώνοις καὶ καμεινευται[ς κ]αίθ) τῆ ἰεροδουλείρ, ἀνέθηκεν ἔπ' ἄγαθῳ. Auch die ῖ. eines Tempels der Thoëris in Hibeh Pap. I 35 gehören hierher. Cardinali 175 zieht ferner noch für die metaphorische Bedeutung von L heran: Ditten-berger SylL (or.) 203 aus dem Heiligtum des θεὸς μέγιστος Ἔρμης Παότπνουφις in Pselchos: Ἀσκληπιάδου Ἰεροδούλου τδ προσκύνημα ὤδε παρὰ τῷ κυρίω Ἔρμη und CIG 2327 (von einer der Kykladen): Ἰερόδονλε Αὐ[λ]ὲ Καστρίκιε χρηστὲ χσῖρε.

Für höchst unsicher halte ich alles, was über H.-Darstellungen in der antiken Kunst geschrieben worden ist; es verlohnt sich nicht, darauf einzugehen.

Vgl. A. Hirt Die Hierodulen, mit Beilagen von Boeckh [= Kl. Schriften VII 575K] und Buttmann, Berlin 1818. Kreuser Der hellen. 30 Priesterstaat mit vorzüglicher Rücksicht auf die Hierodulen, Mainz 1822. A. Baumstark Pauly R.E. III 1312ff. Hermann-Stark Lehrb. der griech. Antiquitäten II² 107f. Hild in Darem-berg-Saglio III 171ff. Cardinali Note di ter-minologia epigrafica, II. Ἰεροί, Rendic. d. r. ac-cad. d. Lincei, scienze morali, Ser. V 17 (1908) 165ff.

Hieroglyphen. Mit dem Wort H. bezeichnen wir nach dem Vorgänge der klassischen Schrift-40 steiler die aus Bildern von Menschen, Tieren, Pflanzen und Gegenständen zusammengesetzte Schrift der alten Ägypter. Die Zahl der zu dieser Schrift verwendeten Bilder beträgt etwa 3000, von denen rund 300 im häufigen Gebrauch waren. Die Schrift läuft - in senkrechten oder wagrech-ten Zeilen - gewöhnlich von rechts nach links, nur selten - zu besonderen dekorativen Zwecken - läßt man sie von links nach rechts verlaufen. Die Köpfe der Menschen und Tiere sehen dabei 50 nach dem Anfänge der Zeilen hin.

Entstanden ist die H.-Schrift aus einer Bilderschrift, die den skandinavischen Felsenzeich-nungen oder den Bilderschriften der nordamerikanischen Indianer ähnlich gewesen sein mag Diese älteste Bilderschrift der vorhistorischen Ägypter ist uns verloren; sie wird auf Denkmälern der historischen Zeit nur noch vereinzelt, absichtlich archaisierend angewandt Eine derartige Inschrift zeigt Abb. 1 (S. 1469); sie bedeutet: der (als Stier 60dargestellte) König hat eine feindliche Stadt (die durch ein darinstehendes Gebäude dem Ägypter kenntlich war), erobert und zerstört Diese Art der Schrift gibt natürlich nur den beabsichtigten Sinn, nicht aber einen bestimmten Wortlaut wieder; sie ist von der Sprache gänzlich unabhängig und kann auch von jedem, der des Ägyptischen nicht mächtig ist, verstanden werden. Doch war zum eingehend«! Verständnis [1469] einer solchen Schrift ein mündlicher Kommentar notwendig. Ging derselbe verloren, so wurde das

Schriftbild so gut wie wertlos. Ein weiterer Übelstand war der, daß man Eigennamen, Tätigkeiten und Abstrakta gar nicht oder doch nur unvollkommen wiedergeben konnte. Die Ägypter haben sich da nun folgendermaßen geholfen, daß sie anstelle eines schwer wiederzugebenden Wortes das Bild eines anderen einsetzten, das dieselben Konsonanten enthielt, wie das zu bezeichnende, ohne jede Rücksicht auf die Vokale, die die beiden Worte hatten. Durch diesen Schritt verläßt die H.-Schrift den Boden der reinen Bilderschrift und bleibt natürlich nur noch für einen der Sprache Kundigen verständlich. Diese Stufe zeigt uns die zweite Inschrift Abb. 2: d e r (als Falke dargestellte) König hat aus dem Lande der (durch ihren Typus hinreichend gekennzeichneten) Feinde 6000 Gefangene weggeführt. Hier ist die

Zahl 6000 durch das sechs mal gesetzte Blatt wiedergegeben, da das Wort für Blatt dieselben Konsonanten besitzt wie das Wort für tausend.

»Aus dieser Verwendung von Wortbildern zur Schreibung bestimmter anderer Worte hat sich dann sehr früh auch eine weitergehende herausge- [1470] bildet, bei der die einzelnen Wortzeichen zu rein phonetischen Zeichen werden, die man in jedem Worte das die betreffenden Konsonanten enthält, benutzen kann.* (Erman Gramm, s § 19). Soz.B. das Bild für das Brettspiel mn zur Schreibung des m+n in *montu Gott mont, *mênet täglich, *smînet fest-steilen, *hôsmen Natron, *emnôd Brust u. ä. Dem würde etwa entsprechen, wenn wir das Bild einer Wage außer zur Wiedergabe von Worten wie WegJ Wiege und Woge auch zur Schreibung der

Konsonanten w + g in Verben wie wagen und bewegen benutzen wollten. Von hier aus war es nur noch ein Schritt, wenn die Ägypter Zeichen für einsilbige Worte, deren zweiter Radikal ein Halbvokal y oder w) oder der schwächste Hauchlaut (der Spiritus lenis) war, als einfache Buchstabenzeichen verwandten; so z. B. *ro’ Mund für r, * § ej See für § usw. Trotz dieser gewaltigen Errungenschaft, die phonetischen Elemente 2C ihrer Sprache in einzelne Konsonanten, aufzulösen, sind die Ägypter nie zur reinen Buchstabenschrift durchgedrungen, sondern sie benutzen nach wie vor ihre alten Wortzeichen neben den neugewonnenen 24 Konsonantenzeichen und verbinden sie in ganz eigenartiger Weise miteinander; so schreiben sie z. B. das Wort onet Tal erst mit dem Buchstabenzeichen) dann mit dem Wortzeichen ’n und lassen dahinter die beiden alphabetischen Zeichen n und t folgen. Das Wortbild stellt 30 sich also folgendermaßen dar: ’-n-n-t, wobei unserem Empfinden nach das Wortzeichen ’n gänzlich überflüssig ist, während es für den Ägypter vielleicht die Hauptsache war,

. Außer diesen phonetischen Zeichen gibt es in der H.-Schrift nun noch Deutzeichen, die sog. Determinative, die am Wortende stehen; sie haben keinerlei phonetischen Wert, sondern sollen nur das Lesen der vokallosen Schrift erleichtern; so ist z. B. die Konsonantengruppe prjt mit dem Zu-40 satz von drei Körnern * projet Korn, mit dem Bilde einer Sonne projet Frühjahr, mit zwei schreitenden Beinen *pàrjet hinausgehen zu lesen.

,Von der hier geschilderten Grundlage hat sich die ägyptische Schrift nie Iosgelöst und ist trotz ihrer reichen Entwicklung im Grunde immer nur eine phonetisch ergänzte Bilderschrift geblieben. Daher die uns befremdende Gleichgültigkeit in der Bezeichnung der Laute (keine Vokale, unvollständige Bezeichnung der Konsonanten); denn 50 Wortzeichen und Determinativa halfen dem Leser schon genügend zum Verständnis; für Leser wie wir, die die Sprache nicht kennen, waren die H. ja überhaupt nicht bestimmt.* (Erman a. a. O. § 21.)

Mit H. hat man, wenn wir von der ältesten reinen Bilderschrift absehen, vom Beginn des dritten vorchristlichen Jahrtausends bis in die späte römische Kaiserzeit geschrieben; die letzte datierte hieroglyphische Inschrift ist unter Decius abge-60 faßt, die älteste, uns verständliche längere Inschrift stammt aus der Zeit von etwa 2900 v. Chr.

Durch das Schreiben mit dem Binsenpinsel auf Papyrus nehmen die H. bereits sehr früh eine abgerundete kursive Form an, die wir hieratisch zu nennen pflegen. Das Hieratische selbst spaltete sich später in eine steife Buchschrift und eine stark abgekürzte, im täglichen Verkehr angewandte Kursive, das Demotische. [1471] Neben der gewöhnlichen H.-Schrift begann man etwa seit dem 19. Jhdt. eine spielende Schriftgattung hier und da anzuwenden, die die einzelnen Schriftzeichen in den seltsamsten übertragenen Bedeutungen verwertet, und welche man nur als Rebusschrift bezeichnen kann. In der späteren Zeit, namentlich unter den Ptolemäern und römischen Kaisern gewann diese änigmatische Schrift eine große Bedeutung, und Clemens Ale-xandrinus charakterisiert die H.-Schrift des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts durchaus treffend, wenn er sagt: ἡ μὲν ἔστι διὰ τῶν πρώτων στοιχείων κυριολογική, ἡ δὲ συμβολική, τῆς δὲ συμβολική; ἡ μὲν κυριολογεῖται κατὰ μίμησιν, ἡ δ ὤσπερ τροπικω; γράφεται, ἡ δὲ ἀντίκρυ; ἀλληγορεῖται κατὰ τινά; αἰνιγμου;. Die Erklärungen der H.-Schrift von Diodor, Plutarch, Eusebius und vor allem von Horapollon *) beziehen sich zumeist auf solche änigmatischen Schreibungen. Durch diese Angaben ließen sich die ersten modernen Entzifferer irre führen und alle ihre Versuche, die alte Schrift wieder zum Reden zu bringen, mußten scheitern. Auf die verschiedenen Deutungsversuche einzugehen, ist hier nicht der Ort; zudem haben sie für uns nur noch historisches Interesse. Den ersten richtigen Ansatz zur Entzifferung machte der Däne Zoëga, welcher erkannte, daß in Beischriften zu Königsdarstellungen die in den Ring ( M eingeschlossenen Zeichen den Namen des betreffenden Königs enthalten müßten. Erst nach der Auffindung des hiero-glyphisch, griechisch und demotisch abgefaßten dreisprachigen Steines von Rosette gelang es dann François C h a m p o 11 i o n, im hieroglyphischenText die Namen des Ptolemäus und der Kleopatra und vermittelst der hierdurch gewonnenen alphabetischen Zeichen eine ganze Reihe weiterer Namen von Ptolemäern und römischen Kaisern, schließlich auch von ägyptischen Pharaonen zu bestimmen und festzustellen, daß die Sprache der alten Ägypter im wesentlichen dieselbe sei, wie die von den Kopten mit griechischen Buchstaben geschriebene. Mit diesen Entdeckungen hat Champollion den Grundstein zur endlichen Entzifferung dieser uralten Schrift und zum Verständnis der in ihr geschriebenen Sprache gelegt.

Für alles Weitere siehe: Erman Altägyptische Grammatik⁸ (Berlin 1911) § 16–89; rar das Hieratische: Möller Hieratische Paläographie (Leipzig 1909ff.); für das Demotische: Griffith Rylands Papyri Bd. III; für die Entzifferung: H. Hartleben Champollion und sein Werk (Berlin 1906) Bd. I Kap. 7.

θροί. Der Gebrauch des Wortes Ἰερό; ist sehr ausgedehnt. Hier finden nur die Stellen Berücksichtigung, an denen ἰερό;, etwa wie ein